The Project Gutenberg EBook of Coriolanus, by William Shakespeare
(#36 in our series by William Shakespeare)

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Title: Coriolanus

Author: William Shakespeare

Release Date: November, 2004  [EBook #6990]
[This file was first posted on February 20, 2003]

Edition: 10

Language: German

Character set encoding: ISO Latin-1

*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, CORIOLANUS ***




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Coriolanus

William Shakespeare

bersetzt von Dorothea Tieck
unter der Redaktion von Ludwig Tieck


Personen:

Cajus Marcius Coriolanus, ein edler Rmer

Titus Lartius und Cominius, Anfhrer gegen die Volsker

Menenius Agrippa, Coriolans Freund

Sicinius Velutus und Junius Brutus, Volkstribunen

Marcius, Coriolans kleiner Sohn

Ein rmischer Herold

Tullus Aufidius, Anfhrer der Volsker

Ein Unterfeldherr des Aufidius

Verschworene

Ein Brger von Antium

Zwei volskische Wachen

Volumnia, Coriolans Mutter

Virgilia, Coriolans Gemahlin

Valeria, Virgilias Freundin

Dienerinnen der Virgilia

Rmer und Volsker.  Senatoren, Patrizier, dilen, Liktoren, Krieger, Brger, Boten




Erster Aufzug 



Erste Szene

Rom, eine Strae 
Es tritt auf ein Haufe aufrhrerischer Brger mit Stben, 
Kntteln und anderen Waffen


Erster Brger.
Ehe wir irgend weitergehn, hrt mich sprechen.

Zweiter Brger.
Sprich! sprich!--

Erster Brger.
Ihr alle seid entschlossen, lieber zu sterben als zu verhungern?

Alle Brger.
Entschlossen! entschlossen!--

Erster Brger.
Erstlich wit ihr: Cajus Marcius ist der Hauptfeind des Volkes.

Alle Brger.
Wir wissen's! Wir wissen's!--

Erster Brger.
Lat uns ihn umbringen, so knnen wir die Kornpreise selbst machen.  
Ist das ein Wahrspruch?

Alle Brger.
Kein Geschwtz mehr darber.  Wir wollen's tun.  Fort! fort!

Zweiter Brger.
Noch ein Wort, meine guten Brger!

Erster Brger.
Wir werden fr die armen Brger gehalten, die Patrizier fr die guten.  
Das, wovon der Adel schwelgt, wrde uns nhren.  Gben sie uns nur das 
berflssige, ehe es verdirbt, so knnten wir glauben, sie nhrten uns 
auf menschliche Weise; aber sie denken, soviel sind wir nicht wert.  
Der Hunger, der uns ausgemergelt, der Anblick unsers Elends ist gleichsam 
ein Verzeichnis, in welchem postenweise ihr berflu aufgefhrt wird.  
Unser Leiden ist ihnen ein Gewinn.  Dies wollen wir mit unsern Spieen 
rchen, ehe wir selbst Spiegerten werden.  Denn das wissen die Gtter! 
Ich rede so aus Hunger nach Brot, und nicht aus Durst nach Rache.

Zweiter Brger.
Wollt ihr besonders auf den Cajus Marcius losgehen?

Alle.
Auf ihn zuerst, er ist ein wahrer Hund gegen das Volk.

Zweiter Brger.
Bedenkt ihr auch, welche Dienste er dem Vaterlande getan hat?

Erster Brger.
Sehr wohl! und man knnte ihn auch recht gern dafr loben; aber er 
belohnt sich selbst dadurch, da er so stolz ist.

Zweiter Brger.
Nein, rede nicht so boshaft.

Erster Brger.
Ich sage euch, was er rhmlich getan hat, tat er nur deshalb.  Wenn auch 
zu gewissenhafte Menschen so billig sind, zu sagen, es war fr sein 
Vaterland, so tat er's doch nur, seiner Mutter Freude zu machen und zum 
Teil, um stolz zu sein; denn sein Stolz ist ebenso gro als sein Verdienst.

Zweiter Brger.
Was er an seiner Natur nicht ndern kann, das rechnet Ihr ihm fr ein Laster.  
Das drft Ihr wenigstens nicht sagen, da er habschtig ist.

Erster Brger.
Wenn ich das auch nicht darf, werden mir doch die Anklagen nicht ausgehen.  
Er hat Fehler so berlei, da die Aufzhlung ermdet.  

(Geschrei hinter der Szene.)  

Welch Geschrei ist das?  Die andre Seite der Stadt ist in Aufruhr.  Was stehn 
wir hier und schwatzen?  Aufs Kapitol!

Alle.
Kommt!  Kommt!--

Erster Brger.
Still!  Wer kommt hier?  

(Menenius Agrippa tritt auf)

Zweiter Brger.
Der wrdige Menenius Agrippa, einer, der das Volk immer geliebt hat.

Erster Brger.
Der ist noch ehrlich genug.  Wren nur die brigen alle so!

Menenius.
Was habt ihr vor, Landsleute?  wohin geht ihr
Mit Stangen, Kntteln?  Sprecht, was gibt's?  Ich bitt euch!

Erster Brger.
Unsre Sache ist dem Senat nicht unbekannt; sie haben davon munkeln hren 
seit vierzehn Tagen, was wir vorhaben und das wollen wir ihnen nun durch 
Taten zeigen.  Sie sagen, arme Klienten haben schlimmen Atem: sie sollen 
erfahren, da wir auch schlimme Arme haben.

Menenius.
Ei, Leute! gute Freund' und liebe Nachbarn,
Wollt ihr euch selbst zugrunde richten?

Erster Brger.
Nicht mglich, wir sind schon zugrund gerichtet.

Menenius.
Ich sag euch, Freund', es sorgt mit wahrer Liebe
Fr euch der Adel.  Eure Not betreffend,
Die jetzge Teurung, knntet ihr so gut
Dem Himmel drun mit Kntteln, als sie schwingen
Gegen den Staat von Rom, des Lauf sich bricht
So grade Bahn, da es zehntausend Zgel
Von hrtrem Erz zerreit, als jemals ihm
Nur eure Hemmung bietet.  Diese Teurung,
Die Gtter machen sie, nicht die Patrizier;
Gebeugte Knie, nicht Arme mssen helfen.
Ach! durch das Elend werdet ihr verlockt
Dahin, wo grres euch umfngt.  Ihr lstert
Roms Lenker, die wie Vter fr euch sorgen,
Wenn ihr wie Feinde sie verflucht.

Erster Brger.
Fr uns sorgen!--nun, wahrhaftig!--Sie sorgten noch nie fr uns.  Uns 
verhungern lassen, und ihre Vorratshuser sind vollgestopft mit Korn.  
Verordnungen machen gegen den Wucher, um die Wucherer zu untersttzen.  
Tglich irgendein heilsames Gesetz gegen die Reichen widerrufen und 
tglich schrfere Verordnungen ersinnen, die Armen zu fesseln und 
einzuzwngen.  Wenn der Krieg uns nicht auffrit, tun sie's: das ist 
ihre ganze Liebe fr uns.

Menenius.
Entweder mt ihr selbst
Als ungewhnlich tckisch euch bekennen,
Sonst schelt ich euch als tricht.  Ich erzhl euch
Ein hbsches Mrchen; mglich, da ihr's kennt;
Doch, da's hier eben herpat, will ich wagen,
Es nochmals aufzuwrmen.

Erster Brger.
Gut, wir wollen's anhren, Herr.  Ihr mt aber nicht glauben, unser 
Unglck mit einem Mrchen wegfoppen zu knnen; doch, wenn Ihr wollt, 
her damit.

Menenius.
Einstmals geschah's, da alle Leibesglieder,
Dem Bauch rebellisch, also ihn verklagten:
Da er allein nur wie ein Schlund verharre
In Leibes Mitte, arbeitslos und mig,
Die Speisen stets verschlingend, niemals ttig,
So wie die andern all, wo jene Krfte
Shn, hrten, sprchen, dchten, gingen, fhlten
Und, wechselseitig untersttzt, dem Willen
Und allgemeinen Wohl und Nutzen dienten
Des ganzen Leibs.  Der Bauch erwiderte--

Erster Brger.
Gut, Herr, was hat der Bauch denn nun erwidert?

Menenius.
Ich sag es gleich.--Mit einer Art von Lcheln,
Das nicht von Herzen ging, nur gleichsam so--
(Denn seht, ich kann den Bauch ja lcheln lassen
So gut als sprechen) gab er hhnisch Antwort
Den mivergngten Gliedern, die rebellisch
Die Einknft ihm nicht gnnten; ganz so passend
Wie ihr auf unsre Senatoren scheltet,
Weil sie nicht sind wie ihr.

Erster Brger.
Des Bauches Antwort.  Wie!
Das frstlich hohe Haupt; das wache Auge;
Das Herz: der kluge Rat; der Arm: der Krieger;
Das Bein: das Ro; die Zunge: der Trompeter;
Nebst andern mtern noch und kleinern Hilfen
In diesem unserm Bau, wenn sie--

Menenius.
Was denn,
Mein Treu! der Mensch da schwatzt!  Was denn?  Was denn?

Erster Brger.
So wrden eingezwngt vom Fresser Bauch,
Der nur des Leibes Abflu--

Menenius.
Gut, was denn?

Erster Brger.
Die andern Krfte, wenn sie nun so klagten,
Der Bauch, was knnt er sagen?

Menenius.
Ihr sollt's hren.
Schenkt ihr ein bichen, was ihr wenig habt,
Geduld, so sag ich euch des Bauches Antwort.

Erster Brger.
Ihr macht es lang.

Menenius.
Jetzt pat wohl auf, mein Freund!
Eur hchst verstndger Bauch, er war bedchtig,
Nicht rasch, gleich den Beschuldgern, und sprach so:
"Wahr ist's, ihr einverleibten Freunde", sagt' er,
"Zuerst nehm ich die ganze Nahrung auf,
Von der ihr alle lebt; und das ist recht,
Weil ich das Vorratshaus, die Werkstatt bin
Des ganzen Krpers.  Doch bedenkt es wohl;
Durch eures Blutes Strme send ich sie
Bis an den Hof, das Herz--den Thron, das Hirn,
Und durch des Krpers Gng und Windungen
Empfngt der strkste Nerv, die feinste Ader
Von mir den angemenen Unterhalt,
Wovon sie leben.  Und obwohl ihr alle--"
Ihr guten Freund' (habt acht), dies sagt der Bauch.

Erster Brger.
Gut.  Weiter!

Menenius.
"Seht ihr auch nicht all auf eins,
Was jeder Einzelne von mir empfngt,
Doch kann ich Rechnung legen, da ich allen
Das feinste Mehl von allem wieder gebe,
Und nur die Klei' mir bleibt." Wie meint ihr nun?

Erster Brger.
Das war 'ne Antwort.  Doch wie pat das hier?

Menenius.
Roms Senatoren sind der gute Bauch,
Ihr die emprten Glieder; denn erwgt
Ihr Mhn, ihr Sorgen.  Wohl bedenkt, was alles
Des Staates Vorteil heischt; so seht ihr ein,
Kein allgemeines Gut, was ihr empfangt,
Das nicht entsprang und kam zu euch von ihnen,
Durchaus nicht von euch selbst.  Was denkt ihr nun?
Du, groe Zeh, in dieser Ratsversammlung.

Erster Brger.
Ich, die groe Zehe?  Warum die groe Zehe?

Menenius.
Weil du, der Niedrigst, rmst, Erbrmlichste
Von dieser weisen Rebellion, vorantrittst.
Du, Schwchling ohne Kraft und Ansehen, lufst
Voran und fhrst, dir Vorteil zu erjagen.--
Doch schwenkt nur eure Stb und drren Knttel,
Rom und sein Rattenvolk zieht aus zur Schlacht,
Der eine Teil mu Tod sich fressen.

(Cajus Marcius tritt auf.)

Heil! edler Marcius.

Marcius.
Dank Euch!  Was gibt es hier?  Rebellsche Schurken,
Die ihr das Jucken eurer Einsicht kratzt,
Bis ihr zu Aussatz werdet.

Erster Brger.
Von Euch bekommen wir doch immer gute Worte.

Marcius.
Ein gutes Wort dir geben, hiee schmeicheln
Jenseits des Abscheus.  Was verlangt ihr, Hunde,
Die Krieg nicht wollt noch Frieden?  jener schreckt euch,
Und dieser macht euch frech.  Wer euch vertraut,
Find't euch als Hasen, wo er Lwen hofft
Wo Fchse, Gns.  Ihr seid nicht sichrer, nein!
Als glhnde Feuerkohlen auf dem Eis,
Schnee in der Sonne.  Eure Tugend ist,
Den adeln, den Verbrechen niedertreten,
Dem Recht zu fluchen, das ihn schlgt.  Wer Gre
Verdient, verdient auch euern Ha; und eure Liebe
Ist eines Kranken Gier, der heftig wnscht,
Was nur sein bel mehrt.  Wer sich verlt
Auf eure Gunst, der schwimmt mit blei'rnen Flossen,
Und haut mit Binsen Eichen nieder.  Hngt euch!
Euch traun?
Ein Augenblick, so ndert ihr den Sinn,
Und nennt den edel, den ihr eben hatet,
Den schlecht, der euer Abgott war.  Was gibt's?
Da ihr, auf jedem Platz der Stadt gedrngt,
Schreit gegen den Senat, der doch allein,
Zunchst den Gttern, euch in Furcht erhlt;
Ihr frt einander sonst.  Was wollen sie?

Menenius.
Nach eignem Preis das Korn, das, wie sie sagen
Im berflu daliegt.

Marcius.
Hngt sie!  Sie sagen's?
Beim Feuer sitzend, wissen sie genau,
Was auf dem Kapitol geschieht; wer steigt,
Wer gilt, wer fllt; da stiften sie Faktionen
Und schlieen Ehen; strken die Partei
Und beugen die, die nicht nach ihrem Sinn,
Noch unter ihre Ngelschuh.  Sie sagen,
Korn sei genug vorhanden?
Wenn sich der Adel doch der Mild entschlge,
Da ich mein Schwert ziehn drft.  Ich hufte Berge
Von Leichen der zerhaunen Sklaven, hher,
Als meine Lanze fliegt.

Menenius.
Nein, diese sind fast gnzlich schon beruhigt;
Denn, fehlt im berflu auch der Verstand,
So sind sie doch ausbndig feig.  Doch sagt mir,
Was macht der andre Trupp?

Marcius.
Schon ganz zerstreut.
Die Schurken!
Sie hungern, sagten sie, und chzten Sprchlein,
Als: "Not bricht Eisen; Hunde mssen fressen;
Das Brot ist fr den Mund; die Gtter senden
Nicht blo den Reichen Korn." Mit solchen Fetzen
Macht sich ihr Klagen Luft; man hrt sie gtig,
Bewilligt eine Fordrung--eine starke--
(Des Adels Herz zu brechen, jede Kraft
Zu tten) und nun schmeien sie die Mtzen,
Als sollten auf des Mondes Horn sie hngen,
Frech laut und lauter jauchzend.

Menenius.
Und was ward zugestanden?

Marcius.
Fnf Tribunen,
Um ihre Pbelweisheit zu vertreten,
Aus eigner Wahl: der ein ist Junius Brutus,
Sicinius und--was wei ich--Tod und Pest!
Die Lumpen sollten eh die Stadt abdecken,
Als mich so weit zu bringen.  Nchstens nun
Gewinnen sie noch mehr und fordern Grres
Mit Androhn der Emprung.

Menenius.
Das ist seltsam.

Marcius.
Geht, fort mit euch, ihr berbleibsel! 

(Ein Bote tritt auf.)

Bote.
Ist Cajus Marcius hier?

Marcius.
Nun ja! was soll's?

Bote.
Ich meld Euch, Herr, die Volsker sind in Waffen.

Marcius.
Mich freut's!  So werden wir am besten los
Den berflu, der schimmlicht wird.--Seht da,
Die wrdgen Vter.  Es treten auf Cominius, Titus Lartius und andre 
Senatoren, Junius Brutus und Sicinius Velutus.

Erster Senator.
Marcius, was Ihr uns sagtet, ist geschehn:
Die Volsker sind in Waffen.

Marcius.
Ja, sie fhrt
Tullus Aufidius, der macht euch zu schaffen.
Ich sndge, seinen Adel ihm zu neiden,
Und wr ich etwas andres als ich bin,
So wnscht ich, er zu sein.

Cominius.
Ihr fochtet miteinander.

Marcius.
Wenn, halb und halb geteilt, die Welt sich zauste,
Und er auf meiner Seit, ich fiele ab,
Nur da ich ihn bekmpft'.--Er ist ein Lwe,
Den ich zu jagen stolz bin.

Erster Senator.
Darum, Marcius,
Magst du Cominius folgen in den Krieg.

Cominius.
Ihr habt es einst versprochen.

Marcius.
Herr, das hab ich,
Und halte Wort.  Du, Titus Lartius, siehst
Noch einmal Tullus, mich ins Antlitz schlagen.
Wie--bist du krank?  bleibst aus?

Titus.
Nein, Cajus Marcius.
Ich lehn auf eine Krck und schlage mit der andern,
Eh ich dies' Werk versum.

Marcius.
O edles Blut!

Erster Senator.
Begleitet uns zum Kapitol, dort harren
Die treusten Freunde unser.

Titus.
Geht voran--
Cominius, folgt ihm nach, wir folgen euch,
Ihr seid des Vorrangs wrdig.

Cominius.
Edler Marcius!

Erster Senator (zu den Brgern).
Geht, macht euch fort!--nach Haus!

Marcius.
Nein, lat sie folgen.
Die Volsker haben Korn; dahin ihr Ratten,
Die Scheuren fret.--Hochadlige Rebellen,
Eur Mut schlgt herrlich aus.  Ich bitte, folgt.

(Senatoren, Cominius, Marcius, Titus Lartius und Menenius gehn ab; 
die Brger schleichen sich fort.)

Sicinius.
War je ein Mensch so stolz wie dieser Marcius?

Brutus.
Er hat nicht seinesgleichen.

Sicinius.
Als wir ernannt zu Volkstribunen wurden--

Brutus.
Saht Ihr sein Aug, den Mund?

Sicinius.
Ja, und sein Hhnen!

Brutus.
Gereizt schont nicht sein Spott die Gtter selbst.

Sicinius.
Den keuschen Mond auch wrd er lstern.

Brutus.
Verschling ihn dieser Krieg; er ward zu stolz,
So tapfer wie er ist.

Sicinius.
Solch ein Gemt,
Gekitzelt noch vom Glck, verschmht den Schatten,
Auf den er mittags tritt.  Doch wundert's mich,
Wie nur sein Hochmut es ertrgt, zu stehn
Unter Cominius.

Brutus.
Ruhm, nach dem er zielt,
Und der schon reich ihn schmckt, wird besser nicht
Erhalten und erhht, als auf dem Platz
Zunchst dem ersten; denn was nun milingt,
Das ist des Feldherrn Schuld, tut er auch alles,
Was Menschenkraft vermag; und schwindelnd Urteil
Ruft dann vom Marcius aus: O htte dieser
Den Krieg gefhrt!

Sicinius.
Gewi und geht es gut,
So raubt das Vorurteil, am Marcius hngend,
Cominius jegliches Verdienst.

Brutus.
Jawohl.--
Cominius' halben Ruhm hat Marcius schon,
Erwarb er ihn auch nicht; und jenes Fehler,
Sie werden Marcius' Ruhm, tat er auch selbst
Nichts Groes mehr.

Sicinius.
Kommt, lat uns hin und hren
Die Ausfert'gung, und was in Art und Weise
Er, auer seiner Einzigkeit, nun geht
In diesen jetzgen Kampf.

Brutus.
So gehn wir denn.

(Beide ab.)



Zweite Szene

Corioli, das Staatsgebude Tullus 
Aufidius tritt auf mit einigen Senatoren


Erster Senator.
So glaubt Ihr wirklich denn, Aufidius,
Da die von Rom erforschten unsern Plan,
Und wissen, was wir tun?

Aufidius.
Glaubt ihr's denn nicht?
Was ward wohl je gedacht in unserm Staat,
Das nicht, eh's krperliche Tat geworden,
Rom ausgeforscht?  Noch sind's vier Tage nicht,
Da man von dort mir schrieb; so, denk ich, lautet's--
Ich hab den Brief wohl hier;--ja, dieser ist's.
(Er liest.)  "Geworben wird ein Heer; doch niemand wei,
Ob fr den Ost, den West.  Gro ist die Teurung,
Das Volk im Aufruhr, und man raunt sich zu,
Cominius, Marcius, Euer alter Feind
(Der mehr in Rom gehat wird als von Euch),
Und Titus Lartius, ein sehr tapfrer Rmer:
Da diesen drei'n die Rstung ward vertraut.
Wohin's auch geht, wahrscheinlich trifft es Euch;
Drum seht Euch vor."

Erster Senator.
Im Feld stehn unsre Scharen;
Wir zweifeln nie, da Rom, uns zu begegnen,
Stets sei bereit.

Aufidius.
Und Ihr habt klug gehandelt,
Zu bergen Euern groen Plan, bis er
Sich zeigen mute; doch im Brten schon
Erkannt ihn Rom, so scheint's; durch die Entdeckung
Wird unser Ziel geschmlert, welches war,
Zu nehmen manche Stadt, eh selbst die Rmer
Bemerkt, da wir im Gang.

Zweiter Senator.
Edler Aufidius,
Nehmt Eure Vollmacht, eilt zu Euren Scharen,
Lat uns zurck, Corioli zu schtzen;
Belagern sie uns hier, kommt zum Entsatz
Mit Eurem Heer zurck; doch sollt Ihr sehn,
Die Rstung gilt nicht uns.

Aufidius.
O! zweifelt nicht;
Ich sprech aus sichrer Nachricht.  Ja--noch mehr,
Schon rckten einge Rmerhaufen aus,
Und nur hieherwrts.  Ich verlass euch, Vter.
Wenn wir und Cajus Marcius uns begegnen,
So ist geschworen, da der Kampf nicht endet,
Bis einer fllt.

Alle Senatoren.
Die Gtter sein mit Euch!

Aufidius.
Sie schirmen eure Ehren.

Erster Senator.
Lebt wohl!

Zweiter Senator.
Lebt wohl!

Aufidius.
Lebt wohl!

(Alle ab.)



Dritte Szene

Rom, im Hause des Marcius 
Volumnia und Virgilia sitzen und nhen


Volumnia.
Ich bitte dich, Tochter, sing, oder sprich wenigstens trostreicher; 
wenn mein Sohn mein Gemahl wre, ich wrde mich lieber seiner 
Abwesenheit erfreuen, durch die er Ehre erwirbt, als der Umarmungen 
seines Bettes, in denen ich seine Liebe erkennte.  Da er noch ein zarter 
Knabe war und das einzige Kind meines Schoes, da Jugend und Anmut 
gewaltsam alle Blicke auf ihn zogen, als die tagelangen Bitten eines 
Knigs einer Mutter nicht eine einzige Stunde seines Anblicks abgekauft 
htten, schon damals--wenn ich bedachte, wie Ehre solch ein Wesen 
zieren wrde, und da es nicht besser sei als ein Gemlde, das an der 
Wand hngt, wenn Ruhmbegier es nicht belebte--war ich erfreut, ihn da 
Gefahren suchen zu sehn, wo er hoffen konnte, Ruhm zu finden.  In einen 
grausamen Krieg sandte ich ihn, aus dem er zurckkehrte, die Stirn mit 
Eichenlaub umwunden.  Glaube mir, Tochter, mein Herz hpfte nicht mehr 
vor Freuden, als ich zuerst hrte, es sei ein Knabe, als jetzt, da ich 
zuerst, sah, er sei ein Mann geworden.

Virgilia.
Aber wre er nun in der Schlacht geblieben, teure Mutter, wie dann?

Volumnia.
Dann wre sein Nachruhm mein Sohn gewesen; in ihm htte ich mein 
Geschlecht gesehn.  Hre mein offenherziges Bekenntnis: htte ich zwlf 
Shne, jeder meinem Herzen gleich lieb, und keiner nur weniger teuer 
als dein und mein guter Marcius, ich wollte lieber elf fr ihr Vaterland 
edel sterben sehn, als einen einzigen in wollstigem Miggang schwelgen.  
Es tritt eine Dienerin auf.

Dienerin.
Edle Frau, Valeria wnscht Euch zu sehn.

Virgilia.
Ich bitte, erlaubt mir, mich zurckzuziehn.

Volumnia.
O nein! das sollst du nicht.
Mich dnkt, bis hier tnt deines Gatten Trommel,
Er reit Aufidius bei den Haaren nieder;
Wie Kinder vor dem Bren fliehn die Volsker.
Mich dnkt, ich seh's!  So stampft er und ruft aus:
"Memmen, heran! In Furcht seid ihr gezeugt;
Obwohl in Rom geboren." Und er trocknet
Die blutge Stirn mit ehrner Hand, und schreitet
So wie ein Schnitter, der sich vorgesetzt,
Alles zu mhn, wo nicht, den Lohn zu missen.

Virgilia.
Die blutge Stirn!--o Jupiter!  kein Blut.

Volumnia.
O schweig, du Trin! schner ziert's den Mann
Als Goldtrophen.  Die Brust der Hekuba
War schner nicht, da sie den Hektor sugte,
Als Hektors Stirn, die Blut entgegenspritzte
Im Kampf den Griechenschwertern.--Sagt Valerien,
Wir sind bereit, sie zu empfangen.  

(Dienerin ab.)

Virgilia.
Himmel!
Schtz meinen Mann vorm grimmigen Aufidius.

Volumnia.
Er schlgt Aufidius' Haupt sich unters Knie
Und tritt auf seinen Hals.  

(Valeria tritt auf.)

Valeria.
Ihr edlen Frauen, euch beiden guten Tag!

Volumnia.
Liebe Freundin--

Virgilia.
Ich bin erfreut, Euch zu sehn, verehrte Frau.

Valeria.
Was macht ihr beide?  Ihr seid ausgemachte Haushlterinnen.  Wie!--Ihr 
sitzt hier und nht?--Ein hbsches Muster, das mu ich gestehn.--Was 
macht Euer kleiner Sohn?

Virgilia.
Ich danke Euch, edle Frau, er ist wohl.

Volumnia.
Er mag lieber Schwerter sehn und die Trommel hren, als auf seinen 
Schulmeister acht geben.

Valeria.
O! auf mein Wort, ganz der Vater.  Ich kann's beschwren, er ist ein 
allerliebstes Knabe.  Nein wahrlich, ich beobachtete ihn am Mittwoch 
eine halbe Stunde ununterbrochen; er hat etwas so Entschlones in seinem 
Benehmen.  Ich sah ihn einem glnzenden Schmetterlinge nachlaufen, und als 
er ihn gefangen hatte, lie er ihn wieder fliegen, und nun wieder ihm 
nach, und fiel der Lnge nach hin, und wieder aufgesprungen und ihn noch 
einmal gefangen.  Hatte ihn sein Fall bse gemacht, oder was ihm sonst 
sein mochte, aber er knirschte so mit den Zhnen und zerri ihn!  O! ihr 
knnt nicht glauben, wie er ihn zerfetzte.

Volumnia.
Ganz seines Vaters Art.

Valeria.
Ei, wahrhaftig! er ist ein edles Kind.

Virgilia.
Ein kleiner Wildfang, Valeria.

Valeria.
Kommt, legt Eure Stickerei weg, Ihr mt heut nachmittag mit mir die mige 
Hausfrau machen.

Virgilia.
Nein, teure Frau, ich werde nicht ausgehn.

Valeria.
Nicht ausgehn?

Volumnia.
Sie wird, sie wird.

Virgilia.
Nein, gewi nicht; erlaubt es mir.  Ich will nicht ber die Schwelle 
schreiten, eh mein Gemahl aus dem Kriege heimgekehrt ist.

Valeria.
Pfui! wollt Ihr so wider alle Vernunft Euch einsperren?  Kommt mit, Ihr
mt eine gute Freundin besuchen, die im Kindbette liegt.

Virgilia.
Ich will ihr eine schnelle Genesung wnschen und sie mit meinem Gebet 
besuchen, aber hingehn kann ich nicht.

Volumnia.
Nun, warum denn nicht?

Virgilia.
Es ist gewi nicht Trgheit oder Mangel an Liebe.

Valeria.
Ihr wret gern eine zweite Penelope; und doch sagt man, alles Garn, 
das sie in Ulysses' Abwesenheit spann, fllte Ithaka nur mit Motten.  
Kommt, ich wollte, Eure Leinwand wre so empfindlich wie Euer Finger, 
so wrdet Ihr aus Mitleid aufhren, sie zu stechen.  Kommt, Ihr mt 
mitgehn.

Virgilia.
Nein, Liebe, verzeiht mir; im Ernst, ich werde nicht ausgehn.

Valeria.
Ei wahrhaftig!  Ihr mt mitgehn; dann will ich Euch auch herrliche 
Neuigkeiten von Eurem Gemahl erzhlen.

Virgilia.
O, liebe Valeria! es knnen noch keine gekommen sein.

Valeria.
Wahrlich! ich scherze nicht mit Euch; es kam gestern abend Nachricht 
von ihm.

Virgilia.
In der Tat?

Valeria.
Im Ernst, es ist wahr; ich hrte einen Senator davon erzhlen.  So war 
es:--Die Volsker haben ein Heer ausrcken lassen, welchem Cominius, 
der Feldherr, mit einem Teil der rmischen Macht entgegengegangen ist.  
Euer Gemahl und Titus Lartius belagern ihre Stadt Corioli; sie zweifeln 
nicht daran, sie zu erobern und den Krieg bald zu beendigen.--Dies ist 
wahr, bei meiner Ehre!  Und nun bitte ich Euch, geht mit uns.

Virgilia.
Verzeiht mir, gute Valeria; knftig will ich Euch in allem andern gehorchen.

Volumnia.
Ei, lat sie, Liebe.  Wie sie jetzt ist, wrde sie nur unser Vergngen stren.

Valeria.
Wirklich, das glaube ich auch.  So lebt denn wohl.  Kommt, liebe, teure Frau.  
Ich bitte dich, Virgilia, wirf deine Feierlichkeit zur Tr hinaus und geh 
noch mit.

Virgilia.
Nein, auf mein Wort, Valeria.  In der Tat, ich darf nicht; ich wnsche Euch 
viel Vergngen.

Valeria.
Gut, so lebt denn wohl!

(Alle ab.)



Vierte Szene

Vor Corioli 
Mit Trommeln und Fahnen treten auf Marcius, Titus, Lartius, 
Anfhrer, Krieger.  Zu ihnen ein Bote


Marcius.
Ein Bote kommt.  Ich wett, es gab ein Treffen.

Titus.
Mein Pferd an Eures: nein.

Marcius.
Es gilt.

Titus.
Es gilt.

Marcius.
Sprich du.  Traf unser Feldherr auf den Feind?

Bote.
Sie schaun sich an, doch sprachen sich noch nicht.

Titus.
Das gute Pferd ist mein.

Marcius.
Ich kauf's Euch ab.

Titus.
Nein, ich verkauf und geb's nicht; doch Euch borg ich's
Fr fnfzig Jahr.--Die Stadt nun fordert auf.

Marcius.
Wie weit ab stehn die Heere?

Bote.
Kaum drei Stunden.

Marcius.
So hren wir ihr Feldgeschrei, sie unsers.--
Nun, Mars, dir fleh ich, mach uns rasch im Werk,
Da wir mit dampfendem Schwert von hinnen ziehn,
Den kampfgescharten Freunden schnell zu helfen.
Komm, blas nun deinen Aufruf.  Es wird geblasen, auf den Mauern 
erscheinen Senatoren und andre.  Tullus Aufidius, ist er in der Stadt?

Erster Senator.
Nein, doch gleich ihm hlt jeder Euch gering
Und kleiner als das Kleinste.  Horcht die Trommeln

(Kriegsmusik aus der Ferne.)

Von unsrer Jugend Schar.  Wir brechen eh die Mauern,
Als da sie uns einhemmten.  Unsre Tore,
Zum Schein geschlossen, riegeln Binsen nur,
Sie ffnen sich von selbst.  Horcht, weit her tnt's.

(Kriegsgeschrei.)

Das ist Aufidius.  Merkt, wie er hantiert
Dort im gespaltnen Heer.

Marcius.
Ha!  Sie sind dran!

Titus.
Der Lrm sei unsre Weisung.  Leitern her!  Die Volsker kommen aus der Stadt.

Marcius.
Sie scheun uns nicht; nein, dringen aus der Stadt.
Werft vor das Herz den Schild und kmpft mit Herzen,
Gesthlter als die Schild'.  Auf, wackrer Titus!
Sie hhnen uns weit mehr, als wir gedacht;
Das macht vor Zorn mich schwitzen.  Fort, Kamraden!
Wenn einer weicht, den halt ich fr 'nen Volsker,
Und fhlen soll er meinen Stahl.  Rmer und Volsker gehn kmpfend ab.  
Die Rmer werden zurckgeschlagen.  Marcius kommt wieder.

Marcius.
Die ganze Pest des Sdens fall auf euch!
Schandflecke Roms ihr!--Schwr' und Beulen zahllos
Vergiften euch, da ihr ein Abscheu seid,
Eh noch gesehn, und gegen Windeshauch
Euch ansteckt meilenweit!  Ihr Gnseseelen
In menschlicher Gestalt!  Vor Sklaven lauft ihr,
Die Affen schlagen wrden?  Hll und Pluto!
Wund rcklings, Nacken rot, Gesichter bleich
Vor Furcht und Fieberfrost.  Kehrt um!  Greift an!
Sonst, bei des Himmels Blitz! lass' ich den Feind
Und strz auf euch.  Besinnt euch denn, voran!
Steht, und wir schlagen sie zu ihren Weibern,
Wie sie zu unsern Schanzen uns gefolgt!  Ein neuer Angriff, Volsker 
und Rmer kmpfen.  Die Volsker flchten in die Stadt.  Marcius verfolgt 
sie.  Auf geht das Tor, nun zeigt euch, wackre Helfer!
Fr die Verfolger hat's das Glck geffnet,
Nicht fr die Flchtgen.  Nach! und tut wie ich.  

(Er strzt in die Stadt und das Tor wird hinter ihm geschlossen.)

Erster Soldat.
Tolldreist! ich nicht--

Zweiter Soldat.
Noch ich.

Dritter Soldat.
Da seht! sie haben
Ihn eingesperrt.

Alle.
Nun geht er drauf, das glaubt nur.  

(Titus Lartius tritt auf.)

Titus.
Was ward aus Marcius?

Alle.
Tot, Herr, ganz gewi.

Erster Soldat.
Den Flchtgen folgt' er auf den Fersen nach
Und mit hinein; sie Augenblicks die Tore
Nun zugesperrt: drin ist er, ganz allein,
Der ganzen Stadt zu trotzen.

Titus.
Edler Freund!
Du, fhlend khner als dein fhllos Schwert,
Feststehend, wenn dies beugt, verloren bist du, Marcius!
Der reinste Diamant, so gro wie du,
Wr nicht ein solch Juwel; du warst ein Krieger
Nach Catos Sinn, nicht wild und frchterlich
In Streichen nur; nein, deinem grimmen Blick
Und deiner Stimme donnergleichem Schmettern
Erbebten deine Feind', als ob die Welt
Im Fieber zitterte.  Marcius kommt zurck, blutend, von den Feinden verfolgt.

Erster Soldat.
Seht, Herr!

Titus.
O! da ist Marcius!
Lat uns ihn retten, oder mit ihm fallen.

(Gefecht.  Alle dringen in die Stadt.)



Fnfte Szene

In Corioli, eine Strae 
Rmer kommen mit Beute


Erster Rmer.
Das will ich mit nach Rom nehmen.

Zweiter Rmer.
Und ich dies.

Dritter Rmer.
Hol's der Henker! ich hielt das fr Silber.  Marcius und Titus 
treten auf mit einem Trompeter.

Marcius.
Seht diese Trdler, die die Stunden schtzen
Nach rostgen Drachmen.  Kissen, bleierne Lffel,
Blechstckchen, Wmser, die der Henker selbst
Verscharrte mit dem Leichnam, stiehlt die Brut,
Eh noch die Schlacht zu Ende.--Haut sie nieder!--
O, hrt des Feldherrn Schlachtruf!  Fort zu ihm!
Dort kmpft, den meine Seele hat, Aufidius,
Und mordet unsre Rmer.  Drum, mein Titus,
Nimm eine Anzahl Volks, die Stadt zu halten;
Mit denen, die der Mut befeuert, eil ich,
Cominius beizustehn.

Titus.
Du blutest, edler Freund!
Die Arbeit war zu schwer, sie zu erneun
In einem zweiten Gang.

Marcius.
Herr, rhmt mich nicht.
Dies Werk hat kaum mich warm gemacht.  Lebt wohl!
Das Blut, das ich verzapft, ist mehr Arznei
Als mir gefhrlich.  Vor Aufidius so
Tret ich zum Kampf.

Titus.
Fortunas holde Gottheit
Sei jetzt in dich verliebt; ihr starker Zauber
Entwaffne deines Feindes Schwert.  O Held!
Dein Knappe sei das Glck!

Marcius.
Dein Freund nicht minder,
Als derer, die zuhchst sie stellt!  Leb wohl! 

(Geht ab.)

Titus.
Ruhmwrdger Marcius!--
Geh du, blas auf dem Marktplatz die Trompete
Und ruf der Stadt Beamte dort zusammen,
Da sie vernehmen unseren Willen.  Fort!

(Ab.)



Sechste Szene

In der Nhe von Cominius' Lager 
Cominius und sein Heer auf dem Rckzuge


Cominius.
Erfrischt euch, Freunde.  Gut gekmpft!  Wir hielten
Wie Rmer uns; nicht tollkhn dreist im Stehn,
Noch feig im Rckzug.  Auf mein Wort, ihr Krieger,
Der Angriff wird erneut.  Indem wir kmpften,
Erklang, vom Wind gefhrt, in Zwischenrumen
Der Freunde Schlachtruf.  O! ihr Gtter Roms!
Fhrt sie zum Ruhm und Sieg, so wie uns selbst
Da unsre Heere, lchelnd sich begegnend,
Euch dankbar Opfer bringen.

(Ein Bote tritt auf.)

Deine Botschaft?

Bote.
Die Mannschaft von Corioli brach aus
Und fiel den Marcius und den Lartius an.
Ich sah die Unsern zu den Schanzen fliehn,
Da eilt ich fort.

Cominius.
Mich dnkt, sprichst du auch wahr,
So sprichst du doch nicht gut.  Wie lang ist's her?

Bote.
Mehr als 'ne Stunde, Herr.

Cominius.
's ist keine Meil, wir hrten noch die Trommeln.
Wie--gingst du eine Stund auf diese Meile?
Und bringst so spt Bericht?

Bote.
Der Volsker Spher
Verfolgten mich, so lief ich einen Umweg
Von drei, vier Meilen; sonst bekamt Ihr, Herr,
Vor einer halben Stunde schon die Botschaft. 

(Marcius tritt auf.)

Cominius.
Doch, wer ist jener,
Der aussieht wie geschunden?  O! ihr Gtter!
Er trgt des Marcius Bildung, und schon sonst
Hab ich ihn so gesehn.

Marcius.
Komm ich zu spt?

Cominius.
Der Schfer unterscheidet nicht so gut
Schalmei und Donner, wie ich Marcius' Stimme
Von jedem schwchern Laut.

Marcius.
Komm ich zu spt?

Cominius.
Ja, wenn du nicht in fremdem Blut gekleidet,
Im eignen kommst.

Marcius.
O! lat mich Euch umschlingen:
Mit krftgen Armen, wie als Brutigam,
Mit freudgem Herzen, wie am Hochzeitstag,
Als Kerzen mir zu Bett geleuchtet.

Cominius.
O!
Mein Kriegsheld, wie geht's dem Titus Lartius?

Marcius.
Wie einem, der geschftig Urteil spricht,
Zum Tode den verdammt, den zur Verbannung,
Den frei lt, den beklagt, dem andern droht.
Er hlt Corioli im Namen Roms
So wie ein schmeichelnd Windspiel an der Leine,
Die er nach Willkr lst.

Cominius.
Wo ist der Sklav,
Der sprach, sie schlgen Euch zurck ins Lager?
Wo ist er?  Ruft ihn her.

Marcius.
Nein, lat ihn nur.
Die Wahrheit sprach er; doch die edlen Herrn,
Das niedre Volk (verdammt: fr sie Tribunen!),
Die Maus luft vor der Katze nicht, wie sie
Vor Schuften rannten, schlechter als sie selbst.

Cominius.
Wie aber drangt Ihr durch?

Marcius.
Ist zum Erzhlen Zeit?  Ich denke nicht--
Wo ist der Feind?  Seid Ihr des Feldes Herr?
Wo nicht, was ruht Ihr, bis Ihr's seid?

Cominius.
O Marcius!
Wir fochten mit Verlust und zogen uns
Zurck, den Vorteil zu ersphn.

Marcius.
Wie steht ihr Heer?  Wit Ihr, auf welcher Seite
Die beste Mannschaft ist?

Cominius.
Ich glaube, Marcius,
Im Vordertreffen kmpfen die Antiaten,
Ihr bestes Volk; Aufidius fhrt sie an,
Der ihrer Hoffnung Seel und Herz.

Marcius.
Ich bitt dich,
Bei jeder Schlacht, in der vereint wir fochten,
Bei dem vereint vergonen Blut, den Schwren,
Uns ewig treu zu lieben: stell mich grade
Vor die Antiaten und Aufidius hin;
Und sumt nicht lnger.  Nein, im Augenblick
Erflle Speer- und Schwertgetn die Luft,
Und proben wir die Stunde.

Cominius.
Wnscht ich gleich,
Du wrdest in ein laues Bad gefhrt,
Dir Balsam aufgelegt: doch wag ich nie
Dir etwas zu verweigern.  Whl dir selbst
Fr diesen Kampf die Besten.

Marcius.
Das sind nur
Die Willigsten.  Ist irgendeiner hier
(Und Snde wr's, zu zweifeln), dem die Schminke
Gefllt, mit der er hier mich sieht gemalt,
Der blen Ruf mehr frchtet als den Tod,
Und schn zu sterben whlt statt schlechten Lebens,
Sein Vaterland mehr als sich selber liebt:
Wer so gesinnt, ob einer oder viele,
Der schwing die Hand, um mir sein Ja zu sagen,
Und folge Marcius.  

(Alle jauchzen, schwingen die Schwerter, drngen sich um ihn 
und heben ihn auf ihren Armen empor.)  

Wie?  Alle eins?  Macht ihr ein Schwert aus mir?
Ist dies kein urer Schein, wer von euch allen
Ist nicht vier Volsker wert?  Ein jeder kann
Aufidius einen Schild entgegentragen,
So hart wie seiner.  Eine Anzahl nur,
Dank ich schon allen, whl ich: und den andern
Spar ich die Arbeit fr den nchsten Kampf,
Wie er sich bieten mag.  Voran, ihr Freunde!
Vier meiner Leute mgen die erwhlen,
Die mir am liebsten folgen.

Cominius.  Kommt, Gefhrten,
Beweist, da ihr nicht prahltet, und ihr sollt
Uns gleich in allem sein.

(Alle ab.)



Siebente Szene

Das Tor vor Corioli 
Titus Lartius, eine Besatzung in Corioli zurcklassend, 
geht dem Marcius und Cominius mit Trommeln und Trompeten 
entgegen, ihm folgt ein Anfhrer mit Kriegern


Titus.
Besetzt die Tore wohl, tut eure Pflicht,
Wie ich's euch vorschrieb.  Send ich, schickt zur Hilfe
Uns die Zenturien nach; der Rest gengt
Fr kurze Deckung.  Geht die Schlacht verloren,
So bleibt die Stadt uns doch nicht.

Anfhrer.
Traut auf uns.

Titus.
Fort! und verschlieet hinter uns die Tore.
Du, Bote, komm; fhr uns ins rmsche Lager.

(Alle ab.)



Achte Szene

Schlachtfeld Kriegsgeschrei, 
Marcius und Aufidius, die einander begegnen


Marcius.
Mit dir nur will ich kmpfen! denn dich ha ich
Mehr als den Meineid.

Aufidius.
Ja, so ha ich dich.
Mir ist kein Drache Afrikas so greulich
Und giftig wie dein Ruhm.  Setz deinen Fu.

Marcius.
Wer weicht, soll sterben als des andern Sklave,
Dann richten ihn die Gtter.

Aufidius.
Flieh ich, Marcius,
So hetz mich gleich dem Hasen.

Marcius.
Noch vor drei Stunden, Tullus,
Focht ich allein in Eurer Stadt Corioli
Und hauste ganz nach Willkr.  Nicht mein Blut
Hat so mich bertncht; drum spann die Kraft
Aufs hchste, dich zu rchen!

Aufidius.
Wrst du Hektor,
Die Geiel eurer prahlerischen Ahnen,
Du kamst mir nicht von hier.

(Sie fechten; einige Volsker kommen dem Aufidius zu Hilfe.)

Dienstwillig und nicht tapfer!  Ihr beschimpft mich
Durch so verhaten Beistand.

(Alle fechtend ab.)



Neunte Szene

Das rmische Lager 
Man blst zum Rckzug; Trompeten.  Von einer Seite tritt auf 
Cominius mit seinem Heer, von der andern Marcius, den Arm in 
der Binde, und andre Rmer


Cominius.
Erzhlt ich dir dein Werk des heutgen Tages,
Du glaubtest nicht dein Tun; doch will ich's melden,
Wo Senatoren Trn' und Lcheln mischen,
Wo die Patrizier horchen und erbeben,
Zuletzt bewundern; wo sich Fraun entsetzen
Und, froh erschreckt, mehr hren; wo der plumpe
Tribun, der, dem Plebejer gleich, dich hat,
Ausruft, dem eignen Groll zum Trotz: "Dank, Gtter,
Da unserm Rom ihr solche Helden schenktet!"
Doch kamst du nur zum Nachtisch dieses Festes,
Vorher schon voll gesttigt.  Titus Lartius kommt mit seinen Kriegern.

Titus.
O mein Feldherr!
Hier ist das Streitro, wir sind das Geschirr.
Httst du gesehn--

Marcius.
Still, bitt ich.  Meine Mutter,
Die einen Freibrief hat, ihr Blut zu preisen,
Krnkt mich, wenn sie mich rhmt.  Ich tat ja nur,
Was ihr: das ist, soviel ich kann, erregt,
Wie ihr es waret, fr mein Vaterland.
Wer heut den guten Willen nur erfllte,
Hat meine Taten berholt.

Cominius.
Nicht darfst du
Das Grab sein deines Werts.  Rom mu erkennen,
Wie kstlich sein Besitz.  Es wr ein Hehl,
rger als Raub, nicht minder als Verleumdung,
Zu decken deine Tat, von dem zu schweigen,
Was durch des Preises hchsten Flug erhoben,
Bescheiden noch sich zeigt.  Drum bitt ich dich,
Zum Zeichen, was du bist, und nicht als Lohn
Fr all dein Tun, la vor dem Heer mich reden.

Marcius.
Ich hab so Wunden hier und da, die schmerzt es,
Sich so erwhnt zu hren.

Cominius.
Geschh's nicht,
Der Undank mte sie zum Schwren bringen
Und bis zum Tod verpesten.  Von den Pferden
(Wir fingen viel und treffliche) und allen
Den Schtzen, in der Stadt, im Feld erbeutet,
Sei dir der zehnte Teil; ihn auszusuchen
Noch vor der allgemeinen Teilung, ganz
Nach deiner eignen Wahl.

Marcius.
Ich dank dir, Feldherr;
Doch strubt mein Herz sich, einen Lohn zu nehmen
Als Zahlung meines Schwerts.  Ich schlag es aus
Und will nur soviel aus gemeiner Teilung,
Wie alle, die nur ansahn, was geschah.  

(Ein langer Trompetensto.  Alle rufen "Marcius!  Marcius!", 
werfen Mtzen und Speere in die Hhe.)  

Da die Drommeten, die ihr so entweiht,
Nie wieder tnen!  Wenn Posaun und Trommel
Im Lager Schmeichler sind, mag Hof und Stadt
Ganz Lge sein und Gleisnerei.  Wird Stahl
Weich wie Schmarotzerseide, bleibe Erz
Kein Schirm im Kriege mehr!  Genug, sag ich.--
Weil ich die blutge Nase mir nicht wusch
Und einen Schwchling niederwarf, was mancher
Hier unbemerkt getan, schreit ihr mich aus
Mit bertriebnem, unverstndgem Zuruf,
Als sh ich gern mein kleines Selbst gefttert
Mit Lob, gewrzt durch Lgen.

Cominius.
Zu bescheiden!
Ihr seid mehr grausam eignem Ruhm, als dankbar
Uns, die ihn redlich spenden; drum erlaubt:
Wenn gegen Euch Ihr wtet, legen wir
(Wie einem, der sich schadet) Euch in Fesseln
Und sprechen sichrer dann.  Drum sei es kund
Wie uns der ganzen Welt, da Cajus Marcius
Des Krieges Kranz erwarb.  Und des zum Zeichen
Nehm er mein edles Ro, bekannt dem Lager,
Mit allem Schmuck; und hei er von heut an,
Fr das, was vor Corioli er tat,
Mit vollem Beifallsruf des ganzen Heeres:
Cajus Marcius Coriolanus.--Fhre
Den zugefgten Namen allzeit edel!

(Trompetensto.)

Alle.
Cajus Marcius Coriolanus!

Coriolanus.
Ich geh, um mich zu waschen;
Und ist mein Antlitz rein, so knnt Ihr sehn,
Ob ich errte.  Wie's auch sei, ich dank Euch--
Ich denk Eur Pferd zu reiten und allzeit
Mich wert des edlen Namensschmucks zu zeigen,
Nach meiner besten Kraft.

Cominius.
Nun zu den Zelten,
Wo, eh wir noch geruht, wir schreiben wollen
Nach Rom von unserm Glck.  Ihr, Titus Lartius,
Mt nach Corioli.  Schickt uns nach Rom
Die Besten, da wir dort mit ihnen handeln
Um ihr und unser Wohl.

Titus.
Ich tu es, Feldherr.

Coriolanus.
Die Gtter spotten mein.  Kaum schlug ich aus
Hchst frstliche Geschenk' und mu nun betteln
Bei meinem Feldherrn.

Cominius.
Was es sei: gewhrt.

Coriolanus.
Ich wohnt einmal hier in Corioli
Bei einem armen Mann, er war mir freundlich;
Er rief mich an: ich sah ihn als Gefangnen;
Doch da hatt ich Aufidius im Gesicht,
Und Wut besiegte Mitleid.  Gebt, ich bitt Euch,
Frei meinen armen Wirt.

Cominius.
O schne Bitte!
Wr er der Schlchter meines Sohns, er sollte
Frei sein, so wie der Wind.  Entlat ihn, Titus.

Titus.
Marcius, sein Nam?

Coriolanus.
Bei Jupiter!  Vergessen--
Ich bin erschpft.--Ja--mein Gedchtnis schwindet.
Ist hier nicht Wein?

Cominius.
Gehn wir zu unsern Zelten.
Das Blut auf Eurem Antlitz trocknet.  Schnell
Mt Ihr verbunden werden.  Kommt.

(Alle ab.)



Zehnte Szene

Das Lager der Volsker Trompetensto.  
Tullus Aufidius tritt auf, blutend, Zwei Krieger mit ihm


Aufidius.
Die Stadt ist eingenommen.

Erster Krieger.
Sie geben auf Bedingung sie zurck.

Aufidius.
Bedingung!--
Ich wollt, ich wr ein Rmer, denn als Volsker
Kann ich nicht sein das, was ich bin.--Bedingung!--
Was fr Bedingung kann wohl der erwarten,
Der sich auf Gnad ergab?  Marcius, fnfmal
Focht ich mit dir, so oft auch schlugst du mich,
Und wirst es, denk ich, trfen wir uns auch,
So oft wir speisen.--Bei den Elementen!
Wenn ich je wieder, Bart an Bart, ihm stehe,
Mu ich ihn ganz, mu er mich ganz vernichten;
Nicht mehr, wie sonst, ist ehrenvoll mein Neid;
Denn, dacht ich ihn mit gleicher Kraft zu tilgen
Ehrlich im Kampf, hau ich ihn jetzt, wie's kommt;
Wut oder List vernicht ihn.

Erster Krieger.
's ist der Teufel.

Aufidius.
Khner, doch nicht so schlau.  Vergiftet ist
Mein Mut, weil er von ihm den Flecken duldet,
Verleugnet eignen Wert.  Nicht Schlaf noch Tempel,
Ob nackt, ob krank; nicht Kapitol noch Altar,
Der Priester Beten, noch des Opfers Stunde,
Vor denen jede Wut sich legt, erheben
Ihr abgenutztes Vorrecht gegen mich
Und meinen Ha auf ihn.  Wo ich ihn finde,
Daheim, in meines Bruders Schutz, selbst da,
Dem gastlichen Gebot zuwider, wusch ich
Die wilde Hand in seinem Herzblut.  Geht--
Erforscht, wie man die Stadt bewahrt, und wer
Als Geisel mu nach Rom.

Erster Krieger.
Wollt Ihr nicht gehn?

Aufidius.
Man wartet meiner im Zypressenwald,
Sdwrts der Mhlen; dahin bringt mir Nachricht,
Wie die Welt geht, da ich nach ihrem Schritt
Ansporne meinen Lauf.

Erster Krieger.
Das will ich, Herr.

(Alle ab.)




Zweiter Aufzug 



Erste Szene

Rom, ein ffentlicher Platz 
Es treten auf Menenius, Sicinius und Brutus


Menenius.
Der Augur sagte mir, wir wrden heut Nachricht erhalten.

Brutus.
Gute oder schlimme?

Menenius.
Nicht nach dem Wunsch des Volks; denn sie lieben den Marcius nicht.

Sicinius.
Natur lehrt die Tiere selbst ihre Freunde kennen.

Menenius.
Sagt mir: Wen liebt der Wolf?

Sicinius.
Das Lamm.

Menenius.
Es zu verschlingen, wie die hungrigen Plebejer den edlen Marcius mchten.

Brutus.
Nun, der ist wahrhaftig ein Lamm, das wie ein Br blkt.

Menenius.
Er ist wahrhaftig ein Br, der wie ein Lamm lebt.--Ihr seid 
zwei alte Mnner: sagt mir nur eins, was ich euch fragen will.

Brutus.
Gut, Herr.

Menenius.
In welchem Unfug ist Marcius arm, in welchem ihr beide nicht reich seid?

Brutus.
Er ist nicht arm an irgendeinem Fehler, sondern mit allen ausgestattet.

Sicinius.
Vorzglich mit Stolz.

Brutus.
Und im Prahlen bertrifft er jeden andern.

Menenius.
Das ist doch seltsam!  Wit ihr beide wohl, wie ihr in der Stadt 
beurteilt werdet?  Ich meine, von uns, aus den hheren Stnden.  
Wit ihr?

Brutus.
Nun, wie werden wir denn beurteilt?

Menenius.
Weil ihr doch eben vom Stolz sprachet--wollt ihr nicht bse werden?

Brutus.
Nur weiter, Herr, weiter.

Menenius.
Nun, es ist auch gleichgltig; denn ein sehr kleiner Dieb von 
Gelegenheit raubt euch wohl einen sehr groen Vorrat von Geduld.  
Lat eurer Gemtsart den Zgel schieen und werdet bse, soviel 
ihr Lust habt; wenigstens, wenn es euch Vergngen macht, es zu sein.  
Ihr tadelt Marcius wegen seines Stolzes?

Brutus.
Wir tun es nicht allein, Herr.

Menenius.
Das wei ich wohl.  Ihr knnt sehr wenig allein tun; denn eurer Helfer 
sind viele, sonst wrden auch eure Taten auerordentlich einfltig 
herauskommen; eure Fhigkeiten sind allzu kindermig, um vieles 
allein zu tun.  Ihr sprecht von Stolz.--O! knntet ihr den Sack auf 
eurem Rcken sehn und eine glckliche berschau eures eignen edlen 
Selbst anstellen.--O! knntet ihr das!--

Brutus.
Und was dann?

Menenius.
Ei! dann entdecktet ihr ein paar so verdienstlose, stolze, gewaltsame, 
hartkpfige Magistratspersonen (alias Narren), als nur irgendwelche 
in Rom.

Sicinius.
Menenius, Ihr seid auch bekannt genug.

Menenius.
Ich bin bekannt als ein lustiger Patrizier und einer, der einen Becher 
heien Weins liebt, mit keinem Tropfen Tiberwasser gemischt.  Man sagt, 
ich sei etwas schwach darin, immer den ersten Klger zu begnstigen; 
hastig und entzndbar bei zu kleinen Veranlassungen; einer, der mit 
dem Hinterteil der Nacht mehr Verkehr hat als mit der Stirn des Morgens.  
Was ich denke, sag ich, und verbrauche meine Bosheit in meinem Atem.  
Wenn ich zwei solchen Staatsmnnern begegne, wie ihr seid 
(Lykurgusse kann ich euch nimmermehr nennen), und das Getrnk, das ihr 
mir bietet, meinem Gaumen widerwrtig schmeckt, so mache ich ein krauses 
Gesicht dazu.  Ich kann nicht sagen: "Euer Edlen haben die Sache sehr gut 
vorgetragen", wenn ich den Esel aus jedem eurer Worte herausgucken sehe;
und obwohl ich mit denen Geduld haben mu, welche sagen, ihr seid 
ehrwrdige, ernste Mnner, so lgen doch die ganz abscheulich, welche 
behaupten, ihr httet gute Gesichter.  Wenn ihr dies auf der Landkarte 
meines Mikrokosmus entdeckt, folgt daraus, da ich auch bekannt genug 
bin?  Welch Unheil lesen eure blinden Scharfsichtigkeiten aus diesem 
Charakter heraus, um sagen zu knnen, da ich auch bekannt genug bin?

Brutus.
Geht, Herr, geht!  Wir kennen Euch gut genug.

Menenius.
Ihr kennt weder mich, euch selbst, noch irgend etwas.  Ihr seid nach der 
armen Schelmen Mtzen und Kratzfen ehrgeizig.  Ihr bringt einen ganzen, 
ausgeschlagenen Vormittag damit zu, einen Zank zwischen einem 
Pomeranzenweibe und einem Kneipschenken abzuhren, und vertagt dann die 
Streitfrage ber drei Pfennig auf den nchsten Gerichtstag.  Wenn ihr das 
Verhr ber irgendeine Angelegenheit zwischen zwei Parteien habt, und es 
trifft sich, da ihr von der Kolik gezwickt werdet, so macht ihr Gesichter 
wie die Possenreier; steckt die blutige Fahne gegen alle Geduld auf und 
verlat, nach einem Nachttopf brllend, den Proze blutend, nur noch 
verwickelter durch euer Verhr.  Ihr stiftet keinen andern Frieden in dem 
Handel, als da ihr beide Parteien Schurken nennt.  Ihr seid ein paar 
seltsame Kreaturen!

Brutus.
Geht, geht! man wei recht gut von Euch, da Ihr ein berer Spamacher 
bei der Tafel seid als ein unentbehrlicher Beisitzer auf dem Kapitol.

Menenius.
Selbst unsre Priester mssen Sptter werden, wenn ihnen so lcherliche 
Geschpfe aufstoen wie ihr.  Wenn ihr auch am zweckmigsten sprecht, so 
ist es doch das Wackeln eurer Brte nicht wert; und fr eure Brte wre es 
ein zu ehrenvolles Grab, das Kissen eines Flickschneiders zu stopfen oder 
in eines Esels Packsattel eingesargt zu werden.  Und doch mt ihr sagen: 
"Marcius ist stolz!" der, billig gerechnet, mehr wert ist als alle eure 
Vorfahren seit Deukalion; wenn auch vielleicht einige der Besten von ihnen 
erbliche Henkersknechte waren.  Ich wnsch Euer Gnaden einen guten Abend; 
lngere Unterhaltung mit euch wrde mein Gehirn anstecken, denn ihr seid ja 
die Hirten des Plebejerviehes.  Ich bin so dreist, mich von euch zu beurlauben.  
Brutus und Sicinius ziehen sich in den Hintergrund zurck.
Volumnia, Virgilia und Valeria kommen.  Wie geht's, meine ebenso schnen als 
ehrenwerten Damen?  Luna selbst, wandelte sie auf Erden, wre nicht edler.  
Wohin folgt ihr euren Augen so schnell?

Volumnia.
Ehrenwerter Menenius, mein Sohn Marcius kommt.  Um der Juno willen, halt 
uns nicht auf.

Menenius.
Wie!  Marcius kommt zurck?

Volumnia.
Ja, teurer Menenius, und mit der herrlichsten Auszeichnung.

Menenius.
Da hast du meine Mtze, Jupiter, und meinen Dank.  Ha!  Marcius kommt!

Beide Frauen.
Ja, es ist wahr.

Volumnia.
Seht, hier ist ein Brief von ihm; der Senat hat auch einen, seine Frau einen, 
und ich glaube, zu Hause ist noch einer fr Euch.

Menenius.
Mein ganzes Haus mu heut nacht herumtanzen.  Ein Brief an mich?

Virgilia.
Ja, gewi, es ist ein Brief fr Euch da, ich habe ihn gesehn.

Menenius.
Ein Brief an mich!  Das macht mich fr sieben Jahre gesund; in der ganzen Zeit 
will ich dem Arzt ein Gesicht ziehen.  Das herrlichste Rezept im Galen ist nur 
Quacksalbsudelei und gegen dies Bewahrungsmittel nicht besser als ein 
Pferdetrank.  Ist er nicht verwundet?  Sonst pflegte er verwundet zurckzukommen.

Virgilia.
O! nein, nein, nein!

Volumnia.
O, er ist verwundet, ich danke den Gttern dafr.

Menenius.
Das tue ich auch, wenn es nicht zu arg ist.  Bringt er Sieg in der Tasche mit?
--Die Wunden stehn ihm gut.

Volumnia.
Auf der Stirn, Menenius.  Er kommt zum drittenmal mit dem Eichenkranz heim.

Menenius.
Hat er den Aufidius tchtig in die Lehre genommen?

Volumnia.
Titus Lartius schrieb: "Sie fochten miteinander, aber Aufidius entkam."

Menenius.
Und es war Zeit fr ihn, das kann ich ihm versichern.  Htte er ihm 
standgehalten, so htte ich nicht mgen so gefidiust werden fr alle Kisten 
in Corioli und das Gold, das in ihnen ist.  Ist das dem Senat gemeldet?

Volumnia.
Liebe Frauen, lat uns gehn.--Ja, ja, ja!--Der Senat hat Briefe vom 
Feldherrn, der meinem Sohn allein den Ruhm dieses Krieges zugesteht.  
Er hat in diesem Feldzuge alle seine frhern Taten bertroffen.

Valeria.
Gewi, es werden wunderbare Dinge von ihm erzhlt.

Menenius.
Wunderbar?  Ja, ich stehe Euch dafr, nicht ohne sein wahres Verdienst.

Virgilia.
Geben die Gtter, da sie wahr seien!

Volumnia.
Wahr!  Pah!

Menenius.
Wahr?  Ich schwre, da sie wahr sind.--Wo ist er verwundet?  
(Zu den Tribunen.)  Gott schtze Euer liebwertesten Gnaden, Marcius kommt 
nach Hause und hat nun noch mehr Ursach, stolz zu sein.--Wo ist er verwundet?

Volumnia.
In der Schulter und am linken Arm.  Das wird groe Narben geben, sie dem 
Volk zu zeigen, wenn er um seine Stelle sich bewirbt.  Als Tarquin 
zurckgeschlagen wurde, bekam er sieben Wunden an seinem Leib.

Menenius.
Eine im Nacken und zwei im Schenkel, es sind neun, soviel ich wei.

Volumnia.
Vor diesem letzten Feldzuge hatte er fnfundzwanzig Wunden.

Menenius.
Nun sind es siebenundzwanzig, und jeder Ri war eines Feindes Grab.  

(Trompeten und Freudengeschrei.)  

Hrt die Trompeten!

Volumnia.
Sie sind des Marcius Fhrer!  Vor sich trgt er
Gejauchz der Lust, lt Trnen hinter sich.
Der finstre Tod liegt ihm im nervgen Arm;
Erhebt er ihn, so strzt der Feinde Schwarm.  Trompeten.
Es treten auf Cominius und Titus Lartius, zwischen ihnen Coriolanus 
mit einem Eichenkranz geschmckt, Anfhrer, Krieger, ein Herold.

Herold.
Kund sei dir, Rom, da Marcius ganz allein
Focht in Corioli und mit Ruhm erwarb
Zu Cajus Marcius einen Namen: diesen
Folgt ruhmvoll: Cajus Marcius Coriolanus.
Gegrt in Rom, berhmter Coriolanus!  

(Trompeten.)

Alle.
Gegrt in Rom, berhmter Coriolanus!

Coriolanus.
Lat's nun genug sein, denn es krnkt mein Herz.
Genug, ich bitte!

Cominius.
Sieh, Freund, deine Mutter.

Coriolanus.
O!
Ich wei, zu allen Gttern flehtest du
Fr mein Gelingen.  

(Er kniet vor ihr nieder.)

Volumnia.
Nein; auf, mein wackrer Krieger,
Mein edler Marcius, wrdger Cajus, und
Durch taterkaufte Ehren neu benannt;
Wie war's doch?  Coriolan mu ich dich nennen?
Doch sieh, dein Weib.

Coriolanus.
Mein lieblich Schweigen, Heil!
Httst du gelacht, km auf der Bahr ich heim,
Da weinend meinen Sieg du schaust?  O, Liebe!
So in Corioli sind der Witwen Augen,
Der Mtter, Shne klagend.

Menenius.
Die Gtter krnen dich!

Coriolanus.
Ei, lebst du noch?  (Zu Valeria.)  O! edle Frau, verzeiht!

Volumnia.
Wohin nur wend ich mich?  Willkommen heim!
Willkommen, Feldherr!  Alle sind willkommen!

Menenius.
Willkommen tausendmal.  Ich knnte weinen
Und lachen; ich bin leicht und schwer.  Willkommen!
Es treff ein Fluch im tiefsten Herzen den,
Der nicht mit Freuden dich erblickt.  Euch drei
Sollt Rom vergttern.--Doch, auf Treu und Glauben,
Holzpfel, alte, stehn noch hier, die niemals
Durch Pfropfen sich veredeln.  Heil euch, Krieger!
Die Nessel nennen wir nur Nessel, und
Der Narren Fehler Narrheit.

Cominius.
Stets der Alte!

Coriolanus.
Immer Menenius, immer.

Herold.
Platz da!  Weiter!

Coriolanus (zu Frau und Mutter).
Deine Hand, und deine,
Eh noch mein eignes Haus mein Haupt beschattet,
Besuch ich erst die trefflichen Patrizier,
Von denen ich nicht Gre nur empfing,
Auch mannigfache Ehren.

Volumnia.
Ich erlebt es,
Erfllt zu sehn den allerhchsten Wunsch,
Den khnsten Bau der Einbildung.  Nur eins
Fehlt noch, und das, ich zweifle nicht,
Wird unser Rom dir schenken.

Coriolanus.
Gute Mutter,
Ich bin auf meine Art ihr Sklave lieber,
Als auf die ihrige mit ihnen Herrscher.

Cominius.
Zum Kapitol.  

(Trompeten, Hrner.  Sie gehn alle im feierlichen 
Zuge ab, wie sie kamen.  Die Tribunen bleiben.)

Brutus.
Von ihm spricht jeder Mund; das blde Auge
Trgt Brillen, ihn zu sehn.  Die Amme, schwatzend
Lt ihren Sugling sich in Krmpfe schrein,
Von ihm herplappernd.  Seht, die Kchenmagd
Knpft um den rauchgen Hals ihr bestes Leinen,
Die Wand erkletternd; Buden, Bnk und Fenster
Gefllt; das Dach besetzt, der First beritten
Mit vielerlei Gestaltung: alle einig
In Gier, nur ihn zu schaun.  Es drngen sich
Fast nie gesehne Priester durch den Schwarm
Und stoen, um beim Pbel Platz zu finden;
Verhllte Fraun ergeben Wei und Rot
Auf zartgeschonter Wang dem wilden Raub
Von Phbus' Feuerkssen.  Solch ein Wirrwarr,
Als wenn ein fremder Gott, der mit ihm ist,
Sich still in seine Menschenform geschlichen
Und ihm der Anmut Zauber mitgeteilt.

Sicinius.
Im Umsehn, glaub mir, wird er Konsul sein.

Brutus.
Dann schlafe unser Amt, solang er herrscht.

Sicinius.
Er kann nicht mgen Schritts die Wrden tragen
Vom Anfang bis zum Ziel; er wird vielmehr
Verlieren den Gewinn.

Brutus.
Das ist noch Trost.

Sicinius.
O, zweifelt nicht: das Volk, fr das wir stehn,
Vergit, nach angebornen Bosheit, leicht
Auf kleinsten Anla diesen neuen Glanz;
Und da er Anla gibt, ist so gewi,
Als ihn sein Hochmut spornt.

Brutus.
Ich hrt ihn schwren,
Wrb er um's Konsulat, so wollt er nicht
Erscheinen auf dem Marktplatz, noch sich hllen
Ins abgetragne, schlichte Kleid der Demut;
Noch, wie die Sitt ist, seine Wunden zeigend
Dem Volk, um ihren beln Atem betteln.

Sicinius.
Gut!

Brutus.
So war sein Wort.  Eh gibt er's auf, als da
Er's nimmt, wenn nicht der Adel ganz allein
Es durchsetzt mit den Vtern.

Sicinius.
Hchst erwnscht!
Bleib er nur bei dem Vorsatz und erfll ihn,
Kommt's zur Entscheidung.

Brutus.
Glaubt's, er wird es tun.

Sicinius.
Dann bringt es ihm, wie's unser Vorteil heischt,
Den sichern Untergang.

Brutus.
Der mu erfolgen,
Sonst fallen wir.  Zu diesem Endzweck denn
Bereden wir das Volk, da er sie stets
Gehat; und, htt er Macht, zu Eseln sie
Umschafft', verstummen hiee ihre Sprecher
Und ihre Freiheit brche, schtze sie,
In Fhigkeit des Geists und Kraft zu handeln,
Von nicht mehr Seel und Nutzen fr die Welt
Als das Kamel im Krieg, das nur sein Futter
Erhlt, um Last zu tragen; herbe Schlge,
Wenn's unter ihr erliegt.

Sicinius.
Dies eingeblasen,
Wenn seine Frechheit einst im hchsten Flug
Das Volk erreicht (woran's nicht fehlen wird,
Bringt man ihn auf, und das ist leichter noch
Als Hund auf Schafe hetzen), wird zur Glut,
Ihr drr Gestrpp zu znden, dessen Dampf
Ihn schwrzen wird auf ewig.  

(Ein Bote tritt auf.)

Brutus.
Nun, was gibt's?

Bote.
Ihr seid aufs Kapitol geladen.  Sicher
Glaubt man, da Marcius Konsul wird.  Ich sah
Die Stummen drngen, ihn zu sehn, die Blinden,
Ihn zu vernehmen, Frauen warfen Handschuh',
Jungfraun und Mdchen Bnder hin und Tcher,
Wo er vorbeiging; die Patrizier neigten
Wie vor des Jovis Bild.  Das Volk erregte
Mit Schrein und Mtzenwerfen Donnerschauer.
So etwas sah ich nie.

Brutus.
Zum Kapitol!
Habt Ohr und Auge, wie's die Zeit erheischt,
Und Herz fr die Entscheidung--

Sicinius.
Nehmt mich mit.

(Alle ab.)



Zweite Szene

Das Kapitol 
Zwei Ratsdiener welche Polster legen


Erster Ratsdiener.
Komm, komm.  Sie werden gleich hier sein.  Wie viele werben 
um das Konsulat?

Zweiter Ratsdiener.
Drei, heit es; aber jedermann glaubt, da Coriolanus es 
erhalten wird.

Erster Ratsdiener.
Das ist ein wackrer Gesell; aber er ist verzweifelt stolz 
und liebt das gemeine Volk nicht.

Zweiter Ratsdiener.
Ei! es hat viele groe Mnner gegeben, die dem Volk schmeichelten 
und es doch nicht liebten.  Und es gibt manche, die das Volk geliebt 
hat, ohne zu wissen, warum?  Also, wenn sie lieben, so wissen sie 
nicht, weshalb, und sie hassen aus keinem besseren Grunde; darum, 
weil es den Coriolanus nicht kmmert, ob sie ihn lieben oder hassen, 
beweist er die richtige Einsicht, die er von ihrer Gemtsart hat; 
und seine edle Sorglosigkeit zeigt ihnen dies deutlich.

Erster Ratsdiener.
Wenn er sich nicht darum kmmerte, ob sie ihn lieben oder nicht, 
so wrde er sich unparteiisch in der Mitte halten und ihnen weder 
Gutes noch Bses tun; aber er sucht ihren Ha mit grerm Eifer, 
als sie ihm erwidern knnen, und unterlt nichts, was ihn vollstndig 
als ihren Gegner zeigt.  Nun, sich die Miene geben, da man nach dem 
Ha und dem Mivergngen des Volkes strebt, ist so schlecht, wie das, 
was er verschmht: ihnen um ihrer Liebe willen zu schmeicheln.

Zweiter Ratsdiener.
Er hat sich um sein Vaterland sehr verdient gemacht.  Und sein Aufsteigen 
ist nicht auf so bequemen Staffeln wie jener, welche geschmeidig und 
hflich gegen das Volk, mit geschwenkten Mtzen, ohne weitre Tat, 
Achtung und Ruhm eingingen.  Er aber hat seine Verdienste ihren Augen 
und seine Taten ihren Herzen so eingepflanzt, da wenn ihre Zungen 
schweigen wollten und dies nicht eingestehn, es eine Art von undankbarer 
Beschimpfung sein wrde; es zu leugnen, wre eine Bosheit, die, indem 
sie sich selbst Lgen strafte, von jedem Ohr, das sie hrte, Vorwurf und 
Tadel erzwingen mte.

Erster Ratsdiener.
Nichts mehr von ihm, er ist ein wrdiger Mann.  Mach Platz, sie kommen.  
Trompeten.  Es treten auf der Konsul Cominius, dem die Liktoren vorausgehen, 
Menenius, Coriolanus, mehrere Senatoren, Sicinius und Brutus.  Senatoren 
und Tribunen nehmen ihre Pltze.

Menenius.
Da ein Beschlu gefat, der Volsker wegen,
Und wir den Titus Lartius heimberufen,
Bleibt noch als Hauptpunkt dieser zweiten Sitzung,
Des Helden edlen Dienst zu lohnen, der
So fr sein Vaterland gekmpft.--Geruht dann,
Ehrwrdge, ernste Vter, und erlaubt
Ihm, der jetzt Konsul ist und Feldherr war
In unserm wohlbeschlonen Krieg, ein wenig
Zu sagen von dem edlen Werk, vollfhrt
Durch Cajus Marcius Coriolanus, der
Hier mit uns ist, um dankbar ihn zu gren
Durch Ehre, seiner wert.

Erster Senator.  Cominius, sprich.
La, als zu lang, nichts aus.  Wir glauben eh',
Da unserm Staat die Macht zu lohnen fehlt,
Als uns der weitste Wille.  Volksvertreter,
Wir bitten euer freundlich Ohr und dann
Eur gnstig Frwort beim gemeinen Volk,
Da gelte, was wir wnschen.

Sicinius.
Wir sind hier
Zu freundlichem Vergleiche; unsre Herzen
Nicht abgeneigt zu ehren, zu befrdern
Ihn, der uns hier versammelt.

Brutus.
Um so lieber
Tun wir dies freudgen Muts, gedenkt er auch
Des Volks mit berem Sinn, als er bisher
Es hat geschtzt.

Menenius.
Das pat nicht, pat hier nicht.
Ihr httet lieber schweigen sollen.  Gefllt's euch,
Cominius anzuhren?

Brutus.
Herzlich gern.
Doch war mein Warnen besser hier am Platz
Als der Verweis.

Menenius.
Er liebt ja euer Volk;
Doch zwingt ihn nicht, ihr Schlafgesell zu sein.
Edler Cominius, spricht

(Coriolanus steht auf und will gehn.)

Nein, bleib nur sitzen.

Erster Senator.
Bleib, Coriolanus, schm dich nicht, zu hren,
Was edel du getan.

Coriolanus.
Verzeiht mir, Vter,
Eh will ich noch einmal die Wunden heilen,
Als hren, wie ich dazu kam.

Brutus.
Ich hoffe,
Mein Wort vertrieb Euch nicht.

Coriolanus.
O nein! doch oft
Hielt ich den Streichen stand und floh vor Worten.
Nicht schmeichelt und drum krnkt Ihr nicht.  Eur Volk,
Das lieb ich nach Verdienst.

Menenius.
Setzt Euch.

Coriolanus.
Eh lie ich
Im warmen Sonnenschein den Kopf mir kratzen,
Wenn man zum Angriff blst, als, mig sitzend,
Mein Nichts zum Fabelwerk vergrert hren.  

(Geht ab.)

Menenius.
Volksvertreter!
Wie knnt er euer scheckgen Brut' wohl schmeicheln,
Wo einer gut im Tausend?  wenn ihr seht,
Er wagt eh alle Glieder fr den Ruhm,
Als eins von seinen Ohren, ihn zu hren?
Cominius, fahre fort.

Cominius.
Mir fehlt's an Stimme.  Coriolanus' Taten
Soll man nicht schwach verknden.  Wie man sagt,
Ist Mut die erste Tugend und erhebt
Zumeist den Eigner; ist es so, dann wiegt
Den Mann, von dem ich sprech, in aller Welt
Kein andrer auf.  Mit sechzehn Jahren schon,
Da, als Tarquin Rom berzog, da focht er
Voraus den Besten.  Der Diktator, hoch
Und gro gepriesen stets, sah seinen Kampf;
Wie mit dem Kinn der Amazon er jagte
Die brtgen Lippen; zog aus dem Gedrnge
Den hingestrzten Rmer; schlug drei Feinde
Im Angesicht des Konsuls; traf Tarquin
Und strzt' ihn auf das Knie.  An jenem Tag,
Als er ein Weib konnt auf der Bhne spielen,
Zeigt' er sich ganz als Mann im Kampf; zum Lohn
Ward ihm der Eichenkranz.  Sein zartes Alter
Gereift zum Manne, wuchs er, gleich dem Meer,
Und seit der Zeit, im Sturm von siebzehn Schlachten,
Streift' er den Kranz von jedem Schwert.  Sein Letztes,
Erst vor, dann in Corioli, ist so,
Da jedes Lob verarmt.  Die Fliehnden hemmt' er,
Und durch sein hohes Beispiel ward dem Feigsten
Zum Spiel das Schrecknis.  So wie Binsen tauchen
Dem Schiff im Segeln, wichen ihm die Menschen
Und schwanden seinem Streich.  Sein Schwert, Todstempel,
Schnitt, wo es fiel, von Haupt zu Fen nieder.
Vernichtung war er; jeglicher Bewegung
Hallt Sterbercheln nach.  Allein betrat er
Das Todestor der Stadt, das er bemalt
Mit unentrinnbarm Weh, und ohne Beistand
Entkommt er, trifft mit pltzlicher Verstrkung
Die Stadt, wie 'n Meteor; und sein ist alles,
Da pltzlich weckt ihm Schlachtgetse rufend
Den wachen Sinn, und schnell den Mut verdoppelnd
Belebt sich frisch sein arbeitmder Leib:
Er strzt in neuen Kampf und schreitet nun
Blutdampfend ber Menschenleben hin,
Als folg ihm Mord und Tod.  Und bis wir Stadt
Und Schlachtfeld unser nannten, ruht' er nicht,
Um Atem nur zu schpfen.

Menenius.
Wrdger Mann!

Erster Senator.
Im vollsten Ma ist er der Ehre wert,
Die seiner harrt.

Cominius.
Die Beute stie er weg.
Kostbare Dinge sah er an, als wr's
Gemeiner Staub und Kehricht; wen'ger nimmt er,
Als selbst der Geiz ihm gbe.  Ihm ist Lohn
Fr Grotat, sie zu tun.  Zufrieden ist er,
Sein Leben so zu opfern ohne Zweck.

Menenius.
Er ist von wahrem Adel.  Ruft ihn her.

Erster Senator.
Ruft Coriolanus.

Erster Ratsdiener.
Er tritt schon herein.  Coriolanus kommt zurck.

Menenius.
Mt Freud ernennt dich, Coriolan, zum Konsul
Der smtliche Senat.

Coriolanus.
Stets weih ich ihm
Mein Leben, meinen Dienst.

Menenius.
Jetzt bleibt nur noch,
Da du das Volk anredest.

Coriolanus.
Ich ersuch euch,
Erlat mir diesen Brauch; denn ich kann nicht
Das Kleid antun, entblt stehn und sie bitten,
Um ihre Stimmen, meiner Wunden wegen.
Erlaubt, die Sitte zu umgehn.

Sicinius.
Das Volk, Herr,
Mu Euer Werben haben, lt nicht fahren
Den kleinsten Punkt des Herkomms.

Menenius.
Reizt es nicht.
Nein, bitte! fgt Euch dem Gebrauch und nehmt,
Wie es bisher die Konsuln all getan,
Die Wrd in ihrer Form.

Coriolanus.
's ist eine Rolle,
Die ich errtend spiel; auch wr es gut,
Dem Volke dies zu nehmen.

Brutus.
Hrt ihr das?

Coriolanus.
Vor ihnen prahlen: dies tat ich und das;
Geheilte Schmarren zeigen, die ich bergen sollte,
Als htt ich sie um ihres Atems Lohn
Allein bekommen.--

Menenius.
Nein, du mut dich fgen.
Ihr Volkstribunen, euch empfehlen wir:
Macht den Entschlu bekannt.  Dem edlen Konsul
Sei alle Freud und Ehre!

Senatoren.
Den Coriolanus krne Freud und Ehre!  

(Trompeten.  Die Senatoren gehn.)

Brutus.
Ihr seht, wie er das Volk behandeln will.

Sicinius.
Wenn sie's nur merkten.  Er wird sie ersuchen,
Als wie zum Hohn, da er von ihnen bittet,
Was sie gewhren mssen.

Brutus.
Doch sogleich
Erfahren sie, was hier geschah.  Ich wei,
Sie warten unser auf dem Markt.

(Sie gehn ab.)



Dritte Szene

Das Forum 
Mehrere Brger treten auf


Erster Brger.
Ein und fr allemal: wenn er unsre Stimmen verlangt, knnen 
wir sie ihm nicht abschlagen.

Zweiter Brger.
Wir knnen, Freund, wenn wir wollen.

Dritter Brger.
Wir haben freilich die Gewalt; aber es ist eine Gewalt, die wir 
nicht Gewalt haben, zu gebrauchen.  Denn wenn er uns seine Wunden 
zeigt und seine Taten erzhlt, so mssen wir unsre Zungen in diese 
Wunden legen und fr ihn sprechen; ebenso, wenn er uns seine edlen 
Taten mitteilt, so mssen wir ihm unsre edle Anerkennung derselben 
mitteilen.  Undankbarkeit ist ungeheuer; wenn die Menge nun undankbar 
wre, das hiee, aus der Menge ein Ungeheuer machen; wir, die wir 
Glieder derselben sind, wrden ja dadurch Ungeheuerglieder werden.

Erster Brger.
Und es fehlt wenig, da wir fr nichts besser gehalten werden; 
denn dazumal, als wir wegen des Korns einen Aufstand machten, 
scheute er sich nicht, uns die vielkpfige Menge zu nennen.

Dritter Brger.
So hat uns schon mancher genannt.  Nicht, weil von unsern Kpfen 
einige braun, einige schwarz, einige scheckig und einige kahl sind, 
sondern weil unser Witz so vielfarbig ist; und das glaube ich 
wahrhaftig, auch wenn alle unsre Witze aus einem und demselben 
Schdel herausgelassen wrden, so flgen sie nach Ost, West, Nord 
und Sd; und verstndigten sie sich, einen graden Weg zu suchen, so 
wrden sie zugleich auf allen Punkten des Kompasses sein.

Zweiter Brger.
Glaubst du das?  Wohin, denkst du, wrde dann mein Witz fliegen?

Dritter Brger.
O! dein Witz kann nicht so schnell heraus, als der von andern Leuten; 
denn er ist zu fest in einen Klotzkopf eingekeilt; aber wenn er seine 
Freiheit htte, so wrde er gewi sdwrts fliegen.

Zweiter Brger.
Warum dahin?

Dritter Brger.
Um sich in einem Nebel zu verlieren; wren nun drei Viertel davon in 
faulem Dunst weggeschmolzen, so wrde der letzte Teil aus 
Gewissenhaftigkeit zurckkommen, um dir zu einer Frau zu verhelfen.

Zweiter Brger.
Du hast immer deine Schwnke im Kopf.  Schon gut, schon gut!

Dritter Brger.
Seid ihr alle entschlossen, eure Stimmen zu geben?  Aber das macht 
nichts; die grere Zahl setzt es durch.  Ich bleibe dabei: wenn er 
dem Volke geneigter wre, so gab es nie einen bessern Mann.

(Coriolanus und Menenius treten auf.)

Hier kommt er! und zwar in dem Gewand der Demut.  Gebt acht auf sein 
Betragen.--Wir mssen nicht so beisammen bleiben, sondern zu ihm gehn, 
wo er steht, einzeln oder zu zweien und dreien.  Er mu jedem besonders 
eine Bitte vortragen, dadurch erlangt der einzelne die Ehre, ihm seine 
eigne Stimme mit seiner eignen Zunge zu geben.  Darum folgt mir, und ich 
will euch anweisen, wie ihr zu ihm gehn sollt.

Alle.
Recht so, recht so!  

(Sie gehn ab.)

Menenius.
Nein, Freund, Ihr habt nicht recht.  Wit Ihr denn nicht,
Die grten Mnner taten's.

Coriolanus.
Was nur sag ich?
Ich bitte!--Herr.--Verdammt! ich kann die Zunge
In diesen Gang nicht bringen.  Seht die Wunden--
Im Dienst des Vaterlands empfing ich sie,
Als ein'ge Euer Brder brllend liefen
Vor unsern eignen Trommeln.

Menenius.
Nein.--Ihr Gtter!
Nicht davon mt Ihr reden.  Nein, sie bitten,
An Euch zu denken.

Coriolanus.
An mich denken!  Hngt sie!
Vergen sie mich lieber, wie die Tugend,
Umsonst von Priestern eingeschrft.

Menenius.
Ich bitte!
Verderbt nicht alles, sprecht sie an; doch, bitt ich,
Anstndger Weis.  Es kommen zwei Brger.

Coriolanus.
Heit ihr Gesicht sie waschen
Und ihre Zhne reinigen.  Ach! da kommt so'n Paar!
Ihr wit den Grund, weshalb ich hier bin, Freund.

Erster Brger.
Jawohl; doch sagt, was Euch dazu gebracht?

Coriolanus.
Mein eigner Wert.

Zweiter Brger.
Euer eigner Wert?

Coriolanus.
Ja, Nicht
Mein eigner Wunsch.

Erster Brger.
Wie?  Nicht Euer eigner Wunsch?

Coriolanus.
Nein, Freund! nie war's mein eigner Wunsch, mit Betteln
Den Armen zu belstigen.

Erster Brger.
Ihr mt denken,
Wenn wir Euch etwas geben, ist's in Hoffnung,
Durch Euch auch zu gewinnen.

Coriolanus.
Gut, sagt mir den Preis des Konsulats.

Erster Brger.
Der Preis ist: freundlich drum zu bitten.

Coriolanus.
Freundlich?
Ich bitte, gnnt mir's.  Wunden kann ich zeigen,
Wenn wir allein sind--Eure Stimme, Herr!
Was sagt Ihr?

Zweiter Brger.
Wrdger Mann, Ihr sollt sie haben.

Coriolanus.
Geschloner Kauf!
Zwei edle Stimmen also schon erbettelt.
Eur Almosen hab ich!--Geht!

Erster Brger.
Doch das ist seltsam.

Zweiter Brger.
Mt ich sie nochmals geben--doch--meinthalb.  

(Sie gehn ab.)

Zwei andere Brger kommen.

Coriolanus.
Ich bitt euch nun, wenn sich's zu dem Tone eurer Stimmen pat, 
da ich Konsul werde; ich habe hier den blichen Rock an.

Dritter Brger.
Ihr habt Euch edel um Euer Vaterland verdient gemacht und habt 
Euch auch nicht edel verdient gemacht.

Coriolanus.
Euer Rtsel?

Dritter Brger.
Ihr waret eine Geiel fr seine Feinde; Ihr waret eine Rute fr 
seine Freunde.  Ihr habt, die Wahrheit zu sagen, das gemeine Volk 
nicht geliebt.

Coriolanus.
Ihr solltet mich fr um so tugendhafter halten, da ich meine Liebe 
nicht gemein gemacht habe.  Freund, ich will meinem geschwornen Bruder, 
dem Volk, schmeicheln, um eine bere Meinung von ihm zu ernten: es 
ist ja eine Eigenschaft, die sie hoch anrechnen.  Und da der Weisheit 
ihrer Wahl mein Hut lieber ist als mein Herz, so will ich mich auf 
die einschmeichelnde Verbeugung ben und mich mit ihnen abfinden auf 
ganz nachffende Art.  Das heit, Freund, ich will die Bezauberungsknste 
irgendeines Volksfreundes nachffen und den Verlangenden hchst 
freigebig mitteilen.  Deshalb bitt ich euch: lat mich Konsul werden.

Vierter Brger.
Wir hoffen, uns in Euch einen Freund zu erwerben, und geben Euch darum 
unsre Stimmen herzlich gern.

Dritter Brger.
Ihr habt auch mehrere Wunden fr das Vaterland empfangen.

Coriolanus.
Ich will eure Kenntnis nicht dadurch besiegeln, da ich sie euch zeige.  
Ich will eure Stimmen sehr hoch schtzen und euch nun nicht lnger zur 
Last fallen.

Beide Brger.
Die Gtter geben Euch Freude: das wnschen wir aufrichtig.  

(Die Brger gehn ab.)

Coriolanus.
O se Stimmen!
Lieber verhungert, lieber gleich gestorben,
Als Lohn erbetteln, den wir schon erworben.
Warum soll hier im Narrenkleid ich stehn,
Um Hinz und Kunz und jeden anzuflehn
Um nutzlos Frwort?  Weil's der Brauch verfgt.
Doch wenn sich alles vor Gebruchen schmiegt,
Wird nie der Staub des Alters abgestreift,
Berghoher Irrtum wird so aufgehuft,
Da Wahrheit nie ihn berragt.  Eh zahm,
Noch Narr ich bin, sei aller Ehrenkram
Dem, den's gelstet.--Halb ist's schon geschehn,
Viel berstanden, mag's nun weitergehn.

(Drei andre Brger kommen.)

Mehr Stimmen noch!--
Eure Stimmen! denn fr eure Stimmen focht ich,
Fr eure Stimmen wacht ich, fr eure Stimmen
Hab ich zwei Dutzend Narben; achtzehn Schlachten
Hab ich gesehn, gehrt; fr eure Stimmen
Getan sehr vieles, minder, mehr.  Eure Stimmen!
Gewi, gern wr ich Konsul.

Fnfter Brger.
Er hat edel gehandelt, und kein redlicher Mann kann ihm seine 
Stimme versagen.

Sechster Brger.
Darum lat ihn Konsul werden.  Die Gtter verleihen ihm Glck 
und machen ihn zum Freund des Volkes.

Alle.
Amen!  Amen!
Gott schtz dich, edler Konsul!

Coriolanus.
Wrdge Stimmen! 

(Die Brger gehn ab.)

Menenius, Sicinius und Brutus treten auf.

Menenius.
Ihr gngtet jetzt der Vorschrift.  Die Tribunen
Erhhen Euch durch Volkesstimm, es bleibt nur,
Da im Gewand der Wrde Ihr alsbald
Nun den Senat besucht.

Coriolanus.
Ist dies nun aus?

Sicinius.
Gengt habt Ihr dem Brauche des Ersuchens,
Das Volk besttigt Euch, Ihr seid geladen
Zur Sitzung, um ernannt sogleich zu werden.

Coriolanus.
Wo?  Im Senat?

Sicinius.
Ja, Coriolanus, dort.

Coriolanus.
Darf ich die Kleider wechseln?

Sicinius.
Ja, Ihr drft es.

Coriolanus.
Das will ich gleich; und kenn ich selbst mich wieder,
Mich zum Senat verfgen.

Menenius.
Ich geh mit Euch.  Wollt ihr uns nicht begleiten?

Brutus.
Wir harren hier des Volks.

Sicinius.
Gehabt euch wohl!

(Coriolan und Menenius gehn ab.)

Er hat's nun, und, mich dnkt, sein Blick verriet,
Wie's ihm am Herzen liegt.

Brutus.
Mit stolzem Herzen trug er
Der Demut Kleid.  Wollt Ihr das Volk entlassen?  Die Brger 
kommen zurck.

Sicinius.
Nun, Freunde, habt ihr diesen Mann erwhlt?

Erster Brger.
Ja, unsre Stimmen hat er.

Brutus.
Die Gtter machen wert ihn eurer Liebe.

Zweiter Brger.
Amen!  Nach meiner armen, schwachen Einsicht
Verlacht' er uns, um unsre Stimmen bittend.

Dritter Brger.
Gewi, er hhnt' uns gradezu.

Erster Brger.
Nein, das ist seine Art; er hhnt' uns nicht.

Zweiter Brger.
Du bist der einzge, welcher sagt, er habe
Uns schmhlich nicht behandelt; zeigen sollt er
Die Ehrenmal', frs Vaterland die Wunden.

Sicinius.
Nun, und das tat er doch?

Mehrere Brger.
Nein, keiner sah sie.

Dritter Brger.
Er habe Wunden, insgeheim zu zeigen,
Sprach er, uns so den Hut verchtlich schwenkend:
Ich mchte Konsul sein;--doch, alter Brauch
Erlaubt es nicht, als nur durch eure Stimmen.
Drum eure Stimmen!--Als wir eingewilligt,
Da hie es: Dank fr eure Stimmen, dank euch!
O se Stimmen! nun ihr gabt die Stimmen,
Str ich euch lnger nicht.--War das kein Hohn?

Sicinius.
Ihr waret blde, scheint's, dies nicht zu sehn;
Und, saht ihr's, allzu kindisch, freundlich doch
Die Stimmen ihm zu leihn.

Brutus.
Was?  Spracht ihr nicht
Nach Anweisung?  Als er noch ohne Macht
Und nur des Vaterlands geringer Diener,
Da war er euer Feind, sprach stets der Freiheit
Entgegen und den Rechten, die ihr habt
Im Krper unsers Staats; und nun erhoben
Zu mchtgem Einflu und Regierung selbst--
Wenn er auch da mit bsem Sinn verharrt,
Feind der Plebejer, knnten eure Stimmen
Zum Fluch euch werden.  Konntet ihr nicht sagen:
Gebhr auch seinem edlen Tun nichts mindres,
Als was er suche, mg er doch mit Huld,
Zum Lohn fr eure Stimmen, euer denken,
Verwandelnd seinen Ha fr euch in Liebe,
Euch Freund und Gnner sein?

Sicinius.
Spracht ihr nun so,
Wie man euch riet, so ward sein Geist erregt,
Sein Sinn geprft; so ward ihm abgelockt
Ein gtiges Versprechen, woran ihr,
Wenn Ursach sich ergab, ihn mahnen konntet.
Wo nicht, so ward sein trotzig Herz erbittert,
Das keinem Punkt sich leicht bequemt, der irgend
Ihn binden kann; so, wenn in Wut gebracht,
Nahmt ihr den Vorteil seines Zornes wahr,
Und er blieb unerwhlt.

Brutus.
Bemerktet ihr,
Wie er euch frech verhhnt', indem er bat,
Da eure Lieb er brauchte?  Wie--und glaubt ihr,
Es wird euch nicht sein Hohn zermalmend treffen,
Wenn ihm die Macht wird?  War in all den Krpern
Denn nicht ein Herz?  Habt ihr nur deshalb Zungen,
Weisheit, Vernunft zu berschrein?

Sicinius.
Habt ihr
Nicht Bitten sonst versagt?  und jetzo ihm,
Der euch nicht bat, nein, hhnte, wollt ihr schenken
Die Stimmen, die sonst jeder ehrt?

Dritter Brger.
Noch ward er nicht ernannt, wir knnen's weigern.

Zweiter Brger.
Und wollen's weigern.
Fnfhundert Stimmen schaff ich von dem Klang.

Erster Brger.
Ich dopple das und ihre Freund' als Zutat.

Brutus.
So macht euch eilig fort.  Sagt diesen Freunden,
Sie whlen einen Konsul, der der Freiheit
Sie wird berauben, uns so stimmlos machen
Wie Hunde, die man fr ihr Klffen schlgt
Und doch zum Klffen hlt.

Sicinius.
Versammelt sie
Und widerruft, nach reiferm Urteil, alle
Die rasche Wahl.  An seinen Stolz erinnert,
An seinen alten Groll auf euch.  Verget nicht,
Wie er mit Hoffart trug der Demut Kleid,
Wie flehend er euch hhnt'.  Nur eure Liebe,
Gedenkend seiner Dienste, hindert' euch,
Zu sehn, wie sein Benehmen jetzt erschien,
Das achtungslos und spttisch er gestaltet
Nach eingefleischtem Ha.

Brutus.
Legt alle Schuld
Uns, den Tribunen, bei und sprecht: wir drngten
Euch, keines Einwurfs achtend, so, da ihr
Ihn whlen mutet.

Sicinius.
Sagt, ihr stimmtet bei
Mehr, weil wir's euch befohlen als geleitet
Von eigner, wahrer Lieb; und eur Gemt
Erfllt von dem mehr, was ihr solltet tun,
Als was ihr wolltet, gabt ihr eure Stimmen
Ganz gegen euern Sinn.  Gebt uns die Schuld.

Brutus.
Ja, schont uns nicht; sagt, da wir euch gepredigt,
Wie jung er schon dem Vaterland gedient,
Wie lang seitdem; aus welchem Stamm er sprot,
Dem edlen Haus der Marcier; daher kam
Auch Ancus Marcius, Numas Tochtersohn,
Der nach Hostilius hier als Knig herrschte;
Das Haus gab uns auch Publius und Quintus,
Die uns durch Rhren gutes Wasser schafften;
Auch Censorinus, er, des Volkes Liebling,
Den, zweimal Censor, dieser Name schmckte,
Der war sein groer Ahn.

Sicinius.
Ein so Entsproner,
Der auerdem durch eignen Wert verdiente
Den hohen Platz; wir schrften stets euch ein,
Sein zu gedenken; doch da ihr erwgt

(Messend sein jetzges Tun mit dem vergangnen),

Er werd euch ewig Feind sein, widerruft ihr
Den bereilten Schlu.

Brutus.
Sagt, nimmer wr's geschehn
(Darauf kommt stets zurck) ohn unsern Antrieb.
Und eilt, wenn ihr die Stimmzahl gezogen,
Aufs Kapitol.

Mehrere Brger.
Das wolln wir.  Alle fast
Bereun schon ihre Wahl.  

(Die Brger gehn ab.)

Brutus.
So geh's nun fort;
Denn besser ist's, den Aufstand jetzt zu wagen,
Der spter noch gefhrlicher sich zeigte.
Wann er, nach seiner Art, in Wut gert
Durch ihr Verweigern, so bemerkt und ntzt
Den Vorteil seines Zorns.

Sicinius.
Zum Kapitol!
Kommt, lat uns dort sein vor dem Strom des Volks;
Dies soll, wie's teilweis ist, ihr Wille scheinen,
Was unser Treiben war.

(Sie gehn ab.)




Dritter Aufzug 



Erste Szene

Rom.  Eine Strae Hrner.  
Es treten auf Coriolanus, Menenius, Cominius, Titus Lartius, 
Senatoren und Patrizier


Coriolanus.
Tullus Aufidius drohte denn von neuem?

Titus.
Er tat's; und das war auch die Ursach, schneller
Den Frieden abzuschlieen.

Coriolanus.
So stehn die Volsker, wie sie frher standen,
Bereit, wenn sich der Anla beut, uns wieder
Zu berziehn.

Cominius.
Sie sind so matt, o Konsul!
Da wir wohl kaum in unserm Lebensalter
Ihr Banner fliegen sehn.

Coriolanus.
Saht ihr Aufidius?

Titus.
Ich gab ihm Sicherheit; er kam und fluchte
Ergrimmt den Volskern, die so niedertrchtig
Die Stadt gerumt.  Er lebt in Antium jetzt.

Coriolanus.
Sprach er von mir?

Titus.
Das tat er, Freund.

Coriolanus.
Wie?  Was?

Titus.
Wie oft er, Schwert an Schwert, Euch angerannt;
Da er von allen Dingen auf der Welt
Euch ha zumeist; sein Gut woll er verpfnden
Ohn Hoffnung des Ersatzes, knn er nur
Eur Sieger heien.

Coriolanus.
Dort in Antium lebt er?

Titus.
In Antium.

Coriolanus.
O! htt ich Ursach, dort ihn aufzusuchen,
Zu trotzen seinem Ha!  Willkommen hier!

(Sicinius und Brutus treten auf.)

Ha!  seht, das da sind unsre Volkstribunen,
Zungen des groen Mundes; mir verchtlich,
Weil sie ihrer Amtsgewalt sich brsten,
Mehr als der Adel dulden kann.

Sicinius.
Nicht weiter!

Coriolanus.
Ha!  was ist das?

Brutus.
Es ist gefhrlich, geht Ihr--
Zurck!

Coriolanus.
Woher der Wechsel?

Menenius.
Was geschah?

Cominius.
Ward er vom Adel nicht und Volk besttigt?

Brutus.
Cominius, nein!

Coriolanus.
Hatt ich von Kindern Stimmen?

Erster Senator.
Macht Platz, Tribunen, er soll auf den Markt.

Brutus.
Das Volk ist gegen ihn emprt.

Sicinius.
Halt ein!
Sonst Unheil berall.

Coriolanus.
Dies eure Herde?
Die mssen Stimmen haben, jetzt zum Ja
Und gleich zum Nein?--Und ihr, was schafft denn ihr?
Seid ihr das Maul, regiert nicht ihre Zhne?
Habt ihr sie nicht gehetzt?

Menenius.
Seid ruhig, ruhig!

Coriolanus.
Das ist nur ein Komplott und abgekartet,
Um die Gewalt des Adels zu zerbrechen.
Duldet's--und lebt mit Volk, das nicht kann herrschen
Und nicht beherrscht sein.

Brutus.
Nennt es nicht Komplott.
Das Volk schreit, ihr verhhntet es, und neulich,
Als Korn umsonst verteilt ward, murrtet Ihr,
Schmhtet die Volkesfreunde, schaltet sie
Des Adels Feinde, Schmeichler, Zeitendiener.

Coriolanus.
Nun, dies war lngst bekannt.

Brutus.
Allein nicht allen.

Coriolanus.
Gabt ihr die Weisung ihnen jetzt?

Brutus.
Ich, Weisung?

Coriolanus.
Solch Tun sieht Euch schon hnlich.

Brutus.
Nicht unhnlich,
Und jedenfalls doch besser als das Eure.

Coriolanus.
Warum denn ward ich Konsul?  Ha! beim Himmel!
Nichtswrdig will ich sein wie ihr, dann macht mich
Zu euerm Mittribun.

Sicinius.
Zuviel schon tut Ihr
Zur Aufreizung des Volks.  Wollt Ihr die Bahn,
Die Ihr begannt, vollenden, sucht den Weg,
Den Ihr verloren habt, mit sanfterm Geist.
Sonst knnt Ihr nimmermehr als Konsul herrschen,
Noch als Tribun zur Seit ihm stehn.

Menenius.
Nur ruhig!

Cominius.
Man tuscht das Volk, verhetzt es.--Solche Falschheit
Ziemt Rmern nicht.  Verdient hat Coriolan
Nicht, da man ehrlos diesen Stein ihm lege
In seine Ehrenbahn.

Coriolanus.
Vom Korn mir sprechen?
Dies war mein Wort, und ich will's wiederholen.

Menenius.
Nicht jetzt, nicht jetzt!

Erster Senator.
Nicht jetzt in dieser Hitze.

Coriolanus.
Bei meinem Leben! jetzt lat mich gewhren,
Ihr Freunde!  Ihr vom Adel!
Fest schau die schmutzge wankelmtge Menge
Mich an, der ich nicht schmeichle, und bespiegle
Sich selbst in mir.--Ich sag es wiederum:
Wir ziehn, sie htschelnd, gegen den Senat
Unkraut der Rebellion, Frechheit, Emprung,
Wofr wir selbst gepflgt, den Samen streuten,
Da wir mit uns, der edlern Zahl, sie mengten,
Die keine andre Macht und Tugend missen,
Als die sie selbst an Bettler weggeschenkt.

Menenius.
Nun gut, nichts mehr!

Erster Senator.
Kein Wort mehr, lat Euch bitten!

Coriolanus.
Wie?  nicht mehr?
Hab ich mein Blut frs Vaterland vergossen,
Furchtlos dem fremden Drun, so soll die Brust
Laut schelten, bis sie bricht auf diesen Aussatz,
Vor dessen Pest wir graun, und tun doch alles,
Um von ihm angesteckt zu sein.

Brutus.
Ihr sprecht vom Volk
Als wret Ihr ein Gott, gesandt zu strafen,
Und nicht ein Mensch, so schwach wie sie.

Sicinius.
Gut wr es,
Wir sagten dies dem Volk.

Menenius.
Wie! seinen Zorn?

Coriolanus.
Zorn!
Wr ich so sanft wie mitternchtger Schlaf,
Beim Jupiter! dies wre meine Meinung.

Sicinius.
Und diese Meinung
Soll bleiben in sich selbst verschlones Gift,
Nicht andre mehr vergiften noch.

Coriolanus.
Soll bleiben?
Hrt ihr der Grndlinge Triton?  Bemerkt ihr
Sein herrschend "Soll"?

Cominius.
's war ungesetzlich.

Coriolanus.
Soll!
Du guter, aber hchst unkluger Adel!
Ehrbare, doch achtlose Senatoren!
Wie gebt ihr so der Hydra nach, zu whlen
Den Diener, der mit eigenmchtgem "Soll"

(Er nur Trompet und Klang des Ungeheuers),

Frech euern Strom in sumpfgen Teich will leiten
Und eure Macht auf sich.--Hat er Gewalt,
Neigt euch als bldgesinnt; wenn keine, weckt
Die Langmut, die Gefahr bringt.  Seid ihr weise,
Gleicht nicht gemeinen Toren; seid ihr's nicht,
Legt ihnen Polster hin.--Ihr seid Plebejer,
Wenn Senatoren sie; sie sind nichts mindres,
Wenn durch der Stimmen Mischung nur nach ihnen
Das Ganze schmeckt.  Sie whlten sich Beamte--
Wie diesen, der sein "Soll" entgegensetzt,
Sein pbelhaftes "Soll", weit wrdgerm Rat,
Als Griechenland nur je verehrt.  Beim Zeus!
Beschimpft wird so der Konsul, und mein Herz weint,
Zu sehn, wie, wenn zwei Mchte sich erheben
Und keine herrscht, Verderben, ungesumt,
Dringt in die Lcke zwischen beid und strzt
Die eine durch die andre.

Cominius.
Gut, zum Marktplatz!

Coriolanus.
Wer immer riet, das Korn der Vorratshuser
Zu geben unentgeltlich, wie's gebruchlich
Manchmal in Griechenland--

Menenius.
Genug!  Nicht weiter!

Coriolanus.
(Obgleich das Volk dort freire Macht besa)
Der, sag ich, nhrt Emprung, fhrt herbei
Den Untergang des Staats.

Brutus.
Wie kann das Volk
Dem seine Stimme geben, der so spricht?

Coriolanus.
Ich geb euch Grnde,
Mehr wert als ihre Stimmen: Korn, sie wissen's,
War nicht von uns ein Dank; sie waren sicher,
Sie taten nichts dafr; zum Krieg gepret,
Als selbst des Vaterlandes Herz erkrankte,
Da wollte keiner aus dem Tor: der Eifer
Verdient nicht Korn umsonst; hernach im Krieg
Ihr Meutern und Empren, ihres Mutes
Erhabne Proben, sprachen schlecht ihr Lob.--
Die Klage,
Womit sie oftmals den Senat beschuldigt,
Aus ungebornem Grund, kann nie erzeugen
Ein Recht auf freie Schenkung.  Nun--was weiter?
Wie mag so vielgeteilter Schlund verdaun
Die Gte des Senats?  Die Taten sprechen,
Was Worte sagen mchten.  Wir verlangten's,
Wir sind der grre Hauf; und sie, recht furchtsam,
Sie gaben, was wir heischten.--So erniedern
Wir unser hohes Amt, sind schuld, da Pbel
Furcht unsre Sorgfalt schilt.  Dies bricht dereinst
Die Schranken des Senats und lt die Krhen
Hinein, da sie die Adler hacken.

Menenius.
Kommt!  Genug.

Brutus.
Genug im berma!

Coriolanus.
Nein! nehmt noch mehr:
Was nur den Schwur, sei's gttlich, menschlich, heiligt,
Besiegle meinen Schlu.  Die Doppelherrschaft,
Wo dieser Teil mit Grund verachtet, jener
Ohn Grund frohlockt, wo Adel, Macht und Weisheit
Nichts tun kann ohne jenes Ja und Nein
Des groen Unverstands--dies mu verdrngen,
Was wahrhaftig ntig ist, um Raum zu geben
Dem haltlos Nichtgen.--Hemmt man so den Zweck,
So folgt, da nichts dem Zweck gem geschieht--
Darum beschwr ich euch!
Ihr, die ihr wen'ger zaghaft seid als weise,
Die ihr mehr liebt des Staates feste Grndung
Als ndrung scheut, die hher stets geachtet
Ein edles Leben als ein langes, die
Nicht frchten, durch gewagte Kur zu retten
Den Leib vom sichern Tod--mit eins reit aus
Die vielgespaltne Zung, lat sie nicht lecken
Dies S, was ihnen Gift ist.  Eur Entehrung
Verstmmelt das gesunde Urteil und
Beraubt den Staat der Einheit, die ihm ziemt,
So da ihm Macht fehlt, Gutes, das er mchte,
Zu tun, weil ihn das Bse stets verhindert.

Brutus.
Er sprach genug.

Sicinius.
Er sprach als Hochverrter
Und soll es ben, wie's Verrter tun.

Coriolanus.
Elender du!  Schmach sei dein Grab!  Was soll das Volk,
Was soll's mit den kahlkpfigen Tribunen?
Anhangend ihnen weigert's den Gehorsam
Der hhern Obrigkeit.  In einem Aufruhr,
Da nicht das Recht, nein, da die Not Gesetz war,
Da wurden sie gewhlt--Zu berer Zeit
Sagt von dem Recht nun khn: Dies ist das Recht,
Und schleudert in den Staub hin ihre Macht.

Brutus.
Offner Verrat!

Sicinius.
Der da ein Konsul?  Nein.

Brutus.
He! die dilen her! lat ihn verhaften.

Sicinius.
Geht, ruft das Volk.

(Brutus geht ab.)

Ich selbst, in seinem Namen,
Ergreife dich als Neurer und Emprer
Und Feind des Staats.--Folg, ich befehl es dir,
Um Rechenschaft zu stehn.

Coriolanus.
Fort, alter Bock!

Senatoren und Patrizier.
Wir schtzen ihn.

Menenius.
Die Hand weg, alter Mann!

Coriolanus.
Fort, morsches Ding, sonst schttl ich deine Knochen
Dir aus den Kleidern.

Sicinius.
Helft! ihr Brger, helft!  Brutus kommt zurck mit den 
dilen und einer Schar Brger.

Menenius.
Mehr Achtung beiderseits.

Sicinius.
Hier ist er, welcher euch
Ganz machtlos machen will.

Brutus.
Greift ihn, dilen.

Die Brger.
Nieder mit ihm! zu Boden!  

(Geschrei von allen Seiten.)

Waffen!  Waffen!  

(Alle drngen sich um Coriolanus.)

Zweiter Senator.
Tribunen!  Edle!  Brger!  Haltet!  Ha!
Sicinius!  Brutus!  Coriolanus!  Brger!

Die Brger.
Den Frieden haltet!  Frieden!  Haltet alle!

Menenius.
Was wird draus werden?  Ich bin auer Atem,
Es droht uns Untergang!  Ich kann nicht, sprecht,
Tribunen, ihr, zum Volk.  Coriolanus, ruhig!
Sprich, Freund Sicinius.

Sicinius.
Hrt mich, Brger.  Ruhig!

Die Brger.
Hrt den Tribun.  Still!  Rede, rede, rede!

Sicinius.
Ihr seid daran, die Freiheit zu verlieren.
Marcius will alles von euch nehmen, Marcius,
Den eben ihr zum Konsul whltet.

Menenius.
Pfui!
Dies ist der Weg zu znden, nicht zu lschen.

Erster Senator.
Die Stadt zu schleifen, alles zu zerstren.

Sicinius.
Was ist die Stadt wohl, als das Volk?

Die Brger.
Ganz recht!
Das Volk nur ist die Stadt.

Brutus.
Durch aller Einstimmung sind wir erwhlt
Als Obrigkeit des Volks.

Die Brger.
Und sollt es bleiben.

Menenius.
Ja, so sieht's aus.

Cominius.
Dies ist der Weg, um alles zu zerstren,
Das Dach zu strzen auf das Fundament
Und zu begraben jede Rangordnung
In Trmmerhaufen!--

Sicinius.
Dies verdient den Tod!

Brutus.
Jetzt gilt's, da unser Ansehn wir behaupten
Oder verlieren.  Wir erklren hier
Im Namen dieses Volks, durch dessen Macht
Wir sind erwhlt fr sie: Marcius verdient
Sogleich den Tod.

Sicinius.
Deshalb legt Hand an ihn,
Bringt zum Tarpejschen Felsen und von dort
Strzt in Vernichtung ihn.

Brutus.
dilen, greift ihn!

Die Brger.
Ergib dich, Marcius!

Menenius.
Hrt ein einzig Wort!
Tribunen, hrt! ich bitt euch, nur ein Wort.

dilen.
Still, still!

Menenius.
Seid, was ihr scheint, Freunde des Vaterlands.
Ergreift mit weiser Mgung, was gewaltsam
Ihr herzustellen strebt.

Brutus.
Die kalten Mittel,
Sie scheinen kluge Hilf und sind nur Gift,
Wenn so die Krankheit rast.  Legt Hand an ihn
Und schleppt ihn auf den Fels!

Coriolanus.
Nein, gleich hier sterb ich.

(Er zieht sein Schwert.)

Es sah wohl mancher unter euch mich kmpfen;
Kommt und versucht nun selbst, was ihr nur saht.

Menenius.
Fort mit dem Schwert.  Tribunen, steht zurck.

Brutus.
Legt Hand an ihn.

Menenius.
Helft! helft dem Marcius! helft!
Ihr hier vom Adel, helft ihm, jung und alt.

Die Brger.
Nieder mit ihm!  Nieder mit ihm! 

(Handgemenge, die Tribunen, die dilen und das 
Volk werden hinausgetrieben.)

Menenius.
Geh! fort, nach deinem Haus! enteile schnell!
Zugrund geht alles sonst.

Zweiter Senator.
Fort!

Coriolanus.
Haltet stand!
Wir haben ebensoviel Freund als Feinde.

Menenius.
Soll's dahin kommen?

Erster Senator.
Das verhtet, Gtter!
Mein edler Freund, ich bitte, geh nach Haus.
La uns des Schadens Kur.

Menenius.
Denn unsre Wund ist's:
Du kannst nicht selbst dich heilen.  Fort, ich bitte.

Cominius.
Freund, geh hinweg mit uns.

Coriolanus.
O! wren sie Barbaren! (und sie sind's,
Obwohl Roms Brut) nicht Rmer! (und sie sind's nicht,
Obwohl geworfen vor dem Kapitol).

Menenius.
Komm!
Nimm deinen edlen Zorn nicht auf die Zunge;
Einst kommt uns bere Zeit.

Coriolanus.
Auf ebnem Boden
Schlg ich wohl ihrer vierzig.

Menenius.
Ich auch nehm es
Mit zwei der besten auf, ja, den Tribunen.

Cominius.
Doch hier ist bermacht nicht zu berechnen;
Und Mannheit wird zur Torheit, stemmt sie sich
Entgegen strzendem Gebu.  Entfernt Euch,
Eh dieser Schwarm zurckkehrt, dessen Wut
Rast wie gehemmter Strom, und bersteigt,
Was sonst ihn niederhielt.

Menenius.
Ich bitte, geh!
So seh ich, ob mein alter Witz noch anschlgt
Bei Leuten, die nur wenig haben.  Flicken
Mu man den Ri mit Lappen jeder Farbe.

Coriolanus.
Nun komm!  

(Coriolanus, Cominius und andere gehn ab.)

Erster Patrizier.
Der Mann hat ganz sein Glck zerstrt.

Menenius.
Sein Sinn ist viel zu edel fr die Welt.
Er kann Neptun nicht um den Dreizack schmeicheln,
Nicht Zeus um seine Donner: Mund und Herz ist eins.
Was seine Brust nur schafft, kommt auf die Zunge,
Und ist er zornig, so vergit er gleich,
Da man den Tod je nannte.

(Gerusch hinter der Szene.)

Ein schner Lrm.

Zweiter Patrizier.
O! wren sie im Bett!

Menenius.
Wren sie in der Tiber!  Was, zum Henker,
Konnt er nicht freundlich sprechen!  Brutus, Sicinius, 
Brger kommen zurck.

Sicinius.
Wo ist die Viper,
Die unsre Stadt entvlkern mcht, um alles
In allem drin zu sein?

Menenius.
Wrdge Tribunen--

Sicinius.
Wir strzen ihn von dem Tarpejschen Fels
Mit strenger Hand; er trotzet dem Gesetz,
Drum weigert das Gesetz ihm das Verhr;
Die Macht der brgerlichen Strenge fhl er,
Die ihm so nichtig dnkt.

Erster Brger.
Er soll erfahren,
Des Volkes edler Mund sind die Tribunen,
Wir seine Hand.

Mehrere Brger.
Er soll! er soll!

Menenius.
Freund--

Sicinius.
Still!

Menenius.
Schreit nicht Vertilgung, wo ein mges Jagen
Zum Ziel euch fhren mag.

Sicinius.
Wie kommt's, da Ihr
Ihm halft, sich fort zu machen?

Menenius.
Hrt mich an:
Wie ich den Wert des Konsuls kenne, kann ich
Auch seine Fehler nennen.

Sicinius.
Konsul?  welcher Konsul?

Menenius.
Der Konsul Coriolan.

Brutus.
Er, Konsul?

Die Brger.
Nein, nein, nein, nein, nein!

Menenius.
Vergnnt, ihr, gutes Volk, und ihr, Tribunen,
Gehr, so mcht ich ein, zwei Worte sagen,
Die euch kein weitres Opfer kosten sollen
Als diese kurze Zeit.

Sicinius.
So fat Euch kurz,
Denn wir sind fest entschlossen, abzutun
Den giftgen Staatsverrter; ihn verbannen
Lt die Gefahr bestehn; ihn hier behalten
Ist sichrer Tod.  Drum wird ihm zuerkannt:
Er sterb noch heut.

Menenius.
Verhten das die Gtter!
Soll unser hohes Rom, des Dankbarkeit
Fr die verdienten Kinder steht verzeichnet
In Jovis Buch, entmenscht, verworfne Mutter,
Den eignen Sohn verschlingen.

Sicinius.
Ein Schad ist er, mu ausgeschnitten werden.

Menenius.
Ein Glied ist er, das einen Schaden hat:
Es abzuschneiden tdlich, leicht zu heilen.
Was tat er Rom, wofr er Tod verdiente?
Weil er die Feind' erschlug?  Sein Blut, vergossen
(Und das, ich schwr's, ist mehr, als er noch hat,
Und manchen Tropfen), flo nur fr sein Land;--
Wird, was ihm bleibt, vergossen durch sein Land,
Das wr uns allen, die es tun und dulden,
Ein ewges Brandmal.

Sicinius.
Das ist nur Gewsch.

Brutus.
Gnzlich verkehrt!  Als er sein Land geliebt,
Ehrt' es ihn auch.

Menenius.
Hat uns der Fu gedient
Und wird vom Krebs geschdigt, denken wir
Nicht mehr der vor'gen Dienste?

Brutus.
Schweigt nur still.
Zu seinem Hause hin! reit ihn heraus,
Damit die Ansteckung von giftger Art
Nicht weiter fort sich znde.

Menenius.
Nur ein Wort.
So tigerfge Wut, sieht sie den Schaden
Der ungehemmten Eile, legt zu spt
Blei an die Sohlen.--Drum verfahrt nach Recht,
Da nicht, da er beliebt, Partein sich rotten
Und unser hohes Rom durch Rmer falle.

Brutus.
Wenn das geschh!

Sicinius.
Was schwatzt Ihr da?
Wie er Gesetz' verhhnte, sahn wir ja.
dilen schlagen!  Trotz uns bieten!  Kommt!

Menenius.
Erwgt nur dies: er ist im Krieg erwachsen;
Seit er ein Schwert mocht haben, lernt' er fein
Gesiebte Sprache nicht, wirft Mehl und Kleie
Nun im Gemengsel aus.  Bewilligt mir,
Ich geh zu ihm und bring ihn friedlich her,
Wo nach der Form des Rechts er Rede steht
Auf seine uerste Gefahr.

Erster Senator.
Tribunen,
Die Weis ist menschlich; allzu blutig wrde
Der andre Weg, und im Beginnen nicht
Der Ausgang zu erkennen.

Sicinius.
Edler Menenius,
So handelt Ihr denn als des Volks Beamter;--
Ihr Leute, legt die Waffen ab.

Brutus.
Geht nicht nach Haus.

Sicinius.
Hin auf den Markt, dort treffen wir Euch wieder,
Und bringt ihr Marcius nicht, so gehn wir weiter
Auf unserm ersten Weg.  

(Ab.)

Menenius.
Ich bring ihn euch.

(Zu den Senatoren.)

Geht mit mir, ich ersuch euch.  Er mu kommen,
Sonst folgt das Schlimmste.

Erster Senator.
Lat uns zu ihm gehn.

(Alle ab.)



Zweite Szene

Zimmer in Coriolans Hause 
Coriolanus tritt auf mit einigen Patriziern


Coriolanus.
Lat sie mir um die Ohren alles werfen:
Mir drohn mit Tod durch Rad, durch wilde Rosse;
Zehn Berg' auf den Tarpejschen Felsen trmen,
Da sich der Absturz tiefer reit, als je
Das Auge sieht: doch bleib ich ihnen stets
Also gesinnt.

Erster Patrizier.
Ihr handelt um so edler.  

(Volumnia tritt auf.)

Coriolanus.
Mich wundert, wie die Mutter
Mein Tun nicht billigt, die doch lumpge Sklaven
Sie stets genannt; Geschpfe, nur gemacht,
Da sie mit Pfenngen schachern; barhaupt stehn
In der Versammlung, ghnen, staunen, schweigen,
Wenn einer meines Ranges sich erhebt,
Redend von Fried und Krieg.
(Zu Volumnia.)  Ich sprach von Euch.
Weshalb wnscht Ihr mich milder?  Soll ich falsch sein
Der eignen Seele?  Lieber sagt, ich spiele
Den Mann nur, der ich bin.

Volumnia.
O!  Sohn, Sohn, Sohn!
Httst deine Macht du doch erst angelegt,
Eh du sie abgenutzt.

Coriolanus.
Sie fahre hin!

Volumnia.
Du konntest mehr der Mann sein, der du bist,
Wenn du es wen'ger zeigtest; schwcher waren
Sie deinem Sinn entgegen, hehltest du
Nur etwas mehr, wie du gesinnt, bis ihnen
Die Macht gebrach, um dich zu kreuzen.

Coriolanus.
Hngt sie!

Volumnia.
Ja, und verbrennt sie!  Menenius kommt mit Senatoren.

Menenius.
Kommt! kommt!  Ihr wart zu rauh, etwas zu rauh.
Ihr mt zurck, es bessern.

Erster Senator.
Da hilft nichts.
Denn tut Ihr dieses nicht, reit auseinander
Die Stadt und geht zugrund.

Volumnia.
O! la dir raten.
Ich hab ein Herz, unbeugsam, wie das deine,
Doch auch ein Hirn, das meines Zornes Ausbruch
Zu besserm Vorteil lenkt.

Menenius.
Recht, edle Frau.
Eh er sich so der Herde beugt, wenn's nicht
Die Fieberwut der Zeit als Mittel heischte
Dem ganzen Staat, schnallt' ich die Rstung um,
Die ich kaum tragen kann.

Coriolanus.
Was mu ich tun?

Menenius.
Zu den Tribunen kehren.

Coriolanus.
Was weiter denn?

Menenius.
Bereun, was Ihr gesprochen.

Coriolanus.
Um ihretwillen?
Nicht kann ich's um der Gtter willen tun;
Mu ich's denn ihretwillen tun?

Volumnia.
Du bist zu herrisch.
Magst du auch hierin nie zu edel sein,
Gebietet Not doch auch.--Du selbst oft sagtest:
"Wie Ehr und Politik als treue Freunde
Im Krieg zusammen gehn." Ist's dies, so sprich,
Wie sie im Frieden wohl sich schaden knnen,
Da sie in ihm sich trennen?

Coriolanus.
Pah!

Menenius.
Gut gefragt.

Volumnia.
Bringt es im Krieg dir Ehre, der zu scheinen,
Der du nicht bist (und groer Zwecke halb
Gebrauchst du diese Politik), entehrt's nun,
Da sie im Frieden soll Gemeinschaft halten
Mit Ehre, wie im Krieg, da sie doch beiden
Gleich unentbehrlich ist?

Coriolanus.
Was drngst du so?

Volumnia.
Weil jetzt dir obliegt, zu dem Volk zu reden,
Nicht nach des eignen Sinnes Unterweisung,
Noch in der Art, wie dir dein Herz befiehlt;
Mit Worten nur, die auf der Zunge wachsen,
Bastardgeburten, Lauten nur und Silben,
Die nicht des Herzens Wahrheit sind verpflichtet.
Dies, wahrlich, kann sowenig dich entehren,
Als eine Stadt durch sanftes Wort erobern,
Wo sonst dein Glck entscheiden mt und Wagnis
Von vielem Blutvergieen.--
Ich wollte meine Art und Weise bergen,
Wenn Freund' und Glck es in Gefahr verlangten,
Und blieb' in Ehr.--Ich steh hier auf dem Spiel,
Dein Weib, dein Sohn, die Edlen, der Senat,
Und du willst lieber unserm Pbel zeigen,
Wie du kannst finster sehn, als einmal lcheln,
Um ihre Gunst zu erben und zu schtzen,
Was ohne sie zugrund geht.

Menenius.
Edle Frau!
Kommt, geht mit uns, sprecht freundlich und errettet
Nicht nur, was jetzt gefhrlich, nein, was schon
Verloren war.

Volumnia.
Ich bitte dich, mein Sohn,
Geh hin, mit dieser Mtz in deiner Hand,
So streck sie aus, tritt so an sie heran,
Dein Knie berhr die Stein'; in solchem Tun ist
Gebrd ein Redner, und der Einfalt Auge
Gelehrter als ihr Ohr.  Den Kopf so wiegend
Und oft auch so, dein stolzes Herz bestrafend,
Sei sanft, so wie die Maulbeer berreif,
Die jedem Drucke weicht.  Dann sprich zu ihnen:
Du seist ihr Krieger, im Gelrm erwachsen,
Habst nicht die sanfte Art, die, wie du einshst,
Dir ntig sei, die sie begehren drften,
Wrbst du um ihre Gunst; doch wolltst du sicher
Dich knftig wandeln zu dem Ihrigen,
So weit Natur und Kraft in dir nur reichten.

Menenius.
Das nur getan,
So wie sie sagt, sind alle Herzen dein,
Denn sie verzeihn so leicht, wenn du sie bittest,
Als sonst sie mig schwatzen.

Volumnia.
O! gib nach!
La dir nur diesmal raten.  Wei ich schon,
Du sprngst eh mit dem Feind in Feuerschlnde,
Als da du ihm in Blumenlauben schmeichelst.
Hier ist Cominius.  

(Cominius tritt auf)

Cominius.
Vom Marktplatz komm ich, Freund, und dringend scheint,
Da Ihr Euch sehr verstrkt, sonst hilft Euch nur
Flucht oder Sanftmut.  Alles ist in Wut.

Menenius.
Nur gutes Wort.

Cominius.
Das, glaub ich, dient am besten,
Zwingt er sein Herz dazu.

Volumnia.
Er mu und will.
La dich erbitten; sag: "Ich will", und geh!

Coriolanus.
Mu ich mit bloem Kopf mich zeigen?  Mu ich
Mit niedrer Zunge Lgen strafen so
Mein edles Herz, das hier verstummt?  Nun gut, ich tu's.
Doch km's nur auf das einzge Stck hier an,
Den Marcius, sollten sie zu Staub ihn stampfen
Und in den Wind ihn streun.--Zum Marktplatz nun.
Ihr zwingt mir eine Rolle auf, die ich nie
Natrlich spiele.

Cominius.
Kommt, wir helfen Euch.

Volumnia.
O! hr mich, holder Sohn.  Du sagtest oft,
Da dich mein Lob zum Krieger erst gemacht.
So spiel, mein Lob zu ernten, eine Rolle,
Die du noch nie gebt.

Coriolanus.
Ich mu es tun.
Fort, meine Sinnesart!  Komm ber mich,
Geist einer Metze.  Mein Kriegsschrei sei verwandelt,
Der in die Trommeln rief, jetzt in ein Pfeifchen,
Dnn wie des Hmlings, wie des Mdchens Stimme,
Die Kinder einlullt; eines Buben Lcheln
Wohn auf der Wange mir; Schulknabentrnen
Verdunkeln mir den Blick; des Bettlers Zunge
Reg in dem Mund sich; mein bepanzert Knie,
Das nur im Bgel krumm war, beuge sich
Wie des, der Pfennge fleht.--Ich will's nicht tun,
Nicht so der eignen Wahrheit Ehre schlachten,
Und durch des Leibs Gebrdung meinen Sinn
Zu ewger Schand abrichten.

Volumnia.
Wie du willst.
Von dir zu betteln ist mir grre Schmach,
Als dir von ihnen.  Fall alles denn in Trmmer!
Mag lieber deinen Stolz die Mutter fhlen,
Als stets Gefahr von deinem Starrsinn frchten.
Den Tod verlach ich, grogeherzt wie du.
Mein ist dein Mut, ja, den sogst du von mir,
Dein Stolz gehrt dir selbst.

Coriolanus.
Sei ruhig, Mutter,
Ich bitte dich!--Ich gehe auf den Markt;
Schilt mich nicht mehr.  Als Taschenspieler nun
Stehl ich jetzt ihre Herzen, kehre heim
Von jeder Zunft geliebt.  Siehst du, ich gehe.
Gr meine Frau.  Ich kehr als Konsul wieder;
Sonst glaube nie, da meine Zung es weit
Im Weg des Schmeichelns bringt.

Volumnia.
Tu, was du willst.  

(Sie geht ab.)

Cominius.
Fort, die Tribunen warten.  Rstet Euch
Mit milder Antwort; denn sie sind bereit,
Hr ich, mit hrtern Klagen, als die jetzt
Schon auf Euch lasten.

Coriolanus.
"Mild" ist die Losung.  Bitte, lat uns gehn.
Lat sie mit Falschheit mich beschuldigen, ich
Antworte ehrenvoll.

Menenius.
Nur aber milde.

Coriolanus.
Gut, milde sei's denn, milde.

(Alle ab.)



Dritte Szene

Das Forum 
Sicinius und Brutus treten auf


Brutus.
Das mu der Hauptpunkt sein: da er erstrebt
Tyrannische Gewalt; entschlpft er da,
Treibt ihn mit seinem Volksha in die Enge,
Und da er nie verteilen lie die Beute,
Die den Antiaten abgenommen ward.

(Ein dil tritt auf.)

Nun, kommt er?

dil.
Er kommt.

Brutus.
Und wer begleitet ihn?

dil.
Der alte
Menenius und die Senatoren, die
Ihn stets begnstigt.

Brutus.
Habt Ihr ein Verzeichnis
Von allen Stimmen, die wir uns verschafft,
Geschrieben nach der Ordnung?

dil.
Ja, hier ist's.

Brutus.
Habt Ihr nach Tribus sie gesammelt?

dil.
Ja.

Sicinius.
So ruft nun ungesumt das Volk hieher,
Und hren sie mich sagen: "So soll's sein,
Nach der Gemeinen Fug und Recht", sei's nun
Tod, Geldbu oder Bann: so la sie schnell
"Tod" rufen, sag ich: "Tod!", "Geldbue", sag ich: "Bue",
Auf ihrem alten Vorrecht so bestehn
Und auf der Kraft in der gerechten Sache.

dil.
Ich will sie unterweisen.

Brutus.
Und haben sie zu schreien erst begonnen,
Nicht aufgehrt, nein, dieser wilde Lrm
Mu die Vollstreckung Augenblicks erzwingen
Der Strafe, die wir rufen.

dil.
Wohl, ich gehe.

Sicinius.
Und mach sie stark und unserm Wink bereit,
Wann wir ihn immer geben.

Brutus.
Macht Euch dran!
  
(Der dil geht ab.)

Reizt ihn sogleich zum Zorn; er ist gewohnt
Zu siegen, und ihm gilt als hchster Ruhm
Der Widerspruch.  Einmal in Wut, nie lenkt er
Zur Migung zurck; dann spricht er aus,
Was er im Herzen hat; genug ist dort,
Was uns von selbst hilft, ihm den Hals zu brechen.  
Es treten auf Coriolanus, Menenius, Cominius, Senatoren 
und Patrizier.

Sicinius.
Nun seht, hier kommt er.

Menenius.
Sanft, das bitt ich dich.

Coriolanus.
Ja, wie ein Stallknecht, der fr lumpgen Heuer
Den Schurken zehnfach einsteckt.--Hohe Gtter!
Gebt Rom den Frieden und den Richtersthlen
Biderbe Mnner!  Pflanzet Lieb uns ein!
Fllt dicht mit Friedensprunk die Tempelhallen,
Und nicht mit Krieg die Straen.

Erster Senator.
Amen!  Amen!

Menenius.
Ein edler Wunsch.

Sicinius.
Ihr Brger, tretet nher.  Der dil kommt mit den Brgern.

dil.
Auf die Tribunen merkt!  Gebt acht!  Still!  still!

Coriolanus.
Erst hrt mich reden.

Beide Tribunen.
Gut, sprecht--ruhig denn.

Coriolanus.
Werd ich nicht weiter angeklagt als hier?
Wird alles jetzt gleich ausgemacht?

Sicinius.
Ich frage:
Ob Ihr des Volkes Stimm Euch unterwerft,
Die Sprecher anerkennt und willig tragt
Die Strafe des Gesetzes fr die Fehler,
Die man Euch dartun wird?

Coriolanus.
Ich trage sie.

Menenius.
O, Brger, seht! er sagt, er will sie tragen:
Der Kriegesdienste, die er tat, gedenkt;
Seht an die Wunden, die sein Krper hat,
Sie gleichen Grbern auf geweihtem Boden.

Coriolanus.
Geritzt von Dornen, Schrammen, nur zum Lachen.

Menenius.
Erwgt noch ferner:
Da, hrt ihr ihn nicht gleich dem Brger sprechen,
Den Krieger findet ihr in ihm.  Nehmt nicht
Den rauhen Klang fr bs gemeintes Wort;
Nein, wie gesagt, so wie's dem Krieger ziemt,
Nicht feindlich euch.

Cominius.
Gut, gut, nichts mehr.

Coriolanus.
Wie kommt's,
Da ich, einstimmig anerkannt als Konsul,
Nun so entehrt bin, da zur selben Stunde
Ihr mir die Wrde nehmt?

Sicinius.
Antwortet uns.

Coriolanus.
Sprecht denn, 's ist wahr, so sollt ich ja.

Sicinius.
Wir zeihn dich, da du hast gestrebt, zu strzen
Recht und Verfassung Roms und so dich selbst
Tyrannisch aller Herrschaft anzumaen,
Und darum stehst du hier als Volksverrter.

Coriolanus.
Verrter!--

Menenius.
Still nur, mig!--Dein Versprechen.

Coriolanus.
Der tiefsten Hlle Glut verschling das Volk!
Verrter ich! du lsternder Tribun!
Und sen tausend Tod' in deinem Auge,
Und packten Millionen deine Fuste,
Wrn doppelt die auf deiner Lgnerzunge:
Ich, ich sag' dennoch dir, du lgst!--die Brust
So frei, als wenn ich zu den Gttern bete.

Sicinius.
Hrst du dies, Volk?

Die Brger.
Zum Fels mit ihm!  Zum Fels mit ihm!

Sicinius.
Seid ruhig!
Wir brauchen neuer Fehl' ihn nicht zu zeihn;
Was ihr ihn tun saht, reden hrtet,
Wie er euch fluchte, eure Diener schlug,
Streiche dem Recht erwidernd, denen trotzte,
Die, machtbegabt, ihn richten sollten: dies
So frevelhaft, so hochverrterisch,
Verdient den hrtsten Tod.

Brutus.
Doch, da er Dienste
Dem Staat getan--

Coriolanus.
Was schwatzt Ihr noch von Diensten?

Brutus.
Ich sag es, der ich's wei.

Coriolanus.
Ihr?

Menenius.
Ist es dies,
Was Eurer Mutter Ihr verspracht?

Cominius.
O hrt.
Ich bitt Euch.

Coriolanus.
Nein, ich will nichts weiter hren.
La sie ausrufen: Tod vom steilen Fels,
Landflchtges Elend, Schinden, eingekerkert
Zu schmachten, tags mit einem Korn--doch kauft ich
Nicht fr ein gutes Wort mir ihre Gnade,
Nicht zhmt ich mich, fr was sie schenken knnen,
Bekm ich's fr 'nen "Guten Morgen" schon.

Sicinius.
Weil er, soviel er konnt, von Zeit zu Zeit,
Aus Ha zum Volke Mittel hat gesucht,
Ihm seine Macht zu rauben, und auch jetzt
Als Feind sich wehrt, nicht nur in Gegenwart
Erhabnen Rechts, nein, gegen die Beamten,
Die es verwalten: in des Volkes Namen
Und unsrer, der Tribunen, Macht verbannen
Wir augenblicklich ihn aus unsrer Stadt.
Bei Strafe, vom Tarpejschen Fels gestrzt
Zu sein, betret er nie die Tore Roms.
In 's Volkes Namen sag ich: So soll's sein.

Die Brger.
So soll es sein!  So soll's sein!  Fort mit ihm!
Er ist verbannt, und also soll es sein.

Cominius.
Hrt mich, ihr Mnner, Freunde hier im Volk.

Sicinius.
Er ist verurteilt.  Nichts mehr.

Cominius.
Lat mich sprechen.
Ich war eur Konsul, und Rom kann an mir
Die Spuren seiner Feinde sehn.  Ich liebe
Des Vaterlandes Wohl mit zartrer Ehrfurcht,
Heiliger und tiefer als mein eignes Leben,
Mehr als mein Weib und ihres Leibes Kinder,
Die Schtze meines Bluts.  Wollt ich nun sagen--

Sicinius.
Wir wissen, was Ihr wollt.  Was knnt Ihr sagen?

Brutus.
Zu sagen ist nichts mehr.  Er ist verbannt
Als Feind des Volks und seines Vaterlands.
So soll's sein.

Die Brger.
So soll's sein!  So soll es sein!

Coriolanus.
Du schlechtes Hundepack! des Hauch ich hasse
Wie fauler Smpfe Dunst; des Gunst mir teuer
Wie unbegrabner Mnner totes Aas,
Das mir die Luft vergift't.--Ich banne dich!
Bleibt hier zurck mit eurem Unbestand,
Der schwchste Lrm mach euer Herz erbeben,
Eur Feind mit seines Helmbuschs Nicken fchle
Euch in Verzweiflung; die Gewalt habt immer,
Zu bannen eure Schtzer--bis zuletzt
Eur stumpfer Sinn, der glaubt, erst wenn er fhlt,
Der nicht einmal euch selbst erhalten kann,
Stets Feind euch selbst, euch endlich unterwerfe
Als hchst verworfne Sklaven einem Volk
Das ohne Schwertstreich euch gewann.  Verachtend
Um euch die Stadt--wend ich so meinen Rcken--
Noch anderswo gibt's eine Welt.  

(Coriolanus, Cominius, Menenius, Senatoren und Patrizier gehn ab.)

dilen.
Des Volkes Feind ist fort! ist fort! ist fort!

Die Brger.
Verbannt ist unser Feind! ist fort!  Ho!  Ho! 

(Sie jauchzen und werfen ihre Mtzen.)

Sicinius.
Geht, seht ihm nach zum Tor hinaus und folgt ihm,
Wie er euch sonst mit bitterm Schmhn verfolgte,
Krnkt ihn, wie er's verdient.--Lat eine Wache
Uns durch die Stadt begleiten.

Die Brger.
Kommt, kommt! ihm nach! zum Tor hinaus, so kommt!
Edle Tribunen, euch der Gtter Schutz!

(Alle ab.)



Vierte Szene

Rom, vor einem Tore der Stadt 
Es treten auf Coriolanus, Volumnia, Virgilia, Menenius, 
Cominius und mehrere junge Patrizier


Coriolanus.
Nein, weint nicht mehr.  Ein kurz Lebwohl.  Das Tier
Mit vielen Kpfen stt mich weg.  Ei, Mutter!
Wo ist dein alter Mut!  Du sagtest oft:
Es sei das Unglck Prfstein der Gemter,
Gemeine Not trag ein gemeiner Mensch.
Es segl' auf stiller See mit gleicher Kunst
Ein jedes Boot; doch bei den schwersten Schlgen
Des Glcks gelassen bleiben, das erheische
Den hchsten Sinn.--Du ludest oft mir auf
Belehrungen, die unbezwinglich machten
Die Herzen, die sie ganz durchdrangen.

Virgilia.
O Himmel!  Himmel!

Coriolanus.
Nein, ich bitte, Frau--

Volumnia.
Die Pestilenz treff alle Znfte Roms
Und die Gewerke Tod!

Coriolanus.
Was, was! Ich werde
Geliebt sein, wenn ich bin gemit.  Nun Mutter!
Wo ist der Geist, der sonst dich sagen machte,
Wrst du das Weib des Herkules gewesen,
Sechs seiner Taten httest du getan,
Und deinem Mann so vielen Schwei erspart?
Cominius!
Frisch auf!  Gott schtz euch!--Lebt wohl, Frau und Mutter!
Mir geht's noch gut.--Menenius, alter, treuer,
Salzger als jngern Manns sind deine Trnen,
Und giftig deinem Aug.  Mein weiland Feldherr,
Ich sah dich finster, und oft schautest du
Herzhrtend Schauspiel; sag den bangen Frauen:
Beweinen Unvermeidliches sei Torheit
Sowohl als drber lachen.--Weit du, Mutter,
Mein Wagnis war dein Trost ja immer! und,
Das glaube fest, geh ich auch jetzt allein,
So wie ein Drache einsam, den die Hhle
Gefrchtet macht, besprochen mehr, weil nicht gesehn,
Dein Sohn ragt ber dem Gemeinen stets;
Wo nicht, fllt er durch Tck und niedre List.

Volumnia.
Mein groer Sohn!
Wo willst du hin?  Nimm fr die erste Zeit
Cominius mit, bestimme dir den Lauf,
Statt wild dich jedem Zufall preiszugeben,
Der auf dem Weg dich anfllt.

Coriolanus.
O ihr Gtter!

Cominius.
Den Monat bleib ich bei dir; wir bedenken,
Wo du magst weilen, da du von uns hrest
Und wir von dir; da, wenn die Zeit den Anla
Fr deine Rckberufung reift, wir nicht
Nach einem Mann die Welt durchsuchen mssen,
Die Gunst verlierend, welche stets erkaltet,
Ist jener fern, der sie bedarf.

Coriolanus.
Leb wohl!
Du trgst der Jahre viel, hast bersatt
Kriegsschwelgerei, mit einem umzutreiben,
Des Gier noch frisch.  Bringt mich nur aus dem Tor;
Komm, ses Weib, geliebte Mutter und
Ihr wohlerprobten Freunde.--Bin ich drauen,
Sagt: Lebe wohl! und lchelt.  Bitte, kommt--
Solang ich berm Boden bin, sollt ihr
Stets von mir hren und nie etwas andres,
Als was dem frhern Marcius gleicht.

Menenius.
So wrdig,
Wie man nur hren kann.  Lat uns nicht weinen.
Knnt ich nur sieben Jahr herunterschtteln
Von diesen alten Gliedern--bei den Gttern!
Ich wollt auf jedem Schritt dir folgen!

Coriolanus.
Kommt!
Deine Hand.

(Alle ab.)



Fnfte Szene

Sicinius, Brutus und ein dil treten auf.


Sicinius.
Schickt sie nach Hause, er ist fort.  Nicht weiter.
Der Adel ist gekrnkt, der, wie wir sahen,
Fr ihn Partei ergriff.

Brutus.
Da unsre Macht
Wir nun gezeigt, lat uns demtger scheinen,
Nun es geschehn, als da's im Werden.

Sicinius.
Schickt sie heim.
Sagt ihnen, fort sei nun ihr groer Feind
Und neu befestigt ihre Macht.

Brutus.
Entlat sie.
Hier kommt die Mutter.  Volumnia, Virgilia und Menenius treten auf.

Sicinius.
Lat uns fort!

Brutus.
Weshalb?

Sicinius.
Man sagt, sie sei verrckt.

Brutus.
Sie sah uns schon.
Weicht ihr nicht aus.

Volumnia.
Ha, wohlgetroffen!
Der Gtter aufgehufte Strafen lohnen
Euch eure Liebe.

Menenius.
Still, seid nicht so laut.

Volumnia.
Knnt ich vor Trnen nur, ihr solltet hren--
Doch sollt ihr etwas hren.  Wollt Ihr gehn?

Virgilia.
Auch Ihr sollt bleiben.  Htt ich doch die Macht,
Das meinem Mann zu sagen.

Sicinius.
Seid Ihr mnnisch?

Volumnia.
Ja, Narr.  Ist das 'ne Schande?  Seht den Narren!
War nicht ein Mann ihr Vater?  Warst du fuchsisch,
Zu bannen ihn, der Wunden schlug fr Rom,
Mehr als du Worte sprachst?

Sicinius.
O gtger Himmel!

Volumnia.
Mehr edle Wunden als du kluge Worte,
Und zu Roms Heil.  Eins sag ich dir--doch geh.
Nein, bleiben sollst du!  Wre nur mein Sohn,
Sein gutes Schwert in Hnden, in Arabien,
Und dort vor ihm dein Stamm.

Sicinius.
Was dann?

Virgilia.
Was dann?
Er wrde dort dein ganz Geschlecht vertilgen.

Volumnia.
Bastard' und alles.
O Wackrer! du trgst Wunden viel fr Rom.

Menenius.
Kommt, kommt! seid ruhig.

Sicinius.
Ich wollt, er wr dem Vaterland geblieben,
Was er ihm war, statt selbst den edlen Knoten
Zu lsen, den er schlang.

Brutus.
So wnscht ich auch.

Volumnia.
"So wnscht ich auch"?  Ihr hetztet auf den Pbel,
Katzen, die seinen Wert begreifen knnen
Wie die Mysterien ich, die nicht der Himmel
Der Erd enthllen will.

Brutus.
Kommt, lat uns gehn.

Volumnia.
Nun ja, ich bitt euch! geht!
Ihr tatet wackre Tat.--Hrt dies noch erst:
So weit das Kapitol hoch berragt
Das kleinste Haus in Rom, so weit mein Sohn,
Der Gatte dieser Frau, hier dieser, seht ihr?
Den ihr verbanntet, berragt euch alle.

Brutus.
Genug.  Wir gehn.

Sicinius.
Was bleiben wir, gehetzt
Von einer, der die Sinne fehlen?

Volumnia.
Nehmt
Noch mein Gebet mit euch.

(Die Tribunen gehn ab.)

O! htten doch die Gtter nichts zu tun,
Als meine Flch erfllen.  Trf ich sie
Nur einmal tags, erleichtern wrd's mein Herz
Von schwerer Last.

Menenius.
Ihr gabt es ihnen derb,
Und habt auch Grund.  Speist Ihr mit mir zu Nacht?

Volumnia.
Zorn ist mein Nachtmahl; so mich selbst verzehrend,
Verschmacht ich an der Nahrung.  Lat uns gehn.
Lat dieses schwache Wimmern, klagt wie ich,
Der Juno gleich im Zorn.--Kommt, kommt!

Menenius.
Pfui, pfui!

(Sie gehn ab.)




Vierter Aufzug 



Erste Szene

Landstrae zwischen Rom und Antium
Ein Rmer und ein Volsker, die sich begegnen


Rmer.
Ich kenne Euch recht gut, Freund, und Ihr kennt mich auch.  
Ich denke, Ihr heit Adrian?

Volsker.
Ganz recht.  Wahrhaftig, ich hatte Euch vergessen.

Rmer.
Ich bin ein Rmer und tue jetzt wie Ihr Dienste gegen Rom.  
Kennt Ihr mich nun?

Volsker.
Nikanor?  nicht?

Rmer.
Ganz recht.

Volsker.
Ihr hattet mehr Bart, als ich Euch zuletzt sah; aber 
Euer Gesicht wird mir durch Eure Zunge kenntlich.--Was 
gibt es Neues in Rom?  Ich habe einen Auftrag vom Staat 
der Volsker, Euch dort auszukundschaften, und Ihr habt 
mir eine Tagereise erspart.

Rmer.
In Rom hat es einen seltsamen Aufstand gegeben: das Volk 
gegen die Senatoren, Patrizier und Edeln.

Volsker.
Hat es gegeben?  Ist es denn nun vorbei?  Unser Staat denkt 
nicht so; sie machen die strksten Rstungen und hoffen, 
sie in der Hitze der Entzweiung zu berfallen.

Rmer.
Der groe Brand ist gelscht; aber eine geringe Veranlassung 
wrde ihn wieder in Flammen setzen; denn den Edeln geht die 
Verbannung des wrdigen Coriolan so zu Herzen, da sie ganz 
in der Stimmung sind, dem Volk alle Gewalt zu nehmen und ihnen 
ihre Tribunen auf immer zu entreien.  Dies glimmt unter der 
Asche, das kann ich Euch versichern, und ist fast reif zum 
heftigsten Ausbruch.

Volsker.
Coriolan verbannt?

Rmer.
Ja, verbannt.

Volsker.
Mit der Nachricht werdet Ihr willkommen sein, Nikanor.

Rmer.
Das Wetter ist jetzt gut fr euch.  Man pflegt zu sagen, die 
beste Zeit, eine Frau zu verfhren, sei, wenn sie sich mit 
ihrem Manne berworfen hat.  Euer edler Tullus Aufidius kann 
sich in diesem Kriege hervortun, da sein groer Gegner Coriolanus 
jetzt fr sein Vaterland nichts tut.

Volsker.
Das kann ihm nicht fehlen.  Wie glcklich war ich, Euch so 
unvermutet zu begegnen!  Ihr habt meinem Geschft ein Ende 
gemacht, und ich will Euch nun freudig nach Hause begleiten.

Rmer.
Ich kann Euch vor dem Abendessen noch hchst sonderbare Dinge 
von Rom erzhlen, die ihren Feinden smtlich zum Vorteil gereichen.  
Habt ihr ein Heer bereit?  Wie?

Volsker.
Ja, und ein wahrhaft knigliches.  Die Zenturionen und ihre 
Mannschaft sind schon frmlich verteilt und stehn im Sold, so 
da sie jede Stunde aufbrechen knnen.

Rmer.
Es freut mich, da sie so marschfertig sind, und ich denke, ich 
bin der Mann, der sie sogleich in Bewegung setzen wird.  Also 
herzlich willkommen, und hchst vergngt durch Eure Gesellschaft.

Volsker.
Ihr nehmt mir die Worte aus dem Munde; ich habe die meiste Ursach, 
mich dieser Zusammenkunft zu freuen.

Rmer.
Gut, lat uns gehn.

(Sie gehn ab.)



Zweite Szene

Antium.  Vor Aufidius' Haus
Coriolanus tritt auf in geringem Anzuge verkleidet und verhllt.


Coriolanus.
Dies Antium ist ein hbscher Ort.  O Stadt!
Ich schuf dir deine Witwen.  Manche Erben
Der schnen Huser hrt ich in der Schlacht
Sthnen und sterben.--Kenne mich drum nicht,
Sonst morden mich mit Bratspie deine Weiber,
In kindscher Schlacht mit Steinen deine Knaben.

(Es kommt ein Brger.)

Gott gr Euch, Herr.

Der Brger.
Und Euch.

Coriolanus.
Zeigt mir, ich bitte,
Wo Held Aufidius wohnt.  Ist er in Antium?

Brger.
Ja, und bewirtet heut in seinem Haus
Die Ersten unsrer Stadt.

Coriolanus.
Wo ist sein Haus?

Brger.
Dies ist's, Ihr steht davor.

Coriolanus.
Lebt wohl.  Ich dank Euch.

(Der Brger geht ab.)

O Welt! du rollend Rad!  Geschworne Freunde,
Die in zwei Busen nur ein Herz getragen,
Die Zeit und Bett und Mahl und Arbeit teilten,
Vereinigt stets, als wie ein Zwillingspaar,
In ungetrennter Liebe, brechen aus
Urpltzlich durch den Hader um ein Nichts
In bittern Ha.--So auch erboste Feinde,
Die Ha und Grimm nicht schlafen lie vor Planen,
Einander zu vertilgen, durch 'nen Zufall,
Ein Ding, kein Ei wert, werden Herzensfreunde,
Und Doppelgatten ihre Kinder.  So auch ich.
Ich hasse den Geburtsort, liebe hier
Die Feindesstadt.--Hinein!  Erschlgt er mich,
So bt er gutes Recht; nimmt er mich auf,
So dien ich seinem Land.

(Geht ab.)



Dritte Szene

Halle in Aufidius' Hause
Man hrt Musik von innen; es kommt ein Diener


Erster Diener.
Wein, Wein!  Was ist das fr Aufwartung?--Ich glaube, 
die Burschen sind alle im Schlaf.  (Geht ab.)  Ein zweiter 
Diener kommt.

Zweiter Diener.
Wo ist Cotus?  Der Herr ruft ihn.  Cotus.  

(Geht ab.  Coriolanus tritt auf.)

Coriolanus.
Ein hbsches Haus; das Mahl riecht gut.  Doch ich
Seh keinem Gaste gleich.  Der erste Diener kommt wieder.

Erster Diener.
Was wollt Ihr, Freund?  Woher kommt Ihr?  Hier ist kein 
Platz fr Euch.  Bitte, macht Euch fort.

Coriolanus.
Ich habe bessern Willkomm nicht verdient,
Wenn Coriolan ich bin.  Der Zweite Diener kommt.

Zweiter Diener.
Wo kommst du her, Freund?  Hat der Pfrtner keine Augen 
im Kopf, da er solche Gesellen herein lt?  Bitte, mach 
dich fort.

Coriolanus.
Hinweg!

Zweiter Diener.
Hinweg?  Geh du hinweg.

Coriolanus.
Du bist mir lstig.

Zweiter Diener.
Bist du so trotzig?  Man wird schon mit dir sprechen.  
Der dritte Diener kommt.

Dritter Diener.
Was ist das fr ein Mensch?

Erster Diener.
Ein so wunderlicher, wie ich noch keinen sah.  Ich kann ihn 
nicht aus dem Hause kriegen.  Ich bitte, ruf doch mal den Herrn her.

Dritter Diener.
Was habt Ihr hier zu suchen, Mensch?  Bitte, scher dich 
aus dem Haus.

Coriolanus.
Lat mich hier stehn, nicht schad ich euerm Herd.

Dritter Diener.
Wer seid Ihr?

Coriolanus.
Ein Mann von Stande.

Dritter Diener.
Ein verwnscht armer.

Coriolanus.
Gewi, das bin ich.

Dritter Diener.
Ich bitte Euch, armer Mann von Stande, sucht Euch ein andres 
Quartier; hier ist kein Platz fr Euch.--Ich bitte Euch, packt 
Euch fort.

Coriolanus.
Euerm Berufe folgt.  Hinweg!  Stopft euch mit kalten Bissen.  

(Stt den Diener weg.)

Dritter Diener.
Was, Ihr wollt nicht?  Bitte, sage doch meinem Herrn, was er 
hier fr einen seltsamen Gast hat.

Zweiter Diener.
Das will ich.  

(Geht ab.)

Dritter Diener.
Wo wohnst du?

Coriolanus.
Unter dem Firmament.

Dritter Diener.
Unter dem Firmament?

Coriolanus.
Ja.

Dritter Diener.
Wo ist das?

Coriolanus.
In der Stadt der Geier und Krhen.

Dritter Diener.
In der Stadt der Geier und Krhen?  Was das fr ein Esel ist! 
So wohnst du auch wohl bei den Dohlen?

Coriolanus.
Nein, ich diene nicht deinem Herrn.

Erster Diener.
Kerl!  was hast du mit meinem Herrn zu schaffen?

Coriolanus.
Nun, das ist doch schicklicher, als wenn ich mit deiner Frau 
zu schaffen htte.  Du schwatzest und schwatzest.--Trag deine 
Teller weg.  Marsch!  

(Er schlgt ihn hinaus.  Aufidius tritt auf.)

Aufidius.
Wo ist der Mensch?

Zweiter Diener.
Hier, Herr.  Ich htte ihn wie einen Hund hinausgeprgelt, ich 
wollte nur die Herren drinnen nicht stren.

Aufidius.
Woher kommst du?  Was willst du?  Dein Name?  Weshalb antwortest 
du nicht?  Sprich, Mensch, wie heiest du?

Coriolanus (schlgt den Mantel auseinander).
Wenn, Tullus,
Du noch nicht mich erkennst, und, mich beschauend,
Nicht findest, wer ich bin, zwingt mich die Not,
Mich selbst zu nennen.

Aufidius.
Und wie ist dein Name?

Coriolanus.
Ein Name, schneidend fr der Volsker Ohr,
Und rauhen Klangs fr dich.

Aufidius.
Wie ist dein Name?
Du hast ein grimmig Aussehn, deine Mien ist
Gebieterisch.  Ist auch zerfetzt dein Tauwerk,
Zeigst du als wackres Schiff dich.  Wie dein Name?

Coriolanus.
Zieh deine Stirn in Falten.  Kennst mich jetzt?

Aufidius.
Nicht kenn ich dich.  Dein Name?

Coriolanus.
Mein Nam ist Cajus Marcius, der dich selbst
Vorerst und alle deine Landsgenossen
Sehr schwer verletzt' und elend machte; Zeuge:
Mein dritter Name Coriolan.  Die Kriegsmhn,
Die Todsgefahr und all die Tropfen Bluts,
Vergossen fr das undankbare Rom,
Das alles wird bezahlt mit diesem Namen,
Er, starkes Mahnwort und Anreiz zu Ha
Und Feindschaft, die du mir mut hegen.  Nur
Der Name bleibt.  Die Grausamkeit des Volks,
Ihr Neid, gestattet von dem feigen Adel,
Die alle mich verlieen, schlang das andre.
Sie duldeten's, mich durch der Sklaven Stimmen
Aus Rom gezischt zu sehn.--Diese Verruchtheit
Bringt mich an deinen Herd; die Hoffnung nicht,
Versteh mich recht, mein Leben zu erhalten;
Denn frchtet ich den Tod, so mied' ich wohl
Von allen Menschen dich zumeist;--nein, Ha,
Ganz meinen Neidern alles wettzumachen,
Bringt mich hierher.--Wenn du nun in dir trgst
Ein Herz des Grimms, das Rache heischt fr alles,
Was dich als Mann gekrnkt, und die Verstmmlung
Und Schmach in deinem ganzen Land will strafen,
Mach dich gleich dran, da dir mein Elend ntze,
Da dir mein Rachedienst zur Wohltat werde;
Denn ich bekmpfe
Mein gifterflltes Land mit aller Wut
Der Hllengeister.  Doch fgt es sich so:
Du wagst es nicht und bist ermdet, hher
Dein Glck zu steigern, dann, mit einem Wort,
Bin ich des Lebens auch hchst berdrssig;
Dann biet ich dir und deinem alten Ha
Hier meine Gurgel.--Schneidest du sie nicht,
So wrdest du nur als ein Tor dich zeigen;
Denn immer hab ich dich mit Grimm verfolgt
Und Tonnen Blutes deinem Land entzapft.
Ich kann nur leben dir zum Hohn, es sei denn,
Um Dienste dir zu tun.

Aufidius.
O Marcius, Marcius!
Ein jedes Wort von dir hat eine Wurzel
Des alten Neids mir aus der Brust gejtet.
Wenn Jupiter
Von jener Wolk uns als Orakel riefe:
"Wahr ist's!" nicht mehr als dir wrd ich ihm glauben.
Ganz edler Marcius!  O! la mich umwinden
Den Leib mit meinen Armen, gegen den
Mein fester Speer wohl hundertmal zerbrach,
Und traf den Mond mit Splittern.  Hier umfang ich
Den Ambo meines Schwerts und ringe nun
So edel und so hei mit deiner Liebe,
Als je mein eiferschtger Mut gerungen
Mit deiner Tapferkeit.  La mich bekennen:
Ich liebte meine Braut, nie seufzt' ein Mann
Mit treurer Seele; doch, dich hier zu sehn,
Du hoher Geist! dem springt mein Herz noch freudger,
Als da mein neuvermhltes Weib zuerst
Mein Haus betrat.  Du Mars, ich sage dir,
Ganz fertig steht ein Kriegsheer, und ich wollte
Noch einmal dir den Schild vom Arme hauen,
Wo nicht, den Arm verlieren.  Zwlfmal hast du
Mich ausgeklopft, und jede Nacht seitdem
Trumt ich vom Balgen zwischen dir und mir.
Wir waren beid in meinem Schlaf am Boden,
Die Helme reiend, bei der Kehl uns packend:
Halbtot vom Nichts erwacht ich.--Wrdger Marcius!
Htt ich nicht andern Streit mit Rom, als nur,
Da du von dort verbannt, ich bte auf
Von zwlf zu siebzig alles Volk, um Krieg
Ins Herz des undankbaren Roms zu gieen
Mit berschwellnder Flut.--O komm! tritt ein
Und nimm die Freundeshand der Senatoren,
Die jetzt hier sind, mir Lebewohl zu sagen,
Der eure Lnderein angreifen wollte,
Wenn auch nicht Rom selbst.

Coriolanus.
Gtter, seid gepriesen!

Aufidius.
Willst du nun selbst als unumschrnkter Herr
Dein eigner Rcher sein, so bernimm
Die Hlfte meiner Macht; bestimme du,
Wie dir gefllt, da du am besten kennst
Des Landes Kraft und Schwche, deinen Weg,
Sei's, anzuklopfen an die Tore Roms,
Sei's, sie an fernen Grenzen heimzusuchen,
Erst schreckend, dann vernichtend.  Doch tritt ein
Und sei empfohlen jenen, da sie ja
Zu deinen Wnschen sprechen.--Tausend Willkomm!
Und mehr mein Freund als du je Feind gewesen,
Und, Marcius, das ist viel.  Komm, deine Hand.  

(Coriolanus und Aufidius gehn ab.)

Erster Diener.
Das ist eine wunderliche Verndrung.

Zweiter Diener.
Bei meiner Hand, ich dachte, ihn mit einem Prgel 
hinauszuschlagen, und doch ahnete mir, seine Kleider 
machten von ihm eine falsche Aussage.

Erster Diener.
Was hat er fr einen Arm!  Er schwenkte mich herum mit 
seinem Daum und Finger, wie man einen Kreisel tanzen lt.

Zweiter Diener.
Nun, ich sah gleich an seinem Gesicht, da was Besonderes 
in ihm steckte.  Er hatte mir eine Art von Gesicht, sag ich--
ich wei nicht, wie ich es nennen soll.

Erster Diener.
Das hatte er.  Er sah aus, gleichsam--ich will mich hngen lassen, 
wenn ich nicht dachte, es wre mehr in ihm, als ich denken konnte.

Zweiter Diener.
Das dachte ich auch, mein Seel.  Er ist geradezu der herrlichste 
Mann der Welt.

Erster Diener.
Das glaube ich auch.  Aber einen besseren Krieger als er kennst 
du doch wohl.

Zweiter Diener.
Wer?  mein Herr?

Erster Diener.
Ja, das ist keine Frage.

Zweiter Diener.
Der wiegt sechs solche auf.

Erster Diener.
Nein, das nun auch nicht, doch ich halte ihn fr einen 
bessern Krieger.

Zweiter Diener.
Mein Treu! sieh, man kann nicht sagen, was man davon 
denken soll; was die Verteidigung einer Stadt betrifft, 
da ist unser Feldherr vorzglich.

Erster Diener.
Ja, und auch fr den Angriff.  Der dritte Diener kommt 
zurck.

Dritter Diener.
O, Bursche, ich kann euch Neuigkeiten erzhlen, Neuigkeiten, 
ihr Flegel!

Die beiden andern.
Was?  was?  was?  La hren.

Dritter Diener.
Ich wollte kein Rmer sein, lieber alles in der Welt; lieber 
wre ich ein verurteilter Mensch.

Erster und zweiter Diener.
Warum?  Warum?

Dritter Diener.
Nun, der ist da, der unsern Feldherrn immer zwackte, der 
Cajus Marcius.

Erster Diener.
Warum sagtest du, unsern Feldherrn zwacken?

Dritter Diener.
Ich sage just nicht, unsern Feldherrn zwacken; aber er war 
ihm doch immer gewachsen.

Zweiter Diener.
Kommt, wir sind Freunde und Kameraden.  Er war ihm immer zu 
mchtig, das habe ich ihn selbst sagen hren.

Erster Diener.
Er war ihm, kurz und gut, zu mchtig, Vor Corioli hackte und 
zwackte er ihn wie eine Karbonade.

Zweiter Diener.
Und htte er was von einem Kannibalen gehabt, so htte er 
ihn wohl gebraten und aufgegessen dazu.

Erster Diener.
Aber dein andres Neues?

Dritter Diener.
Nun, da drinnen machen sie soviel Aufhebens von ihm, als wenn 
er der Sohn und Erbe des Mars wre.  Obenan gesetzt bei Tische, 
von keinem der Senatoren gefragt, der sich nicht barhuptig vor 
ihn hinstellt.  Unser Feldherr selbst tut, als wenn er seine 
Geliebte wre, segnet sich mit Berhrung seiner Hand und dreht 
das Weie in den Augen heraus, wenn er spricht.  Aber der Grund 
und Boden meiner Neuigkeit ist: unser Feldherr ist mitten 
durchgeschnitten und nur noch die Hlfte von dem, was er gestern 
war; denn der andre hat die Hlfte durch Ansuchen und Genehmigung 
der ganzen Tafel.  Er sagt, er will gehn und den Pfrtner von Rom 
bei den Ohren zerren, er will alles vor sich niedermhen und sich 
glatten Weg machen.

Zweiter Diener.
Und er ist der Mann danach, es zu tun, mehr als irgend jemand, 
den ich kenne.

Dritter Diener.
Es zu tun?  Freilich wird er's tun!  Denn versteht, Leute, er hat 
ebensoviel Freunde als Feinde; und diese Freunde, Leute, wagten 
gleichsam nicht, versteht mich, Leute, sich als seine Freunde, 
wie man zu sagen pflegt, zu zeigen, solange er in Mikreditierung 
war.

Erster Diener.
In Mikreditierung?  Was ist das?

Dritter Diener.
Aber Leute, wenn sie seinen Kamm wieder hoch sehen werden und 
den Mann in seiner Kraft, so werden sie aus ihren Hhlen kriechen 
wie Kaninchen nach dem Regen, und ihm alle nachlaufen.

Erster Diener.
Aber wann geht das los?

Dritter Diener.
Morgen, heute, sogleich.  Ihr werdet die Trommel heute nachmittag 
schlagen hren, es ist gleichsam noch eine Schssel zu ihrem Fest, 
die verzehrt werden mu, ehe sie sich den Mund abwischen.

Zweiter Diener.
Nun, so kriegen wir doch wieder eine muntre Welt.  Der Friede ist zu 
nichts gut als Eisen zu rosten, Schneider zu vermehren und Bnkelsnger 
zu schaffen.

Erster Diener.
Ich bin fr den Krieg, sage ich, er bertrifft den Frieden wie der 
Tag die Nacht; er ist lustig, wachsam, gesprchig, immer was Neues; 
Friede ist Stumpfheit, Schlafsucht, dick, faul, taub, unempfindlich 
und bringt mehr Bastarde hervor, als der Krieg Menschen erwrgt.

Zweiter Diener.
Richtig; und wie man auf gewisse Weise den Krieg Notzucht nennen kann, 
so macht, ohne Widerrede, der Friede viele Hahnrei'.

Erster Diener.
Ja, und er macht, da die Menschen einander hassen.

Dritter Diener.
Und warum?  Weil sie dann einander weniger ntig haben.  Der Krieg ist 
mein Mann.--Ich hoffe, Rmer sollen noch ebenso wohlfeil werden als 
Volsker.  Sie stehn auf, sie stehn auf!

Alle.
Hinein! hinein!

(Alle ab.)



Vierte Szene

Rom.  Ein ffentlicher Platz
Sicinius und Brutus treten auf


Sicinius.
Man hrt von ihm nichts, hat ihn nicht zu frchten.
Was ihn gestrkt, ist zahm, wo Friede jetzt
Und Ruh im Volke, welches sonst emprt
Und wild.  Wir machen seine Freund' errten,
Da alles blieb im ruh'gen Gleis.  Sie shen
Viel lieber, ob sie selbst auch drunter litten,
Aufrhrerhaufen unsre Straen strmen,
Als da der Handwerksmann im Laden singt
Und alle freudig an die Arbeit gehn.  

(Menenius tritt auf.)

Brutus.
Wir griffen glcklich durch.  Ist das Menenius?

Sicinius.
Er ist es.  O! er wurde sehr geschmeidig
Seit kurzem.--Seid gegrt!

Menenius.
Ich gr euch beide.

Sicinius.
Euer Coriolanus wird nicht sehr vermit,
Als von den Freunden nur; der Staat besteht
Und wrde stehn, wenn er ihn mehr noch hate.

Menenius.
Gut ist's und knnte noch weit besser sein,
Htt er sich nur gefgt.

Sicinius.
Wo ist er?  Wit Ihr's--

Menenius.
Ich hrte nichts; auch seine Frau und Mutter
Vernehmen nichts von ihm.  Es kommen mehrere Brger.

Die Brger.
Der Himmel schtz euch!

Sicinius.
Guten Abend, Nachbarn!

Brutus.
Guten Abend allen!  Allen guten Abend!

Erster Brger.
Wir, unsre Fraun und Kinder sind verpflichtet,
Auf Knien fr euch zu beten.

Sicinius.
Geh's euch wohl.

Brutus.
Lebt wohl, ihr Nachbarn.  Htte Coriolanus
Euch so geliebt wie wir!

Die Brger.
Der Himmel segn euch.

Die Tribunen.
Lebt wohl! lebt wohl!  

(Die Brger gehn ab.)

Sicinius.
Dies ist beglcktre wohl und liebre Zeit,
Als da die Burschen durch die Straen liefen,
Zerstrung brllend.

Brutus.
Cajus Marcius war
Im Krieg ein wrdger Held, doch unverschmt
Von Stolz geblht, ehrgeizig bers Ma,
Selbstschtig--

Sicinius.
Unumschrnkte Macht erstrebend
Ohn andern Beistand.

Menenius.
Nein das glaub ich nicht.

Sicinius.
Das htten wir, so da wir's all' beweinten,
Empfunden, wr er Konsul nur geblieben.

Brutus.
Die Gtter wandten's gndig ab, und Rom
Ist frei und sicher ohne ihn.  Ein dil kommt

dil.
Tribunen,
Da ist ein Sklave, den wir festgesetzt;
Der sagt: "Es brach mit zwei verschiednen Heeren
Der Volsker Macht ins rmische Gebiet,
Und mit des Krieges frchterlichster Wut
Verwsten sie das Land."

Menenius.
Das ist Aufidius,
Der, da er unsers Marcius Bann gehrt,
Die Hrner wieder ausstreckt in die Welt,
Die er einzog, als Marcius stand fr Rom,
Und nicht ein Blickchen wagte.

Sicinius.
Ei, was schwatzt Ihr
Vom Marcius da.

Brutus.
Peitscht diesen Lgner aus.  Es kann nicht sein.
Die Volsker wagen nicht den Bruch.

Menenius.
Es kann nicht sein?
Wohl sagt uns die Erinnrung, da es sein kann;
Dreimal bezeugt' er uns dasselbe Beispiel
In meiner Zeit.--Sprecht doch mit dem Gesellen,
Eh ihr ihn straft, fragt ihn, wo er's gehrt;
Ihr mchtet sonst wohl eure Warnung peitschen,
Den Boten schlagen, der euch wahren will
Vor dem, was zu befrchten.

Sicinius.
Sprecht nicht so!
Ich wei, es kann nicht sein.

Brutus.
Es ist unmglich.  Ein Bote kommt.

Bote.
In grter Eil versammelt der Senat
Sich auf dem Kapitol.--Sie hrten Botschaft,
Die ihr Gesicht entfrbt.

Sicinius.
Das macht der Sklave.
Lat vor dem Volk ihn peitschen; sein Verhetzen--
Nichts als sein Mrchen.

Bote.
Nicht doch, wrdger Herr.
Des Sklaven Wort besttigt sich, und weit,
Weit schlimmer, als er aussagt.

Sicinius.
Wie, weit schlimmer?

Bote.
Es wird von vielen Zungen frei gesprochen,
Ob glaublich, wei ich nicht, es fhre Marcius,
Aufidius zugesellt, ein Heer auf Rom;
So weite Rache schwrend, wie der Anfang
Der Dinge weit vom jetzt ist.

Sicinius.
O! hchst glaublich!

Brutus.
Nur ausgestreut, damit der schwchre Teil
Den guten Marcius heim soll wnschen.

Sicinius.
Freilich
Ist das der Kniff.

Menenius.
Nein, dies ist unwahrscheinlich.
Nicht mehr kann mit Aufidius er sich einen,
Als was am heftigsten sich widerspricht.  Es kommt ein zweiter Bote.

Bote.
Man lt in Eil aufs Kapitol euch fordern;
Ein furchtbar Heer, gefhrt von Cajus Marcius,
Aufidius zugesellt, verwstet rings
Die ganze Landschaft und betritt den Weg
Hierher, durch Feur gebahnt, zerstrend alles,
Was ihrer Wut begegnet.  

(Cominius tritt auf)

Cominius.
Oh! ihr habt Hbsches angerichtet.

Menenius.
Nun, was gibt's?

Cominius.
Die eignen Tchter helft ihr schnden und
Der Dcher Blei auf eure Schdel schmelzen,
Vor euren Augen eure Fraun entehren.

Menenius.
Was gibt es denn?  Was gibt's denn?

Cominius.
Verbrennen eure Tempel bis zum Grund,
Und eure Recht', auf die ihr pocht, verjagen
Bis in ein Museloch.

Menenius.
Ich bitt Euch--sprecht!
Ich frcht, ihr habt es schn gemacht.  O sprecht!
Wenn Marcius sich verband den Volskern--

Cominius.
Wenn?
Er ist ihr All, er fhrt sie als ein Wesen,
Das nicht Natur erschuf, nein, eine Gottheit,
Die hher ihn begabt.  Sie folgen ihm
Her gegen uns Gezcht, so ruhig, sicher,
Wie Knaben bunte Schmetterlinge jagen
Und Schlchter Fliegen tten.

Menenius.
Ihr habt's schn gemacht.
Ihr, eure Schrzfellmnner, die so fest
Auf ihre Handwerksstimmen hielten, und
Der Knoblauchfresser Atem.

Cominius.
Schtteln wird er
Euch um die Ohren Rom.

Menenius.
Wie Herkules
Die reife Frucht abschttelt'.  Schne Arbeit!

Brutus.
So ist es wahr?

Cominius.
Ja, und ihr sollt erbleichen,
Bevor ihr's anders findet.  Jede Stadt
Fllt lachend ab, und wer sich widersetzt,
Den hhnt man ob der tapfern Dummheit aus,
Der stirbt als treuer Narr.  Wer kann ihn tadeln?
Die Feind' ihm sind, sehn jetzo, was er ist.

Menenius.
Wir alle sind verloren, wenn der Edle
Nicht Gnade bt.

Cominius.
Wer soll ihn darum bitten?
Aus Schande knnen's die Tribunen nicht;
Das Volk verdient von ihm Erbarmen, wie
Der Wolf vom Schfer.--Seine besten Freunde,
Sagten sie: "Schone Rom!", sie krnkten ihn
Gleich jenen, welche seinen Ha verdient,
Und zeigten sich als Feinde.

Menenius.
Das ist wahr.
Wenn er den Brand an meine Schwelle legte,
Sie zu verzehren, htt ich nicht die Stirn,
Zu sagen: "Bitte, la!"-- Ihr treibt es schn,
Ihr und das Handwerk.  Herrlich Werk der Hand!

Cominius.
Ihr brachtet
Solch Zittern ber Rom, da sich's noch nie
So hilflos fand.

Die Tribunen.
Sagt nicht, da wir es brachten.

Menenius.
So?  Waren wir's?  Wir liebten ihn, doch tierisch
Und knechtisch feig, nicht adlig, wichen wir
Dem Pack, das aus der Stadt ihn zischte.

Cominius.
Ich frchte,
Sie brllen wieder ihn herein.  Aufidius,
Der Mnner zweiter, folgt nur seinem Wink,
Als dient' er unter ihm.  Verzweiflung nur
Kann Rom ihm nun statt Kriegskunst und Verteidgung
Und Macht entgegenstellen.  Es kommt ein Haufen Brger.

Menenius.
Hier kommt das Pack.
Und ist Aufidius mit ihm?  Ja, ihr seid's,
Die unsre Luft verpestet, als ihr warft
Die schweigen Mtzen in die Hh und schriet:
"Verbannt sei Coriolan."--Nun kommt er wieder,
Und jedes Haar auf seiner Krieger Haupt
Wird euch zur Geiel.--Soviel Narrenkpfe,
Als Mtzen flogen, wird er niederstrecken
Zum Lohn fr eure Stimmen.--Nun, was tut's?
Und wenn er all' uns brennt in eine Kohle,
Geschieht uns recht.

Die Brger.
Wir hrten bse Zeitung.

Erster Brger.
Was mich betrifft, als ich gesagt: "Verbannt ihn",
Da sagt ich: "Schade drum!"

Zweiter Brger.
Das tat ich auch.

Dritter Brger.
Das tat ich auch; und, die Wahrheit zu sagen, das taten viele 
von uns.  Was wir taten, das taten wir zum allgemeinen Besten; 
und obgleich wir freiwillig in seine Verbannung einwilligten, 
so war es doch gegen unsern Willen.

Cominius.
Ihr seid ein schnes Volk, ihr Stimmen!

Menenius.
Ihr machtet's herrlich, ihr und euer Pack.
Gehn wir aufs Kapitol?

Cominius.
Jawohl.  Was sonst?  

(Cominius und Menenius gehn ab.)

Sicinius.
Geht, Freunde, geht nach Haus, seid nicht entmutigt.
Dies ist sein Anhang, der das wnscht besttigt,
Was er zu frchten vorgibt.  Geht nach Haus.
Seid ohne Furcht.

Erster Brger.
Die Gtter seien uns gndig.  Kommt, Nachbarn, lat uns nach Hause 
gehn.  Ich sagte immer: Wir taten unrecht, als wir ihn verbannten.

Zweiter Brger.
Das taten wir alle.  Kommt, lat uns nach Hause gehn.  

(Die Brger gehn ab.)

Brutus.
Die Neuigkeit gefllt mir nicht.

Sicinius.
Mir auch nicht.

Brutus.
Aufs Kapitol!  Mein halb Vermgen gb ich,
Knnt ich als Lge diese Nachricht kaufen.

Sicinius.
Kommt, lat uns gehn.

(Gehn ab.)



Fnfte Szene

Ein Lager in geringer Entfernung von Rom
Aufidius und ein Hauptmann treten auf


Aufidius.
Noch immer laufen sie dem Rmer zu?

Hauptmann.
Ich wei nicht, welche Zauberkraft er hat;
Doch dient zum Tischgebet er Euren Kriegern,
Wie zum Gesprch beim Mahl und Dank am Schlu.
Ihr seid in diesem Krieg verdunkelt, Herr,
Selbst von den Eignen.

Aufidius.
Jetzt kann ich's nicht ndern,
Als nur durch Mittel, die die Krfte lhmten
Von unsrer Absicht.  Er betrgt sich stolzer,
Selbst gegen mich, als ich es je erwartet,
Da ich zuerst ihn aufnahm.  Doch sein Wesen
Bleibt darin sich getreu.  Ich mu entschuldgen,
Was nicht zu bessern ist.

Hauptmann.
Doch wnscht ich, Herr,
Zu Eurem eignen Heil, Ihr httet nie
Mit ihm geteilt Eur Ansehn, nein, entweder
Die Fhrung selbst behalten oder ihm
Allein sie berlassen.

Aufidius.
Wohl wei ich, was du meinst; und, sei versichert,
Wenn's zur Erklrung kommt, so denkt er nicht,
Wes ich ihn kann beschuldgen.  Scheint es gleich,
Und glaubt er selbst, und berzeugt sich auch
Das Volk, da er in allem redlich handelt
Und guten Haushalt fr die Volsker fhrt;
Ficht, gleich dem Drachen, siegt, sobald er nur
Das Schwert gezckt; doch blieb noch ungetan,
Was ihm den Hals soll brechen oder meinen
Gefhrden, wenn wir miteinander rechnen.

Hauptmann.
Herr, glaubt Ihr, da er Roms sich wird bemeistern?

Aufidius.
Jedwede Stadt ist sein, eh er belagert,
Und ihm ergeben ist der Adel Roms;
Patrizier lieben ihn und Senatoren.
Den Krieg versteht nicht der Tribun.  Das Volk
Wird schnell zurck ihn rufen, wie's ihn eilig
Von dort verstie.  Ich glaub, er ist fr Rom,
Was fr den Fisch der Meeraar, der ihn fngt
Durch angeborne Macht.  Erst war er ihnen
Ein edler Diener; doch er konnte nicht
Die Wrden mig tragen.  Sei's nun Stolz,
Der immer, bleibt das Glck unwandelbar,
Den Glcklichen befleckt; sei's Urteilsmangel,
Wodurch er nicht den Zufall klug genutzt,
Den er beherrschte; oder sei's Natur,
Die ihn aus einem Stck schuf--stets derselbe
Im Helme wie im Rat, herrscht' er im Frieden
Mit unbeugsamer Streng und finsterm Ernst,
Wie er dem Krieg gebot.  Schon eins von diesen
(Von jedem hat er etwas, keines ganz,
So weit sprech ich ihn frei) macht' ihn gefrchtet,
Gehat, verbannt.--Doch so ist sein Verdienst,
Da es im berma erstirbt.  So fllt
Stets unser Wert der Zeiten Deutung heim;
Und Macht, die an sich selbst zu loben ist,
Hat kein so unverkennbar Grab, als wenn
Von Rednerbhnen wird ihr Tun gepriesen.
Der Nagel treibt den Nagel, Brand den Brand,
Kraft sinkt durch Kraft, durch Recht wird Recht verkannt.
Kommt, lat uns gehn.  Ist, Cajus, Rom erst dein,
Dann bist der rmste du und dann bald mein.

(Sie gehn ab.)




Fnfter Aufzug 



Erste Szene

Rom, ein ffentlicher Platz
Es treten auf Menenius, Cominius, Sicinius, Brutus und andere


Menenius.
Nein, ich geh nicht.--Ihr hrt, was dem er sagte,
Der einst sein Feldherr war; der ihn geliebt
Aufs allerzrtlichste.  Mich nannt er Vater;
Doch was tut das?--Geht ihr, die ihn verbannt,
'ne Meile schon vor seinem Zelt fallt nieder
Und schleicht so kniend in seine Gnade.--Nein:
Wollt er nichts von Cominius hren, bleib ich
Zu Haus.

Cominius.
Er tat, als kennte er mich nicht.

Menenius.
Hrt ihr's?

Cominius.
Doch einmal nannt er mich bei meinem Namen:
Die alte Freundschaft macht ich geltend, Blut,
Gemeinsam sonst vergossen.  Coriolan
Wollt er nicht sein, verbat sich jeden Namen:
Er sei ein Nichts, ein ungenanntes Wesen,
Bis er sich einen Namen neu geschmiedet
Im Brande Roms.

Menenius.
Ah! so.  Ihr machtet's gut.
Ein Paar Tribunen, die fr Rom sich qulten,
Wohfeil zu machen Kohlen.--Edler Ruhm!

Cominius.
Ich mahnt ihn, wie so kniglich Verzeihung,
Je minder sie erwartet sei.  Er sprach,
Das sei vom Staat ein kahles Wort an ihn,
Den selbst der Staat bestraft.

Menenius.
Das war ganz recht.
Was konnt er anders sagen?

Cominius.
Ich suchte dann sein Mitleid zu erwecken
Fr die besondern Freund'.  Er gab zur Antwort:
Nicht lesen knn er sie aus einem Haufen
Verdorbner, schlechter Spreu, auch sei es Torheit,
Um ein zwei arme Krner stinken lassen
Den Unrat unverbrannt.

Menenius.
Um ein paar Krner?
Davon bin ich eins, seine Frau und Mutter,
Sein Kind, der wackre Freund, wir sind die Krner:
Ihr seid die dumpfe Spreu, und eur Gestank
Dringt bis zum Mond; wir mssen fr euch brennen.

Sicinius.
Seid milde doch, wenn ihr zu helfen weigert
In so ratloser Zeit.  Verhhnt uns mindestens
Mit unserm Elend nicht; denn sprchet Ihr
Fr Euer Vaterland, Eur gutes Wort,
Mehr als ein eilig aufgerafftes Heer,
Hemmt' unsern Landsmann.

Menenius.
Nein ich bleib davon.

Sicinius.
Ich bitt Euch, geht zu ihm.

Menenius.
Was soll es nutzen?

Brutus.
Versuchen nur, was Eure Liebe kann
Fr Rom bei Marcius.

Menenius.
Und gesetzt, da Marcius
Zurck mich schickt, wie er Cominius tat,
Ganz ungehrt.--Die Folge?
Noch ein gekrnkter Freund, von Gram durchbohrt
Durch seine Hrte.  Nun?

Sicinius.
Euern Willen
Erkennt Rom dankbar nach dem Ma, wie Ihr
Die gute Meinung zeigt.

Menenius.
Ich will's versuchen--
Kann sein, er hrt mich; doch, die Lippe beien
Und grollen mit Cominius schwcht mein Herz.
Man traf die Stunde nicht, vor Tische war's.
Und sind die Adern leer, ist kalt das Blut,
Dann schmollen wir dem Morgen, sind unwillig
Zu geben und vergeben; doch gefllt
Die Rhren und Kanle unsers Bluts
Mit Wein und Nahrung, macht die Seele schmeidger
Als priesterliches Fasten.--Drum erpa ich,
Bis er fr mein Gesuch in Tafellaune,
Und dann mach ich mich an ihn.

Brutus.
Ihr kennt den wahren Pfad zu seiner Gte
Und knnt des Wegs nicht fehlen.

Menenius.
Gut, ich prf ihn.
Geh's, wie es will, bald werd ich selber wissen,
Ob's mir gelang.  

(Geht ab.)

Cominius.
Er hrt ihn nimmer.

Sicinius.
Nicht?

Cominius.
Glaubt mir, er sitzt in Gold, sein Blick so feurig,
Als wollt er Rom verbrennen; und sein Zorn
Ist Kerkermeister seiner Gnad.--Ich kniete,
Nur leise sprach er: "Auf!"--entlie mich--so--
Mit seiner stummen Hand.  Was er tun wrde,
Schickt' er mir schriftlich nach; was er nicht wrde,
Zwng ihn ein Eid, sich selbst nicht nachzugeben.
So da uns keine Hoffnung bleibt--
Wenn's seine edle Mutter nicht und Gattin--
Die, hr ich, sind gewillt, ihn anzuflehn
Um Gnade fr die Stadt; drum gehn wir hin,
Da unser bestes Wort sie noch mehr treibe.

(Gehn ab.)



Zweite Szene

Lager der Volsker vor Rom
Zwei Wachen der Volsker, zu ihnen kommt Menenius


Erste Wache.
Halt!--Woher kommt Ihr?

Zweite Wache.
Halt, und geht zurck!

Menenius.
Ihr wacht wie Mnner.  Gut; doch mit Vergunst,
Ich bin ein Staatsbeamter und gekommen,
Mit Coriolan zu sprechen.

Erste Wache.
Von wo?

Menenius.
Von Rom.

Erste Wache.
Ihr kommt nicht durch, Ihr mt zurck.--Der Feldherr
Will nichts von dort mehr hren.

Zweite Wache.
Ihr sollt Eur Rom in Flammen sehn, bevor
Mit Coriolan Ihr sprecht.

Menenius.
Ihr guten Freunde,
Habt ihr gehrt von Rom den Feldherrn sprechen
Und seinen Freunden dort?  Zehn gegen eins,
So traf mein Nam eur Ohr, er heit Menenius.

Erste Wache.
Mag sein.  Zurck! denn Euers Namens Wrde
Bringt Euch nicht durch.

Menenius.
Ich sage dir, mein Freund,
Dein Feldherr liebt mich, denn ich war die Chronik
Des Guten, das er tat, und wo sein Ruhm
Als gleichlos stand, wohl etwas bertrieben.
Denn immer zeugt ich gern fr meine Freunde
(Von denen er der liebste), ganz und gro,
Soweit's die Wahrheit litt.  Zuweilen wohl
So wie auf scheinbar glattem Grund die Kugel,
Sprang ich was jenseits, machte fast im Loben
Ein wenig Wind.--Drum, Kerl, mu ich auch durch.

Erste Wache.
Mein Treu, Herr, wenn Ihr auch so viele Lgen fr ihn 
als jetzt Worte fr Euch gesprochen habt, so sollt Ihr 
doch nicht durch.  Nein--und wenn auch das Lgen so 
verdienstlich wre wie ein keusches Leben.  Darum--zurck!

Menenius.
Ich bitte dich, Mensch, erinnere dich, da ich Menenius 
heie, der immer die Partei deines Feldherrn hielt.

Zweite Wache.
Wenn Ihr auch sein Lgner gewesen seid, wie Ihr vorgebt, 
so bin ich einer, der in seinem Dienst die Wahrheit spricht 
und Euch sagt, da Ihr hier nicht hinein drft.  Darum, zurck!

Menenius.
Hat er zu Mittag gegessen?  weit du's nicht?  denn ich wollte 
nicht gern eher mit ihm reden als nach der Mahlzeit.

Erste Wache.
Nicht wahr, Ihr seid ein Rmer?

Menenius.
Ich bin, was dein Feldherr ist.

Erste Wache.
Dann solltet Ihr auch Rom hassen, so wie er.  Knnt Ihr, 
nachdem Ihr Euern Verteidiger zu Euern Toren hinausgestoen 
und in Eurer bldsinnigen Volkswut Euerm Feind Euern eignen 
Schild gegeben habt, noch glauben, seine Rache liee sich durch 
die schwchlichen Seufzer alter Frauen abwenden, durch das 
jungfruliche Hndefalten Eurer Tchter, oder durch gichtlahme 
Frbitte eines so welken, kindischen Mannes, wie Ihr zu sein 
scheint?  Knnt Ihr glauben, das Feuer, das Eure Stadt entflammen 
soll, mit so schwachem Atem auszublasen?  Nein, Ihr irrt Euch--
darum, zurck nach Rom und bereitet Euch zu Eurer Hinrichtung.  
Ihr seid verurteilt ohne Aufschub und Gnade, das hat der General 
geschworen.

Menenius.
Bursche, wenn dein Hauptmann wte, da ich hier bin, so wrde er 
mich mit Achtung behandeln.

Erste Wache.
Geht, mein Hauptmann kennt Euch nicht.

Menenius.
Ich meine den Feldherrn.

Erste Wache.
Der Feldherr fragt nichts nach Euch.--Zurck, ich sag es Euch, 
geht, sonst zapfe ich noch Eure halbe Unze Blut ab--zurck! denn 
mehr knnt Ihr nicht haben!  Fort!

Menenius.
Nein, aber, Mensch!  Mensch!  Coriolanus und Aufidius treten auf.

Coriolanus.
Was gibt's?

Menenius.
Jetzt, Geselle, will ich dir etwas einbrocken--du sollst 
nun sehn, da ich in Achtung stehe.  Du sollst gewahr werden, 
da solch ein Hans Schilderhaus mich nicht von meinem Sohn 
Coriolan wegtreiben kann.  Sieh an der Art, wie er mit mir 
sprechen wird, ob du nicht reif fr den Galgen bist, oder 
fr eine Todesart von lngrer Aussicht und grerer Qual.  
Sieh nun her und fall sogleich in Ohnmacht wegen dessen, was 
dir bevorsteht.--Die glorreichen Gtter mgen stndliche 
Ratsversammlung halten wegen deiner besondern Glckseligkeit 
und dich nicht weniger lieben als dein alter Vater Menenius.  
O! mein Sohn! mein Sohn! du bereitest uns Feuer?  Sieh, hier 
ist Wasser, um es zu lschen.  Ich war schwer zu bewegen, zu 
dir zu gehn; aber weil ich berzeugt bin, da keiner besser 
als ich dich bewegen kann, so bin ich mit Seufzern aus den 
Toren dort hinausgeblasen worden und beschwre dich nun, Rom 
und deinen flehnden Landsleuten zu verzeihn.  Die gtigen Gtter 
mgen deinen Zorn snftigen und die Hefen davon hier auf diesen 
Schurken leiten, auf diesen, der mir, wie ein Klotz, den 
Eintritt zu dir versagte.

Coriolanus.
Hinweg!

Menenius.
Wie, hinweg?

Coriolanus.
Weib, Mutter, Kind, nicht kenn ich sie.--Mein Tun
Ist andern dienstbar.  Eignet mir die Rache
Auch gnzlich, kann doch von den Volskern nur
Verzeihung kommen.  Da wir einst vertraut,
Vergifte lieber undankbar Vergessen,
Als Mitleid sich, wie sehr, erinnre.  Fort denn!
Mein Ohr ist fester Euerm Flehn verschlossen,
Als Eure Tore meiner Kraft.  Doch nimm dies,
Weil ich dich liebt, ich schrieb's um deinetwillen
Und wollt es senden.  Kein Wort mehr, Menenius.
Verstatt ich dir.  Der Mann, Aufidius,
War mir sehr lieb in Rom; und dennoch siehst du--

Aufidius.
Du bleibst dir immer gleich.  

(Coriolanus und Aufidius gehn ab.)

Erste Wache.
Nun, Herr, ist Euer Name Menenius?

Zweite Wache.
Ihr seht, er ist ein Zauber von groer Kraft.  Ihr wit nun 
den Weg nach Hause.

Erste Wache.
Habt Ihr gehrt, wie wir ausgescholten sind, weil wir Eure 
Hoheit nicht einlieen?

Zweite Wache.
Warum doch, denkt Ihr, soll ich nun in Ohnmacht fallen?

Menenius.
Ich frage weder nach der Welt noch nach euerm Feldherrn.  
Was solche Kreaturen betrifft, wie ihr, so wei ich kaum, ob 
sie da sind, so unbedeutend seid ihr.--Wer den Entschlu fassen 
kann, von eigner Hand zu sterben, frchtet es von keiner andern.  
Mag euer Feldherr das rgste tun; und, was euch betrifft, bleibt, 
was ihr seid, lange, und eure Erbrmlichkeit wachse mit euerm Alter! 
Ich sage euch das, was mir gesagt wurde: Hinweg!--

(Er geht ab.)

Erste Wache.
Ein edler Mann, das mu ich sagen.

Zweite Wache.
Der wrdigste Mann ist unser Feldherr, er ist ein Fels, eine Eiche, 
die kein Sturm erschttert.

(Sie gehn ab.)



Dritte Szene

Coriolans Zelt
Es treten auf Coriolanus, Aufidius und andere


Coriolanus.
So ziehn wir morgen denn mit unserm Heer
Vor Rom.  Ihr, mein Geno in diesem Krieg,
Tut Euren Senatoren kund, wie redlich
Ich alles ausgefhrt.

Aufidius.
Nur ihren Vorteil
Habt Ihr beachtet; Euer Ohr verstopft
Roms allgemeinem Flehn; nie zugelassen
Geheimes Flstern; nein, selbst nicht von Freunden,
Die ganz auf Euch vertraut.

Coriolanus.
Der alte Mann,
Den ich nach Rom gebrochnen Herzens sende,
Er liebte mehr mich als mit Vaterliebe,
Ja, machte mich zum Gott.--Die letzte Zuflucht
War, ihn zu senden; und aus alter Liebe,
Blickt ich schon finster, tat ich noch einmal
Den ersten Antrag, den sie abgeschlagen
Und jetzt nicht nehmen knnen; ihn zu ehren,
Der mehr zu wirken hoffte, gab ich nach,
Sehr wenig nur.  Doch neuer Sendung, Bitte,
Sei's nun vom Staat, von Freunden, leih ich nun
Mein Ohr nicht mehr.--Ha! welch ein Lrm ist das?

(Geschrei hinter der Szene.)

Werd ich versucht, zu brechen meinen Schwur,
Indem ich ihn getan?  Ich werd es nicht.  Es treten auf Virgilia, 
Volumnia, die den jungen Mardas an der Hand fhrt.  Valeria mit 
Gefolge.  Alle in Trauer.  Mein Weib voran, dann die ehrwrdge Form,
Die meinen Leib erschuf, an ihrer Hand
Der Enkel ihres Bluts.--Fort, Sympathie!
Brecht, all ihr Band' und Rechte der Natur!
Sei's tugendhaft, in Starrsinn fest zu bleiben.--
Was gilt dies Beugen mir?  dies Taubenauge,
Das Gtter lockt zum Meineid?--Ich zerschmelze!
Und bin nicht festre Erd als andre Menschen--
Ha! meine Mutter beugt sich--
Als wenn Olympus sich vor kleinem Hgel
Mit Flehen neigte; und mein junger Sohn
Hat einen Blick der Bitt, aus dem allmchtig
Natur schreit: "Weiger's nicht!"--Nein, pflge auf
Der Volsker Rom, verheer Italien.--Nimmer
Soll, wie unflgge Brut, Instinkt mich fhren;
Ich steh, als wr der Mensch sein eigner Schpfer
Und kennte keinen Ursprung.

Virgilia.
Herr und Gatte!

Coriolanus.
Mein Auge schaut nicht mehr wie sonst in Rom.

Virgilia.
Der Gram, der uns verwandelt hat, macht dich
So denken.

Coriolanus.
Wie ein schlechter Spieler jetzt
Verga ich meine Roll und bin verwirrt,
Bis zur Verhhnung selbst.--Blut meines Herzens!
Vergib mir meine Tyrannei; doch sage
Drum nicht: "Vergib den Rmern."--O! ein Ku,
Lang wie mein Bann und s wie meine Rache.
Nun, bei der Juno Eifersucht, den Ku
Nahm ich, Geliebte, mit, und meine Lippe
Hat ihn seitdem jungfrulich treu bewahrt.
Ihr Gtter! wie?  ich schwatze?
Und aller Mtter edelste der Welt
Blieb unbegrt?--Mein Knie, sink in die Erde,
Drck tiefer deine Pflicht dem Boden ein
Als jeder andre Sohn.  

(Er kniet nieder.)

Volumnia.
Steh auf gesegnet!
Da, auf nicht weicherm Kissen als der Stein,
Ich vor dir knie und Huldgung neuer Art
Dir weihe, die bisher ganz falsch verteilt
War zwischen Kind und Eltern.  

(Sie kniet.)

Coriolanus.
Was ist das?
Ihr vor mir knien?  vor dem gescholtnen Sohn?
Dann mgen Kiesel vor der den Bucht
Frech an die Sterne springen; rebellsche Winde
Die Feuersonn mit stolzen Zedern peitschen,
Mordend Unmglichkeit, zum Kinderspiel
Zu machen das, was ewig nie kann sein.

Volumnia.
Du bist mein Krieger,
Ich half dich formen.  Kennst du diese Frau?

Coriolanus.
Die edle Schwester des Publicola,
Die Luna Roms, keusch wie die Eiszacken,
Die aus dem reinsten Schnee der Frost erschuf
Am Heiligtum Dianens.  Seid gegrt, Valeria.

Volumnia.
Dies ein kleiner Auszug von dir selbst,
Der durch die Auslegung erfllter Jahre
Ganz werden kann wie du.

Coriolanus.
Der Gott der Krieger,
Mit Beistimmung des hchsten Zeus, erziehe
Zum Adel deinen Sinn, da du dich sthlst,
Der Schande unverwundbar, und im Krieg
Ein gro Seezeichen stehst, den Strmen trotzend,
Die rettend, die dich schaun.

Volumnia.
Knie nieder, Bursch.

Coriolanus.
Das ist mein wackrer Sohn.

Volumnia.
Er und dein Weib, die Frau hier und ich selbst
Sind Flehende vor dir.

Coriolanus.
Ich bitt euch, still!
Wo nicht, bedenket dies, bevor ihr sprecht:
Was zu gewhren ich verschwor, das nehmt nicht
Als euch verweigert; heit mich nicht entlassen
Mein Heer; nicht, wieder unterhandeln mit
Den Handarbeitern Roms; nicht sprecht mir vor,
Worin ich unnatrlich scheine; denkt nicht
Zu snftgen meine Wut und meine Rache
Mit euren kltern Grnden.

Volumnia.
O! nicht mehr! nicht mehr!
Du hast erklrt, du willst uns nichts gewhren;
Denn nichts zu wnschen haben wir, als das,
Was du schon abschlugst; dennoch will ich bitten,
Da, weichst du unsern Bitten aus, der Tadel
Auf deine Hrte falle.  Hr uns drum.

Coriolanus.
Aufidius und ihr Volsker, merkt, wir hren
Nichts insgeheim von Rom.  Nun, eure Bitte?

Volumnia.
Wenn wir auch schwiegen, sagte doch dies Kleid
Und unser bleiches Antlitz, welch ein Leben
Seit deinem Bann wir fhrten.  Denke selbst,
Wie wir, unselger als je Fraun auf Erden,
Dir nahn!  Dein Anblick, der mit Freudentrnen
Die Augen fllen soll, das Herz mit Wonne,
Netzt sie mit Leid, und qult's mit Furcht und Sorge;
Da Mutter, Weib und Kind es sehen mssen,
Wie Sohn, Gemahl und Vater grausam whlt
In seines Landes Busen.--Weh, uns Armen!
Uns trifft am hrtsten deine Wut; du wehrst uns
Die Gtter anzuflehn, ein Trost, den alle,
Nur wir nicht, teilen: denn wie knnten wir's?
Wie knnen fr das Vaterland wir beten,
Was unsre Pflicht?  und auch fr deinen Sieg,
Was unsre Pflicht?--Ach! unsre teure Amme,
Das Vaterland, geht unter, oder du,
Du Trost im Vaterland.  Wir finden immer
Ein unabwendbar Elend, wird uns auch
Ein Wunsch gewhrt; wer auch gewinnen mag,
Entweder fhrt man dich, Abtrnn'gen, Fremden,
In Ketten durch die Straen; oder du
Trittst im Triumph des Vaterlandes Schutt
Und trgst die Palme, weil du khn vergossest
Der Frau, des Kindes Blut; denn ich, mein Sohn,
Ich will das Schicksal nicht erwarten, noch
Des Krieges Schlu.  Kann ich dich nicht bewegen,
Da lieber jedem Teil du Huld gewhrst,
Als einen strzest--Traun, du sollst nicht eher
Dein Vaterland bestrmen, bis du tratst
(Glaub mir, du sollst nicht) auf der Mutter Leib,
Der dich zur Welt gebar.

Virgilia.
Ja, auch auf meinen,
Der diesen Sohn dir gab, auf da dein Name
Der Nachwelt blh.

Der kleine Marcius.
Auf mich soll er nicht treten.
Fort lauf ich, bis ich grer bin, dann fecht ich.

Coriolanus.
Wer nicht will Wehmut fhlen, gleich den Frauen,
Der mu nicht Frau noch Kindes Antlitz schauen.
Zu lange sa ich.  

(Er steht auf.)

Volumnia.
Nein, so geh nicht fort.
Zielt' unsre Bitte nur dahin, die Rmer
Zu retten durch den Untergang der Volsker,
Die deine Herrn, so mchtst du uns verdammen
Als Mrder deiner Ehre.--Nein, wir bitten,
Da beide du vershnst; dann sagen einst
Die Volsker: "Diese Gnad erwiesen wir",--
Die Rmer: "Wir empfingen sie"; und jeder
Gibt dir den Preis und ruft: "Gesegnet sei
Fr diesen Frieden!"--Groer Sohn, du weit,
Des Krieges Glck ist ungewi; gewi
Ist dies, da, wenn du Rom besiegst, der Lohn
Den du dir erntest, solch ein Name bleibt,
Dem, wie er nur genannt wird, Flche folgen.
Dann schreibt die Chronik einst: "Der Mann war edel,
Doch seine letzte Tat lscht' alles aus,
Zerstrt' sein Vaterland; drum bleibt sein Name
Ein Abscheu knftgen Zeiten."--Sprich zu mir.
Der Ehre zartste Fordrung war dein Streben,
In ihrer Hoheit Gttern gleich zu sein:
Den Luftraum mit dem Donner zu erschttern
Und dann den Blitz mit einem Keil zu tauschen,
Der nur den Eichbaum spaltet.  Wie?  nicht sprichst du?--
Hltst du es wrdig eines edlen Mannes,
Sich stets der Krnkung zu erinnern?--Tochter,
Sprich du, er achtet auf dein Weinen nicht.--
Sprich du, mein Kind--
Vielleicht bewegt dein Kindgeschwtz ihn mehr,
Als unsre Rede mag.--Kein Mann auf Erden
Verdankt der Mutter mehr; doch hier lt er
Mich schwatzen wie ein Weib am Pranger.--Nie
Im ganzen Leben gabst der lieben Mutter
Du freundlich nach, wenn sie, die arme Henne,
Nicht andrer Brut erfreut, zum Krieg dich gluckte,
Und sicher heim, mit Ehren stets beladen.--
Hei ungerecht mein Flehn und sto mich weg;
Doch ist's das nicht, so bist nicht edel du,
Und strafen werden dich die Gtter, da
Du mir die Pflicht entziehst, die Mttern ziemt.
Er kehrt sich ab!--
Kniet nieder Fraun, beschm ihn unser Knien.
Dem Namen Coriolanus ziemt Verehrung,
Nicht Mitleid unserm Flehn.--Kniet, sei's das Letzte.--
Nun ist es aus--wir kehren heim nach Rom
Und sterben mit den Unsern.--Nein, sieh her!
Dies Kind, nicht kann es sagen, was es meint;
Doch kniet es, hebt die Hnd empor mit uns,
Spricht so der Bitte Recht mit grrer Kraft,
Als du zu weigern hast.--Kommt, lat uns gehn:
Der Mensch hat eine Volskerin zur Mutter,
Sein Weib ist in Corioli, dies Kind
Gleicht ihm durch Zufall.--So sind wir entlassen,
Still bin ich, bis die Stadt in Flammen steht,
Dann sag ich etwas noch.

Coriolanus.
O! Mutter!--Mutter!

(Er fat die beiden Hnde der Mutter.  Pause.)

Was tust du?  Sieh, die Himmel ffnen sich,
Die Gtter schaun herab; den Auftritt, unnatrlich,
Belachen sie.--O! meine Mutter!  Mutter!  O!
Fr Rom hast glcklich du den Sieg gewonnen;
Doch deinen Sohn--O glaub es, glaub es nur,
Ihm hchst gefahrvoll hast du den bezwungen,
Wohl tdlich selbst.  Doch mag es nur geschehn!
Aufidius, kann ich Krieg nicht redlich fhren,
Schlie ich heilsamen Frieden.  Sprich, Aufidius,
Wrst du an meiner Statt, httst du die Mutter
Wen'ger gehrt?  ihr wen'ger zugestanden?

Aufidius.
Ich war bewegt.

Coriolanus.
Ich schwre drauf, du warst es.
Und nichts Geringes ist es, wenn mein Auge
Von Mitleid truft.  Doch rate mir, mein Freund!
Was fr Bedingung machst du?  denn nicht geh ich
Nach Rom, ich kehre mit euch um und bitt euch,
Seid hierin mir gewogen.--O Mutter!  Frau!

Aufidius (fr sich).
Froh bin ich, da dein Mitleid, deine Ehre,
Dich so entzwein; hieraus denn schaff ich mir
Mein ehemalges Glck.  

(Die Frauen wollen sich entfernen.)

Coriolanus.
O! jetzt noch nicht.
Erst trinken wir, dann tragt ein beres Zeugnis
Als bloes Wort nach Rom, das gegenseitig
Auf billige Bedingung wir besiegeln.
Kommt, tretet mit uns ein.  Ihr Fraun verdient,
Da man euch Tempel baut; denn alle Schwerter
Italiens und aller Bundsgenossen,
Sie htten diesen Frieden nicht erkmpft.

(Alle ab.)



Vierte Szene

Rom.  Ein ffentlicher Platz 
Menenius und Sicinius treten auf


Menenius.
Seht ihr dort jenen Vorsprung am Kapitol?  jenen Eckstein?

Sicinius.
Warum?  Was soll er?

Menenius.
Wenn es mglich ist, da Ihr ihn mit Euerm kleinen Finger von 
der Stelle bewegt, dann ist einige Hoffnung, da die rmischen 
Frauen, besonders seine Mutter, etwas bei ihm ausrichten knnen.--
Aber! ich sage, es ist keine Hoffnung; unsre Kehlen sind verurteilt 
und warten auf den Henker.

Sicinius.
Ist es mglich, da eine so kurze Zeit die Gemtsart 
eines Menschen so verndert?

Menenius.
Es ist ein Unterschied zwischen einer Raupe und einem 
Schmetterling; und doch war der Schmetterling eine Raupe.  
Dieser Marcius ist aus einem Menschen ein Drache geworden, 
die Schwingen sind ihm gewachsen, er ist mehr als ein 
kriechendes Geschpf.

Sicinius.
Er liebte seine Mutter von Herzen.

Menenius.
Mich auch.  Aber er kennt jetzt seine Mutter sowenig als ein 
achtjhriges Ro.  Die Herbigkeit seines Angesichts macht reife 
Trauben sauer.  Wenn er wandelt, so bewegt er sich wie ein Turm, 
und der Boden bebt unter seinem Tritt.  Er ist imstande, einen 
Harnisch mit seinem Blick zu durchbohren; er spricht wie eine 
Glocke, und sein "Hm" ist eine Batterie.  Er sitzt da in seiner 
Herrlichkeit wie ein Abbild Alexanders.  Was er befiehlt, das 
geschehen soll, das ist schon vollendet, indem er es befiehlt.  
Ihm fehlt zu einem Gotte nichts als Ewigkeit und ein Himmel, 
darin zu thronen.

Sicinius.
Doch, Gnade, wenn Ihr ihn richtig beschreibt.

Menenius.
Ich male ihn nach dem Leben.  Gebt nur acht, was fr Gnade seine 
Mutter mitbringen wird.  Es ist nicht mehr Gnade in ihm als Milch 
in einem mnnlichen Tiger; das wird unsre arme Stadt empfinden.--
Und alles dies haben wir euch zu danken.

Sicinius.
Die Gtter mgen sich unser erbarmen!

Menenius.
Nein, bei dieser Gelegenheit werden sich die Gtter unser nicht 
erbarmen.  Als wir ihn verbannten, achteten wir nicht auf sie, und 
da er nun zurckkommt, um uns den Hals zu brechen, achten sie nicht 
auf uns.  

(Ein Bote tritt auf.)

Bote.
Wollt Ihr das Leben retten, flieht nach Hause,
Das Volk hat Euren Mittribun ergriffen
Und schleift ihn durch die Straen.  Alle schwren,
Er soll, wenn keinen Trost die Frauen bringen,
Den Tod zollweis empfinden.  Ein Zweiter Bote kommt.

Sicinius.
Was fr Nachricht?

Bote.
Heil!  Heil!  Die Frauen haben obgesiegt,
Es ziehn die Volsker ab und Marcius geht.
Ein frohrer Tag hat nimmer Rom begrt,
Nicht seit Tarquins Vertreibung.

Sicinius.
Freund, sag an,
Ist's denn auch wirklich wahr?  weit du's gewi?

Bote.
Ja, so gewi die Sonne Feuer ist.
Wo stecktet Ihr, da Ihr noch zweifeln knnt?
Geschwollne Flut strzt so nicht durch den Bogen,
Wie die Beglckten durch die Tore.  Horcht!  (Man hrt Trompeten, 
Hoboen, Trommeln und Freudengeschrei.)  Posaunen, Flten, 
Trommeln und Drommeten,
Zimbeln und Pauken und der Rmer Jauchzen,
Es macht die Sonne tanzen.  

(Freudengeschrei.)

Menenius.
Gute Zeitung.
Ich geh den Fraun entgegen.  Die Volumnia
Ist von Patriziern, Konsuln, Senatoren
Wert eine Stadt voll, solcher Volkstribunen
Ein Meer und Land voll.--Ihr habt gut gebetet,
Fr hunderttausend eurer Kehlen gab ich
Heut frh nicht einen Pfennig.  Hrt die Freude! 

(Musik und Freudengeschrei.)

Sicinius.
Erst fr die Botschaft segnen Euch die Gtter,
Und dann nehmt meinen Dank.

Bote.
Wir haben alle
Viel Grund zu vielem Dank.

Sicinius.
Sind sie schon nah?

Bote.
Fast schon am Tor.

Sicinius.
Lat uns entgegengehn
Und ihren Jubel mehren.  Die Frauen treten auf, von Senatoren, 
Patriziern und Volk begleitet
Sie gehn ber die Bhne.

Erster Senator.
Seht unsre Schutzgttin, das Leben Roms!
Ruft alles Volk zusammen, preist die Gtter,
Macht Freudfeuer, streut den Weg mit Blumen
Und bertnt den Schrei, der Marcius bannte,
Ruft ihn zurck im Willkomm seiner Mutter.
Willkommen! ruft den Fraun Willkommen zu.

Alle.
Willkommen! edle Frauen! seid willkommen!

(Trommeln und Trompeten.  Alle ab.)



Fnfte Szene

Antium.  Ein ffentlicher Platz 
Aufidius tritt auf mit Begleitern


Aufidius.
Geht, sagt den Senatoren, ich sei hier,
Gebt ihnen dies Papier, und wenn sie's lasen,
Heit sie zum Marktplatz kommen, wo ich selbst
Vor ihrem und des ganzen Volkes Ohr
Bekrftge, was hier steht.  Der Angeklagte
Zog eben in die Stadt und ist gewillt,
Sich vor das Volk zu stellen, in der Hoffnung,
Durch Worte sich zu rein'gen.  Geht.  

(Die Begleiter gehn ab.  Drei oder vier Verschworne treten auf.)

Willkommen!

Erster Verschworner.
Wie steht's mit unserm Feldherrn?

Aufidius.
Grade so
Wie dem, der durch sein Wohltun wird vergiftet,
Den sein Erbarmen mordet.

Zweiter Verschworner.
Edler Herr,
Wenn bei derselben Absicht Ihr verharrt,
Zu der Ihr unsern Beitritt wnscht, erretten
Wir Euch von der Gefahr.

Aufidius.
Ich wei noch nicht.
Wir mssen handeln nach des Volkes Stimmung.

Dritter Verschworner.
Das Volk bleibt ungewi, solang es noch
Kann whlen zwischen euch.  Der Fall des einen
Macht, da der andre alles erbt.

Aufidius.
Ich wei es.
Auch wird der Vorwand, ihm eins beizubringen,
Beschnigt.  Ich erhob ihn, gab mein Wort
Fr seine Treu.  Er, so emporgestiegen,
Bego mit Schmeicheltau die neuen Pflanzen,
Die Freunde mir verfhrend; zu dem Zweck
Bog er sein Wesen, das man nur vorher
Als rauh, unlenksam und freimtig kannte.

Dritter Verschworner.
Jawohl, sein Starrsinn, als er einst die Wrde
Des Konsuls suchte, die er nur verlor,
Weil er nicht nachgab--

Aufidius.
Davon wollt ich reden.
Deshalb verbannt, kam er an meinen Herd,
Bot seinen Hals dem Dolch.  Ich nahm ihn auf,
Macht ihn zu meinesgleichen, gab ihm Raum
Nach seinem eignen Wunsch, ja, lie ihn whlen
Aus meinem Heer, zu seines Plans Gelingen,
Die besten, khnsten Leute.  Selbst auch dient' ich
Fr seinen Plan, half ernten Ruhm und Ehre,
Die er ganz nahm als eigen.  Selbst mir Schaden
Zu tun, war ich fast stolz.  Bis ich am Ende
Sein Sldner schien, nicht Mitregent, den er
Mit Gunst bezahlt und Beifall; als wr ich
Fr Lohn in seinem Dienste.

Erster Verschworner.
Ja, das tat er,
Das Heer erstaunte drob.  Und dann zuletzt,
Als Rom sein war, und wir nicht wen'ger Ruhm
Als Beut erwarteten--

Aufidius.
Dies ist der Punkt,
Wo meine ganze Kraft ihm widerstrebt.
Fr wen'ge Tropfen Weibertrnen, wohlfeil
Wie Lgen, konnt er Schwei und Blut verkaufen
Der groen Unternehmung.  Darum sterb er,
Und ich ersteh in seinem Fall.--Doch, horcht.--

(Trommeln und Trompeten, Freudengeschrei des Volks.)

Erster Verschworner.
Ihr kamt zur Vaterstadt, gleich einem Boten,
Und wurdet nicht begrt; bei seiner Rckkehr
Zerreit ihr Schrein die Luft.

Zweiter Verschworner.
Ihr blden Toren!
Die Kinder schlug er euch: ihr sprengt die Kehlen,
Ihm Glck zu wnschen.

Dritter Verschworner.
Drum zu Euerm Vorteil,
Eh er noch sprechen kann, das Volk zu stimmen
Durch seine Rede, fhl er Euer Schwert.
Wir untersttzen Euch, da, wenn er liegt,
Auf Eure Art sein Wort gedeutet wird,
Mit ihm sein Recht begraben.

Aufidius.
Sprich nicht mehr,
Hier kommt schon der Senat.  Die Senatoren treten auf.

Die Senatoren.
Ihr seid daheim willkommen!

Aufidius.
Das hab ich nicht verdient; doch, wrdge Herrn,
Last ihr bedchtig durch, was ich euch schrieb?

Die Senatoren.
Wir taten's.

Erster Senator.
Und mit Kummer, dies zu hren.
Was frher er gefehlt, das, glaub ich, war
Nur leichter Strafe wert; doch da zu enden,
Wo er beginnen sollte, wegzuschenken
Den Vorteil unsers Kriegs, uns zu bezahlen
Mit unsern Kosten und Vergleich zu schlieen
Statt der Erobrung--das ist unverzeihlich.

Aufidius.
Er naht, ihr sollt ihn hren.  Coriolanus tritt ein mit 
Trommeln und Fahnen, Brger mit ihm.

Coriolanus.
Heil, edle Herrn!  Heim kehr ich, euer Krieger,
Unangesteckt von Vaterlandsgefhlen,
So wie ich auszog.  Euerm hohen Willen
Bleib ich stets untertan.--Nun sollt ihr wissen,
Da uns der herrlichste Erfolg gekrnt:
Auf blutgem Pfade fhrt ich euern Krieg
Bis vor die Tore Roms.  Wir bringen Beute,
Die mehr als um ein Dritteil berwiegt
Die Kosten dieses Kriegs.  Wir machten Frieden,
Mit minderm Ruhm nicht fr die Antiaten
Als Schmach fr Rom, und berliefern hier,
Von Konsuln und Patriziern unterschrieben
Und mit dem Siegel des Senats versehn,
Euch den Vergleich.

Aufidius.
Lest ihn nicht, edle Herrn.
Sagt dem Verrter, da er eure Macht
Im hchsten Grad gemibraucht.

Coriolanus.
Was?  Verrter?

Aufidius.
Ja, du Verrter, Marcius!

Coriolanus.
Marcius?

Aufidius.
Ja, Marcius, Cajus Marcius! denkst du etwa,
Da ich mit deinem Raub dich schmcke, deinem
Gestohlnen Namen Coriolan?
Ihr Herrn und Hupter dieses Staats, meineidig
Verriet er eure Sach und schenkte weg
Fr ein'ge salzge Tropfen euer Rom,
Ja, eure Stadt, an seine Frau und Mutter,
Den heilgen Eid zerreiend, wie den Faden
Verfaulter Seide, niemals Kriegesrat
Berufend.  Nein, bei seiner Amme Trnen
Weint' er und heulte euern Sieg hinweg,
Da Pagen sein sich schmten und Soldaten
Sich staunend angesehn.

Coriolanus.
Hrst du das, Mars?

Aufidius.
O! nenne nicht den Gott, du Knab der Trnen!--

Coriolanus.
Ha!

Aufidius.
Nichts mehr!

Coriolanus.
Du grenzenloser Lgner! zu gro machst du
Mein Herz fr meinen Busen.  Knab?  O Sklave!
Verzeiht mir, Herrn, das ist das erste Mal,
Da man mich zwingt zu schimpfen.--Ihr Verehrten,
Straft Lgen diesen Hund; sein eignes Wissen
(Denn meine Striemen sind ihm eingedrckt,
Und diese Zeichen nimmt er mit ins Grab)
Schleudr' ihm zugleich die Lg in seinen Hals.

Erster Senator.
Still, beid, und hrt mich an.

Coriolanus.
Reit mich in Stck', ihr Volsker!  Mnner, Kinder,
Taucht euern Stahl in mich.--Knab?--Falscher Hund!
Wenn eure Chronik Wahrheit spricht--da steht's,
Da, wie im Taubenhaus der Adler, ich
Gescheucht die Volsker in Corioli.
Allein--ich--tat es.  Knabe!

Aufidius.
Edle Herrn,
So lat ihr an sein blindes Glck euch mahnen,
Und eure Schmach?  Durch diesen frechen Prahler
Vor euren eignen Augen?

Die Verschwornen.
Dafr sterb er!

Die Brger.  (Durcheinander.)
Reit ihn in Stcke, tut es gleich.--Er ttete meinen Sohn--
meine Tochter.--Er ttete meinen Vetter Marcus!--
Er ttete meinen Vater!

Zweiter Senator.
Still! keine blinde Wut.  Seid ruhig.  Still!
Der Mann ist edel, und sein Ruhm umschliet
Den weiten Erdkreis.  Sein Vergehn an uns
Sei vor Gericht gezogen.  Halt, Aufidius!
Und str den Frieden nicht.

Coriolanus.
O! htt ich ihn!
Und sechs Aufidius, mehr noch, seinen Stamm,
Mein treues Schwert zu prfen!

Aufidius.
Frecher Bube!

Die Verschwornen.
Durchbohrt! durchbohrt! durchbohrt ihn!

(Aufidius und die Verschwornen ziehen und erstechen Coriolanus.  
Aufidius stellt sich auf ihn.)

Die Senatoren.
Halt, halt ein!

Aufidius.
Ihr edlen Herrn!  o! hrt mich an.

Erster Senator.
O Tullus!

Zweiter Senator.
Du hast getan, was Tugend mu beweinen.

Dritter Senator.
Tritt nicht auf ihn.  Seid ruhig, all ihr Mnner,
Steckt eure Schwerter ein.

Aufidius.
Ihr Herrn, erkennt ihr (wie in dieser Wut,
Von ihm erregt, nicht mglich) die Gefahren,
Die euch sein Leben droht', erfreut ihr euch,
Da er so weggerumt.  Beruft mich, Edle,
Gleich in den Rat, so zeig ich, da ich bin
Eur treuster Diener, oder ich erdulde
Die schwerste Strafe.

Erster Senator.
Tragt die Leiche fort,
Und trauert ber ihn.  Er sei geehrt,
Wie je ein edler Leichnam, dem der Herold
Zum Grab gefolgt.

Zweiter Senator.
Sein eigner Ungestm
Nimmt von Aufidius einen Teil der Schuld,
So kehrt's zum Besten.

Aufidius.
Meine Wut ist hin,
Mein Herz durchbohrt der Gram.  So nehmt ihn auf,
Helft, drei der ersten Krieger, ich der vierte.
Die Trommel rhrt, und lat sie traurig tnen,
Schleppt nach die Speer'.  Obwohl in dieser Stadt
Er manche gatten-, kinderlos gemacht
Und nie zu shnend Leid auf uns gebracht,
So sei doch seiner ehrenvoll gedacht.
Helft mir.

(Sie tragen die Leiche Coriolans fort.  Trauermarsch.)


Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Coriolanus, von 
William Shakespeare (bersetzt von Dorothea Tieck
unter der Redaktion von Ludwig Tieck)





*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, CORIOLANUS ***

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