The Project Gutenberg EBook of Achtundvierzig Briefe von Johann Gottlieb
Fichte und seinen Verwandten, by Johann Gottlieb Fichte

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Title: Achtundvierzig Briefe von Johann Gottlieb Fichte und seinen Verwandten

Author: Johann Gottlieb Fichte

Editor: Moritz Weinhold

Release Date: July 28, 2009 [EBook #29530]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

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                         Achtundvierzig Briefe
                                  von
                         Johann Gottlieb Fichte
                                  und
                           seinen Verwandten.


                             Herausgegeben
                                  von
                            Moritz Weinhold.



                (Besonderer Abdruck aus den Grenzboten.)

       Mit dem Brustbilde und der Handschrift von Fichte's Frau.



                                Leipzig,
                           Fr.Wilh. Grunow.
                                 1862.




                                 Herrn
                   Prof. Dr. Immanuel Hermann Fichte
                              in Tbingen

                  dem wrdigen Sohne wrdiger Eltern.




Vorwort.


Ist seit der Fichte-Feier auch schon mehr als ein Monat verflossen,
so ist doch nicht zu befrchten, da damit auch schon die Theilnahme
der Gemther fr diesen groen Mann verschwunden sei. Hat doch die
Allgemeinheit, Gehobenheit und Innigkeit der Gedchtnifeste gezeigt,
da dieser Mann, wie aus dem Schooe des Volkes herausgewachsen, so auch
ihm an das Herz gewachsen ist; so da man vertrauen darf, das deutsche
Volk werde ihn so lange in treuem und dankbarem Andenken halten, bis
Das, was tchtig und ewig an ihm war, wiederum auch ganz in Fleisch und
Blut des Volkes hineingewachsen ist, damit sein Sinn und Geist Blthen
und Frchte treibe aus dem Marke und Safte des Volkes zum Segen des
Volkes. Es ist die Eigenthmlichkeit wahrhaft groer Mnner, da sie auf
der einen Seite Shne ihrer Zeit sind, auf der andern aber ihrer Zeit
vorauseilen und als Vorbilder erscheinen oft noch lange nach ihrem Tode.
In dem Sinne hat auch der Cultus des Genius sein Recht, wenn er dazu
dient, das Eigenartige, Neue, was in einer ausgezeichneten Persnlichkeit
zuerst Gestalt gewonnen hat, zum Gemeingute Aller zu machen.

Darum glaube ich, es werde eine nochmalige Hinweisung auf Fichte, wenn
schon nach dem Feste, doch nicht berhaupt zu spt kommen, zumal da
dieselbe nicht zu den zahlreichen Reden und Meinungsuerungen ber ihn
blo noch eine hinzufgen, sondern etwas in der That Neues und echt
Fichte'sches bringen will, nmlich eine Reihe von Briefen: zweiunddreiig
von Fichte selbst, elf von seiner Frau, drei von seinem Bruder Gottlob,
einen von seinem Bruder Gotthelf und einen von seiner Mutter. Dieselben
beziehen sich, als Briefe von Verwandten an einander, zunchst
auf Familienangelegenheiten, so jedoch, da darin auch Fichte's
Lebensschicksale und geistige Bestrebungen in mannigfache Erwhnung
kommen, ja da sogar einige Ergnzungen zu dem davon bereits Bekannten
geboten werden. Inde wrde mich dies noch nicht zur Verffentlichung
derselben bewogen haben, wenn ich ihnen nicht noch einen anderen Werth
beilegen zu drfen glaubte. Sie scheinen mir nmlich einen keineswegs
verchtlichen Beitrag zu Fichte's Charakterschilderung zu liefern,
indem sie manche Zge und Linien enthalten, welche dem groartigen
monumentalen Bilde, das wir Alle von seinem Wesen in uns tragen, in
feiner Nancirung das Mienenspiel grerer Portraithnlichkeit leihen,
ohne ihm seine erhabene Idealitt zu rauben.

Warum ich aber diese Reliquien nicht schon zu Fichte's Gedchtnifeier
verffentlicht, darber bin ich die Erklrung schuldig: sie liegt ganz
einfach in den Umstnden. Es war kaum zwei Wochen vor dem 19. Mai,
als mir, bei Gelegenheit der Erwhnung Fichte's, von einer meiner
Schlerinnen mitgetheilt wurde, ihre Mutter, die Enkelin von einem
Bruder Johann Gottlieb Fichte's, besitze Briefe von ihm. Ich erbat mir
die Mittheilung derselben -- es waren zwei Briefe von J.G. Fichte und
einer von seiner Gattin (Nr.7, 36, 38 der vollstndigen Reihe) -- und
verffentlichte dieselben in einem Aufsatze Zur Erinnerung an Johann
Gottlieb Fichte im Dresdner Journal 1862 Nr.108-111. Darin gab ich
als Einleitung eine kurze Hinweisung auf Fichte's philosophisches
System, welches in seinem theoretischen Theile eine wesentlich
geschichtliche und insofern allerdings auch unvergngliche Bedeutung in
Anspruch nehmen drfe; sodann aber hob ich den noch greren und
dauernderen Werth der praktischen Seite seiner Philosophie hervor,
welche recht eigentlich ein Erzeugni und ein Spiegel seines Charakters
ist, wie er auch selbst in seinem eigenen Leben mit seiner, wesentlich
ethischen, Lehre durchweg bereinstimmte. So steht Fichte vor uns da
-- ein ganzer, ein deutscher, ein groer Mann, ein hohes Vorbild der
Energie im Denken und im Handeln auch fr unsere Zeit. Nur aus einem
solchen Charakter lt sich auch jener, wenngleich einseitige und darum
falsche, dennoch aber groartige und erhabene theoretische Grundgedanke
erklren. An die durch die erwhnten Briefe veranlaten Hindeutungen
auf Fichte's husliche Verhltnisse und die gemthliche Seite seines
Wesens fgte ich endlich einige Notizen ber eine Wirksamkeit Fichte's,
an die man bei Erwhnung seines Namens gewhnlich gar nicht denkt, die
aber doch zur Vervollstndigung seines Charakterbildes der Erinnerung
wohl werth ist: seine Beziehung zur Poesie. Zu dem in Fichte's Biographie
(Fichte's Leben und literarischer Briefwechsel. Von seinem Sohne
Immanuel Hermann Fichte. 2.Aufl. Leipzig 1862. 2Bde.) darber
Gesagten gab ich als einen kleinen Nachtrag einige Citate, besonders aus
den Lebensbeschreibungen Adelbert von Chamisso's und Friedrich de la
Motte Fouqu's, zum Beweise, wie bedeutenden Einflu Fichte namentlich
auf die Dichter des Nordsternbundes in Berlin gehabt; ich schlo mit
den Worten: Wir sehen, da Fichte selbst in Kreisen, welche dem
eigentlichen Gebiete seiner Thtigkeit ferner standen, hohe Geltung
und Anerkennung geno und sich in jeder Beziehung als ein bedeutender,
unvergelicher Mann erweist; denn wer den Besten seiner Zeit genug
gethan, der hat gelebt fr alle Zeiten.

Das Interesse, welches fr die Sache rege geworden war, bewirkte
weitere Nachforschungen, und das Ergebni derselben war die Auffindung
einer ganzen fast vergessenen Sammlung von Briefen, welche mir
bereitwillig zur Verffentlichung berlassen wurden, die denn, nach
Vollendung der nthigen Vorarbeiten und mit ausdrcklicher Genehmigung
des Herrn Professor Dr. Fichte in Tbingen, zunchst in den Grenzboten
Nr.29-32 erfolgte, woraus nunmehr die vorliegende Separat-Ausgabe
hervorgegangen ist.

Ich habe den Abdruck nach einer diplomatisch genauen Copie der
Originale machen lassen, weil ich zu Aenderungen der darin, allerdings
nicht immer ganz consequent, beobachteten Orthographie und Interpunction
nach unsern Grundstzen mich nicht berechtigt und es auch nicht fr
nthig hielt, die vorkommenden kleinen Unfertigkeiten und Ungenauigkeiten
eigenmchtig und, wie's geschehen mte, bisweilen auch willkrlich zu
verbessern. Es mag Manchen interessiren zu sehen, wie Fichte schrieb,
wenn er flchtig schrieb; unserer Vorstellung von seiner Geistesgre
wird dadurch Nichts entzogen, da wir sehen, wie auch Fichte, wie wir
Alle, in eilig geschriebenen vertraulichen Briefen zuweilen einen
falschen Buchstaben machte oder einen Punkt verga. Ich erwhne nur
noch, da Fichte z.B. die geschrften Laute tz und ck, die er im
Ganzen scheint vermeiden zu wollen, doch bisweilen gebraucht, wie er
auch bald weist, bald weist u.dgl. schreibt. Zu den Briefen von
Johanna Maria Fichte bemerke ich, da darin der letzte Buchstabe des
Alphabets nach geschrften wie nach gedehnten Silben durchweg eine
solche Form hat, als ob t und z zu einem Buchstaben zusammengezogen
seien, soda nur die Wahl blieb, berall z oder berall tz zu
setzen: ich habe das Erstere gewhlt. Auerdem hat in Johanna's Briefen
das s immer die franzsische Form, ebenso die Buchstaben a, g, u, v,
w, die auch als groe Anfangsbuchstaben sich oft nur wenig von den
kleinen unterscheiden; hierzu vergleiche man die halb franzsische
Unterschrift des 16. Briefes und den gallicistischen Gebrauch der
Negation nach dem Comparativ im 12. Briefe.--

Diesem Bchlein fge ich als knstlerische Zugabe bei das Bildni von
Fichte's trefflicher Gattin in wohlgelungenem Kupferstiche nach einer
Zeichnung auf Pergament, welche sich im Besitze derselben Familie
befindet, der die Briefe gehren. Ein zweites Exemplar davon, mit
geringen Abweichungen, besitzt Herr Professor Fichte in Tbingen, und
danach ist der ziemlich rohe Holzschnitt im Illustrirten Panorama.
Berlin, Brigl. BandIII. Lief.1. gefertigt. Das daselbst daneben
gestellte Bild Fichte's aus seinen jngeren Jahren ist nur eine Fiction
des Zeichners; allerdings hat es zu jener Zeichnung in Sachsen ein
Pendant gegeben, jedenfalls aus Fichte's Jenaer Epoche, aber dieses ist
bedauerlicher Weise lngst abhanden gekommen und nicht mehr zu erlangen.
Leider ist nicht mehr aufzuklren, ob unser Medaillon-Bild eins von den
zwei oder drei (die Unterscheidung ist nicht ganz deutlich), sonst
unbekannten Portraits ist, welche Fichte in den Briefen an seine Braut
erwhnt, eben so wenig ist der Zeichner bekannt. Die Aehnlichkeit aber
ist von Herrn Professor Fichte, dem Sohne, ausdrcklich anerkannt,
welcher versichert, da ihre Gesichtszge auch in spteren Jahren noch,
besonders was den physiognomischen Ausdruck anbetrifft, ganz damit
bereinstimmten. Und in der That entspricht dieser Ausdruck auch ganz
der Vorstellung, die wir nach ihren Briefen uns machen, welche wirklich,
wie Gotthelf Fichte sagt, eine schne Seele verrathen: aus ihrem
Gesichte spricht Zartheit und Innigkeit, ruhig milde Sanftmuth, gepaart
mit einem leisen Anfluge von weiblich naivem Humor. Bemerkenswerth ist,
wie Johanna's Handschrift, die ursprnglich etwas gerundeter und
zierlicher war, einige Jahre nach ihrer Vermhlung einen freieren und
krftigeren Zug annimmt; diesen letzteren, als der fertigen Individualitt
entsprechend, habe ich geglaubt fr das Facsimile whlen zu mssen,
welches nach dem 38. Briefe gebildet ist. -- Johanna Fichte war keine
Bettina und keine Rahel, aber sie war eine treue, sinnige, glubige
deutsche Frau, die auch nahe daran war, in ihrem Wirken als Pflegerin
der Kmpfer fr Deutschlands Freiheit ihr Leben dem Vaterlande zu
opfern, whrend der Allwaltende ihr darin ihren Gatten zum
Stellvertreter setzte.--

Der Zweck dieses Schriftchens ist, Fichte zu zeigen, wie er war,
vorzglich in den Beziehungen zu seiner Familie: bei der Offenheit
seines Herzens verbindet sich dem reinsten Wohlwollen auch hier die bei
ihm berall durchschlagende Ehrlichkeit und Entschiedenheit des Willens.

Es ist die Art edler Charaktere, da sie uns um so mehr anziehen, je
nher wir ihnen treten. Schon in meiner Studienzeit in Leipzig hatte
ich, veranlat durch eine mir bertragene Bearbeitung der Fichte'schen
Philosophie in Herrn Professor Dr. Weie's philosophischer Gesellschaft,
Fichte's Geist in seiner Strke und Gre bewundern mssen; je mehr ich
ihn kennen lernte, desto mehr lernte ich ihn auch lieben. Ich hoffe,
auch Andere werden diese Erfahrung an sich machen. Eine glckliche
Fgung verstattet mir, gegenwrtigen kleinen Beitrag zur Verherrlichung
seines Andenkens zu liefern und so ihm meinen Dank abzutragen fr Das,
was er mir geworden durch seine Lehre und sein Leben.

Dresden, Michael 1862.

                               ~Julius Moritz Weinhold~,
                _Cand. theol._, Lehrer bei dem kniglichen Cadettencorps
                       und an der Wieland'schen Tchterschule&c.

  Der erste Brief ist aus Schulpforta geschrieben, ein halbes Jahr nach
  der am 4. Oct. 1774 erfolgten Aufnahme des damals kaum zwlf und ein
  halbes Jahr alten Knaben. Zu der Schilderung, die wir in seiner
  Lebensbeschreibung (I, 10-17) von seinem Aufenthalte auf dieser
  Frstenschule erhalten, fgt dieser Brief ein Genrebildchen, welches
  uns bereits in dem jungen Schler einerseits den ehrlichen, strengen
  Charakter andeutet, andererseits eine zartfhlende Gewandtheit zeigt,
  mit der er das Anerbieten seines Vaters von sich weist, ihm eine
  Sorte seiner Waaren zu liefern, die Gottlieb unter seinen Mitschlern
  vertreiben sollte. An dem Briefe ist auch eine fr das sehr jugendliche
  Alter des Schreibers auffallend ausgeschriebene Hand zu bemerken.




1.


        Herzliebster Vater

Euren Brief habe ich erst heute, als den 1 Aprill erhalten. Ich habe
bisher mit Schmerzen gewartet, und fast vor Freuden wurde ich auer mir
als ich hrte es sey ein Brief an mich da, denn ich glaubte gewi da
etwas darinn seyn wrde. In etlichen Tagen ist der _Examen_ aus welcher
14 Tage whret, und wo wir verschiedene Sachen ausarbeiten men,
die nach Dreden geschickt werden. Wir bekommen auch bermorgen die
_Censuren_, da wir entweder wegen unseres Fleies gelobt oder wegen
unserer Faulheit gescholten werden. Dieses wird nun alles nach Dreden
in die Regierung berichtet. Da ich nun gewi wei da ich ein sehr gutes
ja fast das beste Lob bekommen werde, so kostet mich doch auch dieses
entsetzlich Geld. Denn es ist hier die fatale Gewohnheit da wer eine
gute _Censur_ bekommt den 6. Obersten in seiner Clae und 5. Obersten
am Tische jeden ein ganz Stck Kuchen kauffen mu welches 1Gr. 3Pf.
kostet also zusammen 13Gr. 9Pf. Ob ich nun gleich dieses _Examen_
5Gr. 6Pf. verdient habe, so bleibt doch noch 8Gr. 3Pf. welche mir
auch schon mein Ober-Geselle ein sehr hbscher Mensch, geborgt hat. Doch
was ich brigens verdiene langt kaum zu den vielen Waer Krgen welche
man hier kaufen mu, denn die Untersten mssen Wasser holen, und mausen
sich einander die Krge dazu ganz entsetzlich welches ich aber nicht
thun kann, denn es ist und bleibt gestohlen. Doch bey allen diesen
kmmerlichen Dingen danke ich doch noch Gott da ich keine Schulden als
die vorhinerzhlten 8Gr. 3Pf. habe. Da es Euch mein lieber Vater sehr
schwer fallen werde, glaube ich wohl, doch sollte ich denn nicht noch
so ein gutes Andenken bei meinen Freunden haben. Mein unschickliches
Verhalten wegen des Briefes an Herrn Boden, glaube ich durch beygelegten
Brief gut zu machen. An zwey Personen aber kann man auf einmal einen
Brief nicht schreiben. Doch noch eins, was schreibt ihr mir denn von 6.
Geschwistern, ich habe gerechnet und gerechnet, bringe ihrer aber nur 5.
heraus. Ihr schreibt mir von Strumpfbndern, ich wei aber wohl nicht,
ob es gut gethan seyn wrde, denn leider fragt man hier nicht so
viel nach dergleichen Sachen als nach Geld, ich wrde auch noch dazu
entsetzlich ausgehhnt werden, wollt ihr mir aber so gut seyn und mir
ein paar schicken, so wird es mir sehr angenehm seyn, nicht allein weil
ich sie sehr nothwendig brauche, sondern weil es mir auch ein sehr
angenehmes Andenken an Euch verschaffen wrde. Ich habe weil ich hier
bin eine bestndige Gesundheit gehabt. Grt meine liebe Mutter mein
Geschwister und besonders Gottloben und sagt ihn er solle mir doch
schreiben. Ich wrde ihm auch schreiben, wenn es jetzo im _Examen_ die
Zeit litte. Lebet wohl.

_P. S._ Warum denn aber zur Oster Mee ihr knnt mir eure Brieffe immer
auf der Post un_francirt_ schicken, denn das bezahl der Hr. _Rector_

Pforte d. 1 Aprill 1775

                                          Johann Gottlieb Fichte

  Wer der im Briefe erwhnte Herr Boden sei, dafr finde ich keinen
  Anhalt. Der erwhnte Obergesell war der sptere Generalsuperintendent
  in Riga Karl Gottlob Sonntag, dessen Aufsicht er bergeben wurde, weil
  er die Behandlung seines ersten Obergesellen nicht lnger ertragen
  mochte (I, 12. 14.f.). Die Zahl der Geschwister, ber deren Vermehrung
  Fichte sich wundert, betrug berhaupt sieben, wie mir mndlich
  mitgetheilt worden; es waren sechs Brder und eine Schwester.




2.


                                    Wolfishein d. 13. Mai. 1787.

        Bester Vater,

Ich hoffe, da Er meinen Brief vom Ende vorigen Monats, im Einschlage
an Herr Burschen schon erhalten hat. Ich habe darinnen von meinen
Befinden, und von meinen Umstnden alles gesagt, was zu sagen war. Jetzt
habe ich einen Auftrag an Ihn, den ich so bald, als mglich zu besorgen
bitte.

Ich wei, da in Rammenau ein ganzer Busch von =Lerchenbumen= ist. Im
Gesprch sagte ich das einmal meinem Herrn Principal, und er wnschte
dergleichen Saamen zu haben, und hat mir Auftrag gegeben, ihn welchen zu
verschaffen. Ich bitte Ihn also hiermit, mir bei dem Jger (wenn er
nicht gerne wollen sollte, so mu er ihn in seinem, und auch in meinen
Namen sehr bitten, und ihm sagen, da mir eine groe sehr groe
Geflligkeit damit geschhe, und da ich zu allen mglichen Gegendiensten
bereit sey --) =Ein Loth Lerchen Saamen= zu verschaffen, gegen =baare
Bezahlung=, die ich Ihn vor der Hand auszulegen bitte, die ich aber
gleich nach Erhaltung des Saamens berschiken werde: sich aber zugleich
bei eben dem Jger =genau= und =sorgfltig= zu erkundigen, =wenn=?
(ob im Frhlinge, oder Herbst) und =wie=? (ob dichte, oder dnne)
der Lerchen Saamen geset wird, und besonders =was vor Boden=, ob
=leimigten=, oder =schwarzen schweren=, oder =sandigten= erfordert:
und mir =so bald als mglich= mit der Post den Saamen, nebst dieser
Nachricht, genau und deutlich, zu berschiken, und zu melden, was er
kostet.

Hierdurch, bester Vater, geschieht mir eine sehr groe Geflligkeit.
Suche Er also ja mir sowohl den Saamen, als die dazu gehrigen Nachrichten
zu verschaffen. Sollte, wie ich befrchte, der Jger den Saamen nicht
weggeben wollen, oder drfen; oder sollte Er es sich nicht getrauen, es
bei ihm dahin zu bringen, so bitte Er doch den Herrn Pfarrer Wagner,
nebst vielen Empfehlungen von mir, die Sache zu bernehmen, der ihn
vielleicht eher erhalten wird. Nur bitte ich mir auf jeden Fall baldige
Antwort aus. Uebrigens ist meine Lage noch ganz die vorige. Ich wnsche,
beste Eltern, da Sie recht wohl, und glklich leben, gre alles mein
Geschwister herzlich, und bin mit der kindlichsten Achtung

                                          Ihr
                                                 Gehorsamer Sohn
                                                    _Fichte_.

Viel Empfehlungen an den Hr. Pfarrer, Frau Mutter, und Herrn Bruder. Ich
bitte auf jeden Fall um baldige Antwort.

  Dieser zweite Brief mit der Aufschrift:

                                     Herrn
                                Herrn _=Fichte=_
                                                 in
                                                    =Rammenau=.,

  ist aus Wolfishein, wo Fichte Hauslehrer gewesen sein mu. Ein
  Wolfshain oder Wolfshayn, welches wohl hier gemeint ist, liegt
  2Stunden stlich von Leipzig; das dortige Rittergut kaufte um die
  Mitte des vorigen Jahrhunderts Buchdrucker Breitkopf. Auerdem giebt
  es ein Wolffshain in der Niederlausitz, 5St. stlich von Spremberg.
  Ueber diese Zeit seines Lebens berichtet sein Sohn nur (I, 27): Von
  seinen uern wechselnden Verhltnissen um diese Zeit wissen wir nur
  Einzelnes und Abgerissenes. Der in dem Briefe erwhnte Herr Bursche
  wohnte nach anderen Briefen in Pulsnitz und war Seifensieder; der
  Pfarrer Wagner war der um Fichte hoch verdiente Pastor zu Rammenau.
  Hier ist nmlich ein doppelter Irrthum der Biographie zu berichtigen.
  Dieselbe (I, 7f.) nennt diesen Mann =Diendorf=. -- Es gab aber in
  Rammenau nur einen Pfarrer _M._ Johann Gottfried =Dinndorf= -- so habe
  ich selbst den Namen in dem Kirchenbuche gelesen -- und dieser starb,
  nachdem er ziemlich 53 Jahre sein Amt verwaltet, am 19. Mrz 1764,
  also kaum zwei Jahre nach Fichte's Geburt. Auf ihn folgte zunchst
  _M._ Karl Christoph Nestler, und auf diesen am 5. August 1770 Adam
  Gottlob Wagner. Derselbe war, wie mir Herr Pastor Werner in Rammenau
  mndlich mittheilte, vorher Erzieher auf dem herrschaftlichen Schlosse
  gewesen und daher mit den Ortsverhltnissen und den Dorfbewohnern wohl
  bekannt; und so empfahl er spter den etwa zehnjhrigen Fichte dem
  Herrn von Miltitz, der gewnscht hatte, eine von Wagners Predigten zu
  hren. Aber selbst hiervon abgesehen, und ein noch geringeres Alter
  angenommen -- wie der Biograph sagt: der Knabe mochte bereits acht
  oder neun Jahre alt geworden sein --, kann immer nur an Wagner
  gedacht werden. Auch war derselbe, wie ich selbst von andern
  Seiten in der Lausitz gehrt habe, als Prediger berhmt. -- Jene
  Namensverwechslung kann, wie Herr Pastor Werner vermuthet, vielleicht
  dadurch entstanden sein, da Fichte wohl zuweilen seiner Familie von
  dem alten wackern, zu seiner Zeit noch nicht vergessenen, Dinndorf
  erzhlt haben mag, der whrend seiner langen Amtsfhrung gar Vieles
  erlebt hatte, z.B. den siebenjhrigen Krieg, einen Neubau der Kirche
  u.s.w., und der ein unermdlich fleiiger Prediger war, denn er
  soll whrend seines Lebens beinahe 8000Mal gepredigt haben. -- Der
  damalige Gutsherr von Rammenau wird in der Biographie (I, 7) Graf von
  Hoffmannsegg genannt. Genau genommen aber hie er damals nur Johann
  Albericus von Hoffmann und war Geheimer Cabinets-Assistenzrath; denn
  erst 1779 wurde er unter dem Namen Hoffmannsegg (er soll einen mit
  einer Egge verbundenen Pflug erfunden haben) in den Reichsgrafenstand
  erhoben. -- Uebrigens ist bemerkenswerth, wie in Fichte's Briefen mit
  der Zeit die Anreden wechseln: im ersten Briefe nennt Fichte seinen
  Vater, Ihr, in diesem Er, in allen ferneren aber nach unserer
  Weise Sie.

  Im Sommer 1788 ging Fichte nach Zrich, wo er anderthalb Jahre
  Erzieher im Hause eines angesehenen Gasthofbesitzers, Namens Ott, war
  (I, 32f. 39). Ende Mrz des Jahres 1790 reiste er von dort wieder ab
  und traf in der ersten Hlfte des Mai in Leipzig ein, wo er den
  folgenden Brief an seine Eltern schrieb, welchem auf der Rckseite
  desselben Blattes einer an seinen Bruder Gotthelf angefgt ist.




3a.


                                        Leipzig. d. 20. Jun. 90.

        Liebste Eltern,

Ich bin seit 6. Wochen, und drber, in Leipzig. Wenn ich es Ihnen nicht
eher meldete, so kam es blos daher, weil ich keine Gelegenheit; und wenn
Gelegenheit, keine Zeit hatte.

Ich bin 7. Wochen auf der Reise gewesen: bin sehr gesund und angenehm
gereit: habe viel schnes gesehen und viel groe Mnner kennen gelernt.
Jetzt habe ich keine =bestimmten= Aussichten: Hofnungen und Versprechungen
genug, aber noch nichts sicher. Sobald sich welche finden werden; sobald
ich meinen Aufenthalt verndern werde, werde ich nicht ermangeln, es
Ihnen zu melden. Lieber wre es mir fast, wenn ich etwa ein Jahr in
Leipzig bleiben knnte. Knnte ich dies mglich machen, so wrde ich die
vortheilhaftesten Antrge ausschlagen.

Mein Plan ist noch der ehemalige. Nur will ich nicht mehr zu Kindern;
sonst knnte ich lngst eine Stelle haben. Ich will reisen, oder an
einen Hof. -- Sollte dies etwa Jemand nicht begreifen knnen: so --
wundert mich das nicht. Wenn ich es nur begreife.

Ich bin mit hchster Ehre von Zrich abgegangen. Weise ist mehr als je,
mein Freund. Der Hr. vonMiltitz ist gut auf mich zu sprechen. Ich
wechsele Briefe von Zrich bis Coppenhagen -- und mit groen Personen.

Ich gehe einen Weg es entweder sehr hoch zu bringen, oder ganz zu
verlieren, sagt ein hiesiger Professor, der mein Freund ist. -- Er hat
recht; aber ich hoffe das erstere; und wrde das letztere ertragen.

Den gewhnlichen Weg schleichen -- mich auf eine Dorfpfarre setzen, kann
ich einmal nicht, und Gott, der mir diesen Sinn gab, wei, da ich es
nicht kann.

Ich bitte Sie, mich in Ihrem gtigen Andenken zu behalten, und zu
glauben, da ich unverndert bin

                                          Ihr
                                                 gehorsamer Sohn
                                                    Gottlieb.

_P. S._ Es thut mir leid, da ich diesen Brief nicht frankiren kann. Ich
schike ihn durch Einschlu bis Dreden, gebe ihn also nicht hier auf die
Post. -- Aber ber 1Gr. 3Pf. darf er nicht kosten, denn er kmmt von
Dreden.




3b.


                       =Meinem Bruder Gotthelf.=

        Lieber Bruder,

Da ich wieder in meinem Vaterlande bin, wirst du nun wien. -- Ich bin
gesund, -- gesnder, als ich vielleicht je war; das thut das Reisen --
muthig, voll Lust und Hofnung. Aussichten, wie ich sie wnsche, habe ich
genug, aber ich erwarte sie mit Geduld, und Ergebung. Was mir am meisten
fehlt, sind Freunde. Mit gewhnlichen Studenten mag ich keinen Umgang
haben; meine alten Freunde sind alle weg: ich wnsche also oft Dich zu
mir, um so ein Gesprch zu fhren, wie wir es im Jahr 88 oft hatten. Mit
den wenigsten Menschen komme ich im vertrauten Umgange zu rechte. In Dir
hatte mir die Natur einen Freund gegeben, wie ich ihn bedarf. Warum
musten so verschiedene Lebensarten, und solche Entfernungen uns trennen?

Erseze, was dem mndlichen Umgange fehlt, durch Briefe. Schreib mir oft,
und so viel Du willst und kannst. Ich werde Deine Briefe gern lesen, und
beantworten. -- Da Du aber nicht postmig schreiben kannst, und da ich
wnsche, da Du mir groe Briefe schriebest, so gieb sie den Fuhrleuten.
Ich wohne auf der =Fleischer Gae, in Weinholds Hause, 1. Treppe hoch,
vorn heraus=.

Ich mu mich jezt mit Bcherschreiben ernhren; wenn ich leben will. Das
ist mir denn nun keine angenehme Arbeit. Will ich was gutes, nzliches,
schnes schreiben, wie ich wohl mchte, und knnte, so erfordert es viel
Zeit, und -- der Buchhndler will nichts nzliches. Schreibe ich, wie
der Buchhndler es gern hat, leichte Waare, Mode Zeug, so macht mir das
weder Ehre, noch Vergngen.

Zur Zeit ist noch nichts erschienen, aber auf die Michaelis-Mee wird
einiges von mir die Pree verlassen.

Sehen mchte ich Dich, und die brigen aus dem Hause, die mich lieben,
wohl gern einmal. Aber -- ich hnge in Ansehung des Reisens von meinem
Beutel ab, und der vertrgt jetzt keine Reise. Auf Michaelis =vielleicht=
komme ich -- nicht nach Rammenau; dahin in meinem Leben schwerlich
wieder -- sondern in eure Nhe, wo mich sehen knnen, die mich sehen
wollen.

Leb recht wohl. Ich bin Dein

                                  Dich herzlich liebender Bruder
                                             Gottlieb.

  Weise ist ohne Zweifel der Kreissteuerrath Weie, sein treuer
  Beschtzer, der ihm auch die Stelle in der Schweiz verschafft hatte.
  Der Freiherr von Miltitz war der Edelmann, der so vterlich fr
  Fichte's Ausbildung sorgte. Derselbe nahm den Knaben Fichte zuerst
  mit nach seinem Schlosse =Siebeneichen= bei Meien an der Elbe,
  welches in der Biographie (I, 9) auch ganz richtig beschrieben ist,
  obwohl daselbst Oberau genannt ist, was aber stlich abseits der
  Elbe liegt. Herr Pastor Carl Gottfried Beer in Niederau schreibt mir
  darber: Auf Park und Schlo zu Oberau pat die Beschreibung gar
  nicht. -- Oberau und Niederau gehrten frher mit zu dem manchmal so
  genannten Miltitzer Lndchen, und die letzten Besitzer dieses Namens
  haben auch in Oberau gewohnt. Sodann wurde Fichte dem Prediger in
  Niederau anvertraut, bei dem er seine schnsten Jugendjahre verlebte.
  Der Biograph sagt: Leider wissen wir den Namen des trefflichen Mannes
  nicht, wol aber erinnern wir uns, da Fichte noch in seinen sptern
  Jahren mit Rhrung und herzlichem Danke des frommen Predigerpaars
  gedachte. Herr Pfarrer Beer, den ich um Auskunft ersuchte, macht mir
  die dankenswerthe Mittheilung: Der Pfarrer hie Gotthold Leberecht
  Krebel, starb 1795, nachdem er 31 Jahr, von 1764 an, Pastor der
  Gemeinde zu Niederau gewesen. -- In meinem Garten stehen zwei Linden
  und hinter demselben dicht an der Mauer noch zwei. Von diesen sagte
  mir mein alter ehrwrdiger Schulmeister, den ich 1823 bei Antritt
  meines Amts in Niederau fand: Diese Linden hat ein Knabe gepflanzt,
  der bei dem seligen Krebel in Kost und Lehre gewesen ist; der Knabe
  hat Fichte geheien. So erzhlte mein alter Hase, der brigens weiter
  nichts von Fichte und dessen Schicksalen gehrt oder gelesen hatte.
  Nach Sachsens Kirchen-Galerie 1.Band (Dresden, Schmidt 1837),
  S.125 -- wo brigens, wie ich nachtrglich finde, auch schon Pastor
  Krebel als derjenige genannt ist, bei dem Fichte einen Theil seiner
  Knabenjahre verlebte -- war dieser Johann Georg Haase, geb. 1764 in
  Wrschnitz bei Radeberg, seit 1787 Lehrer in Niederau: also erst
  nachdem Fichte lngst weg war, wie auch die Perfect-Form der
  Zeitwrter in seinem angefhrten Berichte besttigt. In Bezug endlich
  auf den Freiherrn von Miltitz, dessen Name in der Biographie auch
  nicht genauer bezeichnet ist, bemerkt Herr Pastor Beer: Im Jahre 1774
  hat der _P._ Krebel aufgezeichnet: Am 5. Mrz verstarb zu Pisa Herr
  Ernst Haubold von Miltitz &c. und ist zu Livorno christlich beerdigt
  worden. Ein Vierteljahr darauf starb des gedachten Herrn vonM.
  einzige Tochter im fnften Lebensjahre, und ist auf dem Kirchhofe zu
  Oberau beerdigt worden. -- Der genannte Herr vonM. war nur 34 Jahr
  alt geworden; zur Pflege seiner Gesundheit nach Italien gegangen,
  hatte er daselbst einer langwierigen Krankheit unterliegen mssen.
  Dieser ist wahrscheinlich der Gnner, der sich um Fichte so verdient
  gemacht hat. -- Nach dem Kirchenbuche zu Rammenau war ein Pathe des
  1766 in der katholischen Hofkirche zu Dresden getauften Johann
  Centurius von Hoffmannesegg: der hochwohlgeborene Herr Ernst Haubold
  von Miltitz, Erb-, Lehn- und Gerichtsherr zu Oberau, Niederau,
  Siebeneichen und Bazdorf, Churfrstl. Sch. Obrist-Lieutenant und
  Amts-Hauptmann des Meinischen Creyes. Dieser kann aber wohl kaum
  ein und derselbe mit dem obigen sein, sondern vielleicht der
  gleichnamige Vater desselben. -- Wie sehr ihm Freunde fehlten, spricht
  Fichte auch in einem Briefe nach der Schweiz vom 8. Juni aus (I, 71);
  in demselben Briefe (I, 74) macht er den Buchhndlern hnliche
  Vorwrfe wie hier. Das Werk, was er zum Drucke vorbereitete, war eine
  Schrift ber Kants Kritik der Urtheilskraft, die aber nie gedruckt
  ward (I, 96f. 99f. 105f. 108f. 111ff.), deren Ausarbeitung seinen
  durch das Studium der Kant'schen Philosophie bewirkten Uebergang von
  Spinoza'schem Determinismus zur Anerkennung persnlicher Freiheit
  bezeichnet.

  Gotthelf ist sein Liebling unter seinen Brdern, neben dem nur noch
  Gottlob fters erwhnt wird; seiner -- nchst seinem stets am hchsten
  verehrten Vater -- gedenkt er auch in dem Tagebuche ber seine Reise
  nach Warschau besonders herzlich (I, 119); ihn macht er schon hier
  sanft auf einen Fehler aufmerksam; ihn sucht er, wie wir spter sehen
  werden, ganz zu sich heran zu bilden. An ihn ist auch der folgende
  Brief gerichtet, in welchem er mit grter Offenheit ber die -- an
  sich wohl ganz erklrlichen, ja von einem beschrnkten Standpunkte aus
  sogar natrlichen -- Erwartungen und Zumuthungen von Seiten seiner
  Familie (an denen namentlich seine Mutter wesentlichen Antheil hatte;
  vgl. unten den 12. Brief) seinem Herzen Luft macht, welches hier,
  erfreulicher Weise nur vorbergehend, einen ziemlich hohen Grad von
  bitterer Gereiztheit zeigt, da er wie Faust in seinem dunkeln Drange
  sich seines rechten Weges wohl bewut war. Diesem Bruder hatte er
  auch, wie der Anfang dieses Briefes anzudeuten scheint, seine
  Vertheidigung gegen jene Anforderungen aufgetragen, welche freilich
  nicht gelang.




4.


                                    Leipzig, d. 3. Jenner. 1791.

Erst gestern, mein lieber Bruder, habe ich Deinen Brief erhalten, und
heute antworte ich Dir, weil morgen Posttag ist. Schon fing ich an zu
glauben, mein lezter Brief sei zu hart gewesen; er reute mich, und ich
war im Begrif in einem gelindern Tone mich zu beklagen.

Dank Dir, Bruder, da Du Deine Auftrge so richtig ausgerichtet hast,
da er mich eben nicht mehr reuen darf. -- Doch reut er mich auch noch.
Ich habe Worte verlohren.

Ich fragte nicht etwan an, =ob= man meine Maasregeln billigte? Es
scheint, man hat meinen Brief falsch verstanden. Das wei ich allemal
schon vorher, da nie etwas wird gebilligt werden, was ich thue; und
dies ist nun eben auch mein geringster Kummer. Aber wie wre auch das zu
billigen, da ich schon wieder nicht in meinem =Dienste= geblieben bin;
da ich wieder keinen =Herrn= habe? Die Leute haben in ihrer Art ganz
Recht. -- Ich fragte nur, ob man mir etwan =deswegen= nicht schriebe,
=weil= man meine Maasregeln nicht billigte? Da es mich verdro, da
man that, als ob ich gar nicht mehr in der Welt war, lugne ich nicht.
Da Du selbst, Bruder, so in ganzem Ernste die Nachlssigkeit im
Briefschreiben auf mich zurkschieben; da Du das ohne Errthen
niederschreiben; da Du Deine Feder dazu leihen konntest, wundert mich
doch. =Ich wrde nicht geschrieben haben, wenn man mich nicht aufgesucht
htte= -- Ei! wer ist denn so klug, da er wei, was ich gethan haben
=wrde=? Ich kann im Gegentheil versichern, da ich darum keinen Tag
eher, und keinen spter geschrieben hatte. Ich schrieb, sobald ich
=konnte= (im eigentlichen Sinne des Wortes =konnte=) Htte ich eher
gekonnt, so htte ich es eher gethan: htte ich auch dann noch nicht
gekonnt, so htte es auch dann bleiben men. Wer hat denn aber seitdem
auf 3. bis 4. Briefe aus der Schweiz -- auf den, den ich sogleich nach
meiner Ankunft in Leipzig schrieb, nicht geantwortet? mir nicht einmal
einen Empfangsschein zugeschikt? Wste ich nicht sicher, da sie richtig
abgegeben wren, so mste ich fest glauben, sie seien untergeschlagen.

Denen es so sehr leid thut, da ich nicht mehr in der Schweiz bin, will
ich den Gefallen auch thun. =Ich reise Anfangs Aprills wieder in die
Schweiz zurk, um nie wieder nach Sachsen zu kommen.= -- Was will man
denn wohl mit diesem Bedauern? mit diesem Verheimlichen? Du httest mich
Dir sehr verbindlich gemacht, wenn Du mir die Ursachen davon geschrieben
httest. Nimmt man vielleicht die Maske, als ob es einem um meine
Wohlfahrt sei? O, wer kann denn ber meine Wohlfahrt aus seinem engen
Gesichtspuncte so dreist urtheilen? Wer wei denn die Grnde meines
Abgehens in der Schweiz? wer wei denn das, was mich bewogen hat, wieder
nach Leipzig zu gehn? wer wei denn, wie es mir in Leipzig geht? Man mu
scharfsinniger sein, als ich bis jetzt gewust habe. -- Oder ist es ihnen
nur darum zu thun, mich recht weit von sich zu wien? O! ich mag weit
oder nahe sein, so sind sie immer sehr sicher, da ich mich ihnen nicht
nahe. La sie glauben, ich bin gar tod; das ist noch weiter als die
Schweiz. -- Oder ist ihnen nur das zuwider, da sie nicht mit mir,
nach ihrer Art, Staat machen knnen? Mgen sie doch immer sagen,
ich sei irgendwo ein Dorf Pfarrer. Ich werde nicht kommen, und ihnen
widersprechen. -- Beer konnte man nicht sagen, da man sich meiner
schme. Aber la sie es immer sagen. Ich will mich ihrer nicht schmen.

Da man mein Glck wnscht, wrde mich noch mehr freuen, wenn man mir
zugleich, -- mir, der ich schon lngst mndig bin, der ich wohl etwas
von der Welt kennen sollte, der ich wenigstens eben so viel wei, als
sie -- erlauben wollte, es nach meiner Art zu suchen.

Dies in Antwort auf Deine Auftrge. Richte es so pnctlich aus, als Du
Dich derjenigen an mich erledigt zu haben scheinst. Jezt blos an Dich.

Ich habe in meinem lezten Briefe auf niemand weniger gezielt, als
auf Dich. Du bist jung und =Dir= war eine solche Nachligkeit im
Briefschreiben eher zu verzeihen. Da ein Brief an mich entworfen
gewesen ist, glaube ich. Aber warum nicht fortgeschickt? Da ich in
Dreden sei, war ein sehr albernes Gercht, und es war bereilt ihm zu
glauben. Da ich mich nicht scheue, irgend jemand unter die Augen zu
gehen, so wrde ich von Dreden aus nicht ermangelt haben, meinen
Aufenthalt zu wien zu thun. Eben so sicher war darauf zu rechnen, da,
wenn ich meinen Aufenthalt auf eine andere Art verndert htte, ich es
eben so richtig wrde gemeldet haben, als ich meine Ankunft in Leipzig
meldete. Sind also alles dies nicht leere Entschuldigungen, wie ich
nicht glauben will, so grnden sich doch alle diese Muthmaaungen auf
eine sehr verkehrte Meinung von meinem Character, und diese freut micht
nicht. In Dreden bin ich vorigen August 2. Tage gewesen. Ich habe nicht
geglaubt Ursache zu haben, mich vor irgend jemand zu versteken.

Da ich Dich, mein Bruder, noch liebe wie sonst, versichere ich Dich mit
eben der Offenheit, mit der ich Dir es frei heraussagen wrde, wenn Du
bei mir verloren httest. Ich denke der Tage, da ich in Dir die einzige
gute Seele fand, die mich liebte, und mit der ich ein Wort reden konnte,
wie ichs reden mochte. Gott erhalte Dein Herz unverdorben! und dann
erhalte mir Deine Freundschaft auch in der Entfernung; ob es gleich
nicht scheint, da wir einander in diesem Leben wiedersehen werden.

In Absicht des Briefwechsels werde ich es immer halten, wie jezt. So
oft Du mir schreibst, erhltst Du den nchsten Posttag Antwort. Schreibst
Du mir nicht, so hast Du freilich auch auf keine Zeile von mir zu
rechnen. Worum Du mich fragst, werde ich Dir stets, so viel es sicher,
und gut ist, beantworten. Worber Du mich nicht fragst, darber sage ich
nichts. So hast Du z.B. jezt auf keine Nachricht ber meine Lage,
Plne, Aussichten zu rechnen, weil Du mich nicht darum gefragt hast.
Verndert sich mein Aufenthalt, so schike ich Dir meine Adresse, =wenn
du es verlangst=. So wollte ich Dir z.B. wohl rathen, wenn Dir oder
irgend jemand in unserer Familie an fortdauernder Verbindung mit mir
gelegen ist, mir noch vor Ende des Merzes zu schreiben. Sonst gehe ich
aus Sachsen, ohne da irgend jemand von euch erfhrt, wo ich bin.

Mein guter Vater -- Du weit es, wie sehr ich ihn immer geliebt habe --
dauert mich, da ich ihm, deen Leben so leidenvoll war, nicht einst den
Rest seiner Tage versen, und seinen vortreflichen Umgang genieen
soll: Du dauerst mich, da ich nicht etwas beitragen sollte, Deinen
Geist bilden zu helfen und wo mglich, Deine Schiksale etwas zu
verbeern. Aber es ist nicht zu ndern. Du bist jung; Dich seh' ich
vielleicht noch hienieden wieder. Meinen geliebten Vater hchst
wahrscheinlich nur in beern Welten, in denen seine Thrnen abtroknen
und sein Leiden enden wird. Die Augen gehn mir ber. Gre diesen
theuern Vater herzlich, und sage ihm, aber =allein=, wie ich gegen ihn
denke: aber er solle mir verzeihen, da ich nicht anders handeln knne.

Ueber Deine Zunahme freue ich mich; ich sehe zum Theil aus Deinem
Briefe, da sie nicht bloe leere Einbildung ist. Aber, erlaube einem
ltern Dich herzlich liebenden Bruder Dir zu sagen, da wahre Weiheit
immer bescheiden ist; und da jede List das Herz verderbt. Ich habe mein
ganzes Moralsystem gendert. Doch davon ein andermal; wenn du =auf obige
Bedingungen= den Briefwechel fortsezen willst. -- Gre meine Eltern
und Geschwister herzlich. Ich bin Dein Dich liebender Bruder.

                                                   J.G. Fichte.

Meine Adree ist bis Ende Merzes =Leipzig, auf der Schlogae neben dem
Petrino in Brauns Hause 3. Treppen=.

  Demselben Bruder gilt der nchste Brief, welcher besonders darum
  interessant ist, weil er auer verschiedenen schon angeregten
  Beziehungen auch Fichte's Studium der Philosophie und seine
  Herzensverhltnisse bespricht.

  Ueber die hier berhrte frhere Neigung zu Charlotte Schlieben (so
  scheint der Name gelesen werden zu mssen) ist sonst Nichts bekannt.
  Seine Gnnerin, die Dame aus Weimar schwieg, nach einem Briefe vom
  1. August, worin ihr Name auch nicht genannt wird (I, 77), seit ein
  paar Monaten ber ihr Project, ihn an einen gewissen sehr guten
  Hof zu bringen. Wie sehr aber sein Gemth noch immer durch den Mangel
  eines bestimmten, festen Wirkungskreises beunruhigt in unstetem
  Schwanken gehalten wurde zu einer Zeit, wo seine Verheirathung bereits
  beschlossen war, wie schon im vorigen Briefe angedeutet und in diesem
  deutlich ausgesagt ist, wie er auch am 7. Febr. und noch am 1. Mrz an
  seine zuknftige Gattin schreibt (I, 98f.), das beweist der Schlu
  dieses Schreibens. Sicherlich bedarf es, zumal bei einem so auf
  sich selbst gestellten Charakter, wie ihn Fichte besa, keiner
  Entschuldigung, sondern fordert vielmehr achtungsvolle Anerkennung,
  da sein Mannesstolz es nicht ertragen mochte, eine andere Seele an
  sein unbestimmtes Schicksal zu fesseln oder in gemchlicher Ruhe sich
  vom Vermgen seiner Frau zu nhren. Wohl aber ist dabei zu beachten,
  da nicht jugendlich blinde Leidenschaft ihn zu der vier Jahre lteren
  Braut zog, sondern die mit nherer Bekanntschaft sich steigernde und
  mit verstndiger Besonnenheit verbundene Werthschtzung (I, 39ff.).
  Die gewisse Begebenheit, die er hier als nchste Veranlassung der
  erneuerten Kmpfe nennt, drfte wohl die in dem Briefe an seine Braut
  vom 1. Mrz 1791 (I, 99f.) allerdings etwas dunkel beschriebene
  Anklage wegen Entlarvung eines Betrgers sein.




5.


                                       Leipzig d. 5. Merz. 1791.

        Mein lieber Bruder,

Erst vor zwei Stunden habe ich Deinen Brief erhalten (denn entweder Du
datirst Deine Briefe falsch, oder giebst sie erst spt auf die Post).
Jezt habe ich die erste freie Stunde, und sogleich seze ich mich her,
Dir zu antworten, und wenn die paar Stunden die von jezt bis zum Abgange
der Post mein sind, zulangen, so geht noch heute mein Brief ab. Endlich
habe ich einen Brief von Dir gelesen, wie ich sie von Dir zu lesen
wnsche...... [Lcke] .. Freund. Ich wei, Bruder, da Du mich liebst,
und ich fhle immer mehr den Vortheil, einen Freund zu haben, den die
Natur selbst fr uns bildete, und den sie uns so wunderbar hnlich
schuf. Ich werde Dich immer lieben; nichts hat mein Herz gegen Dich
erkltet, denn die letztern Vorflle habe ich nicht auf Rechnung Deines
Herzens, sondern auf Rechnung Deiner Jugend, und Deines Mangels an Welt-
und Menschen-Kenntnis geschrieben. Und wenn =ich= solche Fehler nicht
verzeihen knnte?

Habt Ihr nicht einen Brief von mir erhalten, der ohngefhr im Februar
vorigen Jahres aus Zrich geschrieben war, und worinn ich meinen
Entschlu wieder nach Sachsen zu kommen, ankndigte? Ich hoffe nicht,
da Fritsche aus seiner sehr knauserigen Oekonomie auch diesen
zurkbehalten hat. Hat er das, so habe ich freilich bisher Unrecht zu
haben =geschienen=; aber es nicht =gehabt=. Aber da niemand allwiend
ist, so bitte ich, =aber nur in diesem Falle=, um Verzeihung. -- Ich
werde inzwischen die Sache mit den Briefen untersuchen. Ich verlies
Zrich, weil es mir, wie ich mehrmals nach Hause geschrieben habe, in
dem Hause, in welchem ich war, nicht ganz gefiel. Ich hatte von Anfange
an eine Menge Vorurtheile zu bekmpfen; ich hatte mit starrkpfigten
Leuten zu thun. Endlich, da ich durchgedrungen, und sie gewaltiger Weise
gezwungen hatte, mich zu verehren, hatte ich meinen Abschied schon
angekndigt; welchen zu widerrufen =ich= zu stolz, und =sie= zu
furchtsam waren, da sie nicht wien konnten, ob ich ihre Vorschlge
anhren wrde. Ich htte sie aber angehrt. Uebrigens bin ich mit groer
Ehre von ihnen weggegangen: man hat mich dringend empfohlen; und noch
jezt stehe ich mit dem Hause im Briefwechsel.

Ich ging mit den weitaussehendsten Aussichten und Plnen von Zrich:
nicht um in Sachsen zu bleiben, sondern um in Leipzig den Erfolg meiner
groen Plne abzuwarten. Ich hatte ... [Lcke] .... und war daselbst
hher ... [Lcke] ... Auf meiner Reise lernte ich groe Personen kennen,
die alle mich zu ehren schienen. Bewegungsgrnde genug, um mir viel
zuzutrauen. Ich war von Zrich aus dringend an den _Premier Ministre_ in
Dnemark, Graf von Bernstorf, an den groen Klopstok, u.s.w. empfohlen.
Ich erwartete nichts weniger, als eine Minister Stelle in Coppenhagen.
-- Zu gleicher Zeit schrieb mir eine vornehme Dame aus Weimar: sie
arbeite, und habe Hofnung, mich an einen Hof zu bringen. -- Im kurzen
scheiterten alle diese Aussichten, und ich war der Verzweiflung nahe.
Aus Verdru warf ich mich in die =Kantische= Philosophie (vielleicht ist
Dir der Name einmal in einem der Bcher, die Du liesest, vorgekommen)
die eben so herzerhebend, als kopfbrechend ist. Ich fand darin eine
Beschftigung, die Herz und Kopf fllte; mein ungestmer Ausbeitungs
Geist schwieg: das waren die glcklichsten Tage, die ich je verlebt
habe. Von einem Tage zum andern verlegen um Brod war ich dennoch damals
vielleicht einer der glklichsten Menschen auf dem weiten Runde der
Erden. -- Ich fing eine Schrift an, ber diese Philosophie, die zwar
warscheinlich nicht herauskommen wird, weil ich sie nicht vollendet
habe; der ich aber doch glkliche Tage, und eine sehr vortheilhafte
Revolution in meinem Kopfe, und Herzen verdanke.

Eine neue Periode! Unter den Husern, mit denen ich in Zrich sehr
genau bekannt war, war das, eines Mannes von ohngefhr 70. Jahren, der
mit dem besten Herzen viel Kenntnie und eine ungeheure Welt- und
Menschenkenntni vereinigte. Dieser Mann wurde durch einen vertrauten
Umgang mit mir in die schnen Zeiten seiner Jugend zurkversezt. Er
liebte mich, als ein Vater; und verehrte mich hher, als es meine
Verdienste, oder seine Jahre eigentlich erlaubten. Dieser Mann hatte
eine einzige Tochter, die unter seinen Augen aufgewachsen war; die noch
nichts gefhlt hatte, als innige Verehrung dieses Vaters, und die von
Jugend auf gewohnt war, alles mit den Augen ihres Vaters anzusehen. War
es ein Wunder, da, =ganz ohne mein Zuthun=, der Liebling des Vaters
auch der der Tochter wurde? Welche Mansperson ist nicht scharfsinnig
genug, Empfindungen von der Art bald zu entdeken, die noch dazu mir eben
nicht verholen wurden? Mein Herz war leer, Charlotte Schlieben war schon
lngst daraus vertilgt. Ich lie mich lieben, ohne es eben zu sehr zu
begehren. -- Ich reis'te von Zrich ab, nachdem wir einander unbestimmte
Versprechungen gemacht, und einen bestndigen Briefwechsel verabredet
hatten. Dieser Briefwechsel wurde von Ihrer Seite immer dringender, und
zrtlicher. Endlich -- und das fiel in jene Periode meiner Philosophie,
meiner hohen Seelenruhe und meiner gnzlichen Gleichgltigkeit gegen
allen Glanz der Welt -- schrieb sie mir, ich solle, da meine Aussichten
scheiterten, zu ihr nach Zrich kommen; das Haus ihres Vaters, und ihre
Arme stnden mir offen. Ich besann mich in meiner damaligen Stimmung
keinen Augenblick Ja zu sagen. Noch erwartet sie mich in der Mitte des
Aprills, und will sich sogleich bei meiner Ankunft mit mir verheirathen.
Ihr Vater hat mich in dem zrtlichsten Briefe eingeladen. Sie selbst ist
die edelste, treflichste Seele; hat Verstand, mehr als ich, und ist
dabei sehr liebenswrdig; liebt mich, wie wohl wenig Mannspersonen
geliebt worden sind. Sie ist nicht ohne Vermgen, und ich htte die
Aussicht einige Jahre in Ruhe mein Studiren abzuwarten, bis ich entweder
als Schriftsteller, oder in einem ffentlichen Amte, welches ich durch
die Empfehlung einer Menge groer Mnner in der Schweiz, die sehr viel
von mir halten, und die Correspondenz in alle Lnder Europas haben, wohl
erhalten knnte, selbst ein Hauswesen unterhalten knnte. -- Ich bin
seit Michaelis fest entschloen gewesen, diesen Antrag zu ergreifen; und
noch da ich meinen leztern Brief schrieb, war ich der Meynung, und
schrieb daher, da ich zu Ostern nach der Schweiz gehen wrde. Aber von
einer andern Seite hat eine gewie Begebenheit wieder meinen ganzen
Durst in die Welt hinaus aufgewekt; ich liebe die Sitten der Schweizer
nicht, und wrde ungern unter ihnen leben, es ist immer eine gewagte
Sache, sich zu verheirathen, ohne ein Amt zu haben; und endlich fhle
ich zu viel Kraft und Trieb in mir, um mir durch eine Verheirathung
gleichsam die Flgel abzuschneiden, mich in ein Joch zu feeln, von dem
ich nie wieder loskommen kann, und mich nun so gutwillig zu entschlieen,
mein Leben, als ein Alltags Mensch vollends zu verleben. -- Ich bin also
seit einiger Zeit sehr unentschloen, ob ich gehen werde.

Gehe ich aber nicht, so wei ich nicht, was ich anfangen werde. Ich habe
mehreren Mnnern hier in Leipzig, die sich fr mich intereiren, gesagt:
da ich ihnen fr ihre Gte danke; weil ich auf Ostern anderweitige
Aussichten habe. Ich darf ferner dann nicht in Leipzig bleiben, weil
meine Geliebte mich hier zu gut zu finden wei; weil ich mich der
Fortdauer eines Briefwechsels ausseze, der mir sehr beschwerlich werden
wrde; weil ich ihr die in meiner Seele vorgegangene Vernderung nicht
plzlich sagen, sondern sie allmhlich darauf vorbereiten will. -- Mu
ich aber Leipzig verlaen, so bleibt mir nichts brig, als Dreden.
Davon unten ein mehreres.

  Der Schlu des Schreibens fehlt.

  Der nchste, ebenfalls nicht ganz vollstndig erhaltene Brief fhrt
  die Aufschrift:

                                  Dem
                             Herrn _Fichte_
                                 Krmer
                                              in
                                                 _Rammenau_
                                             _p. Bischofswerda_.

        d. Einschlu bis Querfurt.

  und stammt aus dem Jahre 1792, da Fichte am 1. Juli 1791 nach
  Knigsberg und im Herbste (September?) dieses Jahres in das grflich
  Krockowsche Haus in der Nhe von Danzig gekommen war.




6.


                           Theuerste Eltern;

Ich habe Ihnen schon verwichnen Herbst von Knigsberg aus geschrieben,
ich ersehe aber aus der erst vor zwei Tagen eingelaufenen Antwort meines
Correspondenten in Sachsen, da Sie diesen Brief erst im Februar dieses
Jahres knnen erhalten haben. Meine Lage hat sich seitdem sehr gendert,
und ich ergreife die erste Gelegenheit, da ich nach Sachsen schreibe, um
Sie davon zu benachrichtigen. Ich habe nemlich meinen Ekel gegen das
Hofmeister Leben noch einmal berwunden, und lebe seit October vorigen
Jahrs =in Krockow, bei Neustadt, in West Preuen= hart an der Ost See,
6. Meilen westwrts Danzig als Fhrer des Sohns des Knigl. Preuischen
Obrist Grafen von Krockow. Diesmal hat mich meine Entschlieung nicht
gereut, und wird mich warscheinlich nie reuen. Ich bin in einem Hause,
das in seiner Art einzig ist, weil es in unsrer Grfinn durch eine
wohlthtige Gttin beseelt wird, geehrt, und geliebt; habe Aussichten,
wenn ich je daran denken sollte, mich fest zu sezen, so gut sie einer
haben kann; und beschftige mich neben zu mit Schriftsteller Arbeiten.
Macht Ihnen also das Glk Ihres Sohns Freude, so erhalten Sie hierdurch
die Versicherung, da ich jetzt so glklich lebe als ..... [ist
abgerissen] .....

Ich hoffe, da Sie alle sich wohl befinden, und sich meiner
freundschaftlich erinnern. Wollen Sie mich davon benachrichtigen, so
geben Sie Ihre Briefe unter der Addree =Krockow, bei Neustadt in
West-Preuen= etwa in Frankfurt an der Oder auf die Post -- aber
postmig gepakt, und gut gesiegelt und berschrieben. -- Ich werde
nicht unterlaen Ihnen von Zeit zu Zeit mit so wenig Kosten als mglich,
Nachricht von mir zu geben.

Mein ganzes Geschwister, besonders Gotthelfen, versichre ich meines
brderlichen freundschaftlichen Andenkens. Dies einzige thut mir leid,
da ich keine Aussicht habe, eines von Ihnen so bald wieder zu sehen.
Ich werde meine vielen Wanderschaften warscheinlich in West-Preuen auf
eine geraume Zeit beschlieen. -- Auch den Herrn Pastor Wagner bitte ich
freundschaftlich von mir zu gren. Es ist jezt meine angelegenste
Sorge, und vielleicht begnstigt sie das Schicksal, meine wirthschaftlichen
Umstnde auf so eine Fu zu setzen, da ich vorerst meine Schulden
([Zusatz am Rande:] die sich in manchen Lndern der Erde hher belaufen,
als man glauben sollte) bezahlen, und dann die heilige Pflicht meiner
geliebten Eltern Schiksal wenigstens in etwas zu versen, beobachten
kann.

Leben Sie recht wohl, und versichern Sie sich der kindlichen Liebe
Dankbarkeit und Ergebenheit .... [abgerissen]

  Der folgende Brief mit der Aufschrift: Meinen theuersten Eltern,
  also ebenfalls durch Einschlu befrdert, ist geschrieben aus dem
  Hause seines sptern Schwiegervaters, der Klopstock's Schwester zur
  Frau hatte, des Waagmeisters Rahn in Zrich, dessen Tochter Johanna
  Maria er schon vier Jahre frher, als er in Zrich als Erzieher lebte,
  kennen gelernt und lieb gewonnen hatte (I, 38ff. 148; vgl. Fichte's
  eigene Aeuerungen ber sie II, 154. 220. 256. 432. 503ff., und ihre
  Briefe an Charlotte von Schiller II, 402ff.). Er hoffte schon im
  April 1791 sie wiederzusehen und sich ehelich mit ihr zu verbinden;
  aber Verluste, die Rahn an seinem Vermgen erlitt, zerstrten diesen
  Plan. Der Biograph scheint mit den Worten: Jetzt nach manchen
  vereitelten Planen eilte er mit Sehnsucht dahin (I, 116) die
  Vermuthung aussprechen zu wollen, Fichte habe die Reise nach der
  Schweiz wirklich gemacht oder begonnen; mir ist dies aber ganz
  unwahrscheinlich, da Fichte nach obigem Briefe am 5. Mrz noch in
  Leipzig war und am 28. April bereits von da nach Osten und Norden
  abreiste (I, 118).




7.


        Theuerste Eltern,

Ich bin nach einer langen Reise glklich und gesund in Zrich
angekommen, und habe meine Geliebte, ihren Vater, ihre Familie voll
Liebe, Freundschaft und Achtung fr mich getroffen. Ein Umstand hat
unsre wirkliche Verbindung aufgehalten, und hlt sie leider! noch auf.
Der Herr Pastor Wagner wird Ihnen den erklren, und Sie vielleicht um
eine schriftliche Einwilligung in unsre Ehe bitten, die Sie mir mndlich
schon gegeben haben.

Meine Geliebte grt Sie mit dem kindlichsten Herzen, und wnscht nichts
inniger, als da auch sie einst dazu beitragen knne, Ihnen den Abend
des Lebens zu versen -- Ich berzeuge mich immer mehr, welch' eine
vortrefliche Person sie ist, und erfahre zugleich in welch' eine
ausgebreitete und groe Verbindung mit allem was in Teutschland
angesehen, und gros ist, ich durch diese Heyrath komme -- ich, der ich
schon auf meinen Reisen nicht unwichtige Freundschaften geschlossen
habe.

Ich und meine Geliebte gren herzlich alle meine Geschwister, die ich
bitte sich unsrer freundschaftlich zu erinnern.

Nchstens schreibe ich Ihnen mehr. Jezt geht die Post ab.

    Zrich, im Waaghause
      d. 26. Jun. 1793.

                                         Ihr
                                           gehorsamer Sohn
                                             J.Gottlieb Fichte.

  Was Fichte's Verehelichung aufhielt, waren die Schwierigkeiten der
  damaligen Zricher Gesetze bei der Verheirathung und Niederlassung
  eines Auslnders (I, 155. II, 154), weswegen Fichte auch unter dem 16.
  Juli an den Oberhofprediger Reinhard in Dresden schrieb mit der Bitte
  um Ausfertigung eines Erlaubnischeines vom schsischen Kirchenrathe
  zu seiner Trauung (II, 418).

  Nicht lange aber dauerte es, bis Fichte den Ruf als Professor nach
  Jena erhielt, wo er Sonntag, den 18. Mai 1794 ankam und schon am 23.
  seine ffentlichen Vorlesungen, sowie Montag, den 26. Morgens von 6-7
  Uhr seine Privatvorlesungen erffnete. So sehr ihn nun auch dieses
  neue Amt in Anspruch nahm, so fand er dennoch Zeit, an seinen schon
  oben erwhnten Bruder Gotthelf zu denken und mit einer Art von
  vterlicher Frsorge ihm die Wege zu hherer geistiger Ausbildung zu
  zeigen. An diesen ist denn nun eine ganze Reihe von Briefen gerichtet,
  welche im hchsten Grade anziehend wie belehrend sind durch die
  psychologische Einsicht und die pdagogische Weisheit, womit der
  ltere Bruder den jngeren nach der Eigenthmlichkeit seines Wesens,
  seiner Anlagen und seiner Fehler beurtheilt und auf die Mittel zur
  Verbesserung seiner schlechten Angewhnungen und seiner Mngel
  aufmerksam macht. Die Klarheit und Richtigkeit dieser Beobachtungen
  und Bemerkungen ist so einleuchtend, da darber nichts weiter zu
  sagen ist. Hervorzuheben aber ist namentlich noch erstens die von
  trgerischen Einbildungen und unbesonnenen Hoffnungen reine
  Nchternheit, womit Fichte seinem Bruder gleich von vorn herein
  ankndigt, da der ganze Bildungs- und Studienplan unter den
  obwaltenden Verhltnissen, bei dem vorgerckten Alter (genau findet
  sich dasselbe nicht angegeben) u.s.w. nicht mehr als eben nur ein
  Versuch sein knne. Hervorzuheben ist ferner auch die unerbittliche
  Entschiedenheit, womit er ihm immer und immer wieder das nothwendig
  Abzulegende wie das unumgnglich zu Erstrebende vorhlt, -- eine
  Entschiedenheit, die freilich auch heutzutage in manchen Kreisen
  der Erziehung um so weniger gern gesehen wird, mit je grerer
  Ueberzeugungstreue und Festigkeit sie auftritt, -- eine Entschiedenheit,
  deren Berechtigung auch damals dem Bruder, gegen den sie geltend
  gemacht wurde, nicht immer so ganz einleuchten mochte, so wie sie ja
  selbst der Gattin Fichte's, deren hchst liebenswrdige Briefe ich mit
  beifge, zuweilen zu hart erschien (vgl. besonders den Brief Nr.14).
  So anziehend aber diese echt weibliche Milde ist, so achtungswerth ist
  des Mannes Strenge, der als Erzieher auch gegen den Bruder von den
  ernsten Anforderungen nichts nachlie, wo er nichts nachlassen durfte.




8.


Meinem Bruder Gotthelf.

                                         Jena, d. 24. Jun. 1794.

        Mein lieber Bruder,

Du hast in den Punkten, die ich Dir bei deiner Prfung vorgelegt,
manches nicht aus dem richtigen Gesichtspunkte angesehen. -- Dahin
gehren die =gelehrten Sprachen=. In Erlernung derselben hat ein schon
gebildeter Kopf allerdings Vortheile, die das Kind nicht hat; er fat
besser die allgemeinen Begriffe, die dazu nthig sind; aber er hat auch
=Nachtheile=. Das mechanische Lernen bloer Schalle, wie die Wrter
sind, ist ihm etwas troknes. Einen Nachtheil hat er, an dessen
Ueberwindbarkeit ich ganz zweifle: die =Verhrtung der Sprachorgane= zur
Hervorbringung der richtigen Tne, besonders in der Franzsischen
Sprache; wobei Du noch einen Nachtheil mehr hast, als andere, da Dein
mtterlicher Dialekt das verdorbene Schsisch, und noch dazu das
hchstverdorbene Ober Lausitzer Schsische ist. Ich selbst, der ich doch
von meiner ersten Kindheit an aus der Gegend gekommen, habe Mhe gehabt,
selbst meine teutsche Mundart so zu reinigen, da man mir mein
Geburtsland nicht mehr anhre; Du wirst das nie knnen. Franzsisch gut
sprechen habe ich nie lernen knnen; eben um dieser Muttersprache
Willen; und Du wirst nie auch soweit kommen, um einem Franzosen Dich
verstndlich zu machen, aus Grnden, die ich Dir mndlich entwikeln
will: (nicht blo der Gaum, und die Zunge, auch das =Ohr= wird
verhrtet; man hrt den rechten Ton gar nicht.) -- Ferner ist ein
Hauptpunkt das feinere Betragen der groen Welt, das einem Gelehrten,
der zur hhern Klasse gehren, und nicht unter den gemeinen gelehrten
Handwerkern verbleiben will, schon jezt nthig ist, und immer nthiger
wird. Denn der Gelehrten Stand fngt an sich auf eine immer hhere
Stuffe empor zu arbeiten; und ehe Du auftrittst, wird die Sache wieder
weit hher getrieben seyn. Wem es in diesem Punkte fehlt, den macht man
lcherlich, eben darum, weil man die Uebermacht des Gelehrten unwillig
mit ansieht; und nun ist er um alle seine Brauchbarkeit. Du kannst Dir
das gar nicht so ganz denken, weil es gnzlich auer Deiner Sphre
liegt. -- Ein solches feines Betragen nun lernt in sptern Jahren sich
nie; denn die Eindrke der ersten Erziehung sind unaustilgbar. (Mir
sieht man die meinige jezt vielleicht nicht mehr an; aber das macht mein
sehr frhes Leben im Miltizschen Hause, mein Leben in Schulpforta, unter
meist besser erzognen Kindern, mein frhes Tanzenlernen u.s.w. Und
dennoch hatte ich noch nach meinem Abgange von der Universitt einige
burische Manieren; die blo das sehr viele Reisen, das viele
Hofmeisterieren, in verschiedenen Lndern, und Husern, und besonders
die grte Aufmerksamkeit auf mich selbst vertilgt haben. Und wei ich
denn, ob sie ganz vertilgt sind?--) Das also ist der Hauptpunkt, ber
den wir nie kommen werden; und das -- gesteh ich -- thut mir weh, weil
ich die Wichtigkeit davon einsehe, die Du nicht siehst.

Dennoch glaub ich mu die Probe gemacht werden. Gesezt, es geht nicht,
so kann es nicht schaden, da Du wenigstens mit einigen Seiten der
hhern Stnde bekannt werdest, und eine solche Bekanntschaft kann Dir
in mancher Art nzlich werden. Hierbei also kommt es auf die Frage an:
=ob Du Dir Seelenstrke genug zutraust=, um, wie es seyn mu, ohne
Beklemmung in Deinen jetzigen Stand wieder zurk zu treten? Ich stelle
mir, =bei gehriger Seelen Gre=, einen solchen Zustand, als sehr
angenehm vor. Man kennt dann die Unannehmlichkeiten der hhern Stnde
aus Erfahrung, und ist in dem seinigen desto zufriedener.

Komm also zu mir; denn ob ich gleich dadurch, da ich Dich spreche, kaum
in irgend etwas nher von Deinem Zustande werde belehrt werden, als ich
es schon jezt bin, so freue ich mich doch theils darauf, Dich zu sehen;
theils erwarte ich von Dir einige Winke, =wohin= ich Dich zuerst thun
me. Das allererste mu seyn, Deinen Krper, und Deine Sitten zu bilden
([Zusatz am Rande:] ehe dieses geschehen ist, kann ich Dich auch nicht
einmal bei mir haben, weil dadurch auf einer Universitt, bei Studenten,
auf mich selbst ein bles Licht fallen wrde): und nebenbei zu versuchen,
ob das Gedchtni, und die Zunge die Sprachen fat. Dies kann ein paar
Jahre dauren. Und Du brauchst vor der Hand weniger einen Lehrer, als
eine =Erzieherin=. Um einem jungen Menschen Sitten beizubringen, ist das
weibliche Geschlecht schlechthin unentbehrlich. Ferner mu das in einer
=Stadt=, und zwar in einer schon etwas groen Stadt geschehen, und da
kenne ich denn weder =Stadt=, noch =Haus=, in die ich Dich thun knnte.
Hier in der Nhe wnschte ich es nicht: sonst wre allenfals =Weimar=
der Ort. =Tanzen= lernen mstest Du vor allen Dingen. Wenn Du dann so
gebildet wrest, da Du ohne Ansto in Gesellschaft erscheinen knntest,
so nhme ich Dich in mein Haus: und =dann= wollten wir wohl sehen. --
Aber ob es dahin je kommen werde, das ist eben die Frage.

Was Du mir ber den Aufwand schreibst, den mir dieses verursachen
knnte, das mu ich Dir beantworten. -- Du irrst, wenn Du glaubst, da
er gering seyn werde; weil Du die Sache nur =einseitig=; nur von der
Seite des =Lernens= ansiehst; und auch ber diesen Punkt nicht weit,
=wie viel= zu lernen ist, wovon Du noch gar keinen Begriff hast. Aber es
ist berhaupt am Wenigsten vom Lernen; es ist von ganzer =sittlicher
Bildung= die Rede; und diese kostet um so mehr Zeit, und Geld, wenn man
schon so lange her =verbildet= ist. Du wirst aus dem, was ich oben ber
diese erste Vorbereitung gesagt habe, ohngefhr einen Schlu machen
knnen. Aber das thut nichts zur Sache. Was ich mir vornehme, das
=mu= seyn; und dazu =mu= das Geld =mir= werden; das wit ihr ja aus
vielfltiger Erfahrung. Ueberhaupt erheitern sich meine Aussichten ber
diesen Punkt: ich werde eine gute Einnahme, aber freilich auch eine
starke =Ausgabe= haben; denn das geht hier zu Jena stets mit einander,
und ist nicht zu trennen. -- Aber arbeiten mu ich schon jezt, und werde
ich men, wie noch nicht leicht ein Mensch gearbeitet hat.

Vom =wiedergeben= an mich, wovon Du auch redest, kann nie die Frage
seyn: und ich will Dir im Fall der Mglichkeit sogleich jetzo feierlich
eine Anweisung geben. Ich wrde auf jeden Fall fr unsere Eltern etwas
gethan, gesorgt haben, ihnen ein bequemeres, freudenvolleres Alter zu
verschaffen -- besonders unserm guten Vater, der in seinem mhevollen
Leben ein frohes Alter gar wohl verdient htte. An diesen gieb zurk,
wenn Dir Dein Plan gelingt; ich will unsern Eltern in Dir noch einen
Sohn geben, der fr sie thue, was =ich= vor der Hand nicht thun kann.

Ich erwarte Dich. Tritt nicht im Gasthofe ab, sondern komm gerade zu
mir: auf der =Bachgae=, in der Spachmeisterin [so steht, ziemlich
deutlich, geschrieben; es soll wohl Sprachmeisterin heien] Dyrr Hause
wohne ich. Ich wei nicht, ob ich Dich die Nacht werde logiren knnen,
da ich jezt mir ein eigenes Hauswesen einrichte, ein paar Profeoren den
Tisch bei mir haben, und ich vor jetzt nur zwei Stuben inne habe. Aber
wir werden ja sehen! -- Ich bin von 7. Uhr frh Morgens Vormittags immer
zu Hause, und ich werde sorgen, da ich gegen den 7. Jul. nicht .....
[dringende?] Arbeit habe. Ich habe diese zwar immer; aber ich mu voraus
arbeiten wenn =ich= kann. -- Ferner wnschte ich nicht, da Du weder auf
dem Wege hierher, noch in der Stadt, noch in meinem Hause verbreitest,
in welcher Beziehung Du mit mir stehst. Ich habe dazu meine Ursachen.
Wenn Du bei mir bist, so wird sich dann alles finden. Wenn Du aber als
mein Bruder erscheinst, so verlangen die Huser, mit denen ich nher
bekannt bin, und es sind deren viele, da ich Dich mit ihnen bekannt
mache: und das knnte weder Dir, noch ihnen, noch mir angenehm seyn.--

  Der Brief hat keine Unterschrift, vielleicht ist noch ein Blatt
  angefgt gewesen.

  In Bezug auf Fichte's Hauswesen, welches in dem Briefe berhrt wird,
  mag daran erinnert werden, da seine Gattin nebst seinem Schwiegervater
  erst im Laufe des Sommers (nicht vor Ende Juli) ihm nach Jena
  nachfolgte, und da er unterde sich eine Kchin hielt, mit der er
  ziemlich zufrieden war (I, 217). Daher kommt es auch, da, wie die
  spteren Briefe zeigen, Fichte's Frau seinen Bruder noch nicht kannte,
  obschon dieser jedenfalls im Juli bei ihm in Jena gewesen ist.

  Die Schlubemerkungen, wie auch die Randnotiz in der Mitte des
  Schreibens, zeigen, wie beraus sorgfltig, fast ngstlich, Fichte
  auf seinen gesellschaftlichen Ruf bedacht war. Bei ihm, der nicht
  blos Vorlesungen halten, sondern auf das ganze Wesen und Leben der
  Studirenden einwirken und sie aus der damals herrschenden studentischen
  Rohheit und Zgellosigkeit auch sittlich heben wollte, bei ihm
  versteht sich von selbst, da er nicht in leerer Eitelkeit sich seines
  ungebildeten Bruders schmte, sondern hhere Rcksichten nahm.




9.


        =Meinem Bruder Gotthelf.=

                                         Jena, d. 4. August. 94.

Ich htte Dir, und Deinetwegen nach Meisen schon lange geschrieben, wenn
ich Zeit gehabt htte. Aber Du kannst mir's glauben, da ich oft auch zu
einem Briefe die nthige Zeit nicht habe.

Mit Anfange des Septembers dieses Jahres bist Du Kostgnger bei dem
ConRektor auf der Stadtschule zu Meisen, Herr _M._ Thieme, der in allen
Stken fr Dich sorgen wird. Du hast bei ihm alle Bedrfnie des Lebens,
und Unterricht in der Lateinischen, und Franzsischen Sprache, und in
der Geschichte. -- _M._ Kenzelmann wird immer Dein Freund seyn, und Dir
rathen. -- Richte Dich also ein, da Du mit Anfange des Septembers in
Meisen bist. Was an den ConRektor zu bezahlen ist, ist schon bezahlt. --
Fr Kleider, -- wobei Dir ohne Zweifel _M._ Kenzelmann mit seinem Rathe
an die Hand gehen wird; meinen Wunsch weit Du; ja nicht =kostbar=, und
=theuer=, aber =modisch= -- und Bchern, wozu Dir nemlich der Herr C.R.
Thieme rathen wird, versorge Dich selbst aus dem Dir abgetretnen Gelde
([Zusatz am Rand:] auch bezahlst Du davon den Tanzmeister, den Dir Hrr.
Thieme zuweisen wird.). Ich denke, das soll langen. Wegen der Herrschaft,
denke ich, halten wir es so. -- Du bist verreis't, -- wer wei es denn,
wo Du hin verreist bist; Du bist ja bisher immer auf dem Handel gewesen;
die andern Brder sind auch auswrts, -- wer wei denn, wo Du bist? Nur
httest Du dann immer =schweigen= men. Habt ihr nicht =schweigen
knnen=, so ist die Sache freilich bel; und in diesem Falle bitte ich
Dich, mir sogleich zu schreiben, damit ich meine Maasregeln zu nehmen
wie.

Gelingt dann Dein Vornehmen, so werde ich die Sache schon selbst
abzumachen wien ([Zusatz am Rande:] bis dahin giebst Du Dein
=Schuzgeld=, wie vorher). =Gelingt es nicht=, so kannst Du ohne
Nachtheil, und Nachrede in Deinen vorigen Stand zurktreten. Gelingt
es nicht, sagte ich -- denn ich mu frei mit Dir reden, mein liebster
Bruder. So ein Gedanke scheint Dir gar nicht einzufallen; ich mu
demnach selbst Dich darauf aufmerksam machen. Du hltst den Sieg
schon fr errungen: aber er ist es noch gar nicht. Wir wollen es erst
versuchen; und ich habe nie Dir mehr versprochen, und kann Dir, wenn ich
vernnftig bin, nicht mehr versprechen, als =da ich den Versuch machen=
will

1.) Wenn Du nicht wenigstens =hinlngliche Feinheit= der Sitten Dir
erwirbst, so kann, und will, und werde ich nichts fr Dich thun; aus
Grnden, die ich Dir mndlich, und schriftlich mitgetheilt habe. Ob Du
das wirst, wien wir beide noch nicht, weder ich, noch Du; Du kannst
hchstens .... [behaupten?], da Du es =willst=, Du weit aber noch
nicht, ob Du es =knnen= wirst; und ich eben so wenig.

2.) Steht Dir noch ein HauptUmstand, sowohl zur Verfeinerung Deiner
Sitten, als zur Erwerbung grndlicher Kenntnie im Wege, ber den ich
endlich, nachdem ich mndlich Dir schon Winke genug gegeben, und ich an
Deinem Briefe doch noch nicht die geringste Aenderung spre, freimthig
mit Dir reden mu. -- Du traust Dir viel zu viel zu; hast eine viel zu
hohe Meinung von Dir: =und Du wirst daher diejenigen Mnner=, denen ich
Dich jezt bergeben mu, =nicht achten=; -- =deswegen ihnen nicht
folgen=, weil Du Dich fr klger hltst; und =so wirst Du natrlich
weder Deine Sitten bilden, noch etwas lernen=. Ich wei sehr wohl,
lieber Bruder, da Du gegenwrtig auf keinen Menschen etwas giebst, als
auf mich; giebst Du nun nur wirklich etwas auf mich, und glaubst Du, da
ich es redlich mit Dir meine, so lies aufmerksam, was ich Dir sagen
will, und -- richte Dich darnach.

Du hast Kopf, d.h. =Fhigkeit= etwas zu lernen, aber darum =weit Du
noch nichts=: und, -- glaube es mir, -- der Schler der untersten Klae
wei weit mehr als Du. Da es so ist, ist Dir keine Schande; aber, wenn
Du das vergiest, so ist es Dir eine Schande. -- Du hast die, mit
welchen Du bisher gelebt hast, bersehen, weil sie auch nicht studiert.
-- Einige Studierte, z.B. den Herrn Pfarrer, seinen Bruder, u.s.f.
glaubst Du auch bersehen zu haben; aber da kann ich Dir aus dem Traume
helfen. 1.) Du glaubtest z.B. nicht, was die Kirche, und der Pfarrer
mit ihr glaubt; und darum hieltest Du Dich fr aufgeklrter, als sie;
theils weil ich z.B. es auch nicht glaube. Aber das ist sehr zweierlei;
Du hast keine Einsicht =in die Grnde=, die ich habe, es nicht zu glauben;
noch Einsicht =in die Grnde=, die der =Pfarrer hat, es zu glauben=.
2.) Du verstehst keinen Gelehrten, noch kannst Du ihn verstehen, weil es
Dir an den nthigen Vorerkenntnien fehlt. Was Du also nicht verstehst,
hltst Du, wenn es nicht Jemand sagt, der bei Dir in Autoritt steht,
fr dummes Zeug: das mag es denn auch wohl seyn: aber Du wenigstens
kannst es nicht dafr erklren, denn Du verstehst es nicht. -- Um Dir
ein recht auffallendes Beispiel darber anzufhren. Kenzelmann hat etwas
ber den Ausdruck =Denkfreiheit= auf dem Titel einer gewien Schrift
gesagt: ich wei nicht, was es ist, denn =begreiflicher Weise= (hier
siehst Du wieder Deine Unwienheit -- Du hltst es fr mglich, da er
mir darber geschrieben haben knne, weil Du mit den Sitten der feinern
Welt unbekannt bist; aber nach ihnen ist es =unmglich=, da er mir
darber geschrieben haben knne, =weil ich mich nicht als Verfaer
genannt habe=.) hat er mir nicht darber geschrieben; aber ich errathe
es sogleich, weil ein Studierter den andern auf einen Wink versteht. Da
glaubst Du nun, ihm aus dem Traume helfen zu knnen; und verstehst
nicht, was er tadelt. Es betrift den Ausdruck =Denkfreiheit=. Das
=Denken= ist doch wohl etwas innerliches, unsichtbares. Wie kann mir
denn jemand die Freiheit nehmen, in =meinem Herzen= zu denken, was ich
will? und wer hat denn jemals =diese= Freiheit unterdrcken =wollen=,
oder =knnen=? Das ohngefhr hat K. sagen wollen. Es sollte demnach
heien, =Freiheit seine Gedanken mndlich oder schriftlich oder durch
den Druck mitzutheilen=. -- Nun hat er zwar nicht ganz Recht: denn in
der Schrift selbst ist der Ausdruck Denkfreiheit so erklrt worden; und
es ist nicht nthig viel Worte zu machen, wo man mit einem einzigen
auslangt. -- Aber was Du sagst, pat gar nicht auf seine Frage, und Du
hast ihn daher gar nicht verstanden.

So lange Du nun nicht bescheiden wirst, und erkennst, da Du schlechthin
nichts weit, aber etwas lernen sollst: und da jeder Gelehrte Dich
lehren knne, so ist Dir nicht zu helfen. Beurtheilen, ob etwas nthig
sey zu lernen oder nicht kannst Du gleichfalls nicht; denn Du weit
nicht, wozu das unscheinbare, und geringfgige in der Zukunft dienen
knne, da Du die Wienschaft nicht bersiehst. -- Denke, da Du, als Du
die Buchstaben kennen lerntest, httest sagen wollen: wozu das, zu
lernen was A. und B. ist, u.s.f. so knntest Du heute noch nicht
lesen. -- Dergleichen Dinge werden Dir gar viele vorkommen, die zuletzt
doch so nthig sind, als das A.B.C. ob sie gleich unscheinbar
aussehen.

Ferner habe ich bemerkt, da Du die Wienschaft fr viel zu leicht
hltst, und da Du glaubst, da das alles auf den ersten Anlauf gelernt
sey. Das ist nun der Fall gar nicht; und wenn Du Dich nicht mit Geduld
ausrstest, so kann nichts werden.

Also =lege ab die groe Meinung von Dir, und folge Deinen Fhrern auf
der Bahn der Wienschaften= ~blindlings~. Zu seiner Zeit wollen wir
zusammen =selbst prfen=, jezt bist Du dazu noch gar nicht reif.

Ich habe diejenigen, welche die Aufsicht ber Dich fhren, gebeten, mir
=freimthig= zu melden, wie es mit Dir geht. Ich habe ihnen ferner Winke
ber diesen Deinen Fehler gegeben. Ich werde also sehr bestimmt
erfahren, wie Du Dich hltst. Von Dir selbst erwarte ich, da Du mir
alle 8. Tage =unfrankirt= schreibst, sobald Du in Meisen seyn wirst, und
mir meldest, =was= Du studirst, wie es Dir von Statten geht, Deine
Gesinnungen, Gedanken, Zweifel dabei u.s.f. Dabei sey -- darum
beschwre ich Dich um Deines eigenen Besten Willen, -- offen und
freimthig gegen mich. Wenn Du dann auch etwas ungeschicktes schreibst
und ich es Dir widerlege, -- was ist denn das weiter? Das bleibt unter
uns. Es ist beer, da ich Dir es verweise, denn da es bei Dir bleibe.
Ich will nie ein anderes Verhltni zu Dir haben, als das eines ltern,
weisern Freundes.

Ich bestimme Dir, -- wenn alles gut geht -- ein Jahr in Meisen. Knntest
Du in einem halben Jahre leisten, was zu leisten ist; so ersparst Du mir
freilich keine kleine Summe. -- Doch ist eigentlich hiervon nicht die
Rede. Werde nur, was Du werden sollst.

Das von der Probst-Stelle zu W. ist nicht klug ausgesonnen. Ich bin
zufrderst kein =Theolog=. Ich kann Profeor der Philosophie mit Ehren
seyn: wre es nicht thrigt von mir, wenn ich etwas nehmen wollte, dem
ich nur nothdrftig vorstehen knnte. -- Dann glaubt man denn, da ich
mich in Wittenberg verbessern wrde? Man hat doch drollige Begriffe,
scheint es, von einem Jenaischen Profeor. -- So auch dem, was die Fr.
v.Kleist, der ich brigens fr ihr Andenken sehr verbunden bin, gesagt
hat. -- Ich wrde nicht lange in Jena seyn, sondern bald weiter gerufen
werden. Ich mchte wohl wien, wer mir etwas anbieten knnte, wodurch
ich mich verbeerte. Wer in Jena arbeiten will, der kann es so hoch
bringen, als auf irgend einer teutschen Universitt. Arbeitlosere
Stellen giebt es freilich; aber ich habe noch nicht Zeit, mich zur Ruhe
zu sezen. -- Doch wnschte ich wohl, da ich gerufen wrde; um es
ausschlagen zu knnen. =Das unter uns= wie sich versteht. -- Ueberhaupt
sey in Meisen vorsichtig in deinen Aeuerungen ber mich. Du weit
nichts; damit ist es zu Ende.

Gre herzlich meine Eltern, und Geschwister.

                                               Der Deinige
                                                              F.

  Da die Probst-Stelle zu Wittenberg fr Fichte geeignet sein knnte,
  war wohl nur ein Gedanke der Seinigen; von einem wirklichen Anerbieten
  ist nichts bekannt. -- Zu dem Namen v. Kleist vgl. den 45. Brief.




10.


                                           Jena, d. 13. Fbr. 94.

        Mein lieber Bruder,

Dein Lehrer hatte mir schon vor einigen Wochen Deinethalben
geschrieben. Ich bin so berhuft mit Arbeiten gewesen, da ich ihm
nicht eher, als bis jetzt antworten konnte; ich hoffe aber, da dadurch
fr Dich kein Nachtheil entstanden seyn soll.

Die Methode, die der Herr Konrektor mit dem Decliniren, und Conjugiren
einschlgt ist die einzige fr Dich zweckmige. Mag es immer
Kopfbrechens kosten. Decliniren, und Konjugiren ist das wenigste: die
Uebung der angestrengten Aufmerksamkeit, des geschwinden Besinnens
u.s.w. -- diese ist wichtig.

Dich an Arbeiten gewhnen, ist gleichfalls eine Hauptsache. Fahre so
fort, wie Du mir schreibst, da Du handelst. Ich wnschte auch zu wien,
was Du in Geschichte, und Geographie gelernt hast.

Ich sehe, da Du noch immer so sehr unorthographisch schreibst. Suche
Dich darber zu belehren; und gib acht auf Dich, bei jeder Zeile die Du
schreibst; sonst wirst Du Zeitlebens nicht orthographisch schreiben
lernen; und das =pairt gar nicht=. -- Ferner schreibst Du doch auch
gar zu schlecht. Ich wnschte, da Du Deine Hand btest. Berufe darin
Dich nicht etwa auf mich. Es ist etwas anderes eine flchtige aber
=ausgeschriebene= Hand zu schreiben. Die Deinige ist nicht ausgearbeitet.
Ich sehe ein, da Dir das etwas schwer werden wird, weil Deine Hnde
durch Handarbeit steif geworden sind; aber Du mut nur desto =mehr=
schreiben.

Des P. Wagners Vortrag habe ich selbst einmal genoen. Er ist allerdings
sehr falich. Aber sey darum dennoch versichert, da der jezige
Unterricht dennoch der zwekmigste fr Dich ist, eben darum, weil er
Dir die Sache schwer macht. Es ist nicht um die Sache; es ist um die
Kraftbung. Leb recht wohl, und schreibe mir bald wieder.

                                                         Fichte.

  Aufschrift:

                              Herrn _Fichte_
                                                in
                                                      _Meissen_.




11.


                                      _Jena_ d. 25. _Nov._ 1794.

        Theurer Bruder!

Mein theurer Mann, welcher Sie herzlich grt, hat mir aufgetragen
Ihnen zu schreiben; dies Geschft hab ich gern bernommen, nicht da ich
gerne Briefe schreibe, (denn seitdem ich nicht mehr an meinem Fichte zu
schreiben habe, ist mir das Schreiben hchst unangenehm.) sondern weil
=Sie= der Bruder meines Lieben Mannes sind; und weil ich glaube da Sie
auch ein Edler, rechtschaffener Mann sind; da habe ich sie nun schon
recht lieb, ohne Sie eigentlich zu kennen; auch freue ich mich auf die
Zeit, wo Sie zu uns kommen, und bey uns wohnen, recht innig; da ist mein
guter rechtschaffener Vatter, seine Kinder, und Sie unser Bruder; da
werden wir oft, so stille, geruschlose Freuden, welche dem Herzen
wohlthun, in unserm Hause mit einander genieen; wie wir lezten Sonnabend
eine hatten; es war nmlich meines guten Vatters 75. Geburtstag. Der
Himmel war uns so gnstig, da wir spazieren fuhren, in der lieben Natur
herum schwrmten; und am Abend, unter herzlichen vertraulichen Gesprchen
bey einander saen, wo uns denn innig wohl war; auch ist mein theurer
Fichte, so ganz zu diesen herzlichen Vertraulichkeiten gemacht; da man
sich in Ihn verlieben mu; nun stellen Sie Sich vor, wie's mir armen
Geschpfe dann geht? da ich Ihn schon sonst herzlich Liebe; meine Liebe
geht dann in Anbetung ber.

Ich merke nun wohl, da ich Ihnen bestndig von meinem Lieben Mann
vorgeschwazt habe; Sie lieben ihn ja auch, drum kann Ihnen das nicht
unangenehm seyn; und ich wnsche Ihnen theurer Bruder, zu seiner Zeit,
auch eine weibliche Seele, die Sie so =einzig= liebt; und wenn Sie
wollen, so wollen wir Diese zu seiner Zeit, ja zu seiner Zeit, vergeen
Sie dieses nicht, gemeinschaftlich suchen. Nun will, und mu ich Ihnen
Behte Gott sagen; denn ich habe mehrere Briefe zu schreiben, Dieser mu
mich fr die unangenehmen welche ich noch zu schreiben habe schadlos
halten; Leben Sie wohl! mein guter Vatter grt Sie herzlich; das
gleiche thut Ihre Schwester

                                               Johanna _Fichte_.

Wir haben Ihren 2. Brief auch erhalten. Mein Mann wird Ihnen nchstens
schreiben.

  Aufschrift:

                             _Herrn Fichte_:
                                                in
                                                      _Meissen_.
    bei Herrn ConRektor =Thieme=.
      frey

  (Nur _Herrn Fichte_: und frey von Johanna's Hand, das Andere von
  J.G.F.)

  Der folgende Brief, die Perle unter denen von Johanna's Hand ist mit
  der Offenheit, mit der hier ein weibliches Gemth ber sich selbst
  spricht, und mit dem leichten Anklang von Humor, so wie mit der
  berstrmenden Flle kindlich einfachen Sinnes und reinster Liebe,
  ein kstliches Cabinetsstck, ein wahres Meisterwerk.




12.


                                     _Jena d. 27. Decemb: 1794._

        Lieber theurer Bruder!

Ich habe eine Menge Briefe vor mir, die ich beantworten soll, und Ihrer
sey der erste, den ich beantworte, weil Sie mir die liebste Persohn
sind. Hren Sie Lieber, ich bin gar nicht Ihrer Meinung, da ein schn
geschriebenner Brief, eine schne Seele verathe; (nicht, da nicht
beydes neben einander bestehen knne,) aber die Erfahrung hat mir schon
zur Genge gelehrt, da es oft nicht bei einander ist; und wenn ich
Ihnen allso, welches ich nicht wei, einen schnen Brief geschrieben
habe, Sie daraus gar nicht so gtig schlieen men, da ich eine schne
Seele habe; berhaupt sehe ich aus Ihr. Lieben Brief, da Sie mich viel
beer glauben als ich nicht bin; und das sezt mich in groe Verlegenheit,
wenn Sie mit solch guter Meinung zu uns kommen, und dann durch die
Erfahrung belehrt sehen, da ich das bey weitem nicht bin, was Sie
glaubten, da ich sein wrde, und auch sein knnte, so mu ich in Ihren
Augen gewaltig verliehren; und das wrde mir dann weh thun; auch men
Sie nicht glauben eine schne Schwester bekommen zu haben; denn ich wei
wohl, die Lieben Mnner sehn auch das gern, drum laen Sie Sich nun
erzehlen wie ich aussehe: vors erste bin ich klein, und war im 16. Jahre
sehr fett, da ich seit der Zeit nun um ein merkliches gemagert bin, so
hat die einmahl zu stark ausgedehnte Haut, viele Runzeln bekommen, dazu
gab mir die Natur ein wiedrig langes Kinn; und was nun das rgste von
allem ist, so hab ich wegen heftigen Zahnschmerzen, (welches fast alle
Leute in der Schweiz haben,) mir meine obern Zhne ausziehen laen; nun
berlae ich Ihrer eignen Einbildungskraft, mich so comisch
darzustellen, als ich wirklich bin.

Nachdem, was Sie mein Lieber, was mein Mann, mir von unsern Vatter
gesagt hat, fhl ich viele Achtung fr Ihn, und ich bitte Sie, ihn
herzlich in meinem Namen zu gren; ich htte schon an Ihn geschrieben,
hielte mich nicht der Gedanke, der guten Mutter davon ab, denn ich mu
Ihnen gestehen, da, nachdem, was ich von ihr gehrt, ich Sie wirklich
frchte; Wir wollen Sie [soll natrlich heien: sie] Lieber Bruder, als
gute Kinder ehren, und nicht vergeen was sie whrend ihrem mhsamen
Leben, an ihren Kindern gethan hat; auch kennen wir ihre Erziehung
nicht, wien nicht, wie das alles so kam; und vielleicht nach ihrer Lage
kommen mute.

Ja Lieber, es wird einst auch ein gutes Geschpf fr Sie dasein, da
Sie aufrichtig Lieben wird; und ich will es denn zu seiner Zeit mit
Ihnen suchen; ich biete mich darum zu Ihrer _Rath_geberin, ber diesen
wichtigen Schritt, an, weil wir Weiber tiefer in die Seele unsers
Geschlechts hineinbliken, als oft die klgsten Mnner nicht thun; und
denn, weil ich Sie gerne glklich sehn mchte ..... [diese Punkte stehen
im Originale] Sie sind mein Lieber Bruder, und wollen, und werden gewis
ein brafer Mann werden, und darum lieb ich Sie sehr.

Sagen Sie mir nichts guter Lieber, von unsern gegenseitigen
Verhltnien, von Wohlthaten, wie Sie es nennen wir wollen wie gute
Kinder sein, welche mit einander theilen, und durch dieses theilen,
ihrem eignen Herzen eine Wohlthat erzeigen.

Mein theurer Vatter, welcher, ich darf es sagen, an Gte des Herzens uns
alle bertrift, grt Sie von ganzer Seele, und freut sich recht darauf
Sie kennen zu lernen; Er wird Sie, wie seinen Sohn lieben. Er hat ein
Herz da lieben kann, und dem nicht wohl ist, wenns nicht lieben kann.

Wenn Sie ein Freund der Natur sind so werden Sie auch an mir eine
Freundin der Natur finden, denn kann ich orndlich schwrmen, aber doch
nicht mehr in dem Grade, wie ichs konnte; dieses Gefhl hat sich ein
wenig bey mir verlohren, und es rgert mich sehr.

Leben Sie wohl Lieber theurer Bruder! Schreiben Sie bald, und vergeen
Sie nicht, wie Sie aufrichtig Liebt Ihre Schwester

                                                _Johanna Fichte_

  Aufschrift:

                            _Herrn Fichte_:
               abzugeben beym _Herrn_ Conrector _Thieme_
                                                   in _=Meisen=_

    =Frey=:

  Einerseits zur Besttigung, anderseits zur Erklrung und Milderung
  des Urtheils ber die Mutter vergleiche man, was oben zum 4. Briefe
  bemerkt wurde, so wie die folgenden Briefe Nr.19. 21. 42. 45. 47.
  Nach reiflicher Ueberlegung habe ich geglaubt, auch diese Stellen
  nicht zurckhalten zu mssen, weder aus bertrieben vorsichtiger und
  zaghafter Piett gegen Fichte, noch selbst gegen seine Mutter, die
  trotz der vielleicht scharfen und grellen Beleuchtung, welche auf sie
  fallen mag, doch nicht in einem schlechten Lichte erscheint. Fr das
  Verstndni von Fichte's eigenem Wesen aber scheint mir die Kenntni
  seiner Stellung in seiner Familie und der Beziehungen zu seinen
  Angehrigen nicht unwichtig, weil die rcksichtslose Entschiedenheit
  und die zuweilen bis an Schroffheit grenzende Strenge seines
  Charakters, das oft stolz sich Abschlieende und kalt Zurckweisende
  seines Wesens gegen heterogene, anders geartete Persnlichkeiten, zum
  Theil wohl -- ich sage nicht ihre Entschuldigung, deren scheint mir es
  nicht zu bedrfen, wohl aber ihren Erklrungsgrund mit in dem
  Gegensatze haben kann, in dem er schon frhzeitig zu einem Theile
  seiner Umgebung sich befand. Nicht minder als die positiven mssen
  auch die negativen Einflsse bei dem Entwicklungsgange eines
  Charakters in Anschlag gebracht werden.

  Drfen wir aus den sprlichen Andeutungen ein bescheidenes Urtheil
  wagen, so war Fichte's Mutter wohl, zum Unterschiede -- vielleicht
  auch zu einer nothwendigen Ergnzung -- von ihrem weichherzigen und
  wohl bis an's Unpraktische gutmthigen Gatten, eine wesentlich
  energische, positive, thatkrftig auftretende Frau von etwas zusammen
  geraffter, gedrungener, kantiger Natur, die ihre gut gemeinten,
  verstndigen Ansichten in eigensinniger, rechthaberischer Weise
  geltend machte, vielleicht um so heftiger und, da ich so sage,
  verbissener, je weniger sie alle Mal sogleich einen Erfolg davon sah:
  so da sie schlielich eine von jenen Frauen wurde, als deren
  hervorstechendste Seite die Zanksucht sich zeigt, whrend sie doch im
  innersten Grunde ihres Wesens wohlmeinend und herzensgut sind. Etwas
  davon, obwohl in vollkommen gereinigter und idealisirter Weise, war
  auch in ihrem groen Sohne, der auch leiblich ihr Abbild war. Herr
  Professor I.H. Fichte schreibt mir, da ihm seine Gromutter noch aus
  seiner eignen Kinderzeit als stattliche, untersetzte Frau von miger
  Gre, bei auffallender Aehnlichkeit mit den Gesichtszgen ihres
  Sohnes, Johann Gottl. Fichte, gar wohl in der Erinnerung lebe. Da
  gerade zwei solche harte, feste Charaktere, innerlich und ursprnglich
  verwandt, doch leicht dazu kommen konnten, sich gegenseitig abzustoen,
  liegt auf der Hand und ist psychologisch vollstndig erklrbar,
  namentlich wenn, wie hier, der Vater, passiv sich verhaltend, den Sohn
  nachsichtig gewhren lie, wo die praktische, resolute Mutter meinte,
  den Sohn nach einer langen, mhsamen Vorbereitung zur Erfassung
  einer geordneten, den nthigen Lebensunterhalt sicher eintragenden
  Berufsthtigkeit drngen zu mssen. Ihr Verhltni zu den brigen
  Kindern ist aus den vorliegenden Quellen natrlich nicht so deutlich
  erkennbar, und jedenfalls berhaupt minder klar durchgebildet gewesen.

  Wir haben hier ganze, volle, markige Menschen vor uns, die in einen,
  wir knnen wohl sagen echt tragischen, Conflict kommen, weil sie nicht
  blos jeder nach seiner Meinung, sondern auch jeder in seiner Weise
  Recht haben, so aber, da nach allgemeineren, freieren Gesichtspunkten
  wiederum jedem auch ein gewisses, mehr oder minder groes Unrecht
  anhaftet, weil er seinen eigenen, individuellen Standpunkt zum
  absoluten, allein berechtigten machen und dem des Andern nicht auch
  eine theilweise Berechtigung zugestehen will. Tragisch ist dieser
  Conflict, weil er der Idee nach, welche die Harmonie und den Frieden
  fordert, nicht bestehen sollte, und weil er, wie die Dinge nun einmal
  liegen, doch eben unvermeidlich ist, und weil schlielich auf der
  einen oder der andern Seite eine Niederlage erfolgen mu, welche, in
  ihrer Gesammtwirkung das genaue Ma der Schuld berschreitend, das
  Mitleid und den Antheil des Herzens rege macht und einige wehmthige
  Klnge selbst in den Siegesjubel auf der andern Seite mischt. Es
  braucht wohl kaum ausdrcklich hinzugefgt zu werden, da jene
  Differenz im vorliegenden Falle nicht wirklich zu einer uerlichen
  Katastrophe kam (war doch Fichte, dem geistig doch der Sieg bleiben
  mute, wie er ihm auch von der Geschichte zugesprochen ist, fr seine
  Mutter bis an das Ende ihres und seines Lebens in treuer Sorge
  thtig): es ist dieses nur eine innerliche Auseinandersetzung gewesen.

  Wem das Ganze als eine ungehrige Abschweifung in das sthetische
  Gebiet erscheint, der mge Nachsicht ben. Ich glaubte nicht anders
  jenen beiden wackern Menschen gerecht werden zu knnen, wenn ich
  einmal wagte, von ihnen zu reden; und was mich dazu bestimmte, habe
  ich oben ausgesprochen. -- Indessen will ich auch nicht unterlassen
  hinzuzufgen, da mir Herr Pastor Werner in Rammenau sagte, im Dorfe
  gelte Fichte's Mutter mehr fr eine stille Frau, von der man nicht
  Viel wisse, wogegen sein Vater als der alte Bandmacher noch vielfach
  genannt werde. Dies ist allerdings keine Besttigung der psychologischen
  Hypothese, wie ich sie auf Grund des vorliegenden Materials aufgestellt
  habe; es ist aber auch -- scheint mir -- keine unbedingte Widerlegung,
  sondern lt sich, zumal wenn man den verwischenden Einflu der Zeit
  in Anschlag bringt, sehr wohl damit vereinigen.--

  Es gereicht mir zu hoher Befriedigung, da die hier dargelegte
  Ansicht nachtrglich noch von competentester Seite her authentische
  Besttigung findet. Herr Prof. Fichte in Tbingen schreibt mir am
  7. Juli d.J. ber diese ihm mitgetheilte Stelle: .... Damit komme
  ich auf meine Gromutter und auf dasjenige, was Sie mit gewi sehr
  richtiger psychologischer Conjecturalkritik ber dieselbe schreiben.
  Was ich selbst ber sie und ber ihr Verhltni zu Mann und Kindern
  aus eigener Erinnerung und aus den Mittheilungen meiner seligen Mutter
  wei, ist folgendes. Sie war noch im Alter (im Jahre 1805 und 1811
  besuchte mein Vater mit uns seine Eltern und so schwebt mir das Bild
  der Gromutter noch in lebhafter Erinnerung vor) eine gerade, stmmig
  untersetzte Frau, mittlerer Gre, mit Gesichtszgen, die ganz
  auffallend denen ihres Erstgebornen glichen. Sie galt in der Familie
  wegen ihres Verstandes und der Energie ihres Willens als die
  eigentliche Herrscherinn, und ohne Zweifel hat mein Vater =ihr= das
  Feste, Unerschtterliche seines Charakters als Erbstck zu danken.
  Deshalb wurde sie aber auch gefrchtet in der Familie, und meiner
  Mutter Aeuerung, sowie die meines Vaters erklren sich daraus
  vollstndig. Sie war dabei eine Frau von strenger Religiositt, und
  mein Vater, der wenigstens in den sptern Jahren, wie ich es selbst
  erlebt habe, seine Mutter mit kindlicher Ehrfurcht als ein ihm
  ehrwrdiges Wesen behandelte, hat gegen meine Mutter ausdrcklich
  erwhnt, wie viel er den ersten religisen Eindrcken verdanke, welche
  die Mutter ihm eingeflt. Doch war das Verhltni zwischen Mutter und
  Sohn in seinen Studienjahren allerdings, wie ich aus vielen einzelnen
  Andeutungen in briggebliebenen Tagebuchresten und Briefconcepten
  schlieen konnte, ein getrbtes. Der Grund lag aber gerade in ihrer
  Vorliebe fr diesen ltesten Sohn, den sie sich nicht anders denken
  konnte, denn als Prediger, und in dessen ganz abweichender und
  excentrischer Laufbahn sie nur die bedenklichste Abweichung vom Pfade
  des Frommen und Guten erblicken konnte; kurz, sie verstanden einander
  nicht, es kam zu heftigen Scenen, weshalb er einige Jahre hindurch
  sogar den Besuch zu Hause gemieden zu haben scheint, und so
  erklrt sich mir z.B., da er bei seiner allerdings abenteuerlich
  erscheinenden Wanderung nach Warschau (Bd.I. S.119 Aufl.II.) in
  Bischofswerda blieb und brieflich seinen Vater und seine Brder zu
  sich beschied. Spterhin hat sich dies Verhltni, wie ich selbst
  gesehen habe, vllig wieder hergestellt..... Aber leider waren auch in
  der Familie innere Mihelligkeiten, unter denen der Grovater sehr
  viel litt .....

  Die beiden folgenden Briefe tragen kein Datum, scheinen aber im Mrz
  1795 geschrieben zu sein, sie zeigen, wie Gotthelf's Reise nach Jena,
  worauf die gutmthige und weichere Johanna schon im November 1794
  hindeutet und worauf sie ihn immer wieder vertrstet, nach Fichte's
  klarer und klterer Einsicht seinen Zwecken gem noch weit
  hinausgeschoben werden mute.




13.


                          Mein lieber Bruder,

Es ist mir nicht mglich gewesen, Dir eher auf Deinen letzten Brief zu
antworten. Ich habe Dir schon mehrmals gesagt, da selbst ein kleines
Briefchen nicht allemal so gar leicht von mir geschrieben werden kann,
weil oft selbst die wenigen dazu erforderlichen Minuten mir fehlen.

Was du mir ber Deine Lage schreibst, kann ich zum Theil wohl glauben.
Ich habe manches der Art vorhergesehen, weil ich unsere Schulleute gar
wohl kenne, und nicht erwarten konnte, da Dein Lehrer von der =beinah'
allgemeinen Regel= eine Ausnahme machen wrde. -- Erkenne aus diesem
Ausdruke, da der Sache nicht wohl zu helfen war, wenn der Zwek erreicht
werden sollte.

Das Hauptbel, mein lieber Bruder, liegt in dem Misverhltnisse Deines
=Alters= zu Deiner =Lage=; ich habe das alles vorhergesehen, und
grtentheils es Dir vorhergesagt. Du mustest diesen Uebeln Dich
freiwillig unterwerfen. -- Dazu kommt Deine bis jetzt gewohnte Lebens
Art. Es ist kein geringes aus dem bestndigen Leben in einer Familie,
aus fortdauernder Gesellschaft, sich in die Einsamkeit eines
Studierzimmers, und ohne Welt- und Menschenkenntni, ein Jngling an
Jahren, und ein Kind an Einsicht sich unter fremde Leute eines ganz
andern Standes wagen. -- Die unangenehmste Nachricht in Deinem Briefe
war mir dein Hang zur Hypochondrie. Ich wei aber besser, da es nicht
dies, sondern Sehnsucht nach Deiner vorigen Art zu seyn, Sehnsucht nach
Hause, u.s.f. ist. Darin wirst Du mir widersprechen; aber Du kannst
das nicht beurtheilen; es ist Sehnsucht, die nicht zum Bewutseyn kommt.

Du irrst Dich gnzlich, wenn Du glaubst, da Du schon jezt mit Nutzen
nach Jena kommen knntest; und das ist ein Bewei, da Dir noch bis jezt
ber diejenigen Dinge, die ich Dir gleich anfangs sagte, und schrieb,
noch kein Licht aufgegangen ist; da nemlich zu einem Gelehrten
=positive= Kenntnie gehren. Mein Umgang kann Dir hierin nicht viel
ntzen. Denn =theils= habe ich des Tages gar sehr wenig Zeit brig,
=theils= verstehst Du mich nur halb; =theils= kommen die Dinge, die Dir
jetzt zu lernen nthig sind, in meinen Gesprchen nicht vor: ich habe
nicht Zeit Dich darin zu unterrichten, und bin auch selbst kein groer
Held darin. Endlich aber verhindert es besonders meine jezige Lage ganz
und gar Dich, ehe Deine Sitten mehr Feinheit haben, in mein Haus zu
nehmen. Ich habe meine sehr triftigen Grnde, zu wollen, da nichts was
mir angehrt, auf irgend eine Art dem Tadel des Publicums ausgesezt
sey. -- Du kannst fr Deine Sitten hchstens Schchternheit, und das
Complimentirbuch der kleinstdtischen Welt angenommen haben: das ist fr
den Anfang nicht bel. Aber darauf mu eine anstndige Freimthigkeit,
und eine gewisse Leichtigkeit gesezt werden, und diese kannst Du in
Deiner gegenwrtigen Lage nicht annehmen, und ich wei gar wohl warum.
-- Ferner wei ich sehr sicher, da Du die schne Rammenauische Sprache
noch immer nicht abgelegt hast, und da diese erst weg wre, wnsche ich
gar sehr.

Dies sind meine Gedanken wegen Deines Anherkommens. Dies ist vor der
Hand unmglich, und bleibt unmglich, bis ich Dich selbst geprft habe,
und Dich dazu fhig finde. Deinen Wunsch aber von Meissen wegzuseyn,
berhaupt misbillige ich nicht: wenn ich nur wste, wo ich Dich hinthun
sollte. Es sind mir zwei Gedanken eingefallen; =entweder= als Externus
nach Schul-Pforte. Hierbei wrdest Du den Vortheil haben, mit jungen
Leuten Deines gleichen bekannt zu werden, welches ein groer Vortheil
fr das ganze Leben ist; aber leider -- wrde Dir dabei Deine Unwissenheit
in demjenigen, wovon dort alles Ansehen abhngt, im Wege stehen, und es
wrde eine sehr groe Klugheit von Deiner Seite erfordern, Dich zu
behaupten, theils wre auch dort fr die Bildung feiner Sitten nicht
viel besser gesorgt, als in Meissen. Jedoch, Du wrst mir in der Nhe,
und ich knnte vielleicht durch meinen Einflu und Namen bei den
umliegenden Familien etwas vermgen. ([Zusatz am Rande:] Dieser ganze
Plan stt sich besonders daran, ob Du auch genug gelernt haben magst,
um in Pforte recipirt zu werden.) =Oder=, es ist mir eingefallen Dich
zum Pastor =Bischoff= zu thun, der seine schlechte Stelle mit einer sehr
guten, auch nicht allzu weit von hier, vertauscht hat. Ich werde in
einigen Wochen selbst zu ihm reisen, und die Lage selbst vollkommen
prfen, ehe ich ihm einen Gedanken davon uere. =In der Mitte knftigen
Monats sollst Du etwas bestimmtes von mir erfahren.=

Wie stehts mit dem Tanzen? Ferner, wie steht es mit Deiner Kleidung,
Deinen Bchern, Deiner Brse? -- Schreib mir das recht ausfhrlich,
damit ich meine Maasregeln darnach nehmen knne. Deinen Lehrer gre von
mir, und sage ihm: ich bedauere, da ich ihm Dein Viertel-Jahr-Geld
nicht habe schiken knnen. Es sey mir nicht mglich gewesen, und ich
mste ihn bitten zu warten, bis Monat May, wo ich es ihm richtig, und
mit Dank bersenden werde.

Bruder Christian hat von Finsterwalde aus an mich geschrieben und mir
seine Verheirathung gemeldet. Wenn Du ihm etwa schreibst, so versichre
ihn meines herzlichen Antheils. Ich werde ihm schreiben, sobald ich Zeit
haben werde. Eben so an Bruder Gottlob, und meine Eltern.

        Dein treuer Bruder
                                                         Fichte.




14.


Lieber theurer Bruder! Ich kann meines Mannes Brief nicht vortgehn
laen ohne Ihnen auch ein paar Zeihlen zu schreiben, ohne Ihnen zu sagen
da mein theurer Vatter Sie innig liebt, und herzlich grt, da Er und
ich aufrichtig wnschen da Sie bald bei uns sein mgen; faen Sie Muth
Theurer, die Zeit da Sie bei uns Leben, wird ja auch nicht mehr so
lange dauern, und denn werden Sie Sich das berstanden zu [hier steht,
durchstrichen, haben] freuen haben.

Da wir Ihnen so wenig schreiben, ist gewis nicht mangel Liebe, sondern
mangel an Zeit, das ist im ganzen ein wirwarvolles Leben hier, da wenig
wahren Genu schaft, und viel Zeit raubt; Sie werd einmahl selber sehn;
ich wnsche nur da Sie bald kommen, und kann nicht so ganz einsehn
warum mein Mann es so aufschiebt, die Lebensart ist hier nicht gar fein,
so da gewis ein jeder sich bald hineinfindt; ich wnschte nur auch Sie
einmahl zu sehn Lieber Bruder! Warum knnen, und sollen Sie uns denn nie
besuchen? Sie und ich, wir wollten, unsern Fichte denn schon bekehren,
ich glaube immer Er nimt die Sache viel zu strenge. Leben Sie wohl!
Guter theurer Bruder, von ganzem Herzen

                                                   Ihre Fichtin.

  In dem nchsten Briefe klingt in bemerkenswerther Weise aus Johanna's
  durch und durch christlichem Gemthe eine ergebungsvolle Stimmung
  heraus, das Gefhl, da wir auf Erden schon Brger des Himmels seien,
  in welchem erst unsere wahre und ewige Heimath sei. So schreibt auch
  spter, gegen Ende des Jahres 1806, Fichte aus Knigsberg an seine
  Gattin: Ich habe meine Entschiedenheit fr das Leben, die in meinem
  Innern nie zweideutig war, nun auch uerlich realisirt. Du bist der
  Erde ohnedies abgestorben, wie das Weib mag, der Mann nie darf noch
  soll. Du wirst mit dem bescheidenen Platze, den ich mir behalten habe
  in der letztern, vergngt sein (I, 371). Als uerliche Veranlassung
  zur Offenbarung dieser Denkart in diesem Briefe mssen wohl die bis
  zu gewaltsamen Angriffen gehenden Anfeindungen und Beleidigungen
  betrachtet werden, mit denen Fichte von den Ordensverbindungen
  der Studenten verfolgt wurde, die er als die Quellen vielfacher
  Unsittlichkeit erkannt und darum veranlassen wollte sich aufzulsen.




15.


                                       _Jena d. 8. Aprill 1795._

        Theurer Bruder!

Schon lange wollt ich Ihnen schreiben, schon lange einliegendes schiken;
und immer, und immer gabs Hindernisse: Sie sind eine gar zu gute Seele,
da Ihnen mein Geschreibsel angenehm sein kann; freuen thut's mich
freylich; da ich mich nun ganz treuherzig hinsezen kann, wenn ich Ihnen
schreibe; da ich denken darf, der gute Bruder versteht Dich schon, wie
du es meinst, da ichs gut mit Ihnen meine, das wei ich, das sagt mir
mein Herz, da Sies aber auch gleich so einsehen, das macht Ihnen Ehre.

Mein Lieber Mann, wird in ein paar Tagen, zu _Pastor_ Bischoff reisen,
um wie er =hoft=, sich zu erholen, und um zu arbeiten; damit er knftig
Sommer nicht so stark arbeiten msse; ich bleibe bey meinem Vatter,
welcher sich nicht ganz wohl befindt, und der Haushaltung, welche man
nicht gut allein laen kann; auch mu verschiedenes im Hause ausgebeert,
und verndert werden; so siehts nun bey uns aus Lieber Bruder; was man
im ganzen in _Jena_ fr eine Art zu leben fhrt, werden Sie einst selber
sehn; es ist wie berhaubt in der Welt, huliches Glck, knnen wir uns
nur selber schaffen, Sthrungen von auen, mu man sich nicht laen zu
Herzen gehn; dies ist auch hier hchst nothwendig; so geht ein Jahr,
nach dem andern hin, bis wir am Ziehle unsrer Laufbahn hienieden sind;
wohl uns, wenn wir viel Gutes, und nicht Bses thaten.

Ich freue mich, da Sie so Muthvoll, Ihre Zeit, (ich hoffe, und wnsche
da sie nicht mehr lange daure) ausharren; wir wollen uns nachher mit
Ihnen drber freun.

Mein guter Vatter, und Mann gren Sie herzlich, Leben Sie wohl, und
errinnern Sie Sich dann und wann Ihrer Schwester

                                               _Johanna Fichte._

  Aufschrift:

                            _Herrn Fichte_:
                                                      in
                                                      _Meissen_.
    bei dem Herrn Con Rektor _Thieme_.

        =Inliegend ein Friedrichd'Or=

                     (Nur: _Herrn Fichte_ von Johanna's Hand.)

  Die erwhnten Mihelligkeiten bewogen Fichte, Jena auf einige Zeit zu
  verlassen und den Sommer in Osmannstdt zuzubringen (I, 260); darauf
  beziehen sich die folgenden Briefe, von denen der erste der Zeitangabe
  ermangelt.




16.


        Theurer Bruder!

Wir werden wahrscheinlich diesen Sommer auf dem Lande Leben, und Sie
werden denn zu uns kommen, worauf ich mich herzlich freue; ich werde
Ihnen so bald mglich das bestimmtere drber schreiben. Leben Sie wohl!
In Eyl Ihre Schwester

                                           _Jo. Fichte nee Rahn_

  Aufschrift:

                   _Herrn =Fichte=_:
               Bey dem _H: Conrector Thieme_
                                                in
                                                      _Meissen_.

    Einliegend einen _Friedrichs'dor_:





17.


                                       Jena, d. 27. April. 1795.

Da ich durch eine Veranlaung, worber mndlich, diesen Sommer frei
bekomme, und ihn auf dem Lande zubringen werde, habe ich mich
entschlossen, Dich zu mir zu nehmen. Komm daher, sobald Du willst,
und kannst. Wenn Du ber Leipzig, und Naumburg reisest, so brauchst Du
gar nicht nach Jena, sondern hast von Naumburg aus ber =Auerstedt= zu
reisen, und da nach dem Dorfe =Omannstedt= zu fragen, welches zwischen
=Auerstedt= und =Weimar= an der Strae, wie man mir sagt, liegt. In
Omannstedt auf dem Schloe trifst Du mich. Ich habe daelbe, welches
sehr schn ist, und in einer angenehmen Gegend liegt, fr diesen Sommer
gemiethet. Da ich Dich bald zu sprechen hoffe, so halte ich nicht fr
nthig, Dir noch irgend etwas zu schreiben, wozu ich ohnedies jezt nicht
Zeit htte.

Ich bin jezt selbst mit meiner Cae etwas drftig eingerichtet. Ich
hoffe daher, da die inliegenden 2. Dukaten hinlnglich seyn werden, um
Dir das nthige zu Deinem Abgange von _Meisen_ zu verschaffen, und um
damit die Reise anher zu machen.

Lebe wohl. Es wird sich sehr freuen Dich zu sehen

                                      Dein
                                           Dich liebender Bruder
                                                    F.

  Aufschrift:

                              Herrn _Fichte_:
                                                 in
                                                       _Meissen_

    Hierin 2. Ducaten

  Auf einer leeren Seite des 17. Briefes befindet sich ein Herzensergu
  Gotthelf's, der in merkwrdiger Art beweist, wie Fichte seinen Bruder
  von Anfang an nur allzu richtig beurtheilt hatte, als er in seine
  ausreichende Entwicklungsfhigkeit einigen Zweifel setzte -- ein
  Mitrauen, dessen Richtigkeit sich besttigt hatte, als der Professor
  den Schler persnlich prfte. (In welchem Monat Gotthelf nach
  Osmannstdt kam, ist nicht angegeben.)




18.


Das Glck ist sehr vernderlich. Als ich diesen Brief von meinem Bruder
erhielt, so schtze ich mich fr auerordentlich glklich und dachte,
von nun an sey mein Glk so fest gegrndet, da es gar nicht mehr wanken
knnte. Und siehe! -- nie wankte es mehr als eben da, denn dieses war
der Anfang, zu meiner jetzigen milichen Lage: wre ich nicht so zeitig
aus Meien weg gekommen, so htte wohl etwas mit mir werden knnen. Ich
htte alsdann doch die Lateinische Sprache so ziemlich gelernt gehabt,
htte auch einen Anfang in der Franzsischen, und vielleicht auch in
der Griechischen gemacht gehabt, wre zu einer weit gelegenern Zeit zu
meinem Bruder gekommen, als ich so zu ihm kam, er htte vielleicht, wenn
er vom Anfang an eine bessere Meinung fr mich gefat gehabt htte, mich
nicht so kalt behandelt, und ich wre also auch nicht genthigt gewesen,
mich gegen ihn zurkzuhalten, und also htte die Sache vielleicht ganz
anders gehen knnen, als sie leider jetzt geht. Indessen ist es nun
einmal nicht anders, und ich wenigstens kann die Sache nicht ndern, ich
habe auch die Teufeleien nicht vorher sehen knnen. Gute Nacht.

                                                         Fichte.

  Was Gotthelf hier noch zu seiner Entschuldigung anfhrt, hat um so
  weniger Grund, als er ja, wie aus den vorigen Briefen vielfach
  ersichtlich ist, selbst die Zeit nicht hatte erwarten knnen, wo er
  Meien verlassen und nach Jena kommen durfte. Der trotz des bittern
  Ernstes fast komische Schlu aber bekundet doch den Humor und die
  ausreichende Seelenstrke (vgl. oben den 8. Brief), womit er die
  Enttuschung zu ertragen und sich in einen andern Wirkungskreis zu
  finden vermochte. Dasselbe bezeugt der folgende Brief, der anderseits
  einen Beweis liefert, mit welchem Geschicke J.Gottlieb Fichte auch
  praktische Dinge zu behandeln wute und mit welcher Energie er einige
  bei seinem Aufenthaltswechsel eingetretene Miverhltnisse ordnete.




19.


                                      Jena, d. 14. November. 95.

Deine Gesinnung, mein lieber Bruder, die in Deinem Briefe sich zeigt,
freut mich, und ich wnsche Dir von Herzen Glk dazu. Auch ist es mir
sehr angenehm, da diejenigen, die Dich umgeben, gleichfals in die Lage
sich geschikt haben.

An sich -- ich gestehe es Dir aufrichtig -- sehe ich auch dabei kein
Unglk, wenn Du Soldat wrdest; es versteht sich auf einige Zeit. Wenn
Du Dich appliciertest, knntest Du eine Unter Offizier, eine Fourier
Stelle, u.s.w. erhalten: (nur wre dabei zu wnschen, und nthig, da
Du eine beere festere Hand schriebest.) Auch dieser Stand giebt eine
eigne Bildung, eine eigne Bearbeitung, eine Gefgigkeit in die Welt, die
Dir besonders, so wie ich Dich kenne, sehr nzlich seyn wrde. Da aber
allerdings dadurch Dein anderweitiger Plan aufgehalten wrde, und was
die Hauptsache dabei ist, da Du eine Abneigung gegen diesen Stand hast,
so billige ich auch die Weise, wie Du Dich davon befreien willst.
Ich wrde Deinen Brief noch eher beantwortet haben, wenn nicht die
Ueberlegung, ob ich Dir mit Vernunft =jetzo= die begehrten 30.Rthr
schiken knnte, mich einige Zeit aufgehalten. Meine Lage ist die: Ich
habe zwar eine gute Einnahme gehabt; aber durch Vergelichkeiten war
eine solche Unordnung in meinem Hause eingerien, da ich an ~100rthlr.~
Schulden habe bezahlen men, =auf die ich nicht gerechnet, und von
denen ich kein Wrtlein= gewut; berhaupt, da ich seit 14. Tagen
ber 200rthr. Schulden bezahlt habe. Bedenke selbst welche Unordnung
besonders der erste Umstand in einer Haushaltung verursacht, in der ich
schlechterdings, es koste was es wolle, von nun an strenge Ordnung haben
will. So unbedeutend nun 30.rthr. an sich mir seyn mgen, so sehe ich
doch nicht mit Sicherheit vorher, da ich sie, bis ich wieder Geld
bekomme

                   *       *       *       *       *

Ich hatte den Brief so weit geschrieben, als mir eine unerwartete
Schuld einging, die jenes _deficit_ ersezt und mich in den Stand
sezt, Deinem Begehren selbst zu willfahren. Ich mag den Brief nicht
umschreiben; und so mag denn der Anfang stehen bleiben, um Dir einen
Bewei zu geben, da Du nicht etwa unbedachter Weise auf mich rechnest.
Ich wollte Dir rathen, die 30. thr. in Deiner Gegend, auf mein Wort
zu borgen; allenfalls auch auf einen Wechsel von mir, zahlbar zur
Jubilate-Messe. Ich kann es jezt baar schicken; und so ist es besser.

Aber so erneure ich denn auch meine Versicherung, da auf mich gar nicht
zu rechnen ist. Habe ich etwas brig, so kann ich es dann wohl zum
Vortheil der Meinigen anwenden; aber mein eignes Hauswesen in Unordnung
bringen, oder mich in Schulden steken, das thue ich jezt, und in
Ewigkeit nicht.--

Ich hoffe, da der Hauskauf schon gemacht ist. Mit der Werbung wird es
nun wohl auch nicht mehr so groe Noth haben, weil Sachsen Friede
geschlossen hat.

Ein Wink, den Du mir ber die Lage der Unsrigen giebst, betrbt mich:
rgert, und emprt mich. Ich kann diese zankschtigen Menschen recht
herzlich haen. Es bleibt dabei, da ich knftigen Herbst meinen Vater
zu sehen hoffe, sehr darauf mich freue den lieben, guten, wrdigen zu
sehen: aber ich werde nie ber eine Schwelle treten, innerhalb welcher
es solche Menschen giebt.

                              Der Deinige
                                                         Fichte.

N.Sch. Ich denke Dir dieses Geld keineswegs zu =schenken=; sondern ich
denke es Dir nur zu borgen: und es mag auf dem Hause, unter uns, stehen
bleiben.

Beantworte mir doch nach genauer Erkundigung folgende Fragen: Sind bei
Euch auf gute Art, und wohlfeil liegende Grnde zu erkaufen: z.B.
Bauergter, die von Hofdiensten frei gemacht werden knnten; oder
betrchtliche Stke von den herrschaftl. Grnden: Wir mchten es, um
gewier Ursachen Willen, gern wien.

Meine Frau grt Dich herzlich; und dankt fr Deinen Brief.

  Aufschrift:

                        An Herrn
                _Samuel Gotthelf Fichte_
                                       in
                                _Rammenau b. Bischofswerda_
                                    ber _Leipzig_ u. _Dresden_.

    Inliegend 5 Stck _Carolin_.

  Die beigegebenen rhrenden Zeilen Johanna's nehmen Bezug auf den am
  29. Sept. erfolgten Tod des Vaters Hartmann Rahn.




20.


Ich kann doch den Brief meines Lieben Mannes nicht abgehen lassen, ohne
Ihnen auch zu schreiben. Ich freue mich herzlich, da Sie so glklich
angekommen sind, da Sie alle Lieben so wohl fanden; und Ihr lieber
Brief an mich, voll wahrer Lebensweisheit ist; Sie haben den wirklichen
Punkt gefunden, um in der Welt glklich zu seyn, halten Sie ihn ja fest,
denn ohne diesen einzigen wahren Gesichtspunct, knnen wir nie glklich
sein.

Ich bin ziemlich wohl; aber der Verlust meines theuren, redlichen, mir
unvergelichen Vatters, macht mich sehr betrbt; ich fhl auch besonders
izt, seinen ganzen _Werth_, den ganzen Umfang seines edlen Herzens; wie
grenzenlos Er mich liebte, was Er fr ein herrlicher Mann war; wie oft
sagte Er zu mir; ach wt ich nur was zu erfinden, um dem guten Fichte,
ein glkliches Schiksahl, zu machen; auch hatte er mancherley Plne,
ihrenthalben entworfen, aber der Tod rafte ihn weg. Er wird nicht wieder
zu uns kommen, zu ihm aber kommen wir. Das ist auch der einzige Gedanke,
welcher mich einigermasen trstet; und die freudige Ueberzeugung, da
ihm izt unaussprechlich wohl ist; Da er nun schon so manches wei, was
wir nur hoffend glauben; da seine Seele, erlt von der gebrechlichen
irdischen Hlle, nun ganz andre Vortschritte macht; was mag das fr eine
Freude gewesen sein, als er meine theure Edle Mutter wieder fand, die
hatte auch ein Herz, wie man nur sehr wenige findt; auch nahm sein
Verlangen nach ihr, mit dem Tode sehr zu, es war gleichsam, eine
Vorempfindung, da Er sie nun bald sehen werde. Ach theurer, Lieber
Bruder laen Sie uns Edel und gro sein, und im Guten, immer strkere
Vortschritte machen, damit wir auch zu diesen Edlen kommen. Gott sey mit
Ihnen! Es liebt Sie von ganzem Herzen,

                             Ihre Schwester
                                                  Johanna Fichte
                                                     g. _Rahn_

Tausend herzliche Gre, an die lieben Eltern, und Geschwister, mgen
Sie Alle recht glklich und braf sein.

  Es folgen nun der Zeit nach eine Reihe von Briefen vom 8. Juni 1797
  bis zum 9. December 1798 an den Bruder Gotthelf, die hauptschlich auf
  Geldverhltnisse und Geschftssachen sich beziehen, da Gotthelf und
  Gottlob ein Haus gekauft hatten und darin die Bandweberei betrieben,
  wozu Johann Gottlieb Fichte ihnen verschiedene Geldsummen schickte,
  wofr er sich einen Gewinnantheil ausbedungen hatte. Namentlich wollte
  er, da davon seinem unermdet thtigen Vater Etwas zu Gute kommen
  sollte. Von anderen seiner Verwandten scheint Fichte mitunter in nicht
  ganz zarter und bescheidener Weise in Anspruch genommen worden zu
  sein, so da er ihnen zuweilen etwas derbe Zurck- und Zurechtweisungen
  ertheilt.

  Beachtenswerth ist vorzglich, wie eingehend Fichte sich nach den
  Specialitten des Geschfts erkundigt, die wandelbaren Werthe der
  verschiedenen Geldsorten in Anschlag bringt u.s.w., und wie er, der
  Philosoph, seinen Brdern, den Geschftsmnnern, vielfach Rathschlge
  giebt. Man wird dabei an das Wort erinnert, da der Philosoph auch
  der beste Schuster sein wrde, sofern er nmlich prft und entdeckt,
  worauf es ankommt, und also jede Sache, die er in Angriff nimmt, mit
  Verstndni und mit Erkenntni des Zweckes behandelt.

  Ich theile aus diesen Briefen nur mit, was als irgendwie
  charakteristisch von wirklich allgemeinerem Interesse sein kann,
  indem ich das rein Geschftsmige und Kaufmnnische bergehe und
  durch Punkte andeute.




21.


                                            Jena, d. 8. Jun. 97.

        Lieber Bruder,

Ich trug Bedenken, Dir das Geld geradezu durch die Post zu bersenden,
weil ich das ungeheure Porto frchtete, und wollte deswegen sehen, ob
es etwa durch Wechselbriefe zu bermachen wre. Ich erfahre so eben auf
meine Nachfrage auf der hiesigen sch. Post, da

    50. Carolins, oder 300rthr. Schsisch,

als soviel ich hierdurch bersende, nicht mehr als 30. bis 32.Gr.
Porto machen, und dies halte ich denn doch fr Kleinigkeit, und trage
kein Bedenken, auch diese Unkosten zu verursachen.

Ich erwarte mit umlaufender Post den Empfangsschein, weil ich nicht
wei, wie viel der kleinen Nebenpost, durch die das Geld zu erhalten
ist, zuzutrauen werde.

Ich erwarte die Auszahlung von 4. pro Cent, welche ich selbst an meine
Frau, deren Schwester dieses Geld gehrt, =aus meinem Beutel bezahle --
abgeredeter Maassen an meinen Vater, als eine kleine Pension= -- ~ganz
allein zu seiner eigenen Erleichterung bei seinem Alter~; =besonders,
da er nicht mehr so schwere Lasten trage=.

Du, und Bruder Gottlob steht mir fr dieses Geld; und ich =erwarte
darber des nchstens eine Verschreibung eures Vermgens; insoweit es
dafr nthig ist=. Der Schein wird ausgestellt nicht auf 300. thlr.
schsisch, weil dieser Werth wandelbar ist, sondern auf 50. Stk neue
franzsische _Louisd'or_. -- Der Schein wird auf =jhrige Aufkndigung=
gemacht.

Ihr verwendet dieses Geld so, da es so viel mglich auch meinen brigen
Brdern mit zu Nutz komme: -- es versteht sich, da dies, da ihr beide
allein mir dafr steht, nach eurer eignen Einsicht geschieht.--......

So viel ber dieses Geschft. Was den brigen Inhalt Deines Briefs
anbetrift, so wre darber viel zu sagen. Was darin unsere Mutter
anbetrift, hat mich gerhrt; und ich beklage die gute Frau. Gott, der
ein anderes Gericht fhrt, als wir, wird ihr vergeben. Was Du von den
brigen Gliedern unserer Familie, den Vater, und Dich ausgenommen,
sagst, hat mich befremdet. Diese drolligen Geschpfe haben also
geglaubt, da ich, nach ihrem ehemaligen niedertrchtigen Betragen gegen
mich, noch Pflichten gegen sie htte, ber deren Beobachtung =sie=
Richter wren, und nach denselben mich beurtheilen drften? Da ich
jetzt durch meinen Besuch diese Pflichten gegen sie erfllt habe, und
da nunmehr erst sie =ihre= Niedertrchtigkeit =mir= verzeihen knnten?
und Du, mein besserer, und wie ich glaubte, vernnftigerer Bruder,
trgst kein Bedenken, mir dies zu schreiben, als ob Du halb, und halb
derselben Meinung zugethan wrest?

Grsse mir herzlich den Vater, und lebe wohl.

        Dein treuer Bruder
                                                   J.G. Fichte.

.........

Indem ich den Brief schliessen will, fllt mir ein, da es doch sichrer
ist, ihn anderwrts hin, als nach Rammenau, zu addressiren; und ich
schike ihn daher durch Einschlag an Bursche zu Pulnitz.

  Das Specielle, was Fichte's Mutter betrifft, ist nirgends genau
  bezeichnet und kann deshalb nicht aufgeklrt werden. Nach einer Stelle
  am Schlusse des Briefes mu Fichte einige seiner Verwandten besucht
  haben; die folgenden Briefe aber lehren, da er in Rammenau nicht
  gewesen ist.

  Der nchste Brief ist nach dem bezeichneten Alter seines Sohnes, der
  am 18. Juli geboren wurde, vielleicht an demselben 11. October 1797
  geschrieben, wie der an des Kindes Pathen Johann Erich von Berger
  gerichtete (II, 479), oder doch an einem der nchsten Tage.




22.


        Mein lieber Bruder,

Ich habe bis jezt so viel Arbeit gehabt, da ich nicht habe schreiben
knnen. Deiner Bitte um Geld konnte ich nicht willfahren, weil ich das
verlangte nicht entbehren konnte. Ich habe das Haus, das ich in Jena
bewohnte, und welches Du kennst, gekauft. Das kostet mehr, als das
Deinige. Nun ist das zwar nicht von meinem, sondern von meiner Frau
Gelde geschehen: aber theils habe ich Vorschsse machen mssen: theils
lasse ich auch fortgesezt darin bauen, und dies geht von meinem Gelde.
Da kannst Du nun berechnen, ob viel baares Geld bei mir seyn mag.
Ferner, habe ich diesen Sommer Kindtaufe gehabt. Ja: es ist mir ein
herrlicher, gesunder, starker Knabe gebohren, der jezt in die 13. Woche
geht. Sage das unsern guten Eltern, die ich dadurch zu GroEltern
gemacht habe.

Ueber eine Reise nach Hause habe ich hin und her gedacht: aber es ist
nicht mglich gewesen. =Zeit= ist mir das edelste Gut, und ich konnte
ihrer fr diesmal nicht so viel verlieren, als dazu gehrt htte. =Gewi
versprochen= habe ich es nicht. -- Ich hoffe, es knftige Ostern mglich
zu machen. Vertrste den guten, trefflichen Vater. Gewi werde ich ihn
sehen, und mehrmals, hoffe ich, sehen. Meine Frau will sich's nicht
ausreden lassen, mich, mit ihrem Kinde, zu begleiten. Ich gestehe, da
ich dies in mancher Rksicht nicht gern sehe; und auch das hat mich
bisher abgehalten.

Ferner ist solch eine Reise unter hundert, und mehr Thalern nicht
gemacht und auch diese habe ich nicht so geradezu zu verlieren. Die
glckliche Zeit ist vorbei, da ich meinen Stab nahm, und zu Fusse ging,
durch die weite Welt. Jezt bin ich allenthalben gefesselt.

    Lebe recht wohl.
                                           Dein treuer Bruder
                                                              F.




23.


                                        Jena, d. 2. Jnner 1798.

        Lieber Bruder,

Meine Frau hat es sich nicht wollen nehmen lassen, an unsern guten Vater
zu schreiben. Es ist beiliegender Brief, den ich durch Dich berschike.

Es wundert uns nicht wenig, da wir die Papiere ber das bersendete
Geld, die nach wenigen Wochen folgen sollten, nicht erhalten haben.

Br. Christian hat mir abermals geschrieben. Sein Brief traf zu einer
Zeit ein, da ich ihm nicht antworten konnte, weil ich keine Zeit hatte.
Auch jetzt habe ich sehr wenig Zeit: ich bitte also =Dich=, ihn zu
benachrichtigen, =da es gnzlich ausser meiner Macht liege, ihm in
seinem Begehren zu willfahren, und da er eine vllig unrichtige
Vorstellung von meiner Lage zu haben scheine=.

Wie geht es euch allen, und wie geht es besonders Dir, und Bruder
Gottlob bei eurem Unternehmen geht; ob ihr Hofnung habt, etwas vor euch
zu bringen? -- ob ihr auch dem Vater das accordirte gebt, und ob es ihm
in der That zu einiger Erleichterung dient? Besonders auf das letzte
wnsche ich eine bestimmte Antwort.

    Lebe recht wohl.
                                           Dein treuer Bruder
                                                              F.




24.


                                        Jena, d. 21. August. 98.

Mehrere Grnde haben mich verhindert, Deinen Brief frher zu beantworten.
Ich hoffe, da es jezt mit euerm Unternehmen besser geht. Da Ihr den
Vater mit hineingezogen, ist mir nicht ganz recht. Er hat nun gesorgt,
und gearbeitet genug, und meine Absicht war nicht, da die kleine Pension,
die ich ihm zu geben vermochte, als ein Theil des Handelscapitals
betrachtet wrde, sondern da er sie in guter Musse gensse.

Nehmt euch ja in Acht, da das Kapital nicht schwindet. Es gehrt, wie
ich mehrmals gesagt, nicht mein; auch nicht einmal meiner Frau, sondern
einer armen unverheiratheten Schwester derselben. Ich wrde es ersetzen
mssen, und, wenn ich auch nicht sonst Ursache htte, bedchtig mit dem
meinigen umzugehen, schon dadurch in die Unmglichkeit versezt werden,
euch weiter zu untersttzen.

Aber ich habe Ursache, die Zeiten des Wohlstandes behutsam zu nutzen.
Meine Besoldung ist so gering, da ich durch sie kaum Holz und Licht
bestreiten kann. Ich mu von meiner Arbeit leben; und da diese mir
etwas eintrage, hngt von dem Flor dieser Universitt ab. Dieser aber
knnte in ein paar Jahren ganz sinken, denn schon jezt hat der Kaiser
von Ruland alle seine hier studirenden Unterthanen, deren Anzahl sich
bis in die 80. belief, zurkberufen, und es ist zu frchten, da andere
Regierungen diesem Beispiele folgen.

Wenn einer von euch etwas vom Landbaue verstnde, so wrde ich ihn zu
mir nehmen und mir Lndereien ankaufen. So knnte ich es etwa mit der
Zeit zum Besitze eines Rittergutes bringen. Aber auch dies kann ich
vor der Hand nicht, weil ich nicht wei, ob ich noch lange in diesen
Gegenden bleiben werde. Ich habe nemlich Vocationen, die annehmbar sind,
wenn Jena in Verfall kommt; bei denen ich mich aber verschlimmere, wenn
die Lage bleibt, wie sie jezt ist. Kurz, mein ganzer Zustand ist
schwankend.

... ... ...

Die herzlichsten Gre von mir und meiner Frau an Eltern und Geschwister.

                                         Dein
                                                 treuer Bruder
                                              J.Gottlieb Fichte

  Die hier erwhnten Vocationen beziehen sich ohne Zweifel auf die
  beabsichtigte neue Organisation der Universitt zu Mainz, bei der man
  Fichte in's Auge gefat hatte (I, 299ff.).




25.


                                         Jena, d. 16ten 7br. 98.

        Lieber Bruder,

Deine Briefe habe ich erhalten. Wenn du, wie ich hoffe, diesen Brief zu
rechter Zeit erhltst, d.i. wenigstens den 20sten dieses (Donnerstags)
so sey den 21sten (Freytag) bei guter Zeit in Dresden, und frage mir im
Gasthofe zum (goldnen glaube ich) =Engel= nach. Der Wirth heit Eichhof.
Bin ich etwa nicht da, so werde ich doch dort meine Addresse lassen. --
Richte Dich so ein, da Du die Nacht von Hause abwesend seyn kannst, und
sey gut angezogen, denn wir wollen den andern Tag wohin reisen.

Uebrigens sey ohne Sorge, und la Dich ja auf nichts ein, ehe ich Dich
gesprochen habe.

Meine Frau grt Dich, und die Eltern, so wie ich gleichfals

                                                     Der Deinige
                                                          F.

  Was das Ziel und der Zweck der hier verabredeten Reise war, ist
  unbekannt.




26.


                                            Jena, d. 15. 8br 98.

... ... ...

Ich habe Deinen Brief erst diesen Augenblik erhalten und antworte
sogleich indem ich nur noch . Stunde bis zu Abgang der Post habe. Da
Du den Donnerstag oder Freitag das Geld haben werdest, ist so ziemlich
unmglich, denn jezt ist Montag Abends.

Ich habe theils bis jezt mit meinen Laubthalern noch keinen
vortheilhaften Wechsel machen knnen; theils wollte ich noch alles
_piano_ gehen lassen, bis wir Kunden haben. Ich habe darber an einen
Kaufmann, dem ich zugleich die Mustercharte eingeschikt, geschrieben.
Die Aspekten fr jeden Handel standen in Leipzig auf der Messe sehr
traurig. Um jedoch nicht Schaden zu machen, und den Credit auf die Wage
zu setzen, schike ich sogleich Geld. Solltest Du mehr brauchen, so
schreibe mir.

Grsse mir Eltern und Geschwister herzlich.

Die Post geht ab, und ich habe keinen Augenblik mehr Zeit. Ich werde Dir
aber nchstens weitlufiger schreiben.

                                             Dein treuer Bruder
                                                              F.

  Aufschrift:

                  Herrn Samuel Gotthelf Fichte
                                  zu           _Rammenau_
                                        _p. Bischofswerda_, ber
                                               _Dresden_.

    frei

    ......

  Die folgenden Briefe vornehmlich zeigen uns den idealistischen
  Philosophen auch als praktischen Geschftsmann.




27.


                                           Jena, d. 26. 8br. 98.

        Lieber Bruder!

Ich mchte, da Du noch vor der Frankfurter Messe einen Brief von mir
httest, damit Du allenthalben Deine Maasregeln darnach nehmen knntest,
drum schreibe ich Dir jezt.

Das nothwendigste zuerst. Die Mustercharte habe ich an einen gewissen
Kaufmann in Eisenach geschikt. Er hat mir geantwortet, da ich mich
nicht besser htte addressiren knnen, als an ihn, da er in einiger
Zeit nach Jena kommen und mit mir mndlich weiter aus der Sache sprechen
werde; da die Waare zwar gut gearbeitet -- dies bezieht sich wohl
besonders auf die Schurichschen Wollen Proben, die noch jedermann,
der sie bei mir gesehen, usserst wohlgefallen haben, -- da =sie aber
viel zu theuer sey=. Ueber den lezten Punct erwarte ich seine weitere
Erklrung, und Deine Antwort, ob sie, im Falle einer grossen Lieferung,
wohlfeiler abgelassen werden knne.

Ich habe an unserm soeben gewesenen Jahrmarkte meiner Frau den Auftrag
gegeben, sich in den Bandbuden umzusehen, Prei, und Gte der Waaren zu
erkundigen, und zu erforschen, woher die Kleinhndler ihre Waaren
beziehen. Da hat nun meine Frau 3 Stkel (das Stk hlt 16. Ellen und
das Band 24. Faden.) schmales weisses Band (doch nicht so schmal als
unsere Pfennigschnr) fr 8.Gr. gekauft, und erfahren, da hier herum
alles aus =Erfurt= gezogen wird, wo sich bis 15. grosse Bandfabriken
befinden sollen, deren Unternehmer viele hunderttausend im Vermgen
htten (sagen nemlich die =Kleinhndler=). So habe ich selbst auf der
Leipziger Messe eine mchtige, und sehr gut gefllte Erfurter Bude (sie
steht mitten auf dem Markte) gesehen. -- Es ist mir selbst warscheinlich,
da die Erfurter das Garn wohlfeiler haben, als es in unserer Gegend
ist, indem in dem Erfurter Gebiet viel gesponnen wird, aber sonst keine
Leinweberei ist, und die Lebensmittel gar wohlfeil sind. Auf diese
Vergleichung bezieht sich vielleicht des Eisenacher Kaufmanns Ausspruch.
Ich werde ber alles dieses mich nher erkundigen. Alle diese Umstnde
nun rathen uns vor der Hand gar sehr das _piano_ gehen an; denn was
hilft es eine Menge Waare zu verfertigen, wenn man nicht den Preis
halten kann, und sie verschleudern kann.

Kurz -- ber alles dies werde ich sehr genaue Erkundigungen einziehen;
ebenso, wie ber den muthmaalichen Erfolg des Beziehens der Leipziger
Messe. Sehen wir nicht die Mglichkeit, etwas dort zu machen, vorher
ein, so rathe ich nicht dazu: denn die Unkosten einer solchen Messe
mgen, nach den Klagen aller Kaufleute, und nach der unverhltnimssigen
Theurung aller Waaren in Leipzig gegen andere Meorte, (z.B. Naumburg,
unsern Jahrmarkt) wozu die Krmer geradezu dies als Grund anfhren, sehr
gros seyn. Eine Bude zwar ist, an einem sehr vortheilhaften Platze,
besprochen. Das Standgeld betrgt die Messe ber nur 12Gr. aber eine
Bude mste angekauft werden.

......

Wechselbriefe kann ich nicht schiklich bekommen. =Dresden= ist viel zu
wenig Handelsort.

Auf Leipzig kann ich sehr leicht assigniren. Jezt zu andern Punkten.

.........

Gre Eltern, und Geschwister, und lebe recht wohl.

                                            Dein treuer Bruder
                                                              F.

d. 3. 9br.

Dieser Brief ist, um meiner vielen Geschfte willen, liegen geblieben.
Ich hoffe aber, da du ihn noch vor der Messe erhltst.......




28.


                                           Jena, d. 18. 9br. 98.

        Lieber Bruder,

So eben kehre ich meine Chatoulle bis auf den Boden, in welche ich
alles Gold und schsische Geld, das ich seit meiner Rkkehr eingenommen,
geworfen, und noch berdie wechseln lassen, und finde nicht mehr, als
das auf beiliegenden Zettel bemerkte,......

.........

Ueberhaupt, -- plagt mich das Geldschiken blo um der nicht
beizutreibenden Geldsorten willen; aber, sobald etwas nothwendig
gebraucht wird, oder wo ein Vortheil zu machen ist, so schreibe ja
sogleich. Ich kann Dir vieles, was ich versprochen hatte, heute nicht
schreiben, weil ich in Arbeiten vergraben bin. Ich werde bei der ersten
Gelegenheit, da ich ein wenig freie Luft habe, schreiben.

Melde mir ausfhrlich, wie Deine Messe abgelaufen. Die Aussicht fr den
Handel ist berhaupt hchst betrbt, durch das schndliche Verfahren der
Englnder, und die Dummheit der Deutschen. Ich habe wieder etwas
aufgetrieben, das unserer Bandfabrik vielleicht Kunden verschaft.

Ferner habe ich vor einigen Tagen eine Sammlung von physikalischen
Experimenten in die Hnde bekommen, die ich dir bei Gelegenheit zusenden
werde. Es ist da manches ber Frberei, wovon ich nicht wei, ob es Dir
ntzen kann; aber es ist da ein Rezept zu schnellen =Bleichen=, das
einige Anlage, und etwas Menschenverstand erfordert, und Dir gewi
nzlich seyn knnte. Ich werde es selbst noch besser durchdenken, und
dann mit meinen Bemerkungen es Dir schiken; kaufe daher nur nicht so
viel weisses Garn, sondern rohes.

Ich habe noch mancherlei sehr =sichere= Gedanken zur Verbesserung der
Bandfabriken, von denen ich nur zweifle, ob ich sie Dir schriftlich
vortragen kann. Hierber ein andermal.

Die alte Uhr ist, glaub ich des Postgeldes nicht werth. Sonst konnte
ich sie durch Schtteln, und Rtteln zum Gehen bringen; da ich sie das
leztemal sah, half auch dieses Mittel nicht mehr. Beruhige den guten
Vater. Eine Uhr soll er sicher von mir bekommen; ob es grade die aus dem
alten Eisen seyn wird, kann ich nicht versprechen. Lebe wohl, und grsse
Eltern, und Geschwister. Dein treuer Bruder

                                                        J.G.F.

Du schreibst in Deinem lezten Briefe, da Du 90Thlr. in Frankfurt
zu bezahlen habest. Und da mchte denn meine Frau, der dies auffiel,
wissen, wofr? -- und =ich= mchte es auch wissen.

  Aufschrift:

    Herrn Samuel Gotthelf Fichte
                 zu
                                _Rammenau_
                   ber =Dreden=, und =Bischofswerda=

    ......





29.


                                            Jena, d. 4. Xbr. 98.

Der Kaufmann, dessen ich neuerlich erwhnte, Hr. _Streiber_, ist hier
gewesen. Es hat sich ergeben, da derselbe =selbst eine Wollenbandfabrik=
hat. Sein Tadel der zu groen Theure bezog sich auf die wollenen Bnder.
Er knne sie weit wohlfeiler liefern. Er versende sie, -- und habe
ehemals auch leinene aus =Elberfeld= -- nach der Schweiz, Italien,
Spanien. Er wolle, wenn wir die =Preise halten= knnten (woran er
zweifle,) uns welche abnehmen.

Vorlufig soll ich =beiliegende Proben= berschiken: und Du sollst die
beiden bemeldeten Fragen beantworten. Thue dies nur -- aber nicht mit
Deiner gewhnlichen =schlechten= Schreiberei, denn das fls't keinen
Respekt fr den grossen Fabrikanten ein -- auf dem beiliegenden Zettel
selbst. Die Proben sollen zurkgesandt werden. Du mut Dir sonach
die Muster =merken=. Ist der Preis acceptabel, so will er auf diese
Sorten Bestellung machen. -- Nun sehe ich freilich, da beide Proben
viertrittig sind, und in der _B._ auch wollenes Garn ist. Du wirst sie
also schwerlich machen knnen. Aber doch mchte ich nicht, da wir
gleich die erste Bestellung abweisen mten. Es ist um der Zukunft
willen. Sthle mit mehreren Tritten wirst Du ohnedies anlegen mssen,
wenn ich Dir Kunden verschaffen soll. -- Antworte hierauf sobald Du
kannst. Es ist mir hierbei folgendes eingefallen.

1.). Streibers Bnder, von denen ich Dir nchstens eine Mustercharte,
und Preistabelle zuschiken werde (da wirst Du zugleich sehen, =wie eine
Mustercharte aussehen= mu, und dergl. mut Du Dir zulegen) sind weit
dnner, und ich glaube im ganzen viel schlechter, als =Schurigs=, aber
sie nehmen sich viel besser aus; sie sind sehr schn gefrbt, und wohl
zugerichtet. Ob sie viel wohlfeiler sind, wirst Du sehen; ich vermuthe;
denn Streiber sagt mir, da sie auf Mhlen verfertigt werden, die zum
Theil bis 30. Gnge haben. Vielleicht nun knntest Du dergleichen in
Deiner Gegend, und zu Frankfurt hufig absetzen, etwas darauf verdienen,
sie creditirt bekommen, und mit leinenen Bndern Deiner Fabrik bezahlen.
Dies wre, scheint es mir, ein profitabler Handel. Sobald ich Dir die
Mustercharte zugeschikt haben werde, nimm darber Deinen Entschlu.

2.). Ich habe neulich Gelegenheit gehabt, einem Griechischen Kaufmanne
zu Chemniz einen Dienst zu erweisen, den er mir hoch anrechnet. Ich
werde ihm dafr auftragen, uns Kunden fr Bnder zu verschaffen. Halt
daher eine Mustercharte in Bereitschaft.

3.). Kann ich durch Streibern genau erfahren, wie =unsre= Preise sich
zu den Preisen anderer Bandmacher, z.B. der Westphlischen, Erfurter,
u.s.f. verhalten, und wo etwa ein Vortheil zu machen ist. Er hat
nach Proben, Preisen, Garnpreisen geschrieben. Er glaubt, da die
=Braunschweiger= Garne wohlfeiler seyen, als die, deren Du Dich
bedienst. Wre dies betrglich, so knnten wir ja dergl. kommen lassen,
indem der Transport doch so gar viel nicht ausmachen kann. Berechne
daher, wie hoch Dir, in der Regel =100 Ellen Dresd.= (so mssen wir
rechnen, denn Weise, Gebind, und dergl. ist verschieden, und giebt
keinen gemeingltigen Maasstab) =weises Garn=, und =rohes Garn= kommen;
ferner, wie viel ein Geselle die Woche, wenn er fleisig ist, verdienen
kann, (auch dies mssen wir so berechnen) und melde mir dies; damit ich
einen Ueberschlag machen, und sehen kann, wo etwas zu ersparen ist.

Soviel fr jetzo.

Grsse Eltern, und Geschwister, und lebe wohl. Dein treuer Bruder

                                                              F.

  Mit dieser sorgfltigsten Pnktlichkeit behandelte er die
  Geschftsdetails selbst noch zu einer Zeit, wo ganz andere
  Angelegenheiten seine Thtigkeit in Anspruch nahmen -- nmlich der
  bekannte Atheismus-Streit, den er im folgenden Briefe mit prchtigem
  Humor bespricht.




30.


                                            Jena d. 9. Xbr., 98.

In diesem Augenblike nur das hchstnthige. Ich werde sehen, ob ich zu
diesem Briefe zurk kommen kann.

.........

2.). =Meine= Einnahmen, die ich der Compagnie bestimme, sind ziemlich
unsicher. Sie hngen davon ab, ob ich knftigen Sommer ein oder mehrere
Bcher schreibe; ob ich durch Reisen viel verthue, und dergl.: Doch
-- ein halbes oder ganzes Hundert kann ich im Fall der Noth immer
herbeischaffen.

......

Darnach nimm nur Deine Maasregeln. Denn in diesen Detail hineinzugehen,
vermag ich nicht, weil ich dies nicht genug verstehe.

3.). Wegen des =Standes= einer Bude, (keine Bude selbst, diese mte
besonders angeschaft werden) ist mir etwas ber die Topographie von
Leipzig entfallen, darber ich aber warscheinlich allhier selbst
Auskunft erhalten kann.

                                               d. 5. Jnner. 99.

So lange ist dieser Brief liegen geblieben, weil mir unsre guten
Landsleute, die Churschsischen, Beschftigung vollauf gegeben. Ich habe
seitdem ber den Plaz der Bude mich erkundiget. Er ist gelegen.

Von Hrr. Streiber habe ich beiliegende Westphlinger (Elberfeldische)
Leinenband Proben, und Preistabelle erhalten; die ich Dir zur Einsicht
und Berechnung, ob wir Preis halten knnen, mittheilen soll. Die
Preistabelle lautet zu deutsch: _N.12_ (bezieht sich auf die
beiliegende Mustercharte) das Duzend Stkel von 19. Pariser Ellen 5.
_Livres_ (Ein Livre ist 6Gr.schs. wenn der Laubthaler 1Thlr.
12Gr.schs. steht,) da also von der geringsten Sorte 19 Ellen 60Pf.
kmen. Die zweite Ziffer z.B. _N.14_. -- 5 _Livres_, 10 -- bedeutet
_sous_, und der _Livre_ hat 20 _sous_. und nun kannst Du selbst
berechnen. Ich sehe klar ein, da =unsre= Bnder viel wohlfeiler sind.
Nur arbeiten wir blos =glatte=, und wie diese =modellirten= gemacht
sind, sehe ich gar nicht ein, und glaube, da wir sie nicht machen
knnen. Jedoch drfte mir es etwa auch da gehen, wie mit den Herrnhuter
Bndern, wo ich meinen Bandverstand garstig blamirt habe.

Zum Hauskauf wollte ich jetzo, ob mir gleich der Gedanke mit dem Beigute
nicht mifllt, nicht rathen; wenn Du nicht etwa sonst woher ein starkes
Capital auftreiben kannst. Es wird immer mglicher, da sich mein
Aufenthaltsort verndert, und da ich dann selbst Geld bedrfte.

Meinen Vorschlag eines Tauschhandels hat Streiber mit Freuden
aufgenommen, aber noch nicht =seine= Mustercharte eingeschikt.

Proben eines Handelsbuches, einen Contract, und dergl. soviel mir auch
natrl. selbst daran liegt, kann ich gegenwrtig nicht einschiken. Ich
habe wohl andere Dinge zu denken. Dies mu warten auf ruhigere Zeiten.

Sollte nicht auch in der Lausitz der Ruf erschollen seyn, da die
Churschs. Regierung mich fr einen Atheisten erklrt habe, und da ich
wenigstens zu Asche verbrannt, und dann des Landes verwiesen werden
wrde? Ich sage das nur deswegen, damit, wenn bei Euch das Gercht
erschallt, ihr, und besonders unsere guten Eltern nicht erschreken. Es
wird so schlimm nicht werden. In vier Tagen oder 8. erhaltet ihr eine
vorlufige Vertheidigungsschrift an das Publicum. Nun hat zwar der
Churfrst, nicht zufrieden, mich in =seinem= Lande verschrieen, und
meine Schriften confiscirt zu haben, mich auch noch bei =meinem= Herzoge
verklagt, und ich mu nun auch da mich vertheidigen. Aber ich denke,
es soll mir auch hier nicht schwerer fallen, als dort. -- Dies zur
Nachricht, wenn man bei Euch schon etwas wei. Wei man aber nichts, so
seyd ihr nicht die ersten, die es ausbreiten; denn Gerusch, und Lrm
ist nie gut.

Lebe recht wohl.

                                                              F.

N.Sch. Wegen der Appretur habe ich bei unserm Professor der Knste
erkundigt. Das was jene Fabricanten haben, wird allerdings =Leim= seyn,
und zwar, wie er in den Lden heit: =Fischleim=. Er wird aus den
feinsten Schafknochen gekocht, und ist theuer; kann aber sehr vermischt,
und sparsam gebraucht werden. Der Professor redete von =Selbstkochen=;
welches mir aber keineswegs einleuchtet.

Deine leztern Briefe gefallen mir. Sie sind grndlich, klar und gesezt.

  Der nchste Brief ist ohne Datum. An wen der darin eingeschlossene
  Brief gerichtet war, ist nicht bekannt.




31.


Meine Arbeiten haben mich absolut verhindert, eher zu schreiben, und
auch noch jezt mu ich kurz seyn.

1.). Meiner Frauen Geld aus der Schweiz ist =nicht= beizutreiben, indem
der Schuldner die Waaren, fr die er schuldig ist, noch nicht verkauft
haben will, mit Schaden verkauft haben will, und dergl.

2.). Was wir gegenwrtig aufbringen konnten, hast Du; =ob= und =wenn=
ich wieder etwas auftreiben werde, da es mir ziemlich schlimm geht, ich
meine meisten Schriften grtentheils an die Verleger verschenkt habe,
und selbst das, was man mir schuldig ist, nicht beitreiben kann -- da
ferner unserer Universitt wohl schlimmere Zeiten bevorstehen mchten,
-- wei ich nicht. Du mut daher alle =Erweiterungsplne= aufgeben, und
blos zu behaupten suchen, was Du hast.

3.). Es folgen die Proben, und Preistabelle der Streiberischen Bnder.
Die Preise, welche schon jetzt niedriger seyen, als die eurigen, wrden
nchstens noch herunter gehen, schreibt Streiber.

4.). Beiliegender Bindfaden ist ein Pariser =Stab=, der auf der Probe
und Preistabelle der Elberfelder Bnder gemeint ist. Es heit im
Originale _aune_ (sprich _Ohne_) _de Paris_. -- und ich habe den Fehler
gemacht, indem _aune_ sonst eine Elle heit.

5.). Streiber hat schon vor lnger als 8. Wochen beiliegende Bestellung
gemacht: -- um einen =Anfang zu machen=, um zu sehen wie die Waare im
Stke ausfllt, schreibt er. -- Ich habe dies lcherlich gefunden, um
eines Duzend Willen anzuscheeren: und daher die Bestellung Dir nicht
eher geschikt, und ihm nicht geantwortet. Thue jezt, was Du willst. Die
Fracht (von 1. Duzend Stkel!) will er tragen. Ich halte Streibern fr
einen Narren

Lebe wohl, und grsse herzlich Eltern, und Geschwister.

Den beigeschloenen Brief gieb =sogleich= auf die Post. Der arme Teufel,
der mich dauert, dem ich aber nicht helfen kann, erwartet Antwort.

                                Dein treuer Bruder
                                                   J.G. Fichte.

  In Folge der erwhnten Anklage ging Fichte Anfang Juli 1799 nach
  Berlin und kehrte erst zu Ende des Jahres zurck, um mit seiner
  Familie ganz dahin berzusiedeln (I, 309f. II, 277. 284). Unterde
  war sein vertrautester Bruder Gotthelf gestorben, weshalb der nchste
  Brief an denjenigen unter seinen Brdern gerichtet ist, der ihm nach
  jenem der liebste war, nmlich Gottlob.




32.


                                     Jena, d. 20. Februar. 1800.

        Lieber Bruder,

Was Du mir in Deinem leztern Briefe ber die Auffhrung unsers
verstorbenen Bruders meldest, will ich vor der Hand auf sich beruhen
lassen.

Da, in Absicht der Hanthirung, und meiner Forderungen, alles von allen
Seiten verworren genug ist, ersehe ich gar deutlich: was aber meine
Anwesenheit in Rammenau dabei fruchten knne, nicht. Auch ist, Deinem
letztern zu Folge, =unsre= Zusammenkunft bei Deiner Frankfurter Reise
von Schwierigkeiten begleitet, welche die Vortheile, die ich mir davon
verspreche, wohl niederwiegen mchten. Ich gebe also diese Zusammenkunft
auf, indem ich einen andern Versuch mache, ins klare zu kommen.

Dieser Brief trift Dich ohne Zweifel noch vor Deiner Abreise nach
Frankfurt; mich aber trift keiner von Dir mehr in Jena; indem ein
blosser Zufall mich noch diesen Monat hier zurkgehalten, und verhindert
hat, nach =Berlin= zu gehen, wohin ich lngstens binnen 14. Tagen mit
meiner Familie auf immer abgehen werde.

                              Dein getreuer Bruder
                                                   J.G. Fichte.

  Aufschrift:

                       An Joh. Gottlob Fichte
                                                 zu
                                                       =Elster=.

  Fichte wurde sodann zum Professor in Erlangen ernannt, wo er aber nur
  im Sommer 1805 lehrte, weil 1806 die kriegerischen Ereignisse ihn
  anderwrtshin fhrten, whrend gleich von vorn herein bestimmt worden
  war, da er im Wintersemester in Berlin Vortrge halten durfte. Von da
  aus ist der folgende Brief seiner Frau geschrieben, in welchem sie in
  diesen gefahrvollen Zeiten auf zartfhlende Weise sich fr ihre und
  ihres Kindes Zukunft besorgt zeigt. Das erwhnte Unwohlsein Fichte's
  war eine heftige Kolik (II, 405).




33.


                                    _Berlin d: 26: Jenner 1806:_

Theure Eltern, ich bitte Sie um eine Geflligkeit da Sie nmlich die
Gte htten mir bey dem _Prediger_ meines Lieben Mannes Taufschein
auszuwirken, denn da ich in die hiesige Witwen_Caa_e legen will, so
brauch ich ihn dazu unumgnglich ich lae mir zu dem Ende hin Geld aus
der Schweiz kommen, welches ich noch da stehn habe; mein Mann wei
nichts davon da ich in die Witwen_Caa_e lege, denn es scheint mir sehr
unherzlich mit meinem guten lieben Mann davon zu reden, wovon man nach
seinem Hinsterben leben solle, und darum rede ich nicht darber, sondern
danke Gott da mir noch etwas Geld geblieben ist, damit ich es selbst
bestreiten kann; auf der andern Seite halt ichs fr meine Pflicht zu
thun, denn die Menschen sind sterblich, und auch ich bin sterblich, was
sollte denn aus unserm armen Kinde werden? sterbe aber auch ich, so
bekommt unser Kind, bis in sein 25. Jahr, die Hlfte von dem, was ich
als Witwe bekommen htte.

Ich bitte Sie mir den Taufschein gleich anfangs des knftigen _Monat_hs
zu schiken, denn sonst mu ich wieder ein halbesjahr warten, und den
Brief an mich zu _addressie_ren, weil ich Ihnen die Grnde warum mein
Lieber Mann nichts davon wei, schon gesagt habe.

Wenn Sie lieber Vater keine Zeit, noch Lust haben mir zu schreiben, so
schieben Sie's doch ja nicht auf mir den Taufschein zu schiken, sondern
schiken ihn mir nur ohne Brief.

Ich habe Ihnen vor etlichen _Mona_then geschrieben, haben Sie meinen
Brief erhalten?

Mein Lieber Mann grt Sie alle herzlich; er ist izt Gottlob wieder
wohl, war es aber vor einiger Zeit nicht; bei dieser naen ungesunden
Witterung sind hier viele Menschen krank, und sterben auch eine Menge.

Unser _Hermann_, der Gottlob gesund ist, empfiehlt sich seinen Lieben
Gro Eltern.

Leben Sie wohl, Gott sey mit Ihnen, ich gre alle welche sich meiner
errinnern freundlich, und bin von _Her_zen Ihre

                                              _Fichte. g: Rahn._

  Aufschrift:

              _Herrn Fichte_ dem Vater
                                          zu
                                                _=Rammenau=_
                                                  Bey _Dresden_.

    _=frey=_

  Im October 1806 wich Fichte mit dem Geheimrath Hufeland, wie
  smmtliche Behrden und alle Mnner von Ansehen, vor den siegreichen
  Feinden aus Berlin und ging nach Knigsberg, wo ihm provisorisch eine
  Professur zugewiesen wurde; whrend seine Gattin zur Htung des Hauses
  zurckblieb, dann aber nachfolgen sollte, als sein Aufenthalt in
  Knigsberg dauernd werden zu wollen schien. So schmerzlich aber war
  ihr die Trennung von ihrem geliebten Manne, da sie trotz ihrer
  starken und duldungswilligen Seele darber im November in eine
  ernstliche Krankheit verfiel (I, 374f.).




34.


                                    _Berlin_ d. 13: _Feb_: 1807.

Theure Eltern, so eben erhalte ich den Brief aus _Elstra_, ich eile
sogleich Ihnen Nachricht von uns zu geben, und _addressiere_ den Brief
an Sie, damit Sie geschwinder Nachricht erhalten; mein Lieber Mann ist
vor Ankunft der Franzosen hier, nach Knigsberg, mit einem Freunde
verreist, und hat dort eine _Pro_feur bis zur Wiederherstellung der
Ruhe erhalten, und lit _Co_llegien; die lezte Nachricht von ihm ist,
da er Gottlob gesund ist; ich erhalte leider sehr wenige Briefe von
ihm, und kann nur selten schreiben, weil die dorthin gehend. _Po_sten
nicht gehn: Sie stellen Sich meine Lage vor; ich wollte gleich
mitreisen, wurde aber aus manchen Ursachen zurkgelaen, mit unserm
Kinde; nun wnscht mein Mann sehnlichst da ich nachkomme, es hat aber
bis izt noch nicht sein knnen, weil ich keinen _Pas_ bekommen konnte,
weil die Straen nicht sicher sind, und andres mehr auch weil die Reise
viel kostet.

Dieses Zurkbleiben ist die Ursache, da ich tdlich krank gewesen bin,
nun mich aber Gottlob wieder erhole: ich stand viel Angst aus, durch die
Zeitumstnde, grmte mich, hat viel Sorgen, und Verdru, so da ich troz
alles Qumpfen darnieder geworfen wurde; mein Schmerz war um so viel
grer, da ich unser Kind unter Fremde zurklassen mute, wenn ich
gestorben wre. Gott hat mir wieder geholfen, und wird auch weiters
helfen, deen trste ich mich. Ich werde zu meinem Mann reisen, so bald
es nur immer mglich ist und Ihnen vor meiner Abreise noch gewis
schreiben.

Der Gndige Gott sey mit Ihnen und schze Sie vor jeder Gefahr, dieses
wnscht von ganzem Herzen, Ihre Sie herzlichliebende

                                                 Johanna Fichte.

Ich _franciere_ diesen Brief nicht, damit er sicher gehe, und gre Alle
alle von ganzem Herzen.

  Aufschrift:

        _=Herr Fichte der Vater=_
                   zu
                         _=Rammenau=_
         nahe =bey= _=Dresden=_.

  Ende August 1807 kehrte aber Fichte selbst nach Berlin zurck, wo er
  alsbald, im September, von Beyme aufgefordert wurde, sein Nachdenken
  auf die zweckmigste Ausfhrung des Plans zu richten, in der
  Hauptstadt eine Universitt zu grnden, -- ein Auftrag, der ihn
  bekanntlich zu jenem originellen Organisations-Vorschlag einer
  Kunstschule des wissenschaftlichen Verstandesgebrauchs veranlate,
  der leider unausgefhrt blieb. Fichte aber hielt im Winter 1807-8
  seine Reden an die Deutschen, die er sogleich auch durch den Druck
  verffentlichte. Sie sind die Schrift, von welcher er in einem
  ferneren Briefe spricht.




35.


                                         Berlin, d. 10. My. 08.

        Lieber Vater,

Schon vorigen Winter, sogleich nach dem Eintreffen Ihres Briefes an
meine Frau, hatte ich Ihnen geantwortet. In Hofnung, da bis dahin in
unsrer gemeinschaftlichen Lage einige vortheilhafte Vernderungen
vorgehen wrden, hat meine Frau bis jezt diesen Brief nicht abgehen
laen.

Das einzige vortheilhafte, was seitdem vorgefallen, ist die ziemliche
Wiederherstellung meines =Herrmann=. Es war derselbe damals durch einen
Fall auf das Knie an dem Einen Beine ganz gelhmt, und hat, bei brigens
vortreflicher Gesundheit, 10. Wochen im Bette liegen men. Jezt geht er
wieder; nur noch nicht auf Steinpflaster; es wird, was die Hauptsache
ist, keine Folge brig bleiben. Ich befinde mich dermalen mit ihm, und
meiner Frau, die nach einem sehr harten Krankenlager im Jahre 6. den
ganzen vorigen Winter gekrnkelt, und vor einer Woche wieder recht
ernsthaft krank gewesen, auf ein paar Wochen auf einem Gesundbrunnen bei
Berlin, um sie alle wiederherzustellen, und mit frischen Krften in den
beginnenden Sommer einzutreten.

Ich fr meine Person bin immer gesund, und krftig gewesen. Man
organisirt an einer allhier zu Berlin zu errichtenden Universitt; mir
sind die bedeutendsten Auftrge in dieser Rksicht ertheilt worden.

Ich hatte erst den Vorsatz diesen Sommer in =Dresden= mit Frau und Kind
zuzubringen; hatte auch schon an =Fritsche= ber die zu treffenden
Vorkehrungen geschrieben; auch von meiner Behrde den Urlaub dazu
eingeholt. Ich sehe aber, da es fr wichtige Zweke beer ist, wenn ich
hier bleibe, und Kollegia lese, und ich bin entschloen, dem allgemeinen
Besten dieses freiwillige Opfer zu bringen.

Auch hatte ich, nachdem jener Plan schon aufgegeben war, den Vorsatz
in dieser ersten Hlfte des My fr meine Person allein (eine Reise
mit Frau und Kind ist unter den jetzigen Umstnden, da die ehemals
begtertsten leiden, fr mich zu kostspielig) Sie zu besuchen. Die
Krankheit meiner Frau, die unter solchen Umstnden nicht ohne eine
nachtheilige Gemthsbewegung mich von sich laen wrde, hat auch diesen
Plan vereitelt; wie die gegenwrtige Kurzeit vorbei seyn wird, werde ich
durch meine Vorlesungen an Berlin gefeelt seyn. Ich hoffe jedoch im
=Herbste= Ferien zu finden und vielleicht erlaubt es sodann der
ffentliche Wohlstand Frau und Kind mit zu bringen.

Ich gebe soeben Ordre an meinen Verleger, da Ihnen meine neueste
Schrift von Leipzig aus berschikt werde. Ich habe diesmal nicht ber so
viele Exemplare zu befehlen, da ich auch an den Herrn Pastor Wagner,
den ich herzlichst zu gren bitte, eins beilegen knnte. Sie leihen es
ihm vielleicht zum Durchlesen.

Unser aller herzlichste Gre an Mutter, und Geschwister.

  [Von Johanna Fichte:]

Ich gre Sie theure Eltern von ganzer Seele und empfehle mich Ihrem
Andenken.

Gott schenkt mir izt wieder Gesundheit, worber ich mich freue, da es
bey unserm Guten theuren Fichte sein kann. Leben Sie wohl, Ihre

                                                      Johanna F.

  Von ihrer und ihres Sohnes Krankheit schreibt auch Johanna Fichte in
  einem Briefe an Charlotte von Schiller (II, 408 vgl. 470). -- Die
  beabsichtigte Reise in die Heimath unterblieb; denn Fichte selbst
  erkrankte, wie der Biograph sagt, im Frhling des Jahres 1808 (I,
  426) oder, wie Fichte's Gattin schreibt, seit Mitte Juli (II, 408)
  oder, wie er selbst im nchstfolgenden Schreiben sagt, im August. Es
  war eben eine langsame, wohl allmhlich sich entwickelnde Krankheit,
  die in rheumatischen Lhmungen nebst schmerzhaften Augenentzndungen
  bestand und deren Nachwirkungen selbst der wiederholte Gebrauch des
  Teplitzer Bades nicht gnzlich hob.




36.


                                      Berlin, d. 10. Mrz, 1809.

Ich bin, mein theurer Vater, nicht ohne Sorge ber Ihrer aller Befinden,
auch ob Sie meinen lezten Brief vom My vorigen Jahres nebst dem
berschikten Buche erhalten htten, gewesen, bis Ihr leztes Schreiben
vom 6ten Februar, das aber bei mir sehr spt eingelaufen, und
vermuthlich in Pulnitz ber 6. Wochen gelegen, mich darber beruhigt
hat.

Ich trug den Vorsatz den Sommer vorigen Jahres einen Abstecher nach
Dreden zu machen, und hierbei auch Sie nebst den meinigen zu besuchen.
Besonders eine Krankheit, die den August v.J. anhob, und von der ich
erst jezt mich zu erholen suche, bei der ich niemals in Lebensgefahr
gewesen, brigens aber hart mitgenommen worden, hat mich daran verhindert.
Dermalen erwarten wir hier die Rkkehr unsers guten Knigs, und der
Regierung. Ich werde diesen Sommer kaum meine gewohnte Thtigkeit wieder
anfangen knnen. Vielleicht schiken mich die Aerzte zur Wiederherstellung
meiner Gesundheit in Bder, und auf Reisen; und so hoffe ich denn diesen
Sommer den Besuch bei Ihnen nachzuholen, den ich den vorigen versumt
habe.

Frau und Kind befinden sich wohl. Die erstere denkt Ihrer alle Tage,
nicht ohne Sorgen, besonders wegen des befrchteten nahen Ausbruchs
eines neuen Kriegs, der zunchst die dortige Gegend treffen knnte.
Ich hoffe aber fest, da die Oesterreicher durch musterhaftes Betragen
sich der groen Angelegenheit, fr die sie kmpfen, wrdig machen, und
dadurch die von jedem Kriege unabtrennlichen Uebel sehr mildern werden.

Nher gehen mir die Uebel, die Sie schon erlitten haben, und die Folgen
davon. Obwohl der Knig fr mich, und andere auer Dienst gekommene
Gelehrte alles thut, was die eigne beschrnkte Lage des Staats
verstattet, so bin ich dennoch durch eine dreivierteljhrige Krankheit,
in der ich nichts habe arbeiten (es wird darum zu Ostern nichts von mir
erscheinen) noch verdienen knnen, dagegen ungewhnlich hohe Ausgaben
gehabt, in Umstnde gekommen, da ich dermalen baares Geld nicht
entbehren kann. Aber Bruder =Gottlob= hat seit dem Jahre 1805. keinen
Termin abgetragen; auch hat er seitdem kein Lebenszeichen von sich
gegeben, und keine Anfrage an mich ergehen lassen; ob ich etwa die
Fortsetzung der Zahlungen verlangte. Wie es mit Abtragung der bedungenen
Zinsen an Sie von jeher gehalten worden, ist mir gleichfalls nicht
unbekannt. Ich hoffe daher nicht, da es ihn bereilen heit, wenn ich
von ihm fordere, da er so schleunig als mglich einen Termin von
50.Rthlr. an Sie auszahle.

Die meinigen gren herzlichst. Ihr Sohn

                                                       _Fichte_.

  Auf die Hoffnung, die sich Fichte von den Oesterreichern machte, nimmt
  Adelbert von Chamisso in einem 1808 aus Berlin an Friedrich de la
  Motte Fouqu gerichteten Briefe Bezug mit den Worten: Der alte Fichte
  ist wieder hier. Er baut sehr auf die Oestreicher, die ihm sehr
  herrlich erschienen sind, und er will die hohe Meinung theilen, die
  sie von ihrem Kaiser haben.

  Die treue Frsorge fr seinen alten Vater, der allzu bereitwillig
  seinen Kindern zu berlassen pflegte, was ihm persnlich zugedacht
  war, wird besttigt durch den beigeschlossenen Brief an den Bruder,
  der von frher her pecunire Verpflichtungen hatte.




37.


                                       Berlin, d. 10. Mrz 1809.

        Lieber Bruder,

Ich hoffe, Du wirst es selbst billig finden, wenn ich Dich auffordere,
so schleunig, als es Dir irgend mglich ist, an unsern Vater einen der
seit 1805. ausgesezten Termine von 50.Rthlr. auszuzahlen. Ich ersehe
aus deen Schreiben, wie das auch ohnedies zu erwarten war, da derselbe
durch den franzsischen Krieg und die Kriegssteuer in seiner Nahrung
sehr zurkgesezt worden; so da ich selbst aus meinem Beutel einen
Vorschu machen wrde, wenn ich nicht durch dreivierteljhrige Krankheit
und Verdienstlosigkeit selber in eine enge Lage gekommen wre. --
Uebrigens gebe ich Dir es auf Deine eigne Ehrliebe, und Gewien, da von
der nur zu groen Gutwilligkeit unsers Vaters gegen seine Kinder hier
kein Gebrauch gemacht, sondern ihm die Summe =wirklich und in der That
baar= ausgezahlt werde.

Die Pappiere meiner Berechnung mit Dir sind, nebst andern Manuskripten,
in Erlangen liegen geblieben, von woher ich sie nicht so schnell haben
kann. Ich lade Dich darum ein, so schnell, als mglich mir Deine
Berechnung mit mir einzusenden, damit ich Dir ber alles abgezahlte eine
Generalquittung geben knne. Meinen herzlichsten Gru an die Deinigen
von mir und den meinigen.

                                    Dein treuer Bruder
                                                       _Fichte_.

  Aufschrift:

                             Meinem Bruder
                  Johann Gottlob Fichte
                                         zu
                                             _Elstra_.

    d. Einschlu.

  Aus dem folgenden Briefe seiner Gattin, der in wenigen Zgen ein
  reizendes Familienbild entwirft, erfahren wir, da Fichte schon im
  Sommer 1809 mit einigem Erfolg das Bad besucht hatte.




38.


                                         Berlin d: 18: Demb 1809

Theure SchwiegerEltern wir gren Sie herzlich, und wnschen zu wien
wie Sie Sich befinden, und wie's Ihnen geht; mein Mann ist Gottlob
gesund, nur ist seine Linkehand, noch so wie Sie sie im Sommer sahn, und
das Rechtebein schmerzt auch dann und wann, er wird knftigen Sommer
wieder nach _Tplitz_ gehn men, um vllig _curiert_ zu werden; da
werden wir das Vergngen haben Sie zu besuchen. Sein Geist ist heiter,
so da er wieder arbeiten kann, und izt Vorlesungen hlt, die auch wohl
gedruckt werden werden.

Unser _Hermann_ ist Gottlob auch gesund, lernt braf, und grt seine
lieben GroEltern herzlich; er hat 4: _Th_ von seinem Taschengeld dieses
Jahr erspahrt, um sie seinen GroEltern schiken zu knnen, damit Sie
sich eine kleine Weinachtsfreude machen, und auch ein glschen guten
Wein zu Ihrer Erquikung trinken, thun Sie das doch ja mit der guten
Grosmutter, die wir herzlich gren, und gedenken Sie dabei unser.

Gott schenke Ihnen einen gesunden frohen Winter, und lae freudig in's
NeueJahr eintreten: das wnscht von ganzem Herzen Ihre Sie aufrichtig
liebende

                                                  Johanna Fichte
                                                     g: _Rahn_

  Zum zweiten Male ging Fichte im Jahre 1810 nach Teplitz und auf der
  Rckreise besuchte er seinen Geburtsort.




39.


                                       Dresden, d. 7. Jun. 1810.

      Mein lieber Vater,

Gestern Abend sind wir hier zu Dresden angekommen, um bermorgen nach
Teplitz, zur vlligen Wiederherstellung meiner Gesundheit reisen. Ich
bin jezt doch noch zu angegriffen, um die Reise nach Rammenau machen zu
knnen; ich werde aber bei meiner Rkkehr aus den Bhmischen Bdern,
etwa im =August=, ganz gewi meine lieben Eltern besuchen

Ich bin =im ganzen= sehr gesund, nur ist der Gebrauch des einen Beins
noch schwierig. Meine Frau, und mein Herrmann sind gleichfalls wohl. Wir
bitten Sie herzlich, das beiliegende als ein kleines Feyertagsgeschenk
anzunehmen.

Meine Frau, und mein Sohn gren herzlich.

                                      Ihr Sie liebender Sohn
                                                Gottlieb Fichte.




40.


                                    Teplitz, d. 7. August, 1810.

                          Mein theurer Vater,

Ich werde, wenn alles nach meiner Berechnung geht, knftigen Montag
d. 13. Abends mit den meinigen, Sie besuchen; auch d. 14ten noch
grtentheils bei Ihnen zuzubringen. Das Nachtlager jedoch werde ich,
um Ihnen nicht unangenehme Weitluftigkeiten, und Zurstungen zu
verursachen, zu Bischofswerda im Gasthofe nehmen

Ich hoffe Sie alle in der besten Gesundheit anzutreffen, und dann
mndlich das mehrere. Jezt nimmt meine Frau, die lieber schreibt, denn
ich, die Feder.

  [Der nchste Satz von Johanna:]

Ich gre Sie alle von ganzem Herzen, und hoffe Sie bald zu umarmen,
Leben Sie wohl, auf ein glkliches Wiedersehn

                                                       _Fichte_.

  Aufschrift:

              Herrn Christian _=Fichte=_
                                          zu
                                             _=Rammenau=_
                                             _p. Bischofswerda_.

  Noch in demselben Jahre erlitt sein Vater einen Unfall, wobei
  namentlich auch Johanna sich zrtlich besorgt zeigt. Die im nchsten
  Briefe und spter erwhnte Hannchen war Fichte's Nichte, die er zu
  sich genommen.




41.


                                   Berlin, d. 1. Dezember. 1810.

        Lieber Vater,

Die Nachricht von Ihrem Falle hat mich schmerzlich betrbt, so wie uns
Alle. Ich hoffe aber, da dies, bei Ihrer brigen Gesundheit von keinen
weitern beln Folgen seyn soll. Um mich desto fester zu versichern, da
Sie sich an Pflege und Heilmittel nichts abgehen laen, sende ich
sogleich jezt das Quartal auf Weyhnachten. Bei uns steht alles beim
Alten. Daher bergebe ich meiner Frau die Feder, die schon noch Worte
finden wird.

  [Von Johanna:]

Ich bernehme die Feder gerne, um Ihnen zu sagen, da wir sie instndig
bitten, sich ja zu schonen, und zu pflegen; die gute Gromutter, die
ich auch herzlich gre, versteht ja das so schn, und thut gewis alles
mgliche um Sie wieder herzustellen. Ich danke Gott da mein Mann in der
Lage ist, Ihnen diese Kleinigkeit schiken zu knnen; und hoffe auch von
der Gte Gottes, da er Sie erhalte, und da wir Sie knftigen Sommer
frhlich wiedersehn.

Wir sind Gottlob alle gesund, auch Hannchen ist gesund, dann und wann
hat sie ein wenig Kopfweh, dann schik ich sie in's Beth, wenn sie genug
geschlafen hat, so steht sie wieder gesund auf. Wir gren Sie alle von
ganzem Herzen, und wnschen bald frohe Nachricht von Ihnen.

Leben Sie wohl! Ihre treue Johanna Fichte g: _Rahn_

  Weit bedenklicher aber erkrankte der alte Vater in der Mitte des
  Jahres 1812, ohne sich wieder zu erholen. Rhrend und erbaulich ist
  wiederum die christlich ergebene Gesinnung in Johanna's Briefen an den
  Sterbenden.




42.


                                        Berlin d: 17: July 1812.

Sie stellen sich leicht vor Theurer Guter Greis, mit welcher innigen
Wehmuth, wir die Nachricht von Ihrem schweren Krankenlager vernommen
haben; Gott strke Sie, Gott stehe Ihnen bey; und wenn es sein gndiger
Wille ist, so erhalte er Sie uns noch lange; ist es sein Wille nicht, so
lae er Sie in Ruh, und Frieden hinber gehn, ins beere Vaterland, wo
wir Gott nher kommen, und ihn wrdiger anbethen, und preisen knnen,
und wo wir uns alle wiederfinden werden; ich freue mich mit inniger
Wonne der seligen Zeit, wo auch wir hinnber gehn werden, um einer
nhern, innigern Anschauung, und Anbethung Gottes gewrdigt zu werden.

Was die irdischen Angelegenheiten betrift, so wird mein Mann es nicht
erlauben, da der guten Gromutter, das Geringste genommen werde;
sondern Sie soll bis am Ende ihres Lebens im Besitz alles deen bleiben,
was Sie hinterlaen; und weil mein Mann durch den verstorbenen Bruder
das Haus gekauft hat, so kmm es ja ihm zu, und er hat ein Recht darber
zu sprechen; auch werden wir der guten Gromutter, wie bis izt, ein
bestimmtes an Geld schiken, so da sie ruhig leben kann; und Sie Guter
Grovater sich auch darber keine Sorge machen, der gtige Gott wird
auch sie nicht verlaen, und wir wollen als rechtschaffne Kinder =gewis=
immer fr sie sorgen.

_Hermann_ und Handchen gren Sie auch von ganzem Herzen; sie wollen fr
Sie bethen; und ist es Gottes Wille, so werden Sie sie auch noch auf
dieser Welt sehn, sie wachsen beyde, sind stark, gesund, und gute
Kinder. Ich hoffe da Sie die 20:_Th._ welche im Anfange dieses Monats
geschikt wurden nun erhalten haben. Mein Mann hoff ich schreibt auch
noch: drum sag ich Ihnen von ganzem Herzen lebe wohl; wo nicht in dieser
Welt, so sehn wir uns in der andern wieder. Der gndige Gott sey mit
Ihnen: das ist der innigste Wunsch

                                   Ihrer Johanna Fichte

  [Von J.G. Fichte:]

Ich hoffe, mein theurer Vater, da Sie Sich noch wieder erholen, und
noch bei uns bleiben werden, und ich Sie noch sehen werde. Ich kann mich
mit dem Gedanken Ihres mglichen Verlustes nicht vertraut machen.

Was meine Frau in dem vorstehenden schreibt, ist auf die Voraussetzung
gegrndet, da, im Falle des Abgangs des Vaters mit Tode, die Geschwister
sollten theilen wollen. Ich hoffe, dies fllt keinem Menschen ein. Ich
denke wohl, es versteht sich von selbst, da, da alles von der Mutter
herkommt, sie alles, was da ist, fortgeniet, bis an das, Gott gebe noch
recht lang entfernte, Ende ihres Lebens. Auer dem htte wohl auch ich
in diesem Falle ein Wort mit zu sprechen.

Ich ersuche darum durch dieses die Mutter dringend, nichts von der
Verlassenschaft wegbringen zu lassen; ich mache Bruder =Gottlob=,
der mir schreibt, er werde ohne meine Einwilligung nichts thun ganz
besonders darber verantwortlich. Ich will berhaupt aus brderlicher
Liebe und Achtung hoffen, da diese Vorstellungen ganz berflig sind,
indem es gar niemanden eingefallen anders zu handeln.

                                                        _Fichte_

Falls doch Gott ber Sie beschlieen sollte, theurer Vater, diese Zeilen
aber Sie noch bei Leben antreffen, so nehme ich hierdurch mit der Liebe
und Verehrung, die ich immer fr Sie getragen habe, Abschied, bis zum
Wiedersehen in einer beern Welt.

                                                          _F._

  [Ein beigelegtes Blatt:]

Wir wuten nicht aus den vorigen Briefen, da auch die gute Gromutter
krank ist, sondern erfahren's erst izt, durch Ihren letzten Brief, guter
Grovater; Sie knnen Sich unsern Schmerz vorstellen, Sie nun beyde
leidend zu wien; wir hoffen doch da Sie jemand bey Sich haben, der Sie
wartet und pflegt; wie gerne wollten wir es thun, wenn wir bey Ihnen
whren: der gtige Gott steh Ihnen bey, und das wird er thun, das ist
mein, und unser aller, einziger Trost; meines Mannes Beruf Vorlesungen
zu halten, meiner zur Wirthschaft, und Einquartierung, zu sehn, und zu
dierigen [dirigiren]; _Hermanns_ seiner Vorlesungen zu hren, Handchen
ihre Hausgeschfte zu thun, dieses alles bindet uns bis im Herbst am
Hause; vom 15: August hren die Vorlesungen auf, dann soll mein Mann 4:
Wochen im Hause Baaden, so spricht der Doctor, so geht noch eine lange
Zeit hin, vielleicht erholen Sie Sich mit Gottes Hilfe wieder, wie wir
sehnlichst wnschen.

Es ist Ihnen vielleicht eine Herzensangelegenheit Handchen, etwas zu
vermachen; so haben Sie nur die Gte es uns zu schreiben, oder
schriftlich Ihren Willen dem Prediger zu bergeben; ich sage dieses
nur, damit doch gewis Ihre Herzenswnsche erfllt werden. Dieses
bltchen leg ich noch bey, nadem der Brief schon geschrieben war, eh wir
Ihren letzten erhielten. Der Gndige Gtige Gott sey mit Ihnen; in einer
beern Welt finden wir uns wieder wo alle Sorge, und Mh ein Ende hat.

  [Von Johanna's Hand:]

Hier schiken wir Ihnen noch 10:_Th:_ damit Sie Sich ja pflegen knnen.

  Aufschrift von Johanna F.:

                _Herrn Christian =Fichte=_
                                    in
                                _Rammenau_ bey _Bischoffswerda_.

    Nebst ein Pkchen mit
    10:_Th:_=Schsisch=





43.


                                     _Berlin_ d: 10: August 1812

Wollte Gott, theurer, innigst geliebter Grosvater, wir knnten etwas
zur Erleichterung Ihrer vielen Leiden beytragen; ach laen Sie uns doch
schreiben wie es Ihnen geht; die weite Entfernung von Ihnen, ist uns izt
besonders drkkend, da wir so gerne zu Ihnen eilten, und wenns mglich
wre Ihnen hlfen; die Hlfe steht allein bey Gott, mg er sich doch
erbarmen und Ihnen helfen; das ist unser innigstes Gebeth. Mein Mann
grt Sie auch von ganzem Herzen, er ist Gott sey Dank gesund, so wie
auch _Hermann_ und Hannchen; alle verlangen auf glkliche Nachricht von
Ihnen.

Diesen Brief berbringt Ihnen _Herr_ Eysener, den ich bitten werde uns
zu schreiben, wie es Ihnen geht.

Gottes Gte ist gro, vielleicht hilft er Ihnen bald, und denn sehn wir
uns in diesem Leben noch wieder, wo nicht, in einer beern Welt, wo kein
Leiden, kein Schmerz mehr trennt, wo wir Gott inniger anbethen knnen.

Leben Sie wohl, theurer geliebter Greis; Gottes Gnade sey mit Ihnen.

                        Von ganzen Herzen
                                  Ihre Johanna Fichte:
                                                       g: _Rahn_

  Aufschrift:

                                          _Herrn =Fichte=_
                                                   =durch Gte=.

  Den am 13. September erfolgten Tod des am 7. August 1737 gebornen,
  also ber 75 Jahre alten Vaters meldet ein Brief Gottlob's, dessen
  Schlu fehlt.--




44.


                                      Elstra, d. 14. _Sept._ 12.

        Lieber Bruder

Unser guter Vater hat nun alle seine Leiden berstanden, er beschlo
sein Leben gestern Abends halb 7 Uhr. Seine Krankheit war sehr hart,
die Angst und Schmertz Gefhle verfolgten ihn bis an die letzte Minute
des Todtes, er mute alle schmertzhafte Zuflle empfinden, welche
der Gewhnliche Gang der Geschwulst mit sich bringt; noch 4 Tage vor
seinem Ende zeigte sich durch Blut und Materie Auswurf, da er ein
LungenGeschwre gehabt hatte, welche den sehr schweren und kurtzen Athem
(von welchen ich Dir schon geschrieben) verursacht hatte; denn auer
diesen wrde er diese Angst nicht empfunden haben. Zu Deiner und der
Deinigen Beruhigung mu ich Dich damit trsten, da wir zu seiner
Erquikung und Erleichterung alle nur mgliche Mhe angewendet und keine
Kosten gesparet haben, wir haben _D._ Bentsche in Bischofswerda, den in
unserer Gegend berhmtesten Arzt gebraucht, der hat ihn von Zeit zu Zeit
selbst besuchet und ihn unter der Menge seiner brigen Patienten am
vorzglichsten behandelt. Ich habe seit 6 Wochen, anfnglich die
mehresten Nchte, spterhin die mehresten Tage und Nchte und seit
8 Tagen alle Tage und Nchte bei ihm zugebracht, und Verrichtungen wo
nur Liebe und Pflicht Gefhl allen Ekel unterdrcken mssen welches man
umsonst von fremden Leuten verlangen wrde (das heit bey uns zu Lande)
selbst bernommen.

Auch Schwester Hanne hat sich seiner die letzten 8 Tage und Nchte
treulich angenommen, sie hat ihn helfen pflegen, tragen, heben bey seinen
sehr starken Durchfall ihn zu jeder Minute Reinlichkeit verschaffen
helfen, die Aufgesprungenen geschwollenen Glieder geschmiert und
Umschlge gemacht, dem Waer welches durch den geschwollenen Weg von
selbst nicht mehr ging geholfen, und alle mgliche Verrichtungen zu
seiner Linderung bernommen.

Verzeihe mir diese Grndliche Erzhlung, es geschieht aus keiner neben
Absicht, es fhle blo an mir selbst, da einen Kinde Deiner Art mit
dieser Ausfhrlichkeit gedienet seyn mu.

Den 16. d. zu Mittage in der 2 Stunde wird sein erblater Krper zur
Ruhe befrdert, nach hiesiger Landessitte mit Predigt und Paredation,
zum Leichentext habe ich gewhlet: Mache dich auf, werde Licht, den dein
Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn ist ber Dir, Dieser scheint
mir auf des seel. Vaters denkenten forschenten Geist mehr zu paen alle
sonst gewhnliche, und ich glaube den H. Pfarre damit volle Arbeit zu
geben.

Der H. Pfarr hat sich des seel. Vaters treulich angenommen, ihn fleiig
besuchet und mit Trostgrnden aus der Religion welche vernnftig und den
Kenntnien des Vaters angemeen waren, unterstzt. Wer durch diese
Vernderung am meisten verlohren hat, ist = die gute alte Mutter, sie
hatt ihren besten Freund, ihren Begleiter im Alter verlohren, das
trstet und richtet sie noch etwas auf, da Du und Deine liebe Frau ihr
krftigen Beystand versprochen habet, was meine Lage und Krffte thun
knnen, werde ich auch thun, daran zweifelst Du gewi nicht.

Nur ist heute mein Kopf zu sehr voll, und kan vor heute nicht die
vernnftigsten und tauglichsten Plne, was mit den Haue werden soll,
und wie die Ernhrung der Mutter am zwekmigsten bestimmt werden kann,
in Vorschlag bringen. Die bisherige Einrichtung kan nicht fortgesezt
werden, die Mutter wrde, ohne da sie Ruhe und Glk genieen knte,
dabey sehr viel zusetzen. Kosten vor Holtz und Licht, allerhand Abgaben,
Zechen und Dienste, Einquartirung und dergl. sind Dinge welche jhrlich
eine sehr groe Summe erfordern, und welche die Mutter mit ihren
KramLaden, zu welchen sie ohnedies ihr Alter und schweres Gehr von
Zeit zu Zeit immer unfhiger macht nicht erwerben kan. Ich spre das
C......... glaubet, oder wenn ich mich in sein Selbst denken will,
trumet Besitzer zu werden, den KramLaden zu bernehmen, und freilich
auf solche Art der Mutter die gleich erzhlten Beschwerden abnehmen
will, mit den grsten Leidwesen sehe ich aber, das C......... einen
siechen Krper und einen schwachen Geist besizt, und auch die Frau
unthtig und ungeschikt ist, er besizt ein kleines Vermgen, und wir
wollen doch seine Plne, da er doch unser Bruder ist anhren, doch
versteht sich, das wir zu seinen (weil er sich selbst nicht kennt oder
kennen will) oder unsern Schaden nicht bereilt zu Werke gehen knnen,
Doch knnen wir diese Vernderung auch nicht gantz in die Lnge hinaus
verschieben. Ich werde Dir mit Hr. Einern wieder schreiben und Deinen
Herrmann und Hannen etliche Stk alte Silber Mntzen welche der seel.
Vater ihnen als ein Andenken zu schiken befohlen hat einsiegeln.

  Der hier erwhnte Pfarrer war _M._ Christian Gottlieb Kthe.--

  Nun war's an unserem Fichte, fr seine Mutter zu sorgen und sie
  vor etwaigen Benachtheiligungen zu schtzen; und er erfllte im
  Sinne eines treuen Sohnes diese Pflicht mit seiner gewohnten
  Nachdrcklichkeit. Vergl. oben die Auseinandersetzung zum 12. Briefe.




45.


                                         Berlin, d. 19. 8br. 12.

        Lieber Bruder,

Weit entfernt, da Dein so eben erhaltener Brief v. 6. Oktober mich
befremden sollte, hebt er vielmehr einen Ansto, den ich an Deinem
frhern genommen, wo Du die Schwierigkeiten fr die Mutter, die
Wirthschaft zu behaupten, aus einander setzest, und dafr hltst, dieser
C......... knne doch etwa Vorschlge machen, auf die zu hren sey. Es
ist mir sehr lieb, da ich mit der Beantwortung dieses Punctes gewartet,
bis Dein heutiger Brief zeigt, da Du ber dieses Subjekt -- es ist mir
schon frher vorgekommen, als ob Du ihn ungerechter Weise in Schutz
nhmest -- ganz so denkst, wie ich seit der Zeit von ihm gedacht habe,
da ich schon an ihm als kleinen Knaben Proben einer unbegreiflichen
Bosheit gefunden habe.

Wei denn der thrigte nicht, da, wenn alles andere wegfllt, ich
1.) das Kaufgeld, womit der seel. Gotthelf das Haus vom Vater erkauft,
hergegeben, und da mir dasselbe, nachdem durch des Bruders Tod der
Vater wieder Eigenthmer geworden, nie zurckgezahlt worden, 2.) da,
als die Schwgerin sich zu Rammenau aufhielt, von meinem in der
Gotthelfischen Verlassenschaft befindlichen Gelde in dem Hause gebauet
worden, worber ich noch eigenhndige Rechnung des Vaters besitze
3.) da mehreres unter den Mobilien mein ist 4.) da ich in den lezten
2 Jahren den Eltern ber 200Rthr. geschikt, welche ich, sobald man mich
reizt, als ein =Darlehn= betrachten werde. Begreift er nicht, da alle
diese Summen aus der Verlassenschaft erst an mich zurkgezahlt werden
mssen, ehe eine Erbschaft da ist: und kann er nicht berechnen, was in
diesem Falle brig bleiben werde? -- Verstehe mich wohl Bruder. Es fllt
mir nicht ein, diese Umstnde gegen meine brigen Geschwister geltend zu
machen, wenn sie sich ordentlich und vernnftig betragen, und durch
Unvernunft meinen Unwillen nicht reizen. Es ist wohl klar, da ich mit
einem Huschen in Rammenau nichts anzufangen wei, und da alle die
Gegenstnde, die etwa in dieser Erbschaft vorkommen knnten, mir nicht
des Holens werth sind. Aber das will ich, da man die Mutter bis an ihr
Ende ruhig genieen lae, was entweder das ihrige ist, oder das meinige.
Nach ihrem, Gott gebe noch lang entfernten Tode, wird sich schon alles
finden.

Um der Sache kurz und gut ein Ende zu machen, geht zugleich mit diesem
Briefe an Dich ein Schreiben an den Herrn Rittmeister =vonKleist=, in
welchem ich ihm die Sache vorlege, und ihn um Schutz fr meine Mutter,
und um Bezhmung des schlechten Burschen bitte.

Die Mutter wird sich meiner oben erwhnten Ansprche wohl erinnern. Ich
berufe in diesem Schreiben an Kleist mich um der Krze willen auf ihr
Zeugni, ohnerachtet ich alle diese Umstnde auch durch schriftliche
Documente erweisen kann. Ich bitte sie, da sie befragt dieses Zeugni,
das zu ihrem eignen Besten dient, ablege.

                   *       *       *       *       *

Es ist mir noch ein andrer Gedanke gekommen, wie fr die Mutter am
besten gesorgt werden knnte. Es mu aber erst in dieser Sache Ordnung
seyn, ehe ich darber eine Aeuerung machen kann. Ich ersuche Dich
darum, mir nach Endigung der Sache wieder zu schreiben.

.........

                   *       *       *       *       *

So viel ber diese unangenehmen Dinge. Jezt zu etwas das Herz nher
angehenden. Schreibe mir doch, so viel Du kannst, von den lezten Stunden
unsres verehrten treflichen Vaters; auch von dem Leichenbegngnisse, von
der Predigt, deren sehr gut gewhlten Text Du mir berschriebest.

Lebe recht wohl. Die meinigen gren (die =meinigen=, sage ich; und dazu
zhle ich auch recht sehr Hannchen, als ein Vermchtni des herrlichen
Vaters.)

Gre herzlich die Deinigen von uns.

                                              Dein treuer Bruder
                                                 J.G. Fichte.

  Aufschrift:

                     Herrn _Gottlob Fichte_,
                                             Brger
                                                    zu
                                                       _Elstra_.

    d. Einschlu.

  In diesem und in dem 48. Briefe wird Rittmeister vonKleist, (vgl.
  den 9. Brief) als Gutsherr von Rammenau erwhnt. Die Sache hngt so
  zusammen: Des oben, zum 2. Briefe, erwhnten Johann Albericus Sohn
  Johann Centurius Reichsgraf von Hoffmannsegg verkaufte das Gut an
  seinen Schwager Friedrich vonKleist, knigl. schs. Kreisdirector in
  Querfurth und Dahme, so wie knigl. preu. Rittmeister und Ritter des
  Malteser- oder St. Johannisorden, welcher es von 1795 an bis zu seinem
  am 9. Febr. 1820 erfolgten Tode besa. Sodann fiel es wieder an den
  frheren Besitzer Johann Centurius v.H. zurck, dessen Sohn Conradin
  Centurius Graf von Hoffmannsegg der jetzige Besitzer ist.

  Die Drangsale des nun ausbrechenden groen Krieges spiegeln sich auch
  in dem engen Rahmen der Leiden, die er Fichte's Mutter brachte.




46.


                                     Elstra, d. 30. Octbr. 1813.

        Mein lieber Bruder,

Unsere liebe Mutter wollte schon lngst Dir und den Deinigen ihr
Befinden zu wien thun leider aber gehen die Posten noch nicht dahin;
ich bediene mich der Gelegenheit diesen Brief mit einen Bekanten welcher
nach Frankfurth zur Mee reiset zu geben. Ich hoffe da unser Bruder in
Finsterwalde doch endlich wird Gelegenheit gefunden haben meinen Brief,
vom 19. July, (worinnen Dir unsere Mutter den Empfang von 20Rthr. von
den Studenten Ritschel bescheinigte) zu bersenden.

Unsere gute Mutter hat durch den Krieg diesen Sommer durch wieder viel
gelitten so wohl an ihrer Gesundheit als an ihren Vermgen, sie hatt
viel Einquartirung gehabt und durch Plnderung ist ihr vieles entwendet
worden.

Den 14 _Sept._ befrchteten die Rammenauer ihren Untergang durch
Kanonenfeuer, die Mutter wurde mit im Busch zu gehen veranlate, wo sie
bey kalter und naer Witterung bis zum 17. aushalten muste, doch wurde
ihr noch nicht gerathen ihr Hau zu bewohnen, sondern sie muste sich in
einem Haue nicht weit vom Walde aufhalten. Diese Zeit ber war alle
Communication unterbrochen, den 21., da die Franzosen Rammenau rumten,
und unsere gantze Gegend von Ruen berschwemmet war, nahm ich mir vor
sie aufzusuchen, und fand sie in diesen Hause; da ich urtheilen konnte
da sie von Marodrs in Rammenau weit mehr beunruhigt wrde als in
Elstra, (den sie hatte sogar im Busche und auch in diesem Haue keine
Lebensmittel vorm Plndern erhalten knnen) so that ich ihr den
Vorschlag sie zu mir zu nehmen, allein zum Transport waren weder
Menschen noch Vieh zu haben, ich bediente mich also des Schubkarrens.
Ihre Gesundheit war durch Furcht, Unordnung, entbehrung ihrer gewohnten
Lebensmittel zerrttet, ich glaubte gewi da sie sich beern wrde,
doch hatt sich ihre Gesundheit bis jezt noch nicht wieder eingefunden,
sie ist schwach und matt, und was der Hauptfehler ist, sie kan fast gar
nichts genieen, der Magen nimmt nichts an keine Poteille Wein ist in
unsrer gantzen Gegend nicht mehr zu haben, alle Vorrthe sind ruinirt
und verwstet, keine Zufuhre ist nicht mglich.

Den 24. Octbr ist sie, mit einer Gelegenheitsfuhre zu Haue gefahren,
denn es ist etwas ruhiger geworden, die Salvegarden halten die
herumstreifeten Kosaken im Zaume. Das Hau unserer Mutter ist zum Glk
nicht so total runirt als sehr viele andere, (zwei oder 3 Fenster sind
eingeschlagen,) viele Huser in Rammenau sind gantz unbewohnbar gemacht
geworden; viele Ortschaften sind, ohne das sie weg gebrannt sind, ganz
runirt, da giebt es Bauern, besonders an der Strae von Bautzen nach
Dresden, die kein Brodt, keinen Saamen, kein Vieh, kein Geschirre gar
nichts, alle kranke Krper haben, z.B. vom 16. bis 28 May, sind blo
im Bauzner und Grlitzer Kreyse 71 Drfer in Asche gelegt wurden, das
Unglk hatt aber seit dieser Zeit tglich continuirt

Unsere liebe Mutter let Dich, Deine liebe Frau Deinen lieben Herrmann
und Hannen von Hertzen gren und wnschet da diese Krieges Uebel von
Euch entfernt bleiben mgen, auch gre Diese alle von mir und den
Meinigen hertzlich.

Lebe gesund mit den Deinigen. Ich bin

                                             Dein treuer Bruder.
                                                   J.G.F.

  Auch von der alternden Mutter ist uns ein Brief aufbehalten, mit
  sicherer Hand in regelmigen Zgen geschrieben.




47.


                                            d. 2. _Decbr._ 1813.

        Innig geliebte Tochter,

Ich habe sogleich Ihr werthes Schreiben vom 20 _Nov._ mit inl. zwey
Stk _Louisdor_ richtig erhalten, ich danke Ihnen von Hertzen; nicht mit
Gleichgltigkeit, sondern mit inniger Rhrung, mit Gebeth und Dank zu
Gott erkenne ich die gttliche Wohlthat da mir die Vorsehung so eine
gute Seele zur Tochter gegeben hat. Ich fhle und bedaure, da Sie mich
nicht blos mit Entbehrlichkeit untersttzen, sondern, da ich den Druk
der Zeit, und die vielen Aufopferungen kenne, und den sichern Schlu
machen kan, da auch mein lieber Sohn in seinem Erwerb betrchtlich
zurk gesezt ist, so kan ich einsehen, da Sie, aus Liebe zu mir,
manches entbehren werden.

Ihre guten Nachrichten, da Sie Gott, bey den berhandnehmenden
Krankheiten gesund erhalten, und da Sie ihren lieben Sohn bey sich
haben, freuet und trstet mich.

Meine Gesundheitsumstnde haben sich nicht gebeert, meine Krffte
nehmen allmhlich ab, ich spre da ich seit etlichen Wochen viel
schwcher geworden, auch finden sich von Zeit zu Zeit, immer mehr
unangenehme krperliche Empfindungen, ich liege nicht bestndig ich
mache mir Bewegung, ich habe einen Stuhl im Gange vor welchen ich
zubereite, bey dieser Lebensart bleiben meine Glieder und mein Blut in
wohlthtigerer Bewegung, den Kram habe ich abgegeben, indem mein Krper
darzu nicht mehr fhig ist (und da besonders bey kalter Jahreszeit.)
Nur bedaure ich, wenn ich nach Gottes Willen noch eine Zeit lang leben
soll, da mein Magen so sehr schwach ist, ich kan fast gar nichts
genieen, mich damit zu strken und zu erquiken. Die gewaltthtigen
kriegerischen Erugnie, welche sehr schdlich auf meine schwachen
Geisteskrfte wirkten, haben sich, (Gott sey es Dank) vermindert, ich
habe just heute, einen Ruen, zum Glk einen gesitteten, zur
Einquartirung.

Bei allen Unangenehmen was mich dieses Jahr betroffen hat ist mir immer
sehr bange um Sie und die Ihrigen gewesen, und habe zu Gott um Ihre
Erhaltung geseufzet. Ich freue mich, und danke es Gott von Hertzen, da
er greres Unglk in Gnaden von uns abgewendet hat.

Da es die Zeit nicht gestattet da Harrtmanns ihrer Tochter Nachricht
mit beylegen knnten, so sagen Sie Hannchen zu ihrem Troste folgendes:

1) Ihre Wohnung stehet noch unversehrt, ob es schon in Pulnitz
frchterlich zugieng (die Stadt wurde sieben mahl genommen und
wiedergenommen) so brach doch kein Feuer aus.

2) Wegen der Plnderungen hatten sie Schuz, sie musten vor Militair
baken und hatten Salvegarden im Hause, dabey gieng es drum nicht so
genau ab, es ward ihnen noch manches genommen und die Umzunung des
Gartens ward im Biviak verbrandt.

3) Ihr Bruder ist in seinen Lernen sehr gestrt worden, er hat in
Dresden bei der Blokade men Hunger leiden, ist alsdenn eine Zeit bey
seinen Aeltern gewesen, und ist jetzo wieder in Dresden.

4) Die Epidemie hatt sie noch nicht ergriffen, vor wenigen Tagen war die
gantze Familie noch gesund.

5) Dore bey ihren Aeltern.

Gott nehme Sie alle in seinen Schuz, vielleicht erlebe ich noch die
Freude da Sie mich vor meinem Ende knftiges Frjahr noch einmal
besuchen

Ihre treue liebende Mutter

                               Maria Dorothea verwittwete Fichte

  Die ganze Reihenfolge der Briefe schliet, nach dem Hinscheiden der
  greisen Mutter und dem bald darauf, am 27. Januar 1814, erfolgten Tode
  des rstigen Sohnes, mit einem Briefe des Bruders an die hinterlassene
  Wittwe.




48.


                                     Elstra, d. 11 _Febr._ 1814.

        Theuerste Frau Schwgerin

Ich kan Ihnen das, was ich und die Meinigen ber den Todt meines lieben
Bruders, (der nicht blos ein Groer, sondern auch ein Nachahmungswrdiger
guter Mann war,) empfinde, mit Worten nicht schildern, und Niemand wird
wohl die unheilbaren Wunden, welche Ihnen die Vorsehung geschlagen hat,
mehr fhlen als ich, doch der Trostspruch eines Hiobs im Unglk kan mich
und Sie aufrichten und erhalten. Gott wird Ihnen beistehen; Ihr Verlust
ist zwar auf dieser Welt nicht zu ersetzen, doch wird Sie und Ihren Sohn
die gerechte Preusische Regierung, welche unsern Verewigten Freund
schzte, nicht verlaen.

Ihren gerechten Anspruch, welchen Sie an der Mae der Verlaenschaft
unserer seel. Eltern machen, und welcher sich laut Ihres werthen
Schreibens vom 1 _Febr._ auf Einhundert Thaler beluft wird Ihnen von
meinem Geschwister nicht erschwert oder verkrzet werden.

Gerichtskosten wird die Herrschaft viel machen, sie hat vorjetzo alles
im Beschlag genommen, und wird uns die Freiheit nicht wieder geben, da
wir vor uns verkaufen und unter einander theilen knnen; dieses Recht
kam der Herrschaft zu, und sie hat dieses vor ganz nothwendig glauben
muen, weil wir Geschwister in aller Welt zerstreut sind, und ber
dieses wird sie Ansprche an zwei Brdern machen, welche Kraft ihrer
Lehr Briefe und Kundschaften ihr Unterkommen finden konnten, ohne sich
von der Erbunterthnigkeit los zu kaufen; und wenn die Herrschaft alle
nur mglich zu machende Kosten abgezogen hat so macht sie noch 5_pr.
C._ Abzug von der Mae. Huser zu verkaufen ist jezt ein sehr ungnstiger
Zeitpunkt, und das Haus auf beere Zeiten aufzubehalten ist nicht rathsam,
die gar nicht zu berechneten Kriegsunkosten, und die Reparaturen, welche
der Krieg verursacht hat, (die Gartenzumung ist gantz verbrannt worden,
und eine bedeutente Haurepratur giebt es auch) wrden, uns in diesen
Falle einen betrchtlichen Theil von den daraus gelten Gelde rauben.

In Rcksicht Ihrer Anforderung glaube ich bestimmt da dieses das beste
Mittel wre, wenn Sie Ihre Forderung von der Obrigkeit unter welcher sie
stehen authorisiren liesen, und an den H. v.Kleist, als Erb-Lehn- und
Gerichts-Herr auf Rammenau bersendeten, nur wnschte ich wenn Sie mir
eine Abschrift davon bersendeten, ich werde mir es zur heiligsten
Pflicht machen diese Ansprche zu untersttzen und sollte, wie ich nicht
glauben will, der H. v.Kleist auch _pr. C._ von den Ihrigen abziehen,
so wrde ich wenn ich es nicht hintertreiben knnte, solches auf die
Mae wenden.

Ich empfehle Sie mit Ihren lieben Sohne den Schutze Gottes und bethe
da Gott ferneres Unglk in Gnaden von Ihnen abwenden mge und Sie
gesund und bei dem Leben erhalten, damit Sie vorjetzo eine Sttze Ihres
lieben Sohne seyn mgen, welcher in etlichen Jahren zuverlig Ihre
Sttze werden wird.

Meine Frau und Tochter welche userst betrbt ber Ihr Unglk sind,
laen Sie von Hertzen gren.

                          Ihr getreuer Freund
                              J.Gottl. F.

  So scheiden wir denn von dem groen Manne, den wir von dem Anfange
  seiner Laufbahn bis zu seinem Ende in den verschiedenartigen
  Beziehungen zu seiner Familie begleitet und auch von dieser Seite neu
  lieben gelernt haben, wir scheiden von seinem guten, milden Vater,
  von seiner wackeren Mutter -- den Vollendeten; wir scheiden auch von
  Denen, deren Lebensgang wir nur zum Theil in die Sonnenbahn jenes
  leuchtenden Genius hereintreten sehen, von seinen ihm theils
  hnlichen, theils unhnlichen Geschwistern; wir scheiden endlich auch
  von dem Charakter, der nach ihm selbst uns am innigsten anzieht, von
  seiner edlen Gattin, die ihn um fnf Jahre berlebte, aufgehend in der
  Liebe zu ihrem Sohne, dem wrdigen Erben seines Namens, in dem Geist
  und Seele des Vaters und der Mutter sich verschmolzen haben.




                   Druck von C.E. Elbert in Leipzig.




  [ Im folgenden werden alle genderten Textzeilen angefhrt, wobei
    jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die genderte Zeile
    steht.

                                      Wolfishein d. 13. Mai. 787.
                                      Wolfishein d. 13. Mai. 1787.

    (1, 32f. 39). Ende Mrz des Jahres 1790 reiste er von dort wieder ab
    (I, 32f. 39). Ende Mrz des Jahres 1790 reiste er von dort wieder ab

    Fichte's Ausbildung sorgte Derselbe nahm den Knaben Fichte zuerst
    Fichte's Ausbildung sorgte. Derselbe nahm den Knaben Fichte zuerst

    eigene Aeuerungen ber sie II, 154. 220. 256. 432. 503ff, und ihre
    eigene Aeuerungen ber sie II, 154. 220. 256. 432. 503ff., und ihre

    beifge, zuweilen zu hart erschien (vgl. besonders den Brief N.14).
    beifge, zuweilen zu hart erschien (vgl. besonders den Brief Nr.14).

    Kiudern ist aus den vorliegenden Quellen natrlich nicht so deutlich
    Kindern ist aus den vorliegenden Quellen natrlich nicht so deutlich

  umliegenden Familien etwas vermgen. ([Zusatz am Rande]: Dieser ganze
  umliegenden Familien etwas vermgen. ([Zusatz am Rande:] Dieser ganze

    wozu Gottlob Fichte ihnen verschiedene Geldsummen schickte,
    wozu Johann Gottlieb Fichte ihnen verschiedene Geldsummen schickte,

    geschrieben, wie der au des Kindes Pathen Johann Erich von Berger
    geschrieben, wie der an des Kindes Pathen Johann Erich von Berger

  Die Aspekten fr jeden Handel standen in Leipzig auf der Messe dsehr
  Die Aspekten fr jeden Handel standen in Leipzig auf der Messe sehr

  traurig. Um jedoch nicht Schaden zu machen, un den Credit auf die Wage
  traurig. Um jedoch nicht Schaden zu machen, und den Credit auf die Wage

  Ich habe au unserm soeben gewesenen Jahrmarkte meiner Frau den Auftrag
  Ich habe an unserm soeben gewesenen Jahrmarkte meiner Frau den Auftrag

  rechnen, denn Weife, Gebind, und dergl. ist verschieden, und giebt
  rechnen, denn Weise, Gebind, und dergl. ist verschieden, und giebt

    Adalbert von Chamisso in einem 1808 aus Berlin an Friedrich de la
    Adelbert von Chamisso in einem 1808 aus Berlin an Friedrich de la

    ist wieder hier Er baut sehr auf die Oestreicher, die ihm sehr
    ist wieder hier. Er baut sehr auf die Oestreicher, die ihm sehr

  nhern, innigern Anschauuug, und Anbethung Gottes gewrdigt zu werden.
  nhern, innigern Anschauung, und Anbethung Gottes gewrdigt zu werden.

    Nun war's an unserem Fichte, fr seine Mutter zu sorgeu und sie
    Nun war's an unserem Fichte, fr seine Mutter zu sorgen und sie

    In diesem und in dem 48. Briefe wird Rittmeister vouKleist, (vgl.
    In diesem und in dem 48. Briefe wird Rittmeister vonKleist, (vgl.

  1) Ihre Wohnuug stehet noch unversehrt, ob es schon in Pulnitz
  1) Ihre Wohnung stehet noch unversehrt, ob es schon in Pulnitz

  ]





End of the Project Gutenberg EBook of Achtundvierzig Briefe von Johann
Gottlieb Fichte und seinen Verwandten, by Johann Gottlieb Fichte

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The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit: http://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


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