The Project Gutenberg EBook of Maerchen und Sagen, by Ernst Moritz Arndt

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Title: Maerchen und Sagen

Author: Ernst Moritz Arndt

Release Date: October, 2004  [EBook #6641]
[Yes, we are more than one year ahead of schedule]
[This file was first posted on January 9, 2003]

Edition: 10

Language: German

Character set encoding: ISO-Latin-1

*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, MAERCHEN UND SAGEN ***




Thanks are given to Delphine Lettau for finding a huge collection of ancient
German books in London.  Most of these stories were especially difficult due
to the very heavy dialect content.



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Mrchen und Sagen

Ernst Moritz Arndt

Inhalt: alphabetisch nach Titeln

Das brennende Geld
De Blagfoot
De Brgg bi Slemmin
De Kninge van den Deerden
De Prester un de Dwel
De Raw de Ringdeef
De Wewer un de Steen
De krassende Hahn
De witte Fru to Lbnitz
Der Rabenstein
Der Schlangenknig
Der Wiedehopf
Der Wolf und die Nachtigall
Der groe Jochen
Die Unterirdischen in den Neun Bergen bei Rambin
Die alte Burg bei Lbnitz
Dom bst du d?
Geschichte von den sieben bunten Musen
Halt den Mittelweg!
Ick bn de Ridder Unvrzagt und sla der Swen mit eenem Slag
Kater Martinchen
Klas Avenstaken
Prinzessin Svanvithe
Rattenknig Birlibi
Rotkehlchen und Kohlmeischen
Schipper Gau un sin Puk
Thrin Wulfen



Das brennende Geld


Drei Bauern kamen eine Herbstnacht oder vielmehr frh, als es mehr
gegen den Morgen ging, von einer Hochzeit aus dem Kirchdorf Lancken
geritten.  Sie waren Nachbarn, die in einem Dorfe wohnten, und ritten
des Weges miteinander nach Hause.  Als sie nun aus einem Walde kamen,
sahen sie an einem kleinen Busche auf dem Felde ein groes Feuer, das
bald wie ein glhender Herd voll Kohlen glimmte, bald wieder in
hellen Flammen aufloderte.  Sie hielten still und verwunderten sich,
was das sein mge, und meinten endlich, es seien wohl Hirten und
Schfer, die es gegen die Nachtklte angezndet htten.  Da fiel
ihnen aber wieder ein, da es am Schlusse Novembers war, und da in
dieser Jahreszeit keine Hirten und Schfer im Felde zu sein pflegen.
Da sprach der jngste von den dreien, ein frecher Gesell: "Nachbarn,
hrt!  Da brennt unser Glck!  Und seid still und lasset uns
hinreiten und jeden seine Taschen mit Kohlen fllen; dann haben wir
fr all unser Leben genug und knnen den Grafen fragen, was er fr
sein Schlo haben will."  Der lteste aber sprach: "Behte Gott, da
ich in dieser spten Zeit aus dem Wege reiten sollte!  Ich kenne den
Reiter zu gut, der da ruft: Hoho!  Hallo!  Halt den Mittelweg!"  Der
zweite hatte auch keine Lust.  Der jngste aber ritt hin, und was
sein Pferd auch schnob und sich wehrte und bumte, er brachte es an
das Feuer, sprang ab und fllte sich die Taschen mit Kohlen.  Die
andern beiden hatte die Angst ergriffen, und sie waren im sausenden
Galopp davongejagt, und er lie sie auch ausreien und holte sie
dicht vor Vilmnitz wieder ein.  Sie ritten nun noch ein Stndchen
miteinander und kamen schweigend in ihrem Dorfe an, und keiner konnte
ein Wort sprechen.  Die Pferde waren aber schneewei von Schaum, so
hatten sie sich abgelaufen und abgengstigt.  Dem Bauer war auch
ungefhr so zumute gewesen, als habe der Feind ihn schon beim Schopf
erfat gehabt.  Es brach der helle, lichte Morgen an, als sie zu
Hause kamen.  Sie wollten nun sehen, was jener gefangen habe, denn
seine Taschen hingen ihm schwer genug hinab, so schwer, als seien sie
voll der gewichtigsten Dukaten.  Er langte hinein, aber au weh! er
brachte nichts als tote Muse an den Tag.  Die andern beiden Bauern
lachten und sprachen: "Da hast du deine ganze Teufelsbescherung!  Die
war der Angst wahrhaftig nicht wert!"  Vor den Musen aber schauderten
sie zusammen, versprachen ihrem Gesellen jedoch, keinem Menschen ein
Sterbenswort von dem Abenteuer zu sagen.

Man htte denken sollen, dieser Bauer mit den toten Musen habe nun
fr immer genug gehabt; aber er hat noch weiter gegrbelt ber den
Haufen brennender Kohlen und bei sich gesprochen: "Httest du nur ein
paar Krnlein Salz in der Tasche gehabt und geschwind auf die Kohlen
streuen knnen, so htte der Schatz wohl oben bleiben mssen und
nicht weggleiten knnen."  Und er hat die nchste Nacht wieder
ausreiten mssen mit groem Schauder und Grauen, aber er hat es doch
nicht lassen knnen; denn die Begier nach Geld war mchtiger als die
Furcht.  Und er hat es wieder brennen sehen genau an der gestrigen
Stelle; bei Tage aber war da nichts zu sehen, sondern sie war
grasgrn.  Und er ist hingeritten und hat das Salz hineingestreuet
und seine Taschen voll Kohlen gerafft, und so ist er im sausenden
Galopp nach Hause gejagt und hat sich gehtet, da er einen Laut von
sich gegeben noch jemand begegnet ist; denn dann ist es nicht richtig.
Aber er hat doch nichts als Kohlen in der Tasche gehabt und ein
paar Schillinge, die von den Kohlen geschwrzt waren.  Da hat er sich
kniglich gefreut, als sei dies der Anfang des Glckes und das
Handgeld, das die Geister ihm gegeben haben.  Er mochte aber die paar
losen Schillinge von ungefhr in der Tasche gehabt haben, als er
ausritt.  Und die Schillinge haben dem armen Mann, der sonst ein
fleiiger, ordentlicher Bauer war, keine Rast noch Ruhe mehr gelassen;
jede Nacht, die Gott werden lie, hat er ausreiten mssen und seine
besten Pferde dabei tot geritten.  Man hat es aber nicht gemerkt, da
er Schtze gefunden hat, sondern seine Wirtschaft hat von Jahr zu
Jahr abgenommen, und endlich ist er auf einer Nachtfahrt gar einmal
verschwunden.  Und man hat von ihm und von seinem Pferde nie etwas
wieder gesehen; seinen Hut aber haben die Leute in dem Schmachter See
gefunden.  Da mu der bse Feind ihn als Irrlicht hineingelockt haben;
denn er braucht solche Knste gegen die, welche sich mit ihm
einlassen und ihn suchen.



De Blagfoot.


Herr, wet de Herr, wat de Blagfoot is?

Ja woll.  Dat is een Falk edder Hawk edder doch so een Ding van
Musfnger un Vagelfnger un Felddeef, een Vagel, dem jeder unverzagt
up de Feddern knallen kann.

O Jemerus! dat wet de Herr doch nich.  Wi Buren snt ok klok.  Ick
will dem Herrn seggen, wat he fr een Prinz is.  Blagfoot was in
sinen Dagen een stolter vrwegner Kerl, een Junker un Minschenplager,
un drm rppt de Bur noch jmmer Blagfoot, wenn he Junker seggen
will edder wenn he vrblmt eenen Eddelmann meent, de recht slimm is
un jmmer de scharpen Spren an hett.  Blagfoot was in siner Tid een
Junker un hedde schne Hser un Gder, werst he was drbi vrmeten
un grotwterisch, un hedd et in siner Macht stahn, he hedd Gott im
Himmel de Ogen utsteken.  werst Gott strt de Bme, datt se nich
in den Hwen wassen.  Junker Blagfoot was een rechter wilder Jger un
Nmmersatt Lde so pinigen, un dat was sine grtste Froid, wenn't am
dicksten hagelde un een Sneedriwel was, datt man nich Hand vr Ogen
sehn kunn, in so 'nem Weder sine Ld in Rusch un Busch heruttodriwen
un Wol!  Wol! to schreien.  Gegen de Armod was he ahn Erbarmen un
keen Bedelmann kam mehr wer sine Scheden, un ick glw, de Dwel ut
der Hll hedd sick nich unnerstahn, in sinem Forst sick een
Spazierstckchen to sniden.  So hantierde he as een Undeerd unner de
Minschen, solang he lewde, un was keen Beduren un Bestren mit em.
werst, min leewe Herr Blagfoot, so krus du di ook tierdest un so
herrsch du ook uppkloptest, as schull de Welt sick unner diner Fust
rgen, am Ende kam doch een grter Herr un kloppte an dine Dr.  De
Dood kam un streckte un reckte minem Herrn Urian de Knaken ut un de
Dwel schickte eene hele Legion siner Gesellen de arme Seel in de
Hll to slepen.  Gott hett werst een Teken markt, woran sick alle
unchristliche un harde Herren, wenn se willen, spegeln knen, un dat
is de Vagel Blagfoot.  Un se seggen, dat is een Dwelskind, dat van
dem wilden Junker herstammt.  Ick bn werst keen Doktor un vrstah
nich, wo dat togahn kann.  Un he hett sine Straf bawen der Erd, as
sin Vader in der Hll, datt he mit heschem un hlichen Schreien
rundflaggern un hungern un frieren mtt, wenn alle annern Vgel un
ook dat Volk der Falken un Wihen sick vrlustiren.  Denn wenn datt
kold ward un de kahle un magre Winter kmmt, denn macken de meisten
Vgel sick up un flegen wer See un Land wiet weg hen, wo't warm is,
un kamen erst im Frhjhr wedder wenn Snee un Riep weg snt.  He
werst mtt hier beduren un utholden den langen kolden Winter un wer
den witten Streken flegen un luren un luren un luren, ob he woll een
mageres Musken edder eenen helligen Vagel erwischen kunn.  Denn luren
mtt de bse Schelm, erflegen kann he nicks Fettes un Wliges: Gott
hett em to Straf to swre Flchten gewen.  Un wenn wi den slimmen
Junker flegen sehn, ropen wi: Blagfoot!  Blagfoot! wo bekmmt di de
Kattenspise? wo smecken di de Mse?  So mtt he nu lewen bet in
Ewigkeit un all sine Kinder un Kindskinder mit em nu in der wieden
kolden Welt hermflegen as een Minschenfiend un ook as een Vagelfiend;
denn all sine Dag sht man en in keener Gesellschaft.  Wo werst
Hser snt un Minschen un Veh im Winter warm wahnen, d drt he nich
henkamen; dat hett Gott em vrbaden un em dvr eenen Gruwel int Hart
jagt.  Un nu, Herr, wet he, wat dat mit dem Blagfoot fr 'ne
Bewandni hett un kann't den Junkers mal utleggen: denn Unsereen
versteit dat nich so fin.



De Brgg bi Slemmin


Ick mtt bi disser Gelegenheit ook noch vrtellen van der Brgg in
dem Slemminer Holt, wo de Weg nah Zornow utlpt.  Da geit dat gar
wunnerlich to; wo menniger stolter Rter hett sick dar den Sand vam
Pels schddeln mt!  Denn jede Kreatur weet darm un wahrschuwt,
datt et da nich richtig is.  As ick een Jung van viertein, fftein
Jahren was, hdd ick de Koi bi dem Hollnder to Slemmin un drew oft
int Holt, un wenn ick ook dem wilden Jger sine Hund hett hedd, keen
Kalf hedd ick achter de Snn wer de Brgg kregen.  Darm steit da
herm ook jmmer dat schnste un lngste Gras, denn dat Veh mt den
Verstand verlaren hebben, dat da mit egnem Willen grsen gahn wull,
un ick glw, keen dummer Dreihhals van Schaap edder Goos wrd da een
Halmken anrhren.  Un wer des Nachts wer de Brgg fhren edder riden
mtt, o Herre Jemerus! wat kost't dat oft vr Knst un Sprng!  Un wo
snuwen de Perd un zittern un daddern un bwern vr Angst, datt se
wer de behexte Brgg schlen, un scheten up der Brgg in de Knee un
laten den schumigen Sweet vam Liwe drppeln, as hedden se een paar
Mil im Galopp lopen, edder as wenn se in de Lchting van Kanonen
springen schullen.  De Minsch alleen wett nicks davon, wenn se em't
nich vrtellt hebben edder wenn he nich in der Nacht kmmt un de Ulen
und Kraihen in so dickem Swark m de Dwelsbrgg flegen.  Un ditt is
de Geschicht van der Brgg:

In Zornow was eene smucke Dern, eenes Schepers Dochter, de hedd sick
dreimal vrjumfert un jedesmal ehr Kind mbrcht, un de drei Kinder
in dem Graben bi der Brgg in de Erd steken.  werst achter dem
drdden Kinde is de Satansundhad utkamen, un se hebben de Dern nahmen
un se in eenen Sack dhan un bi der Brgg in dem Graben vrspt, un
hebben de Lik van der armen Snnersche bi ehren Kindekens ingraben.
werst wat knn tschen dissen Vrdrag wesen?  Un't is darnah eene
dulle un wilde Wirtschaft worden, datt den Lden de Haar to Barg
stahn snt, so hebben sich de flegenden un klagenden Geisterken van
den Kindekens fhlen un vernehmen laten.  Un wer in dem Holte wat to
dhon hett, dem will ick nich raden, datt he sick lang nah
Snnenunnergang edder vr Snnenupgang da betrappeln lett.  Dat piept
un flstert un wispert un tutet un hlt da denn de ganze Nacht drch,
as wenn Katten Hochtid hollen edder ltte Kinder quarren, un
Ulengequiek un Kraihengeschrei klingt jmmer datschen.  Denn in
eener hollen Eek wer der Brgg sitt Dag und Nacht eene olde Ul, un
dat is de arme Schepersdochter, de in disser Welt keene Rauh findt.
Un des Nachts mtt se jmmer hen un her flegen van Boom to Boom un
van Twig to Twig un schreien un quiken, datt eenem de Haar up dem
Kopp susen, un drei junge Ulen uhuen un flegen jmmer achter ehr her,
un dat snt de drei Kinder, de se vermordt hett.  werst tschen
twelw un een da geit et erst recht lustig, un Gott gnade dem, de denn
wer de Brgg mtt.  Denn hett sick dat ganze Ulenrik tosam vrgadert,
un se maken eene Musik in der Luft, wornah dat ganze dwelsche Heer
in der ersten Mainacht danzen knn, un een hungriger Wulf mit
glnigem Rachen steit an der Eck un hlt eene Baviol tschen den
Beenen un speelt lustig up, un Vss un Katers un Marten, Ilken un
Wesel un anner deefsches Nachtgesindel danzt dato.  Ick hew't nich
sehn, werst de Smitt in Slemmin hett't sehn.  De is mal darunner
geraden, un he was wen nich up Gottes Strat, denn he hedd de x up'm
Nacken un wull sick eene junge Eek hauen.  Den hebben se terreten und
terzust--hast du mir nicht gesehen--un so is he to Huse kamen ganz
terkrat un verbaast, un sine Oldsche hett em drei Weken eene
Kindersupp kaken mt: so hedden de Satansgesellen den armen Schelm
afngstigt.  Dat is werst wi un wahr, wat ick van den Koien un
Perden vrtelld hew, un keen ordentlich un christlich Deerd un Vagel,
de van Gott weet, geit in de Eek edder sett't sick da herm.  Ick hew
all min Dag keenen Vagel in ehren Twigen singen edder zirpen hrt,
Ulen un Hawks un Kraihen, Rawen und Hesters un anner dergliken
Dwelsgert dat sht man woll darup sitten.  Mit der Brgg is't wen
so; keen ehrlicher Vagel sitt up ehren Psten edder Gelnder, nich
eenmal eener van den lustigen un nswisen Vgeln, as de Meesk, de
Qukstart edder Steenbicker, de snst so nlich un flink snt alles
Holt, wat se man sehn, to besitten un to befladdern.  Denn ook de
allergeringsten un lttesten Deerdeken weten een beten van Gott, un
et weiht en ook een beten Wind to, wo wat Gewaltigs un Greulichs
geschehn ist, un gruweln sick davr."



De Kninge van den Deerden.


Jochen Eigen un Johann Geese satten eenes Dags mit annern Meihers
achter eener Weitenhock un hllen ehre Ihrmdagstid un firden un
vrtellden sich Geschichten.  Un Johann Geese, de een fram Minsch un
in der Heiligen Schrift un in dem Gesangbook so to Hus was, datt he
flinker as de Scholmeister un Kster upslan un finnen kunn, hedd de
Geschicht vrtelld, de man in dem negenden Kapittel des Books der
Richter lest, wo Jotham den Lden van Sichem eene Fabel vrtellt van
den Bmen, de hengingen un sich eenen Kning whlen wullen, un wo de
lboom un Figenboom un Winstock nich Kning warden wullen un wo to
goder Letzt de Durnbusch Kning wurd, een ruger un harder Gesell, de
de annern Bme terruppen un terzusen schull.  D fung nu Jochen Eigen
an un sprack: Broder Johann, hupen heel! datt is eene hbsche un
ndliche Geschicht van dem Abimelech un dem Durnbusch, un nu will ick
ook eene Geschicht vrtellen, un ji schllt sehn, datt et nich licht
is, een Kning to sin un et allen Minschen recht to dhon: denn to
schellen un to brmmeln giwt et jmmer watt, solang de Welt steit.
Un nu spitzt de Uhren un markt up, Jungs!

De Deerde weren eenes Dags uneenig unner sich, wen se tom Kning
kiesen schullen.  De olde Lwe was dood, un eenen Lwen wullen se
nich wedder; denn se seden: De hett scharpe Tnen un eenen Buk as een
Oss un frett in Eenem furt, un man schall et sich noch as eene Gnad
reknen, wenn he Eenen tom Hawe rppt, datt man in sinen
majesttischen Buk herunnerspazieren mtt.  Un wenn he eenen ook grad
nich upfrett, so is sin Anschien un sin Gelat un Gebrll schier eene
Angst; un ook wenn he sacht un frndlich dhon will, strakt he so mit
den Tatzen, datt dat Blood drna kmmt.  Un sine Macht un Kraft, wat
se sine Majestt heten, wat helpt se, wenn he de meiste Tid vrslpt?
D knen sine Landfleger un Vgde un Eddelld un Jagdjunker doch
dhon, wat se willen, un den armen Lden dat Fell wer de Uhren theen.
Denn hett he een paar Ossen edder een paar Dutzend Hamel un Reh
verslungen, so snorkt de Fuljahn oft dre vier Dage un deed sine Ogen
nich up, un Recht un Tucht mtt sine Ogen denn woll todhon.  So
spreken un meinden de meisten un wullen platterdings des Lwen Shn
nich whlen, un streeden un kifden lang mit eenanner, wer denn de
dchtigste were Kning to wesen un se mit Macht un Leewde to stren.
Un et ging bunt wer Eck in dem Rike un was slimmere un grtere
Verwirrung un Elend, as tor Tid der Lwigen Gierigkeit un Fulheit
west was.  Toletzt, wiel se up keene Wise eenen scharpen un klauigen
Herrn hebben wullen, nehmen se den Pudel, un seden to em: Du schast
unse Kning wesen.  Denn se dheden mankanner spreken: De Pudel is
sachtmdig un fredselig un frndlich mit den Lden un sin Mul so
grothartig as sin Swanz, womit he an allen henfichelt un sich
anfrndlicht, un dheed keenem Kinde wat to Leeden, un is still un wis
un nadenklich; un wenn he mal lustig sin will, watt fr schne Knst
ward he sinen leewen Underdanen vrmaken!  Ook frett he nich veel un
hett eenen lichten Slap, un meist wakt he des Nachts un studiert as
de olden Wisen in dem Mand un den Stiernen.  He ward een finer un
gerechter Herr sin un keen Deef un Rwer ward unner em upkamen knen.
De gode Pudel, de keene hoge Gedanken van sich hedd un wrklich in
aller Sachtmdigkeit un Demoth so vr sich henging, verschrack sich
gr veele, as se em dat grote Ding seden, un wull nich Kning warden
un strwde sich sehr.  Awerst de Deerde ndigden en, un setteden em
mit Gewalt de Kron up den Kopp un dheeden em Swert un Zepter in den
Klauen, un so mt he se woll dregen.  Un alle Deerde tierden sick as
unsinnig un jubilirden un juchheiden un krajlden wer de Maaten,
datt se eenen so wisen un sachtmdigen Kning hadden; un se nmden en
mit eenen Binamen Kning Gapus, wat de Wisheit beddet, un meenden,
nu schll de gldene Tid wedderkamen un dat Paradies, wo keen Winter
un keene Arbeit was, wo de Lwen un Tiger Gras gespist un de Wlwe un
Lmmer fredlich mit eenanner spelt hebben; un van Roof un Murddhaden
un Doodslag wrd man nu un nmmer nicks mehr hren.  Awerst o je! dat
geschach gr anners.

De Pudel was gewi sehr fram un weekhartig un sachtmdig un wedelde
un bellde alle sine Unnerdanen frndlich an un bleckte gegen keenen
eenzigen de Tnen; un dat gefeel en woll.  Ook was he een sprsam
Husholler, un een paar Mse, de de Kater, de sin werste Kkenmeister
was, em dglich lewern mt, un een paar Happen van verrecktem Veeh
edder Wild makten ein satt.  De ganze grote Denerschaft, welke de Lw
hollen hedd, Leoparden, Panther, Tiger, Veelfreter, Wlwe, Vsse,
Apen un all de bunten un lichten Musikanten, de Singvgel, de ut
allen Landen tohoopbrcht wurden, dem Kning un sinen Eddellden bi
der Tafel uptospelen, un all de annern Dhonichgode, de dat Land
vrteerden, wurden vrjagt edder afdankt, un een einziges kleenes
Hndeken, dat van Older krietwitt worden was, het' un was Salomos
wiser Rath un Gesellschaft, un Hofmeister un Hofmarschlle un
Kammerjunker un Jagdjunker un Hingstrider un Vrrider un Lper un all
de blanke un hoge Staat wurden rein afschafft, un ook de
Oberstwaschmeister un Oberstluser un de Flegen- und Muggen-Vrdriwer,
de bi dem seligen Lwen de pperste Mann west was, kregen ehren
Afsched un mennige annere Deners, de de Lw sich to sinem Vergngen
toleggd hedd.  Denn de grote un ltte Wasch un de Swerung sines
Liwes vrrichtede de Herr slwest, un in siner Niederdrchtigkeit
makte he sinen Unnerdhanen gr oft dat Vrgngen, vr en int Water to
gahn Sk Verlorn to spelen un to apportiren.  Denn dat mtt man
gestahn, eene Nese hedd Kning Gapus, as keen Hund sit der Arche
Noahs, eene rechte knigliche Nese.  Dat was werst sine beste Lust,
int Water to springen; un sine Unnerdhanen, de to Hawe kemen, wten
et all un brchten Stcke un Steene mit, de se em int Water smeeten,
wonach he swomm, un Stcken Brod, wobi se Sk Verlorn repen, un de he
fung un to gliker Tid upfratt.  So wusch he sich denn jmmer slwest
un kostede dat dem Lande keenen Penning.  Sin Oberstkamerling was dat
witte Hndeken, dat he as sinen Frnd un Staatsminister mit sich hedd
dat em mit sinen Poten de Haar torechtstrek, wenn he sich nah dem
Bade an de Snn drgde, un se glatt un lockig lede, wenn se em vam
Wind mal vrstwert weren.  Un de Overluser edder de Overlusersche
was de Kraih, un de dheed den Deenst msnst un kreeg keene
Traktamenten dvr; denn de Lse un Flh, de se dem Herrn affung,
smeckten ehr gr ste.  Egentlich hedd se noch woll wat togewen
schullt, datt se so msnst jmmer de Tafel deckt fund, werst de
groten Herren kmen dat nich so nau nehmen als wi ltte Lde, den 't
knapp tosneden is.

So was nu een gewaltig Jubeln un Froid wer den frndlichen wisen
hushollerschen geburschen un niederdrchtigen Herrn Pudelknig Gapus,
un alle Lde prisden sick glcklich, datt de olde Lwe dood un sine
Kinder van dem Thron verdrngt weren.  Awerst dat durde nich lang, so
wurd et unklar un unschier.  Denn wat kann de beste un christlichste
Kning utrichten, wenn de Groten im Lande un de egenen Frnde em nich
tapper un rechtschaffen bistahn?  Disse Frnde un Verwandten van
Kning Gapus kemen nu all to minter Mal, as wenn de Mse bi hellem
Snnenschien ut dem Stroh kribbeln un krimmeln, mit heelen Hupen to
Hawe, all wat Hund, Kter, Rkel un Tewe het up dre Beenen hinkt un
mit dem Swanz waifelt un sweifelt.  D kam Dogge un Wulfshund,
Jagdhund un Schothund, Hhnerhund un Swinhund, Windhund un Spitz, ja
de allerlttsten Mppels un Dwarfhunde--un se wullen sick ook een
beten snnen un bespegeln in der Majestt van ehrem hogen Herrn
Vetter un Deel hebben an siner Herrlichkeit.  Ja wenn't hiermit een
End west hedd?  Et stellden sich noch veele mehr in, welke de Hunde
snst nich to ehre Frndschaft rekent hedden; un wull nu de ganze
Welt Hund wesen.  D kam de Rwer un Mrder Isegrim de Wulf, de Deef
de Vo, de fichelnde Schelm de Mrd, de Scheefkieker de Luchs, de
Baar de Brummbrt; ja de bunte Leopard un de sprenklichte Tiger kemen
heran un schmden sick nich, un leten sick Hund schellen, un wullen
mit Kning Gapus as Vettern un Blken am Strroder sitten.  He was nu
freilich een demdiger goder Herr un wull nich van vornehmeren ldern
schienen, as he in der Dhaad was, un wees de Schelme vam Hawe weg un
bedraude se sehr un hart, se schullen nich weldhon un de Armen un
Ringen nich bedrngen.  werst he was en nich scharp noog.  Denn
as se sick am Hawe alles recht besehn un behorkt hedden, gingen se ut
in alle de widen Lande un nmden sick Hertoge un Prinzen un
Markgrafen un Grafen un makten sick grot un weesen Breeve un Papiere
vr, de se sick slwst makt hedden, un wullen Oberlandvgde un
Oberstaatholder sin, un grepen un tasteden slimm m sick.  Un bald
gaff et een veel argeres un jmmerlicheres Wesen un wurd veel mehr
unschuldig Blood vergaten, as in de Tiden van dem Lwenkning.  Un de
armen bedruckten Lde winselden un hlden: O Kning Gapus! wise un to
gode Kning Gapus! wenn Du wsst, wo dat im Rike tosteit, wo mnnigen
grnen Boom wrdst du in witte Galgen verwandeln laten!  Wat helpt
uns all din stilles Lewen un din Stiernkieken, wenn du nich up de
Riksschelme kikst?  Un Kning Gapus wsst et woll, werst he hedd
nich Mod noch Macht et to nnern un de Bsen to strafen.

As et nu to grulich wurd un de bitigen un ritigen Deerde, de
egentlich Undeerde heten, sick mankanner terreten un mit ehren
glupschen Rachen alle Deerde, de stes Fleesch hebben, vrdelgen un
utrotten wullen, d makten disse eenen Upruhr un lepen tohoop to
eenem groten Riksdag.  D kemen van des Rikes tersten Ecken un
Grnzen de Elefanten un Neshrner un Ossen un Perde un Hirsche, Rehe,
Swine un Schaape, un drto alles, wat sick up Flchten dr de Lucht
swingt: Swanen, Gse, Puter, Anten, Hhner, Duwen, Adebars, Reiger
und alles, wat Feddern dreggt, van dem groten Vagel Stru bett up den
ltten Tunkning, worup de Slimmen un Listigen ook de lsternen Tnen
wetten.  Un de Lwen kemen ook un lagerden sick nich wiet van em as
een Schutz, wenn de Fiend etwa keme den Riksdag antofallen un to
vrstren; denn se hapten wedder eenen Kning ut den Ehrigen to maken.
Un veele listige Rthe funden sick in, Waldminschen, Wehrwlwe,
Apen, Meerkatten un sslik Tg, un lurden, ob nicks to gewinnen were
in der Verwirring.  Un se makten eene Gaderung unner sick un keeseden
eenen Apen tom Riksdagsmarschall.  Un disse Ap fhrde de
Schriewfedder un satte alle Klagen un Leeden to Papier, de dhen
klungen, Kning Gapus were to gelind un knne nich riksen, he were
ook to wise un to geleerd fr eenen Kning un werstudiert drch sine
Stiernkiekerei, worwer dat Land to Grund ginge; denn de Geleerdheit,
seden se, were weinig ntt un veel beter beraden dat Volk mit eenen
Kning, de eenen dchtigen Tog mit dem Degen dhon knne, as de en mit
de Fedder make.

Kning Gapus vrnam den Upruhr un datt sine Unnerdhanen riksdagden un
en afsetten wullen; un he was sehr bedrwt un bereep sick um sin
godes Gewissen.  Awerst sine Veddern un Frnde, de ganze hndische
Frndschaft, un de sine Veddern un Blken heten wullen, dewiel he
Kning was, dheden sick ook tosam un makten sick hen, wo de Riksdag
satt, un meenden en to tersprengen.  As se werst vernehmen, datt
ehre Anklgers so mit heelen Hupen sick vergadert hedden un datt alle
Lwen im Hinnerholt up der Lur legen un datt de listigen und
grausamen Apen den Riksdag regierden, wurd en sehr bang, un de Frucht
kam wer se un jagde se ut eenanner, un se lepen de eene hierhen de
annere drhen, un jeder verkrop sick in sin Loch.  Un de veelen
Klagen der Elendigen un der Lwen Gewalt un der Apen ehre Listigkeit
drewen et so wiet, datt de Pudelkning Gapus van sinem Thron
verdrngt wurde.

Drup rathslagden se lang wer eenen nen Kning un kamen veele in
Vrslag.  Tom Ersten de Elefant as de Starkste.  werst sine
Fiende seden, he were to ungelenkig un plump un knne de Kron nich
mit Geschick dregen.  Tom Tweeten de Oss.  werst se meenden, he
were to uplpsch un kortkppig, un so wurd he nich Kning.  Drup dat
Kamelopardel, een gr heges un staatsches Deerd, dat eenen
Kningsmantel woll mit Gunst un Kunst dregen knne.  werst se
schllen et hoffrig un verwegen, un strwden sick de meisten dgegen.
Ook stund et im bsen Gercht van wegen siner Hoffrdigkeit van
vrledner Tid her, as he unner dem Lwenregiment Riksherold west was.
Datt werst van dissen allen nms Kning wurd, dran was de Ap de
Riksdagsmarschall schuld; denn he spelde mit siner ganzen Frndschaft
dtschen, un alle Dumme un Infoldige hedd he begigelt un vrgalstert
mit sinen blanken un bunten Reden un zierlichen Sprngen un
Bcklingen, un de Lwen hlpen em ook, denn he hedd en wiesmakt, he
wrd et tom Lesten all so richten un stellen, datt een Lwe Kning
wrd un nms anners.  Disse sleprigen Dickkppe vrleten sick up den
Schelm, werst he bedrog se.  Een Ap wurd tom Kning utropen, een van
den Apen, de an Gelat dem Minschen hnlich snt, een Waldminsch, eene
arge tckische un gewaltige rt.  Se seggen, datt et eene Dwelstucht
is, de de olde bse Fiend mit den Hexen in der Walburgsnacht tgt
hett.  Awerst wer hett dat sehn?

Un nu drog denn de hliche Kning Waldminsch de Kron, un egentlich
hedd et em nms gnnt, un alle vrwunnerden un vrfierden sick, datt
he Kning worden was, un wsst nms, wo dat togahn hedd.  Un se
frchten sick sehr un sweegen; denn se kennden den Waldminschen, wat
dat fr eene Dwelssaat was, wo gewaltig he was un allen Lden to
klook, un stark van Liwe un drto unbndig un bs.  Un he fung glick
so een Regiment an, datt allen de Ogen wergingen un se heemlich
mankanner flsterden: Dat hebben wi woll vrdeent m unsen goden
Kning Gapus, wo et uns dchte, datt dat to dull herging.  Dat was
doch een Herr, dem jedweder unvrfiert unner de Ogen treden kunn.  D
lachten wi Narren wer sine Pudelknste un datt he dat hbsche Spill
Sk Verlorn vrstund, un vrhhnden en, wiel he nich grtern Staat
makte un datt dat ltte witte Hndeken sin hgster Rathsherr un
Minister un de Kater sin Oberstkkenmeister un de Kraih sin
Kammerdener was.

So klagden disse armen Bedrngten sick ehr Weh un Leed; werst Kning
Waldminsch leet sick dat nich anfechten.  He wull nun dat Knigrik
recht vullut bruken un sick in vuller Pracht wisen; un wiel he
unrustig was un prchtig un inbildsch, as alle Apen snt, so hedd ook
nms im ganzen Rike de Ruh.  Sinen Hoff helt he mit wergroter
Hoffrdigkeit un Herrlichkeit, un alle smucken un blanken Deerde un
de hbsche Felle un bunte Feddern hadden, mten jmmer bi em sin un
m en springen un danzen, spelen un singen un en mit allerhand Spill
un Kortzwiel ergtzen un em wat vrhaselieren; denn so wat mgen de
Apen vr ehr Lewen gern.  Un so vrwandelde he denn de ndlichsten un
smucksten Deerde in Spelers un Pipers un bude sick de kostbrsten
Hser un Slotte ut Gold un Slwer un Rubinen un Demanten, un alle
sine Unnerdhanen mssten drto frohnen un roboten.  Und he hedd un
helt eene gruwelige Menge van Hanswursten un Seildnzern, Musikanten,
Narrendokters un Komdiganten un desgliks Volk, un spelde slwst mit
in der Komdie, un sung un danzte ook vr allen Lden mit der
Knigliche Kron up dem Kopp up Jhrmarkten un in groten Boden, datt
et eene Schand was.  Un all sine Minister un Rathsherren kleedden
sick apisch in bunten Rcken, de van swerem Golde un Slwer tor Erde
sleepten; un ook sinen Drabanten un Soldaten dheed he de buntesten un
prchtigsten Kleeder an und gaff en jeden Mand ne un schnere
Mundering.  Un sin prchtiges Apinnenhus, dat he sick buwen leet--o
du Herr Jemine! wat dat fr eene Dwelspracht was!  Een Hus van purem
lichten Golde un de Finstern ut Demant un Edelsteen.  D ging dat
lustiger un arger her, as in Kning Salomonis Tiden.  He helt sick
nich weiniger as teindusend Wiwer un Matrazzen.  Dat kostede ju erst
Geld.  Ji wett woll, wo staatsch un pagellursch dat Wiw van Natur is,
wenn man em den Tgel scheten lett un wo gern et sick mit sinem
bunten Swanz an de Snn dreiht, un vullends desgliken Wiwer.

De pudelsche Frndschaft hedd et woll slimm makt un alle, de sick der
Tid to den Hunden rekenden; werst de Apen un de Apenfrnde un
Apenvrwandten makten et dusentmal slimmer; un was in dem ganzen
Lande nicks as ppigkeit, Feegheit, Hinnerlist, Uplurerei,
Anklatscherei, Achterklappen un mannigerlei Wirrwarr un Unglck.
Denn drin weren de Apen utgeleert, datt se verstunden de besten
Frnde mankanner to verhetzen un to den giftigsten Fiende to maken;
un se lachten int Fstken, wenn de, de ehre Herrschaft hedden strten
un ehre Macht ringen kunnt, eenanner de Hlse terbroken.  Un hier
sach man, wat man to dissen Dagen nich hrt hedd, datt de Lwen
Kammerdener un Lper sin mten un datt se den Apen, de en de Ft up
den Nacken setteden, zitternd un krupend de Tatzen leckten, un datt
de mchtigen Elefanten Holt un Water dregen un de Tiger as Heiducken
an den Dren stahn mten.  So slug un listig was Kning Ap in sinen
Knsten.  Un d all dat Volk sehr geplagt un elendig was un dat Land
de grausame ppigkeit un Geldverspillung un den snden wermod der
Apen nich lnger vrdregen kunn, so vrswuren se sick woll oft un
stunden up gegen den Kning; werst he was en to klok mit den Sinigen,
un Lwen un Panther miten den Kopp und Wlwe un Ve wurden as
Verrder un Knigsmrder an den Galgen hngt, un de armen Hunde
wurden veelnah utgerottet, un dem olden Kning Gapus gten se een
paar Kellen gleig Blei in de Kehl, datt he jmmerlich sturf; denn
veele hadden sick ehr Verlangen nah em marken laten.  Doch dat
Sprickwurt seggt: de Krog geit so lang to Water, bet he breckt, un
dat schull Kning Waldminsch ook erfhren.  Denn toletzt is't eenem
Baaren gelungen--de was de Obersthofmeister wer des Knings Wiwer un
wer sin Jumfernhus--de hett en im Lager des Nachts werfallen un
terreten un alle Unnerdhanen snt van allen Enden un Ecken her
tosamlopen mit hellen Hupen un hebben nu alle Apen doodslagen, as man
unvernnftig Veeh doodsleit.

Un se mten nu wedder eenen Kning hebben, un se snnen lang hen un
her, wiel se vr jedem Kning eenen Gruwel hedden, de scharpe Tnen
wisen kunn; un so hebben to goder Letzt de Deerde dat werspitt
gewunnen, de Gras freten, un hebben sick eenen Kning halt ut eenem
sachtmdigen Stamm, ut dem Geslecht der Bcke; denn se bildeden sick
in, unner em wrden se gode Dage hebben.  Un so hett et sick begewen,
datt de Zeegenbuck Kning worden is, un se hebben an sinem
Kningsdage sungen, as't im olden Leede klingt:

Juchhe! Juchhe! de Lw is dood,
De Hund un Ap de snt bi Gott--
Nu meistert uns de Zeegenbuck,
He dreggt den bunten Kningsrock,
He dreggt de gldne Kningskron.
Juch! Zickelbuck un Sniders Sohn!
Juch! Kning mit dem langen Brt!
Juch! Zickelbuck un Sniders rt!


werst o du Herre Je! an dat Zeegenregiment warden se denken, solang
de Welt steit.  He hett den Esel to sinem Kanzler un den Rambuck to
sinem Feldmarschall makt, un an sinem Hawe was't eene recht trksche
Wirthschaft, ja veel arger as bi Trken un Heiden.  Un sin
Wiwerregiment man kann't unmglich vr Christenminschen vrtellen.
Dat was dusentmal mehr as Kning Salomo, as he van Gott affallen was
un as 't de grote Soldan, de olde Stambull in Konstantinopel, bedrivt.
Ick segg ju man so veel, datt dem Kning Zickelbuck dat Wiwerhus
van dem Apen veel to kleen was.  Un wiel tor Tid van Kning
Waldminsch de meisten Lwen un de annern vernehmen Geslechter dr Bil
un Galgen un in Kriegen un Upruhren mkamen weren, so is nms west,
de't hett wehren knnt, un dat zeegenbuckische un eselsche Regiment
hett woll een fftig Jhr durt, un wo hett dat Land utsehn? o du min
Je! grad as wenn de Durnbusch Abimelech Kning west were.  Denn disse
hebben de Wirthschaft nah ehrer Wise bedrewen.  D hett man keene
Bme mehr sehn mit Appeln un Beeren, keene grne Wischen, keen
Weiten- un Roggen-Feld.  Se hebben regiert, as wenn de leewe Herrgott
im Himmel dem Bsen de vulle Macht gewen hedd, den ganzen heelen
Fluch uttoseien, den de Herr in sinem Grimm spraken hedd, as he Adam
un Eva ut dem Grden Eden jagde.  Nicks as Distel un Durn in dem
ganzen widen Rike vom Kning Zeegenbuck; denn de Esel wull Disteln
freten un dem Kning smeckten de bittern Blder van den Durnbschen
am stesten.  Wat anners hett de sachtmdige Buck nms to Leeden dhan,
as datt dat Land van Durn un Disteln woist worden is.

As nu de Kning Zeegenbuck toletzt im hogen Older verscheden was, d
hett et dem Volke der Deerde dcht, se hebben et nu mit dem
Kningswessel noog vrscht, un snt wedder tom Lwen torggkamen un
hebben eenem jungen Lwenprinzen van den Weinigen, de noch wrig
blewen weren, de Kron up dat Hvt sett't.  Un de hett regiert streng
un bequem glik sinen Vrfhren.  Un de Herrschaft mag woll streng un
hart wesen mtten; denn de sanftmdigen Herren kann de slimme Welt
nich dregen, un de Ltten un Ringen mtten nu een un alle Mal Haar
laten.

So vrtellde de redselige Jochen Eigen, un se horkten all to, bet de
Vrmeiher sine Saie nam un wedder in den Weiten haude.  D dheden se,
wat se mten, un Lwen, Pudel, Bcke, Apen un Esel un alle hoge un
knigliche Gedanken un Geschichten flgen weg.



De Prester un de Dwel


Starkow hett jmmer deege Presters hett, de as unser Pastor Scheer
den Minschen woll an't Hart to kamen un den Dwel, wenn he sick nich
gar to sehr inwrtelt hett, uttodriwen vrstunden.  Un wet de Herr,
wo dat herkmmt?  In olden Tiden, as de Heiden hier utdrewen un Gotts
Wurt un dat bloodige Krtz predigt wurden, was disse Gegend hier m
Starkow Redba un Lbnitz nicks as Holt, Heid un Morast, wo hier un
dar een Mann in sinem Hsken wahnde.  Da kam ook een Pastor un de ne
Kark schull buwt warden; werst der Lde was wenig un dat Weinige ook
noch arm.  De Pastor is een sehr gottsfrchtig Mann west un klok dabi
un hett veel hen un her sunnen, up wat Wis he Gotts Wark vollbringen
un sinem hilligen Wurt eene Stad bereiden knn.  Un da is em de Dwel
infollen, de olde Schalk un Seelenfnger, de sick oft bi em infund,
wenn he sine stille Bedstund in sinem Kamerken helt.  Denn he kennde
en woll, wenn he sick as eene swarte Fleg up sine Bibel settede un
darup hermwipperde.  Denn de Stank blef nah, wenn de Fleg wegflog.
Un de kloke Herr hett den Dwel mit List dran kregen un bedragen, un
Satan hett sweeten mt, datt em de hllschen Druppen wer de Ns
lepen.  Un in drei Dagen hett de Kark fix und fardig da stahn, as de
Herr se noch sht, un is eene van den ldesten in Pamerland, un ehr
Baumeister hett se nich mit inwihen helpen drft.  werst dat mtt
man em laten, so slimm de olde Fiend is, he hett eene grote Dgd, un
dat is de Dgd der Geduld un Arbeitsamkeit, datt he sick nicks
vrdreten lett, wat to sinem Geschft hrt--un datt knn een
Christenminsch sick ook woll van dem Doiwel leeren laten.  Wo sehr de
kloke Prester en ook vexirrt un narrt hedd, he makte een frndlich
Gesicht dato, un kam jmmer wedder un frog sinen Kunden, ob he em
noch nich in wat denen knn un ob he nich noch eene kleene Arbeit fr
en hedd.  De Prester werst frchte sick vr dem Schelm, datt he en
doch beluren mgte, un wull nicks mehr mit em to dhon hebben.

Nu was da een Drp, dat nah Starkow in de Kark ging; dat lag achter
dem Holt heel nah, un de Pastor mt oft dahinriden.  werst so
nah dat Drp ook lag, was't wegen Unwegsamkeit doch een
Dreiviertelwegs.  Denn he mt eenen wieden Weg maken wer Oldenhagen
un m den groten Wald herm, wiel in dem Holt een deeper Morast was,
wo man alleen im Sommer wer kunn.  Da fll dem Pastor eenes Dages in,
ob he sinen Werkmeister nich wedder bruken un dran kriegen schull.
Un as de Dwel eenmal wedderkam, slot he den Handel af mit em un
besprack sick mit dem Bsen: He schull em in drei Dagen den Weg dr't
Holt un eenen Damm wer den Morast maken, un he wulle mit Lif und
Seel sin wesen, wenn he en betrappelde, datt he man eenen Strohhalm
breet ut sinem Vrbeet ging.  De Prester satt awerst in sinem Garden
unner eenem Boom un las de Predigt wer, de he den nchsten Snndag
holden wull; un sin Swur was: "Dwel, wenn du in drei Dagen den Weg
un Damm dr dat Holt to der Horst fardigkrigst, so schast du mine
Seel nehmen, wo du se findst, wenn ick nich mehr up dissen minen
Vrbeet stah."  Un de Dwel schmunzelde in sinem Sinn un dachte: Den
Vagel hest du fangen; denn wo will de dumme Prester dat woll anfangen,
datt ick'n nich mal uter sinem Vrbeet treffen schall?  Dat Lewen is
lang un de Gedanken snt kort un ehr Beten van Faden ritt licht af.
Un he ging lustig weg un makte sick an de Arbeit, haude Eeken af un
makte Brggen un slepte Steene un karde Sand, un ehr drei Dag m
weren, stund de grade Weg da un lag de schne Damm fardig, so schn
un glatt, datt een Knnig mit Lust drwerfahren kunn.  Un he kam to
dem Prester un sede: "De Weg un de Damm snt makt."  Un he lurde em nu
up, wo he en faten un begigeln knn.

Un kum vergingen een paar Dag, so nam de Prester sinen Stock in de
Hand un ging den Weg nah Redbas herut, sick sine Brewe un Zeitungen
van der Post to halen.  Un as he kum an de Brgg kamen was, wo de
Sched is tschen de Redbasser un Starkower Feldmark, wipps, hast du
mir nicht gesehn, was de olde Grising da in sinem roden scharlaken
Tressenrock un mit sinem Hahnenfoot, wippelde as een Hester m dat
kranke Kken, m den Prester herm, un stellde sick achter em up den
Weg, datt he em nich wedder torgg lopen knn.  Un he grte en up
sine dwelsche Wise gar frndlich un reep: "Willkamen, Presting!  Nu
mt du mal mit mi kamen un tosehn, wo't sick in der Hll lewt un ob
du se denen Buren richtig utleggt hest.  Wo steiht et?  Hest du din
Fell brav insmeert, datt et in der Hitt nich springt?"  Un as de Dwel
disse sptsche Red dhan hedd, makte he sick an den Prester un wull en
packen; werst he kunn nich!  Denn em kam een Gruwel un Grusen an, as
wenn he mit sinen Klauen in kold Is tastet hedd.  Un de Prester
lachte mit grotem Vergngen, blos em ut siner Pip den Tabaksrook in
de Ns un sede: "Holt, Dwel! da is noch een Sticken vr, datt du
nich herin kannst.  Markst du, datt ick up minen Vrbeet stah?  Un
damit du Schlangenschelm et begrippst un in dinen Dwelsknaken
zitterst un bwerst, so kumm her un seh!"  Un de Prester tog eenen
Stwel ut un wieste dem Dwel, datt he drei, vier Blder ut dem
Evangelienbook in sine Socken inneiht hedd.  Un de hedd he ook in
sinen Stweln hett, as he im Garden den Eid swur un sinen Handel wer
den Weg dr't Holt afslot.  Un de rode Dwel wurd vr Grimm bla un
bleek as de Kalk an der Wand un schmde sick un vrzagde an dem
Prester, un neihde ut, as wenn em Fr unner den Salen brennde, un
hett sick sin Leder nich mehr bi em sehn laten.  Un de Prester hett
as een gottselig Mann lewt, un is so storwen, un de Kark steiht bet
dissen htigen Dag, un de Damm liggt noch un fhrt den Namen sines
Baumeisters, het de Dwelsdamm; werst nahgrad wer't woll ndig, datt
man den Dwel eenmal wedder dran krege tom Utbetern; denn he hett
vrdammt veele Lcher.  Un wenn man ditt so bedenkt un de olden
Geschichten hrt, so mag man sick woll wundern, datt de Presters nu
tor Tiden so weinig knen un den Dwel nich mehr am Strick hebben.
Se segen, de olde Herr van der Finsternis un Dsternis is dood un
lewt nich mehr, werst se knen't nich bewiesen un ick glwt nich;
denn he reckt sine Tatzen noch oft nog hervr.  Un wahrhaftig leider
Gotts! an dem Dwel fehlt et nich, man de rechte Glow fehlt un de
rechte Leewe, de rechte frige himmlische Leewe, de de ganze
vullgeproppte glnige Hll un alle Millionen Dwels mit eenanner
utbrennen un in Asch vrwandeln kann.  Un darm vrseggt en dat Hart,
et mit em uptonehmen.  De Olden vrstunden't beter un wten den
Spruch mit der Dhad uttoleggen: West klok as de Slangen un eenfoldig
as de Duwen.  To der Tid, as de Dwel Karken und Klster buwen mt,
gaff't gottskloke Lde; nu werst snt se dwelsklok un negenklok un
wer all der Klokheit is de Vrnunft dumm worden, wo se de goden un
slimmen Geister mit eenem Blick underscheiden un den Engels und
Dwels in Christo begripen un den Lden utdden kunnen.  Se sken den
leewen Gott in der Welt, wo he is un ook nich is, un nich in der
Bibel, wo en jeder finden kann, dem Negenklokheit de Oogen nich
vrglastert hett.  Weer he so sker un wi up der Landstrat to finden,
so were de leewe Heiland jo mss vam Himmel herunnerkamen, sin
drbares Blood am Krtz fr uns to vrgeten.



De Raw de Ringdeef.


D was eenmal een Grewe, de was sehr rik un grot un hedd een prchtig
Slott un schne Hwe un Drper; dat edelste un herrlichste Klenod
werst, dat he hedd, was sine Grewin, dat schnste Wif, dat up der
Erde lewde.  Un de Grewe hll se leewer as sin Lewen un as alle sine
annern Schtz un Herrlichkeiten.  Mannig schn Jhr hedden se in Lust
un Froid mit eenanner lewt, d kam een Krieg up un de Grewe mte
furt un in wider Frmde truren.  Un as he afreisen schull, was he
sehr bedrwt, un ehr he sin Perd besteg, mhalsde he sine Grewin noch
eenmal unner dausend Thranen un nam eenen gldnen Ring van dem Finger
un stack en an ehren Finger, un sede dbi: An dissem Ring will ick
marken, ob du miner noch gedenkst, un drm vrwahr en ja recht woll.
Un mit dissen Wurden swung he sick in den Sadel, un flugs ut dem Dur
herut.  Mannig Jhr vrging un de Grewe kam nich wedder, un de Grewin
dachte, he were in der Fremde dood blewen, un se betrurde en as eenen
Dooden.  werst se sach darm nich nah den Lebendigen hen, man se
grmde sick jmmerfurt m ehren Herrn un was em tru as Gold.  Veele
rike un vrnehme Friers kemen un wurben m de schne Fru, werst se
wull se gr nich sehn, un sede: Lewt min Herr nich mehr, de de
schnste un leewste Mann up Erden was, wat schull ick mit eenem
annern anfangen? un ick will eene Wittfru bliwen un truren, bet Gott
mi im seligen Paradiese mit minem Leewsten un Besten wedder tosam
bringt.  Un nu hrt, wat sick begaff.

Eenen schnen Sommermorgen stund de Grewin vr der Dr--se was in dem
Grden west un hedd Blomen plantet--d blos de Trumpeter lud in't
Horn, un se hrde van dem Dur her de Grewe! de Grewe! schallen un
ropen.  Se leep flink de Trepp up sick to waschen, denn ehre Finger
weren vull Erd un Smutz van dem Blomenplanten.  Un as se sick wusch,
lede se den Ring up dat apne Finster, un een Raw kam flegen un nam
den Ring weg; un as sen an den Finger steken wull, fund se en nich;
un se was sehr vrwundert un bestrt't, wo doch de Ring blewen were.
Un in dem Oogenblick trat de Grewe in ehre Stuw un flog ehr m den
Hals un trutede un kte se sehr.  Awerst de arme Grewin kunn nich
recht herzen un kssen van wegen des Ringes un sach verstrt un bleek
ut.  Un de Grewe vrwunderte sick wer ehren kolden vrlegnen Empfang,
un sede: wo is't mit di bestellt, mine schne Grewin? un hest du den
Ring noch, den ick di bi'm Afsched gaff as een Teken un as eenen
Vrmahner to Tru un Leew!  Un de geswinde Frag makte de arme Fru noch
bleeker un vrstrder, datt se hedd in de Erd sinken mgt, un in
ehrer Beklemmni kunn se keen Starwenswurt verbringen.  Dat slog dem
Grewen in't Hart un he slog sick de Hand vr de Stiern un reep: O
Gott im Himmel! hier steiht et nmmer, as et wesen schull--wrm bn
ick nich im Heidenlande as een ehrlicher Riddersmann fallen un
begrawen?  Dat ick ditt noch erlewen mt?  Un nu, Fru, wies mi glik
den Ring!  Un de arme Fru bekennde vr em, as't whr was, un sede: O
du ewiger barmhartiger Gott! wat hew ick doch vrbraken, datt ick in
disse entsetzliche Noth geraden bn?  O min leewe Herr un Gemal, west
nich so ungeduldig un hrt mi un glwt mi, datt ick juw ehrlich un
tru Wif bn un keenen annern Gedanken in minem Harten hegt hew, as ju
un juwe Leewe.  Awerst wo is't mi gahn un wo geiht et mi?  As ick den
Trumpeter up der Wart blasen hrde un juwen Namen van dem Dur her
klingen, stund ick vr der Dr un kam wen ut dem Grden, wo ick
Blomen plantet hew; un ick hedd swarte Hnd un slichte Grdenschoh an
un dachte: So schast du vr dinem Herrn nich erschienen.  Un so
sprung ick strax de Trepp herup un wusch mi de Hnd un lede dbi den
Ring in dat apne Finster.  Un as ick'n wedder anstecken wull, was he
weg; un ick kann nich begripen, wat dat is un ob noch Twerer un
Hexen lewen, de mi arme Fru in't Unglck bringen willen.  So is't
schehn, un Gott im Himmel weet, datt ick de unschuldige Wahrheit
segge, un deslwige Gott im Himmel vrhde, datt mi de grtste Froid
nich een grotes Leid ward!

Awerst de Grewe, as he dat vrnahmen, ergrimmde in sinem Sinn un sine
Oogen vrdunkelden sick, un he stdde de arme Grewin van sick as eene
Lgnerin un untruwe Bedregerin, de ehre Untreu un Falschheit mit
schnen Wurden un Thranen bemanteln un vertuschen wull.  Un drm let
he se gripen un in eenem olden Thorm in een deep Loch versenken, un
vrklagde se as eene Buhlerin un Ehbrekerin.  Un sin Grimm wurd van
Dage to Dage arger, un he leet eenen Galgen buwen, d schull de
falsche Grewin dran hngen.  Un wat de arme Fru em ook toswur un bat
un wat verstndige Lde ook seggen un bidden mgten, he let sick nich
rtteln noch rgen van sinem harden Sinn.  Un as de Grewin nu tom
Hochgericht herutfhrt wurd mit grotem Geleide un de Grewe mit veelen
groten Herren dbi stund, un se de Galgenledder upstiegen mte, d
slog dat arme Wif noch eenmal de Hnd tosam un schreide, datt alle
hrden: Du groter Gott im Himmel! erbarme di miner letzten Bede un
lat mine witte Unschuld nich so jmmerlich am Galgen vrdarwen!  Un
in dem tog de Scharprichter ehr de Ledder unner den Ften weg, un se
hngde un vrsched.  Un de Lde rund mher weenden un bededen
barmhartiglich un alle Armen ut drei vier Kaspels in der Runde m dat
Slott hlden un wehklagden lude; denn se was eene rechte frndliche
Armenmoder west.  Veele werst jammerden ook, datt een so schnes Wif
in jungen Jhren up disse schndliche Wise hedd starwen mt.  Un sh!
as se keen Lewensteken mehr van sick gaff un dat Geleide un de harde
Grewe sick anschickten wegtogahn, kam een swarter Rawe flegen, un
sette sick up den Galgen dicht bi ehr un reep Kork!  Kork! datt allen
Lden een Schrecken un Vrstaunen ankam.  werst wo vrfierden un
vrschreckten se sick, as de Raw eenen gldnen Ring ut dem Snawel an
de Erd fallen let.  werst am meisten vrschrack sick de Grewe, as
em de Ring in de Hand kam, un stund d un bwerde, as hedd en Gotts
Dunner slagen.  Un so stund he lang as een Vrdunnerter un Farw un
Sprak vrleten en.  Toletzt reep he: De Ring! de Ring! de
unglckselige Ring! un don tog he sin blankes Swert ut der Schede un
fll drin, datt sin rodes Blod tom Hwen herup spritzte.  Un se
nehmen de Fru van dem Galgen un nehmen den dooden Mann un growen een
grotes deepes Graf, d leden se beide still herin ahn Prester un
Kster un Sang un Klang.  Denn wo Gott een to gewaltig Wurt spreckt,
d vrgeiht dem Minschen dat Singen un Klingen woll.



De Wewer un de Steen


De Herr hett woll dat steenerne Krtz sehn, dat am Wege steiht, wo
man van der Lbnitzer Mhl nach Redbas geiht.  Da lag vr dissem een
Steen, de was in twee Stcken tersprungen.  Den hebben se wegnahmen,
as de Frst Hessenstein de prchtige Redbasser Brgg buwen let; un
dat is schad, denn de Steen hedd wat in sick, un't was eene Geschicht
mit em, woran sick Mennigeen spegeln un wobi jeder Wandersmann, de
vrbiging, sine goden Gedanken hebben kun; un he was recht een
Wahrnagel fr de Deewe un fr alle falschen Nachtslikers.  Nu he
werst weg is, ward et woll to swind vrgten sin, un wer weet, wo
lang dat Krtz noch steiht, denn nu is de Tid da, wo se alles
umkehren un dat Olde vrachten.

Vr langen langen Tiden, lang vr Minschengedenken, wahnde in Redebas
een Wewer, dat was een groter Schelm.  He wewerde werst nich
veel--denn sin Wewstohl stund jmmer still--werst he grep to eener
Kunst, wodr man een lustig Lewen holden un swind rik warden kann; un
de Dwel hedd to sinem Gespinst den Inslag makt, un nu mag de arme
Stacker tosehn, wo he dat Netz utrawweln will, dat he sick slwst
wewt hett.  Des Nachts, wenn de ehrlichen Lde slapen, was min Wewer
jmmer flink mit sinen Gesellen up den Beenen, un fette Swin un Gs,
de de Bur den annern Morgen tohauen wull, un Schinken un Mettwurst un
mennig swarer Immenrump un blanker Schepel Weiten kam int Hus, un
nms wute, up wat fr eenem Wege.  Dat werst wten alle Lde im
Drp, datt de Wewer ful was as de Oss m Wihnachten un datt he fedder
lewde as de Schult un Vrwalter.  Un se munkelden woll unner sick, he
were een Deef un Rwer un stnd' ook mit dem olden Draken im Vrbund,
de em alles todrge; werst bewiesen kunn em't keener.  Nu begaff
sick't eenes Dages, datt unser Meister Urian mit sinem Gesellen dem
Lbnitzer Mller eene Nacht in de Mhl brok, un datt jeder sinen Sack
Weiten furtdrog.  Glik drup kam de Mller mit sinem Burschen, un se
funden de Mhl apen un den Weiten weg un lepen up den Wegen herut, ob
se nms gewahr warden knnen.  Un se kemen ook up den Redbasser Weg
un packten unsern Wewer, de mit sinem Weiten up eenem groten Steen
satt; de Gesell werst was wiet vrut.  De Mller un de Mhlenbursch
nehmen nu unsern Wewer tschen sich un prgelden en deeg af, un darup
mt he sinen Weiten wedder upsacken un mit gewaltigem Pusten un
Stnen nah Lbnitz bet an dat Mllerhus dregen.  Da hlden se en fest,
denn se meenden ganz sker; datt he de Weitendeef were.  Un den
annern Vrmiddag was groter Gerichtsdag to Lbnitz.  Un de Wewer hlt
sick stif und lgnede alles, un lede sware Klag up den Mller un den
Mhlenburschen, datt se en as eenen Deef festholden, up der Landstrat
slagen un em sinen egnen Weiten afnahmen hedden.  "Denn"--schreide
he--"ditt is min Sack (he hedd werst sinen egnen Sack mit sinem
Namenteken mitnahmen un den Weiten darin schddet) un de Weiten darin
is min Weiten, den ick mi gistern Awend van dem Buren to Holthof
kfft hew.  Un wenn ji't nich glwen willt, so schickt hen un latet
den Buren halen un fragen, un wenn he seggt, datt ick den Weiten van
em nich kfft hew, will ick nu un ewig een Schelm heten."  Un se
schickten nah'm Holthof, un de Bur sede ut, as de Wewer bedrt hedd;
denn he stack ook mit drin un was een Afflegger un Deewshehler.  Un
nu wte de Richter keenen annern Rat, he hlt den Wewer woll fr
eenen Deef, werst he kunn em't nich up't Lif seggen, un darm mt
he en tom Swur laten.  Un he nam den Mller un den Mhlenburschen un
den Wwer, un se gingen mit eenanner to dem Steen un dem Krtz up der
Heid am Wege, wo de Mller en packt hedd, un da vrmahnde he den
Wewer noch eenmal, Gott de Ehre to laten, wenn he sndigt hedd, un
leewer sine Snd to bekennen un de Straf to liden, as eenen falschen
Eid to dhon un ewig in der Hll to braden.  "Denn"--sede he un sach
den Schelm dabi sehr ernsthaftig an--"disse Steen wat woll tgen
gegen di, wenn du falsch swerst, un disse Durnbsche warden de Kpp
wer di tohop stecken un Weh und Zeter wer di schreien."  De Wewer
werst let sick nicks anfechten, he makte sin Hart fast un verschot
keene Min un schwur frisch weg, datt he unschuldig were an des
Mllers Dr un Weiten, un sprack mit frecher luder Stimm: "Lat dissen
Steen in Stcken springen, un wenn et een muntlos Kindeken weet, datt
ick de Deef bn, lat et oogenblicklich dat Wurt gewinnen."  Un da
gingen se van dem Steen weder nach Lbnitz torgg, un de Spruch was:
De Mller un de Mhlenbursch mten dem Wewer Afbidde dhon un fr den
Schimp un de Slge hundertfftig Daler betalen und alle Kosten stahn.
Dat hedden se noch to ehrem Schaden; de Wewer werst strek dat Geld
in un lachte in sin Fstken, nam sinen Weitensack up den Puckel un
plegde sick eenen goden Dag van dem Roof un van dem glcklichen
Geldfang.

Nu was't to spad em totoropen: "Holl up!  Holl up!"  he was to dicht
van den Doiwelsstricken bestrickt, un kunn nich mehr herut; sin Wagen
was loslaten, un lep strtlings bargaf.  He dref dat lichte Handwark
noch een paar Jahr un wurd een Perddeef un Stratrwer un Mrder un
strek an Galgen un Strick oft hart vrbi.  Toletzt werst wurde he in
Rostock fast mit mehrern siner Gesellen, un da kam et ut, datt he vr
drei Jahren in Kenz een Hus anstaken hedd, worin eene olde Frau un
drei Kinder vrbrennt weren.  De arme Snder wurd nu utlewert nah
Redebas, wo he to Hus was, un sin Urtel wurd spraken: He schull an
dem Pal vrbrennt warden.  As he hier satt, dachten se in Lbnitz un
Redbas wedder an den Weitensack un wo he sick an dem Steen up der
Heid losswaren hedd.  Un de Knigliche Amtmann un de Schult leten dat
Holt, worup he verbrennen schull, dahenfhren un richteden em an dem
Steen sinen letzten frigen Stol up.  Un da hett sick begewen, as he
in der heeten Qual satt un sinen letzten Lewensschrei van sick gaf,
datt et unner dem brennenden Holte klungen hett, as wenn een Kind
weent.  Un alle Minschen, de dabistunden, hebben sick vrwundert un
vrfiert wer de Kinderstimm, un een old Wif hett seggt: "Da hett mal
eene Mordhand een Kind in de Erd scharrt, un dat rhrt sick nu in
siner Gruft."  werst de Mhlenbursch van vrmals, de nu Mller in
Karnin was un dabistund, reep ganz lude, datt alle Ld et hrden: "Ne!
keene arme Sndersche hett ehr Kind da in de Erd vrgraben, da hett
de Schelm up dat Evangelienbook sin falsch Wurt ingraben, un dat mtt,
damit de Wahrheit an den Dag kmmt, unner der Erd herutschreien:
'Wewer, du hest Gott belagen.' Un nu will'n wi sehn, wo't mit dem
Steen utsht."  Un de Mller vrtellde de ganze Geschicht van dem
Weitensack un wat de Richter bi dem Steen seggt hed un wo sehr he den
Wewer up sine ewige Seligkeit vrmahnt hedd, un up wat Wise un mit
wat fr Wurden de Wewer sick darup vrswaren hedd.  Un de Lde
vrstaunden sick un keener kunn een Wurt spreken vr Schrecken.  Un
as de arme Snder vrbrennt was un nicks as Asch un Knaken wrig
weren, da trat de Mller to dem Steen un rakte mit dem Stock de Asch
weg van dem Steen, un sh! de Steen was terborsten un in twee Stcken
zersprungen.  Un alle Lde seden: "Seht! dat is Gotts Finger", un
gingen in Furcht un Zittern to Hus.  werst ob van allen den, de
dabistunden, ook nich eener mal stahlen hett, dafr will ick nich
godstahn; denn so ward et woll in disser Welt bliwen, so lang se
steiht.



De krassende Hahn.


Een Frster, de im Holt wahnde, hedd twee Shns, eenen van twelw den
annern van viertein Jhren.  Nu geschach et eenmal, datt he mit siner
Frau utfuhr, un de beiden Jungs blewen alleen to Hus.  Sick de
Langewil t vrdriwen gingen se in ehres Vaders Stuw, nehmen sick
jeder een Gewehr, lden se, un gingen in den Grden Sparlinge to
scheten.  Se fnden werst keene Vgel.  As se nu wedder ut dem
Grden herut gahn wullen, spelden se mit den Flinten, as unfrode
Jungs dhon, un leden up eenanner an, as wenn se scheten wullen.  Un
as dat Sprickwurt seggt: _Wenn de Minsch vrbaden Spill makt, gift de
Dwel msnst de Musik dto_--dem ldsten Jungen ging dat Gewehr los
un sin Broder strtete dal as een Sperling, un was muschdood un
mickte nich.  In der Angst vr sinem Vader leep de Jung hen, nam
eenen Spaden, un grof sinen Broder in de Erd, wo he fallen was.  Un
as he dbi was, flog een roder Hahn up den Tun, slog de Flchten
tosam un kraihde mit luder Stimm.  Un de Jung sede to em: Hahn, du
swiggst.  Un he nam ook de beiden Flinten un hngde se wedder an ehre
Stell.  Un as den Awend Vader un Moder to Hus kemen un fragden, wo
sin Broder were, antwurte he as Kain: Wat weet ick, wo he is?  He
leep int Holz, glik as ji weg wert, un he is woll sinem Dohnenstieg
nahgan un ward jo woll noch kamen.  Un dat wurd spad, un de Jung kam
nich un kunn nich kamen, un de ldern wurden sehr unruhig un trurig.
werst de Doodscheter let sick nicks marken un dheede, as wenn he
van nicks wte.  Un se schickten ut in den ganzen groten Forst un
lepen slwst m up allen Wegen un dr alle Dohnenstiege un sprden m
in allen Drpern mher, wo he hen to gahn plegde to den Nawers, un
keen Minsch kunnt en wat van dem Jungen vrtellen.  Un toletzt
glwden se, he were in een Water fallen un vrunglckt edder een Wulf
edder anner Undeerd hedd en terreten.  Awerst de Hahn lewde noch, de
den Dooden begraben sehn und den Grafgesang dto kreiht hedd.  Un
hier sach man recht, datt ook de dummen un unvrnnftigen Deerde wer
Doodslag un wer vrgaten Minschenblood Lut un Teken van sick gewen
mtten, wenn't Gotts Will is, datt et an den Dag kamen schalt.  Keen
Dag vrging, datt de rode Hahn nicht twee- dree-mal henging, wer den
Grdentun flog un sick henstellde, wo de erschatene Jung vrscharrt
lag, un dbi kraihde, as wull he seggen: Hier liggt, wat ji skt,
kamt her, halt et herut.  werst keen Minsch hedd Acht drup gewen,
wiel den Sommer d Kartffeln stunden, wobi nms wat to dhon hedd.
Awerst as de Erdtffeln herut nahmen weren, ging de Frsterfru hen un
seiede Blomensaat up der Stell, un as se sach, datt de Hahn dat
bekrassede, jog se en weg. Un as he den tweeten un drdden Dag jmmer
wedder kam un't nich beter makte, nam se den Hahn un spunde en in, un
let en erst den ssten Dag wedder ut, as dat Saat all heel grn
upgahn was, un meende, nu wrd he ehr de Blomen woll tofreden laten.
Awerst kum hedd se den Rggen wendt, so wurd se ut dem Finster gewhr,
datt de Hahn all wedder d was un ut sinen besten Krften un Knsten
krassede un kraihde.  Un se leep hen un reep ehre Magd un den
Jgerburschen, datt se ehr den Hahn gripen hlpen; denn se was
utermaaten bs un wull em den Hals mdreihen, wenn se en kriegen knn.
De Hahn werst was keen Narr un leet sick nich gripen.  Un as se
sick all ut dem Athem lopen hedden m den Hahn un he to Busch flagen
was, kam de Mann van der Jagd, un de Fru vrtellde em, wo't ehr mit
dem Hahn ging, un sede dbi: Were ick werglwsch, ick kunn mi
inbilden, datt d wat Stes unner der Erd liggt un een Schatz fr uns
vrgrawen is; denn de Dwel weet, wat de Hahn d ss to dhon hett un
jmmer mit den Flchten waifelt un kraiht, as wenn he sinen ganzen
Frauenstall to sick locken wull.  Un se sprken drwer, un de Mann
sede: Will tom Spa mal tosehn; d mag woll eene seltsame Wrtel sin
edder so wat, datt man in der Wirthschaft bruken kann; denn dat is
eenmal wi, ehre Witterung hebben de Deerde, un de Vgel hebben de
allerfinste Ns, dat mtt ick as Jger weeten, un de is nich to
verachten.  Un he nam Hack un Spaden, un grof, un grof sick de
bitterste Thranenwrtel ut der Erd, datt he vr Jammer hedd vrgahn
mgt.  Un as se de Lik utstellden un up eenen Karkhoff in hillige Erd
leggen wullen, kunn de arme Broder et nich lnger utholden un
vrswigen un vrtellde: wo et sick im Spelen so trurig begewen hedd.
Un he erinnerde sick ook an den roden Hahn, datt he up dem Tun satt
un kraihde, un datt he to em spraken hedd: _Hahn, du swigst._



De witte Fru to Lbnitz


In Lbnitz ging de Red, datt eene witte Fru bi nachtslapender Tid
rundging.  Ehr Gang was van der Bleke wer dat Steg, dat achter dem
Backhuse up der Beek liggt, drch dat Backhus m den Schaapstall un
m de grote Schn, un denn gar langsam dr den Boomgarden un
Blomengarden, wo se oft still stund un sick bckte, as wenn se ppel
upsammelde edder Blomen plckte.  Van da ging se toletzt in dat Hus,
wo se m Klock een meist ut dem Keller unner der Trepp herupsteeg mit
eenem Licht in der Hand, waran blage Fnkschen stweden un dat hell
upgnisterde.  So is se oft sehn m de Gespensterstund; un ook mine
selige Moder sede, se hedd se mal schemern sehn.  Se plag jmmer an
der Trepp stilltostahn un sick wunnerlich mtokiken ook woll de
Husdr to befhlen, ob se slaten were; denn ging se langsam un
potentatisch de Trepp herup un steg to Bnen unner de Oken to den
Katten un lschte ehr Licht ut.  Dat is enmal wi, keen Minsch ging
to der Tid gern up de Dele un up de Trepp; un dat was dat
Besnnlichste, datt keen Hund da je to liggen edder to rasten plegde.
Un oft is't schehn, datt Mge, de de Trepp mit Licht herupgingen
edder des Nachts da wat to bestellen hedden, pltzlich as fr dood
henstrteden un denn elendig krank wurden; un de hebben vrtellt, de
witte Fru wer en mit dem blagen gnistrigen Licht in den Weg treden un
hedd se anpust't.  Van disser witten Fru vrtellde Johann Geese
eenmal:

"Mit der witten Fru, de to gewissen Tiden, am meisten im Harwst un
Winter to Lbnitz mgeiht, schall man sick woll in acht nehmen, un
den Dwel nich im wermod vrsken.  Dat is een erzbses Wif, un se
geiht nich vrgws in der wilden Unruh rund un makt ehrlichen Lden
de Nacht gruwlich.  Dat's woll hundert Jahr her un lnger, datt se to
Lbnitz wrklich lewde un regierde.  Se was een rikes un vrnehmes
Eddelmannswif un se seggen, se kam ut Polen--so schn un witt as de
witte Dag, datt ehres Gliken van Schnheit kum up der Welt west is.
werst se was eene leidige Hex un falsch un listig van Grund ut,
un slimmer as Bollis im Winter; un de olde Fiend hedd ehr den letzten
Bloodsdruppen vrgiftet, datt ook nich een god Haar mehr an ehr was.
Se was grausam hoffardig un lichtfardig, solang se jung un schn was,
un schall ehren olden Mann mit Gift vrgewen hebben.  As et werst
mit ehr gegen dat Older ging un se een, drei Stieg Jahr up dem Puckel
hedd, da vrlet se de lustige Dwel, de im Blood sitt, wergaff se
sinem slimmsten Broder, dem hungrigen un kattigen Gitzdwel, dem
Dwel, de nich slapen kann, dem rechten Negendder der Seelen, as de
Herr Pastor seggt.  Nu wurd dat olde Wif eene slimme
Minschenschinnerin un Ldplagerin un kratzte ut dem Blood und Sweet
der armen Lde Gold in Hupen tosam un vrgrof't an veelen Stellen.
Un as se endlich van disser Welt weg mt, is't ehr tor Straf sett't,
datt se up deslwige Wis, as se annern keene Rauh un Rast gnnt hett,
ook im Grawe noch keene Rauh finden schull.  Darm mtt se nu mgahn
in der doistern Nacht, wenn alle frame Kreaturen un christlichen
Minschen slapen, un de hungrigen Wlw und Vss un Marten un Ilken un
anner sodhan Tg alleen up den Beenen snt.  Denn mtt se herut in
Hagel un Snei un Wind un Regen in dem witten Doodenhemd mit dem
gefhrlichen Licht in der Hand.  Un wiel se im Keller un in der Bleke
dat meiste Geld vorgrawen hett, darm mtt se dar am meisten mlopen.
De Herr hett woll de Lcher sehn, de de Schatzgrwers dissen Winter
up der Bleke upwhlt hebben?  werst de dummen Narren! da ward
keen Minsch wat finden.  Denn je slimmer de Minsch ist, de Geld in
der Erd vrgrft, desto grtere Macht hett de Bs wer den Schatz un
desto deeper kann he en to sick heruntertrecken.  Un wer seggt uns,
wo veele dausend Faden deep he ehre Geldkasten in de Erd
herunnerslaken hett?  Dat is ook wahr un is dr veele Teken bewist,
datt dslike vordammte Seelen, de im Graw keene Rauh hebben, van Gott
brukt warden de Slimmen in Tucht to holden.  Denn wer in vrbadner
Tid as Sliker edder Deef hermlurt un wat scht, wo he nicks vrlaren
hett, un dem witten Wiwe in den Wurf kmmt, mit dem drft se affahren,
as't ehr gefllt, wenn he nich noch tor rechten Tid een himmlisch
Gewehr ergrippt, as een Evangelienbook edder een Gebet, dem Gott
anmarkt, datt et nich tom Spa ut der Kehle geiht.  Dat hett sick vr
een twintig Jahr begewen.  Da was in Langenhanshagen een Snider, de
het Jakobs un was as een Twerer un Deef vrropen, de des Nachts
selden in sinem Bedd sleep.  Den funden se eenes Morgens to Lbnitz
an der Eek achter dem Backhus, wo de Steg wer de Beek geiht.  O je!
wo bummelde de grote Kramsvagel! un wo frisch weihede dat
Sniderhoiken im Wind!  He was mit eener frischen grnen Wide upknppt.
Sine Frndschaft sede woll, datt he sick woll slwst een Leed
andhan hedd; werst wi weten dat beter: sine Uphengersche lewt noch."



Der Rabenstein


Es gibt viele absonderliche und wunderseltsame Geschichten und Dinge
in der Natur, von welchen kein Mensch begreift, wie sie sich begeben
und zusammenhngen, und sind doch da.  Und wenn die Menschen sie
erzhlen hren, erstaunen sie und erschrecken, aber wissen knnen sie
sie nicht.  So ist es auch mit dem Rabenstein, wovon viele erzhlen,
aber keiner etwas Gewisses wei; da es aber Rabensteine gibt, das
wei man wohl.

Ihr habt auch wohl von Diebslichtern gehrt.  Die sind fast eben wie
der Rabenstein und wie andere unsichtbare Diebslaternen.  Es ist aber
greulich zu erzhlen, wie Diebslichter gewonnen werden.  Sie sind die
Finger von ungeborenen und unschuldigen Kindlein; denn die Finger von
schon geborenen und getauften Kindern kann man dazu nicht gebrauchen.
Und was fr ungeborene Kindlein sind das?  Und wie mu man die
Lichter gewinnen?  Wenn eine Diebin oder Mrderin sich selbst erhngt
oder ersuft hat oder gehngt oder gekpft worden ist und ein Kind in
ihrem Leibe trgt, dann mut du hingehen um die Mitternacht, auf des
Teufels Straen, und nicht auf Gottes Straen, mit Beschwrungen und
Zaubereien, und nicht mit Gebet und Segen, und mut ein Beil oder
Messer nehmen, das von Henkershnden gebraucht ist, und damit den
Bauch der armen Snderin ffnen, das Kind herausnehmen und seine
Finger abschneiden und zu dir stecken.  Aber solches mu durchaus um
die Mitternacht vollbracht werden und in vollkommenster Einsamkeit
und Schweigsamkeit, so da auch kein leisester Laut, ja kein ach! und
kein Seufzer ber die Lippen des Suchenden gehen darf.  So gewinnst
du Lichter, die, wenn du willst, brennen, und, wie kurz sie auch sind,
doch nimmer ausbrennen, sondern immer gleich lang bleiben.  Diese
Zauberlichter haben die sonderliche Natur und Eigenschaft, da sie
augenblicklich brennen, wie und wo ihr diebischer Inhaber nur denkt
oder wnscht, da sie brennen sollen, und ebenso geschwind als sein
Wunsch und Gedanke erlschen.  Durch ihre Hilfe kann er in der
dichtesten finstersten Nacht, wenn und wo er will, alles sehen; sie
leuchten aber nur fr ihn und fr keinen andern, und er selbst bleibt
unsichtbar, wenn sie auch alles andere hell machen.  Dabei sitzt noch
die Greulichkeit in ihnen, da sie eine geheime Gewalt ber den
Schlaf haben und da in den Zimmern, wo sie angezndet werden, der
Schlafende so fest schnarcht, da man zehn Donnerbchsen ber seinem
Kopf losknallen knnte und er doch nicht erwachte.  Denke, wie lustig
sich da stehlen und nehmen lt!

Auf diese Weise werden die Diebslichter gewonnen und gebraucht, aber
anders der Rabenstein und nicht so greulich, wiewohl auch ein vom
Satan und von seinen Gelsten verblendetes und verhrtetes Herz dazu
gehrt, sich den Rabenstein in die Tasche zu schaffen.  Dies ist aber
der Rabenstein, und auf folgende Weise wird er gewonnen:

Die Raben, Krhen, Adler und andre solche Vgel, welche scharfe
Schnbel und Klauen haben und von Gott auf den Raub angewiesen sind,
sagen die Leute, werden sehr alt und leben wohl zweihundert und
dreihundert Jahre, also viel lnger als die ltesten Menschen.  Wenn
nun ein Rabenpaar hundert Winter miteinander gelebt und geheckt hat,
dann legt es erst den Rabenstein, und, wie sie sagen, alle zehn
Winter einen neuen Stein.  Dieser Rabenstein soll nach der Sage aus
den Augen der Diebe herauswachsen, welche die Raben am Galgen
ausgehackt haben; und das mssen die Raben an vielen hundert Dieben
getan haben, ehe sie einen solchen Wunderstein legen knnen.  Er ist
von der Gre einer Wlschen Nu oder eines Rabeneies, ganz rund und
glatt und feuerrot wie ein Karfunkelstein, und die Raben legen ihn in
der letzten Nacht des Hornungs: denn noch im Winter legen sie ihre
Eier und im ersten Frhling, wann es noch reift und friert, haben sie
schon befiederte Jungen.  Es hat aber dieser grausige Wunderstein
zwei Eigenschaften; die erste, da er in der Nacht leuchtet wie eine
Sonne und alles umher hell, seinen Trger aber unsichtbar macht, so
da sich herrlich mit ihm stehlen lt: die zweite, da er zu Galgen
und Rad hinlockt.

Wer einen Rabenstein suchen und fangen will, der mu in die hohen
Forsten suchen gehen, wo die groen, himmelhohen Bume stehen; denn
auf den schlanksten und schiersten Fichten, Eschen und Buchen, welche
der gewandteste Matrose nicht leicht erklettern kann, baut der kluge
Vogel Rabe sein Nest.  Da mu er lauschen und lugen, wo er Rabentne
aus hoher Luft klingen hren und Rabennester entdecken mag, und zwar
an solchen Tagen, wo Schnee gefallen ist; denn dann kann er allein
die rechten Nester finden.  Er mag nmlich alle Nester ruhig sitzen
lassen, unter deren Bumen Schnee liegt, denn in solchen ist kein
Rabenstein.  Der Rabenstein nmlich ist so warm von oben, da es
unter seinem Neste nimmer friert noch taut und da der Schnee in der
Minute vergeht, in welcher er fllt.  Aber wer dies auch wei, kann
doch wohl hundert Jahre in allen Wldern und unter allen Bumen
herumlaufen und sich die Augen aus dem Kopfe gucken, und findet doch
das Nest mit dem Rabenstein nicht.  Denn das Glck oder gottlob
leider der Teufel lt sich nicht immer so leicht greifen, als die
einfltigen Leute sich einbilden.  Denn berhaupt sind wenige Raben
in der Welt, und von diesen wenigen wie wenige werden hundert Jahre
alt oder gar zweihundert und dreihundert!  Weil strenge Winter, wilde
Buben, Jger und mchtigere Raubvgel die meisten in der Jugend
verderben--und ferner, wie schwer auch sind die Rabennester zu finden,
da der Rabe nur einen Klang oder Ton macht, wenn er in hoher Luft
fliegt oder auf dem Aase sitzt oder im Neste angegriffen wird, sonst
aber der verschwiegenste und einsamste aller Vgel ist!  Hat nun auch
einer einmal einen solchen Baum gefunden, so will es noch ein rechtes
Lwenherz, ja Satansherz dazu, den Rabenstein aus dem Neste
herunterzuholen.  Denn hrt, wie das geschehen mu:

Wer den Rabenstein haben will, der mu in der letzten Nacht des
besagten Hornungs in den Wald gehen, wo der Baum mit dem
hoffnungsvollen Neste steht.  Er mu ganz einsam und allein kommen,
und auch keine Menschenseele mu wissen, wohin und wofr er
ausgegangen ist; und auch keinen Laut, nicht einmal ein Hustchen oder
ein Seufzerlein darf er von sich geben.  Auf die Glocke der Zeit mu
er achtgeben und genau um die Mitternachtstunde zur Stelle sein; denn
nur in der Gespensterstunde, zwischen zwlf und eins in der Nacht,
lt der Stein sich gewinnen.  Dann mu er sich so splitterfasernackt
entkleiden, wie Adam weiland im Unschuldkleide der Natur im Garten
Eden gestanden ist; und in diesem Naturkleide mu er nun den Stamm
hinaufklettern und zitternd und bebend im Sinn behalten, da er
keinen Ton vernehmen lassen darf; denn alsbald ihm auch nur der
leiseste Laut entfhre, wrde er gleich des Todes sein.  Aber nun
merkt euch hierbei wieder des Teufels List.  Wenn er den armen
gierigen Kletterer bis oben zur Spitze hinaufgelockt hat, wo das
heillose Nest sitzt, dann darf er nicht hineinschauen und sich den
leuchtenden Stein aussuchen, sondern er mu sich nun noch dreimal um
den Stamm herumschwingen, die Augen zutun, und blind hineingreifen,
und was sein Finger zuerst berhrt, das mu er behalten.  So hat
sich's oft begeben, da manche mit einem faulen Ei heruntergekommen
sind und fr alle Angst, Arbeit und Schmerzen nur Spott gehabt haben.
Es bringen es berhaupt wohl wenige zustande mit dem Rabenstein,
unter Hunderten, die ihn begehren, wohl kaum einer.  Denn alles ist
dabei halsbrechend und ungeheuer.  Den meisten vergeht gewi schon
die Lust, wenn es um die kalte tote Mitternacht an das Auskleiden
gehen soll, und sie nehmen in der Angst die Flucht, und haben dann
gewi das Geschwirr und Gesurr des hllischen Nachtgesindels im
Nacken hinter sich.  Auf diese Weise hat mancher freche und verwegene
Bursch Schuh und Stiefeln, Rock und Hut verloren und den Leuten
hinterher von Dieben und Rubern erzhlt, die ihn so bis aufs Hemd
ausgezogen haben; die guten Leute htten diese Ruber und Kleider und
Schuh aber unter dem Rabennest finden knnen.  Viele erfrieren und
ermatten auch, indem sie den Stamm kaum halb hinaufgeklettert sind,
oder knnen es vor Schmerz nicht lnger aushalten, denn es geht dabei
wohl an ein ehrliches Schinden der Knie, Schenkel und Arme, und so
mssen sie endlich mit Schimpf zurckkriechen oder fallen auch wohl
gar jmmerlich herunter.  Das bleibt aber wahr, wenn sie auch oben
bis zur uersten Spitze und zum Neste gelangt sind, dann wird's erst
recht teuflisch und gefhrlich.  Nun in der Mattigkeit und Angst den
vollen Verstand behalten und den Ton so bezwingen, da auch kein Laut
aus der Brust dringt, die Augen zutun, sich dabei dreimal um den
Stamm schwingen, und dann mit der Hand ins Nest fahren und den
letzten Glcksgriff tun--das ist wahrhaftig nicht jedermanns Ding.
Dabei strzen noch die meisten herunter und brechen den Hals,
besonders wenn es ihnen zu mchtig wird und sie doch sthnen oder
murmeln.  Dann ist es um sie getan.  Sowie auch nur der leiseste Laut
fast nur atmet, geschweige klingt, ist sogleich ein ganzes Heer da,
das mit zu dem Satansgaukelspiel gehrt.  Viele hunderttausend Raben
fllen pltzlich mit ihrem Gekrchze die Luft und umflattern den
armen Snder, und fallen mit Flgeln, Klauen und Schnbeln so dicht
auf ihn, da er herunter mu, er mag wollen oder nicht.  Da geht's
denn zuletzt an den Sturz und an ein Hals- und Beinbrechen--denn wre
der Kletterer ein Lwe von Mut und Strke, er mu herunter--und mit
den Augen und einem bichen von Wangen und Nase nimmt die
Gesellschaft gleich frlieb.  Dies sind die Geschichten, wovon man so
oft hrt, die man auch oft in Zeitungen liest, wo auf die vermeinten
Mrder gelauscht und gefahndet werden soll: ein junger Jgerbursch
oder Handwerksbursch sei nackt und zerrissen und zerfleischt im Walde
gefunden, von Rubern ausgeplndert und erschlagen oder von zuckenden
Bren und Wlfen zerrissen.  Er hat sein mitternchtliches Wagstck
mit dem schwarzen Federvolke so bezahlen mssen, und die Ruber,
Mrder und reienden Tiere haben weder Knppel und Pistolen noch
Zhne und Tatzen gefhrt.

Und nun will ich auch eine Geschichte erzhlen von einem, der den
Rabenstein besessen hat, und was er ausgerichtet und wie es mit ihm
geendet hat.

Vor langer langer Zeit lebte zu Boldewitz auf Rgen ein reicher und
vornehmer Herr, der vieler Kaiser und Knige und Potentaten in
schweren Fllen Kriegsobrister gewesen war, der hie Herr Friedrich
von Rotermund.  Dieser brachte aus der Trkei oder aus der Tartarei,
kurz, aus den Heidenlndern, wo sie Weiber kaufen, wie bei uns die
Pferde, ein wunderschnes Weib mit, von welcher kein Mensch wute, ob
sie eine Heidin oder Christin war.  Sie war aber nicht sein eheliches
Weib, sondern seine Kebsin.  Mit dieser zeugte er ein Feierabendskind,
und das war ein Knabe und hie auch Friedrich.  Es war aber kein
Friedrich, sondern ein rechter Kriegerich; denn der Krieg und die
Wildheit steckte darin, und er war von keinem Schulmeister noch
Zchtiger zu bndigen, sondern ging durch wie ein kosakisches oder
tartarisches Pferd.  Er war aber schn wie Sonnenschein und stark wie
Eichbume und bei all seiner Wildheit den Menschen ber die Maen
angenehm und gefllig; so da jeder den Buben gern hatte.  Nach
seines Vaters Tode, als er fnfzehn Jahre alt war und nun einem
lteren Bruder gehorchen sollte, welcher der Sohn der echten Ehefrau
des alten Rotermund war, ertrug er die strengere Zucht nicht, sondern
entlief und kam nach der Insel Hiddensee, und ging von da zu Schiffe
in alle Welt hinaus und ward ein gewaltiger Matros.  Als er sich das
muntre Seeleben ein halbes Dutzend Jahre versucht hatte, ist er
einmal wieder nach Stralsund gekommen und von da zu Hause nach Bergen
in Rgen, wo seine Mutter wohnte.  Und seine Mutter und andere
Freunde haben ihn dort beredet, er solle auf dem Lande bleiben,
welchem Gott feste Balken untergelegt hat, und das unstte und
unsichere Meer verlassen.  Und er ist zu einem Frster in die Lehre
gegangen, da er das frhliche und lustige Weidwerk lernte, und bald
ein flinker und hbscher Jgerbursch geworden, vor welchem die Weiber
und Mdchen in den Tren und Fenstern stillstanden und ausschauten
und freundlich nickten und grten, wenn er vorberging; denn er ist
wohl einer der schnsten und reisigsten Menschen gewesen, die man
weit und breit sehen konnte.  Hier hat er nun aber, wie es oft bei
den Weidmnnern geschieht, mancherlei verbotene Knste gelernt, ist
ein Freischtz geworden, und hat sich den Rabenstein geholt.  Dies
war dem mutigen Matrosen nur ein Spiel gewesen, welchem im wildesten
Sturm nimmer ein Mast zu hoch noch zu glatt gewesen, da er ihn nicht
erklettert und von seiner Spitz dem heulenden Meer frhlich in den
offenen Todesrachen geschaut htte.

Fritz Rotermund--so nannten ihn die Leute--hat sich nun von seinem
Funde des Rabensteins nichts merken lassen, sondern seinen
karfunklischen Diebsschlssel gar lustig gebraucht; doch weil er von
Natur sehr gutherzig und freundlich war, hat er keine sehr greuliche
Taten getan, sondern solche, welche die leichtsinnige Jugend oft nur
lustige Streiche nennt.  Weil er mit seinem Stein unsichtbar in alle
Huser und Kammern gehen konnte, so hat er freilich die lustige Gabe
genutzt, aber nie keinem ehrlichen oder armen Menschen nur einen
Heller genommen; sondern wo er einen bsen, ungerechten Herrn wute,
der auf seinen Schtzen lag, die er aus dem Schwei und Blut seiner
geplagten Untertanen zusammengepret hatte, oder einen Filz und
Wucherer, der unersttlich die letzte Habe der Kleinen und Geringen
im Volk verschlang, da hat er fleiig eingesprochen und ihre Kisten
und Beutel etwas leichter und schlaffer gemacht.  Das ist aber
besonders an ihm gewesen, da er von solcher Diebsbeute fast nie
etwas fr sich behalten, sondern es fast alles hingetragen hat, wo er
arme und notleidende Alte und hungrige und verlassene Kindlein gewut
hat.  Da ist er nchtlich und mitternchtlich, wo alle Augen der
tiefste Schlaf geschlossen hielt, in die Huser geschlichen und hat
die silbernen oder goldenen Gaben auf Tische, Betten und Wiegen
hingeschttet; da die Leute, wenn sie erwachten, erstaunten und die
Hnde zusammenfalteten und beteten.  Denn sie konnten nicht meinen,
da eine unsichtbare Diebshand die wohlttige Verteilerin gewesen sei,
sondern muten glauben, es sei von oben gekommen und ein Englein vom
Himmel habe es ihnen ins Haus getragen.  Und so ist in den Stdten
und Drfern, welche der Frster Fritz besuchte, mancherlei Gerede
entstanden zugleich von verwegenen Dieben und von wohlttigen Engeln,
wie denn Gottes Reich und Satans Reich und die Gesprche darber hier
auf Erden immer mitsammen sind.  Aber noch viele andre Schalkstreiche
hat der lose Fritz verbt, der leicht wie der Wind allenthalben aus
und ein schlpfen konnte; und was wrden die Tren und Fenster, wenn
sie Mund htten, von ihm nicht alles zu erzhlen wissen!  Doch das
darf ich nicht alles erzhlen, weil es sich hier nicht schickt; und
auch die andern Possenstreiche alle knnte ich nimmer auserzhlen,
die er zu Weihnachten und Fastnacht und bei Hochzeiten, Tnzen und
Mummereien als der unvermummte und doch unsichtbare Gast gespielt hat.

Eine Not aber hat Fritz bald in dem Rabenstein gefhlt, die eine
schwere Not war und die als eine Teufelsplage der verbotenen Kunst
anhngt.  Weil nmlich der Rabenstein aus Galgenvgeln und
Galgenaugen geboren wird, so hat er einen heimlichen und
unberwindlichen Trieb zu Galgen und Rad in sich, eine Witterung, die
seinen Trger und Besitzer treibt, da er mit dabei sein mu, wenn es
an solchen hohen Stellen etwas zu tun gibt.  Wenn daher auf der Insel
in einem Hochgericht und an einem Galgen einer gekpft oder gehngt
werden sollte, so trieb's ihn mit Teufelsgewalt und wie auf
Windesflgeln hin; er mute mit dabei sein, und sollte er drei, vier
Meilen in zwei Stunden laufen, da dem Atemlosen die Zunge aus dem
Halse hing.  Das war aber noch viel schlimmer und grausiger, da er
die Geburtstage und Jahrestage der gerichteten armen Snder mitfeiern
mute.  An dem Jahrestage der Hinrichtung nmlich versammelten sich
die Geister der Gerichteten, damit sie ihren nchtlichen Totentanz um
die Hochgerichte halten; und diesen Tanz begehen sie um die grausige
Mitternacht, und da mssen alle die mitfeiern und mittanzen, welche
den Rabenstein haben.  So mute denn auch Fritz manche liebe Nacht,
wo er gern anderswo geweilt oder geschlafen htte, im Hagel und
Schnee, im Sturm und Donnerwetter hinaus in das wilde Weite und ber
Heiden und Felder, gleich einem Kain, zu Galgen und Hochgericht
fortlaufen und den schaurigen Tanz mittanzen, bis ihm oft der Atem
schier auszugehen anfing; denn seine Mittnzer und Mittnzerinnen
hpften begreiflicherweise auf den allerleichtesten Fen einher.
Und die Leute konnten ihm die Reise zu einem solchen nchtlichen Ball
wohl anmerken, und da ihm irgend was Unrechtes widerfahren war--denn
er sah acht, vierzehn Tage nachher noch bleich und krank aus--er aber
schttelte alle fremde Bemerkungen und Fragen leicht von sich ab,
machte irgendeinen Scherz oder Wind darber und sagte: "Ei was!  Ihr
Siebenschlfer, die ihr euch jeden Abend zu regelmiger Zeit auf
eurem weichen Pfhl hinstreckt, knnt euch wohl rosige Wangen und
dicke Buchlein anschnarchen; aber mit dem Jger ist es gar anders
bestellt, der mu viel ein nchtlicher Gesell sein: Fchse, Marder,
Ottern und anderes Wild, das euch die warmen Pelze liefert, fngt und
belauert man nicht beim Sonnenschein.  Man stt da auch wohl
zuweilen auf etwas, das nichts taugt, aber das schttelt ein tapfrer
Jger auch wieder ab, und die tchtigen und geheimen Jgerknste zu
lernen und die tapfern Jgergeschichten zu bestehen, dazu gebricht
euch das Herz."

So hatte Fritz Rotermund es manches liebes Jahr getrieben und hatte
wohl frisch und lustig gelebt und fr Tnze und Gelage und Spiel und
schne Mdchen immer Geld in der Tasche; aber reich war er nicht
geworden, denn volle Taschen konnte er nicht leiden.  Er war bisher
mit seinem grnen Rock zufrieden gewesen und immer noch ein
Jgersmann geblieben; da begab sich aber von ungeschicht etwas, das
den wilden Jger zu einem zahmen Edelmann machen sollte, und das war
dieses:

Im Kriege, zur Zeit des Knigs Karolus*, waren bei der Stadt Bergen
zwei Juden gehngt, die man als Pferdediebe ertappt hatte.  Sie
hatten dort schon ein Jahr an dem Galgen gebaumelt, als Fritz
Rotermund zur Jahresfeier heraus mute, um zu lernen, wie auf
hebrisch um Galgen und Rad getanzt wird.  Und da hat er einen recht
geschwinden davidischen Reigen tanzen gelernt, denn die jdischen
Geister hatten sich in einem so schnellen asiatischen Schwunge
herumgedreht, da er--was ihm noch nie begegnet war--ermattet in
Schlaf hingesunken und erst erwacht war, als das Morgenrot den Ost
schon zu hellen begann.  Da, als er erschrocken aufsprang, begab es
sich, da der Wind ihm die lumpigen Rockzipfel des einen
Galgenkrametvogels, unter dessen drren Beinen er in Schlaf gefallen
war, so heftig gegen die linke Backe wehte, da das Blut darnach
heraussprang.  Der Fritz, als er den Backenstreich fhlte und auf der
darnach tastenden Hand Blut erblickte, rief halb schauderig, halb
lachend aus: "Ei! ei!  Mauschelchen!  Du hast auch verdammt scharfe
Knpfe und willst deine Leute wohl an mir rchen, welchen ich in
andern Geschften zuweilen auch wohl mitternchtliche Besuche
abzustatten pflege?"  Und zugleich schaute er nach dem Rocke, und sah
auch kein kleinstes Zeichen von einem Knopf, und das verwunderte und
schauderte ihn noch mehr.  Er ergriff daher den im Winde fliegenden
Zipfel, damit er nher untersuchte, ob irgend in den Falten ein Knopf
verborgen stecke.  Aber auch da fand sich nichts.  Wohl aber fhlte
er etwas Hartes in den Ecken, und sah bald, da diese mit tausend
Fden hin und her im Unterfutter so durchnht waren, als wenn sie bis
zum Jngsten Tage halten sollten.  Er griff nun frisch zu mit seinen
Jgerfusten und ri den ganzen Rockzipfel zu Fetzen auseinander, und
was erblickte er?  Ein paar funkelnde Edelsteine fielen vor ihm auf
die Erde.
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* In Schweden und in den damals schwedischen deutschen Ostseelanden
ist dieser Knig Karolus (Karl der Zwlfte) gleich dem Iskander der
Morgenlnder und unserm Friedrich Rotbart auf dem Kyffhuser wenige
Jahrzehnte nach seinem Tode ein mythischer Name geworden.  Alles
lngstvergangne Ungeheure und Gewaltige reiht sich unter solche Namen;
ob ein Jahrhundert oder einige Jahrtausende rckwrts oder vorwrts
gerechnet werden mssen, was kmmert das das Volk, welches fr das
Poetische und Mythische eine wahrhaft gttliche Zeitrechnung hat, das
heit: nach dem gewhnlichen Mae gemessen gar keine.
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Er nahm sie auf und betrachtete sie an seinem Rabenstein und an dem
hellen Morgenrot, und fand, da diese gegen jene Steine nur wie
blasses Wasser waren gegen das rote Feuer.  Und hoch sprang er in die
Luft empor und rief: "Nun, dies ist der erste Galgentanz, der etwas
anderes als Schauder und Greuel gebracht hat", und so trollte er sich
davon.

Als er aber nach einer halben Stunde Galgen und Furcht weit hinter
sich hatte und die Sonne schon am klaren Himmel stehen sah, da holte
er die Steine wieder aus der Tasche und beschaute sie genauer, und
wute bald, was sie wert waren.  Denn auf seinen vielen und weiten
Seereisen hatte er viele Weltwunder und Meerwunder gesehen, und war
auch gewesen, wo die schnen grnlockigen Seejungfern so zauberisch
singen, da die Schiffer den Matrosen, damit sie nicht zu ihnen in
die Tiefe springen, die Ohren voll Teer gieen und mit Wachs zukleben
mssen, und war auch an das Land gekommen, wo die Diamanten und
Rubinen am Strande im Sande liegen, wie bei uns die Kieselsteine,
hatte aber keine aufsammeln und mitnehmen drfen wegen der greulichen
Drachen und Greifen, die sie bewachen.

Er lief nun frhlich zu Hause, holte sein Pferd aus dem Stall,
sattelte es, und sagte auf acht Tage Ade, und so trabte er auf die
Alte Fhre zu, und von da ging's auf Hamburg oder Berlin, wo er die
kostbaren Judendiamanten wieder an Juden verkaufte und mit groen
Scken voll Dukaten, wohl ber ein paar Tonnen Goldes, nach wenigen
Tagen heimkam.

Nun hatte Fritz Geld in Hlle und Flle, und mit dem Gelde kamen ihm
auch vornehme und ernsthafte Gedanken, ja ganz neue Gedanken, wie er
sie noch in seinem Leben nicht gehabt hatte.  Er ging hin und ward
ein Edelmann, und kaufte seinem Bruder Boldevitz ab, wo sein Vater
gewohnt hatte und wo er geboren war, und kaufte auch Unruh und auch
mehrere andere schne Gter, die da herumliegen.  Und der Jger Fritz
fuhr nun mit Vieren und mit Sechsen und mit langen Strngen, und
hatte Diener und Jger hinter sich auf dem Bock stehen und Lufer mit
silbernen Stben vor sich herlaufen, und hie Herr Fritz von
Rotermund, wie sein Vater in seinen Tagen geheien hatte.  Und nun
nahm er sich auch ein schnes adliges Frulein zur Frau und zeugte
Shne und Tchter, und lebte und gebrdete sich wie ein anderer Herr.
Er blieb aber so freundlich und geburisch mit den Menschen und war
so mild gegen seine Leute und so mitleidig gegen die Armen, da alle
verwundert sagten: Der wilde und leichtfertige Fritz ist ja ein
Mensch und dazu noch ein Christenmensch geworden.

Und das war nicht blo eitler Schein, sondern es war ihm herzlicher
Ernst.  Als Fritz so groes Gut erworben hatte und ein Edelmann
geworden war, da schien auch wirklich ein neuer Geist in ihn gefahren
zu sein, ein besserer Geist, der sonst so selten mit dem geschwinden
und pltzlichen Reichtum ins Haus zu kommen pflegt.  Er verabscheute
von nun an seinen Rabenstein und seine mitternchtlichen
Diebsschliche, liebte auch seine alten Schalkstreiche nicht mehr,
sondern wollte sich wirklich von Herzen umwenden und bekehren und
wieder ein Mensch Gottes werden, hielt sich daher hinfort zu andern
guten Christen und zu Kirche und Abendmahl, und lebte mit Frau und
Kindern und mit Freunden und Nachbarn und mit allen Menschen so, da
alle ihn lieb und wert hielten und seiner Jugend und Jugendstreiche
gern vergaen.  Wie er nun aber wirklich christlich und menschlich zu
sein und zu leben strebte, so hatte er doch noch einen plagenden Wurm,
um welchen er und sein Gott allein wuten, und dieser schlimme Wurm
war sein Rabenstein.  Was der arme Mann um diesen ausgestanden und
gelitten hat, das ist gar nicht zu beschreiben.

Er fhlte nmlich, sowie er sich wieder zum Christentum und zum
Glauben seiner Kindheit zurckgewendet hatte, da der Rabenstein
nichts Geheures war, sondern eine bse teuflische Gaukelei, und htte
ihn sogleich von sich werfen mgen in den tiefsten See oder in die
verborgenste Erde vergraben oder in dem gewaltigsten Feuer verbrennen,
damit nimmer eine Menschenhand ihn wiederfnde und mit seinem
hllischen Glanze Unheil stiftete.  Aber! aber!  Wie ist es dir
ergangen, armer Fritz Rotermund?  Man wird des Rabensteins noch viel
schwerer los, als man ihn gewinnt.  Sowie Fritz den Rabenstein von
sich werfen, wie er ihn der verschlingenden See, dem verzehrenden
Feuer berliefern wollte, wich der tckische Stein kaum eine Sekunde
von ihm, und flog ihm immer wieder in die Hand zurck, die ihn mit
aller Gewalt von sich geschleudert hatte, oder in die Tasche, woraus
er genommen war.  Da hat nun Fritz, der jetzt wahrhaftig nicht der
muntre und frhliche Fritz heien konnte, es nach und nach mit allen
Elementen versucht, ob etwa eines den Stein lieber annhme als das
andre; aber der frchterliche Stein ist der unverlierbare und
unzerstrbare geblieben.  Er hat es auer diesen unglcklichen Proben
am eifrigsten und unablssigsten mit dem allerbesten Element versucht,
mit Andacht und Gebet; und wie viel er da gerungen hat, wie viel und
oft er um die stille Mitternacht in seiner Kammer und im einsamen
Walde und an heiliger Sttte auf den Knien gelegen und seinen Gott
und Heiland um Barmherzigkeit gefleht hat, da er ihn von dem Bsen
erlsen wolle, das wei auch Gott allein.  Immer noch hat er die
blutigen Gerichtstage mithalten und die mitternchtlichen Galgentnze
noch mittanzen mssen, und jetzt mit entsetzlichem Grausen und
Schaudern, weil der Christ wute, was es war.  So hat er wohl zwanzig
Jahre gelebt in seinem neuen Stande, uerlich der freundliche,
christliche Mensch, der milde und barmherzige Herr, innerlich der
Gepeinigte und Gemarterte.  Er hat aber nicht abgelassen und ist
nicht mde geworden in Demut und Gebet, und hat dies alles mit
gebeugtem Herzen getragen als ein armer Snder, den Gott fr seinen
leichtfertigen bermut und seine heidnische Frechheit strafen und
durch das, was ihm nun eine so grimme Pein geworden, vielleicht
erretten wolle.  Endlich ist der Tag dieser Errettung und Begnadigung
gekommen, aber auf eine grauenvolle Weise.

Fritz ward eine Nacht zu einem Galgenfest getrieben nach Putbus, wo
an dem Wege, auf dem man nach Kasnevitz fhrt, etwa eine halbe Stunde
vom Schlosse, auf einem den Heidehgel, noch heute die Trmmer eines
Galgens stehen.  Dort fand er bei seiner Ankunft das greuliche
Nachtgesindel schon in dem greulichen Tanze rundfliegen, und zugleich
mit ihm ritt von der andern Seite her als Mittnzer ein Mann auf, der
noch mit lebendigem Fleisch umkleidet war wie er und mchtig zu Rosse
sa und einen blanken Sbel in der Rechten schwang, als forderte er
jemand heraus.  Und gewi, er forderte heraus, denn der Fritz fhlte
bei seinem Anblick den heiesten Grimm in sich entbrennen, und mute
sein Schwert ziehen und gegen ihn anlaufen, der, als er Fritzen zu
Fu anrennen sah, von seinem Rappen heruntersprang.  Fritz erkannte
ihn alsbald als den verrufenen alten Erzbsewicht, der am uersten
Ende der Insel auf Jasmund hauste und von dem die Leute sich viele
greuliche und mordliche Geschichten erzhlten.  Sein Name war von
Zuhmen.  Der alte graue Schelm erschien aber auf diesem Tanzplatz,
weil er vor ein paar Monaten einen Rabenstein gefunden hatte.  Nun
war er der zweite auf der Insel, der einen Rabenstein besa und zu
dieser mitternchtlichen Totenfeier hinaus mute.  Denn das ist auch
noch eine treibende Wut und ein unseliges Verhngnis des
entsetzlichen Steins, da, wenn zwei sich begegnen, die den
Rabenstein haben, sie auf Leben und Tod einen Kampf miteinander
halten mssen.

Und so trafen denn die zwei in blinder Wut aufeinander und kmpften
den grlichen Kampf, whrend das leichte Heer seinen lustigen Reigen
um sie tanzte und wirbelte; und wie die Schlge ihrer Klingen sich
verdoppelten, so verdoppelte sich in ihren Herzen auch der Grimm.
Sie waren aber beide reisige Mnner und gewaltig an Fusten und
Gliedern und waren im rstig frischen Alter ergraut.  Und der Kampf
dauerte solange der Tanz dauerte, und das Gras um den Galgen war von
ihrem Blute rot gefrbt; da, als es von dem Turm eins schallte,
strzte, von einem letzten gewaltigen Streich getroffen, der alte
Jasmunder Bsewicht als Leiche hin, Fritz aber entfloh mit Grausen
und mit tiefen und blutenden Wunden, die seinen Weg hinter ihm
rteten.  Er hatte sich aber auf des Feindes Rappen geschwungen, denn
seine Fe htten ihn nicht nach Hause zu tragen vermocht.

Und als der Sommermorgen graute, ritt er matt und blutig ins Tor zu
Boldevitz ein und hatte nicht Angst um sein Leben, sondern um seine
arme Seele.  Und er weckte alsbald seinen treuen Diener und hie ihn
geschwinde ein Pferd satteln und gen Gingst galoppieren, da er ihm
den dortigen Herrn Pfarrer holte.  Denn er sprach zu ihm: "Ich war
ausgeritten und bin in dem Walde bei Kubbelkow unter Ruber geraten,
und sieh! wie sie mich zerhauen haben und wie die Blutstrme aus den
tiefen Wunden an mir herabrinnen!  Es wird in wenigen Stunden aus
sein mit dem alten Fritz."

Und der Diener flog wie der Wind auf seinem Pferde dahin, denn er
liebte seinen guten Herrn ber alles.  Und der erschrockene Pfarrer
in Gingst war nicht Sumiger, denn er nannte Herrn Fritz Rotermund
den besten Christen und den fleiigsten Kirchengnger unter seinen
eingepfarrten Edelleuten.  Und anderhalb Stunden nach des Dieners
Ausflug waren beide in Boldewitz und fanden den alten Herrn auf dem
Lager bla und bleich wie den Tod und sein Weib und seine Kinder um
ihn, welche ihm seine Wunden verbunden hatten.  Er aber, als der
Pastor hereingetreten ist, hat allen gewinkt herauszugehen, damit er
mit dem geistlichen Herrn betete und sich zur Abfahrt bereitete.

Und als sie beide allein geworden, hat er dem Pastor alles erzhlt
und gebeichtet und den Mann so bestrzt, da er kaum hat beten knnen.
Bald aber hat der fromme Mann sich wieder genommen und hat die
Bibel ergriffen und des todwunden Ritters Hnde gefat, und ber ihm
gebetet, da der gndige Himmel sich des reuigen und zagenden Snders
erbarmen wolle.  Und der Himmel hat sich gndig auf das Gebet
herabgelassen, und Fritz hat mit lauter Stimme und sehnschtigem
Herzen die Worte des geistlichen Herrn nachgesprochen.  Und bald hat
er sich zum erstenmal in vielen Jahren ganz getrstet gefhlt und
laut ausgerufen: "Gelobt und gepriesen sei Gott und Jesus Christus
fr diese Wunden!"  Und der Pastor ist frhlich erstaunt ber diesen
Ausruf und ber des Ritters erheitertes und erleuchtetes Angesicht,
und bald noch viel mehr und viel frhlicher, als der Herr von oben
das hrbare und sichtbare Zeichen der Gnade gegeben.  Denn kaum hatte
Fritz diesen frhlichen Ruf des erlsten Herzens getan, als der
unselige Karfunkelstein pltzlich aus der Tasche des Edelmanns
herausfuhr, wie ein leuchtender Blitz durch die Luft hinzischte, und
dann wie eine springende Feuerkugel sich gegen den Ofen schnellte,
und kling!  Kling! in der Sekunde in Millionen Stcke zerstob, wie
ein Sandhaufen auseinanderweht, so da man auch die Spur nicht von
ihm sah.  Und Fritz hat wieder freudig gerufen: "Mein Gott und mein
Heiland, wie barmherzig bist du!  Und sahet und hrtet Ihr wohl, Herr
Pastor, wie der Teufel in nichts zerklungen und in Staub zerflogen
ist?"  Und er faltete in Inbrunst die Hnde und dankte und betete; und
der Pastor dankte und betete mit ihm und sprach: "So bist du gndig,
barmherziger Gott und Erhalter und Behalter aller Dinge, und erlsest
und erquickest den reuigen Snder!"

Und unter den beiden war groe Freude, und sie umhalsten sich in
Wonne, wie sich die Engel im Himmel umhalsen, und Fritz sprach: "Mein
Abschied ist nahe, und darum geht, Herr Pastor, und holet mir Weib
und Kinder."  Und der Pastor hat sie gebracht, und Fritz hat die Hnde
auf sie gelegt und sie zum letztenmal gekt und gesegnet, und ist
dann augenblicklich mit Zuversicht und Freuden heimgegangen.  Denn
das Blut war aus seinen Adern gelaufen und die Luft an dem irdischen
Leben aus seiner Seele.



Der Schlangenknig.


Schlangenknig wohnte auf einer fernen Insel in der Ostsee, die gen
Dnemark liegt, und hatte dort sein Schlo.  Dieses Schlo lag aber
wieder in einer kleinen Insel, die in der groen Insel steckte, wie
der Krmer die kleinen Schachteln in die groen steckt.  Dieses
Inselchen lag in einem groen Landsee.  Da hatte Schlangenknig sein
Schlo unter einem Hgel in der Erde gebaut, und es war sehr schn
darinnen und schimmerte und funkelte von Silber und Gold und
Edelsteinen und hatte die allerprchtigsten Gemcher.  Darinnen sa
Schlangenknig ein armer verwandelter Prinz und wartete auf seine
Erlsung.  Er war aber verwandelt wegen seiner Eitelkeit.  Denn er
war ein wunderschner Prinz gewesen und hatte viele schne
Prinzessinnen und Kniginnen und Kaiserinnen mit seiner Schnheit
gelockt, aber keine geliebt sondern alle mit wankelmthigem Herzen
verlassen.  Deswegen war er zur Strafe verwandelt worden, damit er
auch versuchte, was es heit keine Liebe finden, und er mag nun wohl
als der Schlangenknig kriechen mssen bis an den jngsten Tag.  Weil
er nemlich so viele arme Prinzessinnen betrogen hat, die er sitzen
lie und weiter ging, so hat ihn die Strafe getroffen, und das Wort
ist zu ihm gesprochen: Sey der Schlangenknig und krieche als der
Schlangenknig und i Erde und sauge Gift aus Wurzeln und Krutern
und sey den Menschen ein Abscheu und den Thieren ein Grauen, bis ein
unschuldiges junges Blut sich ber dich erbarmt und mit dir zu Bett
geht und dich ohne Grausen kt.  Das merke dir aber: wirst du dieser
wieder ungetreu, dann wirst du auf ewig in das tiefste hllische
Feuer hinabgestoen.  Schlangenknig hatte bei seiner Verwandlung
ganz die Farbe des Kleides behalten, das er trug, weil er noch Prinz
war.  Er trug nemlich einen grn und gelb gestreiften seidenen Rock,
und jetzt schleicht er als eine schne grn und gelb gestreifte
Schlange umher mit einer goldenen Krone auf dem Kopf, und pfeift und
zischelt wie eine Schlange, aber sprechen kann er nicht.  Nur sind
gewisse Tage im Jahre, wo er singen darf, und da singt er mit so
wunderschner und ser Stimme, da er schon manches arme Kind
verlockt hat, mit ihm zu gehen in sein Schlo, aber noch hat er keine
einzige gefunden, die ihn hat kssen wollen.  Die aber mit ihm
gegangen sind, mssen in seinem Schlosse sitzen, bis er eine findet,
die es ber das Herz bringen kann, ihn in Liebe zu kssen.  Die das
thut, das wird die Knigin und alle die andern, die er hineingelockt
hat, werden ihre Dienerinnen.  Und auf diese Weise allein knnen sie
aus dem Schlosse erlset werden.

Nicht weit von dem See, wo Schlangenknigs Schlo auf der Insel war,
lag ein Dorf, das hie Thorstorp.  Die Wiesen und Weiden dieses
Dorfes liefen bis an den See hinab, und da trieben die Kinder des
Dorfs ihre Khe hin und hteten sie daselbst.  Unter diesen
Hirtenkindern waren zwei, die hatten einander sehr lieb und trieben
ihre Heerden fast immer zusammen.  Es war eine kleine Dirne, die hie
Margarethe, und ein Knabe, der hie Jakob.  Margarethe war vierzehen
Jahre alt und Jakob sechszehn.  Sie waren beide beinahe erwachsen
aber unschuldig wie die kleinen Kinder und wuten nicht, warum sie
einander so lieb hatten.  Aber da sie sich ber alles liebten, das
ist wahr.  Diese und die andern Knaben und Mdchen, welche dort das
Vieh hteten, hatten Schlangenknig oft laufen sehen und mogten ihn
gern leiden, denn er war sehr bunt und schn und seine Krone funkelte
auf das allerschnste.  Der Schelm kam oft durch den See geschwommen
und ringelte sich im Grase herum und wand seinen schnen schlanken
Leib um die Bume und Bsche, da die Kinder seinen Spielen zusahen
und ihre Freude daran hatten.  Aber ganz nah kamen sie ihm nicht,
denn sie hatten doch ein Grauen vor ihm, weil er Schlangengestalt
trug, obgleich sie wuten, da er nicht bi und keinem was zu Leide
that.  Die Kinder hatten noch nie einen Gesang von ihm gehrt,
obgleich die Rede ging, der Schlangenknig knne singen und habe
schon manche schne Dirne verlockt, die nun in seinem Schlosse sitzen
und weinen msse, sondern vor ihnen hatte er immer nur gezischelt,
wie andere Schlangen thun.  Er durfte ja auch nicht alle Tage singen
und auerdem war er viel zu klug, als da er sichs in Gesellschaft
htte merken lassen, da er singen konnte; denn da konnte es ihm ja
zu nichts helfen.  Nein, wann seine Singetage waren und wenn er dann
ein hbsches Kind allein belauschen konnte, dann lie er seine Stimme
ertnen und brachte es gewhnlich mit weg.

Eines Tages sa Jakob mit seiner Margarethe hinter einem grnen
Busche und die beiden Kinder erzhlten sich Geschichten und ihre Khe
graseten vor ihnen, die andern Hirten aber hatten weiter abwrts
getrieben.  Da kam Botschaft, da Jakob geschwinde zu Hause mute.
Er kte seine liebe Margarethe und sagte: Margarethe, gieb derweile
auch auf meine Khe Acht, bis ich wiederkomme, und kommt der
Schlangenknig etwa, so bleibe bei Leibe nicht allein, sondern treibe
nur geschwinde zu den andern Hirten hin.  Er knnte dich wegsingen,
denn der Schelm soll es in der Stimme haben.  Sie versprach es, aber
rief dem weglaufenden Burschen lachend nach: O das ist nur eine Fabel
mit dem Singen des Schlangenknigs, er kann ja nicht einmal sprechen:
der soll mich nicht wegsingen.

Jakob war kaum hundert Schritt fort, so kam der Schlangenknig ber
den See geschwommen und ringelte sich dann in den allerlustigsten
Kreisen ber die Wiesen hin und machte so viele niedliche
Schlingungen und Windungen und richtete sein Kpfchen mit der
goldenen Krone so lieblich lchelnd und so hell guckend auf, da die
kleine Margarethe recht ihre Freude daran hatte und ihr Versprechen,
das sie Jakob gethan, auch ganz und gar verga.  Und Schlangenknig
ringelte sich immer nher heran und kroch auf einen grnen Baum, der
vor Margarethen stand, und schaukelte sich einige Minuten in seinen
Zweigen herum, dann sang er mit der allersesten und beweglichsten
Stimme, als htten hunderttausend Frhlingsnachtigallen zugleich
geschlagen, und Margarethe konnte nun nicht mehr von der Stelle und
mute ihm zuhren: sie sa, als wenn sie festgezaubert war, wiewohl
sie an ihres Jakobs Worte dachte.  Er sang ihr aber diesen Gesang,
den sie des Schlangenknigs Brautlied nennen, und womit er schon
manche zarte Jungfrau in sein Schlo gelockt hat:

Komm, schnes Jungfruelein,
Schlafe bei mir!
Ich hab' ein Goldringelein,
Das schenk' ich dir,
Ich hab' ein Goldkmmerlein,
Das ist fr dich,
Ich hab' ein Goldwiegelein,
Drin wieg' ich dich.
Komm, schnes Jungfruelein,
Schlafe bei mir!
Sen und khlen Wein
Trinkst du bei mir,
Zucker heit hier das Brod,
Fleisch, Marcipan,
pfelchen rosenroth
Beiet dein Zahn.

Komm, schnes Jungfruelein,
Schlafe bei mir!
Dienerinnen hbsch und fein
Warten der Thr,
Kammerfrau'n ohne Zahl
Stehen am Bett,
Das in dem goldnen Saal
Hochzeitlich steht.

Komm, schnes Jungfruelein,
Schlafe bei mir!
Zieh in mein Schlo mit ein,
Treu bin ich dir.
Heia! wie fliegt zum Tanz
Lustig der Strich!
Du trgst den Hochzeitkranz,
Brut'gam bin ich.
 

Schlangenknig hatte ausgesungen, blinzelte freundlich auf das
Mgdlein herab, kam dann herunter, schlug im Grase einige Ringelein
um das Kind und sang gar leise und leidig: Komm mit!  Komm mit!  Und
Margarethe kam mit.  Aber kaum war sie zehen Schritt mit
Schlangenknig gegangen, so bedachte sie sich und wollte
zurckfliehen.  Aber es war zu spt, sie war nun in Schlangenknigs
Gewalt: er umzingelte sie und trug sie ber die Wiese hin mit weg,
und umsonst schrie sie: Jakob!  Jakob! hilf! hilf! und rief den
andern Hirten zu, aber weder Jakob noch die Hirten waren da, und
Schlangenknig kehrte sich an ihr Geschrei nicht und rollte
geschwinder als der Blitz mit ihr davon und schwamm durch den See.

Als Schlangenknig sie ber das Wasser nach der Insel hinbergetragen
hatte, war er pltzlich verschwunden, die kleine Margarethe aber war
vor Angst ohnmchtig geworden und wute gar nicht, wie sie ber den
See gekommen war.  Das war aber das Sonderbarste, da auch kein
Trpflein Wasser sich an ihre Locken und Kleider gehngt hatte noch
durchgedrungen war: sie war ganz trocken auf die kleine Insel
gekommen.  Und als sie sich wieder besinnen konnte, da befand sie
sich in einem wunderschnen Garten voll der allerlustigsten Bume und
buntesten Blumen; und es war alles, wie das Lied gesungen hatte, an
allen Zweigen hing Zucker und Marcipan und rosenrothe pfel und durch
den Garten flo ein tiefer Bach von Milch und Quellen sen Weines
sprudelten aus dem Hgel.  Das Schlo aber unter dem Hgel war noch
viel schner, als Schlangenknigs Brautgesang es beschrieben hatte,
und waren so prchtige Sle und funkelnde Kammern und Gemcher darin,
da kein Mensch die Herrlichkeit schildern knnte; und wenn man ihm
auch eine Ewigkeit Zeit gbe, die schnsten Worte zu suchen, womit er
es beschreiben und ausmalen wollte, er kriegte es doch nicht fertig.

Und als Margarethe vor dem Schlosse erschien, siehe da waren flugs
wohl hundert Dienerinnen zur Stelle, welche Kerzen und Lampen trugen.
Diese fhrten sie in einen hohen Marmorsaal, der mit Gold und Silber
und Edelsteinen verziert war, und zogen ihr goldene und silberne
Kleider an und setzten ihr eine goldene Krone auf den Kopf und
nannten sie Knigin und Herrin und sprangen dienend um sie herum und
brachten ihr alles, was sie nur verlangte.  Diese Dienerinnen waren
alle jung und trugen schneeweie Kleider und grne Krnzlein im Haar
und sahen die meisten mehr traurig als frhlich aus.

Und als es dunkelte und gegen die Nacht ging, kamen wieder andere
Jungfrauen und fhrten Margarethen in ein Kmmerlein, das blitzte und
funkelte wie eitel Gold, und dann stand ein goldenes Bett, auf
welchem rosenrothe und himmelblaue seidene Kissen und Decken lagen.
Und sie naheten sich ihr sehr ehrerbietig und zogen ihr die Kleider
aus und die Schuhe von den Fen und nahmen ihr die Krone vom Kopfe
und legten sie dann weich ins Bett.  Als sie das gethan, lschten sie
die Lampen aus bis auf eine, und verneigten sich stumm und schweigend
und gingen weg.

Und es whrte nicht lange, so flsterte es und knisperte und wisperte
an der Thre, und die Thre that sich auf, und der Schlangenknig kam
herein und kroch an Margarethens Bett und lispelte und zischelte ihr
leise zu: Willkommen, meine auserkorene Knigin! willkommen, meine
se Braut!  Nun komme ich als dein Brutigam zu dir, mein ses
Margrethchen! wie ich dir unter dem grnen Baume vorgesungen habe;
nun wird alles wahr werden!  O komm und nimm mich in deine Arme! und
drcke mich an dein warmes Herz! und ksse mich und habe mich recht
lieb!  Dann bin ich erlst und du bist eine reiche und groe Knigin.
Denn ach! das ist mein trauriges Schicksal, solange mu ich als
Schlangenknig auf der Erde herumkriechen, bis ein unschuldiges Kind
mich in Liebe umhalset und wieder in den schnsten Prinzen verwandelt,
der ich gewesen bin.  Und er zischelte gar lose und leise und sah
sie mit funkelnden Augen an und hob seinen Kopf zu ihr hinauf, als
wolle er zu ihr ins Bett steigen--Margaretha aber schrie gewaltig und
rief: Fort du buntes Scheusal!  Nein nimmer--nimmer--nimmermehr! und
wenn du so schn wrest, als du hlich bist.  Ich will deine Knigin
nicht werden, ich will in meinem Leben keinen andern Brutigam haben,
als meinen lieben Jakob.--Und Schlangenknig mute sich duken und
fliehen,

Und als es Tag geworden war, kamen dieselben weien Jungfrauen, die
Margarethen ausgekleidet hatten, und zogen ihr die prchtigen
Knigskleider wieder an und setzten ihr die gldene Krone wieder auf
das Haupt und die andern im Saale und vor der Thre verneigten sich
nun vor ihr und bedienten sie.  Und sie ging im Schlosse und im
Garten umher und besah sich allen den Glanz und die Pracht.  Aber
weiter als den Garten konnte sie nicht kommen; denn es lief eine
himmelhohe krystallene Mauer rings um ihn herum und seine Thore waren
dicht verschlossen.  Sie sah aber den ganzen Tag nicht das Geringste
von Schlangenknig, und das war ihr sehr lieb.  Aber an ihren Jakob
hat sie viel denken und oft bitterlich weinen mssen und sie hat
gerufen mitten in der schimmernden Herrlichkeit: O mein lieber Jakob!
se ich nur mit dir jetzt in einem schlechten Kleide unter einem
grnen Baum, wie viel glcklicher wre ich!  Pfui der abscheuliche
Schlangenknig! wie hat er mich verlockt und verfhrt durch seinen
Gesang!

Und als es Nacht ward, fhrte man sie eben so wie gestern in ihre
Goldkammer und brachte sie ins Bett und lschte die Lampen.  Und auch
der Schlangenknig kam eben so wieder wie gestern und schlich an ihr
Bett und flehete, da sie ihn ins Bett nehmen und lieb haben und
Knigin werden sollte.  Sie aber ward noch viel bser als gestern und
jagte ihn mit schlimmen Worten fort.  Und Schlangenknig mute
traurig wieder aus der Kammer kriechen und die Nacht wieder auf der
kalten feuchten Erde schlafen.

So ging es noch drei Tage und Schlangenknig versuchte noch dreimal,
ob das Kind ihn lieb gewinnen und bei ihm schlafen wolle.  Sie aber
rief immer: Fort fort, du blanker gleiender Gaukler!  Jakob wird
mein Mann und kein anderer in Ewigkeit!

Mit dem fnften Male waren auch die Proben vorbei, welche
Margrethchen auszustehen hatte, und der traurige Schlangenknig rief
nun den Frauen und Dienerinnen zu, da sie sie des Schmuckes
entkleiden und aus der goldnen Kammer fhren mgten, und sagte zu
Margarethen.  Nun bist du nicht mehr Knigsbraut und kannst es
nimmermehr werden, wenn du auch wolltest.  So ist die Ordnung des
Schicksals hier.  Du bist hinfort eine schlechte Dienerin, gehe darum
zu den andern Dienerinnen und warte der hohen Frau, die da kommen und
mich erlsen soll.  Er meinte aber diejenige, welche sich ber ihn
erbarmen und ihn von Herzen kssen und liebhaben und Knigin und
Herrin aller dieser Dienerinnen werden wrde, welche seine Liebe
verschmht hatten.

Und Margarethe hatte jetzt ein weies Kleid an und trug ein grnes
Krnzlein und mute mit den andern jungen Dirnen vor der Thre des
Schlosses und in dem groen Saale stehen und warten.  Es waren lauter
junge Kinder die Dienerinnen und Kammerfrauen, keine unter dreizehn
Jahren und keine ber siebzehn, wohl mehr als hundert und fnfzig an
der Zahl, alle hbsch und fein.  Mit einer jeden hatte Schlangenknig
es eben so versucht, wie mit Margrethchen, aber keine einzige von so
vielen hatte sein Flehen erhren und ihn lieb haben wollen.  Diese
niedlichen Kinder waren nun freilich recht fein gekleidet und hatten
der Speise und des Trankes und was sie zum Leben bedurften vollauf,
auch wurden sie mit keiner Mhe und Arbeit geplagt und konnten den
Tag singen und tanzen und oft auch in dem schnen Garten spazieren
gehen und sich Blumen pflcken und die Vgelein in den Zweigen auf
das allerlustigste singen hren; aber die Zeit ward ihnen doch
herzlich lang in aller dieser Pracht und die meisten waren voll
Traurigkeit und Sehnsucht.  Die eine sehnte sich nach Vater und
Mutter, die andere nach Bruder und Schwester, die dritte nach einem
Herzallerliebsten; Margarethe sehnte sich nach nichts als nach ihrem
lieben Jakob, von welchem sie sich so jmmerlich hatte weglocken
lassen.

Jakob war bald gekommen, nachdem Margarethe von Schlangenknig
entfhrt worden war, und suchte seine Margarethe im Walde und auf der
Weide bei den andern Hirten.  Er fand sie nirgends, aber die Hirten
sagten ihm, Schlangenknig werde sie wohl weggefangen haben.  Jakob
hrte auch bald von einem Manne, der da unten am See pflgte, er habe
in der Ferne ein Gewimmer gehrt und das mge die entfhrte
Margarethe wohl gewesen seyn.  Der kleine Jakob war sehr traurig und
mute jeden Tag ja jede Stunde an sein Margrethchen denken und immer
nach der Insel hinber schauen, zu welcher sich kein Mensch wagte;
denn es ging die Sage, derjenige msse gleich des blassen Todes seyn,
der sich ohne ein sicheres Pfand in dieses Gebiet des Schlangenknigs
wage.  Da schaute Jakob traurig und sehnlich hinber und seufzte: Ach
Margrethchen!  Margrethchen! warum hast du dir die Ohren nicht
zugestopft, als der lgnerische und gleinerische Schelm sang? und
rief auch wohl zuweilen fr sich: Halt dich wacker, Margrethchen!
werde keine Knigin, Margrethchen!  Das hatte er aber gewi nicht
nthig; denn Margarethe war ihm treu wie Gold.  Das war ihm aber das
Allertraurigste bei dieser Geschichte wenn er Schlangenknig ber die
Wiesen hinschlpfen sah in seinem bunten Rock, da er ihm nichts thun
durfte.

So waren Jakob zwei Jahre verflossen in Gram und Traurigkeit ber
seine liebe verlorne Margarethe, da hrte er von einem alten Schfer
einen Rath, wie man verzauberter Prinzen und Prinzessinnen und selbst
der Hexen und Hexenmeister Herr werden knnte, und wenn sie noch so
schlimm wren.  Und Jakob ging flugs in den Wald und hieb sich einen
groen knotigen Dornstock aus einem Dornstrauch, welcher der
Kreuzdorn heit, und darauf schnitt er noch ein Kreuz aus.  Als nun
der Schlangenknig das nchste Mal wieder ber die Wiese
hinschlngelte, fate Jakob sich ein Herz und fuhr auf ihn zu, so da
der Schlangenknig sich verwunderte, was der Bauerbursche wolle; denn
er war es nicht gewohnt, da die Leute auf ihn losgingen, sondern,
da die meisten vor ihm flohen.  Und Schlangenknig dachte bei sich:
Den Bauerjungen will ich schon jagen, da ihm die Haare auf dem Kopfe
sausen sollen; und er richtete sich auf und sprhete Funken aus den
glnzenden Augen und streckte die zischende Zunge aus und machte
seine Krone auf dem Kopfe feuerroth vor Zorn und zuckte mit dem
Rcken, als wolle er auf Jakob springen.  Aber Jakob ging ihm fest
entgegen und rief: Komm nur her, Herr Heidenknig! komm nur her!  Ich
bin nicht bange vor dir, du sollst schon Gemach lernen.  Und als
Schlangenknig gegen ihn sprang, berhrte er ihn nur leise mit seinem
Dornstock, und o Wunder!  Schlangenknig krmmte sich und wand sich
um den Dornstock, wie die Rebe sich um ihren Stab windet.  Und Jakob
freuete sich und rief voller Freude: Halt fest, mein Prinzchen! ich
mu mein Kunststck versuchen.  Und er nahm den Stock und schwang ihn
dreimal um den Kopf, da er durch die Lfte sausete, und
Schlangenknig hielt fest, als wenn er daran gewachsen wre.  Der
Stock ist gut und der Schfer ist nicht dumm, sprach Jakob, und
fragte Schlangenknig: Schlangenknig willst du mir Margrethchen
wiedergeben, so mache ich dich strax los und du magst hingehen, wohin
du willst.  Schlangenknig aber schttelte den Kopf.  Und Jakob
sprach wieder: So fahrwohl fr heute, mein Prinz! friere die Nacht
hier und bedenke dich bis morgen.  Und er nahm den Dornstock und
stie ihn fest in die Erde, und Schlangenknig hing darum, und es sah
gar lustig aus.

Den andern Morgen kam Jakob wieder und sprach zu Schlangenknig:
Schlangenknig willst du mir Margrethchen wiedergeben?
Schlangenknig aber schttelte mit dem Kopf noch strker als gestern.
Da ward Jakob sehr bse und ging hin und schnitt sich einen frischen
Haselstock und sprach: Ich mu wohl einmal dein buntes Jckchen
fragen, was das zu dem Scherze sagt; vielleicht giebt mir das eine
gescheidtere Antwort.  Und er schlug Schlangenknig auf seinen bunten
Rock, da er sich krmmte wie ein Ohrwurm und die Zunge laut
zischelnd ausstreckte, aber er nickte nicht mit dem Kopfe: Jakob ich
will dir Margrethchen wiedergeben.  Als Jakob meinte, da er ihn
diesmal genug geschlagen habe, ging er weg und sprach: Fr heut ist's
genug, bedenke dich bis morgen.

Den dritten Morgen kam Jakob wieder und sprach zu Schlangenknig:
Schlangenknig gestern und vorgestern fragte ich dich: Schlangenknig,
willst du mir Margrethen wiedergeben?  Heute kommst du so wohlfeilen
Kaufs nicht ab; heut heit es: Schlangenknig willst du mir
Margrethen wiedergeben und alle die armen Jungfrauen, die in deinem
Schlosse und Garten eingesperrt sind?  Und Schlangenknig schttelte
zweimal mit dem Kopfe.  Da nahm Jakob seinen Haselstock, und schlug
ihn unbarmherzig, so viel als er schlagen konnte, so da der
Schlangenknig ihn fast jammerte; aber doch nickte und kopfschttelte
Schlangenknig ihm kein Ja zu.  Da sagte Jakob: Heut ist das letzte
Mal, da ich Geduld habe.  Du magst hier an dem Dornstock verfaulen,
denn du kommst in Ewigkeit nicht los, wenn ich dich nicht lse.  Also
noch einmal und das letzte Mal, bedenke dich bis morgen.

Und als Jakob den vierten Morgen wiederkam, fragte er Schlangenknig
wieder: Schlangenknig willst du mir Margrethchen wiedergeben und die
andern Jungfrauen, da sie frei aus deinem Gebiete weggehen und eine
jede so viel mittragen drfen, als sie mit den Hnden tragen knnen?
Und Schlangenknig war mrb geworden, denn es hatte diese Nacht sehr
gefroren, und ihn hungerte und durstete gewaltig, auch sah er, da
Jakob einen frischen Haselstock in der Hand fhrte doppelt so dick
als der vorige.  Und Schlangenknig lie es diesmal auf den Stock
nicht ankommen und nickte dreimal mit dem Kopfe Ja.  Und Jakob sagte
zu ihm: Schlangenknig schwre mir's bei deiner Seligkeit und bei der
Hoffnung, die du hegst, dieser hlichen bunten Haut einmal ledig zu
werden--und Schlangenknig nickte ihm den Schwur auch dreimal zu.

Als dies geschehen war, nahm Jakob sein Messer und schnitt das Kreuz
glattweg von dem Kreuzstock, worum Schlangenknig geschlungen hing,
und in demselben Augenblick glitt Schlangenknig herunter und
ringelte sich im Grase und machte sich die erfrornen und
zerschlagenen Glieder erst wieder ein wenig geschmeidig.  Darauf
kroch er vor Jakobs Fe und richtete sich auf und senkte sich dann
wieder vor ihm, wie ein kluges und gehorsames Pferd sich erst vor dem
Reiter zu richten und wieder zu senken pflegt, da er aufsteige.  Und
Jakob verstand den Wink, denn er wute wohl, da zu der Insel weder
Brcke fhrte noch Nachen ging; und er zeichnete sich mit dem Zeichen
des heiligen Kreuzes und betete ein Gebet und rief: Nun in Gottes
Namen! und so schwang er sich auf sein buntes Pferd.  Und sausend
fuhr Schlangenknig mit ihm ber die Wiese dahin und in einem Hui
hatte er ihn ber das Wasser getragen.

Schlangenknig sprang nun gegen das eiserne Gartenthor, welches kein
anderer ffnen konnte als er, und das Thor that sich sogleich auf,
und sie gingen beide hinein.  Da fand Jakob seine Margarethe wieder,
und wie sich die beide gefreut haben, wer will das beschreiben?  Aber
unendlich ward der Jubel im Schlosse und Garten und klang und
brausete aus allen Stimmen zum Himmel, als Jakob verkndigte, alle
eingefangene Jungfrauen sollen nun wieder frei seyn und mit ihm und
Margrethen aus dem verzauberten Schlosse und Garten ziehen.  Und er
hie die hbschen Kinder sich tummeln und einpacken, was jedes
mitnehmen wolle, denn in zwei Stunden solle die Reise von der Insel
vor sich gehen.  Und sie liefen die eine hiehin die andere dahin und
waren sehr geschftig, aber Schlangenknig war sehr traurig und sah
es mit weinenden Augen an.  Und als Jakob ihn so traurig sah,
jammerte ihn seines Schicksals und da er in dem scheulichen
Schlangenrock gehen mute wegen seiner frheren Snden und Schulden,
bis ein unschuldiges junges Blut sich ber ihn erbarmte und ihn lieb
htte.  Und er trstete ihn und sprach: Schlangenknig sey du nur
nicht so traurig, da diese alle von dir gehen und wieder zu den
Ihrigen reisen wollen; denn von diesen allen kann dich ja doch keine
einzige mehr erlsen.  Und da sie dir das Schlo ein bischen leer
machen, das schadet dir ja auch nichts: du behltst immer noch
Schtze und Herrlichkeiten genug.  Du jammerst mich und ich will dir
darum noch einen guten Rath geben, und den verschmhe nicht.  La
dein trotziges und herrisches Wesen fahren und sey nicht so klug und
listig.  Denn mit Klugheit und List richtest du es nicht aus, das
hast du wohl lange merken knnen, und obgleich du der Schlangenknig
heieste bist du gewi nicht verwandelt worden, da du ein Herr seyn
sollst, sondern ein Diener sollst du seyn und dienen sollst du lernen
in Reue und Bue ber deine begangenen Snden, damit derjenige sich
ber dich erbarme, welcher der Herr aller Knige ist.  So ist es
gemeint mit dem bunten Schlangenrock, den du tragen mut: du sollst
demthig und gehorsam werden, so magst du noch wohl Liebe und
Erlsung finden.  Aber ein trotziges und listiges Herz, das keine
Demuth hat, kann auch keine Liebe in der Brust haben; und wie kannst
du glauben, da ein junges unschuldiges Herz den Schlangenknig
umarmen soll, wenn es ihm nicht anmerkt, da Liebessehnsucht und
Frmmigkeit in ihm wohnt?

So sprach Jakob ganz beweglich zum Schlangenknig, und als die
Jungfrauen und Margarethe fertig waren, da rief er: Thu uns auf,
Schlangenknig!  Und Schlangenknig stie mit dem Kopf gegen das
Eisenthor des Gartens und es sprang weit auf; und sie gingen alle
heraus und Schlangenknig ging mit ihnen.  Als sie nun an das Wasser
kamen, war da weder Brcke noch Nachen, und Jakob sprach.  Hurtig,
Schlangenknig! mach Anstalt! mach uns die Brcke fertig!
Schlangenknig aber konnte es nicht lassen, er brauchte wieder eine
List und spannte ein dnnes glnzendes Spinnwebchen wie einen Bogen
ber das Wasser von einem Ufer zum andern und sprach lchelnd: Ich
kann euch nicht helfen, dies ist die einzige Brcke, auf welcher man
von dieser Insel ber den See kommen kann.  Er hoffte aber in seinem
Herzen, es werde niemand darauf treten, aus Furcht zu ersaufen, und
so werde er durch diese Feinheit alle die Jungfrauen glcklich da
behalten als Dienerinnen und den Jakob obenein als Diener.  Aber
Jakob hatte von solchen Kniffen der Geister schon oft gehrt, nahm
sein Margrethchen an die Hand und rief: In Gottes Namen! alle mir
nach!  Und so sprang er auf die dnne Spinnwebbrcke und Margrethchen
mit ihm, und in demselben Augenblicke legte sich die Spinnwebenbrcke
als die schnste und breiteste Marmorbrcke ber das Wasser, und er
und Margrethchen und die andern Jungfrauen gelangten glcklich
hinber.  Und als sie alle am Lande waren, war die Brcke in der
Sekunde wie versunken und man sah keine Spur mehr von ihr, auch nicht
einmal das Spinnwebenfdchen.  Und sie waren alle froh aber erstaunt
und sahen und hrten nichts als ein leises Wimmern hinter sich; das
war wohl der Schlangenknig, der ber seine schnen Jungfrauen weinte.

Jakob lief nun ber die Wiese hin mit seinem Margrethchen und mit der
schneeweien Jungfrauenschaar, die er erlst hatte, und sie zogen
jubelnd und jauchzend in Thorstorp ein.  Und alle Leute sind entsetzt
gewesen ber diesen Geschichten und haben lange erzhlt von Jakobs
Abentheuer in allen Landen und haben die Ausfhrung der schnen
Jungfrauen aus dem Zauberschlosse Jakobs Auszug genannt.  Und die
feinen jungen Dirnen haben zu Jakob und Margrethchen freundlich Ade
gesagt und sind weggegangen und glcklich wieder zu den Ihrigen
gekommen; und weil sie sich Gold und Silber und kostbare Kleider aus
Schlangenknigs Schlosse mitgebracht hatten, so haben sie alle gar
bald junge und hbsche Brutigame gehabt.  Und Jakob ist der
Brutigam seiner Margrethe geworden und sie haben bald eine lustige
Hochzeit gehalten.  Sie sind aber hier in Thorstorp nicht geblieben,
denn die Nachbarschaft der Insel, wo Schlangenknig hauste, duchte
ihnen zu gefhrlich, sondern sie sind weiter zurck ins Land hinauf
gezogen und haben sich da fr die mitgenommenen Schtze ein schnes
Gut gekauft und in Freuden gelebt.  Von dem Schlangenknige und ob er
seitdem erlst worden, haben sie nie wieder was gehrt.



Der Wiedehopf.


So hat Hinrich Vierk einmal vom Schneidermeister Wiedehopf erzhlt:

Es begeben sich die wunderbarsten Dinge in der Welt: Knige sind
Bettler und Bettler sind Knige geworden und kann man keinem ansehen,
was er einst gewesen ist und was er noch werden kann.  So ist der
Wiedehopf einst ein Damenschneider gewesen, und wer sieht es ihm
jetzt wohl an, da er vormals in feiner und zierlicher Gesellschaft
gelebt hat?  Er hat in einer groen reichen Stadt gewohnt und sich
wie ein hbscher und feiner Gesell gehalten und einen bunten seidenen
Rock getragen, und ist von einem vornehmen Hause in das andere und
von einem Pallast in den andern gegangen und hat die kostbaren Zeuge
und Stoffe, woraus er Kleider machen sollte, zu Hause getragen.  Und
weil er hbsch und manierlich gewesen ist, haben alle hbsche Frauen
ihn zu ihrem Schneider genommen und immer hat er Arbeit bei ihnen
gehabt, und auch der Knigin, als sie gekrnt werden sollte, hat er
den Rock zugemessen.  So ist Meister Wiedehopf bald ein sehr reicher
Mann geworden und hat doch nicht genug kriegen knnen, sondern ist
immer herumgelaufen und hat zu Hause geschleppt und oft so viel zu
tragen gehabt, da er wie ein Karrengaul unter seiner Last stnen und,
wann er die Treppen hinaufstieg, _Huup!  Hupupp!_ schreien mute.
Diese Arbeitseligkeit und Habseligkeit htte Gott ihm wohl vergeben,
aber es ist eine arge Habsucht daraus geworden, und die hat der Herr
nicht lnger mit Geduld ansehen knnen.  Der Schneider hat zuletzt
gestohlen und von allen Zeugen, die er in die Mache bekam, seinen
Theil abgekniffen und abstipitzt.  Da ist es ihm denn geschehen, da
er eines Abends, als er mit einem schweren Bndel und noch schwereren
_Hupupp!  Hupupp!_ die Treppe hinaufchzete, pltzlich in einen
bunten Vogel verwandelt worden ist, welcher Wiedehopf heit und um
die Huser und Stlle der Menschen umfliegen und dort mit
unersttlicher Gier das Allergarstigste auflesen und in sein Nest
tragen mu.  Er trgt bis diesen Tag einen bunten Rock, aber einen
solchen, der an einen schlimmen Ort erinnert, wohin die Diebe und
Schelme gehren.  Der eine Theil des Rockes ist rabenschwarz, der
andere feuerroth, und sind beide Theile Farben der Hlle, denn das
Schwarze des Rockes soll die hllische Finsterni und das Feuerrothe
das hllische Feuer bedeuten.  Einen hnlichen Rock als Meister
Wiedehopf trgt auch der Todtengrber, ein blanker garstiger Wurm,
der auf den Landstraen herumluft und todte Maulwrfe, Kfer und
anderes Aas begrbt; auch die bunte Blattwanze hat fast ganz dasselbe
Kleid an: beide sind Erzstinker und wahrscheinlich beide einst auch
Diebe gewesen.  Das hat der Wiedehopf noch so beibehalten aus seiner
alten Schneiderzeit, da er immer _Hupupp!  Hupupp!_ schreien mu,
als trge er noch Diebeslast, die ihm zu schwer wird.  Die Leute
nennen ihn deswegen hufig den Kukukskster, weil sein Laut aus der
Ferne wirklich oft so klingt, als wolle einer dem Kukuk seinen Gesang
nachsingen, wie der Kster dem Pastor.  Aber der Kukuk ist ein
lustiger Schelm und kann sein Lied in Freuden singen, der Wiedehopf
aber ist ein trauriger Schelm, und darum mu er seufzen und klagen
und sein _Hupupp!  Hupupp!_ geht ihm gar schwer aus der Kehle.



Der Wolf und die Nachtigall,

oder wie zwei arme Knigskinder verwandelt und zuletzt nach vieler
Noth doch wieder zu Menschen geschaffen wurden.


In alten Zeiten, da es alles noch ganz anders war in der Welt als
jetzt, lebte ein Knig in Schottland, der hatte die schnste Knigin
in allen Landen, von einer so seltenen Schnheit und Lieblichkeit,
da sie weit und breit als die Allerschnste besungen und von
Dichtern und Erzhlern der schottische Vogel Phnix zugenannt ward.
Diese schne Knigin gebahr dem Knige zwei Kindlein, einen Sohn und
eine Tochter, und starb dann in ihrer Jugend hin.  Der Knig trauerte
viele Jahre um sie und konnte sie nie vergessen, sagte auch, er wolle
nimmer wieder heirathen.  Aber der Menschen Sinn ist wankelmthig und
kann sich auf sich selbst nicht verlassen; denn als viele Tage
vergangen und die Kinder schon gro waren, nahm er sich doch wieder
eine Frau.  Diese Frau war sehr bs und eine schlimme Stiefmutter
gegen die Kinder des Knigs.  Es waren aber der Prinz und die
Prinzessin rechte Spiegel der Huld und Lieblichkeit, und der Ha der
Stiefmutter gegen die Kinder kam auch daher, da die Leute, bei
welchen die verstorbene Knigin in gutem Andenken stand, immer noch
von dieser sprachen, sie aber verschwiegen, und da sie, wenn sie mit
der jungen Prinzessin erschien, gegen diese aufjauchzeten und riefen:
sie ist gut und schn, wie ihre Mutter war.  Das verdro sie, und sie
ergrimmte in sich und sann auf arge Tcke, barg aber ihr bses Herz
unter Freundlichkeit.  Denn sie durfte sichs vor dem Knige nicht
merken lassen, da sie den Kindern gram war, und das Volk wrde sie
gesteinigt und zerrissen haben, wie sie ihnen ein Leides gethan htte.

Die Prinzessin, des Knigs Tochter, welche Aurora hie, war nun
fnfzehn Jahre alt geworden und blhete wie eine Rose und war die
schnste Prinzessin weit und breit.  Und es zogen viele Knigsshne
und Frsten und Grafen her und buhlten um sie und begehrten sie zum
Gemal; sie aber sprach zu ihnen: mir gefllt die frhliche und ledige
Jungfrauschaft besser, als alle Freier, und damit muten sie wieder
hinreisen wo sie hergekommen waren.  Endlich aber kam der Rechte: es
war ein Prinz aus Ostenland, ein gar schner und stattlicher Herr.
Diesem verlobte sie sich mit Einwilligung des Knigs und ihrer
Stiefmutter.  Und schon war der Hochzeitkranz gewunden und die
Spieler zum Tanze bestellt, und alles Land war in Freude ob der
Vermlung der schnen Prinzessin Aurora.  Aber die Stiefmutter dachte
ganz anders in ihrem Sinn, als sie sich gebehrdete, und sprach: Ich
will Spielleute bestellen, die sollen zu einem andern Tanze
aufspielen, und die Fe sollen anderswohin tanzen als ins Brautbett.
Denn sie sprach bei sich: Diese verdunkelt mich ganz und wird mich
noch mehr verdunkeln, und vor dieser Aurora mu meine Sonne
untergehen, zumal wenn sie einen so stattlichen Mann zum Gemal
bekommt und dem Knige ihrem Vater Enkel bringt; denn ich bin
unfruchtbar und kinderlos.  Auch hngt das Volk ihr an und schreit
ihr nach, mich aber kennen sie nicht und wollen sie nicht kennen; und
doch bin ich die Knigin: ja ich bin die Knigin! und bald sollen sie
es alle wissen, da ich es bin und nicht Aurora.  Und sie sann nun
auf viele arge Listen Tag und Nacht hin und her, wie sie die
Prinzessin und ihren Bruder verderben wollte; aber es wollte ihr
keine einzige gelingen: denn sie waren zu gut bewacht und behtet von
den Dienern und Dienerinnen, die sie hatten.  Diese sahen auf sie wie
auf ihren Augapfel und wichen Tag und Nacht nicht von ihnen wegen der
Liebe, die sie zu ihrer Mutter, der seligen Knigin, trugen.  Als nun
keine Zeit mehr brig und der Hochzeittag schon da war und sie sich
nicht mehr zu helfen wute, gedachte sie der allerbsesten Kunst, die
sie wute, und kam zu den Kindern mit der leidigsten Freundlichkeit
und bat sie, einen Augenblick mit ihr in ihren Rosengarten zu kommen,
sie wolle ihnen eine wunderschne Blume zeigen, die eben aufgebrochen
sey.  Und sie gingen gern mit ihr, denn der Garten war hart hinter
dem Schlosse; auch konnte niemand an etwas Arges denken, denn es war
der helle Mittag, und der Knig und die Prinzen und Prinzessinnen des
Landes waren alle in dem groen Schlosaale versammelt, da gleich die
Vermlung geschehen sollte.  Und sie fhrte die Kinder in die
hinterste Ecke des Gartens, wo ihre Blumen standen, unter einen
dunkeln Taxusbaum, als wollte sie ihnen da etwas Besonderes zeigen.
Sie aber murmelte einige leise Worte fr sich hin, brach dann einen
Zweig von dem Baum, und gab dem Prinzen und der Prinzessin einige
Streiche damit auf den Rcken.  Und alsbald wurden sie in Thiere
verwandelt. der Prinz sprang als ein reiender Wolf ber die Mauer
und lief in den Wald, und die Prinzessin flog als ein kleiner grauer
Vogel, der Nachtigall heit, auf den Baum, und sang ein trauriges
Lied.

Die Knigin spielte ihr Spiel so gut, da auch kein Mensch etwas
merkte.  Sie lief laut schreiend dem Schlosse zu und sank mit
zerrissenen Kleidern und zerzausten Haaren an den Stufen des Saales
hin, als sey ihr ein groes Leid geschehen, und der Knig hie sie
von den Kammerfrauen wegtragen.  Es verging wohl eine gute
Viertelstunde, ehe sie wieder zu sich kam.  Da gebehrdete sie sich
sehr traurig und weinte und schrie: Ach! du arme Aurora, welchen
Brauttag hast du erlebt! ach du unglcklicher Prinz!  So schrie sie
einmal ber das andere, und erzhlte dann, ein Schwarm Ruber sey
pltzlich hinten in den Garten gedrungen und habe die beiden
Knigskinder mit Gewalt von ihrer Seite gerissen und entfhrt; sie
aber haben sie zu Boden geschlagen und halbtodt liegen lassen; und
sie zeigte eine Beule an der Stirn, die sie sich absichtlich an einem
Baum gestoen hatte.  Und alle glaubten ihren Worten, und der Knig
hie alle seine Herren und Grafen und Ritter und Knappen aufsitzen
und den Rubern nachjagen.  Diese durchritten nach allen Seiten den
Wald und alle Schlchte und Klippen und Berge rings um das Schlo
wohl zwei drei Meilen weit, aber von den Rubern und von dem Prinzen
und von der Prinzessin fanden sie auch nicht die geringste Spur.  Und
der Knig ruhete nicht und lie weiter suchen und forschen viele
Wochen und Monate, und sandte Boten und Kundschafter aus in alle
Lnder; aber sie kamen immer vergebens zurck, und mit dem Prinzen
und der Prinzessin war es, als ob sie nie gelebt htten: so ganz
waren sie verschollen.  Der alte Knig aber glaubte, die Ruber
htten sie wegen der kostbaren Juwelen und Edelsteine entfhrt, die
sie am Hochzeitstage trugen, und htten sie beraubt und dann todt
geschlagen und irgendwo eingescharrt, damit man ihnen nie auf die
Spur kommen knnte; und er grmte sich so sehr, da er bald starb.
Bei seinem Sterben bergab er, weil er keine Kinder hatte, der
Knigin das Reich, und bat seine Unterthanen, da sie ihr treu und
gehorsam seyn mgten, wie sie ihm gewesen waren.  Sie thaten es auch
und erkannten sie als ihre Knigin, mehr aus Liebe zu ihm als aus
Liebe zu ihr.

So waren vier Jahre verschienen und der Knig schon das andere Jahr
todt, und die Knigin fing an mit groer Gewalt ber die Lnder zu
herrschen, und kaufte sich fr die Schtze, die der alte Knig ihr
hinterlassen hatte, viele fremde Soldaten, die sie ber das Meer
kommen lie und die ihre Krone und ihr Schlo bewachten.  Denn sie
wute, da sie von den Unterthanen nicht geliebt war, und sprach: Nun
mgen sie aus Furcht thun, was sie aus Liebe nicht thun wrden.  So
geschah es, da sie von Tage zu Tage bei jedermnniglich mehr verhat
ward, aber keiner durfte es sich merken lassen, denn auf das leiseste
Geflster gegen die Knigin war der Tod gesetzt.  Aber die Leute
lassen das Wispern und Flstern darum doch nicht, und weil das
Sprichwort wahr ist: Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt
endlich an die Sonnen, so hatte es von Anfang an gemunkelt*, als die
Knigskinder verschwunden waren: kein Mensch knne wissen, was der
Spaziergang der Knigin bedeutet habe.  Denn es waren Leute genug,
die ihr wegen ihrer scharfen Augen und ihrer unnatrlichen
Freundlichkeit bse Knste zutraueten.  Diese Munkelung unter dem
Volke dauerte nun immer fort und nahm noch zu; sie aber kmmerte sich
darum nicht, und dachte: die werden schon Thiere bleiben, was sie
sind, und mir wird keiner die Knigskrone nehmen.  Aber es begab sich
alles ganz anders, als sie gedacht hatte.
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* Munkeln sagt man von Pferden, die im Sommer wegen der Bremsen mit dem
Kopf schtteln; Munkeln heit also: die Kpfe gegen einander bewegen,
leise flstern.
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Den armen Knigskindern ging es indessen doch recht schlecht.

Der Prinz war als ein brauner Wolf in den Wald gelaufen, und er mute
sich gebehrden wie ein Wolf und heulen wie ein Wolf und durch die
den und wsten Orte laufen bei Tage und bei Nacht, und wie ein Dieb
einhergehen; denn auch die wlfische Furcht war in ihn gefahren.  Und
er mute sich nhren wie die andern Wlfe von allerlei Raub von Wild
und Vgeln, auch mute er in der traurigen Winterzeit zuweilen wohl
mit einem Muschen vorlieb nehmen und den Bauch einziehen und
zhneklappen und zwischen den harten und kalten Steinen sein Lager
nehmen.  Und dies war gewi keine prinzliche Lebensart, wie er sie
vorher gefhrt hatte, ehe er aus der kniglichen Pracht und
Herrlichkeit in dieses wilde Elend verstoen war.  Das war aber das
Besondere an ihm, da er allein Thiere angriff und zerri und nie
nach Menschenblut gelstete.  Doch nach einer htte ihn wohl gelstet,
nach der bsen Frau, die ihn verwandelt hatte; aber diese htete
sich wohl, dahin zu kommen, wo sie den Zhnen dieses Wolfes begegnen
konnte.  Man soll aber nicht glauben, da der Prinz, der nun ein Wolf
war, noch menschliche Vernunft hatte; nein es war sehr finster in ihm
geworden, und mit dem Bilde des Thieres, in welchem er durch die
Wlder laufen mute, hatte er auch nicht viel mehr als thierischen
Verstand.  Das ist wahr, ein dunkler Trieb trieb ihn oft gegen das
Schlo und den Schlogarten hin, als htte er dort einen Fang zu
holen; doch hatte er keine deutliche Erinnerung der Vergangenheit:
wie htte er es dann auch in der Wolfshaut aushalten sollen?  In den
Augenblicken, wo er diesen Trieb fhlte, war er mit einem besondern
Grimm behaftet; aber immer, wie er ihnen auf tausend Schritt nahe kam,
fuhr ein kalter Schauder in ihn und jagte ihn zurck.  Und die
Knigin hatte dies mit ihrer Hexerei verschuldet, da sie ihn bis so
weit gebannt hatte; denn weiter hatte sie nicht gedurft.  Sie aber
stellte dem Wolfsprinzen nach dem Leben und lie viel jagen in dem
Forst, der sich um das Schlo herumzog, weil sie dachte, da er wohl
darin seyn mogte.  Deswegen ward fast alle Woche zweimal eine groe
Schalljagd und Klapperjagd auf Wlfe und Fchse angestellt; und damit
sie einen fleiigeren Vorwand dazu htte, hatte die Knigin viele
niedliche Dammhirsche in diesen Forst ausgesetzt, von welchen unser
kniglicher Wolf allerdings manchen verzehrte.  Aber er rettete sich
immer aus aller Gefahr, wie oft die Hunde ihm mit ihren Rachen auch
das Haar auf dem Rcken schon zerblieen und wie oft die Jger auf
ihn schossen.  Er wich dann fr den Augenblick abseits, und wann der
Schall sich gesnftet hatte und die Jagdhrner verstummt waren, kam
er in das Dickicht zurck, welches dem Schlosse nahe war, und sonnte
sich hufig auf Pltzen, wo er als Knabe und Jngling zuweilen
gespielt hatte.  Er wute aber nichts mehr von der Vergangenheit,
sondern es war eine verborgene Liebe, die ihn dahin lockte.

Die Prinzessin Aurora hatte als ein kleines Vgelein auf den Baum
fliegen mssen und war in eine Nachtigall verwandelt worden.  Ihr
aber war in ihrem leichten und dnnen Federkleide die Seele nicht so
verdunkelt, als dem Prinzen in der Wolfshaut, sondern sie wute viel
mehr von sich und von den Menschen und Dingen; nur sprechen konnte
sie nicht.  Dafr aber sang sie desto schner in ihrer Einsamkeit,
und oft so wunderschn, da die Thiere vor Freuden hpften und
sprangen und die Vgel sich alle um sie versammelten und die Bume
dazu rauschten und die Blumen nickten.  Ich glaube, auch die Steine
htten vor Lust getanzt, wenn sie so viel Liebe in sich htten; aber
deren Herz ist zu kalt.  Auch die Menschen htten wohl bald auf den
kleinen Vogel gemerkt als auf einen besonderen Vogel und wre wohl
ein Gerede und Gemunkel davon unter den Leuten entstanden, wenn nicht
etwas sie abgehalten htte von dem Walde, da sie die Nachtigall nie
singen hrten.  Es verhielt sich damit folgendergestalt:

Wie die Knigin dem armen verwandelten Prinzen mit den vielen Schall-
und Klapperjagden gern das letzte wlfische Lebenslicht ausgeblasen
htte und wie er dadurch ber die ganze Wolfsfamilie groes Unglck
brachte, habe ich schon erzhlt.  Aber auch ber die kleinen Vgel
ging es schlimm her, und in diesen Tagen der Tyrannei war es ein
Unglck, in der Gegend des Schlosses als Amsel Grasmcke und
Nachtigall gebohren zu seyn.  Die Knigin nemlich, nachdem der alte
Herr gestorben war und sie die Gewalt allein hatte, gebehrdete sich
pltzlich, als habe die Krankheit sie befallen, da sie nicht allein
das Geschrei und Gekrchze und Geschnatter unleidlicher Vgel nicht
ertragen knne, sondern da selbst das lieblichste Geklingel und
Gezwitscher der lustigen kleinen Singvgelein sie unangenehm bewege.
Und damit sie das allen Menschen glaublich machte, war sie bei
solchen Gesngen, deren sich sonst alle Welt zu freuen pflegt, ein
parmal in Ohnmacht gefallen.  Das war aber nur ein Schein, sie wollte
eine bse That, sie wollte den Tod der kleinen Nachtigall, wenn sie
etwa in diesen Hainen und Grten herumflatterte.  Das wute sie aber
wohl, da das Vgelchen dem Schlosse auf tausend Schritt nicht nahen
durfte, denn sie hatte es unter denselben Hexenbann gelegt, als
seinen Bruder.  Unter dem Titel dieser Unleidlichkeit und
Empfindlichkeit gegen zarte und feine Klnge und Schalle ward denn
freilich nicht blo der kleinen liebenswrdigen Nachtigallprinzessin
sondern allen andern Vgeln nach der Kehle gegriffen; sie waren alle
in die Acht und Aberacht gethan, sie waren alle fr vogelfrei erklrt,
und die Frster und Jger der Knigin erhielten den strengsten und
gemessensten Befehl, auf alles, was Federn trgt, Jagd zu machen, und
auch das Rotkehlchen ja nicht einmal den Zaunknig zu verschonen, auf
welchen ein guter Jger sonst nie einen Schu verliert.  Dieser
schreckliche Zorn der Knigin ward ein Unglck fr das ganze
befiederte Volk, nicht blo fr die, welche im Freien flogen oder in
Forsten und Hainen lebten, sondern auch fr die, welche auf Hfen und
in Zimmern gehalten werden.  In der Hauptstadt und in der Umgegend
des kniglichen Schlosses blieb auch nichts Gefiedertes leben; denn
die Leute meinten sich bei der Knigin sehr einzuschmeicheln und ihre
Gunst zu gewinnen, wenn sie es ihr nachmachten.  Es war ein
Schlachten und Morden der Unschuldigen wie der bethlehemitische
Kindermord des Knigs Herodes weiland.  Wie vielen tausend
Kanarienvgeln und Zeisigen und Nachtigallen und Distelfinken, ja
selbst wie manchen ostindischen und westindischen Papageien und
Kakadus wurden da die Hlse umgedreht!  Schreihlsen und Liederkehlen,
Schwtzern und Verschwiegenen drohete Ein Schicksal, und das sogar
war ein Verbrechen, als Gans oder Puter oder Hahn gebohren zu seyn,
und die gemeinen Haushhner fingen an so selten zu werden als
chinesische Goldfasane.  Und htte die Knigin noch einige
Jahrzehende so gewthet gegen das Federvlkchen, so wre es allmlig
ausgestorben in dem Knigreiche.  Das war die Ursache, warum die
Vgel nicht allein gemordet wurden sondern auch fast kein Mensch mehr
in den Wald spazieren ging, weil es so htte gedeutet werden knnen,
als wollten sie da Vogelgesang hren.  So kam es denn, da niemand
die Wundertne der kleinen Nachtigall belauschen konnte, als etwa hie
und da ein einsamer Jger.  Der lie sich aber nichts merken, damit
er von der Knigin nicht gestraft wrde, da er den Vogel nicht
geschossen.  Denn das mu man zur Ehre der Weidmnner sagen, da sie
doch meistens ihrer wackern Natur folgten und selten einen der
kleinen Vgel schossen; aber platzen durch den Wald muten sie, da
es knallte.  Und dadurch schon ward es still von Gesngen und auch
viele Vglein zogen weg aus dem unaufhrlichen Getmmel und kamen
nimmer wieder.  Die kleine Nachtigall aber, welche Gott behtete, da
sie sich von allen diesen Nachstellungen rettete, konnte den grnen
Wald hinter dem Schlosse nicht lassen, wo sie in ihrer Kindheit so
viel gespielt und gesprungen hatte, sondern wenn sie auch wegflog, so
bald die Jagdhrner anbliesen und es mit Hurra und Wo Wo durch die
Bsche tosete, kam sie doch immer bald wieder.  Und obgleich ihre
Liedlein, als aus einem traurigen Herzen klingend, meistens traurig
und klglich waren, duchte es ihr doch recht anmuthig, so unter den
grnen Bumen und bunten Blumen zu leben und dem Mond und den Sternen
etwas Ses vorzuklingen; und nur wenige Monate war sie unglcklich.
Dies war die Zeit, wo der Herbst kam und wo sie mit den andern
Nachtigallen in fremde Lnder ziehen mute, bis es wieder Frhling
ward.

Das kleine Prinzessinvgelein hielt sich nun meist zu den Bumen,
Angern und Auen, wo sie als Kind gespielt oder als Jungfrau mit
Gespielen ihres Alters Krnze gewunden und Reigen aufgefhrt hatte,
oder wo sie gar in den glcklichsten Tagen ihres Lebens mit dem
Geliebten die Einsamkeit gesucht hatte.  Am liebsten und am meisten
wohnte sie in einer dichten grnen Eiche, die sich ber einen
rieselnden Bach beugte und oft das se Geflster der Liebe in ihren
Schatten geborgen hatte.  An dieser Stelle sah sie denn auch oft den
Wolf, den ein dunkles Gefhl der Vergangenheit dahin fhrte; aber sie
wute nicht, da es ihr armer Bruder war.  Doch gewann sie ihn lieb,
weil er sich so oft unter ihren Gesngen hinstreckte und lauschte,
als verstnde er etwas davon; und sie beklagte ihn wohl zuweilen, da
er ein zorniger und harter Wolf seyn mute und nicht flattern konnte
und fliegen von Zweigen zu Zweigen, wie sie und andere Vgelein.  Und
nun mu ich auch noch von einem Manne erzhlen, der in dem einsamen
Walde zuweilen der Zuhrer der kleinen Nachtigall war.  Dieser Mann
war der Prinz aus Ostenland, ihr Brutigam, als sie noch Prinzessin
war.

Der Knig, dieweil er noch lebte, hatte diesen Prinzen wegen seiner
Tugend und Tapferkeit vor allen Mnnern geliebt und ihn auf seinem
Todbette der Knigin empfohlen als einen Rath und Helfer in allen
schlimmen und gefhrlichen Dingen, besonders als einen frommen und
trefflichen Kriegsmann.  Auch war er nach des Knigs Tode bei der
Knigin geblieben blo aus Liebe zu dem seligen Herrn.  Doch ward er
bald inne, da die Knigin ihn hate, ja da sie ihm nach dem Leben
trachtete, und entwich daher pltzlich von ihrem Hofe und aus ihrem
Lande.  Sie aber lie ihm nachsetzen als einem Verrther und
Flchtling und lie einen Bann ausgehen, wodurch sie ihn fr
vogelfrei erklrte, da jeder, wem es beliebte, ihn erschlagen und
ihr seinen Kopf bringen mogte, worauf sie einen hohen Preis gesetzt
hatte.  Er entwich wieder in das Land seines Vaters, das viele
hundert Meilen gegen Osten von dem Schlosse der Knigin lag, und
wohnte bei ihm.  Aber im Herzen hatte er keine Ruhe noch Rast und die
Trauer um die verschwundene Prinzessin wollte ihn nie verlassen.  Ja
das Wunder begab sich mit ihm, da er alle Jahre einmal heimlich
verschwand, ohne da ein Mensch wute, wohin.  Er sattelte aber dann
sein Ro und rstete sich in unscheinbarer Rstung, und ritt
pltzlich davon, so da niemand seinen Pfad kannte.  Er mute aber in
das Land der Knigin reiten, die ihn vogelfrei gemacht hatte, und
jenen Wald besuchen, worin die Prinzessin verschwunden war.  Dieser
gewaltige Trieb kam ihm jedes Jahr kurz vor der Zeit, in welcher die
Prinzessin verschwunden war, wo er durch wilde wste und verborgene
Orte traben mute, bis er zu wohlbekannten Sttten gelangte, wo er
einst mit seiner Braut gewandelt hatte.  Und da war auch ihm die
grne dunkle Eiche am Bache die Lieblingsstelle.  Da brachte er dann
vierzehn Nchte in Thrnen und Gebeten und Klagen um die Geliebte zu;
die Tage aber verbarg er sich in dem entlegeneren Dickicht.  Da hat
er die kleine Nachtigall oft gesehen und gehrt und sich ihres
wundersamen und wunderlieblichen und fast bervgelischen Gesanges
erquickt.  Sie haben aber nichts weiter von einander gewut.  Doch
hatte das Vgelchen immer eine groe Sehnsucht im Herzen, wann der
Ritter wieder geritten war, sie wute aber nicht, warum; und auch ihm
klang ihr tiefes und schmachtendes Tiu!  Tiut! lange nach, wann er
wieder in das Land seines Vaters ritt.  Es ging ihm aber wie den
meisten Menschen, die etwas Geheimes thun oder haben, worber andere
Leute sich viel die Kpfe zerbrechen, da er um sein eignes Geheimni
nicht wute.  Denn da er jedes Jahr einmal heimlich wegritt, das
wute er wohl; warum er aber reiten mute, das wute er nicht.

Und es waren manche Tage vergangen seit dem Tode des alten Knigs und
es ging in das sechste Jahr seit dem Verschwinden der Kinder, und die
Knigin lebte herrlich und in Freuden, und lie die Thiere jagen und
auf alle Vgel schieen, und war auch gegen ihre Unterthanen nicht
weniger hart, als gegen das Wild und Gefieder des Waldes.  Sie
duchte sich fast allmchtig und meinte, ihr Glck und ihre
Herrschaft knne kein Ende nehmen.  Doch hatte sie seit jenem Tage
den Wald nicht betreten um das Schlo und den Schlogarten, sondern
eine heimliche Furcht hatte sie davon zurckgehalten.  Sie lie sich
aber nicht merken, was es war, und da eine Hexenangst dahinter
steckte.  Nun begab es sich, da sie einmal ein groes Fest und
Gastmal angestellt hatte, wozu alle Frsten und Frstinnen des Reichs
und alle Groen des Landes und alle vornehmsten Diener und
Dienerinnen geladen waren, und es war den Nachmittag eine groe
Wolfsjagd beschlossen in dem Forst, und die Frsten baten sie, da
sie mitgehen mgte.  Sie weigerte sich lange unter allerlei Vorwnden,
endlich aber lie sie sich bereden.  Sie setzte sich aber auf einen
hohen Wagen und hie drei ihrer tapfersten Kriegsmnner sich
wohlbewaffnet neben sich setzen; zugleich hie sie viele hundert
gewaffnete und gerstete Reisige vor, neben und hinter dem Wagen
reiten, und eine lange Reihe Wagen voll Herren und Frauen folgten ihr
nach.  Und ihr war der Wolf immer im Herzen, doch dachte sie bei sich:
la den Wolf nur kommen, ja la hundert Wlfe zugleich kommen, diese
tapfere Schaar wird ihnen wohl das Garaus machen.  So verblendet Gott
auch die Klgsten und Feinsten, wann sie zur Strafe reif sind; denn
ihr war geweissagt worden von andern Meistern ihrer losen Kunst, sie
solle sich vor dem sechsten Jahre in Acht nehmen.  Daran hatte sie
heute nicht gedacht.

Und es war ein schner heiterer Frhlingstag, und sie fuhren mit
Trompeten und Posaunen in den Forst, und die Rosse wieherten und die
Rstungen klirrten und die gezckten Speere und Degen funkelten in
der Sonne; die Knigin aber funkelte am hellsten, mit ihren
prchtigsten Kleidern und all ihrem Juwelenschmuck hoch im Wagen
thronend.  Und schon schallte ihnen die Jagd entgegen mit Hussa und
Hurra und den schmetternden Hrnern der Jger und den gellenden
Stimmen der Hunde.  Und es lief ein Lwe vorber und ein Eber fuhr
durch die Reihen; und sie erschracken nicht sondern hielten und
standen ein jeglicher fest auf seinem Stand, und machten die
Ungeheuer nieder.  Aber nicht lange, und es ergab sich ein Schrecken,
das ihnen zu mchtig war.  Ein frchterlicher Wolf fuhr aus dem
Dickicht hervor auf einen grnen Anger, und heulte so grlich, da
Jger, Hunde und Reiter vor ihm ausrissen.  Der Wolf lief, wie man
einen Pfeil vom Bogen schiet, nein er lief nicht sondern flog durch
die Mnner und Rosse dahin, und keiner dachte daran, da er Bogen,
Spie und Eisen trug, so schrecklich war des Unthiers Ansehen und so
wthig bleckte er den funkelnden Rachen auf.  Die Knigin, die ihn
auf ihren Wagen zuspringen sah, schrie Hlfe!  Hlfe! die Weiber
schrien und fielen in Ohnmacht, viele Mnner schrien auch wie die
Memmen: Keiner wehrte dem Wolf, er sprang mit Einem langen weiten
Sprung auf den hohen Wagen, ri das stolze Weib herunter, und wusch
sich Zhne und Rachen in ihrem Blute.  Die andern waren alle geflohen
oder standen und hielten von ferne.

Und o Wunder! als sie sich ermannen wollten und das Thier anfallen,
sahen sie es nicht mehr, sondern, wo es eben noch gestanden hatte,
erhob sich die Gestalt eines schnen und reisigen Jnglings.  Die
Mnner staunten ob dem Zauber, doch zuckten einige die Waffen, als
wenn sie ihn als ein zweites Ungethm jagen und fllen wollten.  Da
sprang pltzlich ein Greis vor, der mit im Zuge war, der Kanzler des
Reichs, und verbot es ihnen, und rief berlaut: bei meinem grauen
Haar, Mnner, haltet ein! ihr wisset nicht, auf wen ihr stoen
wollet--und, ehe sie sich besinnen konnten, lag er schon vor dem
Jnglinge auf der Erde, und kte ihm Kniee und Hnde und rief: Sey
uns gegrt, du edle Blume eines edlen Vaters, die du wieder
aufgegangen bist in deiner Schne! und freue dich, o Volk, dein
rechter Knigssohn ist wieder gekommen, und dies ist jetzt dein Knig.
Und auf diese Worte liefen viele herzu und erkannten den Prinzen
wieder und huldeten ihm als ihrem Herrn, und die brigen thaten
desgleichen.  Und alle waren zugleich voll Schrecken und Staunen und
Freude, und dachten nicht mehr an die zerrissene Knigin noch an den
Wolf; denn da er der Wolf gewesen, das wuten sie nicht.

Der junge Knig aber gebot allen, da sie ihm nachfolgeten und mit
ihm in das Schlo seines Vaters zgen; er hie auch sogleich die Jagd
stillen und die Hrner und Trompeten, welche eben noch den Wald und
das Wild aufgeschreckt hatten, seinem frhlichen Einzuge voranblasen.
Und als er daheim war und von den Zinnen seiner Vter schauete, da
traten ihm die Thrnen in die Augen und er weinte beides schmerzlich
und frhlich; denn er gedachte nun alles Jammers wieder und der zu
schweren Vergangenheit, wo es wie ein dumpfer und thierischer Traum
auf ihm gelegen hatte.  Und nun ward es ihm pltzlich hell, und er
konnte es dem Kanzler und den Vornehmsten melden, wie es mit ihm
geschehen war und da er nur durch das Herzblut der alten greulichen
Hexe, die seine Stiefmutter und ihre Knigin geheien, wieder hatte
verwandelt werden knnen.  Und das Gercht von diesem erstaunlichen
Wunder ging alsbald in die ganze Stadt und unter alles Volk aus; und
sie freueten sich, da der geliebte Knigssohn wiedergekommen und da
die Knigin, welche alle hasseten, von Wolfszhnen, die sie selbst
geschaffen, zerrissen war.

Aber als der Prinz sich nun allmlig wiedergefunden und ber sich
besonnen hatte, da fiel es ihm schwer auf das Herz, wo die knigliche
Prinzessin Aurora seine geliebte Schwester wohl seyn mgte und ob sie
auch noch wohl unter irgend einer Thierhaut oder Federdecke steckte;
denn nun fiel ihm ihr trauriger Hochzeittag ein.  Und er fragte und
lie fragen; aber alle schwiegen und keiner konnte von ihr etwas
melden.  Da ward der Prinz wieder sehr traurig und sorglich, aber
Gott wandelte diese Traurigkeit auch bald in Freude.

Denn als dieser Jagd- und Wolfslrm im Walde tosete, steckte auch der
arme traurende Prinz aus Ostenland grade in seinem Dickicht, und das
kleine liebliche Nachtigallvgelchen hielt sich schweigend unter den
grnen Blttern seiner Eiche verborgen.  Es fuhr aber ein wunderbares
Gefhl durch sein Herzchen, sobald der durstige Wolfszahn seines
Bruders das Herzblut der alten Knigin geschlrft hatte.  Als nun die
Jagd verschollen und der Wald still geworden und die Sonne
niedergegangen war, da kam der Prinz aus seiner dunkeln Waldschlucht
unter seine grne Eiche und lehnte sich gar traurig an den Stamm und
netzte das Gras mit seinen stummen Thrnen, wie er alle Nchte pflag;
und ihm duchte viel wehmthiger um sein Herz zu seyn als gewhnlich.
Das Vgelein in den Zweigen ber ihm fing eben an zu singen nach
seiner Gewohnheit; und es duchte ihm auch, da es gar anders sang
als sonst, und viel bedeutsamer und rthselhafter und fast wie mit
menschlicher Stimme.  Und dem Manne kam ein Grausen an, und fast voll
Angst rief er in die Zweige hinauf: Vgelein, Vgelein, sage mir,
kannst du sprechen?  Und das Nachtigallvgelein antwortete ihm mit Ja,
wie Menschen zu antworten pflegen, und es verwunderte sich selbst,
da es sprechen konnte, und fing an vor Freuden darber zu weinen,
und schwieg lange.  Darauf that es sein Schnbelchen wieder auf und
erzhlte dem Manne mit vernehmlicher menschlicher Stimme die ganze
Geschichte von seiner Verwandelung und von seines Bruders
Verwandelung, und durch welches Wunder er wieder ein Mensch geworden.
Denn es war ihr nun alles in Einem Augenblicke klar geworden, als
htte ein Geist es ihr zugeflstert.  Der Mann aber jauchzete in
seiner Seele, als er ihre Rede hrte, und er sann viel in sich hin
und her; und das Vgelchen spielte und flog zutraulich um ihn herum;
doch wiewohl sie sich und alle Dinge so hell wieder erkannte und
wute, von ihm wute sie nicht, wer er war.  Und er lockte das
Vgelchen und schmeichelte und kosete ihm schn, und bat, es solle
mit ihm kommen, er wolle es in einen Garten setzen, wo ein ewiger
Frhling blhe und nie ein Falke rausche noch ein Jger tose; das sey
doch viel lustiger, als so in wilden Hainen umzufliegen und vor dem
Winter und vor Jgern und Raubvgeln und Schlingen zu zittern.  Das
Vgelein aber wollte davon nichts hren und lobte seine grne
Freiheit und seine grne Eiche hier und schwtzte und fltete und
spielte und flatterte um den Mann herum und hatte sein wenig Acht,
denn er gebehrdete sich, als sey er in andern Gedanken.

Aber siehe, welche Gedanken er gehabt hat!  Denn ehe das Vgelchen
sich dessen versah, hatte der Mann es bei den Fchen erfat und lief
eilends davon, schwang sich auf sein Ro und flog im sausenden Galopp,
als sey ein Sturmwind hinter ihm, einer Herberge zu, die er in der
Stadt unweit des Schlosses kannte, und bestellte sich ein einsames
Zimmer, worin er sich mit dem Vgelein einsperrte.  Das Vgelein, als
es sah, wie er die Schlssel herauszog und andere Zeichen eines
Gefngnisses machte, fing an jmmerlich zu weinen und zu flehen, da
er es fliegen liee; denn es duchte ihm gar beklommen und angstvoll
in dem verschlossenen Zimmer und es mute an seine grnen Bume und
an die liebliche Freiheit denken.  Aber der Mann machte sich aus dem
Weinen und Flehen des Vgelchens nichts und wollte es nicht lassen.
Da ward das Vgelein bse und fing an sich zu verwandeln, damit es
den Mann erschreckte, da er Thren und Fenster ffnete und froh wre,
wenn das Vgelein davon flge.  So machte es sich zu Tigern und
Lwen, zu Ottern und Schlangen, zu Skorpionen und Taranteln, zuletzt
zu einem scheulichen Lindwurm, der sich um den Mann flocht und mit
giftiger Zunge auf ihn fuhr.  Aber das alles schreckte ihn nicht
sondern er blieb fest auf seinem Sinn, und das Vgelein mute alle
seine Arbeit verlieren und wieder ein Vgelein werden.  Und der Mann
stand in tiefen Gedanken, denn es fiel ihm etwas ein aus alten
Mhrchen.  Und er zog ein Messer aus der Tasche und schnitt sich ein
Loch in den kleinen Finger der linken Hand, der immer das lebendigste
Herzblut hat.  Und es trpfelte Blut heraus, und er nahm des Blutes
und bestrich des Vgeleins Kpfchen und Leib damit.  Und kaum hatte
er das gethan, so stand auch das Wunder fertig da.  Das Vgelein ward
in der Minute zu der allerschnsten Jungfrau, und der Prinz lag
alsbald zu ihren Fen und kte ihr zchtig und ehrerbietig die
Hnde.  Die Nachtigall war nun wieder Prinzessin Aurora geworden und
erkannte in dem Manne ihren Brutigam wieder, den Prinzen aus
Ostenland.  Sie war noch eben so jung und schn, als sie vor sechs
Jahren zur Zeit der Verwandelung gewesen.  Denn das ist den
Verwandlungen eigen, da die Jahre, die einer darin bleibt, ihn nicht
lter machen sondern tausend Jahre gelten da nicht mehr als eine
Sekunde.

Man kann denken, wie diese beiden sich gefreut haben; denn wenn zwei
verliebte Herzen, die einander treu geblieben, nach langer Zeit
wieder zusammenkommen, das ist wohl die grte Freude auf Erden.
Doch sumten sie nicht lange sondern lieen dem Knige ansagen, es
seyen zwei fremde Prinzen aus fernen Landen an seinen Hof gekommen
und begehrten frstliche Herberge.  Und der Knig trat heraus, da er
sie bewillkommete, und erkannte seine liebe Schwester Aurora und
seinen theuren Freund den Prinzen aus Ostenland, und freuete sich
ber die Maaen; und alles Volk freuete sich mit ihm, da so alles
wiedergekommen und das Reich nicht bei Fremden bleibe.

Und nach wenigen Tagen setzte er sich die knigliche Krone auf und
fing an zu regieren an seines Vaters Statt, seiner Schwester aber gab
er eine beraus prchtige Hochzeit mit Tnzen und Festen und
Ritterspielen; auch erhielt sie nebst ihrem Prinzen an Land und
Leuten eine gar stattliche Abfindung, wovon sie fast wie Knige leben
mogten.  Die Prinzessin Aurora aber hatte ihren Bruder um den Wald
gebeten, in welchem sie als Vgelein so manchen frhlichen und auch
so manchen traurigen Tag umhergezogen war, und er hatte ihn ihr gern
geschenkt.  Sie baute sich daselbst ein stolzes knigliches Schlo an
dem Bache, wo sie so oft gesessen und gesungen hatte, und die grne
und dichte Eiche kam mitten in ihrem Schlogarten zu stehen und hat
noch manches Jahr nach ihr gegrnt, so da ihre Urenkel noch darunter
gespielt und sich beschattet haben.  Sie aber lie das Gebot ausgehen,
es solle der Wald fr ewige Zeiten stehen bleiben in seiner
natrlichen Herrlichkeit; auch gab sie den kleinen Singvgelein den
Frieden und verbot auf das allerstrengeste, in diesem heiligen
Bezirke Schlingen und Fallen zu stellen und die Kleinen mit irgend
einem Gewehr anzugreifen.  Und ihr Bruder hat als ein groer und
frommer Knig regiert, sie aber hat mit ihrem tapfern Gemal bis in
ein schneeweies Alter in glcklicher Liebe gelebt und viele Kinder
und Kindeskinder gesehen, bis sie endlich im Segen Gottes und der
Menschen sanft entschlafen ist.  Das hat auch gegolten seit ihrer
Zeit unter ihren Kindern und Nachkommen, da der lteste Prinz ihres
Hauses immer Rossignol und die lteste Prinzessin immer Philomela
getauft wurde.  Sie wollte nemlich eine fromme Erinnerung stiften fr
alle Zeiten von dem wundersamen Unglck, das ihr widerfahren war, da
sie in eine Nachtigall verwandelt worden.  Denn diese Worte bedeuten
in der Sprache ihres Landes, was zu teutsch Nachtigall genannt wird,
und Rossignol heit eigentlich Rosenvogel--denn die Nachtigallen
singen meist zur Zeit der Rosen--und Philomela Liederfreundin; der
teutsche Name Nachtigall heit aber so viel als Nachtsngerin, und
ist wohl der allerfeinste.



Der groe Jochen.


Der Bauer Hans Diebenkorn, ich wei nicht mehr, in welchem Dorfe er
wohnte, hatte einen Sohn, der hie Jochen, das war ein schlimmer
ungeschlachter Junge voll Wildheit und Schalkstreiche, den keiner
bndigen konnte.  Sein Vater war ein stiller ordentlicher Mann und
ermahnte und zchtigte ihn oft und viel, Priester und Schulmeister
hobelten und meielten an ihm mit dem Ernst der Vermahnung und mit
der Strenge der Strafe: _der Knabe ward mit der Asche und Lauge der
Reue_ und Bue und mit der ungebrannten Asche der Erinnerung, die auf
grnen Bumen als ein recht dunkel blhendes Vergimeinnichtchen
wchst, genug eingerieben und gewaschen--es konnte ihn das alles
nicht weich und geschmeidig machen, Jochen blieb Jochen, er blieb der
freche und ungehorsame Gesell, der er gewesen war, und wo er einen
Schalkstreich konnte laufen lassen, war es seine Freude.  Das war
daher noch das Schlimmste und machte seinem Vater die meiste Sorge,
da Jochen auch an Krften unbndig war und in seinem fnfzehnten
Jahre sich schon mit jedem lustigsten Knechte im Dorfe im Ringen und
Balgen messen konnte.  Der ppige und bermthige Leib war der Zucht
zu frh entwachsen.  Dazu kam, da Jochen ein sehr schner und
schlanker Junge war, der das Maul so gut gebrauchen und so angenehm
thun konnte, da kein Mensch unter dieser Kappe den Schelm vermuthete.
Desto besser konnte er seine Spe und Schalkstreiche mit andern
ausfhren; denn er konnte so leidig seyn, da auch die gescheidtesten
und klgsten Leute von ihm angefhrt wurden.  Der Vater, der seinen
Vogel kannte, hielt ihn nun freilich sehr zur Arbeit an; aber so wie
er nur einen Augenblick hatte, war auch der Schelm da und sogleich
auf allen Gassen Geschrei ber ihn.  Indessen sagt ein altes
Sprichwort: _Der Krug geht so lange zu Wasser, bis er bricht,_ und
das geschah auch bei Jochen.

Er hatte sein besonderes Vergngen, alte Leute, die auf dem Wege
vorbeigingen, und Arme, die ihr Brod vor den Thren mitleidiger
Menschen suchten, zu necken, und that es immer wieder, wie oft sein
Vater ihn darber auch hart gezchtigt und erinnert hatte, es sey
keine grere Snde, als diejenigen verspotten, welche elend sind,
denn ihr Elend komme von Gott und Gott habe sie deswegen unter seinem
besondern Schutz.

Nun begab es sich, da einmal eine arme alte Bettelfrau gegangen kam
mit einem Korbe auf dem Kopfe und einem Sack auf dem Rcken.  Sie
ging gar stmperlich und jmmerlich, stand alle drei Schritt still
und chzete und hustete sehr.  Jochen sah sie kommen und machte sich
an sie und bot ihr einen freundlichen guten Tag.  Sie ward zutraulich
und fragte ihn, wie sie ber einen tiefen Bach, der vor ihr flo, ins
Dorf kommen sollte.  O hier, Mutter! komm nur mit! sprach Jochen,
hier ist ein Steg, den will ich dir zeigen.  Und er ging und sie
folgte ihm, und er fhrte sie auf ein ziemlich schmales und
schwankendes Brett, das ber den Bach gelegt war.  Als die alte Frau
aber mitten auf dem Brette war, da fing Jochen an mit dem einen Ende
desselben aus allen Krften zu wippen--er gebehrdete sich aber als
taumele er--und wippte so arg, da das Brett umschlug und die alte
Frau mit Korb und Sack in den Bach fiel, so lang sie war.  Er sprang
nun zu und half ihr wieder aus dem Wasser und stellte sich, als sey
er unschuldig an der Sache, greinte und grieflachte* aber in sich.
Die alte Frau dankte ihm noch und lie sich nichts merken, zog ihre
nassen Kleider aus und hing sie an Struchen auf, da sie an der
Sonne trockneten, und fing dann an, damit sie sich die Langeweile
vertriebe, mit beweglicher und klglicher Stimme einige Lieder zu
singen.  Jochen, der weggelaufen war, kam bald wieder und lauschte;
die Lieder gefielen ihm und er setzte sich zu ihr und sagte lachend:
Hre, Mutter, singe mir auch einen Vers!  Das will ich thun, mein
Sohn, sprach die Alte, aber du mut auch Acht geben und deinen Vers
behalten.  Und sie sang:
--------------------------
* Wird ausgesprochen an einigen Orten _grifflachen_, an anderen
_grieflachen_, das letzte offenbar richtiger.  Wir haben kein Wort in
unserer Sprache, diesem gleich, ein boshaftes Lachen, was sich unter
Bart und Lippen verstecken mgte und doch die geheime Freude ber
fremden Unfall nicht bergen kann, auszudrcken, als dieses sassische
Wort.  Es drckt die Gebehrde aus, die zwischen Weinen und Hohnlachen
in der Mitte um den Mund schwebt.  Die erste Sylbe ist in der
englischen Sprache brig, wo es _Kummer Traurigkeit_ bedeutet.  Wie
Traurigkeit und Bosheit in der Bedeutung der Worte zusammenfallen,
davon zeugt jede Sprache, z.  B. das italienische _tristizia
tristezza_ und das englische _mischief_, das gothische _hemsk_
(verschlossen hinterlistig, traurig erschrocken) und das sassische
_inheimsch_.
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Dukatenkrut hinner'm Tuune,
Leew in dem Pagellune
Un in dem Sparling Treu,
Verstand im ltten Finger--
Dat snt so sell'ne Dinger,
As Rosen unner't Heu.
Hr nipp nu to, min Jngken,
Du makst so menning Sprngken,
Dat Gott vergewen mag!
Veel Mse freten den Kater--
Du denkst ens an dit Water,
Un din juchhe watt Ach.

Jochen lachte unbndig auf, als sie gesungen hatte, und rief: das ist
ja ein dummes nrrisches Lied, Alte, ohne Sinn und Verstand.  Hre!
ich singe dir auch eines vor.  Und er sang mit heller geschwinder und
scherzender Stimme:

De Kukuk up dem Tuune satt,
Dat wutt regnen, un he wutt natt,
De Kukuk un de wutt natt.
Doon schreed he: Ach! min buntes Gatt!
Wo natt! wo natt! wo natt! wo natt!
Min Gatt wat bst du natt!
Kukuk! Kukuk!
De Kukuk flog na Hus--


und darauf lief er davon, that aber vorher ihrem Korbe und ihren
Schuhen noch einen Schabernack an.

So machte Jochen es oft und konnte seinen unbndigen Muthwillen gar
nicht halten.  Eines Tages kam er aus dem Walde und sprang mit
Trallalla und Juchheida ber das Feld daher; denn lustig war er fast
immer.  Es war ein kalter Wintertag und schneiete und fror sehr.  Als
er so tralleiend und juchheiend einen Hohlweg hinablief, stand ein
kleiner schneeweier Mann da, der sehr alt und jmmerlich aussah, und
stnte und chzete bei einem groen Korbe, den er sich auf den Rcken
heben wollte und nicht konnte.  Als er nun Jochen kommen sah, ward er
froh und bat den Burschen freundlich: Lieber Sohn bedenke, da du
auch einmal alt und schwach werden kannst, und hilf mir diesen Korb
hier auf den Rcken.  Von Herzen gern, sprach Jochen, sprang hinzu
hob den Korb auf und hing dem alten Mann die Hnkel desselben um die
Schultern, darauf ri er ihn mit dem Korbe um und lie ihn im Schnee
liegen, und lachte und rief im Weglaufen: _Piep!  Vagel! piep!_ Der
alte Mann whlte sich wieder aus dem Schnee auf und sammelte was
herausgefallen wieder in den Korb, und schrie mit zorniger Stimme
hinter dem auslachenden Jochen her: Ja piep!  Vagel! piep!  Gott wird
dich piepen lehren, du gottloser Bube!

Und Gott hat den Vogel pfeifen gelehrt.  Denn als Jochen den andern
Morgen wieder mit der Axt auf dem Nacken in den Wald gehen sollte,
da er Holz fllete, mute er wieder durch diesen Hohlweg gehen.
Doch wie er nher kam, ward ihm ganz wunderlich zu Muthe, so
wunderlich, als ihm in seinem Leben nicht ums Herz gewesen war.  Und
obgleich es heller lichter Tag war und die Wintersonne eben feuerroth
aufging, war ihm doch graulich, als wre es Mitternacht gewesen, aber
das war sein bses Gewissen, und es duchte ihm immer, als komme der
alte Mann jeden Augenblick aus dem Hohlwege auf ihn zu und schreie
ihn mit Piep!  Vagel! piep! an; und er wre gern einen andern Weg in
den Wald gegangen.  Indessen wagte er es doch und ging in den
schauerlichen Hohlweg hinein.  Aber kaum hat Jochen seinen Fu auf
die Stelle gesetzt, wo er gestern Abend den alten Mann mit dem Korbe
in den Schnee gestrzt hatte, so hat es ihn gefat und geschttelt,
und in einem Augenblicke ist er weg gewesen und ist auch nie wieder
gekommen, und kein Mensch hat gehrt, wo er gestoben und geflogen ist.
Die Leute haben aber geglaubt, da der bse Feind ihn geholt habe
wegen der vielen verruchten und gottlosen Streiche, die der
bermthige Junge immer verbte.

Das ist es aber nicht gewesen, sondern des alten Mannes mit dem Korbe
Piep!  Vagel! piep! den er in dem Hohlwege so schndlich umgestoen
und dann noch schadenfroh ausgelacht hatte.  Jochen hat pfeifen
lernen mssen, er ist in einen Piepvogel verwandelt und der
allerkleinste Vogel geworden, der auf Erden lebt.  Das ist nun seine
Strafe, da er im strengsten Winter durch die Struche und Hecken
fliegen und um die Huser und Fenster der Menschen flattern, meist
aber bei armen Leuten rundfliegen und hungern und frieren und piepen
mu.  Er hat ein graues Rckchen an gleich dem grauen Kittel, den er
trug, als er verwandelt worden, und mu bis diesen Tag aus
schelmischen und spitzbbisch kleinen Augen lachen, auch wenn ihm
weinerlich zu Muth ist.  Er heit der Zaunknig, die Leute aber
nennen ihn aus Spott den groen Jochen oder den kurzen Jan; auch wird
er Nesselknig genannt, weil der arme Schelm durch Nesseln und
Disteln und kleine stachlichte Struche schlpfen und fliegen mu und
meistens in Nesselbschen sein Nestchen baut.  Da hat er nun Zeit
seine Snden zu bedenken, wann der Wind pfeift und der Schnee stbert
und er in kahlen Hecken und Zunen sitzen und piepen mu.  Da hren
die Kinder ihn oft mit seiner feinen Stimme singen und denken an die
alte Geschichte von Jochen Diebenkorn.  Er singt aber also sein Piep!
Vagel! piep!

Piep! Piep!
De ppel snt riep,
De Beren snt gel,
Dat Speck in de Tweel,
De Stuw is warm,
Hans slpt Grethen im Arm.
Piep! piep!
Wo koold is de Riep!
Wo dnn is min Kleed!
Wo undicht min Bedd!
Wo lang is de Nacht!
Wer hedd dat woll dacht?
 


Die Unterirdischen in den Neun Bergen bei Rambin


In den Neun Bergen bei Rambin wohnen nun die Zwerge und die kleinen
Unterirdischen und tanzen des Nachts in den Bschen und Feldern herum
und fhren ihre Reigen und ihre Musiken auf im mitternchtlichen
Mondschein, besonders in der schnen und lustigen Sommerzeit und im
Lenze, wo alles in Blte steht; denn nichts lieben die kleinen
Menschen mehr als die Blumen und die Blumenzeit.  Sie haben auch
viele schne Knaben und Mdchen bei sich; diese aber lassen sie nicht
heraus, sondern behalten sie unter der Erde in den Bergen, denn sie
haben die meisten gestohlen oder durch einen glcklichen Zufall
erwischt und frchten, da sie ihnen wieder weglaufen mchten.  Denn
vormals haben sich viele Kinder des Abends und des Morgens locken
lassen von der sen Musik und dem Gesange, der durch die Bsche
klingt, und sind hingelaufen und haben zugehorcht; denn sie meinten,
es seien kleine singende Waldvgelein, die mit solcher Lustigkeit
musizierten und Gott lobeten--und dabei sind sie gefangen worden von
den Zwergen, die sie mit in den Berg hinabgenommen, da sie ihnen
dort als Diener und Dienerinnen aufwarteten.  Seitdem die Menschen
nun Wissens da es da so hergeht und nicht recht geheuer ist, hten
sie sich mehr, und geht keiner dahin.  Doch verschwindet von Zeit zu
Zeit noch manches unschuldige Kind, und die Leute sagen dann wohl, es
hab's einer der Zwerge mitgenommen; und oft ist es auch wohl durch
die Knste der kleinen braunen Mnner eingefangen und mu da unten
sitzen und dienen und kann nicht wiederkommen.  Das ist aber ein
uraltes Gesetz, das bei den Unterirdischen gilt, da sie je alle
fnfzig Jahre wieder an das Licht lassen mssen, was sie eingefangen
haben.  Und das ist gut fr die, welche so gefangen sitzen und da
unten den kleinen Leuten dienen mssen, da ihnen diese Jahre nicht
gerechnet werden, und da keiner da lter werden kann als zwanzig
Jahre, und wenn er volle fnfzig Jahre in den Bergen gesessen htte.
Und es kommen auf die Weise alle, die wieder herauskommen, jung und
schn heraus.  Auch haben die meisten Menschen, die bei ihnen gewesen
sind, nachher auf der Erde viel Glck gehabt: entweder, da sie da
unten so klug und witzig und anschlgisch werden, oder da die
kleinen Leute, wie einige erzhlen, ihnen unsichtbar bei der Arbeit
helfen und Gold und Silber zutragen.

Die Unterirdischen, welche in den Neun Bergen wohnen, gehren zu den
braunen, und die sind nicht schlimm.  Es gibt aber auch schwarze, das
sind Tausendknstler und Kunstschmiede, geschickt und fertig in
allerlei Werk, aber auch arge Zauberer und Hexenmeister, voll
Schalkheit und Trug, und ist ihnen nicht zu trauen.  Sie sind auch
Wilddiebe, denn sie essen gern Braten.  Sie drfen aber das Wild mit
keinem Gewehr fllen, sondern sie stricken eigene Netze, die kein
Mensch sehen kann; darin fangen sie es.  Darum sind sie auch Feinde
der Jger und haben schon manchem Jger sein Gewehr behext, da er
nicht treffen kann.  Das glauben aber bis diesen Tag viele Leute, da
nichts eine grere Gewalt ber diese Schwarzen hat als Eisen,
worber gebetet worden, oder was in Christenhnden gewesen ist.
Solche Schwarzen wohnen hier aber gar nicht.

In zwei Bergen wohnen von den weien, und das sind die freundlichsten,
zartesten und schnsten aller Unterirdischen, fein und anmutig von
Gliedern und Gebrden und ebenso fein und liebenswrdig drinnen im
Gemte.  Diese Weien sind ganz unschuldig und rein und necken
niemand, auch nicht einmal im Scherze, sondern ihr Leben ist licht
und zart, wie das Leben der Blumen und Sterne, mit welchen sie auch
am meisten Umgang halten.  Diese niedlichen Kleinen sitzen den Winter,
wann es auf der Erde rauh und wst und kalt ist, ganz still in ihren
Bergen und tun da nichts anders, als da sie die feinste Arbeit
wirken aus Silber und Gold, da die Augen der meisten Sterblichen zu
grob sind, sie zu sehen; die sie aber sehen knnen, sind besonders
feine und zarte Geister.  So leben sie den trben Winter durch, wann
es da drauen unhold ist, in ihren verborgenen Klausen.  Sobald es
aber Frhling geworden und den ganzen Sommer hindurch, leben sie hier
oben im Sonnenschein und Sternenschein sehr frhlich und tun dann
nichts als sich freuen und andern Freude machen.  Sobald es auch im
ersten Lenze zu sprossen und zu keimen beginnt an Bumen und Blumen,
sind sie husch aus ihren Bergen heraus und schlpfen in die Reiser
und Stengel und von diesen in die Blten und Blumenknospen, worin sie
gar anmutig sitzen und lauschen.  Des Nachts aber, wann die Menschen
schlafen, spazieren sie heraus und schlingen ihre frhlichen
Reihentnze im Grnen um Hgel und Bche und Quellen und machen die
allerlieblichste und zarteste Musik, welche reisende Leute so oft
hren und sich verwundern, weil sie die Spieler nicht sehen knnen.
Diese kleinen Weien drfen auch bei Tage immer heraus, wann sie
wollen, aber nicht in Gesellschaft, sondern einzeln, und sie mssen
sich dann verwandeln.  So fliegen viele von ihnen umher als bunte
Vgelein oder Schmetterlinge oder als schneeweie Tubchen und
bringen den kleinen Kindern oft Schnes und den Erwachsenen zarte
Gedanken und himmlische Trume, von welchen sie nicht wissen, wie sie
ihnen kommen.  Das ist bekannt, da sie sich hufig in Trume
verwandeln, wenn sie in geheimer Botschaft reisen.  So haben sie
manchen Betrbten getrstet und manchen Treuliebenden erquickt.  Wer
ihre Liebe gewonnen hat, der ist im Leben besonders glcklich, und
wenn sie nicht so reich machen an Schtzen und Gtern als die andern
Unterirdischen, so machen sie reich an Liedern und Trumen und
frhlichen Gesichten und Phantasien.  Und das sind wohl die besten
Schtze, die ein Mensch gewinnen kann.



Die alte Burg bei Lbnitz


Nahe bei Lbnitz ber grnen Wiesen, wodurch sich das Flchen Barth
hinschlngelt, grnt ein kleiner Eichenwald mit einem durchrinnenden
Bchlein und den schnsten und dichtesten Haselbschen, welche sich
fast jeden Herbst unter dem braunen Schmuck ihrer Frchte beugen.  An
der Sdseite des Wldchens liegt eine Ziegelei, und am nrdlichsten
Ende erhebt sich eine Burghhe, deren Umwallung ringsum eine Senkung
umgibt, in welcher die elegischen und zauberischen Struche Kreuzdorn
und Hagedorn, Hollunder und Alf-Ranke, Nessel und Nachtschatten sich
festgesiedelt hatten und dem Andringer das Aufsteigen fast schwer
machten; auch hatten die Fchse sich den Wall und sein altes Gemuer
zu ihren unterirdischen Wohnungen durchminiert.  Dieser alten Burg
gegenber erhob jenseits am rechten Ufer des Flusses unweit Wobbelkow
ein stattliches Hnengrab sein grnbemoostes Haupt, von dessen Gipfel
man die Stadt Barth mit ihren roten Dchern und in der Landschaft
umher ein halbes Dutzend Kirchtrme und ein halbes Hundert Hfe und
Drfer berschauen konnte.  Dieses Eichwldchen ward nach den
Trmmern jener Burg gewhnlich nur zur alten Burg genannt.  Hier
hatte sich nun ein Abenteuer begeben, welches durch alle Mnde und
Muler der Menschen die Runde machte: Eine junge, hbsche Dirne,
welche die Khe des Zieglers im Busche htete, war pltzlich
verschwunden oder entlaufen, und da geschah es, da die Stimmen der
Sage sich wieder aufweckten, die oft verschollen ihre Zeit trumt und
schlft und dann mit doppelter Lebendigkeit wieder in die Ohren der
Menschen tnt.  Und in folgender Weise war die Erzhlung des Grtners
Christian Benzin:

"Herr, sie sagen so was von der Dirne des Zieglers, die vor vierzehn
Tagen am hellen scheinenden Mittag verschwunden und nicht
wiedergekommen ist.  Die Leute munkeln, und des alten Schweden
Sturbergs Jungen aus Wobbelkow, die einem Kalbe nachgelaufen, haben
es gesehen: Ein Matrose in bunter, rotgestreifter Jacke ist mit ihr
am Saum des Waldes spazierengegangen und hat einen Blumenstrau in
der Hand gehabt, und sie glauben, der habe sie weggelockt und mit
sich auf sein Schiff genommen.  O du Herr Jemine!  Das Schiff, worauf
die Dirne fhrt!  Soviel ist wahr, den Buntjack werden die
Sturbergsjungen wohl spazieren gesehen haben, aber meiner Sir so weit,
als die dummen Leute sich einbilden, ist sie nicht unter Segel
gegangen.  Ich wei wohl, wo sie sitzt, und Jochen Eigen, den sie
immer den Edelmann schelten, wei es wohl noch besser, aber der
schmt sich und sagt's nicht und verrt nichts von seinen
Hausheimlichkeiten, als wenn er mal ein wenig zu tief ins Glas
geguckt hat."  Und bei diesen Worten machte der Grtner Christian eine
gar absonderliche und verwunderliche Miene.

"Nun, Benzin, nur her mit Euren Geschichten!  Jetzt, hoffe ich,
wird's einmal wohl ans Licht kommen, warum Ihr bei dem Namen alte
Burg immer so wunderliche Reden und Gebrden braucht.  Hier mu es
irgendwo stecken, da Ihr auf der Jagd nie in diesen Busch hinein
wollt und mit leichten, diebischen Katzentritten an seinem Rande
umherschleicht oder Euch in gehriger Entfernung Eure Stelle anweisen
lat.  Darum habt ihr, als die schnen Mamsellen aus Barth jngst
dahin Nsse pflcken gingen und noch andere hbsche junge Frauen
mitgehen wollten, so wunderliche Gesichter geschnitten und sie in den
Lbnitzer Wald auf den Kamp zu laufen verlockt, wo man unter den
Pfriemenbschen wohl Hasen und Fchse aufjagen, aber keine Nsse
schtteln kann.  Es mu was Besonderes mit diesem Busche sein.  Und
nun heraus damit!  Ich lasse Euch diesmal nicht los."

"Ja, Herr, dies ist Euch ein Busch! hier liee sich viel erzhlen,
und wer eine hbsche Frau und schne Tochter hat, der lasse andere
Weiber in diesen Busch Nsse pflcken gehen.  Ich sage nur soviel:
wie manche hbsche Jungfer wrde ihr Herzleid zu erzhlen haben, wenn
sie sich nicht schmte!  Ich erinnere mich noch, mein Vater hat mir's
erzhlt,--es sind wohl ein paar Stiege Jahre her--da waren ein paar
schne Jungfern aus Barth gekommen Nsse zu pflcken, und sie sind
hier im Wldchen verschwunden.  Man hat die Verschwundenen tage- und
wochenlang gesucht, wie man Stecknadeln sucht, bei Sonnenlicht und
Laternenlicht, aber keine Spur von ihnen gefunden, kein Mensch hat
sie wiedergesehen.  Mein Vater sagt, es sei groe Wehklage und Trauer
um sie gewesen--denn es waren Kinder ehrsamer und reicher Leute--und
zuletzt in Kentz und Starkow und in allen Kirchen umher mit den
Glocken um sie gelutet, als htte ein Wolf oder Br sie gefressen.
Aber deren gibt's hier nicht; ich wei wohl, wer der Wolf ist.  Und
doch hat sich's wunderlich genug offenbart: sie waren nicht von
wilden Tieren aufgefressen, sondern nach acht bis zehn Jahren von
Vergessenheit und Verschollenheit sind sie mit einemmal noch ganz
frisch und blank wieder unter den Lebendigen aufgetreten und haben
sich nichts merken lassen.  Aber die Leute haben doch eine Art Grauel
vor ihnen angewandelt und haben ihrer Jungferschaft nicht recht
getraut, und die armen hbschen Mdchen haben zuletzt als alte
Jungfern sterben mssen.

Und nun will ich erzhlen, was Jochen Eigen mir erzhlt hat, der
diese Geschichten am besten wei; aber er wird sich hten sie dem
Herrn zu erzhlen.  Und dann wird der Herr verstehen, warum ich
hbsche junge Frauen und Mdchen nicht so leichtfertig in den Wald
laufen lassen will, und warum ich neulich krank ward, als ich die
Nacht bei dem Fuchsbau am Burgwall, wo sie gegraben hatten,
Schildwache stehen und die jungen Fchse, wenn sie etwa heraus
wollten, zurcktreiben sollte.

Vor langen, langen Jahren war Jochen Eigens Urgrovater*, ein
prchtiger, stolzer Edelmann, so prchtig und steinreich, da er den
Zaum seines Pferdes mit Juwelen besetzte und in einem goldnen
Steigbgel sa.  Dieser hatte im Lande Rgen und auch hier im
Pommerlande viele schne Hfe, Wlder und Bauern, so viele, da man
sie nicht zhlen konnte--ein prchtiger, stolzer Mensch, der mit
sechsen vom Bock fuhr, einen Lufer vor sich herlaufen und seine
Pferde in langen Strngen springen lie.  Aber es war ein wilder,
verwegner Mensch, der nichts von Gottes Wort und Wegen wissen wollte,
ein toller Jger und Reiter und ein greulicher Weiberjger, der wie
der Falk auf die Tauben, auf die schnen Dirnen lauerte.  Diesem
Eigen hat in jenen alten Zeiten auch Lbnitz und Diwitz und Wobbelkow
gehrt, und hier bei Lbnitz hat er im Walde ein prchtiges
Burgschlo gehabt mit vielen Trmen und Fenstern, wo er manche schne
Nacht durchschwrmt und durchtrunken und mit seinen lustigen Gesellen
bei Wein und Weibern bankettiert hat.  Und dort auf dem hohen
Hnengrabe an dem andern Ufer, dort am Wege zwischen Redebas und
Wobbelkow, hat er sich ein prchtiges, aus eitel gehauenen demantenen
Steinen gebautes Lustschlo hingestellt.  Da ist er oft hingaloppiert
und hat dort gesessen und mit einem Kieker auf die Landstraen umher
ausgeschaut, ob seine wilden Lauscher und Ruber, die er ausgeschickt
hatte, schne Weiber einzufangen, nicht irgendwo mit Beute
heransprengten.  Diese armen Gefangenen haben sie dann bei
nchtlicher Weile, wo andere gute Christenleute schlafen, auf die
Burg im Walde geschleppt und dort versteckt, da weder Hund noch Hahn
danach gekrht hat.  So hat der bse Mensch sein wildes, verruchtes
Wesen viele lange Jahre getrieben, und Gott hat ihm manchen Tag die
Zgel schieen lassen.  Das lag aber in seinem Blute, und Jochen, dem
der Edelmann lange vergangen sein sollte, dessen Grovater schon ein
armer Weber gewesen--der Herr glaubt nicht, was die alten Leute von
dem zu erzhlen wissen, wie grausam der in seinen jungen Jahren auf
die hbschen Dirnen gejagt hat.  Er will sich's nun nur nicht mehr
merken lassen, aber diese lsternen Edelmannsncken hat er noch genug
in sich.  Endlich aber ist doch des alten wilden Jgers Tag gekommen,
es ist Krieg geworden, und Pest und Hunger und Moskowiterzeit und
Kalmckenzeit, ich wei den Namen nicht recht, aber eine grausame
bse Zeit ist gekommen, und da ist jener Bsewicht auch von seinem
Jammer gefat worden: seine Schlsser und Huser verbrannt, seine
Scheunen und Speicher ausgeleert, sein Vieh weggetrieben.  Da hat er
sich zuletzt hier in die Burg bergen und verstecken und knapp leben
lernen mssen wie andere arme Leute.  Da ist seine Rechnung bei dem
hchsten und obersten Rechenmeister bervoll gewesen, und er hat ihn
mit seinem Blitz geschlagen und sein prchtiges Sndenhaus angezndet,
und er und seine Weiber sind alle zu weien Aschen verbrannt, und
von der ganzen Herrlichkeit, wo sonst Geigen und Trompeten klangen
und Tag und Nacht bankettiert ward, liegen noch kaum ein paar Steine
da, und nun sind die Fchse und Marder und Eulen die einzigen
Nachtmusikanten.
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* Die Eigen sind allerdings ein altes adliges Geschlecht in der Insel
Rgen gewesen, aber jetzt lngst verloschen und verschollen.  Mglich,
da Jochen Eigen, welchen sie gern den Edelmann schalten, aus jenem
Geschlechte war.  Ich habe weder Lust noch Veranlassung gehabt seinem
Ursprunge diplomatisch nachzuforschen.  Bei diesen Geschichten dringt
sich brigens wieder die bekannte Erfahrung auf, da Bauern und
Dienstleute in Erinnerung mancher Unbill und Ungerechtigkeiten, die
ihnen von schlimmen Edelleuten widerfahren sind, indem sie der
freundlichen Herren darber vergessen, eine Freude und Ergtzung
erleben, wenn sie sich mrchenhaft erzhlen, wie das Unglck oder gar
der Gottseibeiuns irgendeinem bsen verruchten Geschlechte das Garaus
gemacht habe.  Dom bst du d?
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Der Herr wei wohl die alte Eiche, die dicht an der Burg steht, ein
besonderes altes Gewchs, welchem der Blitz auch vor einigen Jahren
die eine Hlfte abgespaltet hat.  Da spielt jetzt eine gar
wunderliche Musikantengesellschaft drauf.  Wenn man nur achtgibt und
aufmerkt, da auch kein Vgelchen im Walde schwirrt und zirpt, um den
Baum ist's nimmer still.  Spatzen und Zeisige und Meisen flattern und
schreien da bei Tage in solcher Menge, da man sein eigen Wort nicht
hren kann, und des Nachts--o herrje!--machen die Eulen und Krhen
und Raben ihren Gesang, da einem die Haare zu Berge stehen.  Sie
sagen auch, da die Fchse dann aus ihren Lchern kommen und
mitheulen, und da die Schlangen, deren unten am Bache so viele sind,
dann einen Ringeltanz halten; aber ich habe es nicht gesehen.  Das
ist aber einmal wahr, da man die Pferde, die in ihren Nstern von
Gespenstern und anderm Teufelszeug eine Witterung haben, an dieser
Seite des Waldes selbst bei Tage kaum grasen sieht.  Der Herr hat
auch wohl den schwarzen Storch gesehen, der nicht weit von der Burg
auf einer abgestumpften Buche horstet.  Hier um Lbnitz, Redebas und
Divitz, wo die Barthwiesen und Bche so viele Nattern, Schlangen und
Frsche ziehen, hat's der Strche auf allen Dchern und Scheunen die
Menge, aber nirgends sieht man einen schwarzen Storch als hier.
Zuweilen sollen Jahre sein, so er ganz ausbleibt, schon seit
Menschengedenken hat man davon gesprochen, aber er erscheint zu
seiner Zeit immer wieder.  Dieser schwarze Storch ist hier der
Feldhauptmann des ganzen Vogelgefieders.  Viele Leute sagen, er sei
der alte Edelmann selbst oder auch ein Sohn von ihm, den er mit einer
Mohrenprinzessin gezeugt haben soll, die er dem Sultan im Mohrenlande
abgekauft hatte.  Denn Zauberer, Hexenmeister, Mohren und solches
wanschaffene Teufelsgesindel, das keinen ordentlichen Vater und
Mutter vorzeigen kann, wippsen hier des Nachts umher, und diese haben
die vielen Futritte ausgetreten, die zu dem Wall hinlaufen; denn die
Menschen hten sich wohl, um dieses Revier Fusteige zu machen.
Dieses Gesindel wohnt bis auf den heutigen Tag in unterirdischen
Slen, die noch viele hundert Schuh tief unter den Fchsen liegen,
und mancher hat es deswegen tief unter dem Wall heraus oft so
wunderlich sausen und klingen gehrt, mit ganz anderer Gewalt und
andern Tnen, als Fchse und Marder in ihren Lchern machen knnen.
Mit diesem schwarzen Storch ist es ein gar absonderliches Ding.  Das
wissen alle Bauern und Hirten zu erzhlen, er hat auf den Wiesen ein
dreimal greres Jagdrevier als irgendeiner der bunten Strche, und
keiner von diesen kommt ihm in sein Verbiet; ja sie fliegen gleich
davon, als wenn sie den Teufel shen, sobald sie ihn nur von fern
erblicken.  Des Nachmittags gegen den Abend, wenn die Sonne ins Gold
zu gehen anfngt, sieht man ihn zwischen der Burg und dem Hnengrabe
immer hin und her fliegen, auch sitzt er dann oft auf diesem Hgel
und schaut gegen die Stadt Barth hinber, woraus er in seinen Tagen
vielleicht manche hbsche Dirne verlockt hat.  So mu er nun nach
Gottes Spruch und Urteil viele Jahrtausende in Vogelgestalt
herumfliegen--denn wer wird ihn zu erlsen kommen?--und statt seiner
frheren Leckerbissen mit der schlechten Speise der Frsche und
Schlangen, die jeder Mensch anspeit und ausspeit, vorlieb nehmen, und
in seinem schwarzen Rock zeigen, da er ein Schelm und Bsewicht von
Natur ist.  Aber es ist sonst doch noch etwas anderes dabei, und das
ist eben das Greuliche, der Matros in der bunten Jacke.  Ich wei
nicht, ob es ein Matros ist, in welcher Gestalt ihn viele wollen
gesehen haben, oder ein hbscher flinker Jgerbursch, aber die bunte
Jacke gehrt einmal dazu.  Und keiner versteht, wie dieser Buntjack
und der Schwarzrock, der Storch, zugleich da sein knnen, und was
diese Vermaskierung bedeutet, aber ein buntes Teufelsspiel ist es
sicherlich, und hat manche arme Seele um Ehre und Glck gebracht.
Denn wenn so ein glatter Geelschnabel und Grnling von einer hbschen
jungen Dirne oder ein anderes schnes Weibsbild hier im Walde Blumen
lesen oder Nsse pflcken geht und ihre Gedanken nicht in acht nimmt,
da sie nicht ganz auf Gottes Wegen bleiben--ich meine, wenn sie
etwas zu junges und zu Lustiges denkt oder mit verbotenen
Gtzenbildern des Herzens spielt, wie unser Herr Pastor Scheer sagt,
auf der Stelle stellt sich der schngestreifte Buntjack ein und macht
vor ihr seine Kratzfe.  Er macht sich gar leidig und freundlich
heran, reicht Blumenstruchen, erbietet sich als Diener die
Nubeutel zu tragen, und spielt so mit tausend Blcklingen und
Heuchlingen und Schmeichlingen um die Weibsen herum, da die armen
Begigelten und Behexten nicht wissen, wie ihnen geschieht, und nimmer
gewahr werden knnen, welch ein Hahnenfler er ist.  Auch kommt er
wohl immer ganz wie von ungefhr als ein feiner, blder Jngling, als
ein hbscher, unschuldiger Knab', irgendein buntes Vglein auf der
Hand tragend und sprechend: 'Sie sucht Blumen, schne Jungfer, Sie
will Nsse pflcken--o komm Sie mit mir!  Ich wei wo schnste Blumen
stehen, wo braune Nsse in Menge hngen.' Und so lockt er sie fort,
und fhrt sie durch Blumen und Nsse immer tiefer in den Wald, und
lockt sie endlich auf den Burgwall--'O da ist eine ganz prchtige
Aussicht, schne Jungfer', ruft er, 'da kann Sie die schne Welt mal
weit umher berschauen.' Da oben liegt aber ein kleiner roter runder
Stein wie zu einem Sitz zurechtgemacht mit einem immergrnen
Pltzchen daherum, da hat der Schelm Blumen und Nsse hingestreut,
und wohl rosenrote pfel und Pflaumen, und heit sie sich setzen und
sich des Blicks ber die weite Landschaft freuen.  Aber siehe!  Wie
sie herantreten und den Stein berhren, tut sich das grne Pltzchen
auf, und Buntjack und Jungfer und Nsse und Blumen--alles sinkt
pltzlich tief in die Erde hinab, in die unterirdischen Sle, aus
welchen es oft so wunderlich herausklingt--und die armen versunkenen
Dirnen kommen nimmer wieder, oder einige kommen auch wohl nach Jahren
wieder an das Licht und unter die Menschen, aber sie schmen sich zu
sagen, wo sie so lange gewesen sind und was ihnen widerfahren ist.  O
wie manche hbsche Jungfer, die mit dem lustigen Buntjack Blumen und
Nsse pflcken ging, hat hier den Blumenkranz ihrer Unschuld verloren.
Ich sage soviel, meine Frau liee ich fr alle Schtze der Welt
nicht in diesen Busch gehen.  Die Jungen, die des Nachts auf den
Wiesen die Pferde hten, erzhlen viel von dem Eulen- und
Krhengeschrei, aber zuweilen haben sie auch ein Wimmern und Winseln
wie tief aus der Erde heraus gehrt, und dann haben sie den schwarzen
Storch gesehen sich in der Luft ber dem Walde mit den Flgeln
wiegend und klatschend, als sei ihm das eine Freude.  Aber ich wei
nicht, ob man alles so glauben soll, aber gewi bses Spiel ist
dahinter, wiewohl man glauben soll, da Gott solches Spiel nicht
zult bei denen, die mit den rechten Gedanken und mit frommen
Bibelsprchen in der Brust versehen sind, und wenn sie sich auch
unter lauter Teufelsgesindel im dstersten Walde und in einsamster
Wste verirrt htten."

In dem schnen Lande Thringen up der gldnen Au nich wiet van dem
Kiffhser wahnde een riker un vrnehmer Eddelmann, dem wurd unner gr
besnderlichen Umstnden een Shn geburen, so datt he alle
Wahrseggers un Tekendders fragde un de Stiernkikers up alle Thrm
klattern let totokieken, wo de Planeten un de annern groten Stiern to
eenanner stnden un ob se wat Ungewhnlichs meldten.  Un de Wiesen
schddeden de Kpp wer de Teken un segen sehr deepsinnig un
nahdenklich ut; werst nms wute dem Vader des Kinds wat Genaues to
seggen.  Man een van de Stiernkiekers let sick so wiet ut, datt he
apenbrde, dat Kind hedd den eenen Hauptstiern veel heller as all de
annern; nu, sede he, wenn he sick nah dem Hauptstiern hlt un mit
sinem Glck frisch up't Lewen losgeiht un em eenen Schub gift, wenn't
nich wieken will, so kann he de Gefhren noch woll wermeistern, de
em in den ltten Stiernen druen.  Dat sede he vr en allen; spader
werst, as de annern weg weren, nam he den Vader des Kindes bi Side,
un sede em unner vier Oogen: Der Dausend! wat fr een Kerlken!  De
ward Spalk in der Welt maken!  Ick wull, he were mi geburen!  Dat
snt een par Jahrhunderte vrflaten, un wi hebben nicks mehr van
eenem Dom hrt, van dem wunderbren Vogel Phnix, de de Geschichten
lustig makt; un et dnkt mi Tid to wesen, datt bald mal wedder eener
erschient, ss kmmt de Geschicht van den Doms ganz ut der Mode.  Un
wer weet Gotts vrborgnen Rath? is't nich mglich, datt Gott din Kind
ton Eddelmannsdom utersehn hett?  De Himmelsteken stahn seltsam
ungewhnlich un grot nog dto.  De Tid is so vull Langerwil un so
insleperig, datt mal wat Lustigs kamen mut, se ut dem fulen Slap
uptojagen.  Un is dat Gotts Will, so mt du ook eenen verstndigen
Willen hebben, un darm hork up, wat ick di segg, dmit du uns den
Jungen nich vrfumfeist.  Du mt dem Knaben, de tom Dom heranwassen
schalt, sinen Willen laten un em den bi Liwe nich breken; denn etwas
wunderlich ward he allerdings sin.  Denn schalt he een rechter Dom
warden un de Domschen Geschichten mit Glck un Mod vollbringen un
drfechten, so mtt he upwassen, as schull mal een Kaiser edder
Kning ut em warden.  Denn einzig ut der hgsten un frodigsten
Freiheit un Vrwgenheit, de vr nicks in der Welt bwert un
schuddert, kann de rechte Dom spruten.  Dat mt ick di seggen, un
dat vrget nich, un taste nich mit dummkloker Hand in dat Spill, dat
du nich versteihst.  Will't Gott, so ward de Jung et to siner Tid
woll utspelen.

So wiesde de Stiernkieker, un de Eddelmann hrde nipp to un nam sick
alle sine Wrde to Harten, un gaff dem ltten Jungen in der Dp den
Namen Wigbold, as de eenmal dchtig m sick slan un sick siner Hut
ridderlich un dapperlich wehren schull.

De ltte Junker Wigbold was een so flinkes un schnes Kind un hedd
een paar so stiernklare un himmelblage Oogen im Kopp, datt alle Lde
seden, se hedden up langer Tid nah keen so schnes un muntres Kind
sehn.  Un Wigbold gedeihde un wurd sehr stark, so datt he as en Jung
van acht Mand all up egnen Ften spazierde; un wer en sach, hedd en
leef, denn he was gr to flink un hbsch.  Un as he mehr heranwuss un
in de School gahn schull, let sin Vader em ganz sinen Willen; werst
dat Kind dheed alles mit Lust un was gehursam ut Leew, un begrep
swind, wat en sine Pissetters lehrden.  werst buten der School
was he as een junges Hingstfahlen, dem keen Graben to breed un keen
Tun to hoch is, un van sinen starken Armen un hirschswinnen Ften
vrtellden de Nawers un Nawerskinder sick Wunderdinge.  Kort de Jung
was as de Blitz nu hier nu d, nu up dem Appelboom nu up dem
Kirschboom edder up der schiersten un hchsten Esch edder Eek, de
Vgelnester uttofhlen; un mennige Schelmstcken, as de Jungens dhon,
wurden van em vrtellt.  werst slichte un gemeene Streek begirig
he nich, un drup kunn man sick in allen Fllen vrlaten, datt he
nmmer Lgen sede un dat sin frischer Mod slwst dem Dwel ut der
Hll nich eenen Finger breed ut dem Weg ging.  So vrwegen was
Wigbold, datt he eenem Bier in de Hauers packt un eenem Wulf in den
Rachen grepen hedd, wenn en eener vrmahnt hedd, dat were
Ridderpflicht.  Denn mit dissen Wurd hedd man en in de Hll schicken
knnt.

As he nu gegen viertein fftein Jhr old was, fung he an de
ridderlichen Knste do driwen, un was in sinem ssteinden Jhr so
flink un stark, datt Weinige dat mit em up Hieb un Stot wagen kunnen;
un een Rter was he, datt, wenn he ansprengde, een Goliath sick vr
sinem Speer nich im Sadel holden kunn.  Dbi was he lustig as een
Vagel un schn as de Dag un angenehm un beleewt bi allen Lden; un se
nmden en man den schne Wigbold.  So was he in't swenteinde Jhr
treden, d fund he mal up sines Vaders Disch een Book, dat de Olde
vrgten hedd wegtoleggen.  Un in dem Booke was to lesen, wat sick bi
siner Geburt begewen hedd un wat eener van den Stiernkiekers up em
dd't un prophezeiht hedd.  Un kum hedd he dat Book lesen, as he mit
groten Oogen un mit eener rt van Vrstaunung m sick her sach, un
toletzt sede: Tw man, Vader! datt du mi dat nich ehr seggt hest!  Un
nicks in der Welt schall mi holden, ick will nu woll Anstalt maken,
datt ick de Dom ward, van dem de Stiern am Himmel so veel to
vrtellen wten.  Juchhe! min Glck!  Frisch Mod un Jugend! tummelt
ju!  Un tor Stunde wapende he sick, sadelde sin Perd un gaff em de
Spren un galoppierde dvan in alle Welt henin.  Un fr sinen Vader
let he eenen Bref torgg, worin he schref: Vader, Ade!  Ick ried in
de wiede Welt.  Ick bn de Dom, un du weetst woll, datt ick't bn.
Nmmer shst du mine Oogen wedder, wenn ick di nich de schnste
Prinzessin int Hus bring, de Gott fr den Dom hett geburen warden
laten.

Den annern Morgen as de Vader upstund, fund he den Bref, las en, un
let sick nicks marken, werst in sick froide he sick un dachte sin
Deel.  De Moder werst bedrwde sick sehr un de Brder un Swestern
weenden em nah; denn se dachten, he wrde nmmer wedder to Hus kamen.

Un wi willen den schnen Wigbold nu man den Dom heten; denn he was
wrklich de Dom un nam nu slwst den Namen Dom an.  Datt he werst
eener van den groten Domen was, de alle Jhrhunderte etwa twee drei
Mal wedder up de Erd kamen, dat wte dmit noch keen Minsch.  He
wt ut sines Vaders Book un Uptekning ook recht god Bescheid, wohen
he sinen Kos stellen un wonah he trachten un blicken mt.  Denn datt
dem Eddelmannsdom de schnste Prinzessin up der Welt tor Brut
bestimmt was, hedd he ook noch in besndern Geschichten lesen un van
kloken Lden vrtellen hrt.  Datt wt he ook, datt he in de groten
Stder un Sltt inrieden mt, wo mchtige Kaiser un Kninge un
Hertoge Hof holden.

Un Dom ret toerst an den Hoff to Isenach im Thringer Walde, wo een
prchtiger Hertog van Sassen satt; un he bleef d woll drei Mand un
wurd bald bekannt dr sine Schnheit un Ridderlichkeit, un ging ook
oft bi den Hertog to Hawe.  Un he sach des Hertogs vier Dchter, de
weren schn as de Rosen im Maimand, werst se weren ook wen so stolt.
Un Dom, as he disse Undgd gewhr wurd, red wieder; denn he sede:
Dat Leuschen seggt, de Prinzessin, de den Dom leewen un dr alle
Gefahren winnen schall, mtt still un sanftmodig un frndlich sin, as
de witten Lilien im Feld un de Maienglckschen im grnen Grase, un wo
schn disse Prinzessinnen ook wesen mgen, fr mi is keene drunner.
Un he sadelde sinen Rappen wedder un red dr Sassen un Polen un
Ungarn, un bet in Wlschland herunner, un was mit in groten
Schlachten un Turneien un bi veelen prchtigen Festen un Gelagen, un
de Ridder Dom wurd een groter un heller Name.  Un he sach eenen Hupen
schne Prinzessinnen, Kaiser- un Knigs-Dchter, werst noch hedd he
keene sehn, de em so unschuldig anmodig un demodig vrkam, datt se
Doms Brut sin kunn.  Un he sede ook bi sick: Hier ward't sick
utwiesen, wer du bst; denn bst du wrklich un wahrhaftig de Dom, so
ward dat Hart di't woll seggen, wenn du se shst, datt se de
rechtschldige is.

So was Dom woll drei Jhr hermreden van eenem Krieg in den annern un
van eenem Turnei un Hoff to dem annern, d kam he wer de Barge ut
Wlschland in dat Land, dat de Switz het, un wull to der stolten
Riksstadt Zrich henafriden, wiel he vrnam, datt een groter
mchtiger Herr, de Hertog van Swaben, d Hoff holden schull.  As he
nu eenen Morgen dr de hogen Barg henred in der Schummering tschen
Nacht un Dag, sh! d blitzte't mit eenem Mal vr em up, as wenn eene
Lchting ut dem Felsenbarg slog, un he sach een ltt Mnniken vr
sick stahn mit eenem kritwitten Brt un in eenem grisen Rock, un de
eenen witten Stock in der Hand heelt.  Un em wurd gruwlich, as dat
Kerlken so wunderlich hervrkam; doch as't en frndlich to sick
wenkte, hll he still.  Un dat Mnniken wurd noch frndlicher un sede:
Mennigen goden Dag hebb ick hier in den Steenen seten un lurt un
lurt--un nu kmmst du endlich.  Du magst woll all weten, datt du de
Dom bst, un ook, datt du noch mennigen suren Schritt dhon un noch
mennige Arbeiden un Gefhren bestahn mt, ehr du de schne
Prinzessin gewinnst, de fr di geburen is.  Un hier gewe ick di wat,
dat ich mennige Jhr fr di hegt hew, un dat is disse goldne Ring.
Un he gaff em den Ring, un Dom stack en an sinen Finger.  Un dat
schast du weten, sprack dat Mnniken wieder, datt, wenn di dnkt, du
bst in Dodesnoth un kannst di nich anners helpen, denn nimm dinen
ltten Finger un spreck man lisign Pusch! un rhr an den Ring, so
bst du strax unsichtbar, un de Dwel in der Hll un sin finster un
listigster Hexenmeister kann di nich sehn.  Un as de ltte Dwarf en
so belehrt un beschenkt hedd, heelt he sinen mitten Stock hoch in de
Hh un reep: Glckliche Reis, Ridder Dom! holdt ju brav!  Gott behde
ju!  Un mit dissen Wurden was he weg, as wer de Man in der Nacht
eene Wolk wegweiht, un Dom sach en nich mehr un hett en in sinem
Lewen nich wedder sehn.

Un Dom red nah Zrich herunner un spornde sin Ro frisch an; denn dat
Hart brennd em im Liwe, un he hedd hrt, des Hertogs van Swaben
Dochter were de schnste un holdseligste Prinzessin van allen
Prinzessinnen in dtschen Landen, an Unschuld un Leewlichkeit un
Frndlichkeit eene rechte witte Lilje unner den Frstendchtern.  Un
as he nger an de Stadt kam, sach he een grot Getmmel un eenen Uplop
van Volk, un hrde veel Larm un Geschrei rund herm.  Un as he sick
erkundigde, seden de Lde, nich wiet van der Stadt were eene Slang in
eener Hhle, un de were de Nacht int Slott herup kamen un hedd dem
Hertog sine eenzige schne Dochter entfhrt, un hedd se nu bi sick.
Un de Hertog, de woll wte, wo grimmig gefhrlich un gewaltig de
Drak were, hedd sine Dochter dem tom Prise utbaden un sine ganze
grote Herrlichkeit dto, de den gewaltigen Draken dden un em sin
Kind lebendig wedder bringen wrd.  Un een paar dappre Riddersmnner,
seden se, hedden sick all een Hart fatet, et mit dem Draken to
vrsken, werst se weren nich wedder kamen, un nu were allen de Mod
sunken, un drm were de Uplop un dat Geschrei in der Stadt.  Un Dom,
as he dat vrnamen hedd, red grad up dat Slott to, wo de Hertog
wahnde; denn he dachte bi sick: vrsken kannst du't mit dem Draken,
un mt et ook; denn wofr werst du woll tom Ridder slagen, wenn du't
nich mit Slangen un Draken upnehmen un fr gefangene edder
vrwandelde Prinzessinnen nich kmpen wust? un wer weet, ob disse
Prinzessin nich de Domsche Prinzessin is?  Un as he buten vr der
Slottporten hll, sach de Hertog en ut dem Finster, un let fragen,
wat des fremden Ridders Begehr were?  Un as Dom sede, he wull up
Lewen un Dood mit dem Draken striden, wenn de Hertog em sine Dochter
lawde un tosede, kam de Hertog herut un swur bi sinem Degen, he
schull de Prinzessin beholden, wenn he se dem Draken afwinnen knn.

Un Dom red strax gradeswegs wedder ut dem annern Dur herut up de
Strat, wo de Weg to der Drakenhhle ging.  Un as he een paar Stunden
reden hedd, markte he, datt he dem Draken nger kam; denn he kunn sin
Zischen so lud hren, as wenn man van wieden her eenen Strom den
Felsen herunnerbrusen hrt.  Un he settede sick im Sadel torecht un
lede sinen Speer in, un so red he up den grimmigen Draken los.  Un de
Drak let nich up sick twen, he was strax d un sprung gewaltig up
den Ridder los, un meende en mit Perd un Sadel to vrslingen; werst
Dom gaff em sidwards so eenen Puff mit dem Speer, datt he af springen
mt.  Un nu entstund een mchtiger Kampf, un Dom was bald mal van
sinem Ro herunner, un de giftige Worm sprung up en to; un he mt
all an sin Pusch denken.  Doch he schmde sick un sede: dausendmal
leewer dood, as dat Pusch gegen eenen Draken bruken, de keen Twerer
un Hexenmeister is.  Un he ermannde sick un nam sine letzte Kraft
tosam, un fung den Anfall van dem Draken so richtig up, datt sin
Speer dem Undeerd grad dr de Ribben fuhr, un et sick in sick
tosamkrmmde un terborst.  Un he let den dooden Draken liggen un ging
in de Hhle herin, un sin Hart hamerde em vr Bangigkeit gegen de
Ribben, ob he woll sine schne Prinzessin finden wrd.  As he se in
der Hhle nich fund, ging he wieder dr eenen langen dstern Gang.
Un as he dr was un wedder an't Licht kam, wurd he dat prchtigste
Slott gewhr, dat sine Oogen je sehn hedden; un dat was des Draken
Borg un drin hll he de schne Prinzessin vrslaten un noch veele
hundert annere schne Prinzessinnen, Frulen un Jumfern.  Denn dat
dchte dem Draken, derwiel he lewde, eene gewaltige Lust un
Herrlichkeit, datt de Lde van em seggen kunnen, he hedde dat Slott
vull van dem Allerschnsten, wat in siner Tid up Erden bloihde.  Un
hier mt Ridder Dom noch eenen harden Strid bestahn mit twee Lwen,
de den Hoff bewachten, un mit eenem Riesen, de an der Slottsport
stund un keenen Minschen inlet, de nich een Teken van dem Draken hedd.
De beiden Lwen erslog Dom swind un glcklich dr sine Behendigkeit,
werst mit dem Riesen hedd he eenen langen un swren Karnpf.  Eenmal
lag he all an der Erd dr eenen Stot, den de Ries em mit der Lanze
gaff; un de Ries tog all den Degen un wull em dat Letzte gewen.  Un
Dorn dachte tom tweeten Mal an sin Pusch, doch besunn he sick wedder
der Ehr un reep sick to: Pfui di an un nah mit dinem Pusch! un leewer
starw ehrlich un as eenem Riddersmann tokmmt! denn disse Ries hett
keene annere Kraft, as de in sinen Knaken sitt.  Un glcklich sprung
he up, ehr des Riesen Degen up sinen Nacken fll; un de Ries stund nu
hoch un stolt wer em, as de Eekboom wer dem Durnbusch steiht, un he
grappelde un wull Dom gripen; un hedd he'n grepen, so hedd he en as
eene Fleg dood drckt.  In dieser Noth besunn Dom sick nich lang, un
flink as een Eekhschen klatterde he an eenem Been des Riesen henup,
un krop in sinen hollen Schild, un satt d so sker as de Brms
tschen den Hrnern des Ossen, den se mit ehren giftigen Stichen dull
maken will.  Un as he sick hier in der skern Schulung torecht sett't
hedd, truck he sinen Dirk ut der Sched un gaff dem Riesen Stot up
Stot recht ut'm FF, datt em dat rode Blood van der Borst
herafrieselde, un eener dvan truff grad in't Hart.  Un don hedd de
Ries nog, un strtede hen, datt de Erd unner em dunnerde, un streckte
alle Viere van sick.  Dom werst lag up em un hedd sick bi'm Fallen
mit sinem eegnen Dolk vrwundt, datt dat Blood van em strmde.  Un he
was so matt van dem langen Strid un van dem Bloodvrlust, datt he
bleek un witt wurd as de Kalk an der Wand un bi dem Riesen im Bloode
henfll un d lag as een Dooder.

Un de schne Hertogsdochter un de annern Prinzessinnen un Frulen, as
se den Klang un dat Gerassel van den Waffen un dat Degengeklirr un
Speergesuse hrden, weren an dat Finster lopen un hedden sick nich
weinig vrfeerd, as se den ltten Mann gegen den groten Goliath in de
Bahn treden segen.  Un doch froiden se sick ook: denn, seden se, wo
keme de ltte Mann hier herin, wenn he den Draken nich werwunnen un
dalkmpt hedd?  Doch zitterden se vr dem Kampf mit dem Riesen.  As
nu de Ries henfll un de Erd unner em krachte, as wenn een Barg eenen
Infall dheed, juchten un josden se lud up vr Froiden un lepen all de
Treppen herunner, dem Awerwinner un Erlser Wellkamen to beden.
werst o Jammer un Noth! se erblickten den ltten Mann bi dem
groten im Bloode liggen as eenen Dooden.  Nu klung Ach! und Weh! wer
den ganzen Slotthoff, wo se wen eenen Froidenklang hedden anstimmen
wullt.  Un de schne Swabenprinzessin bedachte sick nich lang, un
bckte sick wer den bloodigen Dom, un klagede lud: O Weh! o Weh!
kmmst du, schner Jngling, arme Kinder to erlsen un mt hier so
in grner Jugend fallen?  Un as de Prinzessin so wer en wehklagde un
jammerde, wakte Dom, de in Ahnmacht un Beswimung lag, van den Klagen
up un nickte mit den Oogen.  Un de Prinzessin froidede sick un reep:
Gottlow!  Gottlow! d is noch Lewen in dem Riddersmann.  Un se terret
ehre schnen Kleeder un nam se un wickelde se m en, datt se dat
Blood stillde.  Un as dat schehn was, slung se mit fiew annern
schnen Prinzessinnen ehren Arm m en, un se drogen en de Trepp herup
un leden en in een schn week Bedd, un schenkten em Win in un gewen
em den to drinken, un setteden sick m sin Lager un makten schne
Musik, dmit sin matter Geist sick in em erquicken knn.  He lag
werst in groter Mattigkeit as im Droom un hrde un vrnam alles; man
datt he nich spreken kunn.  Un spader hett he oft vrtellt, in sinem
Lewen were em nich so ndlich to Mod west as don, as de schnen
Kinder in ehren weeken Armen en de Trepp herup drogen un mit Harfen
un Cithern m sin Bedd Musik makten: dat were west, as wenn he all im
Himmel unner den musicirenden Engeln un Hilligen seten hedd.  So lag
he in eenem anmodigen Droom un slep woll tein Stunden, bet de helle
Morgen anbrok un de ltten bunten Piepvgelken in den Bmen to
zwitschern begunnen.  D slog he de Oogen wedder to Glck un Lewen up
un sach de hellste Snn vr sick upgahn, de en all sin Lewdag
beschenen hedd.  De schne Swabenprinzessin satt heel alleen an sinem
Bedd, un de annern Prinzessinnen weren wedder in ehre Kamern gahn.
Un kum sach Dom se, un he fhlde in sinen Oogen un in sinem Harten
een Fr, datt en gr anmodig brennde, un he sede still bi sick: ja
ick bn de Dom, un disse Prinzessin is wahrhaftig de Domin.  Un de
schne Prinzessin empfund tor slwigen Stund dat Slwige, un as he
gr to spreken anfung, dcht ehr, nmmer hedd se eenen so schnen un
ridderlichen Jngling sehn.

Dat ging man sehr langsam mit Dom, datt he sick vrkoverde.  He mt
noch woll vier Weken in dem Bedd liggen un een par Mand in dem Slott
un in dem Slottgrden hermhinken, ehr he wedder frisch up den Benen
was.  werst wat was ditt fr eene lustige un froidenrike Tid! un
he hedd wnschen mgt, so all sin Lewenlang krank to sin un so eenen
sten Doktor un Feldscheerer to hebben, de em de Wunden vrbund.  De
beiden hedden den ersten Oogenblick, as se de Oogen gegen eenanner
upslogen, markt, datt se van Gott fr eenanner geburen weren.  In den
ersten Weken swegen se noch un kunnen ut dem to vullen Harten keen
Wurt loskriegen; werst de Hnd un Oogen sproken nog.  As vier Weken
vrleden weren, seden se sick, wo't mit en beschaffen was.  Un Dom
vrtellde der schnen Prinzessin, datt he as de Dom geburen were un
datt he noch veele un grote Gefhren bestahn mt, ehr he mit siner
Prinzessin vr dem Prester stahn knn.  Un de Prinzessin hrd ook gr
to nipp to un sede: Spreck nich so Slimmes; wo schull dat togahn?--un
de hellen Thranen lepen ehr dbi ut den Oogen.--Du bst jo nu min
Brdegam un krigst den Namen Prinz van Swaben, un warst mal Hertog
nah minem Vader; so hett he't dem vrspraken, de sine Dochter ut der
Drakenborg erlsen wrd.  Un mit dissen Wurden flog se em in de Arm
un kte un trutede en up dat leewlichste, as wull se seggen: Wat fr
unntze Gedanken? jag dine bsen Drm weg!  werst Dom schddelde
den Kopp un sach bedenklich dto ut, un sede: Mit Gott hew ick't wagt
de Dom to sin, un Gott ward mi't drstriden helpen; werst du schast
sehn, schnste Prinzessin, dat geiht nich so licht un angenehm, as du
di't verstellst; denn ss were de Geschicht vam Dom eene Fabel, un
dat is se nmmer.  De Prinzessin, as se dat hrde, wurd bla un bleek
as eene Lik, doch drckte se sick noch herzlicher an en, un sprack:
Nu as Gott will, min leewster allerleewster Dom! up mine Tru kannst
du Slott un Hser buwen, denn nmmermehr ward ick eenes Mannes Wif,
wenn't nich min Dom is.

Un as Dom wedder erfrischt un vrquickt was, rsteden se alles to un
nehmen des Draken Slwer un Gold, Perlen un Juweelen, Geschirr un
Wapen un all de herrlichen Perde, wovan he twee Stll vull hedd, un
makten sick up den Weg, datt se tom olden Hertog nah Zrich tgen.
Un de annern Prinzessinnen un Frulen, de Dom ook erlst hedd, seden
schnen Dank un Adje to em un to siner schnen Prinzessin un nemen
jede den Weg, wo se am swindesten to Hus kamen knnen.  As Dom nu mit
sinem prchtigen Uptog gegen de Stadt kam, vrwunderden sick alle
Lde, un se lepen un seden dem Hertog an: Kumm, Herr, un seh!  De
Ridder Dom hett whr un whrhaftig den gewaltigen Draken doodslagen,
un kmmt mit diner Prinzessin Dochter angereden un mit den
prchtigsten Perden un eenem langen Tog Wagen vull Kisten un Kasten
un all den Herrlichkeiten und Schtzen des Draken un Riesen.  Un de
Hertog vrwunderte sick ook, denn wiel Dom in Maanden nicks van sick
hedd hren laten, hedd he dacht: de is ook weg mit all sinen
Vrgngers, un mine Dochter ward in der Drakenborg woll gris un grag
warden mtten.  Un he ging en strax entgegen, un let en tom Wellkamen
piepen un trumpeten, un fhrde se in sin Slott; un Dom mt im Slott
bi em wahnen un hete een groter Herr.

So vrgingen een paar Weken in idel Lust un Froiden, werst de olde
Hertog let sick nicks marken van dem Wurde, dat he spraken hedd, as
Dom gegen den Draken in den Strit tog, un van der Hochtid mit der
schnen Prinzessin was't msken-mskenstill.  Ja he stellde sick ook
wunderlich an, as Dom de schne Prinzessin alleen un unner vier Oogen
sehn un spreken wull, un sede, datt sick dat gr nich gebhrde.  So
datt Dom in sick oft grimmig was un dachte: Worm bst du Narr nich
lnger in der Drakenborg un in dem Grden blewen? edder worm hest du
nich des Draken Demanten un Goldhupen namen un bst mit diner schnen
Brut hentagen, wo keen Hertog van Swawen wat mittospreken hett?  As
em ditt nu to swr up dem Harten lag un to lange durde, ging he eenes
Dages tom Hertog un begehrde sine Dochter van em, de he em tom Prise
utlawd hedd, as he den Stru mit dem Draken wagen wull.  Un de olde
Hertog was een Schelm un settede sick up dat hoge Perd un sede: ja,
ick hew di't vrspraken, dat will ick nich lgnen, werst ick dachte,
du werest en Prinz, un wer weet, ob du een goder Eddelmann bst; un
een Hertog van Swawen kann sine Dochter nich jedem ersten besten
Tolper gewen.  Wat Tolper? reep Dom vrbitterd, Ick bn ut so godem
un dchtigem Holt wassen, worut man Hertge diner rt woll to
Dutzenden sniden kunn; un wenn du nich den Mantel van dem Kaiser
drgst un nich Hertog werst un Vader der Prinzessin Dietlinde, ick
wull di minen goden Stammboom und mine Ridderschaft mit dem Isen in't
Gesicht malen un der ganzen Welt wiesen, wat in minem Lande Gelfte
gelden.  Un nu een kortes Ridderwurt: ick begehr, datt du dine Rede
god makst.  werst de Hertog was een slimmer Fickfacker un makte
noch veel Firlefanz un Finanz; doch gaff he sich toletzt so wiet,
datt he sede: Du schast mine Dochter Dietlinde hebben, Ridder Dom,
wenn du se im freien Turnier winnen kannst; denn een Turnier mtt ick
m se anstellen.  Mennig Prinz un Graf is hier west un hett m mine
Dochter worben; un wi hebben se reisen laten.  Nu denk, wat fr
Fehden, wo veele Fiende schull ick up den Hals kriegen, wenn ick se
mir nichts dir nichts eenem bloten Riddersmann gewe!  Topp! dat
schalt gelden! sede Dom, un slog in, dat schall de Vrdanz tor
Hochtid sin! werst man keen tweetes mir nichts dir nichts!  Ick
meene, ick hew minen Schatz ut dem Fr reten, un wer mine Dietlinde
begehrt, mag sick up goden Athem un faste Ribben schicken; denn ick
hew nich Lust een so hoges Spill as een blotes Narrenspill to spelen:
min bestes Blood is fr dine Dochter flaten, un so mgen se ehres ook
dran setten; tom Spa lat ick mi minen ehrlich gewonnenen Pries
whrhaftig nich afriden.

So gingen se half vrtrnd van eenanner.  Dom werst meldte alles an
de Prinzessin un schreef ehr: Een Schelm van Geburt ward nmmer
ehrlich, un wenn ick ook dittmal wedder winne, he bedrgt mi tom
tweeten.  werst dat mtt alles woll so schehen, as't in den olden
Leuschen steiht: de Dom drt sinen herrlichen Schatz so licht nich
gewinnen.  Un hllst du man in Tru un Leew ut, Dietlinde, so will ick
as Dom woll alles durchfechten; blifst du mine helle Snn, so kann mi
keene Unglcksnacht to dster warden.

Un de stolte Hertog van Swawen schickte sine Brewe mit Baden un
Ehreholden in alle Lnder un Stder ut un let utblasen un trumpeten,
in der Stadt Zrich schull m drei Mand een grot Turnier sin un de
Pris were de Prinzessin Dietlinde, sine eenzige Dochter un dat
schnste Kind, dat in dtschen Landen de Snn bescheen.  Un d kemen
veele Knige, Frsten, Prinzen un Herren; denn dat was een ster Pris,
de jeden Mund wtern maken kunn.  As se nu ankemen un sick
erkundigden un vrnemen, wo de Sak stund, reisten veele wedder dvan,
eenige ut Frucht vr dem Drakendder, datt he en een to swr un
scharp Isen fhren mgt, annere ut Frucht vr Gott; denn se seden: wo
knnen wi wagen un hapen in eenem unbilligen ungerechten Strid bawen
to bliwen? dem Ridder Dom kmmt de Prinzessin van Gottes un Rechts
wegen to.

Un de Schranken van der Rennbahn wurden an dem ersten Dage des
anfangenden vierden Mands updhan un de Strid schull beginnen.  Un Dom
red up, un he satt up eenem swarten Hingst ut des Draken Stall, un
lede sine Lanz in, un reep: Wer unnersteiht un lstet sick mi de
Prinzessin Dietlinde van Swawen aftowinnen, de ick mit minem Bloode
vom Riesen un Draken lst hew?  Heran! heran! heran! mi brennt dat
Hart im Liwe den Vrmtnen to tchtigen.  Un wat he ook whrschuwen
un up Gott un sin Recht wiesen mgt, doch weren, de heranreden.  De
Erste un Vrnehmste, de dat bse Stck wagen wull, was een Prinz ut
Wlschland, de Kning van Burgund, un Dom reep vull Grimm: Heran,
Herr Kning! heran! wenn ju der Hllen gelstet un ji mi afstriden
willt, wat min is.  Ick kenn de wlschen Glawen, werst ji schlt ook
dat dtsche Isen prwen leren.  Un de Wale wurd falsch un tcksch un
fuhr up en, as wenn de Blitz ut swarten Wolken schtt.  werst Dom
was fardig un de Grimm got em dubbelte Krfte in den gewaltigen Arm,
un he fung den ansprengenden Kning dermaten mit sinem Speer up, datt
he dr un dr ging un datt de stolte Herr mit Ro un Rstung in den
Sand herunnerklung un ook keen Teken van sich gaff, datt je Lewen in
siner Borst west was.  Un de Rters to Perde vrzugden sick, as de
Kning so flink ut dem Sadel kam un mit sinem Blood de Erd roth
farwde.  Doch satt de schne Prinzessin neben ehrem Vader dem Hertog
up eenem Erker wer dem Kampfplatz un funkelde in ehrer Schnheit un
Herrlichkeit mit dem Brutkranz up dem Kopp, un se mten woll vr
Schaam un Lust in den Schrecken henin.  Un d kam noch een Wale, un
dat was een Prinz van Schampanien, eenes mchtigen Hertogs Shn, un
he was binah een Ries un gult bi den Sinigen fr eenen gewaltigen
Kmpen, un hll so hoch un prchtig to Ro, datt de Prinzessin, as se
en upriden sach, fr ehren Dom bwerde.  Un he was so hoch van Liwe
un satt up eenem so hogen Perde, datt Dom neben em as een ltt
Jngelken utsach un datt ook annere as de Prinzessin fr Dom bwerden.
werst Dom was unvrfeerd un wurd noch grimmiger, as he dissen
langen Recken sach: Un he reep em to: Bst du hoch un lang as Knig
Oss to Basan, du schast herunner un de Erd kssen!  Vagel, ick kenn
dine Feddern un hew se all flegen sehn; du hest eenmal in Mailand an
Sant Ambrosius vr mi streeken; ht mtt dat wlsche Blood up
dtsches Isen lstern wesen.  Un he gaff sinem Hingst de Spren un
dheed eenen rechten Domschen Anlop, un Mann un Ro gingen vr em
toghek in den Sand, datt dat stwde; un se drogen den Wlschen mit
een paar terbrakenen Ribben vam Platz.  Un de letzte, de't m de
Prinzessin Dietlinde wagen wull, was een Prinz ut Dennemarken, un as
de ook bloodig ut'm Sande upsammelt wurd, hll de Drakendder Dom
alleen d, un he bleef ook alleen.

Un as alles vrbi was un de Trumpeten den dappern Dom as Sieger
utblasen hedden, ging he up den Hertog to un begehrde sine Dochter,
de he ook ditt tweete Mal, wat he gr nich ndig hett hedde, wedder
wunnen hedde.  werst de Hertog de Schalk strwde sick un tierde
sick sehr ungebrdig, un sede: Nu kann't noch weiniger schehn as dat
erste Mal--wo knn ick die nu woll mine Dochter gewen?  Ligt nich de
Kning van Burgund dood d? un hebben de den Prinzen van Schampanien
nich mit terbrakenen Ribben wegdragen?  Wenn ick di mine Dochter gewe,
denn mt ick't mit ganz Burgund un mit dem mchtigen Schampanier
upnehmen; un dat kann ick nich un mag ick nich.  Un wer bist du? un
wo is dine Macht? wo snt dine Ridder un Mannen, de di to Dausenden
totehn knen?  Un nu sadel up un mak, du Ridder van dem blanken
bunten Bloomenfeld, datt du mi ut dem Land un ut dem Weg kmmst, un
dat Unglck mit di wegnimmst!  Denn wenn de Snn di noch viermal in
minen Grnzen beschient, so bst du een Kind des witten Doodes.

Un Dom antwurd'de em: Hew' ick nich vrutseggt, du wrdst tom tweeten
Mal een Schelm an dinem Wurd werden, un werst du nich Dietlindens
Vader, so schull ditt redliche Isen dine falsche Seel eenmal up sick
zappeln laten, as Jungens Ketelbters up Nateln zappeln laten.  Darm
will ick nu reden; werst ick kam wedder, un weh dem, de't wagt nah
Dietlinden de Hand uttostreken!  Hier liggt min Handschoh un sin
bleeker Dood!--Un he smeet den Handschoh vr dem Hertog in den Sand.
Un don makte he sick strax up, un red ut dem falschen Hawe weg; denn
he dachte bi sick: Nu snt veele Dusende d, un ick kann en nich
dwingen; werst de Dom bn ick, un Dietlinde mtt min warden.  Un he
red ut des Hertogs Grnzen un vrstack sick eenige Weeken in eener
afgelegnen Wildni, bet de Tid keme, wo he wedder mkehren knn.

Un disse Tid kam bald.  Dom erfuhr, datt de Hertog mit sinem Hawe un
siner Dochter up een Jagdslott gahn was, dat nich wiet vam Rhine bi
der Stadt Baden lag.  Un he sprack to sick slwst: Nu rid hen un nimm
di dat Dinige, wat de olde Schelm di vrenthlt; denn he ward keen
grot Geleide bi sick hebben, etwa een paar Schildknappen un Jgers,
un wunderlich mt et togahn, wenn de't mit di wagen schullen.  Un
Dom red eenen Middag in dat Slott in, as de olde Herr un sine Dochter
Dietlinde to Dische seten, un in vuller Rstung den blanken Degen in
der Hand trat he in den Saal, un ging hen, wo Dietlinde satt, un sede:
Stah up, mine Brut, un folg dinem Brdegam; denn de Tid hett
Flchten fr uns.  Un he nam se an der Hand un se ging mit em.  De
olde Hertog werst zitterde un bwerde vr Schrecken un Wuth, un reep
sinen Lden to: In de Wapen! in de Wapen! up den Deef! up den Deef!
Un et wurd een gewaltiger Larm im Slott, un se bewehreden sick.
werst as de Drakendder sin Isen swung un reep: Man her! man her!
wer hett Lust up eenem harden und kolden Bedd to slapen? weeken se
all torgg, as de Hund vr eenem Lwen, wenn he brllt.  Un Dom
lftede sine Brut in den Sadel un swung sick to ehr up un
galloppeerde dvan.  Un de olde Hertog let achter en herjagen un
eenen gewaltigen Schrei maken un mit allen Klocken van den Thrmen
lden.  werst wat hulp em dat?  Nms hedd dat Hart antobiten un't
mit dem Dom to vrsken, und se seden: Wat geiht et uns an?  De Dwel
mag striden mit dem, de Riesen un Draken dden kann; worm kmmt de
Hertog nich mit up de Jagd, wenn de Wulf so licht to fangen is?

So red denn Dom dvan mit sinem dren un dr gewonnenen Schatz; un as
se woll fief Mil reden hedden, kemen se an een Hsken midden in eener
wilden Horst.  Un hier erinnerde sick de Prinzessin, datt se vr een
paar Jhren up der Jagd mit ehrem Vader achter dem Hsken up eenem
grnen Brink seten un Erdbeeren plckt un geten hedd.  Un se settede
sick up derslwen Stell hen, datt se sick een beten utrauhde van dem
swren Ritt.  Un wat geschach hier?  Kum hedd se een paar Minuten im
Grase seten, so schot een swarter Vagel, eener Kraih edder eenem
Rawen gliek, ut dem Busch herut up se to, un de Prinzessin schreide
ludes Halses, as keme dat grtste Unglck heran.  Un Dom sach sick m,
un weg was se--un he sach een lttes buntes Vgelken flegen, un de
swarte Vagel flog achter en her un jagde en.  werst wo was de
Prinzessin blewen?  Dom stund vrbast un gapte mher, un wte nich,
wo em geschach un ob he drmde edder wakte.  Un disse Geschicht
vrhll sick so:

As de Prinzessin dat erste Mal hier west was un up dem grnen Brink
seten un geten hedd, was een hoger billiger Festdag west, un se hedd
geten un nich bed't; un dat hedd de olde Hex utlurd, de in der ganzen
Gegend hermstreek, un hedd ehren Gesellen den Befehl laten,
uptopassen, wenn de Prinzessin mal wedder keme up de Stell: denn nu
hedd se eene Macht an ehr, wiel se an eenem so hogen Dage dat Gebet
vrgten hedd.  Un so was't nu schehn, datt se sick in eenen Rawen un
de Prinzessin in eenen Stieglitz verwandelt un dat arme Kind so lang
dr alle Bsche jagt un ngstigt hedd, bet se se in eenen vrtwerten
Grden dreef, worin veele sonne bunte Vgelkens lewden, de up
Erlsung hapten.  D mt Dietlinde nu sitten un trurig singen; denn
lustige Stckchen piepen was ehr woll vrgahn.

Dom stund noch lang d, as wenn he vrsteend was, un rhrde sick nich,
un gapte un gapte.  Toletzt fung he allmlig an sick to besinnen, un
reep: ick Narr, datt ick hier stah un dat Mul upsparre, as wenn't
goldne Gapppel vm Himmel regnede, de ick fangen wull!  Ja woll! ja
woll!  Himmel, du spreckst eene to dtliche Sprack mit mi: Ick bn de
Dom, un ick will de Dom bliwen un mit Gottes Hlp alles utfechten.
Denn hebben wi't nich wedder un knen't mit Hnden gripen?  Is nich
de Dwel un sin Heer wedder up'm Platz? un mtt sick datt nich alles
so dull un kunterbunt begewen, damit de Dom prwt ward?  O du min
stes stes Vgelken in dem bunten Rock!  Holl di man wacker!  Ick
will di woll finden un erlsen, un schull ick de Welt drchriden bet
tor Stell, wo se mit Bredern tonagelt is.  Se schalt doch min bliwen
un ick will een Prinz warden.  So sprack he mit sick slwst, swung
sick up sin Ro un red wieder dr den dicken Wold, ahne to weten,
wohen, bet de sinkende Nacht ehren swarten Mantel wer de Erd deckte.
Don steg he aff, led sick unner eenen Boom un sleep in; sin Perd
werst ging bi em im Grase.  Un he dheed eenen dchtigen Slap, un as
he wedder upwakte, stund de Snn all hell am Hwen, un de Snn in
sinen Gedanken scheen ook een beten klrer.  He settede sick hen in't
Gras, lede den Kopp nahdenklich in sine beiden Hnd, un dachte un
dachte, wo sin buntes Vgelken woll henflagen sin knn.  Un as he een
paar Stunden so grwelt hedd, sprung he pltzlich up, slog sick vr
den Kopp, un sede: Du Dummkopp! wo ist't henflagen as in den
Twergrden, worwer de olde Hex de Gewalt hett?  Hest du denn de
Geschichten van den vrrigen Doms umss vrtellen hrt?

Un he settede sick wedder to Perd un red frisch furt, bet he in een
Drp kam; d frog he, ob se em nich seggen knnen, wo eene olde Hex
wahnde.  Un se wten't nich edder muggten't ut Angst nich seggen.
Un so is he lang lang hermreden un hett in allen Drpern in un m
den groten Wold fragt, un nms hett em klren Bescheid gewen knnt,
bet he toletzt in een Drp kam dicht an dem Barg, den se de Swbische
Alp nmen, kamen is.  D trughe eene olde Fru, de to em sede: Ick
will em't woll seggen, wo de grote Hex wahnt, de hier herm so
menniges Jhr ehr dulles un gefhrliches Wesen driwt.  De sitt d
bawen up dem Barg up der tersten Spitz, wo de meiste Tid Snee liggt;
werst wer hett ehr Hus sehn, un wer hett dat Hart sick dhen to
wagen?  Dat mt een rechter Isenfreter sin.  Un Dom antwurdede ehr
heftig: Dat Hart hew ick un de Isenfreter bn ick.  Un de olde Fru
sach en an un vrwunderde sick un sede: Nog sht he keck ut, werst
et were eene Snd un Schand m son hbsches junges Blood, wenn he in
ehre Nett gerde.  Dom werst gaff sinem Perde de Spren un
galoppierde den Weg hen, de to der hogen Alp fhrt.

Un underwegs bedachte he bi sick, wo he't mit der olden Hex anfangen
schull, un sede.  Vrnehm drst du nich erschienen, denn markt se
Unrath.  Un he red torgg wedder in dat Drp herin, un vrkffte sin
Perd un sine Rstung un sine prchtigen slwernen un goldnen Kleeder,
un tog eenen Burkittel an un nam eenen slichten Stock in de Hand, un
ging so des Wegs henup, un sede: Ick will as een Knecht kamen un mi
recht dumm un plump stellen, un mi bi der olden Hex vrmeden; so seh
ick am besten, wo dat d tosteiht un ob ick ehr nich tschen ehre
Knste spelen kann.  Un so ging he den ganzen Dag un den tweeten
halwen Dag, d kam he hger up den Barg, wo dat heel kahl un felsig
was un de kolden Winde dr kleene trurige Bsch un vrfrren Gras
peepen.  Un nich wiet dvan sach he eene noch hgere Spitz; de
klatterde he mit veelen dusend Sweetdruppen henup, un keek toletzt
van bawen an der annern Side in een grnes Dal henaf, dat sehr lustig
utsach un wo Hser mit hellen blinkenden Finstern schemerden un
anmodige Bme in der Bloiht stunden.  Un he sede to sick: D hebben
wi't.  Un as he dat Wurd kum utspraken hedd, stund de olde Hex vr em
as een schrumplich krchich Wief un frog en, wo he her keme un wo he
hen wull.  Un he antwurd'te: Ick bn een junger Knecht, de sick wat
vrsken will, un ick hew hrt, hier achter'm Barg wahnt eene rike
Eddelfru, de sehr vrnhm un mchtig is; bi der mgt ick gern Deenst
nehmen.  Un de olde Hex sach en glupsch un listig an un sede: De
Eddelfru bn ick, un ick hedd woll eenen Knecht ndig, werst di kann
ick nich bruken: du shst mi to blank un glatt ut un rckst mi to fin.
Adje mit di!  Un dmit vrswund se dr de Bsch, as een Wind
hensust.

Un Dom stund d un frur un argerde sick.  De olde Hex hedd werst mit
ehrer Ns de Witterung upfongen, datt he eene grote Kunst an sick
hedd, un dat was de Ring van dem Dwarf; dvr was ehr bang, un
deswegen hedd se seggt: ick kann di nich bruken.  Dom vull Hunger,
Arger un Vrdret ging wedder bargaf den Weg, den he mit so surer
Arbeit herupstegen was, un he sunn veel un lang hen un her, wo he't
anfangen schull, datt he de olde Hex doch belurde un begigelde, datt
se en as Knecht in Deenst neme.  Un he ging hen un kffde sick Botter
un Theer un makte eene swartbrune Salw drut, besmeerde sick Hut un
Gesicht dmit, un lede sick een paar Dage in der brennenden Snn hen
un let sick recht brun van ehr inbrennen un braden; ook kffte he
sick eenen terretenen Kittel un tersletene Schoh un slichte Strmp,
un halde sick Dwelsdreck van eenem Apotheker, un den drog he in der
Tasch.  Denn he hedd oft hrt un lesen, datt de Hexen un
Hexenmeisters an dissem Gestank eenen snnerlichen Gefallen hebben un
all oft dmit lockt un bedragen snt, as man de Duwen mit
Aniskgelken in den Slag lockt.  Un dat is keen Wunder; denn dissen
Stank sammeln se im Muhrenlande up, wo de olde Fiend en hett gliden
laten, as de Erzengel Michel en mit dem blanken Swerdt im Nacken dr
de Wste jagde.

Un as Dom sick so inredet un vrmascherirt hedd, nam he sinen Stock
in de Hand un klomm wedder bargan, wo de Oldsche em begegnet was.  Un
se was strax d un sach gr frndlich un fichlich ut; denn de ste
Dwelsdreck lockte se heran un erfroide ehr den Mod, un vr sinem
benebelnden Gestank kunn se nich rken, datt he de grote Kunst an
sick drog.  Un disse tweete Knecht gefll ehr wermaten woll, un se
wurden beid up een Jhr eenig, datt he ehr as Husknecht denen un Holt
hauen, Water dregen un alle Husarbeit verrichten schull.  Un he ging
mit ehr van der woisten un kahlen Sneespitz herunner woll eene gode
halwe Mil, un sach, dat et d unnen im Dal wunderschn un anmodig was,
warm un grn un vull der schnsten Blomen un Frchte, een Land as
een Paradiesgrden, un datt de olde Hex in eenem Slott wahnde, so
grot un prchtig, datt et dem mchtigsten Kaiser nich to slicht west
were.

Dom, de van Natur sehr klok un klipp was, hedd bi sick alles woll
bedacht un utreknet, up wat Wis he sine Kunst hier spelen mt, datt
he sick nich vrrde, wer he were.  Den stolten Dom un den khnen
Riddersmann mt he bi Hexen un ehren Gesellen hbsch in de Tasch
steken un de Gelegenheit afluren, wo he dat schne bunte Dwelsnest
terstren un sine schne Prinzessin erlsen kunn.  Un he stellde sick
unbeschriewlich dumm un dsig an, werst dheed alles, wat em befahlen
wurd, mit dem genausten Gehursam, un bi siner Jugend un gewaltigen
Strke kunn he woll fr Drei arbeiden.  So datt de olde Hex to den
Ihrigen sede: Hedd ick dem Dickkopp doch up tein Jhr dat Medgeld
gewen! un schull ick em dat Lohn dreimal vrdubbeln, ick mi en nich.
Denn arbeiden un slawen kann he fr Ss, un dumm is he, o wo
prchtig dumm, datt ick em inbilden kann, de Kater is eene Mus, un he
glwt et.

Wiel se nu meende, Dom were stockdumm un knn nich hren noch sehn,
let se em den freiesten Willen; un he durft an allen Stellen gahn un
alles betrachten un utspioniren, un se hedd keen Arg drut.  So kam
he ook in den Grden achter dem Slott, wohen nmmer een Knecht edder
Magd kamen was.  Doch dhen kam he nich dr den Glowen an sine
Dummheit, sndern dr sinen Ring.  Denn dat was een Twergrden,
wohen keen Minsch dringen un den keen Minsch sehn kunn, de nich eene
heemliche Kunst hedd.  Un Dom hedd de Kunst an sinem Finger, un wut
nich, datt he dr den Ring in den Grden kam un den Grden slwst un
wat drinn was sehn kunn.  De Ring hedd ook de wundersame Natur, dat
he em alleen sichtbar was un ss keen menschlich Oog en erblicken
kunn.  Un Dom fung dat klok an, un ging man hen, wenn he wt, datt
de Oldsche mit den Ihrigen ut was.  D sach he denn de hbschesten un
schnsten Prinzessinnen un Jumfern as Krder un Blomen grnen un
bloihen un as bunte Vgel zwitschern un singen.  He sach un keek
werst man nah den Vgeln.  Un kum was he d, so kam sin buntes
Vgelken angeflogen un settede sick dicht bi em up den Boom un sung
een gr truriges Leed; werst gripen let et sick nich van em.  Un he
kennde dat strax an sinem Gesang un an der trurigen Stimm, womit et
sine Vrwandlung beklagde; un em wurd so wehmodig, he mte weggahn
un weenen, datt de schne Prinzessin Dietlinde een Vagel worden was
un ehren Dom kum noch to kennen scheen.  werst bald besunn he
sick wedder un sede: Bst du nich de Dom un mtt dat nich so wesen?
un darm vrmuntre di un nimm din beten Bregen tosam, damit du den
Eddelmannsdom ordentlich drbringst.  Un he ging veel in den Grden
un brcht dem Vgelken schne Saken to ten un sprack em to; un dat
Vgelken nickte unnerwielen mit dem Kppken, as vrstnd et sine Rede,
werst spreken dheed et nich un kunn ook nich spreken.

So vrgingen een par Mand, un Dom hedd sick alles utkundschaftet un
wat de olde Hex buten un binnen dem Slott bedref.  D wurd se endlich
gewhr, datt de tweete Knecht ook de erste was, den se up dem Barg
funden un wedder wegschickt hedd.  Un dat geschach dr den Geruch.
Denn de Hexen hebben de allerfinsten Nsen nchst dem Dwel, de eene
superfine Ns hett, as he ook de allerlistigste Geist is van allen,
de van Gott affallen snt.  Dom hedd sinen Dwelsdreck jmmer noch bi
sick dragen, werst de Geruch was van Weke to Weke swaker worden, un
toletzt hedd de Oldsche de Kunst wedder dadr raken.  Un se sach nu
woll, datt se van dem Knecht bedragen was un datt he woll keen Knecht
were un hier nu woll wat heel Anners schte as Knechtsdeenst bi eener
olden Hex.  Un se frchtede sick sehr vr em; denn dat markte se,
datt de Kunst, de he bi sick drog, mchtiger un gewaltiger was as
ehre Kunst, un drst en deswegen nich anrhren.  Un darm sunn se ut
allen Krften drup, wo se en mit Listen wedder wegbringen mgt, denn
se sede bi sick slwst: Twee Mand is he all hier, un ick hew nicks
markt, un dat Jhr is lang; wat kann de Schelm nich im Sinn hebben?
wat kann he mi noch anrichten?

Un as se alles bi sick woll bedacht un beraden hedd, reep se den
annern Morgen froih: Dom bst du d? un Dom sede: Ja, gndige Frau,
un kam dumm un tlplich herangesprungen.  Un de olde Hex was sehr
leidig un sede to em, he were to god Knecht to sin un so swre un
gemeine Arbeit to dhon; he schull leewer in de Welt gahn un sick wat
Beteres vernehmen; se wull em gern sinen ganzen vullen Jhrlohn gewen,
un hundert Krondaler dto, un he knn morgen im Dage afgahn: denn
ehr jammere, datt een so hbscher Minsch Knecht sin schull.  He
werst gaff ehr tor Antwurt: Ick hew so minen egnen Kopp in minen
Dingen, min Jhr mtt ick utdenen, un denn ward woll wat Anners
schehn; un ick will ju man seggen: ick gah nich un kann nich gahn, un
wenn ji mi alle juwe Schtze gewen wullt.  Un as de olde Hex dissen
Bescheid bekam, wurd ehr gr bang, un se frchtede sick noch veel
mehr.

Un den annern Morgen klung dat wedder: Dom, bst du d?  Un he
antwurd'te: Ja, gndige Frau, un sprung flink as de Wind hen, woher
se reep.  Un se was noch veel frndlicher as gistern, un as se lang
mit em spraken un em mit sten Wrden m den Brt fichelt hedd, sede
se: Ick seh woll, ick hew di gistern nich gehrig behandelt, ick hew
eenem Minschen, as du bst, to weinig baden, un Gott hett di so
schapen, datt du as een Herr un Eddelmann mt lewen knen; darm sh
hier! dvan steck di alle Taschen vull un nimm so veel, as du wist,
un denn gah in Freden.  Un se wieste em eenen ganzen Schepel vull
Dukaten.  Un Dom stellde sick dumm un ungelehrig un sede: Ick hew dat
so god bi ju un dat gefllt mi hier so woll, datt ick min Jhr
utdenen will; ehr gah ick nich.  Wat Geld un Dukaten!  Un dat olde
grise Unglck bet de Thnen tosam, un sweg, un sach doch noch
frndlich dbi ut, un ook Dom let sick nicks marken.

Un se grbelde lang hen un her un besprack sick mit den wisesten
Hexenmeistern.  Denn datt Dom eene gewaltige Kunst hedd, kunn se an
der Angst in ehrem Liwe fhlen, wenn he ehr sehr nah trat.  Un se
wurden eenig wer eenen nen Pfiff un Kniff, womit se en to fangen
hapten, un de Oldsche rstede sick, et int Werk to richten.

Un as Dom den drdden Dag upstahn was, klung dat wer den Slotthoff:
Dom bst du d? un he antwurd'te: Ja, gndige Frau, un stund ter
Stund vr ehr.  Un de olde Hex sprack to em: Min leewe Frnd, ick hew
sehr unrecht dhan an di un an mi, datt ick di, den schnsten
strksten Mann, van mi laten wull.  Un nu hew ick mi mit Gott
besunnen un eenen betern Fund funden, de uns beiden gefallen kann, un
dat is mine ldste Dochter.  Ick hew lang markt, datt di dat hbsche
Kind gefllt, un deswegen eben, bild ick mi in, wullst du nich van mi
tehn; un nu will ick se di tor Fru gewen, un wi willen noch ht Awend
eene lustige Hochtid holden, un ut dem Knecht schall een Herr warden.
Denn bliwst du doch gewi bi uns.  Un Dom sede: Juchhe! ja gewi,
gndige Frau, un dat schall een Wurd sin!  Un de olde Hex ging lustig
weg, un rstede de Hochtid to.

Se wullen werst eenanner alle beid bedregen, un deswegen ging disse
Hochtidshandel so swind un willig.  Dom hedde van Anfang an sine
Dummheit vrstellt, un drm stellde he sick ook nu, as dcht em de
ldste Dochter der olden Hex as dat schnste Frulen up Gotts
Erdboden.  Dat was se gewilich nich: se was dwargig pucklich un so
hlich, datt Katten een Gruwel vr ehr ankamen kunn.  De Oldsche
werst dacht en dr de Dochter to fangen, un hedd ehr Bescheid seggt.
Denn so sede se to ehr: Dchterken, min wittes Dchterken, hr nipp
to: Disse Minsch, unser Knecht, hett eene Kunst, de gefhrlich is un
uns all umbringen kann; un drm schast du disse Nacht in sin Bedd
stiegen un em't afluren, wo se sitt.  Denn weeten wi dat, so hebben
wi den Schelm fast un he schalt uns keene Mse mehr maken.  Drm,
wenn he ht Awend mit di to Bedd gahn will un vam Hochtidswin un van
Leewe woll betippt is, denn bidd en m sine Heemlichkeit, un hest du
se em aflurt, vrgt se mi jo nich, dmit wi siner Meister warden un
dat Spill mkehren knen.

Un dat wurd eene lustige un dulle Hochtid, un d fund sick allerhand
Volk in, dat des Nachts m Galgen un Rad slikt un m den Blocksbarg
danzt; werst hier weren se alle vrnehme Herren un Damen un treden
in Gold un Siden up; un Dom de Brdegam stellde sick, as hll he se
dvr, un tierde sick sehr dumm un apisch, as hedd he sonne Pracht in
sinern Lewen nich sehn, un dheed grausam vrleewt mit siner Brut.  As
nu de Hochtidsdanz utdanzt was un Giger un Piper swegen, un de beiden
in ehre Kamer inslaten wurden, un Dom mit siner schnen Brud to Bedd
gahn schull, d ergrimmde he as een rechter Simson in siner Kraft
denn et leep em dr sine Gedanken, wo sine Prinzessin Dietlinde as
een bunter Vagel nu in Truten hermflegen un piepen mt.  Un he nam
dat Hexenkind, dat en kssen wull, un drckte se mit soner
Leewsgewalt an sine Borst, datt se as dood tor Erd fll.  Un nich
eene Sekund lag se d, un nicks was mehr van ehr to sehn, un statt
ehrer leep eene olde grise Katt herm un miaude jmmerlich.  Un Dom
lachte vr Froiden un reep: Nu seh ick wedder klrlich, datt ick de
Dom bn.  Un he greep de Katt un hll ehr den Swanz an dat
Hochtidslicht, datt he brennde, un don smet he se ut der Dr.

Un de Katt was in Angst un leep de Trepp herup bet unner dat Dack.
D lag Stroh un Hemp un Fla, dat kunn den brennenden Swanz nich
vrdregen un fung ook an to brennen un stack dat Slott an.  Un so
wurd et een gewaltiges Fr, un in eenem Oogenblick stund dat ganze
Slott in Flammen un brennde lichterloh, un Dom un all de annern
mten maken, datt se herut kemen.  Un as Dom buten stund un de
Hexenburg brennen sach, wat fr Gesindel wurd he dr gewhr, datt he
sick hedd segnen un krzen mt, wenn em sin starkes Herz vr Frucht
hedd bwern knnt.  D sach he veele dusend Bessenstelrters un
Zegenswestern mit Spannen un Btten, de Water drogen un lschen
wullen un een grausam Gewinsel un Geschrei makten.  werst alles
mss; dat Nest brennde dal bet up den Grund un't bleef keen Steen up
dem annern.

Un dat klung wer den Hoff Dom bst du d?--Ja.--De Schuld an miner
ldsten Dochter is?--Ja.--De Schuld an min Hus is?--Ja.--Un in eenem
Oogenblick was Dom d.  Un de olde Hex drog een swartes Trurkleed un
stellde sick sehr bedrwt, werst gegen Dom dheed se so frndlich as
jmmer, un sede: Segg, min Herr Shn, wat kannst du mi van dem
Unglck vrtellen? un wo ging dat to?  Un Dom antwurd'te: Ach!  Ach!
mtt ick ropen un Weh!  Weh!  Dine Dochter was ook gr to swack, un
as ick se an min Hart drckte, d bleef se mi in den Armen dood, un
ick weet nich, wo se stawen un flagen is, un ick sach man eene Katt
in der Stuw hermspringen, un de slog ick, un se kam dem
Hochtidslicht to nah un stack sick den Swanz an, un leep ut der Dr,
un de mtt mit dem frigen Swanz dat Slott in Brand set't hebben.
Dat is alles, wat ick weet.

Un de olde Hex was vull Leed un Sorgen, datt ehre Dochter msnst
mkamen was, un se sede to ehren Frnden: Ick mtt un mtt sine Kunst
weeten, denn se is uns gr to gefhrlich; dat mtt herut, un schull't
mi mine jngste un schnste Dochter kosten.  Un se hedd noch drei
Dchter, un de jngste van en was hell un schn as dat Licht, werst
falsch un listig as eene Slang.  Un de olde Hex dachte: de ward em't
woll aflocken un sick to hden weeten.

Un dat afgebrennte Slott schull wedder in schnerer Pracht as tovrn
dstahn, un man sach een rechtes Wunder: veele hundert Wagen, de Holt
un Steen heran fhrden un veele dusend Timmerlde un Murer in Arbeit,
un in weinigen Dagen stund de Hexenborg in junger Pracht wedder d.
Un de olde Hex sprack mit Dom m de tweete Hochtid, un Dom stellde
sick sehr froh drwer un sprung un danzte vr Froiden, un reep:
Juchhe, lustig!  Juchhe Hochtid! wat krieg ick fr eene schne Brut!
Un se smden nich mit dem Hochtidsdag, un as Spill un Danz vrbi was
un as't ltt so slan anfung, gingen de lustigen Brutlde in ehre
Kamer; un de Brut dheed utermaaten hbsch un frndlich mit Dom, un
een lttes lttes Hndeken leep achter ehr her un wedelde lustig mit
dem Swanz.  Dom kennd et werst woll un hedd et towielen achter der
olden Hex sliken un wippern sehn, un et munkelde, dat Hndeken wer
een vrborgner Buhle van ehr un se knn't verwandeln, wenn se wull.
Un as Dom dat Hexengesindel in siner Stuw hedd, makte he een
grimmiges Gesicht, slot dicht to, un packte den Hund un sede:
Hndeken, hebb' ick di, wo ick di hebben wull? un shst du? hier is
een Stck Isen--dat ward din Dood, wenn du nich up mine Brut
losgeihst un se so lang mit dinen Tehnen kettelst, bet ehr alle
Brutlust up ewig vrgahn is.  Un de Hund wull nich dran, werst Dom
slog en hart, un de Hund ging up de Brut los un bet un terret se so
lang un so frchterlich, bet se jmmerlich as eene Lik d lag.  As
dat schehn was, nam Dom eenen Strick, slung en dem Hund m den Hals,
un hngd en im Finster up, datt he herut bummelde.

Un as de Dag anbrack, kam de olde Hex up den Hoff un sach ehr leewes
Hndeken as eenen Schelm am Strick hngen.  Un se fll bi dissem
Anblick up de Erd un makte een jmmerliches Gewinsel un Gehl, un
veele annern hlden mit, un se schreide: O weh! o weh! o Unglck wer
Unglck! ick arme olde Fru! datt mi datt in minem Lewen wedderfhren
mt!  Un bst du denn dood, min buntes Hndeken? du schnstes
frndlichstes Hndeken, dat in der ganzen Welt was? o weh! o weh! ick
arme Fru!  Un wo is de Schelm, de mi dat dhan hett?

De Schelm bn ick, sede Dom, un trat to ehr un stellde sick sehr
trurig.  Dem Hund, de d im Morgenwind so lustig hen un her bummelt,
is man sin Recht schehn, he wurd dull un fll wer mine Brut her, as
se sick uttehn un mit mi to Bedd gahn wull, un he hett se so grimrnig
beten, datt se dvan den Dood nahmen hett; un dafr hngt he im
Finster.  Un kumm nu, un seh slwst to.--O weh! o weh! mine schnste
Brut! un du vrdammtester aller Kter, de je up drei Beenen humpelt
hebben!  Un he nam de Oldsche bi'm Arm un fhrde se herup in sine
Brutkamer, un d lag de schne Brut in ehrem Bloode as eene Lik, van
dem Hndeken terbeten un terreten.

Un de olde Hex vrfeerde un vrschrack sick gruwelich, un sprack keen
Wurd mehr wer disse Geschichten, un let de beiden Dooden wegnehmen
un still begrawen.  Ehre Angst m Dom wurd werst van Dage to Dage
grter van wegen siner Kunst un datt se em se nich afgewinnen kunn.
Un se let en jmmer mehr beluren bi Dag un bi Nacht, un toletzt
vrtellde een wittes Msken ehr, se hedd den Dom mal in dem Grden
sehn un mit dem ltten bunten Vagel Stieglitz spreken.  As se dat
hrde, froidede se sick, un sprung vr Froiden woll een paar Faden
hoch in de Luft, so flink un lustig, as hedd Belzebub slwst up'm
Blocksbarg den Vrdanz mit ehr begunnen; un se reep vr Lust eenmal
wer dat anner: Ahe! bst du de Dom, wovan mi drmt hett, wogegen se
mi whrschuwt hebben? bst du de starke Dom, de Drakendder un
Riesenmrder?  Nu schast du mi woll heran, nu schast du woll tam
warden un mi mit diner Kunst herutrcken.  Un kum was dat witte
Msken wedder to Loch krapen, so scholl dat wer den Slotthoff--_Dom
bst du d?--Ja.--De Schuld an miner ldsten Dochter is?--Ja.--De
Schuld an minem Huse is?--Ja.--De Schuld an miner jngsten Dochter
is?--Ja.--De Schuld an minem bunten Hndeken is?--Ja_.--Un Dom stund
vr ehr.

Un se sach nich so frndlich ut as ss, un sede to Dom: Hr, Knecht
un Shn un Swiegershn, edder mit wat fr'n Namen schar ick di ropen?
Du hest mi bedragen mit dinem terretnen Kittel un diner brunen
Kopperfarw un dem Dwelsdreck; un ick weet, du bst van Geburt keen
Knecht un Dener, un hrst Herren an.  Ick will di up den Kopp seggen,
wer du bst: du bst de gewaltige Ridder Dom, van dem ganz Swawenland
den Mund vull hett.  Un du hest eene Kunst, de knstlich nog is;
werst bild di drm nich in, datt ick mi vr di frcht.  Ick vrstah
ook eene Kunst un hew een Stckschen van eenem bunten Vgelken singen
hrt, dat jmmer in minem Grden piept.  Mit dissen Wurden sweg se un
sach Dom mit hellen hellen Oogen an, as wull se em in't Hart bhren.
Un Dom vrfeerde sick un wurd rod un bleek, as he van dem bunten
Vgelken spreken hrde.  Un se ergtzte sick dran un sede denn wieder:
Herr Dom, du markst woll, ick weet alles, un lat uns nu vrnnftig
sin un nich lnger gefhrlich Spill mit eenanner driwen; dat Eene
mtt un schall gegen dat Annere upgahn.  Du giwst mi dine Kunst, un
ick gew di dat bunte Vgelken, dat du woll weetst, un se schalt strax
as de schnste Prinzessin ut minem Blomengrden vr di treden.  Un de
Vrskung was grot, un Dom stund eenen Oogenblick in Twiwel, ob he
nich inslan schull; werst denn dacht he wedder dran, datt he de Dom
were un mit keener Hex handeln drft--un sine Antwurt was: Ne, mine
Kunst gew ick di nich un dinen bunten Vagel kannst du beholden.  Un
de olde Hex ging weg, un sede im Weggahn to em: Dom, morgen spreckst
du anners.

Un as de Morgen anbrack, klung dat Dom, bst du d? un Dom was strax
d.  Un de olde Hex dheede sehr frndlich mit em un sede: Ick denk,
du hest di in der Nacht beter mit di beraden un letst et nich drup
ankamen, datt din Schatz wegen dines Egensinns in Feddern gekleed't
gahn un so jmmerlich vrdarwen mtt; denn ick hew de Macht wer din
Vgelken un wer all de Vgel im Grden, se bet an den Dood to
strafen: denn hedden se sick nich swr vrsndigt, nmmer weren se in
mine Gewalt kamen.  Darm lat et nich up dat terste kamen, giff mi
dine Kunst un nimm dine Prinzessin, un wi willen as Frnd van
eenanner scheeden.  Un Dom sede abermals: Ne, dat dho ick nich, un de
olde Hex reep mit Grimm: God, so mtten morgen alle bunten Vgelken
brennen, un du, Dom, schast de Frbter sin.  Un as se ditt sprack,
sach se so scheulich un gefhrlich ut, datt Dom tom ersten Mal in
sinem Lewen bang wurd.  Un he ging in swren Gedanken vr sick hen un
murmelde: Schull Gott im Himmel et tolaten? schull't mglich sin?
dine ste Dietlinde schull brennen un du schust dbi stahn un dat
jmmerlichste Nahsehn hebben?  Ne!  Ne! se lggt! se lggt! so wied
drft se nich--un drft se, so is't god, datt ditt heele
Hexenpossenspill mit eenem Mal een End nimrnt, un wer't een frig un
bloodig End.  Dat is doch elendig, datt een Eddelmann un een
Riddersmann un een, den Gott tom Dom hett geburen werden laten, hier
eener olden Hex denen un Water pumpen un Holt dregen un Fr anbeten
un dat Estrich putzen mtt.  Ne! ne! nich lnger so!  Frisch, min
Hart!  To Glck edder Unglck gah't, as't will! ick will mi hier nich
lnger so furtlumpen.

Un der olden Hex, de den Dom bang sehn hedd, was de Kamm mchtig
wassen, un se dachte.  Nu kriegst du den Lwen tam.  Un den annern
Morgen noch in der Schummerung klung dat wedder _Dom bst du d_? un
wips as een Windspill was Dom de Treppen herup un stund vr ehr.  Un
se sede em: Wes nu recht flink! un dreg un sett Holt in den groten
Backawen un mak en glnig als de Hwen am Winterawend is, wenn't
dchtig friert un de Snn hell unnergahn will.  Denn ht will'n wi
een Fr bten, worin mine Vgelken piepen schlen.  Un Dom stellde
sick vrfeerd un trurig an, doch ging he un drog grote Boomstmm un
smet se in den Awen, un de olde Hex slwst drog Strk un lttes Holt
to un got l un Pick un allerhand Hexensmolt drup; un as de Awen
vull was, reep se Domen to: Frbter steck an!  Un he hll eenen
Brand an de Strck, un se fungen un slogen to eener gewaltigen Flamm
up.  Un as dat Fr fardig was, murmelde un sung de olde Hex:

Hurrliburr un Snurrliburr!
Msken piep un Kater gnurr!
Vagel flggt un singt sin Stck--
Flegt! flegt! flegt! dat Fr is flck.


Un in eenem Ogenblick girrde un swirrde dat wer den Hoff, un veele
dusend bunte Vgel flgen her, so datt de Hwen verdunkelt wurd, as
wenn Heuschrecken dr de Luft tehn.  Un de armen ltten Vgelken
setteden sick all dicht vr dem glningen Awen dal, as ob se up dat
Wurd der olden Hex paten herintoflegen.  Un Dom sach sin buntes
Vgelken ook dmank, un de Thranen kemen em in de Oogen.  werst
he wischte selbst ut un makte sick stark un wull't sick nich an't
Hart kamen laten.  Un de olde Hex markt et, grieflachte un sede: Se
hebben mi vrtellt, Dom, du werest de ehrenfasteste un trufasteste
van allen Riddern un heddest een Hart fr grote Dinge Lewen un alles
in de Schanz to slan.  Nu kannst du't wiesen un dat Domslof fin maken.
Denn wenn du fr din buntes Vgelken in den frigen Awen springst,
so schall't mit all den annern Vgeln fri sin.  Un Dom besunn sick
een beten, un ditt Mal dcht' et em keene Schand, wenn he sin _Pusch_!
mal brukte; un he nam de olde Hex bi der Hand un slog in un sede:
Topp! dat is een Wurd! de Domsnamen schall in mi nich to Schanden
warden.  werst dat Fr is het, un ick hew eenen Gruwel so van
slwst henin to springen; drm kumm, un schuw mi henin.  Un se was
froh in der Hoffnung, nu wrd se en woll quit warden un bawenin, wenn
he dood were, sine heemliche grote Kunst wohl noch finden.  Un Dom
stellde sick wedder sehr dumm un dlpsch, un so trat he vr dat
Awenloch, un stmmde sick up sine starken Beenen, datt he sick
strwen knn.  De olde Hex wer in sinem Rggen makte sick stark, un
schof un schof ut allen Krften, un achter ehr stunden veele hundert
Kater un Zegenbck un drngden se wedder vrwarts.  Un as de ganze
Last up Dom drckte un he sick nah am Strten fhlde, d rhrde he
swind mit dem ltten Finger am Ring un sede Pusch! un im Hui weg was
he, un de olde Hex, de nicks mehr vr sick hedd un van ehren Mackers
van achtern vrwarts sttt wurd, strtede in dat Fr un hlde as eene
hungrige Wlwin in den Twelften.  werst nu was ehr Spill vrbi,
un nms kunn ehr helpen, se mte jmmerlich verbrennen; denn se was
in ehre egne Kunst geraden un in ehr egne Smeer fallen.  Denn dat is
een whr Wurd, wat de Ld so seggen: eene Hex, de in ehre egne Hexeri
gertt, kann nmmer wedder herut kamen.

Un Dom stund nu wedder sichtbar d un juchte, datt de ganze Hoff vr
Froiden schallde.  Un as dat Fr dalbrennt un de olde Hex in Asch
verwandelt was, datt ook nich mal een Knaken van ehr uptosammeln blef
so mchtig was ehr ingaten Fett west--erscheen een schnes un grotes
Wunder.  All de bunten Vgelken, de vr dem glnigen Awen seten,
wurden pltzlich in de schnsten Jumfern mschapen, un bald sach Dom
sine schne Prinzessin Dietlinde, de em m den Hals flog un en veel
dausend Mal unner sten Thranen kte un reep: Min Dom! min dapprer,
min truer Dom! so hest du din armes verwandeltes Kind, din buntes
Piepvgelken, ut dem trurigen Hexenbann erlst?--Un in der Minut, as
de letzte Bloodsdruppen un Fettdruppen van der olden Hex to Asch
worden was, ging dat wer dat Twerslott un den Twergrden her, as
were d dat grote Saatfeld west, worwer Gott der Herr eenmal am
jngsten Dage de Pauken un Basunen klingen laten ward.  Alles rhrde,
bewegde un vrwandelde sick: alle Strke, Bme, Krder, Blomen, Vgel
un Deerde sprungen as ne Gestalten herm, un in groten langen Reigen
kemen veele Dusende schner Knaben un Mdlin herut un sungen,
jubelden un juchten: Dom!  Dom! de stolte, de dappre Dom! de
uterwlte Riddersmann Gottes het uns erlst un dat satanische Nest
terstrt.  Denn Slott un Grden un Blmer un Bme mit aller
twerischen Anmodigkeit un Prchtigkeit--alles alles in eenem Nu
was't weg, as wer't nmmer d west, un se stunden all up dem hogen
kalden Barg un keeken sick an un vrwunderden sick wer eenanner un
ook, wo dat schne un luftige Hexenwark blewen was.

Un don togen se all bargdal in dat Land, wo dat warmer un schner was,
un de meisten in groten Froiden, wiel fast jeder sinen Schatz am Arm
hedd.  Un dat was een Juchen, Tosen un Josen un Singen un Klingen as
in den ersten Dagen des Froihjhrs, wo alles grnt un bloiht un de
Vgelken, de de kolde Winter int warme Muhrenland vrjagd hedd,
wedder to Hus kamen un ehre Kehlen to Gesngen stimmen.  Un as se
unnen im Dal weren, dankten alle ehrem Erlser Dom, un reisten up
allen Straten un Wegen to Hus, jeder in sin Land un to den Sinigen.
Un Dom sede to siner Prinzessin: Nu, mine leewste Dietlinde, knen wi
ook henreisen, wo din Vader wahnt, un dat ward mi nich mehr
gefhrlich wesen; denn ick weet, datt ick dat Hardeste un
Gefhrlichste bestahn hew, wat de Dorn bestahn schull, un dat wrige
ward man een lichtes Kinderspill wesen.

Un se tgen wieder herup im Swawenlande un hrden, datt groter Upruhr
west was gegen den olden Hertog un datt een paar Grewen en mit Wehr
un Wapen anfallen ut dem Feld slagen in dat Gefngni set't un sine
Herrschaft an sick reten hedden.  Un Dom bedachte sick nich lang.  As
he in de Stadt Rotwiel kam, ging he hen un kffte sick een Striedro
un Wapen un Rstung, red up dem Markt up un let sine Fahn mit dem
Ridder, de eenen Draken sleit, flegen, un sinen Herold utropen _Dom!
Dom!  Hierher!  Hierher!  De Ridder Dom de Slangendder is ut fernen
Landen wedderkamen un hlt in Rotwiel un hett sine Fahn upsteken fr
den gefangenen un afgesetten Hertog, un he seggt: Heran!  Heran! wer
noch an den olden Herrn denkt! up! up to Stried un Sieg!_ wi willen
den Deewen un Rwers den Rof afjagen.  Un as de gewaltige Nam Dom
erklung, sammelden sick de Frnde un Getruen des Hertogs unner em, un
he rckte ut mit en den Uprhrern entgegen, de ook eene grote
Vergaderung makt hedden; un he truff up se bi eener Stadt, de Lindau
het, un mangelde mit en, un slog se so gewaltig, datt kum een Mann
dvan kam un de beiden Grewen slwst up dem Platz blewen.  Drup red
he vr dat Slott, worin de olde Hertog gefangen lag; un de dat Slott
behden schullen, kam, as se den Namen Dom hrden, Frucht un
Schrecken an, un selbst gewen et strax up.  Un Dom ging hen un halde
den olden Herrn ut dem dstern Loch, wo de Bswichter en heninsmeten
hedden, un sprack em to un fragde en, ob he en noch kennde.  Un de
Hertog schddelde mit dem Kopp un sede Ne.  Don sprack Dom: Ick het
Dom, un bn de Dom, den du tweemal bedragen hest, un hier is dine
Dochter,--un he let Dietlinden herintreden--un wi hebben di din Land
und dine Herrschaft wedder gewunnen.  Un de olde Hertog schmde sick
sehr un sede: Ick hew wel an di dhan, edle Ridder, un disse Godhet
m di weinig vrdeent; werst vrgiff mi.  Ick hedd eenen Gruwel vr
di un glwde, dine Heldendhaden weren vam Dwel, un du werest een
gemeener Gesell edder so een Hexen- un Dwels-Kind as Nimrod un Oss
van Basan Goliath un annere sodane Doiwelskerls towielen west
snt--un drm wull ick di mine Dochter nich gewen.  werst nu seh
ick apenbr, datt Gott mit di is in allen Dingen un datt du de
wahrhaftige un liefhaftige Eddelmannsdom bst, de m nicks Geringeres
frien drft as m een Knigs- edder Hertogs-Kind.  Un nu kumm mine
Dochter--un hiermit nam he Dietlindens Hnd un lede se in Doms
Hnde--dissem unverglieklichen unwerwinnlichen Helden, dem dappern
ridderlichen Dom vrlawe ick di hiermit van ganzem Harten in Gottes
Namen! un schall dat een festes Band sin, datt Dwel un Hll nich
tobreken kann! un Gott schalt sin Amen dto spreken un ju segnen van
Kind to Kindeskind fr un fr!

Un d was grote Froid im ganzen Land, datt de Dom un de schne
Prinzessin Dietlinde wedder kamen weren un datt de Dom de Drakendder
un Riesenbedwinger een Prinz worden was un nah des olden Herrn Dood
Hertog van Swawen sin schull.  Un de Drei reisten nu tosam nah Zrich,
un de Dom vrtellde dem Hertog alle Geschichten, de se unnerde
erlewt hedden; un he vrwunderde sick sehr.  Un in Zrich der groten
Stadt wurd eene gewaltige un prchtige Hochtid anstellt, un de Dom
wurd as Prinz utropen un mit dem Prinzenmantel behngt, un toletzt
wurd he noch Hertog un hett veele grote un herrliche Dhaden dhan,
wovan noch alle Bker vullschrewen snt.



Geschichte von den sieben bunten Musen


Vor langer, langer Zeit wohnte in Puddemin ein Bauer, der hatte eine
schne und fromme Frau, die fleiig betete und alle Sonntage und
Festtage zur Kirche ging, auch den Armen, die vor ihre Tre kamen,
gern gab.  Es war berhaupt eine freundliche und mitleidige Seele und
im ganzen Dorfe und Kirchspiele von allen Leuten geliebt.  Nie hat
man ein hartes Wort von ihr gehrt, noch ist ein Fluch und Schwur
oder andere Ungebhr je aus ihrem Munde gegangen.  Diese Frau hatte
sieben Kinder, lauter kleine Dirnen, von welchen die lteste zwlf
und die jngste zwei Jahr alt war: hbsche, lustige Dingelchen.
Diese gingen alle bereins gekleidet, mit bunten Rckchen und bunten
Schrzen und roten Mtzchen; Schuhe aber und Strmpfe hatten sie
nicht an, denn das htte zuviel gekostet, sondern gingen barfu.  Die
Mutter hielt sie nett und reinlich, wusch und kmmte sie morgens frh
und abends spt, wann sie aufstanden und zu Bett gingen, lehrte sie
lesen und singen und erzog sie in aller Freundlichkeit und
Gottesfurcht.  Wann sie auf dem Felde was zu tun hatte oder weit
ausgehen mute, stellte sie die lteste, welche Barbara hie, ber
die andern; diese mute auf sie sehen, ihnen was erzhlen, auch wohl
etwas vorlesen.  Nun begab es sich einmal, da ein hoher Festtag war
(ich glaube, es war der Karfreitag), da ging die Bauerfrau mit ihrem
Manne zur Kirche und sagte den Kindern, sie sollten hbsch artig sein;
der Barbara aber und den nchst lteren gab sie ein paar Lieder auf
aus dem Gesangbuche, die sie auswendig lernen sollten.  So ging sie
weg. Barbara und die andern Kinder waren anfangs auch recht artig;
die lteren nahmen die Bcher und lasen, und die kleinsten saen
still auf dem Boden und spielten.  Als sie so saen, da erblickte das
eine Kind etwas hinter dem Ofen und rief: "O seht!  Seht!  Was ist
das fr ein schner und weier Beutel!"  Es war aber ein Beutel mit
Nssen und Aepfeln, den die Mutter des Morgens da hingehngt hatte
und den sie des Nachmittags einem ihrer kleinen Paten bringen wollte.
Die meisten Kinder sprangen nun alsbald auf und guckten danach, und
auch Barbara, die lteste, stand auf und guckte mit.  Und die Kinder
flsterten und sprachen dies und das ber den schnen Beutel und was
wohl darin sein mchte.  Und es gelstete sie so sehr, es zu wissen,
und da ri eines den Beutel von dem Nagel, und Barbara ffnete die
Schnur, womit er zugebunden war, und es fielen Aepfel und Nsse
heraus.  Und als die Kinder die Aepfel und Nsse auf dem Boden
hinrollen sahen, vergaen sie alles, und da es Festtag war, und was
die Mutter ihnen befohlen und aufgegeben hatte; sie setzten sich hin
und schmausten Aepfel und knackten Nsse und aen alles rein auf.
Als nun Vater und Mutter um den Mittag aus der Kirche zu Hause kamen,
sah die Mutter die Nuschalen auf dem Boden liegen, und sie schaute
nach dem Beutel und fand ihn nicht.  Da erzrnte sie sich und ward
bse zum ersten Male in ihrem Leben und schalt die Kinder sehr und
rief: "Der Blitz!  Ich wollte, da ihr Mausemrten alle zu Musen
wrdet!"  Der Schwur war aber eine groe Snde, besonders weil es ein
so heiliger und hoher Festtag war; sonst htte Gott es der Buerin
wohl vergeben, weil sie doch so fromm und gottesfrchtig war.  Kaum
hatte die Frau das schlimme Wort aus ihrem Munde gehen lassen, so
waren alle die sieben niedlichen Kinderchen weg, als htte sie ein
Wind weggeblasen, und sieben bunte Muse liefen in der Stube herum
mit roten Kpfchen, wie die Rcke und Mtzen der Kinder gewesen waren.
Und Vater und Mutter erschraken so sehr, da sie htten zu Stein
werden mgen.  Da kam der Knecht herein und ffnete die Tre, und die
sieben bunten Muse liefen alle zugleich hinaus und ber die Flur auf
den Hof hin; sie liefen aber sehr geschwind.  Und als die Frau das
sah, konnte sie sich nicht halten, denn es war ihr im Herzen, als
wren die Muse ihre Kinder gewesen; und sie strzte sich aus der
Tre hinaus und mute den Musen nachlaufen.

Die sieben bunten Muse aber liefen den Weg entlang aus dem Dorfe
heraus, immer sporenstreichs; und so liefen sie ber das Puddeminer
Feld und das Gnzer Feld und das Schoritzer Feld und durch die Krewe
und die Dumsevitzer Koppel.  Und die Mutter lief ihnen auer Atem
nach und konnte weder schreien noch weinen und wute nicht mehr, was
sie tat.  So liefen die Muse ber das Dumsevitzer Feld hin und in
einen kleinen Busch hinein, wo einige hohe Eichen standen und in der
Mitte ein spiegelhellen Teich war.  Und der Busch steht noch da mit
seinen Eichen und heit der Musewinkel.  Und als sie in den Busch
kamen und an den Teich im Busche, da standen sie alle sieben still
und guckten sich um, und die Bauerfrau stand dicht bei ihnen.  Es war
aber, als wenn sie ihr Adje sagen wollten.  Denn als sie die Frau so
ein Weilchen angeguckt hatten, plump! und alle sieben sprangen
zugleich ins Wasser und schwammen nicht, sondern gingen gleich unter
in der Tiefe.  Es war aber der helle Mittag, als dies geschah.  Und
die Mutter blieb stehen, wo sie stand, und rhrte keine Hand und
keinen Fu mehr, sie war auch kein Mensch mehr.  Sie ward stracks zu
einem Stein, und der Stein liegt noch da, wo sie stand und die
Muslein verschwinden sah; und das ist dieser groe runde Stein, an
welchem wir sitzen.  Und nun hre mal, was nach diesem geschehen ist
und noch alle Nacht geschieht!  Glocke zwlf, wann alles schlft und
still ist und die Geister rundwandeln, da kommen die sieben bunten
Muse aus dem Wasser heraus und tanzen eine ganze ausgeschlagene
Stunde, bis es eins schlgt, um den Stein herum.  Und sie sagen, dann
klingt der Stein, als wenn er sprechen knnte.  Und das ist die
einzige Zeit, wo die Kinder und die Mutter sich verstehen knnen und
voneinander wissen; die brige Zeit sind sie wie tot.  Dann singen
die Muse einen Gesang, den ich dir sagen will, und der bedeutet ihre
Vernderung, oder da sie wieder in Menschen verwandelt werden knnen.
Und dies ist der Gesang:

Herut! herut!
Du junge Brut!
Din Brdegam schall kamen;
Se hebben di
Doch gar to frh
Din junges Leben namen.
Sitt de recht up'n Steen,
Wat he Flesch un Been,
Und wi gan mit dem Kranze:
Sven Junggesell'n
Uns fhren schl'n
Juchhe! to'm Hochtidsdanze.
 

Und nun will ich dir sagen von dem Gesange, was er bedeutet.  Die
Muse tanzen nun wohl schon tausend Jahre und lnger um den Stein,
wann es die Mitternacht ist, und der Stein liegt ebensolange.  Es
geht aber die Sage, da sie einmal wieder verwandelt werden sollen,
und das kann durch Gottes Gnade nur auf folgende Weise geschehen:

Es mu eine Frau sein gerade so alt, als die Buerin war, da sie aus
der Kirche kam, und diese mu sieben Shne haben gerade so alt, als
die sieben kleinen Mdchen waren.  Sind sie eine Minute lter oder
jnger, so geht es nicht mehr.  Diese Frau mu an einem Karfreitage
gerade um die Mittagszeit, als die Frau zu Stein ward, mit ihren
sieben Shnen in den Busch kommen und sich auf den Stein setzen.  Und
wenn sie sich auf den Stein setzt, so wird der Stein lebendig und
wird wieder in einen Menschen verwandelt, und dann steht die
Bauerfrau wieder da, leibhaftig und in eben den Kleidern, die sie
getragen, als sie den Musen nachgelaufen zu diesem Mausewinkel.  Und
die sieben bunten Muse werden wieder zu sieben kleinen Mdchen in
bunten Rcken und mit roten Mtzen auf dem Kopf.  Und jedes kleine
Mdchen geht zu dem kleinen Knaben hin, der sein Alter hat, und sie
werden Braut und Brutigam.  Und wann sie gro werden, so halten sie
Hochzeit an einem Tage und tanzen ihre Krnze ab.  Und es sollen die
schnsten Jungfrauen werden auf der ganzen Insel, sagen die Leute,
und auch die glcklichsten und reichsten, denn alle diese Gter und
Hfe hier umher sollen ihnen gehren.  Aber ach, du lieber Gott, wann
werden sie verwandelt werden?



Halt den Mittelweg!


Ihr habt wohl zuweilen von dem Wode gehrt, dem wilden Jger, der des
Nachts durch Wald und Feld streunt und ruft Hallo!  Hoho!  Halt den
Mittelweg! halt den Mittelweg!  Dieser war vormals vor langen langen
Zeiten ein groer Frst im Sachsenlande, der viele Burgen und
Schlsser und Drfer und Forsten hatte.  Er liebte von allen Dingen
in der Welt am meisten die Jagd und lebte mehr in den wilden Wldern,
als auf seinen Schlssern und war berhaupt eines jhen und wthigen
Gemthes und ein rechter Zwingherr.  Dieser Frst hat, als er noch
lebte, das begangen, was einem keiner glauben will und was jeder fr
eine Fabel erklrt aus der allerltesten und allergrausendsten
Heidenzeit.  Ein Hirtenknabe hatte in seinem Walde einen jungen Baum
abgeschlt und sich aus der abgeschlten Rinde eine Schalmei gemacht.
Diesem armen unschuldigen Knaben hat der Unhold den Leib
aufgeschnitten und das Ende des Gedrms um einen Baum gebunden, und
nun hat er den Knaben solange um den Baum treiben lassen, bis das
Gedrm aus dem Leibe gewunden und der Knabe todt hingefallen war, und
dazu hat er gerufen: Das ist die Schalmei, worauf du blasen sollst;
das hast du fr dein Pfeifen.  Einen Bauer, der auf einen Hirsch
scho, der ihm sein Korn abweidete, hat er ohne alle Barmherzigkeit
lebendig auf den Hirsch festschmieden und das wilde Thier so mit ihm
in den Wald laufen lassen.  Da ist das gengstete Thier mit dem armen
Mann so lange gelaufen und hat ihm Leib und Haupt und Schenkel an den
Bumen und Struchen so lange jmmerlich zerquetscht und zerrissen,
bis zuerst der Bauer todt war, dann auch der Hirsch hinstrzte.  Fr
solch greuliche Thaten hat der ungeheure Mann endlich auch seinen
verdienten Lohn bekommen.  Er hat sich auf der Jagd mit seinem Pferde
den Hals gebrochen, welches durchgegangen und so gewaltig gegen eine
Buche gerannt ist, da es den Augenblick todt hinfiel, dem Reiter
aber an dem Baum das Gehirn in tausend Stcke zerstob.  Und das ist
nun seine Strafe nach dem Tode, da er auch noch im Grabe keine Ruhe
hat sondern die ganze Nacht umherschweifen und wie ein wildes
Ungeheuer jagen mu.  Dies geschieht jede Nacht Winter und Sommer von
Mitternacht bis eine Stunde vor Sonnenaufgang, und dann hren die
Leute ihn oft Wod!  Wod!  Hoho!  Hallo!  Hallo! schreien; sein
gewhnlicher Ruf ist aber Wod!  Wod! und davon wird er selbst an
manchen Orten der Wode genannt.

Der Wode sieht frchterlich aus und frchterlich ist auch sein Aufzug
und sein Gefolg.  Sein Pferd ist ein schneeweier Schimmel oder ein
feuerflammiges Ro, aus dessen brausenden Nstern Funken sprhen.
Darauf sitzt er, ein langer hagerer Mann in eiserner Rstung, Zorn
und Grimm funkeln seine Augen und Feuer fliegt aus seinem Angesicht;
sein Leib ist vorbergebeugt, weil es immer im hallenden sausenden
Galopp geht; seine Rechte schwingt eine lange Peitsche, mit welcher
er knallt und sein Wild aufjagt oder auch auf das verfolgte hauet.
Wthende Hunde ohne Zahl umschwrmen ihn und machen ein
frchterliches Getose und Geheul; er aber ruft von Zeit zu Zeit drein
Wod!  Wod!  Hallo!  Hallo!  Halt den Mittelweg!  Halt den Mittelweg!
Seine Fahrt geht meistens durch wilde Wlder und de Haiden und in
der Mitte der ordentlichen Straen und Wege darf er nicht reiten.
Trifft er zufllig auf einen Kreuzweg, so strzt er mit Pferd und
Mann und Maus frchterlich ber Kopf und rafft sich weit jenseits
erst wieder auf; doch auch die, welche er jagt, drfen diesem
Kreuzwege nicht zu nah kommen.

Und was fr Wildpret jagt er?  Unter den Thieren alles diebische und
ruberische Gesindel, welches zur Nachtzeit auf Mord und Beute
schleicht, Wlfe, Fchse, Lchse, Katzen, Marder, Iltisse, Ratten,
Muse und von den Menschen Mrder, Diebe, Ruber, Hexen und
Hexenmeister und alles, was von dunklen und nchtlichen Knsten lebt.
So mu dieser Bsewicht, der im Leben so viel Unglck anrichtete, es
gewissermaaen im Tode wieder gutmachen.  Er hlt, was die Leute
sagen, die Strae rein; denn wehe dem, welchen er bei nchtlicher
Weile auf verbotenen Schleichwegen oder im Felde und Walde antrifft,
und der nicht ein gutes Gewissen hat!  Wie mancher mu wohl zittern,
wenn er sein Hoho!  Hallo!  Halt den Mittelweg!  Halt den Mittelweg!
hrt!  Denn gewhnlich jagt er, was er vor seine Peitsche kriegt, so
lange, bis es die Zunge aus dem Halse streckt und todt hinfllt.  Am
strengsten ist der wilde Jger gegen die Hexen und Hexenmeister;
diesen ist der Tod das gewisseste, wenn er sie einmal in seiner Jagd
hat, wenn sie nicht etwa eine Alfranke oder eine Hexenschlinge finden,
wo sie durchschlpfen mgen, denn dann sind sie fr das Mal frei.
Alfranke ist ein kleiner Strauch, der im Walde steht und im ersten
Frhlinge grnt und sich gern um andere Bume schlingt und rankt und
dabei oft eine Schlinge mit einer ffnung macht, wodurch etwas
schlpfen kann.  Eben so wachsen einzelne Zweige von Bumen oft so
wundersam zusammen, da sie ein rundes Loch einer Schlinge gleich
bilden, oft weit genug, da ein Ochs durchschlpfen knnte; wie viel
leichter ein Mensch!  Das nennt man eine Hexenschlinge oder einen
Hexenschlupf; denn wann sie in der Noth ein solches treffen und
dadurch wischen, darf niemand sie anrhren.



Ick bn de Ridder Unvrzagt und sla der Swen mit eenem Slag.


Meister Hans Scharpsteker in Soltwedel vam Amt der Snider un Schrder
lewde mennigen Dag mit siner Fru in eener kinderlosen Eh, un was sehr
bedrwt datt sin Geslecht utgahn schull, un plag to seggen: Dat ward
de Stadt fhlen, wenn de Name Scharpsteker ehr fehlt; denn solang se
denken kann un Eva in den vrbadenen Appel bet, datt de Minschen ehre
Snd bekleden mten, hebben Scharpstekers d im Amt der Kledermakers
seten.  Scharpsteker werst nmde de Sniders nmmer anners as
Kledermakers.  Endlich as de Kopp all anfung em to grisen, sede sine
Fru eenmal to em: Klas, ick weet, wat du nich weetst, un lachte dto.
Un he sede: wat schull dat woll Grotes wesen?  Un se strakte en
frndlich m den Brt un sprack: Dat sht so ut, as wenn Gott dat
urolde Geslecht der Scharpsteker nich will utstarven laten, denn sit
een paar Weken geiht wat in mi vr, wat woll mal mit twee Beenen up
der Erd hermspazieren ward.  Un de olde Scharpsteker, as he ditt
vrnam, wurd wer de Maten froh un danzte up sinen twee dnnen
Sniderstaketen herm, as hedde de Zegenbuck Hochtid holden.  Darup
ging he un slog de Bibel up un sach in sinem Kalender nah; un as he
dat dhan hedd, hppte he idel lustig wer Disch un Bnke, so datt
sine Snidersche sede: Wat Wder! wat is't mit di, Mann? bst du noch
richtig? am End wast du geck un breckst Hals un Been, ehr de junge
Scharpsteker d is.  werst dat Sniderken let sick nich stren, un
sprung frisch un juchte un joste, datt de Ld up der Straat vr'm
Finster still stunden un meenden, et were een lustig Gastgebot bi
Meister Klas.  Un as em de Athem knapp wurd, settede he sick bi sinem
Schatz un nam se up de Knee, un reep: Juchhe!  Juchhe! an't Licht
herut mit di, min Held!  Juchhe! un abermal Juchhe! dat ward een
rechter Scharpsteker warden, een Held mit der Natel un mit dem Degen,
un he ward unsern Namen grot maken.  Denn ne Kleeder hew ick up dem
Snnenupgang grepen, un in der Bibel, wo ick dat Loos frog, bleef min
Finger up dem Versch stahn im tweeten Book Samuels im ersten Kapitel,
wo dat ludet: Der Bogen Jonathans hat nie gefehlet und das Schwerdt
Saul ist nie leer wiederkommen vom Blute der Erschlagenen und vom
Fette der Helden.  Un wenn ick alles tosamlegge, wat mi in dissen
letztvrledenen Weken drmt hett un wo veele Nateln ick terbraken hew
un wo veele snurrige Gedanken wer unser Stadtregiment mi dr den
Kopp flagen un schaten snt, so ddet dat ook up sonne Ding, wovan de
bibelsche Versch spreckt.  Un, Fru, nu segg du, wo is di egentlich to
Mod? denn in di mtt sick't am lebendigsten wiesen; dine Gedanken
snt gewi nicks as Degen un Speete un dine Drm idel Siege un
Slachten?  O wat! sede se, gah mi weg mit dinen Herrlichkeiten! mi is
sehr slimm to Mod un ick lide veel an dullen Gelsten.  Nimm di man
in Acht, Mann, datt mi de Lust nich ankmmt, di in der Pann to braden
un uptofreten; denn denk mal: gistern hedd ick recht swr mi to
holden, datt ick unsern schnen witten Hushahn, de de Zier vam Markt
is, nich bi'm Kopp nam un en slachtede un brot; denn ick was up
Hahnenflesch mit Lsten, un as he vr mi up den Grdentun flog un mit
den Flchten slog un so lustig kraihde, dacht ick mordlustig in mi:
leg de doch braden in der Schttel!  As de Snider ditt vrnam, fung
he sinen drdden Danz an, ret sick de Slapmtz vam Kopp, swung se in
der Luft m un smet se in de Hg, un reep: Juchhe! un abermal Juchhe!
hebben wi di, junger Held Scharpsteker? hebben wi di, min Drflinger
un Stalhanschen, un wo alle Grewen un Feldmarschlle heten mgen, de
bi der Snidernatel dat Isen fhren lehrt hebben?  Ja, de Hahn is een
modig frig un ridderlich Veh, un drm will dat Heldenkind
Hahnenflesch ten.  Juch!  Juch!  Sniderglck!  Dat ward wi mal een
General un Brgermeister, de mit der Stadtfahn in't Feld tht un
Trken un Franzosen dat Hasenpanier in de Hand gift.--Juchhe! frisch
drup, min Kken! frisch drin, min junger Lwe!

So tierde sick de olde Meister.  As sine Fru em werst mal sede: Se
hedde den Morgen een Gelst hett, datt se Plettisen un Bgelisen,
wenn se se hedd biten knnt, gern vrslungen hedd, d mten des
Sniders Rehbeenen hger hppen un springen, as je vrher, un he reep
as geck un unsinnig: Hew ick't nich seggt?  Hew ick't nich seggt?
alle ward he in de Flucht slan, keen Trk un Taterkhan ward vr em
utholden.  Un he kunn sine Froid unmglich bi sick beholden, un leep
ut in de Stadt un vrtellde allen Nawers, wat fr een Held ut em
entspringen schull: ja, een Simson mit dem Eselskinnbacken, sede he,
een Gideon, een Knig David, een Judas Maccabus, een rechter
Isenbreker un Isenfreter.  Nehmt juwe Jongens vr em in Acht, Nawers,
wenn he d is; dat rad ick ju: denn wenn he bs ward, is keen Utkamen
mit em, ick kenn dat scharpstekersche Blood.

De Nawers werst lachten wer den olden Narren un seden: De Snider is
een Dreihkopp worden.

As de junge Scharpsteker geburen wurd--denn een Jung was he--sach de
Olde up sinem Kopp dat Htken, dat veelen Lden bi eenem ankamenden
Kinde een Glcksteken dcht, un reep: Seh! d hebben wi't jo, knen
uns den Helden mit Hnden gripen--seh! seh!  Wif! un froi di! d!
seht de Siegshuw un Glckshuw lifhaftig! un wat hett de Schelm vr
een paar Oogen im Kopp! funkelt nich Fr un Blitz drin? o whrhaftig
de ward Karthauen un Kanonen unvrseerd in't Gesicht sehn.

So kam de junge Scharpsteker tor Welt, un kreg de Namen Hans Niklas.
He wurd werst nich anners as Hans Isenfreter nmd.  Denn des olden
Sniders Snack was bi den Lden hngen blewen, un de junge Hans mt
dat entgelden.  Hans was een smucker un flinker Jung un hedd wrklich
een paar grelle un blitzige blage Oogen im Kopp, un wu to eenem
slanken un zierlichen Snidergesellen up.  Denn allmlig hedd sin
Vader de groten Gedanken vrgten, un sede: Sniders snt ook Lde.
He let sinen Hans werst jmmer sehr nett un alamodisch in Kledern
gahn, denn he was een vrmgender Mann un hedd man dat eenzige Kind.
Vr allen Dingen werst trachtede he drnah, datt Hans een
geschickter un sneller Dnzer wurd un sinen Hot mit Manier afnehmen
un sinen Bckling mit Anstand maken kunn.  Denn he sede: Unsereens
mtt veel mit vrnehmen Lden mgahn un to Grewen un Generals un
Prinzen goden Morgen seggen; een Snider schull alltid as de Kinder
der Vrnehmen ertagen warden; ick hew woll sehn, datt man mit lichtem
un behendem Foot in der Welt uptreden mtt, denn je swrer man uptret,
desto harder sttt man an, un gewi is't een gewaltig Wurd, dat Wurd:
Kleder un Snider maken Lde.

Hans Scharpsteker was negentein Jhr old un wrklich een hbscher
junger Snidergesell mit roden Backen un hellen smachtigen Oogen.  Up
allen Brgerhochtiden hedd he den Vrdanz, speelde ook een beten up
der Cither, un sung de schnsten Arien; so datt de jungen Fruen un
Jumfern en man den schnen jungen Snider nmden, olde ernsthafte Ld
werst koppschddelten un seden: he is een Geck as sin Vader, een
upgeblasener Narr.

Nu begaff sick etwas, dat den jungen Snider in de Welt dref; un he
schull nu vrsken un prwen, wat de Siegerhuw em bedd't hedd.  In
Soltwedel was een grot Vagelscheten, un de olde Klas Scharpsteker
schot dat beste Stck van dem Vagel herunner un wurd Schtzenkning.
In der Stadt lewde een older vrsapener Poet un gewesener
Scholmeister, de alle wichtigen Begebenheiten der Stadt un Doodsflle
un Hochtiden in groten Familien to besingen plag, de dichtete nu ook
up den Kning Klas een langes Gedicht, dat fung mit dissem Versch an:

O Klas! du khner Klas! de Natelspitz un Degen
Un Frruhr Flint un Bss geschickt weet to bewegen,
Wat bst du fr een Held! wo spelst du mit Geschtz!
Gewi, du Snider stohlst vam Himmel mal den Blitz!  


Dit Gedicht sach woll ut as een Lofgesang, was werst heel anners
meent un spelde vrblmt up veele scharpstekerische Pral- un
Narren-Reden an, un makte veel Gelach un Gerede in der Stadt.  Een
Schalk, de sick wer Meister Scharpsteker erlustigen wull, hedd et bi
dem Poeten bestellt un em een paar Daler dvr gewen.

Nu satt unser Hans Niklas mit veelen siner Kamraten mal in eenem
Bierhuse, un d seten ook een paar Schohknechte, un de fungen an wer
dat Knigsgedicht un wer de Sniders to spotten un nmden se nich
anners as de Herren Natelspitzen.  As de jungen Sniders dat hrden,
wullen se weggahn; werst eener van en stdd Hansen an un sede: Hans,
lied dat nich un giff dem vrwegnen Schohmaker eens!  Un Hans fatede
sick een Hart, sprung up, un slog dem eenen Schoster achter de Ohren,
datt se een helles Klinglikling sungen.  De beeden Schosters wullen
nu mit ehren harden Pickfsten ook utlangen, werst de Sniders hedden
to flinke Beenen, un weren wips as de Wind ut der Stuwe.

Disse Hansische Ohrfieg gaff eenen groten Uplop un Upruhr in der
Stadt un de Schosters un Schohknechte dheeden sick tosam un drauden
alle Sniders as de Flegen un Mggen dood to slan, wenn de sick vr en
blicken leten.  Un don fuhr eene grote Angst in de armen Kledermakers;
denn wo schullen ehre finen Hndekens dat woll mit den knotigen un
knorrigen Fsten der Schohknechte upnehmen?  In disser groten Noth
funden se keenen annern Rath, as datt Hans Scharpsteker dat Feld
rhmen un as de Sndenbuck fr alle in de wiede Welt henin jagt
warden schull.  Un de olde Klas roth slwst dto.  Un sine Moder
snrde em unner dusend Thranen sin Bndel un sin Vader brcht en des
Nachts, as alle Schosters slepen, heemlich ut dem Dure un sede em:
Holl di frisch, min dapprer Jong! un lat di dat erste halwe Jhr nich
merken, datt du een Snider bst; denn de Schelms, de Schohknechte,
knnen di nahspren.  Un hier hest du, wovan du unnerdessen lewen
kannst--un he drckte em fftig Daler in de Hand.  Un de beiden seden
eenanner Adje.

Un Hans ging mit sinen fftig Dalers ganz lustig in de Welt henin un
lewde de ersten Weken gr vrgngt un wanderde dr veele dtsche
Lnder un Stder un danzte mit mennigen hbschen Jumfern; un dat
Wanderlewen gefll em woll.  werst he hedd nich an sines Vaders
halwes Jhr dacht, un nah swen Weken was sine Tasch leddig.  As em
nu de letzte Daler ut dem Bdel sprung, was he grad in eener Stadt in
der Slesie, de ls het.  D was to der Tid eene Bande Kumdijanten
van der rt de van Stadt to Stadt un van Flecken to Flecken hermtehn
un unnerwielen woll in Schnen un Schaapstllen spelen.  Un Hans
dachte in siner Noth: jung un flink bst du noch, to kleden
vrsteihst du die ook, un noch hest du schne ne Kleder, un de
Beenen mit Manier hen un her to slenkern un eenen bunten Danz
uptofhren un eene fine Aria to singen un up der Cither dto to
klimpern--o dat's di man een Spa; un in eener Stadt as disse knnst
du en woll een Ballet vrdanzen.  Un so nam he sick eenen Mod un ging
to dem Hauptmann wer de Kumdijanten un sede: ick will ook
Kumdijant warden.  Un se nehmen en mit Froiden an, denn he was
schier un hbsch, so as se keenen mank sick hedden.

Un Hans nam sick in sinem nen Handwerk binnen weinig Weken so up,
datt he Knige un Prinzen un vrnehme Vrleewde un towielen ook Dwel
un Gespenster un annere sonne uterordentliche Meister un Helden
spelde un datt alle Kumdijantinnen sick in den schnen Scharpsteker
vrleewden.  werst dit swinne Glck wurd sin Unglck.  Denn een
van sinen Kamraten, to siner Tid een Student un een rechter Raufbold,
kreg de Swartsucht, as he Hansen dem Wiwervolk so in dem Schot sitten
sach, un sprack em eenen Awend nah der Kumdi, as se bi'm Win seten,
also hart to: Hans Wippstart, de du alles Trittvgelholt beflgst,
morgen, wenn de Dag gragt, mt du't mit mi up den Sbel vrsken,
den du ht as Kaiser Artaxerxes so vrwgen swengt hest; willen mal
sehn, ob ick diner Knigin Esther een paar Thranen utlocken kann.
Disse Rede dchte unserm Hans tor Untid spraken, un he bedacht sick
nich lang, nam eenen van den blanken Rcken, worin he Knige un
Helden to spelen plag, un sine Cither un sinen Stock, un so mit recht
flinken Schreden ut dem Dur herut, eh dat Morgenroth noch ut dem
Osten blenkerde.  Denn em was jmmer, as hrde he m de Ohren Sbel
swirren un Pistolen knallen.  He ging werst den Weg up Polen to.

Wat schull he nu anfangen?  Snidern? ja Snidern?  Dat kam em nu veel
to gemeen vr, nachdem he so oft Kaiser un Kning west was un de
schnsten verleewden Prinzessinnen m sinen Hals hedd bummeln fhlt.
He nam denn sine Cither un sung dto, un so wanderde he dr't Land.
werst de Polacken, bi den keen Spill wer den Dudelsack geiht,
makten nich veel Wesens van em, un he mt oft mit reisenden
Handwerksburschen ut eener Schttel eten un in slichten un luftigen
Judenkrgen slapen, un all de Drm van Herrlichkeit un Glck, de sin
Vader in siner Jugend van em drmt hedd, un wat em slwst up dem
Theatrium oft dr den Kopp schaten was, mt in Polen wedder utflegen
un sick up den kahlen un kolden Wintertwig setten.

So was unser Hans bet in Litthauen kamen un satt in eenem Judenhuse
in eenem Stdtken een paar Mil van Grodno un att eenen slichten
Knublokspannkoken un kauede sin Stck drg Brod dto, un em fllen de
olden Soltwedler Tiden wedder in, as he bi sinem Vader in Hll un
Fll satt, un he dacht ook wedder an ls und wat een grot Mann he d
west was, un wo de wilde Student, de em de Wiwer misgnnde, en van d
mit Sabel un Pistolen wegdraut hedd.  Un he nam sine Cither un spelde
nicks as trurige Stckschen.  Un et fll een gewaltiger Regen, so
datt he inregnede un drei Dag d sitten bliwen mt.  Do rhrde he ut
Langerwiele unner den Bkern, de up dem Kannbrede in der Judenstuw
legen, un fund toletzt een old Ridderbook, worin veele wundersame un
wenthrliche Geschichten un Leuschen to lesen weren.  Un in dissem
Book las he ook de Geschicht van den swen jungen Schosters, de swen
schne un rike Frulen friet hedden un worut swen Eddellde up
groten prchtigen Slotten worden weren.  Un Hans mt, as he ditt las,
lud uplachen, un sede bi sick: Wat Dwell swen Schosters? un du
bst een Snider, un din Vader sede, du schust een Drflinger warden,
un kannst dat nich mal?  Un in dem slog he mit der Hand up den Disch,
un trug up eene Stell, wo wat Meth vrspillt was un sick een Hupen
Flegen henset't hedd, un swen Flegen legen van siner Hand as Liken
hengestreckt.  Un he froide sick wer den Slag, un mt noch mehr
lachen, un reep ut: Wat der Dker! un ook Swen!  Un he sach de
Dooden, de vr em legen, lang an, un em fll mancherlei dbi in un
fludderde em as Fleddermse dr den Kopp hen un her.

Un de Nacht drup drmde em allerlei wunderlich Tg van groten Dingen
un Aventren un van Knigsdnzen un Ridderspill, de bunten un
prchtigen Bilder van dem Theatrium in ls; un he fll in deepe
Gedanken, un in dissen Gedanken un Nahgedanken satt he denn den
ganzen Morgen un heelen Dag, un sede toletzt: In disser korten Welt
is doch alles man Spill; heddst du man Kleder un Wapen un eenen
polschen Hingst tschen den Beenen, du wust di ook woll tom Eddelmann
updenen.  Un he fung tor Stund an, un ging in de Stadt un kffte sick
fr vier Groschen dickes Packpapier un fineres buntes, un klisterde
dat tosam un klewde ndliche Bildekens drup, un snet alles sauber un
nett ut--un so wurd een Schild fardig, nich veel slichter, as de he
up dem Theatrium in ls oft up dem Arm dragen hedd.  Un midden up dem
Schild malde he swen Flegen un eene utgestreckte Hand, de nah den
Flegen slog, un drunner schref he de stolten Wrde: Ick bin de
Ridder Unvrzagt un sla der Swen mit eenem Slag.

As de vierde Morgen anbrack, was't een wunderschn Wder, un Hans
ging mit frischer Hoffnung der Snn entgegen un drog sinen Schild
up'm Arm un an der linken Lend wippelde em een ltter Stichdegen, den
em de Jud vr sin schnes Citherspill verehrt hedd; un wo hell em't
ook in sinen Ingeweiden klung un sung un mit der magern Hungerklock
ldede, sin Hart ging em frisch in der Borst, un em was, as wenn he
all eenen bunten Vagel van eener Frulen bi den Flchten hedd.  So
ging he lustig up de Stadt Grodno to, wovan de Thrm em
entgegenblenkerden, un kam gegen Middag an, un wiel dat een sehr
heter Sommerdag was, smet he sick in dem Diergrden nich wiet vam
Slott unner eenem grnen Boom int Gras, un snorkte bald so sorgenlos,
as wenn de ganze Welt sin were.  Hier in Grodno stund werst eene
wunderliche Geschicht, un de mtt ick nu vrtellen:

In der Stadt Grodno wahnde een mchtiger un gewaltiger Hertog van
Litthauen, de hedd een grotes Land bet an den Grnzen van den Trken
un Muschwiters; werst nu was de Herr nich mehr mchtig un sieghaft,
un dran was een grulich Undeerd schuld.  Ditt Undeerd was een
wilder Bier, een duller Isenbreker van so vrfeerlicher Grte un
Gewalt, datt keene Kugel en dr dat Fell bhren kunn un datt de
modigsten Kmper vr sinen Hauwers un glnigen Oogen dat nich
utholden kunnen.  Un mennig god Jhr hedd de Bier im Land hermrast
un veele dusend Ossen un Perde un Minschen slagen un mbrcht, un
toletzt was he ook nah Grodno kamen un hedd in den groten Wold eene
halwe Mil van der Stadt sin Lager upslan; ja unnertiden kam he woll
dicht unner dat Slott un terwhlde dem Hertog vr siner Ns de
Bloomenbedden.  Un dat kunn em nms wehren, denn keen Jger un Hund
trauede sick mehr an en heran; denn he was sneller as een Hirsch,
kunn dr de deepsten Seen swemmen un up Glattis lopen as up'm struwen
Weg un wer alle Tn un Muren as een Vagel setten.  Kortm mit dissem
Bier was et eene Sak, datt alle Lde glwden, et ginge nich mit
rechten Dingen to un he were mehr, as wonah he utsach.  Veele dusend
Jagden weren nu een tein Jhr her up en anstellt, veele hundertdusend
Kugeln up en afschaten, veele dusend Hunde hedd he terreten, un wo
veelen wackern Jgers hedd he de Darmen ut dem Liwe haut!  He blef
werst, de he was, de unvrwundliche un unbedwingliche Bier.  Dat
gewaltige Deerd was nu Nawer van dem Hertog worden un hll en in
sinem Slott as gefangen.  Denn de Eber strpte in allen Bschen un up
allen Wegen m dat Slott herm, un dat was besnderlich an em, datt
he arme Lde un Bedellde un Buren ruhig ehre Strat gahn let, werst
wat blanke Kleeder un Wapen drog un to Perde satt un in Kutschen
fuhr--dat was sin Fiend un d strt'te he sick mit Wuth drup.  Ja so
wiet was dat kamen, datt de Bier mchtiger was as de Hertog, un wenn
sick't schickte, kunn man woll seggen: de Bier was de Herr im Lande
un nich de Hertog.  Denn wer am meisten kann un vr wem alle sick
frchten mtten, de is de Herr.  Wat hedd de arme Hertog nich all
dhan dat Undeerd los to warden! wo veel Gold un Slwer, Stder un
Sltte hedd he utbaden, wenn eener den Bier slan knn!  Ja he hedd
vrspraken de Bierhut mit Demanten uptowgen, wenn eener se em
bringen kunn; werst d kam keen Dder un Bringer.  Toletzt in siner
groten Noth hedd he sine Dochter utbaden, sin eenzig Kind un de
schnste Prinzessin im ganzen Abendland, datt wer keme un den Bier
dalslge, de schull ehr Brdegam heten un nah sinem Doode Prinz un
Hertog warden.  Un mennig schn Prinz Grewe un Riddersmann hedd dat
wagt mit dem Bier m de schne Prinzessin un jmmerlich sin Lewen
laten mt.  Endlich werst wurd dat Gercht van dem litthauschen
Eber to mchtig in allen Lndern un nms let sick up dem Kampplatz
sehn.

In dem schnen Slott satt nu de arme Hertog as een Gefangnen mit
siner Prinzessin un mit sinen Hoffherren, Kammerjunkern un
Jagdjunkern all in dat drdde Jhr, un se lewden een langwieliges un
trostloses Lewen un fungen Flegen un Mggen un ten Gapeier, un
wten nich, wat se mit der schnen Tid anfangen schullen.  Denn nms
wagde sick wer fftig Schritt ut dem Slott herut, un ehr se utgingen,
mten veele hundert Buschklopper hermstrpen un up allen Stegen un
Wegen tosehn, ob ook van dem Bier eene Spur were.  As nu unser bunter
Ridder Unvrzagt unner dem Boom lag un gr st sleep un snorkte, keek
een Kammerherr ut dem Finster un reep: O Wunder wer Wunder! wat seh
ick!  D liggt eener unner eenem Boom im Slottgrden un schient een
Riddersmann to wesen; denn een Schild liggt bi em.  Dat mtt
whrhaftig een gewaltiger Mann wesen, de sick unnersteiht d to
slapen.  Un de Hertog leep nu ook an't Finster, un de Prinzessin un
alle Hoffld kemen un keeken ut; un de eene sede ditt de annere dat,
all werst meenden, dat mt woll wat Seltsames un Uterordentliches
sin.  De Prinzessin werst wurd frroth vr Froiden, denn se were
gern ut dem Gefngni herut west un hedd ook gern eenen Mann hett.
Un de Hertog sede: Wi willen henschicken un den Ridder to uns laden;
kann sin, datt Gott uns van Ungeschicht ut dissem langen un harden
Drangsal erlsen will.  Un he schickte drei van sinen vornehmsten
Herren, den Ridder in dat Slott intobidden, datt he keme un bi dem
Hertog sin Quartier nehme.

Un de Baden sleken sick lisign lisign in den Grden as de Mse,
stnden oft still un keeken sick bang m, as Duwen to dhon plegen,
wenn de Kraih in der Luft schreit un den Hawk anmeldt.  Denn se
dachten jmmer an den hauenden Fiend.  Un bald kemen se an den Boom,
wo unser Hans im Gras lag un sorgenlos drmde un snorkte.  Un se
lesen de stolte Inschrift up sinem Schild, un de eene sprack to dem
annern: Dat mtt een gewaltiger Degen sin, de d Swen up eenen Slag
sleit; un woll sht he dnah ut; denn kiek! wat is dat fr eene
schne Lngde!  Un Ridder Unvrzagt wakte up wer dem Geflster, un
stttede sick up eenen Ellbagen up, un sach d de Mnner vr sick
stahn, un vrwunderde sick sehr.  Un de vornehmste van den Drei nam
dat Wurd un sprack also:

Allererhabenster un grotmchtigster Prinz! un allergewaltigster un
unwerwindlichster Ridder un Herr, Herr Unvrzagt!  Wi snt hier van
unserm Herrn afgeschickt, eenem mchtigen Hertog, de eenes starken
Arms un Helpers bedrftig is.  Un gewi, Gott, de sick unsrer Noth
erbarmen un uns van dem gruwlichen Undeerd befrien will, dat disse
Forsten un Grden un dat ganze Land entfredet un vrwoistet un nu so
veele Jhre alles unsker un wild leggt un veele dusend Wittwen un
Waisen makt hett.  Un drm hett de gndige Gott di hierher schickt,
den Sieghaften un Dappern, datt du den frchterlichen Eber dalleggen
un de schnste Prinzessin, de de Snn beschient, tom Gemal winnen
schast.  Un nu stah up un kumm mit uns in dat Slott, wo unser Herr un
Hertog up di pat un van wo de schnste aller Prinzessinnen ut dem
Finster mit sehnschtigen un frhlichen Oogen up den Schild schaut,
worup de stolte Inschrift glnzt: Ick bn de Ridder Unvrzagt un sla
der Swen mit eenem Slag.  Drm sme di nich, kumm! kumm! un
empfange de Ehren, de diner hogen Dhaden wrdig snt.

Un Hans, den se ut eenem sten Drom upweckt hedden, sach in den drei
Herren, de in prchtigen gldnen un sidenen Kledern un mit ehren
Tressenhten in der Hand gebckt vr em stunden, eenen nen bunten
Drom, un horkte hoch up un vrwunderde sick toerst; doch as he sick
den Slap ut den Oogen wischt un sick etwas vrsunnen hedd, kam't em
ganz natrlich vr, datt he sick so bequem as een groter Herr up den
Ellbagen sttten kunn un de Drei in prchtigen Hoffkledern mit
sidenen Strmpen un goldnen Snallen un ehre Hd in den Hnden tor Erd
gesenkt mit krummen Bcklingen vr em stunden as de Fidelbagen, de
eben upstriken willen.  Un as he de Red uthrt hedd, sweeg he erst
eenen Oogenblick un bedachte sick, un dat dcht em, datt sin Glck
eene gnstige Wendung nehmen wull; un de swen Schohmakergesellen
fllen em lebendig in un datt he gr up eene Prinzessin in't Slott
beden wurd; un he sede bi sick slwst: Frisch, Snider, wer de
Schosters! wer nich wagt, winnt keene schne Frau.  Un so satt he
noch een Wielken un let et sick noch een beten dr den Kopp lopen, un
denn richtede he sick up un sprack ungefhr in dissen Wurden:

Leewe Herren un Frnde!  Gaht hen un grt juwen Herrn un Hertog
wedder van dem Ridder Unvrzagt un dankt em fr sine frndliche
Badschaft un Ladung up dat Slott.  Van den wundersamen Aventhren un
Dhaden, de disse mine Fste angrepen un drhaut hebben, van
betwerden Grden un Slotten, van verwnschten Prinzen un
Prinzessinnen, van Draken un Riesen, de dr min Isen fallen snt, to
vrtellen un to berichten wrd to lang sin.--Also hier bloihst du mi
wedder up, du schnste rodeste Ridderbloom? hier bloihst du un lockst
du, blitzender Stried un grimmige Gefhr?  Mer bloihst du wedder up,
Bloom der Leew un Hoffnung nah so grotem Leed, dat mi vr weinigen
Dagen troffen hett?--Un nu markt up, ji Mnner!  Ji schlt weeten:
Ick tog ut der Britannie un Nederland un Dtschland daher un wull des
Weges nah Konstantinopel un van d in dat hillige Land, un so wer
den Libanon un Sinai jmmer frischweg in dat swarte Muhrenland henin
de Trken un Unchristen to bestriden--un hrt! d is mi hier in
dissen litthauschen Wsten een par Dagreisen vr disser Stadt min
Knapp entlopen un hett Rosse un Wapen un alle mine Schtze un
Klenodien un minen heelen Riddersmuck as een Deef un Spitzbow mit
sick nahmen.  Un to Foot hew ick gahn mt un binah in der Dracht un
Wise eenes gemeenen Knechts, as ji mi hier seht.  Un dissen Schild
mit der Upschrift, as ji seht un lest, hew ick mi ut Papp makt as een
Teken mines Wandels, un disse elendige Degen is een Degen, den een
Jud mi schenkt hett, un womit man woll Mggen upspeeten kann werst
nich gegen Lwen un Riesen un Undeerde as juwer Bier up den Plan
treden.  Un nu gewt Acht, wat ji dem Hertog van minentwegen vrmelden
schlt.  Meldt em, een Deef hett den Ridder Unvrzagt, de der Swen
mit eenem Slag sleit, schier utplndert un en in eenen so weinig
ridderlichen Tostand vrsett't, worin he sick nich unnerstahn drt
vr em un vr der Prinzessin to erschienen.  Will he mi in sinem
Slott sehn, so late he mi in eene Harbarg fhren un mi ridderliche
Kleeder, Wapen un een Stridro bringen, as mines Glieken geziemlich
un gebrlich is, un Knapen un Knechte tom Deenst, damit ick in
ridderlicher rt un Rstung in sine Borg inriden kann.  Ht werst
will ick rasten un slapen, denn ick bn matt un md van der Reis un
noch vull Arger wer minen schndlichen verlapenen Deef; un morgen
will ick, wenn't Gott un dem Hertog beleeft, minen Inritt dhon.

Un de Mnner vrneigden sick mit deepen Kneebgungen bet tor Erd vr
em, un gingen tom Slott torgg un berichteden dem Hertog, wat de
Ridder Unvrzagt seggt hedd un wat he van em begehrde.  Un de Hertog
schickte se wedder in den Grden to bidden, he mgte doch kamen, as
he eben were, denn en un de Prinzessin vrlangde ook gr to sehr den
gewaltigen un ridderlichen Helden to sehn.  werst Hans sach se
stolt van bawen an un sede Ne, un denn trumfde he ut: Nich anners!
ht will ick in de Harbarg, un west flink un seggt dat juwen Hertog
tom tweeten Mal, un gefllt em dat nich, de Strat der Welt is wiet un
breet, un ick ward mi woll wedder to eener Rstung un eenem Ro
helpen un annerswo min Glck un Aventhr sken knen.

Un se gingen un kemen bald wedder un beden Hans in des Hertogs Namen
nich quad to sin, un fhrden en in de prchtigste Harbarg, de in
Grodno was, un vier Pagen kemen en in een Bad to fhren un twee
Knapen stunden vr siner Dr en to bewachten; un Win und Brod un
Torten un Pasteiden wurden updragen, datt de Disch knackte.  Un dat
gefeel em woll un he sprack bi sick slwst: Nu is de Dag kamen, wo
ick keen Flegendder mehr bn--glcklicher Slag un glckliche swen
Flegen, de ick truff!  Un as he tor Genge geten un drunken hedd,
ganz anners, as he noch up dem Theatrium, wo dat ook meist man
bildlich herging, de Knige un Helden spelde, ging he to Bedd un
vrsunk in sidenen Dunenkssen un reep in Froiden: juchhe, Glck! so
ligg ick denn endlich as een Prinz in dinem weeken Schot!  O Vader
Klas, wenn du nu dinen Shn mit der Siegerhuw sehn knnst, wat gew'
ick drm!--Un wiel he eenmal wedder recht ordentlich un dchtig satt
was un starken un frigen Win drunken hedd, slog de Mod in hellen
Flammen ut siner Borst herut, un he reep abermals: Fortuna! is dine
Bahn glatter as Glattis un din Zopp korter as dat Hasenblmken, ick
fat di un holl di fast!  Eene Prinzessin fr eenem Bier! wat is denn
een Bier?  Hebben Ridder nich Lwen un Tigern de Tehnen utbraken, un
ick schull vr eenen Bier torgg bwern?  Ne! nu un nmmermehr!  Un
wenn't een Bier were, as de den olden Heidenknig Adonis wiland
doodslog, de de Brdegam van dem Vagel Phnix was.  Nu un nmmermehr!
Morgen is ook een Dag un Glck is Glckes Moder.  Un mit dissen un
dergliken hogen un vrnehmen Wrden un Gedanken sleep he lustig in.

As unser Hans so in Win un Dunenbedden un gewaltigen Gedanken
werflot, was de Jubel un Froid noch wiet grter up dem Slott, un den
ganzen Awend wurd nicks spraken und vrtellt as van dem Ridder
Unvrzagt un de Prinzessin kunn sick nich satt fragen un hren wer
sine Rede rt un Gestalt.  Un de drei Baden streken en gewaltig herut
un seden: He is een schner slanker Herr, un sht ut een par
Oogen--o Gndigste Prinzessin!--ut een par Oogen, de Snn slwst, de
in der ganzen Welt gewi de hellsten Oogen hett, knn sick in em
vrkieken.  Un ook nah dem Schild frog se un nah dem Teken up dem
Schilde, un de Mnner kunnen dat nich recht dden.  De eene van en
sede: Dat Teken mtt gr wat Afsnnerlichs sin, egentlich sht et ut,
as wenn't man swen Flegen snt, wonah de Held slan will; werst dat
kann't woll nich sin, d is de Beddung gewi to gering grepen; de
beiden annern meenden, de Vgel segen woll binah as vam
Flegengeslecht ut, werst et weren gewi utlndsche un chinesische
edder ostindische un westindische Flegen, as hier to Lande sick nich
blicken leten.  Ook de olde Hertog kam mit siner Weisheit dtschen
un meende: Dat knn woll een verblmtes Teken sin van deeper
heemlicher Beddung, edder et knn up een Wurd gahn, dat de Ridder
mal bi eener groten Gelegenheit seggt hedd, tom Bispill: Ick will ju
Swen as de Flegen slan.  Unner dissen un annern anmodigen un
lustigen Reden vrging den Lden im Slott de ss so lange Awend
swinner as en glcklicher Drom, un se gingen erst lang nah Klock
Twelw to Bedd.

As nu de Morgen kam, weren ook de Pagen dem Hans strax tor Hand un
drogen de kostbarsten sidenen un gldenen un slwernen Kleder heran,
un de Knapen brchten hellfunkelnde un splitternagelne Wapen un
leden se dem Ridder to Ften.  Un Ridder Unvrzagt kledede sick
an--denn dat vrstund he erstaunlich--un spegelde sick in dem Spegel
as een Pagellun, un sach wrklich prchtig ut.  Un he dheed eenige
Froidensprng up sinen flinken Beenen un reep: Hussa!  Snidergesell!
wes nu frisch un unverzagt, as du di nmst, un spele de Ridder un
Prinzen woll, de du so oft up dem Theatrium verstellt hest!  Heissa!
mine Helden, herbi!  Heissa!  Holofernes un Alexander un Mitderdat!
herbi! un spegelt ju in juwen Schler!  Frisch Hans! wer weet, wat
Gott ut di maken will un ob du nich eenen hgern Namen up de
Scharpstekers proppen schast?--Un he nam de Wapen un betrachtede
jedes besnders un whlde sick dat Beste ut; drup reep he sinen
Knapen, un se mten se em anleggen un umsnallen.  Un he sach ut hoch
un prchtig as een geburner Frst.  Un toletzt hngde he sick ook
eenen Schild up den linken Arm.  De Schild werst, den he sick utsehn
hedd, gefll em, wiel de ltte Gott Amor mit eenem Flitzbagen drup
afbildt was, van dem een glniger Pil in een rodes Hart flog.  He
meende dat werst as eene Vrblmung, de up de schne Hertogsdochter
anspelde, un dachte bi sick: Ick mtt ehr to vrstahn gewen, wo ick
henut will.  Den schnsten un strksten Schild van allen gaff he
werst an eenen Knapen un sede to em: Gah nu, dreg den Schild tom
Maler, un dissen Schild van Papp dto, un de Maler schull up jenen
Schild malen un schriewen, wat up dissem steiht.

Un as ditt dhan was, steeg he de Treppen henaf un swung sick up eenen
witten Hingst, de sadelt un uptmd vr der Dr stund, un galoppierde
dr de Stadt up dat Slott to; un twee Knapen reden achter em un de
Hofftrumpeter un Basunenblser reden vr em un blsen sinen Intog.
Un alles Volk leep em nah un juchte vr Froiden: Hurra! d ritt de
grote Swendder, de dappre Ridder Unvrzagt!  Denn dat Gercht hedd
et werall utropen, wer in de Stadt kamen were.  Un as de Ridder an
der Slottsdr ankamen was, stund de olde Hertog dvr un de schne
Prinzessin sine Dochter un alle Hofflde, un empfungen den stolten un
hogen Gast, de bi en intehn schull, un fhrden en de hoge Marmortrepp
henup.  Un Ridder Unvrzagt wt sick so to stellen un to hebben,
datt all to minter Mal glwden, he were ut eenem groten Geslechte un
hedd an Knigshwen lewt un mit Prinzessinnen tor Tafel seten.  As he
werst sine Rstung un de Wapen afleggt hedd, wiesde he sick in siner
Jugend un Schnheit un Behendigkeit so anmodig un licht un let so
nich een Spierken van dem Snidergesellen marken, datt der Prinzessin
dnkte, Hans were de schnste Jngling, den se in ehrem Lewen sehn
hedd, un datt se bi sick slwst sftede un bedede: O du leewer Gott
im Himmel! keenen annern as dissen! giff em doch Sieg wer den Bier
un lat en min Brutbedd bestiegen!

Un nu kam de olde Hertog ook bald up den Bier to spreken un up den
Stru, den Hans mit em bestahn mgt.  Un Hans stellde sick dbi so
lustig un unvrfeerd datt de Hertog bi sick dachte: de mtt siner Sak
wi sin un goden Mod fatede.  Hans bat sick werst noch acht Dag ut,
bet he den groten Strid wagen wull: denn, sede he, ick bn lnger as
drei Weken dr juwe polsche un litthausche Wstenei tagen, wo't nicks
to kniepen un to biten gifft, un nu hew ick twee Dag to Foot gahn un
binah hungern mt.  Darm gewt mi de acht Dag Respiet, datt ick mi
wedder een beten vrhalen un vrkowern un mine Krfte strken kann.
Un de Hertog stund em dat gern to, un he un sine Dochter hedden de
lustigsten Dage in siner Gesellschaft, un dat kam en vr, as weren se
im Himmel un as hedde de Langewiel up ewig van en Afsched namen.
Denn Hans vrtellde en de wunderlichsten Geschichten un Aventren un
brcht hier alles an den Mann, wat he jemals up dem Theatrium spelt
edder in Bkern lesen hedd.  Denn he hedd eenen klftigen un
anslgschen Kopp un eene smidige Tung, un kunn recht rdig vrtellen.

Den drdden Dag, as de Maler mit dem Schild kam un alle den Schild
betrachteden un de Flegen un de Inschrift drup, vrwunderden se sick
sehr un keeken den Ridder Unvrzagt an, werst nms wagde dat Wurd an
en to richten.  Toletzt nam de olde Hertog, de sick sehr wise dnkte,
sick den Mod en to fragen un sede: Herr Ridder, ick bild mi in, ick
seh doch recht?  Ditt is juwe Hand, un ditt snt swen Flegen? un
disse Flegen bedden gewi een Wurd, dat ji mal spraken hewt bi eener
groten Gelegenheit, bi irgend eenem Strid edder in eenem Duwell? un
ji hewt de Flegen tor Erinnerung an eene grote Dhad up juwen Schild
malen laten?

Un Hans bedachte sick nich lang un antwurd'te: Dittmal, Herr Hertog,
hewt ji't doch nich ganz drapen; de Flegen snt wrklich Flegen un
bedden Flegen, un ick will ju vrtellen, wo se up minen Schild kamen
snt.  Vr drei Jhr, as ick toerst in Ridderschaft un up Aventren
in de Welt utred, satt ick mal in gyptenland nich wiet van eener
Stadt, de Rosette het, in eener slichten Leeschchtt un drunk een
Glas Win, wobi ick insleep.  D kettelde eene Fleg mi up der Hand, un
ick slog blindlings m mi un truff eenen Hupen Flegen, de den Win
insogen, den ick up den Disch vrspillt hedd--un seh! swen Flegen
legen as Liken d.  Un ick red wieder, un red an dem groten Nil een
Stck Weges hen.  D kemen swen grote Draken geflagen van denjenigen,
de d flegen knen; un jeder Drak was woll millionenmal grter as de
grteste Fleg; un de Beester flgen grad up mi los, as wenn se mi
vrslingen wullen, un Fr un Gift flog ut ehren Rachen.  Un ick tog
minen scharpen Helper ut der Sched un hll unvrfeerd up minem Hingst,
un as de Vgel heran susden, dheed ick eenen degen runden Zirkelhieb,
un d legen se alle Swen un zappelden in ehrem Bloode.  Dat Blood
werst flot as een roder friger See, un ick mt minem Hingst de
Spren gewen un Rietut nehmen, denn wi hedden beede drin vrsupen
knnt.  Un hier, Herr Hertog, hewt ji de Geschicht, worm ick de
Flegen up minen Schild malen let, denn ick dachte, se weren eene
Vrbeddung up de swen Draken west, de unner miner Fust fallen
schullen.  Un so mag man seggen, datt de Flegen Flegen un ook keene
Flegen snt, denn se bedden ook Draken.  werst Flegen mtten se
eenmal bliwen, un ick mtt se as een Glcksteken mines ersten groten
Aventrs woll as Flegen, solang ick lewe, up minem Schild dregen.  Un
van d an nmden de Lde mi den Swendder, un reepen achter mi her:
seht! seht! d ritt de Swendder! un wenn se ook Flegenridder ropen,
wat scher ick mi drm?  Denn whrhaftig een Bier un een Lw is oft
ehr to drapen un to slan as eene Fleg edder Mgg--un ji hewt woll de
Fabel vrtellen hrt van dem Lwen un van der Mgg?

Sonne un desglieken Reden un Kortzwiel hllen un bedrewen se recht
angenehm im Slott, un de acht Dage vrgingen as eene Minut.  Un as de
achte Dag kam, d kann man eben nich seggen, datt unserm Hans
snderlich lustig to Mod was; werst he hll sick wacker un let sick
nicks marken, un stellde sick so frisch un unvrzagt, as sin Nam was.
Wrklich hedden dat schne Lewen in dem Hertogsslott un de Wapen, de
he drog, un de ridderliche Smuck, womit he angedhan, un de Nam, womit
he ropen wurd, un de Heldengeschichten, de he vrtellde un van annern
vrtellen hrde, un de schnen Oogen der Prinzessin, de Glck un Leew
up en funkelden, em Fr un Mod in't Hart blasen, un oft flsterde dat
in em: Up! up!  Hans! wo oft hest du van der Allmacht schner Oogen
spraken, fr de man in teindusend Doode gahn kann--nu hest du disse
schnen Oogen, de schnsten Oogen der allerholdseligsten un
allerschnsten Prinzessin--un du wust nu vrzuffen?  Frisch drup! een
feiger Kerl freit keene Prinzessin--un wer weet, wat dat Glck fr
Wrfel fr di im Sack hett?  Frisch eenen dappern Wurf in de Schanz!
Wer weet, wat herutspringen kann? un hett sick't nich wunderlich nog
wrfelt? un wat hest du veel dto dhan?--Un Hans was fardig un trat
ganz munter mit vuller Rstung in den Saal, un trstede de schne
Prinzessin, der dat Weenen ht veel nger satt as dat Lachen, un sede
tom Hertog: Fahrwoll!  Herr Hertog! nmmer seht ji mi wedder as mit
der Bierhut up dissem Speer.  Un de Hertog was godes Modes, un de
Jngling dcht em gr glcklich un herzhaft.  Un he wull em een
grotes Geleide gewen, datt he as een Frst to dem Platz henriden kunn,
wo de Bier gewhnlich lag.  werst Hans vrbad sick dat un sede:
Twee Knapen, Herr Hertog, latet mitrieden bet up den halwen Weg un mi
wiesen, wo ick den Bier finden mag.  D mgen se denn holden bliwen,
bet ick mit der Arbeit mit dem Undeerd fardig bn.  Un de Hertog gaff
sick drin un sede, et schull alles schehn, as de edle Ridder wull.
Un Hans kte der Prinzessin de Hand, swung sick in den Sadel, un
susde im rasselnden Galopp wer dem Slotthoff, un twee Knapen susden
em nah.  Un de Prinzessin, de mit ehrem Vader im Finster lag, kunn
den Anblick nich utholden un to swre Gedanken flogen ehr dr de
Seele, un se beswimde un sunk tosam in ehrer Hartensangst.  De Hertog
werst drog se up ehr Bedd un trstede se un sprack: Du mt nich so
trurig sin, min trutes Duwign!  Dittmal krigst du eenen Mann, un wat
fr eenen Mann!  Mine Swaning un Gisching bedregen mi dittmal nich.

Un as de Ridder Unvrzagd up dem halwen Weg was, hllen de Knapen
still, de as Wegwiesers mit em reden weren, und seden: Shst du d,
Herr Ridder, den Footpat linker Hand, de wer de grne Wisch in den
groten Wold fhrt?  Up dem rid een halwes Stndken furt, un du warst
eenen grnen Platz sehn, un up dem Platz eene Cistern mit eenem
isernen Gitter; ook steiht d eene grote Eek.--D kannst du holden
bliwen un up den Bier luren; denn m de Middagstid kmmt dat bse
Deerd fast jmmer dhen, up dem Platz to whlen un sick in eenem
Morast nah dbi to khlen un to wltern.

Un Hans red van en un sede en bi'm Wegriden den kecken Besched: Twt
hier, bet ick wedder kam; denn in een paar Stunden bn ick mit Gotts
Hlp wedder hier, un de Eber haut nich mehr.--Un de beiden Knapen
dachten ehr Deel, un Hans, as he so henred, dacht ook sin Deel;
werst dat dcht em doch gr to schimplich, de Flucht to nehmen,
ahnen den Bier int Gesicht sehn to hebben.  Un as he up den grnen
Platz kam, wo de grote Eek stund un de Cistern mit dem isernen Gitter,
pupperde em sin Hart so gewaltig, datt he't slan hren kunn, un he
keek sick mit groten Oogen m, ob he nicks sehn knn, un spitzte de
Ohren, ob he nicks dr de Strk ruscheln hrde.  Un dat was ganz
still, as't m den Middag in den Bschen is, un keen Vgelken flog
edder zirpte.  Un he steg van dem Perde un let dat grsen, un tog
sine Rstung ut, un smet alle Wapen weg; alleen dat Swert behll he
an der Side.  Denn, sede he ganz vrnnftig, wat schall mi woll dat
Isen helpen gegen een Fell, d keen Isen dr geiht? to springen un to
danzen werst knn't gewen, un d is dat Beste, man makt sick flink
un behend to Foot.  Un Hans stellde sick nu bi eenem jungen Boom hen,
de veele Telgen hedd, in Gedanken, den Bier aftowachten un to sehn,
wo he utsege.  Dchte dat Deerd em denn to schrecklich un gefhrlich,
so knn he swind up den Boom klettern un den Dwel unnen toben laten.
Ook sine Cither hedd he mitnahmen un an den Sadelknop hngt, un hll
se in der Hand un wull vrsken, ob he den Bier nich in'n Slap spelen
un em denn so heemlich eens bibringen un utwischen knn.  Denn he
erinnerde sick, datt he mal in eenem Book lesen hedd, datt Swin sehr
musikalische Deerde weren un gewaltig up de Musik horckten.

Un as he so in Gedanken stund, kam de mchtige Bier herrutschen wer
dat Grn, un Hans nam de Cither un spelde eene lise un trurige Wise,
eenen rechten matten un mden Slapgesang; un em was ook sehr lise un
trurig to Mod.  As nu dat grote un grimmige Deerd de Musik hrde,
stund et strax still un horckte up; un de Musik scheen em to gefallen,
un et lede sick dal un wlterde sick im Grase, un toletzt streckte
et sick still unner de grote Eek hen, as slepe et.  Unser Sniderken
werst spelde jmmer furt, un slek sick jmmer nger heran to dem
Bier, un wull sehn, ob he wrklich slepe un ob he em nich eens
utlschen knn.  werst wo leep dat aff?

As Hans em up een fftig Trede nah was, sprung min Bier mit Eenem
Satz up un hast du mir nicht gesehn up den Ridder los.  Disse, as
were he van des Biers grimmigen un flammigen Oogen behext, let vr
Schrecken Cither un Isen ut der Hand gliden, vrgatt Boom un Klattern,
un leep up de Cistern los, un sprung an dat Gitter, un strtede
drwer in de Cistern herunner.  De flinke Bier was ganz dicht achter
em un dhed eenen Hau nah em, werst drapte en nich; un dat was
Hansens Glck.  Un dat wilde grimmige Deerd wull em nahspringen,
werst sprung fehl un blef up den spitzen Zacken sitten, de up dem
isernen Gitter weren.  Un de Bier schdderde sick up den Zacken un
dref sick de Spitzen jmmer deeper in dat Lif, un schreide, as wenn
he up eenem Speer stack; denn de Spitzen dheeden em nich sacht.  So
schreide he etwa tein Minuten un bldde gewaltig; don was't ut, un he
hung dood up dem Gitter.  Hans, as he in der Doodesangst wer dat
Gitter sprung, slog mit dem Kopp gegen de annere Wand der Cistern, un
terdschte sick den Vrkopp, un bldde ook sehr, un lag woll een fiew
Minuten in Beswimmung up der Cisterntrepp.  werst de brllende
Bier weckte en bald up, un he lag in Doodesangst unner em, de den
Rachen mit den langen witten Hauers wiet upsparrde.  Un jeden
Oogenblick dachte he: Hu! hu! kmmt de Satan los, so is't ut mit di
un he makt di kold.  Un vr luter Angst unnerstund he sick nich sick
to rhren, un dheede, as wenn he dood were.  werst as de
gefhrliche Bier jmmer swacker schreide un toletzt man sachtign
stende, un endlich ganz still sweeg, blinzelde Hans mit halwen Oogen
een beten up to em, un sach, datt de ganze Wand vam strmenden Blood
roth was un datt dat Undeerd de Oogen vrkehrt hedd un den Kopp
hngen let, un sick tierde, as were et dood.  Doch Hans dachte bi
sick: de Doiwel kann sin Spill hebben, un truede toerst dem Freden
noch nich, un twde noch woll eene gode Viertelstund un lag heel
stillign stillign as eene Mus, de den Kater wer sick luren sht.
werst as sick jmmer nicks rhrde, fatede he sick endlich eenen
Ossenmod, richtede sick langsam up, un klatterde heel sachte an der
annern Side wer dat Gitter.  Un as he herut was un dat Undeerd van
vr un achter betrachten kunn, sach he woll, datt er wrklich
muschdood was un sick up dem Gitterisen fangen un doodbldt hedd.  Un
nu betrachtede he den Bier noch veel nauer, kloppte up sinen harden
swarten Rggenpanzer, befhlde nich ahnen Gruwel sine scharpen witten
Hauers, un dachte: bi eenem Haar, un se hedden di din beten Lewen ut
den Ribben herut fhlt; un mit dem fll he up sine Knee, wo he stund,
un dankte Gott fr sine Gnad, de em so wunderbarlich ut sinem dullen
Anslag herutholpen hedd.  Darup sprung he frhlich wedder up un reep:
Viktoria!  Viktoria!  Juchhe Viktoria! swing di, Fortuna, un sett
alle Segel bi! du schast mine Gttin sin!  Heissa! nu bn ick een
Prinz!  Un he juchte un josede so gewaltig, as were de ganze Wold
nicks as Strid un Slacht west.

Drnah ging he hen, nam sinen Degen, un gaff dem Bier noch een paar
deepe Wunden unner dem Buk; un de Doode let sick dat still gefallen,
un mt ook up dem Kopp noch een paar Schmarren vrleef nehmen.  As
dat dhan was, led he sine Rstung wedder an, stack sin Swerdt in de
Sched, nam Schild un Speer un Cither, un swung sick up sinen
Schimmel--un so lustig up dem Footpat ut dem Wold herut.  As he nu up
den groten Weg kam un siner Knapen ansichtig wurd, begunn he van nem,
datt Barg un Dal erklungen: Viktoria!  Viktoria! de Bier is dood!
Un se galoppierden lustig heran, un erstaunden, un seden: Wi hebben
dat gewaltige Schreien hrt, un ji knt ju verstellen, Herr Ridder,
datt wi frchteden, wi mten man wedder tom Slott Rietut nehmen:
denn wi dachten un twiwelden, ob dat Schreien van dem Ridder edder
van dem Undeerd keme--un nu Gott Lof un Dank! wi sehn ju hier un ji
lewen; un wat ward dat up dem Slott fr een Triumfiren un Jubeln
gewen!

Un Hans sede: Nu frisch, Jongs! un lat't drawen, un kamt mit un seht!
Dat was een Deerd! dat is whr; werst ick hew et lehrt mit
Swenddern to spaen.  Lang hll he sick dapper un makte mi hete
Arbeit, werst toletzt mst he dat Hasenpanier ergripen, un ick dref
en gegen de Cistern, d is he in der Angst upsprungen, un hngt up
den isernen Zinken.

Un as se up dem grnen Platz upreden un an de Cistern kemen,
wunderden de beiden sick noch mehr wer dat mchtige Deerd, dat d
hung, un wullen ehren Oogen nich truen, un hedden noch Angst, ob ook
noch Lewen in dem Dooden were, so frchterlich kam de Bier en vr.
werst Hans grep nah sinem Dolk un lede de Hand an, un fung an de
Hut aftotehn.  Un as de Knapen dat segen, datt de Bier sick so
geduldig fillen let, grepen se ook to ehren Metzern un hlpen em, un
in tein Minuten lag de Bierpelz d.  Un de Ridder Unvrzagt brack em
ook de Hauers ut.  Un de Hauers hngde he wer sinen Schild un de
Bierhut stack he up sinen Speer; un so reden de Drei dem Slot un der
Stadt to.  Un as se gegen dat Stadtdur kemen, let Hans sine Knapen
vran riden un blasen un mit heller Stimm Viktoria!  Viktoria! ropen.
Un dat ganze Volk, dat de witten Hauers un de Bierhut up dem Speer
sach, klung mit Viktoria! un leep in Froiden tosam; un so kemen se im
vullen susenden und brusenden Gewimmel an dat Slott.

Bi dissem gewaltigen Getose un Gejose un Viktoriageschrei weren de
Hertog un de Prinzessin gr swinne herunnerkamen, un stunden vr der
Slottspurt, as de stolte Ridder mit den Hauers un der Bierhut in den
Hoff inred.  Un he sprung as een Blitz vam Perde, bckte sick tor Erd,
fll vr der Prinzessin up de Knee, kte ehr de Hand, lede Hut un
Hauers to ehren Ften, un sprack: Drr ick upsehn to dinen Oogen, du
Herrlichste? drr ick mi van dem Glanz diner Gnaden anstralen un
beschienen laten? winkst du, Erhabenste un Holdseligste, datt ick de
glcklichste van allen Kreaturen sin schall, de up Gotts Erdboden
lewen?  Is dat werst anners, hest du man ut Noth dem Sieghaften dine
Hand vrspraken, din Hart werst bi di beholden, so mak een swinnes
un truriges End--un Ridder Unvrzagt ritt wedder in de wide kolde
leewlose Welt, un se mgen sick hier van dem Swenslger un Bierdder
eenmal in knftigen Dagen de Dhaden as een Leuschen un eene Fabel
vrtellen.

Un de Prinzessin wurd bi dissen Wurden roth as een witt Laken,
worwer de Snnenschin as een flegender Schatten lpt; un se blickte
en mit Wohlgefallen an, werst de Borst was ehr so beklemmt, datt se
nich spreken kunn.  So nam denn de olde Herr dat Wurd fr se un sede:
Wo schullen wi so grote Snd dhon an uns un an Gott, datt wi eenen so
edeln dappern un ridderlichen Mann, de Kron un den Glanz van aller
Ridderschaft, ahnen sinen Pris un Lohn van uns reden leten?  Ne! edle
Herr un Mann!  Gefllt di mine Dochter un vrsmadest du nich mi in
minen olden Dagen de Zepterlast dregen to helpen un minen Frnden
Stolz un minen Fienden Demod to lehren, so blif hier un ward min Shn
un min Eidam.--Un de Thranen leepen dem olden Frsten de Backen
herunner, un he nam siner Dochter Hand un lede se in Ridder
Unvrzagts Hand un sprack in Gottes Namen den Segen drwer.

Un bald gingen se henup in den Hertogssaal, un de schne Prinzessin
vrbund ehrem Ridder sine Wund, de noch sehr bldde; denn he hedd
sick up der Flucht vr dem Bier, as he wer dat Cisterngitter
herunner fll, een grotes Loch in den Kopp slagen.  Un in sinem Lewen
hedd em nicks so sacht dhan as de weeken Hndken der Prinzessin, de
he m sinen Kopp un sine Backen krauen un krabbeln fhlde.  Hans
werst vrtellde en, he hedd sick dat Loch an eenem Boom sttt, as he
den Fiend to hitzig drngde un vrfolgde.  Darup mte he alles recht
utfhrlich vrtellen, wo he mit dem Undeerd fardig worden was, un he
makte de Geschicht van siner Slacht mit dem Bier lustig nog torecht.

Un as wedder acht Dage m weren, d was eene prchtige Hochtid, un
Ridder Hans Unvrzagt ging mit der allerschnsten Prinzessin to Bedd
un het nu Kronprinz van Litthauen.  Un so is, wat anfangs as een Spa
utsach, de grteste Ernst worden.  Un Prinz Unvrzagt hett sinen
Prinzen up dem groten Theatrium der Welt so god spelt, datt alles
Volk mit em tofreden was un ook de Prinzessin de glckseligste Fru up
dem ganzen Erdboden nmt wurd.  Un dat ging nah Gottes Willen, de
Hans Scharpsteker un den Hertog un sine Prinzessin nich to Schanden
sndern to Ehren bringen wull, ahnen Hexeri alles ganz ordentlich un
natrlich to.

De Prinz, de unner Sniders geburen un in siner Jugend unner en
ertagen was, de mit nms as mit Sniders lewt un nicks as Sniderliches
un Vrzagtes sehn un hrt hedd, was van Natur nich hasig un feig; he
was man dr Gewohnheit sniderisch worden.  Un dat was woll begriplich,
datt he bi'm ersten Utlop un Anlop up siner Ridderbahn gegen eenen
Kmpen, as de Bier was, nich Stand holden kunn.  werst dittmal
hulp Gott em, de en nich vrdarwen laten wull, un spader hulp he sick
slwst wieder un wurd van Hand, Hart un Mod een der
allerridderlichsten Frsten.  Van Natur stolt, edel, frig un modig
un dbi schn van Gestalt un Getier wurd he een sehr kloker un
dapprer Prinz, un keen Minsch up Erden hedd em anmarken kunnt, datt
een so stolter Vagel ut eenem Snidernest utflagen was.  Toerst ging
em dat grad so, as dat oft eenem groten Doggen geiht.  De let sick
ook oft een Jhr un lnger van eenem ltten Puttkter biten, wiel de
en all beten hett, as he noch een Wlp was; werst wenn he siner
Macht mal in worden is, denn mag Gott dem Puttkter gndig sin.  Hans
was nu een Prinz, werst he fhrde sick ook prinzlich un herrlich up
un hedd nicks as hoge un prinzliche Gedanken un bedref alle
prinzlichen Arbeiden un wungen, datt et eene Lust was.  Dat Beste
werst an em was, datt he nmmer wermodig un werdhadig wurd, woll
werst sin Lewenlang bekennt un erkennt hett, he were alles dr
Gottes Gnad worden, de en dr kindisches Spill hedd to eenem groten
Herrn maken wullt.

Un Prinz Unvrzagt is drei Jahr nah der Bierslagt Hertog van
Litthauen worden un hett veele grote un swre Kriege fhrt un toletzt
dem Knig der Muschwiters un Taters een ganzes grotes Knigrik
afwunnen, un sick Kning titeln laten.  As he nu een so grotmchtiger
Kning un Herr was, schickte he heemlich eenen Baden nah siner
Vaderstadt Soltwedel mit eenem Bref an sine ldern, un bat se, to
ehrem Shn Hans to kamen, d schullen se herrliche un lustige Dage
hebben.  Kning Hans schref werst nich, dat he Kning van Litthauen
un Kosackien un Tatarien were, sndern he hedde een sehr rikes un
schnes Frulen friet un prchtige Slotte un Gder mit ehr tor
Mitgift bekamen; un se schullen Hus un Hoff man vrkpen un sick up
den Weg maken un to em kamen un bi em ehre spaden Dage in Froiden
vrlewen: denn Gott hedd em so veel gewen, datt he alle sine Frnde
rik maken knn.  Un sine ldern dheeden so, un kemen nach Grodno;
werst wo erstaunden se, as se am Dur nah Hansen sinem Huse frgen un
de Lde en seden, ehr Shn Hans were jo de Kning slwst.

Un de olde Snider Klas un sine Fru wurden ut dem Wirthshus, van wo se
sick hedden anmelden laten, in eener prchtigen goldnen Hofkutsch
afhalt un in't Slott fhrt, wo se den Kning Hans un sine Knigin un
ehre ndlichen Kinderkens in idel Herrlichkeit un Lust funden.  Un de
olde Vader Klas sede to sinem Hans: Hew ick di nich oft seggd, de
Siegerhuw un Glckshuw wrd di noch een Grotes bedden?  Un Knig
Hans lachte un flsterde lisign: Ja, wenn ick nich dem eenen van den
grotmuligen Schohknechten eene Ohrfieg streken hedd, wat wrd de
Siegerhuw mi Grotes brcht hebben?  So is et: Gott sttt de Minschen
in de Welt henin, datt se wer eenanner purzeln, veele bliwen liggen,
annere stahn up, un weinige flegen hoch, werst keener ahnen sinen
Willen.

Un van disser vrnehmen un ridderlichen Snidergeschicht is de Frag
upkamen, de man towielen upgiwt: Welke Ohrfieg is dem Gewer am besten
bekamen?



Kater Martinchen


Auf der Halbinsel Wittow auf Rgen ist ein Dorf, das heit Putgarten,
nicht weit von dem berhmten Vorgebirge Arkona, wo der alte
heidnische Gtze Swantewit weiland seinen Tempel gehabt und sein
wstes Wesen getrieben hat.  In diesem Dorfe Putgarten lebte eine
reiche Buerin, die hie Trine Pipers.  Sie war jung Witwe geworden
und hatte keine Kinder, wollte auch nicht wieder freien, obgleich
viele Freier um sie warben, denn sie war ein sehr schnes und
frisches Weib.  Das konnten die Leute nicht recht begreifen, zumal da
sie sonst immer lustig und munter war und bei keinem Tanze und Gelage
fehlte.  Denn das mute man sagen, einen aufgerumteren Menschen gab
es nicht als diese Buerin, und kein Haus hatte so viel Lustigkeit
als das ihrige.  Alle hohen Feste hatte es Tanz und Spiel bei ihr;
die Fasten wurden von Anfang bis zu Ende durchgehalten und mit
Schmusen, Spielen und Tnzen gefeiert, Pfingsten und am Johannistage
ward unter grnen Lauben getanzt, und am Martinstage setzte keine
Buerin so viele gebratene Gnse auf, und wenn sie ihr Korn
eingebracht, wenn sie Ochsen oder Schweine geschlachtet oder Wurst
gemacht hatte, mute die ganze Nachbarschaft sich mit freuen und mit
ihr schmausen.  Kurz, diese Buerin lebte so prchtig, da kaum eine
Edelmannsfrau besser leben konnte.  In ihrem Hause war alles nett und
tchtig und fast ber das Vermgen einer Buerin zierlich.  Ebenso
lustig und tchtig sah es auf ihrem Hofe und in ihren Stllen aus.
Ihre Pferde glnzten immer wie die Aale, und man htte sie Sommer und
Winter als Spiegel gebrauchen knnen; ihre Khe waren die schnsten
und gedeihlichsten im ganzen Dorfe und hatten immer volle Euter; ihre
Hhner legten zweimal des Tages, und von ihren Gnseeiern war nie
eines schier, sondern jedes gab ein Junges.  Weil ihr Haus lustig und
sie freigebig war, so hatte sie auch immer die schnsten und
flinksten Knechte und Dirnen auf ganz Wittow.

So lebte Trine manches Jahr, und kein Mensch konnte begreifen, wie
sie als Buerin das Leben so halten und durchsetzen konnte, und viele
hatten schon gesagt: "Nun, die wird auch bald vor den Tren
herumschleichen und schnurren gehen."  Aber sie focht und schnurrte
nicht herum, sondern blieb die reiche und lustige Trine Pipers nach
wie vor.  Andere, die dies lustige Leben so mit ansahen, meinten, es
gehe nicht mit natrlichen Dingen zu; sie habe Umgang und
Gemeinschaft mit bsen Geistern, und die bringen es ihr alles ins
Haus und geben ihrem Vieh und ihren Frchten so wunderbaren Segen und
Gedeihen--als wenn Gott nicht der beste und einzige Segenbringer und
Segensprecher wre.  Viele wollten bei nchtlicher Weile einen
Drachen gesehen haben, der wie ein langer feuriger Schwanz auf ihr
Haus herabgeschossen sei; das sei ihr heimlicher Buhler, der hnge
ihr den Wiem voll Schinken und Mettwrste, flle ihr die Kisten und
Kasten mit Silber und Gold und stehe mit am Butterfasse und helfe
buttern und gehe mit in den Stall und helfe melken.  Andere, noch
boshafter, sagten, sie selbst sei eine Hexe und knne sich unsichtbar
machen: so schleiche sie den Nachbarn in die Huser, stehle aus
Keller und Speisekammer, nehme den Hhnern die Eier aus den Nestern,
melke die Khe und rupfe den Schafen die Wolle und den Gnsen die
Dunen aus.  Darum sei sie so glatt und glau und knne soviele
Wohlleben ausrichten und ein Leben fhren, als wenn es alle Tage
Sonntag wre.  Das bemerkten einige Nachbarsleute noch und
schttelten die Kpfe dabei, da Trine eine leidige Freundlichkeit
habe, womit sie wohl hexen knne, und da sie Kindern nie in die
Augen sehe, wieviel sie auch sonst mit ihnen schmeichle und kose;
denn sie habe als Hexe kein Kind in ihren Augen, und es tue ihr sehr
wehe, wenn sie den unschuldigen Kindern, die noch nichts verbrochen
haben, in ihre reinen Augen schauen msse.

So lief allerlei Geschwtz unter den Leuten rund, und sie flsterten
und munkelten viel ber Trine Pipers; aber sie konnten ihr doch
nichts anhaben und beweisen.  Sie tat all ihr Werk tchtig vor den
Leuten, war redlich in Handel und Wandel, ging fleiig zur Kirche und
gab Priester und Kster willig und freundlich das Ihrige und hatte
immer eine offene Tasche und einen offenen Brotkorb fr die Armen,
wenn sie an ihre Tre kamen.  Auch gingen die, welche ihr die Ehre so
hinter ihrem Rcken zerwuschen, recht gern zu ihren Festen und Tnzen
und schmeichelten und heuchelten ihr.

Trine Pipers hatte auf diese Weise wohl zwanzig Jahre ihre Wirtschaft
gefhrt, und alles war ihr immer nach Wunsch geraten.  Da bekam sie
einen bunten Kater ins Haus, und bald ging im Dorfe und in der
Nachbarschaft das Gerede: der sei es, das sei der Gewaltige, nun sei
es endlich zum Vorschein gekommen, und auch ein Kind knne es sehen,
der trage ihr all das Glck zu.  Denn leider sind die meisten
Menschen so, da sie meinen, es msse mit einem Menschen was
Heimliches oder Ungeheures sein, wenn er die Narrenkappe des Lebens
nicht gerade so trgt wie sie, und wenn er die Schellen daran nicht
ebenso klingen lt.

Ein bunter Kater ward in Trines Hause gesehen, und kein Mensch wute,
wo der Kater hergekommen war.  Trine lchelte und machte einen Scherz,
wenn man sie fragte, und sagte es nicht.  Einigen hatte sie wohl
gesagt, sie habe einen Bruder, der sei Schiffer in Stockholm, der
habe ihr den schnen Kater einmal aus Lissabon mitgebracht; aber das
glaubten sie nicht.  Der Kater war gro, bunt und schn, grau mit
gelben Streifen ber dem Rcken und hatte einen weien Fleck am
linken Vorderfu.  Da schrien die alten Weiber: "Da sehen wir's ja,
da haben wir's!  Einen dreifarbigen Kater?  Wer hat in seinem Leben
gesehen oder gehrt, da es Kater mit drei Farben gibt?"  Trine liebte
den Kater sehr und sa manche Stunde mit ihm allein und spielte mit
ihm, der mit wohlgeflligem Brummen seinen Kopf an ihr streichelte
und gegen alles, war ihr zu nah kam, ausprustete und aufpfuchsete:
die arme Trine ward lter, die arme Trine hatte keine Kinder, sie
mute was zu spielen haben.  So sa sie nun manche Stunde, wo sie
sich sonst drauen in ihrer Wirtschaft tummelte, still in der Stube
und spielte mit ihrem Martinichen; denn so rief sie den Kater.
Martinichen und Mieskater Martinichen klang es in der Stube,
Martinichen klang es auf der Flur, Martinichen auf der Treppe und auf
dem Boden.  Keinen Tritt und Schritt tat sie, Martinichen war immer
dabei, und von dem Vorratsboden und aus der Speisekammer brachte er
immer seine Bescherung mit im Munde.  Kurz, der bunte Kater
Martinichen aus Lissabon war ihre Puppe und ihr Spielzeug; er stand
mit ihr auf und ging mit ihr zu Bette, ja sie ging nicht in die
Nachbarschaft, da sie ihr Martinichen nicht unterm Arm trug;
Martinichen leckte von ihrem Teller und lappte aus ihrem Napf, er war
der Liebling, er durfte alles, keiner durfte ihm was tun: Hunde
wurden herausgejagt, die ihn beien wollten, ein Knecht ward
verabschiedet, weil er ihn Murrkater und Brummkater, Speckfresser und
Mausedieb genannt hatte.

Dies gab Geschichten und Lgen und Mrchen im ganzen Dorfe, bald im
ganzen Kirchspiele, dann im ganzen Lndchen: Trine hie eine Hexe,
die einen wundersamen Kater habe, mit dem es nicht richtig sei, und
vor dem man sich hten msse.  Das sei ein Kater, einen solchen
zweiten werde man in der ganzen Welt umsonst suchen; den ganzen Tag
tue er nichts als fressen und sich hinstrecken und sonnen oder auf
Trines Knien herumwlzen, des Nachts liege er auf ihrem Bette bis an
den lichten Morgen, und doch finde der Knecht, wenn er morgens frhe
zur ersten Ftterung in den Pferdestall gehe, immer zwei groe Haufen
toter Ratten und Muse vor der Haustre aufgetrmt.  Was mge das
wohl fr ein Kater sein, der fr diesen feisten und glatten Faulenzer
die Arbeit tue?

Dies Gerede und Gemunkel hatte sich freilich erst drauen
herumgetrieben; dann kam es auch in Trinens Haus und zu Trinens
Leuten, und ihnen fing an, bei ihr ungeheuer zu werden.  Wenn sie mit
schmeichelnder Stimme Mieskaterchen!  Mies--Mieskaterchen!
Martinichen!  Misichen--Martinichen! rief und den knurrenden und
spinnenden Kater auf den Scho nahm und ihm den Rcken streichelte,
und er sich dann vor Vergngen krmmte und an ihr strich und brummte,
und ihm die grnen, umnebelten Augen im Kopfe funkelten, dann guckten
die Leute die beiden Spieler mit groen Augen an und wren um alles
in der Welt mit ihnen nicht lange in der Stube geblieben.  Trine
hatte sonst immer die tchtigsten und schnsten Leute gehabt, aber
die konnten es jetzt in ihrem Hause nicht aushalten; sie zogen weg,
und sie konnte zuletzt nichts als Hack und Mack in ihren Dienst
bekommen, und auch die blieben nicht lange, und fast jeden Monat
hatte sie frische Leute.  Alle Welt glaubte nun einmal, Trine sei
eine Hexe, und keiner wollte mit ihr zu tun haben.  Auch war es mit
der alten Gastlichkeit und Frhlichkeit des Hauses vorbei und mit den
Schmusen und Tnzen, denn keiner wollte kommen; und Trine mute mit
ihrem Mieskater Martinichen einsam sitzen und ihre Bratgnse und
Wrste allein verzehren.

Aber ach, du arme Trine Pipers, die du sonst so froh und frhlich
gewesen warst und alle gern erfreut hattest, wie ging es dir auf
deinen alten Tagen?  Nicht allein keine Gesellen und Gesellinnen und
Nachbarn und Nachbarinnen kamen mehr, sich des Segens zu freuen, den
Gott dir gegeben hatte, und sich mit dir zu erlustigen, sondern in
wenigen Jahren verging auch das, wovon du dich httest erlustigen
knnen.  Die Leute kopfschttelten und flsterten zwar, der Kater sei
es, der sei bisher der unsichtbare Bringer und Zutrger gewesen und
habe Scheunen, Kornbden, Keller, Speisekammern, Milcheimer und
Butterfsser und Geldkatzen und Sparbchsen gefllt; aber nun war ja
dieser Wundertter und Hexenmeister da, warum ging es denn nicht noch
gedeihlicher als vorher?  Warum ging vielmehr Trinens Wirtschaft von
Tage zu Tage mehr zurck?  Die arme Trine hatte Knechte und Mgde,
wie sie kaum ein Bettlerkrug willig beherbergt htte, recht was man
Krcken und Ofenstecken nennt; ihre sonst so glatten Pferde magerten
ab und verreckten an Rotz und Wurm; ihre Schweine und Khe hatten
Luse und gaben keine Milch mehr; ihre Schafe und Gnse wurden
Drehkpfe, als htten sie geheime Wissenschaft studiert; ihre Hhner
und Enten legten keine Eier und brteten nicht mehr; ihr Feld trug
Disteln und Dornen fr Korn und Weizen.  Kurz, Trine geriet in zwei
Jahren in die bitterste Armut: Pferde waren weg, Khe waren weg,
Schweine ausgestorben, Schafe geschlachtet, Tauben und Hhner vom
Marder aufgefressen, der Hund an der Kette verhungert--kein Hahn
krhte mehr auf ihrer Haustre, kein Bettler seufzte mehr sein Gebet
davor.  Und Trine sa allein und verlassen mit gelben, gefurchten und
gerunzelten Wangen und von Trnen und Jammer triefenden Augen und
schneeweien Haaren in der frierenden Ecke ihres leeren Zimmers und
hielt ihren magern und in der Asche verbrannten Kater auf dem Schoe
und weinte jmmerlich ber den kargen Brocken, die man ihr von fern
zuwarf; denn keiner mochte ihr gern nah kommen.

So hat man sie eines Morgens gefunden tot auf dem Boden ihres
Stbchens hingestreckt und ihren treuen Mieskater Martinichen tot auf
ihr liegend.  Die Leute haben mit Grauen davon erzhlt.  Und die
sonst so reiche Trine, die der Kirche und Geistlichkeit immer so gern
gab, als sie noch was zu geben hatte, ist begraben, wie man Bettler
begrbt, ohne Sang und Klang, ohne Glocken und Gefolge; kein Nachbar
hat sie zum Kirchhof begleiten wollen, kein Verwandter ist ihrer
Leiche gefolgt, sie hatte ihnen ja nichts nachgelassen.  O kalte Welt,
wie kalt wirst du denen im Alter, die dann nichts haben, womit sie
sich die Fe zudecken knnen, und ach, auch die irdischen Mngel,
die man mit schrferen Augen an den Alten betrachtet!

Als Trine nun tot war, erzhlen die Leute, ist sie immer als Hexe
umgegangen und geht bis diesen Tag als Hexe um in der Gestalt einer
alten, grauen Katze, die man daran kennt, da sie Augen hat, die wie
brennende Kohlen leuchten, und da sie ganz entsetzlich laut sprhet
und prustet, wenn man sie jagt.  Sie wird noch alle Mitternchte auf
der Stelle gesehen, wo ehedem Trinens Haus war, und heult dort
erbrmlich; im Winter aber, wann in den Scheunen und auf den Dchern
die wtigen Katzenhochzeiten sind, ist sie immer voran auf der
hllischen Jagd und fhrt das ganze Getmmel und miaulet und winselt
auf das allerscheulichste.  Diese Stimme verstehen die Leute in
Putgarten so wohl, da alt und jung gleich rufet: "Hrt!  Da ist
wieder die alte Trine!"

So ist es Trine Pipers gegangen, und so geht es vielen Menschen bis
diesen Tag.  Sie ist eine arme, elendige Bettlerfrau geworden und hat
ihren christlichen, guten Namen verloren, weil sie den bunten Kater
Martinichen lieber gehabt hat als Menschen.  Denn wenn sie auch keine
Hexe gewesen ist, so haben die Nachbarn und Nachbarinnen es doch
geglaubt, weil sie sich in ihrer unnatrlichen und hlichen Liebe zu
der unverstndigen Kreatur so in des Katers Gemt und Gebrden
hineingestohlen und hineinvertieft hatte, da sie Menschen nicht mehr
so suchte und liebte wie sonst.  Sie mag zuletzt auch mit
Katzenfreundlichkeit geblinzelt und mit Katzenaugen geschielt und mit
allerlei Katzenmnnchen sich gekrmmt und gewunden haben, so da kein
Mensch und kein Vieh und also auch kein Glck es lnger bei ihr hat
aushalten knnen und sie zuletzt mit ihrem Mieskater Martinichen ganz
allein geblieben und so im grten Elende umgekommen ist.



Klas Avenstaken.


In dem Lande Westfalen unweit der Stadt Minden, wo es viele tchtige
Bauern hat, lebte vor langen Jahren ein Schulze in Dmmelshusen, der
Peter Avenstaken hie, ein Mann von Sitten und Art geduldig und
sanftmthig und deswegen bei Freunden und Nachbarn wohl berchtigt
und beliebt, sonst aber von groem und reisigem Leibe und von so
gewaltiger Strke, da er weit und breit nur der starke Peter hie,
und da die Leute ihm hundert Schritt aus dem Wege gingen, wann er
bse ward; denn ward er bse, so ward er es sehr, und konnte
berhaupt nichts Mittelmiges thun.  Dieser Schulze in Dmmelshusen
hatte ein Lieblingswort, das er oft gebrauchte und das in seiner
Freundschaft und Verwandtschaft sehr alt war; denn ehrsame
Bauerschaften pflegen auf gewisse Worte, Sinnsprche und Sprichwrter
eben so zu halten, als Edelleute, die Fahnen und Schild fhren, und
setzen auch einen Stolz in dem Alten.  Dieses Wort hie Grade durch,
oder, wie sie in Westfalen sagen, Grad dr; und nach dem Worte, weil
er es so oft im Munde fhrte, nannten manche Leute ihn auch Peter
Grad dr, was er wohl aufzunehmen pflegte.  Es war aber bei dem Worte
noch ein Aberglaube, der sich Jahrhunderte lang in der Familie
Avenstaken fortgepflanzt hatte; sie meinten nemlich, dasjenige von
den Kindern, welches sich dieses Wort vor den andern herausnehme,
werde das Tchtigste und Glcklichste werden; und also horchten und
merkten die Altern frhe darauf.  Seinen Ursprung aber hatte das
Sprichwort von einer alten Geschichte, die sich mit dem Stifter des
Hauses begeben hat, der bei Minden sehaft ward.  Dieser war ein
Schuhmachergesell Namens Klas, gebrtig aus dem rtchen Corbach im
Waldeckischen.  Eines Tages, als er mit einem seiner Gesellen auf der
Wanderschaft war und durch den Hochwald lngs der Weser des Weges auf
Minden ging, kam ein wthender Wolf auf ihn los.  Sein Gesell hielt
den Anlauf nicht aus sondern entlief und kletterte auf einen Baum,
Klas aber blieb festen Fues und Auges stehen, nahm seinen Stock und
wartete des Wolfes; und als dieser auf ihn zufuhr, stie er ihm den
Stock in den offenen Rachen und stie so gewaltig, da der Stock
hinten wieder herausfuhr und der Wolf alle Viere von sich streckte.
Sein Gesell fand sich nun wieder zu ihm, diesen aber prgelte er von
sich weg als einen feigen und erbrmlichen Schcher, und ging mit ein
paar Khlern, welche das Abentheuer mit angesehen hatten, seines
Weges weiter durch den Wald und bernachtete im nchsten Dorfe.  Dem
Wolf hatte er die Haut abgezogen und trug dies herrliche
Siegeszeichen auf seinem Stock, da er sie einem Krschner in der
nchsten Stadt verkaufte.  Als Klas in der Dorfherberge angekommen
war, erzhlten die Khler den Kampf mit dem Wolfe, und alle Bauren
und Knechte und Dirnen liefen zusammen, da sie den jungen
Schuhmacher sahen, der den Wolf mit dem Stecken erschlagen hatte, wie
Knig David den Goliath mit dem Steinchen.  Und sie verwunderten sich
sehr, denn der Jngling sah so gewaltig nicht aus, wiewohl er stark
war; und sie wollten alle den Stecken sehen und betasten, die Dirnen
aber faten ihn nur mit Grausen an.  Es war sonst ein ganz
gewhnlicher Dornstock, den ein Becker in Corbach dem jungen Klas
geschenkt hatte zu seiner Wanderschaft, und er war an der Spitze
angebrannt, weil der Becker die Kohlen im Ofen zuweilen damit
umgerhrt hatte.  Desto mehr lobten die Leute Klas und freuten sich
ber ihn wegen der herzhaften Antwort, die er dem Schulzen des Dorfes
gab auf die Frage, wie er es denn mit dem Wolfe angefangen habe ihn
umzubringen; da habe es der Stecken wohl nicht allein gethan sondern
der Schusterpfriemen habe wohl mit beispringen mssen.  Denn Klas
sagte ihm ganz kurz: Herr Schulze, mit einem bischen Muth fngt man
alles gescheidt an, und so ist auch dieser Ofenstecken grade durch
den Wolf gegangen und hat nicht erst gefragt, ob seine Hinterthre
auch verschlossen war.  Der Schulze wollte das bel nehmen, und
brummte, aber die andern hieen ihn schweigen.  Denn Klas hatte alle
fr sich gewonnen durch sein freies tchtiges Wesen, und besonders
nahmen die hbschen jungen Dirnen sich seiner an und trugen ihm pfel
und Birnen und Nsse und Kuchen um die Wette zu und forderten ihn von
selbst auf zum Tanze, der spter den Abend in der Schenke begann; und
htten sie sich nicht entsehen vor den Leuten, einige htten ihn wohl
mit Vergngen geherzt und gekt.  Aber das geschah nicht, und Klas
selbst war noch sehr bld; denn dies war seine erste Wanderschaft und
berhaupt das erste Mal, da er in die Fremde ging.

Den andern Morgen, als die Sonne anbrach, nahm Klas seinen Stecken
und seine Wolfshaut und kam nach Minden und fand Arbeit bei einem
Meister und blieb dort.  Doch war es sein Glck, da er mit den
Khlern hier in der Dorfschenke angesprochen hatte, denn eine junge
und hbsche Bauerdirne hatte sich so in ihn verliebt, da sie Tag und
Nacht nichts anders sah und trumte als den jungen
Schuhmachergesellen Klas und da sie vor Sehnsucht und Liebe fast
abzehrte und ohne ihn gar nicht leben wollte.  Die ltern suchten ihr
das wohl auszureden, aber Liebe, die es redlich meint, ist, wie man
sagt, die unheilbarste aller Krankheiten.  Sie muten sich also, wenn
sie ihre Tochter behalten wollten, endlich darein geben, und gingen
selbst nach Minden und suchten Klas von Corbach auf, den jeder schon
kannte von wegen seiner Wolfsgeschichte; und sie brachten den wackern
Gesellen ihrer schnen Tochter zu, die ihr einziges Kind war, da er
sie zum Weibe nhme und vom Tode erlsete.  Und Klas lie sich nicht
lange bitten, denn die hbsche junge Dirne gefiel ihm, und er zog zu
ihr in das Dorf, und legte Pfriemen und Ahl weg und nahm Pflug und
Spaten dafr in die Hand und lebte als ein rechtschaffener Bauersmann
und ward nach einigen Jahren Schulze an dessen Stelle, der ber seine
Rede gebrummt hatte.  Und von seinem Stecken nannte ihn alle Welt
Klas Avenstaken; er aber gewhnte sich das Wort an, das andere von
ihm gebrauchten, Grad dr; denn sie pflegten im Scherze von ihm zu
sagen: Grad dr sagt Klas Avenstaken.  Und das behielten seine Enkel
und Urenkel nach ihm als ein gutes Wort, das Glck und Muth bedeutete.

Dem Peter in Dmmelshusen waren von seiner Frau Greth Tibbeke schon
viele Shne und Tchter gebohren, und die Greth hatte ihrem Manne
schon oft angelegen, er solle doch einen Sohn mit dem Hauptnamen in
der Freundschaft Klas taufen lassen; er hatte es aber immer verneint,
und den Buben andere Namen gegeben.  Nun geschah es, da wieder ein
Knabe gebohren wurde und da Peter mit Gewalt wollte, da dieser Klas
heien sollte, wogegen sich Greth sehr steifte, denn sie und die
Freundschaft wollten den Namen Johannes, weil er am Johannisabend zur
Welt gekommen war.  Auch sagte sie, indem sie das Kindlein in der
Wiege betrachtete: Sieh Mann, wie sanft und still der Junge aussieht!
das wird dir in der Welt kein Klas, der es mit einem Wolf aufnimmt;
aber Peter antwortete: Kikelkakel! eben deswegen soll er Klas heien,
die Frommen sind immer die besten Helden gewesen, und die wie
Eisenfresser aussehen, beien oft keinen Strohhalm inzwei.  Kurz, es
half der Greth kein Bitten und Flehen, kein Heulen und Schelten,
Peter war diesmal unerbittlich und sagte: Eben weil er am
Johannisabend, an einem so groen Abend, gebohren ist, soll er Klas
heien, und ich wette, ein tchtiger Klas wird er werden.  Und mit
diesen Worten nahm er seine Mtze vom Nagel und setzte sie etwas
queer auf, wie er zu thun pflegte, wann er zrnte, und ging hinaus
und achtete nicht des Geschreis seiner Greth und der Muhmen und
Gevatterinnen hinter ihm her.  Und der Priester mute den Knaben Klas
taufen.  So da die Greth, die ihren Johannes noch nicht vergessen
konnte, halb weinend und halb lachend sagte: Nein, dem Peter ist was
durch den nrrischen Kopf gefahren, wie es Hunden und Katzen zu
geschehen pflegt, die, wenn man ihnen die Jungen nimmt, da man eines
oder zwei hegen lasse und die brigen ersufe, immer wieder dieselben
Jungen aus allen zuerst ergreifen und wieder in ihr Lager tragen, wo
es die Leute dann auch liegen lassen und aufziehen, meinend, die Alte
msse am besten wissen, welche von ihren Jungen die besten seyen.
Ich will doch sehen, was aus diesem ausgegriffenen Klas meines lieben
Peters wird.

Und dem kleinen Klas gedieh sein Name wohl, er nahm unverzagt der
Mutter Brust und lie es sich gut schmecken, scho in dem zweiten
Monat schon seinen ersten Zahn aus, hatte den vierten Monat schon
sechs Zhne und geno nebenbei schon allerlei Speise und Trank, vor
dem neunten Monat aber stand er schon auf eigenen Fen und richtete
sein Antlitz zum Himmel auf.  Dann nahm Peter, sein Vater, ihn auf
den Arm, lchelte seelenvergngt und hielt ihn der Greth hin und
sprach: Sieh, Greth, welch ein Klas!  Greth aber halb bse halb
gutmthig antwortete: Dein Klas ist noch nicht ber alle Berge, ich
wollte doch, er hiee Johannes.  Und Peter setzte den Buben wieder
auf den Boden, sah zornig und ging stumm und verdrielich aus der
Thre.  Solche kleine Neckereien ber das Bbchen hatte es oft unter
den beiden Eheleuten, die sich brigens von ganzem Herzen liebten.
Sie schadeten dem kleinen Klas auch nicht sondern er gedieh wohl,
ward breit an Schultern und Brust, warf alle Knaben seines Alters und
auch die ein Jahr lter waren, zur Erde.

So war er im Essen, Trinken, Schlafen und Spielen fnf Jahre alt
geworden.  Nun stellte ihn der Vater den Frhling und Sommer schon
hinter die Gnse, und den Winter mute er in die Schule gehen und
beten und das ABC lernen.  Mit dem siebenten Jahre rckte er zum
Schweinhirten vor und im neunten mute er schon Ochsen und Pferde
hten.  Alles dies that er ordentlich und geschickt, so da der Vater
Freude daran hatte.  Das Einzige, worber Klagen einliefen, waren
Beulen, die er den Nachbarskindern schlug; Frau Greth jammerte auch
oft ber die vielen zerrissenen Hosen und Jacken, die er mit zu Hause
brachte, nein nicht immer mit zu Hause brachte sondern zuweilen auf
den Bumen und an den Dornen hangen lie; auch beschwerte sie den
obersten Richterstuhl des Vaters zuweilen mit Schiedsrichteramt, wann
er seine lteren Brder gebluet hatte; denn im Zorn konnte er alle
Knaben zwingen, auch die vier fnf Jahre lter waren als er.  Der
alte Peter freute sich gewhnlich, wenn er in solchen
hochnothpeinlichen Halsgerichtsfllen seinen Stuhl besteigen mute.
Der Schlu vom Liede war fast immer, da die Klger und Greth ihr
Anwald wegen Unstatthaftigkeit der Grnde und Zeugen abgewiesen
wurden.  Wohlgefllig sagte Peter dann: Ich wei, ich habe es in
meinen Knabenjahren auch so gemacht; hat denn der Klas je den Zank
angefangen? sind die andern nicht immer die Necker? ihnen geschieht
ihr Recht, wenn er sie tchtig abstraft.  Es ist gut, da er sie
zwingen kann, so wird ihnen die Lust dazu vergehen.  Und er nahm dann
seinen Klas gewhnlich und streichelte ihn und kte ihn und ermahnte
ihn zu aller Friedseligkeit.  Dessen bedurfte es aber in der That
nicht: Klas war einer der stillesten und freundlichsten Jungen, der
keiner Kreatur etwas zu Leide thun, am wenigsten schwchere und
kleinere Knaben necken konnte; aber wenn er gereitzt ward, gebrauchte
er die Kraft seiner Fuste nicht mittelmig.

Nicht so gut, als hinter den Gnsen, Suen und Ochsen ging es Klas
hinter den Bnken des Schulmeisters.  Er hatte zum Lernen wenig Lust
und Geschick und konnte es in vier Jahren kaum zum Lesen bringen;
denn was er im Winter gekonnt, hatte er im Sommer im Felde und Walde
immer richtig wieder ausgeschwitzt, so da seine Brder und die
Nachbarkinder in der Schule immer weit mehr gelobt wurden als er.
Doch hatte der alte Schulmeister ihn sehr lieb und gab ihm das Lob
der Sittigkeit, des Gehorsams und der Frmmigkeit.  Im Hause gab das
unter den Alten manchen kleinen Verdru.  Peter, der ihn von allen
seinen Kindern am liebsten hatte, was er sich aber nie merken lassen
wollte, setzte sich oft allein mit ihm hin und half ihm seine Lex
zurecht.  Aber sie kamen damit doch nicht durch, Greth nannte ihn oft
ihren breiten Dickkopf, und Peter konnte es nicht wenden, er mute es
anhren und still dazu schweigen, ja er mute es wohl leiden, da der
Jrgen und Joachim und Christoph, seine Brder, und die Thrine und
Therese, seine Schwestern, als geschicktere und klgere Kinder gelobt
wurden.  Dann sagte sie zuweilen auch wohl spttisch:--sie war sonst
eine herzensgute Frau--Peter, wir wollen doch sehen, was aus deinem
Klas wird; ich wollte, er hiee Johannes, er wre anders geworden.
Das schlug dann dem Fasse den Boden aus, Peter nahm die Mtze und
ging auf den Hof und in den Pferdestall, da er sich auslftete und
wieder besnne.  Und wann er sich besonnen hatte und wieder zurck
kam, brummte er wohl fr sich: Klas wird doch der beste werden.  Klas
gab nemlich ein anderes groes Zeichen von sich, worauf der Vater
Huser bauete: seit seinem vierten Jahre rief der Knabe immer Grad
dr, sobald er heftig ward oder was Heftiges und Ungestmes beginnen
wollte, besonders wenn er die Fuste zu Schlachten ballte.  Das that
kein anderes von Peter Avenstakens Kindern, obgleich sie das Wort aus
dem Munde des Vaters oft genug hren konnten.  Und Peter erlebte die
groe Freude, da Klas vor seinem neunten Jahre im ganzen Dorfe von
Alt und Jung Klas Grad dr genannt ward und da die Leute zu
Dmmelshusen wieder sagten: Grad dr sagt Klas Avenstaken.

Klas war zwlf Jahre alt geworden, war fr sein Alter ungewhnlich
gro und stark, stand sehr grad und fest auf den Beinen, hatte einen
groen Kopf und breite Stirn mit langen hngenden Flachshaaren, unter
welchen er aus ein paar trotzigen blauen Augen guckte.  Viele Leute
sagten, er wre ein schner Junge, Peter, sein Vater sagte, er ist
der schnste Junge im Dorfe, aber Greth meinte, er sey zu plump und
dick und seine Brder seyen viel schner.  Da kam der dreizehnte
Herbst seines Lebens, und mit dem November jenes Herbstes verschwand
Klas durch eine der wunderbarsten Begebenheiten, die ich jetzt
erzhlen will, pltzlich aus dem elterlichen Hause.

Peter hatte einen neuen Knecht gemiethet, der mit dem ersten November
zuzog.  Dieser hie Hans Valentin und war schon ein ltlicher Mann
von fnfzig Jahren.  Der Knecht war nicht lange im Hause, so schlo
er mit den Knaben eine sonderliche Freundschaft, am meisten aber mit
Klas.  Valentin wute nemlich viele Fabeln, Geschichten und Mhrchen
und allerlei alte lngst verschollene Leuschen*, und erzhlte sie
abendlich nach der Arbeit den Kindern; und er ward durch seine
schnen Geschichten bald so berhmt, da auch die Kinder der
Nachbarschaft hufig in Peters Haus kamen, damit sie ihn hrten.
Dies geschah meistens des Samstags und Sonntags Abends, wo Valentin
Zeit hatte zum Erzhlen.  Die Buben brachten dem Valentin pfel und
Nsse mit und andere schne Sachen, und so setzte die Genossenschaft
sich in einer Ecke hin und schmauste und erzhlte.  Das war aber das
Besondere, da von allen Kindern keiner die Geschichten besser
behielt und lebendiger wieder erzhlte als Klas; so da Peter ihm oft
mit Wohlgefallen zuhorchte und schmunzelnd der Greth zurief: Hrst
du's Greth? hrst du's, wie der Klas der Blitzjunge erzhlen kann?
Sie aber lie es kalt abgleiten und sagte wohl: Ja ein Klas ist er
und ein Klas bleibt er, ein rechter Mhrchenklas, aber Schulze wird
er nie werden, denn er kann ja nicht schreiben.  So sprachen die
Altern ber Klas jeder auf seine Weise; sie merkten aber nicht, da
mit Klas eine groe Vernderung vorging und da Valentin ihn viel
lebendiger und im Herzen viel lustiger machte.  Denn die Geschichten
ergriffen den Jungen so, da er nichts anderes sah und hrte,
dichtete und trumte als Hexen und Hexenmeister, Drachen und Riesen,
bezauberte Prinzessinnen und verwnschte Schlsser.  Ja es ging so
weit, da der Knabe manche liebe Nacht davor gar nicht schlafen
konnte, sondern oft die Augen noch offen hatte, wann der Hahn durch
seinen fnften Krei schon verkndigte, der Himmel wolle seine
geschlossenen Augen wieder aufthun.
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* Hbsches Wort fr Mhrchen.
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So war Valentin mit seinen Buben bis gegen das heilige Christfest
hingekommen, wo die langen Abende und die vielen Festtage zu Spielen
und Mhrchen Gelegenheit gaben und wo alle Welt wegen der Geburt des
sen Jesuskindleins sich mancherlei Festen und Freuden berlie und
wo Freunde mit Freunden und Nachbarn mit Nachbarn lustig lebten.
Valentin hatte bis auf diese frhliche Zeit seine besten Geschichten
aufgespart, er hatte den Kindern, welche nebst den Alten ihn
reichlich mit Gaben bedacht hatten, wie man zu sagen pflegt, seine
Musekiste aufgethan.  Von allen Geschichten aber, die er ihnen
auftischte, wurden sie am meisten erfreut durch die von dem
Pfannkuchenberge und von dem glsernen Berge, zu welchen er mit
heller Stimme folgende feinklingende Reime zu singen pflegte:

Wer sagt mir an, wo der Pfannkuchenberg liegt,
Gespickt mit Ochsenbraten,
Mit Zucker und Marzipan gefllt
Und Scheffeln voll Dukaten?
Glserner Berg, glserner Berg,
Wann springst du auf?
Spielender Zwerg, knstlicher Zwerg,
Wann wachst du auf?

Wann die Glock Zwlfe schlgt,
Wann der Dieb Scke trgt,
Dann spring' ich auf;

Wann der Hahn zum zweiten krht
Und der Mond am hchsten steht,
Dann wach' ich auf.
 

Diese Geschichten gefielen so sehr, da sie wenigstens vier Tage
hinter einander immer mit neuen Ausschmckungen erzhlt werden muten,
zumal da, wie Valentin wute, die beiden Berge in der Nachbarschaft
lagen in dem hohen Forst, in welchem er den Knaben, die dort oft das
Vieh gehtet hatten, die Eiche und Buche ganz deutlich beschrieb und
bezeichnete, die auf ihrem Gipfel stnden.  Bei Tage, setzte er hinzu,
kann man diesen Bergen freilich nicht ansehen, was sie eigentlich
sind, dann sehen sie aus wie alle andere Berge; aber um die
Mitternacht sind sie, was sie sind, der eine von dem allerklarsten
und allerdurchsichtigsten Glase, wo Mond und alle Sterne
durchscheinen bis auf den Grund, und der andere der prchtigste
Pfannkuchen, so prchtig, als er nie in einer Pfanne gebacken ist.
Die Sage geht, winkte er dann freundlich und mit leiserer Stimme, da,
wer in den Pfannkuchenberg steigt, ein groer Knig wird, und wer in
den glsernen Berg springt, ganze Scke mit Dukaten und goldenen
Bechern und silbernen Schalen mit zu Hause trgt; aber wer hat dazu
den Muth?  Solche Leute werden nicht alle Tage gebohren.

Das Wrtlein: Aber wer hat dazu den Muth? gab nun, wie es unter
Knaben zu geschehen pflegt, Gelegenheit zu vielem Necken, und sie
wetzten, drillten und foppten einander damit, und einige Wochen hrte
man am Schlu jeder Geschichte immer durchklingen: Aber wer hat dazu
den Muth? und einige Schlke sagten auch wohl Klas Grad dr hat den
Muth.  Und Klas zuckte es dann immer in den Fingern, und er htte sie
gewi gebraucht, wenn der Vater nicht dabei gewesen wre; denn Peter
strafte es hart, wenn die Buben sich in seiner Gegenwart rauften.
Indessen ging das Wort und die Neckerei immer fort und auch das Wort
Klas Grad dr hat den Muth; so da es dem Knaben endlich zu toll ward
und er bei sich selbst dachte: es ist doch auch schlecht, da ich den
Muth nicht haben soll.  Und eines Abends, als sie wieder so
stichelten und stachelten, entfiel ihm im Zorn das Wort: ja Klas Grad
dr hat den Muth, wenn ihr den Muth habt mit dabei zu seyn; und ihr
knnt nun whlen, was ihr wollt, ich nehme mir den Pfannkuchenberg,
worin der Knig sitzt, wo die groe Buche steht, und will
voransteigen als der erste, wenn ihr mitsteigt.  Und sie schmten
sich und schrieen alle: Ja!  Ja! wir wollen mit; denn es war eben der
helle Mittag und sie duchten sich alle des Muthes berflssig zu
haben, und hatten ihn damals auch.  Und so neckten sie sich den
ganzen Tag und Abend fort und fort, und Valentin und Peter und Greth
und die Knechte und Mgde, die es hrten, zogen sie auf; denn sie
glaubten nicht, da es ihr Ernst sey.  Die Knaben aber wurden dadurch
nur noch vergritzter auf ihren Vorsatz und der steife Klas hielt die
andern fest, indem er ihnen alles auf das herrlichste vormalte, wie
lustig sie dort leben und mit welchen Schtzen und Herrlichkeiten sie
zu Hause kommen wrden.

So war es Abend geworden, und es schlug zehn Uhr vom Kirchthurm, da
rief Klas: Frisch, Gesellen! heraus! es ist Zeit, wir haben ber eine
halbe Meile bis zum Walde.  Und die Gesellen gingen hinaus mit ihm,
seine drei Brder und noch fnf andere Knaben, alle in
Sonntagskleidern und mit weien Stcken in der Hand; denn mit weien
Haselstcken soll man Geistern und Abentheuern entgegen gehen.  Und
die Alten riefen und lachten hinter ihnen her, und der Valentin
lachte am lautesten, und sie dachten: die werden keine Berge sprengen
sondern bald wieder hier seyn.

Und die Knaben strichen geschwind ber das Feld hin, und Klas lief
allen voran, so brannte die Lust ihn, und sie krchzeten und kakelten
und jauchzeten, wie Krhen krchzen, wenn man sie von den Bumen
aufjagt, und Hhner kakeln, wenn man ihnen den Flug aufthut.  Und
alle blieben bei dem Vorsatz und waren voll Muthes, bis sie die Bume
des Waldes sehen konnten; da wurden sie fast alle still.  Als sie
aber an den Wald kamen und die hohen Bume rauschen und die Wasser
der Giebche aus der Ferne brausen hrten, da standen sie still, der
einzige Klas lief hinein.  Und da er die andern nicht folgen sah,
schalt er sie; sie aber achteten des nicht, sondern sagten der eine
dies der andere das, und keiner wollte mit.  Da nannte er sie feige
Memmen und rief ihnen spttisch zu: Klas Grad dr hat den Muth, und
dann rauschte er sporenstreichs durch die Struche fort immer bergan.
Sie aber rauschten ber das Feld zurck nach Hause und machten so
geschwinde Schritte, als htte ein jeder ein Gespenst an den Fersen
gehabt.

Und Klas lief eilends seines Weges auf manchen krummen Pfaden, die er
kannte, bergauf bergab, bis er auf der hchsten Hhe des Forsts die
Buche nicken sah.  Da mute er auch still stehen und ihm wollte der
Muth auch fast klein werden, zumal da er wohl vier Kirchenglocken aus
der Ferne eben zwlf schlagen hrte.  Aber wie er ein wackerer Bub
war, so sprach er sich das Wort zu, das sein Vater ihm so oft gesagt
hatte: ein Kerl msse nie vor einem Entschlusse umkehren, den er in
lustiger Stunde gefat habe, und, wenn es zur That komme, sich wie
ein Hase auf die Hinterfe setzen; und Klas rief Grad dr! da der
Wald wiederhallte, und so sauste er den Berg hinan.  Und er kam hin,
wo er eben die Buche noch gesehen hatte, aber sie stand nicht mehr da,
wohl aber duftete und schimmerte der schnste Pfannkuchenberg im
Mondschein.  Und Klas bedachte sich nicht lange, that beherzt seine
beiden Augen zu, richtete sich mit beiden Fen auf die Zehenspitzen,
wagte den Sprung und rief: Grad dr sagt Klas Avenstaken.

Und der Sprung misrieth ihm nicht, und er glitt sanft in den Berg
hinein und sank leise und langsam hinab, als wre er gefahren, wie
man Eier im Hopfensack zu fahren pflegt.  Und es duchte ihm, er ward
lieblich hinabgeschaukelt und hinabgewiegt und da er entschlief und
wundersame Trume hatte, worin ihm sein alter Hans Valentin erschien
und ihm gar wohlgefllig und freundlich zulchelte.

Und als er erwachte, da war es dmmerig um ihn her, er fhlte aber,
da er in einem weichen Bette lag, auf so weichen und feinen Kissen,
als Greth seine Mutter ihm nie untergelegt hatte.  Und das gefiel ihm
sehr.  Aber ihn hungerte, und das gefiel ihm nicht.  Da fing es an
hell zu werden und er bedachte und besann sich ber gestern und ber
die vorigen Tage und sprach: Hier soll ich ja im Pfannkuchenberg seyn,
will sehen, ob Valentin mir auch was vorgelegen hat.  Und er rieb
sich die Augen auf und es ward lichter um ihn; es fiel aber nur ein
dmmerndes Licht von oben herab.  Und seine Augen freueten sich, und
sein Herz freuete sich noch mehr; denn was ward er gewahr?  Da er
nun wirklich mitten in dem Pfannkuchenberg war und da der alte
Valentin nicht gelogen hatte.  Denn er war nun in einem Zimmer, worin
ein Bett und ein Tisch und eine Bank war, fast wie in seines Vaters
Hause; nur alles netter und zierlicher.  Und das Zimmer war
ringsumher gar herrlich geschmckt und verhangen.  Da waren die Wnde
mit gebratenen Gnsen und Enten und Hhnern und Schnepfen und
Rebhhnern und Wachteln und Krametsvgeln wie mit den schnsten
Tapeten in der buntesten Mannigfaltigkeit verziert und mit Hasen und
Hirschen und Rehen in Menge, und die schnsten Schsseln und Teller
und Messer und Gabeln hingen dabei.  Das war die eine Seite.  Und die
andere Seite war mit Kuchen ausgeschmckt und mit Zuckerwerk und
Marzipan und mit kstlichen Frchten, Pfirsichen, Aprikosen,
Apfelsinen, Weintrauben, pfeln, Birnen, Pflaumen, Nssen und was
Zunge und Zahn sich in ihrer Lsternheit nur wnschen mgen zu
schlrfen und zu beien.  Und an den beiden schmaleren Enden des
Zimmers standen blhende Bume und Bume voll Frchte, und unter den
Bumen liefen je zwei Quellen heraus: an dem einen Ende war eine
Wasserquelle und eine Milchquelle, und an dem andern Ende war eine
Bierquelle und eine Weinquelle.  Klas kmmerte sich um zwei Quellen
gar wenig, nemlich um die Wasserquelle und die Bierquelle sondern
gebrauchte allein die Milchquelle und die Weinquelle.  Dieses ganze
Zimmer war ein Wunder, aber das grte Wunder daran war, da jeder
verzehrte Braten und jede verschlungene Birne oder Traube gleich
wieder an derselben Stelle wuchs, wo er sie weggerissen hatte, und
da die Milchquelle und Weinquelle nie versiegten.  Ja ich glaube,
ein ganzes Heer Reiter und Fuvolk htte in dem Pfannkuchenberge ein
Jahrtausend essen und trinken knnen, und es wre nicht all geworden.

Und unser Klas a und trank wie ein Kerl, ja er a und trank
bermig, und es bekam ihm doch nicht bel.  Das geschah ihm aber
immer, da er sogleich nach dem Essen und Trinken einschlief, so da
man fast sagen mag, er that nichts anderes als essen, trinken und
schlafen.  Er wachte aber etwa fnfmal des Tages auf, und dann a und
trank er jedesmal tchtig; die Nchte durch aber schlief er immer in
Einem fort vom Abend bis zum Morgen, ohne da er je erwachte.  Weil
dies nun sein Leben war und sein dmmerndes Zimmer ihn an nichts
erinnerte, was er dort oben auf der Erde erlebt und gesehen hatte, so
verschwand ihm das Vergangene fast ganz aus dem Gedchtnisse.  Nur
seines Vaters Peter gedachte er zuweilen und des treuen Valentins und
des freundlichen alten Schulmeisters; aber das war ihm auch nur wie
ein Traum.  Das aber hielt er von gttlichen und heiligen Dingen und
Gewohnheiten fest, da er jedesmal, ehe er a, sich kreuzete und die
Hnde faltete und betete.  Er konnte aber nur Ein Gebet, das nicht
sehr lang war, und hie:

Frchte Gott,
Liebes Kind,
Gott der Herr
Sieht und wei
Alle Dinge.

Dies Gebet betete er immer sehr andchtig.  Seine Schlafstunden bei
Tage und auch die Nacht, wo er im Bette lag, waren ein ewiger Traum,
und zwar ein sehr bunter und lustiger Traum, wo alle Valentinische
Geschichten und Mhrchen wunderbar aufblheten und wieder tausend
andere Geschichten und Mhrchen gebahren, wo er immer mitten drinnen
war und ungeheure Thaten vollbrachte, Drachen und Riesen erschlug
eiserne und diamantene Thore zersprengte Prinzessinnen befreiete und
endlich Knig ward.

Klas verlebte auf diese Weise, ohne da er wute, wie ihm geschah, in
seinem Pfannkuchenberge ein ganz vergngtes und lustiges Leben.  Es
war aber in dem Traume jemand da, der ihm die Geschichten erzhlte
oder vormachte.  Dies war nicht Valentin sondern seine verstorbene
Gromutter, die er in seinen frhesten Kinderjahren noch in seines
Vaters Hause gesehen hatte.  Diese schien dann zu seinen Huptern zu
stehen oder auf den Knien vor ihm zu liegen und ber ihm zu beten,
und erzhlte ihm zuletzt immer Geschichten.  So hat er es in spteren
Jahren oft mit tiefer Bewegung erzhlt und gemeint, wenn etwas Gutes
aus ihm geworden, so verdanke er es den stillen Gebeten dieses
frommen und von Gott erlseten Geistes, der seinen Irrthum, womit er
in den Berg hinabgesprungen, zum Guten gewendet habe.

So waren ihm fnf Jahre vergangen wie Ein Tag, und essend und
trinkend war er immer tiefer hinabgesunken, und das Zimmer hatte sich
mit ihm gesenkt.  Und er hatte sich glcklich durch den zauberischen
Berg gefressen; denn durchfressen mute sich, wer hineinsprang, hatte
Valentin gesagt, anders konnte er nimmer aus dem Berge erlst werden.
Wie viel er aber in dieser langen Zeit gegessen und getrunken hat,
wer will das wohl ausrechnen?  Gewi ist es aber nicht weniger
gewesen, als zehen der unverdrossensten Esser und Trinker nur htten
bezwingen knnen.  Auch war es nicht verloren an ihm sondern er war
ein gar starker und reisiger Jngling geworden.  Davon wute er aber
nichts, denn er hatte niemand, an dem er's htte versuchen knnen,
auch war kein Spiegel in seinem Zimmer, der es ihm htte verrathen
knnen.

Als nun die fnf Jahre um waren und Klas sich unten bis an den Rand
durchgefressen hatte, und nun wieder herausfallen sollte auf die Erde,
damit sein Schicksal erfllet wrde, fiel er in einen tiefen Schlaf,
und ihm trumte ein sonderbarerer Traum, als er je gehabt hatte.  Die
alte weise Frau nehmlich, die immer bei ihm sa und ihm Geschichten
erzhlte und aussah wie seine selige Gromutter, schien ihm sehr
traurig und gebehrdete sich, als wenn sie Abschied von ihm nehmen
wollte, ja sie sagte es ihm.  Und es duchte ihm, als wenn sie sehr
brnstig und mit vielen Thrnen ber ihm betete und ihn dann aus dem
Bette nahm und ihn wusch, wie man ein kleines Kind wscht, bis er
wei ward wie ein Schwan, und als wenn sie ihm dann ein weies Hemd
anzog und einen sehr zierlichen neuen Rock und neue Schuhe und
Strmpfe, und dann verschwand.  Und auch ihm schien sehr traurig zu
seyn in seinem Herzen.  Und dies war wirklich kein Traum gewesen
sondern er war drinnen rein gewaschen worden und neu gekleidet vom
Haupt bis zu den Fen, und so war er im Traum aus dem Berge
herausgefallen.  Er hatte es aber nicht gemerkt sondern diese
Wundergeschichte verschlafen.

Weil Klas Avenstaken nun wieder auf der Erde erscheinen soll, so mu
ich erzhlen, wie es die fnf Jahre, wo er im Pfannkuchenberge lebte,
in seines Vaters Hause gegangen war.  Es hatte sich dort seit seinem
Verschwinden nichts Ungewhnliches begeben, sie lebten gottlob noch
alle, die Altern und die Geschwister, und seine mitternchtliche
Pfannkuchenbergfahrt war wirklich das einzige Auerordentliche
gewesen, was das Haus in so langer Zeit erlitten hatte.  Es war lange
Trauer um ihn gewesen, besonders in dem Herzen seines Vaters, der es
sich aber nicht merken lie, auch in dem alten ehrlichen Valentin,
den die Mutter berdies wegen seiner Geschichten noch viel
ausgescholten hatte.  Es war aber seit jener Zeit alle Freude von ihm
gewichen und kein Mhrchen mehr ber seine Lippen geklungen, und der
alte Mann, der sonst so munter und scherzhaft war, war fast stumm und
grmlich geworden.  Auch hatte er aus dem Hause und dem Dienst
weggewollt, Peter aber in seiner Gutmthigkeit hatte es nicht
zugelassen, und gesprochen: hat der Valentin so groes Leid mit uns
erfahren, so soll er nun auch das bischen Brod mit uns essen bis an
sein Lebensende.  Von Klas ward brigens fast nicht mehr gesprochen
oder doch nur leise geflstert; die meisten Leute und auch seine
Mutter meinten, die bsen Geister seyen mit ihm abgefahren und das
Knblein werde in diesem Leben nicht wiederkommen.  Nur Valentin und
Peter sprachen zuweilen unter sich noch von dem Knaben, den sie beide
so lieb gehabt hatten, und hegten verschwiegen die Hoffnung, er knne
doch noch wohl mal wiederkommen.  Die beiden glaubten auch an die
Geschichten, die sie so gern erzhlten oder erzhlen hrten.  Und
siehe! ihre Hoffnung betrog sie nicht; denn Klas kam wirklich wieder.
Nun mu ich erzhlen, wie dies geschehen ist.

Weil Wunder immer auf das wunderbarste geschehen, so begab es sich,
da Klas gerade auf derselben Stelle, wo er einst versunken, aus dem
Pfannkuchenberge wieder in diese Welt hineingefallen war.  Das konnte
nun doch nicht anders geschehen, als da der Pfannkuchenberg sich
umgekehrt hat, und da die ganze Welt sich mit ihm umgekehrt hat.
Eines von beiden mute geschehen seyn, und weil es so war, deswegen
heit es ein Wunder; denn ein Wunder ist, was jeder Mensch wohl
wissen aber doch kein Mensch begreifen kann.  Kurz und gut, als Klas
erwachte, lag er nicht in seinen weichen Betten sondern im grnen
Grase und sah seine wohlbekannte Buche wieder und den hohen Berg,
worauf er so oft die Rinder getrieben hatte, und den ganzen Wald und
das Feld drunten, und die Drfer und ihre Kirchthrme kamen ihm
wieder wie alte Bekannte vor, jene fnf im Pfannkuchenberge verlebten
Jahre aber waren ihm wie ein Traum, und es war ihm nicht anders, als
sey nur eine Nacht vergangen zwischen dem Abend, wo seine Brder und
Gesellen von ihm liefen, und diesem Morgen, wo die Lerchen der Erde
ihn wieder wach sangen.  Es war aber ein sehr schner Frhlingstag,
als er sich durchgefressen hatte und wieder aus dem Berge fiel.

Klas lag nicht lange im Grase und gaffte, sondern er machte sich bald
auf und lief geschwinde durch den Wald und ber das Feld grad auf
seines Vaters Haus zu.  Und er fand, als er in die Stube trat, seine
ltern und Geschwister und den Valentin alle um den Tisch stehend,
die eben die Hnde zum Gebet gefaltet hatten; denn sie wollten
frhstcken.  So trat er unter sie.  Er war aber sehr gro und schn,
beinahe eines halben Kopfes hher als Peter, der auch kein kleiner
Mann war, und er hatte schne neue Kleider an.  Und deswegen sahen
sie alle auf und verneigten sich vor ihm, denn sie meinten, er sey
ein Fremder.  Er aber fiel Vater und Mutter und Schwestern und
Brdern um den Hals und herzte und kte sie, und sagte: ich bin Klas
und bin wieder aus dem Pfannkuchenberge gekommen; und auch den alten
Valentin, seinen sehr lieben Freund, kte er recht herzlich.  Und
sie erkannten ihn nun wieder an manchen Zeichen, und erstaunten sehr
und freueten sich, da er so gro und hbsch geworden.

Als nun aber das erste Erstaunen vorbei war, da wollten alle wissen,
wie es ihm gegangen war in den fnf Jahren und drei Monaten, die er
weg gewesen; und das ganze Dorf war herbeigelaufen, da sie Klas
Avenstaken shen, und das erste Wort war immer: Nun lieber Klas,
erzhle uns, wie ist es ergangen? und wie sieht es in dem
Pfannkuchenberge aus?  Er wute ihnen aber nicht viel zu sagen,
sondern es kam alles dunkel heraus wie Trume und
Gespenstergeschichten; so da einige ihn mit erschrockenen Augen
anguckten, als sey es nicht geheuer mit ihm und als treiben schlimme
Geister in ihm ihr Spiel, andere wohl hie und da flsterten: der Klas
lgt, er ist nicht in dem Pfannkuchenberge gewesen, er ist von seinen
ltern gelaufen und ist nun wiedergekommen, und der schlaue Schulze
hat die ganze Geschichte erfunden, da er seine Schlappe bemntele.
Die meisten indessen hatten Glauben zu dem Abentheuer und fanden
recht groen Gefallen an der Erzhlung, wie sein Zimmer mit Braten,
Kuchen und Frchten tapeziert gewesen, und wie der Milchborn und
Weinborn immer im Flusse gewesen: und das glaubten sie wohl, denn sie
sahen seinen starken und schnen Gliedern und seinen rosenrothen
Wangen und funkelnden Augen wohl an, da er die Zeit nicht gehungert
hatte.  Seine Mutter aber war die erste, die ihn voll Ungeduld nach
den Scken mit goldenen Dukaten fragte und ob er keine mitgebracht
habe?  Als er nun antwortete, da msse der Valentin sich in der
Geschichte versprochen haben, denn von Gold und Silber habe er in dem
Pfannkuchenberge auch kein Prbchen gesehen, da kopfschttelte sie
und meinte, er habe die fnf Jahre eben so gut zu Hause bleiben und
die Wirthschaft mehren und an ihrem Tische essen knnen: denn was
helfe es ihm nun, da er Fasanen und Waldschnepfen gegessen und den
kstlichsten Wein geschlrft habe? ohne Geld, mge er sich nur nicht
einbilden, da ein Mensch Knig werden knne, was der einfltige
Valentin ihm vorgefabelt habe.  Denn Valentin bekam bei Gelegenheit
immer sein Seitenhiebchen mit ab.  Und soll ich nun die Wahrheit
sagen, so lautet sie so: Die ersten Tage waren die Leute im Dorfe
auer sich ber Klas und strmten Peters Haus fast, die ersten Wochen
verwunderten sie sich sehr, die ersten Monate sprachen sie viel davon,
und nach einem Jahre war die Geschichte von den meisten schon wieder
vergessen.  Die aber immer noch viel von der Geschichte sprachen, das
waren die jungen Dirnen, denn ihnen gefiel Klas ber alle Maaen, und
wo sie es sagen durften, riefen sie fast einstimmig: Klas Avenstaken
ist doch der schnste Junge im Dorfe.

Klas war in seinem achtzehnten Jahre und fand sich wieder auf der
Welt, wie er wohl wute.  Er machte sich rstig an die Arbeit, denn
dazu hatte er Sehnen und Knochen, und ging mit seinem Vater pflgen
und sen, Steine brechen und Holz hauen, Gras und Korn mhen, und
that all sein Werk still und bescheiden und schaffte so viel als drei
andere.  Und der Vater hatte ihn immer sehr lieb und auch der alte
Valentin freute sich an ihm.  Auch die Mutter freute sich seiner
schnen Jugend und Gestalt, was Mtter und Weiber nicht lassen knnen,
und schmunzelte oft, wenn die Nachbarinnen ihn wegen seiner Schne
lobten; aber im Ganzen war er ihr doch nicht zu Sinn und duchte ihr
zu still und zu einfltig und nicht so geschickt und anstellig, als
ihre andern Kinder.  Und wirklich viele Worte konnte Klas nicht
machen, ja er war viel stiller geworden, denn er als Knabe gewesen;
auch hatte er in den fnf Jahren, die er in dem Berge gesessen, gar
nichts zugelernt sondern schier alles vergessen, was er aus der
Schule mitgebracht hatte; so da er nichts weiter wute als sein
einziges kurzes Gebetchen.  Doch wute die Greth mit Grunde nichts
auf ihn zu sagen: er war gehorsam und demthig in aller Arbeit, ging
fleiig mit andern Christen zur Kirche und hielt alle heiligen Tage
und Feste sittiglich und andchtiglich mit, und hatte bei
jedermnniglich Liebe und ein gutes Gercht.  Das Einzige, was sie an
ihm tadelte und mit Recht tadeln konnte, war, da er abendlich und
nchtlich viel auer dem Hause war.  Denn das konnte er nicht lassen,
besonders an Sonntagen und Festtagen.  So wie die Sonne unterging,
mute er in Feld und Wald spazieren, und oft besuchte er dann auch
den Berg, wo er sein Abentheuer gehabt hatte, und sa unter der
grnen Buche und trumte die lustigsten Trume des Pfannkuchenberges
noch einmal und kam gewhnlich stummer und in sich gekehrter zu Hause,
als er ausgegangen.  Wenn Greth ihn nun darber auch nicht schalt,
so mute es der Peter entgelten, wenn er den Klas lobte.  Sie brummte
dann wohl fr sich hin: ja was ist denn dein Klas? was hat ihm die
ganze Bergfahrt gefrommt, wovon man so viel Geschrei macht?  Reicher
ist er nicht geworden, klger wahrhaftig auch nicht, unser Speck und
Brod htte ihn eben so stark machen knnen, und er htte uns noch
Geld dazu verdient.  Er ist als der blde und stumme Dickkopf
wiedergekommen, als welcher er weglief.  Dein Klas ist der Klas
geblieben.  Solche Reden mute Peter oft hren und verschlucken, und
grmte sich und durfte kein Wort dazu sagen.  Doch in seinem Herzen
duchte es ihm alles anders, und er und Valentin lieen den Gedanken
nicht fahren, der Klas msse noch ein rechter Bidermann werden.

So waren wieder drittehalb Jahre vergangen und Klas war an Schenkeln
und Schultern noch strker und wo mglich noch schner geworden, und
fllte sein zwanzigstes Jahr.  Da begab sich, was sich begeben sollte,
damit er aus dem Bauerkittel herauskme und zu den hohen Ehren
gelangte, wozu Gott ihn hatte gebohren werden lassen.

Er war mit seinem Vater in den Wald gegangen Holz zu fllen.  Sie
hieben an zwei verschiedenen Seiten einige hundert Schritt von
einander, so da sie nur den Schall ihrer xte hren konnten und
nichts weiter.  So mogten sie wohl einige Stunden gearbeitet haben,
als Klas mit Einem Male von der Stelle her, wo Peter hieb, ein
klagendes chzen hrte.  Er lie seine Arbeit und lief sporenstreichs
hin und sah, wie vier Mnner in grnen Rcken seinem Vater die Hnde
auf den Rcken gebunden hatten und ihn mit Prgeln forttrieben.  Da
ergrimmte er, sprang hinzu, ri die Bande los, stie die Mnner weg
und fragte sie, aus welcher Macht sie das thten.  Sie antworteten
ihm, er komme in guter Stunde, und ihm werde bald dasselbe geschehen;
denn sie beide seyen Holzdiebe und hauen nicht auf ihrem Grunde
sondern es sey des gndigen Herrn Wald.  Es waren aber diese Viere
Jger des Grafen, dem das Land gehrte, doch war der Wald, wo Peter
und Klas Holz fllten, nicht des Grafen eigener Wald sondern eine
Almend des Dorfes Dmmelshusen.  Und sie wortwechselten noch viel mit
einander; als die Jger sich aber unterstanden den Alten wieder zu
binden und auch den Klas binden wollten, da kam der Zorn ber ihn und
er rief mit gewaltiger Stimme Grad dr! und hieb mit der Axt um sich,
und hieb sie alle vier nieder, da auch kein Lebenszeichen in ihnen
blieb.  Seinen Vater aber trstete er des Schimpfes, und ging mit ihm
zu Hause, wo er jedermann offen erzhlte, was sich zwischen ihm und
den Jgern des Grafen im Walde begeben hatte.

Es ward ihm und seinem Vater aber nicht so geglaubt, sondern es hie,
er habe die Jger gewaltsam angegriffen und gefllt.  Und der Graf
sandte viele hundert Mann mit Spieen und Stangen nach Dmmelshusen,
da sie den Klas einfingen und ins Gefngni fhrten.  Und Klas
entwich nicht, wiewohl er es gekonnt htte, und weigerte und wehrte
sich nicht, sondern lie sich ruhig wegfhren.  Denn er sprach bei
sich: Der Obrigkeit soll man gehorchen und unterthan seyn, und Gott
wird Recht und Unschuld wohl ans Licht bringen.

Und als er in die Stadt kam, wo der Graf wohnte, nahmen sie ihn und
legten ihm Hnde und Fe in Eisen wie einem Missethter und warfen
ihn in ein dunkles Gefngni, wo weder Sonne noch Mond hineinschien,
und hielten ein strenges Gericht ber ihn und verdammten ihn zum Tode,
als der des Landes Frieden gebrochen und schweren Mord begangen
htte.  Und alsbald lie der Graf, der ber den Tod seiner Jger sehr
erzrnt war, einen neuen Galgen bauen vor den Thoren der Stadt
fnfzig Ellen hoch, woran Klas Avenstaken gehngt werden sollte.  Und
es waren viele tausend Menschen aus allen Enden herbeigelaufen den
Tag, als er gehngt werden sollte; denn sein Gercht war weit
erschollen wegen seiner Strke und Schnheit, auch hatten die Leute
sich das Mhrchen von dem Pfannkuchenberge wieder erzhlt und es mit
vielen neuen Wundern vermehrt.

Und als die Sonne des Morgens aufging, wo Klas als ein armer Snder
sterben sollte, ward er aus dem Stadtthore hinausgefhrt, und trug
seine schweren Ketten so leicht, als wren es Strohhalme gewesen, und
schritt wohlgemuth und festen Angesichts daher; denn er hatte recht
andchtig gebetet und trstete sich Gottes, da er sich keiner
schweren und freiwilligen Schuld bewut war.  Und der Jngling
duchte den Leuten schner als je und aller Augen flossen in Thrnen
ber da ein so schnes junges Blut sterben sollte; besonders aber
jammerten die Weiber und Jungfrauen, deren Herz von Natur mitleidiger
ist, und manche dachte wohl: knntest du ihn vom Galgen lsen, du
nhmest ihn gleich zum Mann und schmtest dich nicht.  Als aber Klas
unter den Galgen gefhrt ward und die Priester mit dem Kreuze in der
Hand um ihn her standen und zu ihm sprachen und geistliche Lieder
sangen und die Henker die Leiter und Stricke zurecht machten, da ward
das Weinen ein lautes Schluchzen und Heulen und Schreien rings um das
Hochgericht.  Unter andern war auch eine schne junge Frau da, welche
sich durch den Haufen gedrngt hatte und dem Klas grade gegenber
stand, so da sie ihm ins Gesicht schauen konnte.  Diese rief so laut,
da alle Leute es hrten und er es auch hren konnte: O thte dieser
doch nun den Schergen und Henkern, wie Simson den Philistern und
zerbrche seine Bande!  Und Klas fiel die Geschichte von Simson aus
der Schule wieder ein, und er dachte: versuchen kannst du es wohl, ob
es Gottes Wille wre.  Und er raffte seine Glieder zusammen und
spannte seine Sehnen und rief voll Zorns Grad dr! und die eisernen
Ketten sprangen, als wren es Rohrseile gewesen, und er strmte durch
die Henker und Schergen und durch alles Volk hin und warf links und
rechts alles mit den mchtigen Fusten nieder.  Das Volk aber
jauchzte und schrie: Grad dr, Klas! und Klas lief wie ein Hirsch,
der mit seinen Beinen spielt, ber das Feld hin in den Wald, und die
ihm zu Fu und zu Pferde nachjagten, konnten ihn nicht einholen.  Die
Henker aber, ergrimmt, da sie so ihre Beute verloren hatten, griffen
die schne junge Frau, die den simsonischen Wunsch ausgesprochen
hatte, und meinten, sie knnten sie nun hngen.  Aber das Volk schrie
laut dagegen und die Priester schalten sie, da die Frau es ja nur aus
menschlicher Barmherzigkeit mit einem armen Snder gesprochen habe,
und der Graf, der auf das Getose und Getmmel wegen Klasens Flucht
herbeigekommen war, befahl, da sie die Frau wieder frei lieen; und
so geschah es.  Es war aber ein gewaltiges Jauchzen und Frohlocken
unter allem Volke, da Klas so entronnen war; denn da sie ihn wieder
fangen wrden, glaubten sie nicht.  Auch fingen ihn nicht wieder, die
ihm nachgejagt waren; ich glaube auch nicht, da sie besonders groe
Lust gehabt hatten, sich an ihn zu machen.  Denn sie hatten gehrt,
wie er jenen vier Jgern gethan hatte, und sie hatten eben gesehen,
was seine Knochen und Sehnen vermogten und wie Schergen und Henker
und alles Volk, das ihm im Wege stand, unter seinen Fusten
hingestrzt waren.  Auch in Dmmelshusen hrten sie bald, was unter
dem Galgen geschehen war, und freueten sich; und die Altern und
Geschwister richteten sich wieder auf aus dem Elende und der Schmach,
und Peter faltete die Hnde und betete: Gott du bist gerecht, Klas
ist kein Mrder, er hat sich fr mich und sich nur ungerechter Gewalt
erwehrt.

Als Klas in den Wald gekommen war, wo keine offene Straen waren,
lief er nicht mehr sondern ging sachte und hrte seine Jger und
Verfolger ruhig um sich her tosen.  Er hatte sich schon einen
tchtigen knotigen Ast von einer schmeidigen Eiche gebrochen und
zurecht gemacht, und dachte: La sie nur kommen, zehen und zwanzig
von ihnen thun mir's nicht, wenn Gott nicht wider mich ist.  Sie
lrmten und toseten und getmmelten aber gewaltig mit Hunden und
Pferden durch den Wald, aber auf ihn stie keiner; und er ging seines
Weges fort, bis es Nacht ward.  Da nahm er Herberge bei einem Khler.
So ging er noch einen Tag fort, da gelangte er auf das Blachfeld,
das zwischen der Weser und Elbe hinstreicht bis ans Meer, und er
dachte: hier mut du dich mehr in Acht nehmen, weil sie in hellen
Haufen hinter dich her setzen knnen.  Daher schlug er abgelegene
Wege ein durch Wlder und Smpfe und kehrte meistens ein bei einsamen
Leuten, bei Hirten, Khlern und Mllern im Walde.  Und als der fnfte
Tag anbrach, da sah er zum ersten Mal in seinem Leben das Meer und
erstaunte ob der Gewalt und Pracht und fiel auf sein Angesicht und
betete und dankte Gott, da er ihm bis dahin geholfen hatte.  Das
wute er aber noch nicht, was das Meer aus ihm machen sollte.

Klas war an der Elbe angelangt in der Gegend, wo sie bald ins Meer
fllt und sehr breit ist, und ging lngs ihrem Strande hin auf
Schiffe zu, die er in der Ferne liegen sah.  Es war eben die Zeit der
Ebbe und der Strand gar flach.  Er wute aber nichts von Ebbe und
Fluth; denn was wissen die Leute, die in Berg und Wald wohnen, vom
Meer?  Und er war einige Stunden am Strome so in Gedanken
fortgeschlendert und hatte nicht gemerkt, da das Wasser zunahm.  Es
fing aber die Fluth wieder an und wuchs bald mit so jhlicher Gewalt,
da er in einem Augenblick rings mit Wasser umflossen war, das ihm
bis ber den Grtel stieg. Da lief er was er konnte den Schiffen zu,
die nun nicht mehr fern waren, und sttzte sich an einer langen
Stange, die an ihm hinschwamm und die er ergriff.  Aber das nchste
Schiff, wozu er gelangte, lag auf der Tiefe, wohl zwanzig Schritt vom
Lande.  Und Klas nahm seine Stange und schwang sich daran empor und
rief Grad dr! und schnellte sich fort und sprang pltzlich mitten
auf das Schiff hinab.  Die Leute aber, die unten im Raum waren,
erschracken ber den Knall, den seine Fe gaben, und kamen auf das
Verdeck herauf; denn es hatte geknallt, als htte das Gewitter
eingeschlagen.  Und sie erstaunten, als sie den groen und
stattlichen Mann mit der Stange darauf stehen sahen, und fragten ihn,
ob er komme, als Freund oder Feind als Heide oder Christ.  Als er
ihnen bejahet hatte, da er beides als Freund und als Christ komme,
so schttelten sie ihm alle nach einander die Hand, und bald brachte
ihm einer eine groe Schale voll Meth und hie ihn trinken; und er
trank, und jeder von ihnen trank der Reihe nach auch.  Und das sollte
ein Zeichen des Friedens und der Brderschaft seyn.

Es waren wohl fnfzig Mnner auf dem Schiffe, starke grogliedrige
Gesellen, von wildem und rauhem Ansehen.  Klas hatte in seinem Lande
dergleichen nie gesehen und htte sie wohl fr Ruber und Unchristen
gehalten, wenn an dem Maste nicht das Zeichen des Kreuzes eingehauen
und die Flagge nicht wie ein Kreuz ausgeschnitten gewesen wre.  Und
sie waren allerdings Christen, aber Ruber waren sie auch.  Das
sagten sie ihm bald unverholen, nachdem er ihnen einen Theil seiner
Geschichte erzhlt hatte und durch welche simsonische Khnheit er dem
Galgen entlaufen war.  Sie hatten ihn anfangs barsch angesehen, als
ob sie ihm nicht traueten; aber die wilden Gesichter wurden immer
freundlicher, je weiter er in seiner Erzhlung vorschritt.  Und als
er geendigt hatte, trat derjenige unter ihnen zu ihm, der als der
vornehmste aussah und in der That ihr Hauptmann war, schttelte ihm
die Hand, umhalste ihn und sprach: Willkommen Klas! solche Leute
knnen wir brauchen, du sollst hinfort unser Stallbruder seyn auf
Leben und Tod und Ehre und Beute mit uns theilen.  Und der Hauptmann
erzhlte ihm, sie seyen friesische Mnner von den Inseln und Ksten
und leben meist vom Raube, den die See gebe und das Heidenland, aber
Christen lassen sie unangetastet.  Als Klas das Letzte hrte, schlug
er getrost ein und lie es sich gefallen mit ihnen zu ziehen, wiewohl
sie ihm etwas greuliche Leute zu seyn duchten.

Sie lagen noch wohl zehen Tage da vor Anker am Ufer des Stroms, weil
der Wind aus Westen wehete, und Klas lernte sehr bald, wie man das
Schiffsgerth und Ruder und Segel handhaben mu, denn er war sehr
gewandt.  Er ward nun auch gewaffnet nach Seeruberart; sie nannten
sich aber nicht Seeruber sondern Meerfahrer oder Wikinger.  Bald
stand Klas in voller Wagenrstung wie ein Wikinger da.  Er trug aber,
wann er in voller Rstung war, einen Kettenpanzer, einen eisernen
Helm und einen runden Schild mit Buckeln, und fhrte in der Rechten
eine scharfe Streitaxt und an der linken Seite ein kurzes breites
Schwerdt; Speere aber zum Werfen und Stangen zum Schlagen und Stoen
lagen im Schiffe genug, die jeder auf seine Weise gebrauchen mogte,
wann der Feind angriff.  Auch hatte es mchtige Stahlbogen und Pfeile
in Menge, und damit wute Klas wohl umzugehen, weil er die letzten
Jahre mit seinem Vater oft auf die Jagd ausgegangen war.  Er spannte
aber den strksten Bogen so leicht, da seine Gesellen erstaunten;
denn selbst der Hauptmann, der unter ihnen fr den strksten galt,
konnte ihn nur zuweilen aufziehen.  Als er ihnen vollends den Sprung
noch einmal machte, den er mit der Stange von dem Ufer auf das Schiff
gethan hatte, da jauchzeten und frohlockten sie und meinten, dieser
Kmpfer solle manchem Heiden noch wohl den Dampf* thun.
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* Dampf: Fall, Sturz von dem Worte Dmpfen Niederschlagen.  Schwed.
dmpa: niederschlagen, dimpa: niederfallen.
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Den zehnten Tag hatte der Sturm aus Westen abgewehet, und es blies
ein frischer Sdost auf, und sie hisseten die Segel und lieen das
Schiff auf die blaue Tiefe laufen gegen Westen und steuerten gegen
die Inseln der Heiden hin.  Und es gab manchen heien Kampf zur See
und an den Ksten und manches Heidenschiff ward erstiegen und die
Heiden wurden wie tolle Hunde erschlagen oder gefangen, und sie kamen
mit reichem Gold und Silber heim und verkauften den Raub und die
Gefangenen.  Und Klas hatte sich schon einen Namen gemacht auf der
See; denn wenn der Streit begann, rief er Grad dr! mit so gewaltiger
Stimme, da den Feinden sogleich der Muth entfiel und den Freunden
wuchs und sie fast immer leichten Sieg gewannen.  Und der Hauptmann,
obgleich er dem Klas seine Strke und seinen Kriegsruhm fast
beneidete, hatte sich doch die Bitte der meisten seiner Leute
gefallen lassen, da sie auf dem Spiegel des Schiffes einen hohen
Mann mit einer langen Stange machten, aus dessen Munde die goldenen
Buchstaben Grad dr weheten.  Und Graddr ward das berhmteste Schiff
in der Nordsee und Ostsee und weithin in dem Nordwesten bei den
Inseln der Heiden.  Und es kamen die besten Kmpfer verlieen ihre
Schiffe und traten zu dem Hauptmann des Graddr ber; und sechs
Monate nach dem Tage wo Klas darauf gesprungen war, hatte er statt
der fnfzig Kmpfer wohl ber zweihundert, und wuchs an Ehre und
Furcht und Reichthum, da es nicht zu beschreiben ist.

Man kann nicht sagen, da dieses wilde und unstte Leben dem Klas
sonderlich gefiel, aber er lie es sich gefallen.  Das frische
Element des Meers und die khnen Geister, die aus ihm brausen und
wehen, behagten seiner Jugend wohl, und frische muthige Thaten
erquickten ihm Seele und Leib, und Heiden bekmpfen und dmpfen
duchte ihm eben keine Snde, zumal da sie als arge und blutdurstige
Ruber die Inseln und Ksten der Christen berfielen und
ausplnderten und die Menschen als Sklaven wegfhrten und in das
fernste Elend verkauften, und da sie auch alle christliche Schiffe
anfielen und verdarben, deren sie mchtig werden konnten.  Er schien
gegen solche in einem guten Streite zu streiten.  Auch hat es nicht
gar lange gewhrt, so ist Klas Hauptmann des Schiffes Graddr
geworden.

Sie waren im zweiten Jahr seiner Seefahrt aus Westen hinaufgesegelt
hoch gegen Norden und landeten den vierzigsten Tag ihrer Fahrt nach
manchem harten Strau, den sie mit Feinden und Strmen bestanden
hatten, auf einer kleinen Heideninsel, die von einigen Hundert
Menschen bewohnt war, welche in rmlichen Htten wohnten und, wie es
schien, von den Seevgeln und Fischen lebten.  Als sie ans Land
stiegen, kamen diese ihnen friedlich und freundlich entgegen, trugen
gebratene Fische in Schalen und hielten die Methkanne hin; Waffen
aber trug kein einziger von ihnen.  Da lie der Hauptmann aufblasen
zum Angriffe, und ermahnte die Kmpfer mit schallendem Gelchter, da
sie die Mnner niederhauen und mit den Weibern thun mgten, wie sie
gelstete.  Und sie rsteten sich, jene Armen aber entflohen mit
jammervollem Geheul zu ihren Htten.  Als nun die Mnner dem
Hauptmann gehorsam anlaufen wollten, da sprang Klas pltzlich vor,
zckte seine Axt und rief Halt!  Zugleich entblte er sein Haupt vor
dem Hauptmann und bat, ja flehete ihm, da er so schwere Schuld nicht
auf sich laden wolle und so heilloses und unchristliches Werk nicht
ben lasse gegen wehrlose Mnner und Weiber; denn wenn sie auch
Heiden seyen und von dem lebendigen Gott und von dem Heilande und der
Erlsung nichts wissen, so seyen die doch viel rgere Heiden, die
solches thun knnten.  Der Hauptmann aber hrte ihn nicht an sondern
ergrimmte und befahl den andern, da sie Klas als einen Aufrhrer
fingen und bnden.  Klas aber stmmte sich auf seine Streitaxt, sah
zornig um sich und sprach: wer wagt's?--und sie standen und keiner
wagte es.  Da befahl der Hauptmann zum zweiten Male, und es entstand
Gemurmel unter dem Volke, und einige schritten vor, als wollten sie
an Klas Hnde legen.  Klas aber ward nun von seinem Zorn und von
seiner Macht gefat und schrie Grad dr! und sprang mit seiner
gezckten Axt auf den Hauptmann, der vergebens seine Wehr aufhob, und
spaltete ihm den Kopf mitten durch, und rief: Der ist bezahlt und hat
seinen verdienten Lohn; wer ein Christ ist, her zu mir!  Und ber die
Hlfte der Mnner traten zu ihm ber, die andern aber ergrimmten um
den erschlagenen Hauptmann und griffen zu den Waffen, als wollten sie
seinen Tod rchen.  Klas aber schrie abermal Grad dr! und sie
standen wie vom Blitz in dem Boden festgeschlagen.  Dann vermahnte er
sie und die andern zum Frieden und belehrte sie, wie der Hauptmann
Unmenschliches und Unchristliches befohlen habe, wie Christen
geduldig, sanftmthig und barmherzig seyn mssen und ihre Hnde nicht
mit unschuldigem Blut beflecken drfen, und wenn es auch Heidenblut
sey; denn Gott sey auch der Heiden Vater und Schpfer.  Und es liefen
den eisernen Mnnern, als sie die Worte hrten, Thrnen ber die
rauhen Wangen und sie sprachen: Der Hauptmann ist durch Gott gefallen
und durch dich, und riefen alle einstimmig: Klas du sollst unser
Hauptmann seyn!  Und er lie es sich gefallen und ward nun Hauptmann
ber zweihundert Mnner.

Und es erschien bald, wie sie recht gethan hatten.  Klas hatte das
wilde und rohe Wesen, das bisher unter ihnen gegolten hatte, wohl nie
geliebt noch selbst mitgemacht, aber er hatte es doch an den andern
dulden mssen, wiewohl solche Gruel von ihnen nie begangen waren,
als der Hauptmann jetzt gegen die armen waffenlosen Menschen auf der
Heideninsel befehlen wollte.  Als er nun selbst Hauptmann geworden,
fhrte er eine recht strenge christliche Zucht ein und stie ohne
Erbarmen alles von seinem Schiffe aus, was sich ihr nicht fgen
wollte.  Das war aber sein erstes Gesetz, da ohne Gnade an dem
Mastbaum baumeln mute, wer einen unbewehrten Mann mit dem Eisen
verletzte oder ein Weib vergewaltigte.  Er fuhr aber noch immer gegen
die Heiden, suberte das Meer von ihren Raubschiffen und erlsete
viele Christen aus der Gefangenschaft; auch hat er an vielen Orten,
die sonst heidnisch waren, das heilige Kreuz als das Heil der Welt
gepflanzt und durch seine Gerechtigkeit und Milde viele Heiden zum
Christentum gefhrt.  Und sein Name ist so gewachsen, da die
tapfersten Mnner sich zu ihm gesellten und unter ihm auszogen und
da er im zweiten Jahre seiner Hauptmannschaft auf zwanzig Schiffen
schon fnftausend Kmpfer hatte.  Denn seine Redlichkeit und
Gottesfurcht war gro und seine Tapferkeit gefrchtet und seine
Strke unberwindlich; denn gegen den Hieb seiner Axt oder den Sto
seiner Stange hatte kein Schmied Schild und Panzer schmieden knnen.

Als nun das vierte Jahr seiner Seefahrt und das zweite Jahr seiner
Hauptmannschaft war, hatte er eine Fahrt nach Island gemacht, war
aber durch einen gewaltigen Nordwind zurckgetrieben und ward gegen
die Ostkste einer groen Halbinsel verschlagen, welche Jtland
heiet.  Diese Halbinsel war zu jener Zeit halb heidnisch und halb
christlich, und es hatte sich vor wenigen Monaten begeben, da der
Heidenknig den Christenknig geschlagen und erschlagen und alles
Land berfahren hatte.  Auch hatte er bald das Schlo des
christlichen Knigs und dessen Frau und Tochter, die darin waren,
gewonnen.  Die gefangene Knigstochter war aber die schnste
Prinzessin in allen Landen weit und breit.  Diese wollte der
Heidenknig zwingen, da sie sein Gemal werden und ihm das Knigreich
zubringen sollte, als habe er es mit gerechter Hand erworben.  Und er
dachte in seinem stolzen Sinn: sie wird thun und seyn wie andere
Weiber und sich freuen, da der Vornehmste bei ihr schlafen will und
der Knig im Lande ihr Mann heit.  Aber sie that und war ganz anders,
und weigerte sich standhaft, und da er nicht ablie und zuletzt
hochmthig druete, da schalt sie ihn einen wilden Wtherich und
einen heidnischen Bluthund.  Und er ergrimmte darber so sehr, da
alle seine heien Flammen pltzlich erklteten, und er schwur, sie
solle fr die Schmach eines greulichen und quaalvollen Todes sterben.
Und er lie einen groen Scheiterhaufen aufthrmen auf offenem Felde
unweit dem Schlosse, worin er die Prinzessin gefangen hatte; darauf
sollte sie gleich einer gemeinen Missethterin verbrannt werden.

Nun begab es sich durch Gottes Schickung, der dem Bsen nicht seinen
Willen lassen wollte, da Klas mit seinen meisten Schiffen aus Noth
hier jenen Morgen grade landete, als die Hinrichtung der
unglcklichen Prinzessin geschehen sollte.  Die Menge Menschen, die
um das Schlo und an dem Strande und auf dem Felde rings herum
toseten und wimmelten, der Schimmer und das Geklirr von Wagen und der
Schall von Trommeln und Pauken machten ihn aufmerksam, und er
erkundigte sich bei einem der Umstehenden, der ein Christ war, nach
der Ursache des Gewimmels und Getmmels der Menschen und der vielen
Kriegsleute.  Jener aber erzhlte es ihm alles und wie die Prinzessin
in einer halben Stunde werde herausgefhrt und jmmerlich auf dem
Scheiterhaufen verbrannt werden, und wie sie nicht zu erretten sey
vor der heidnischen Wuth, denn der Heidenknig habe mehr als
zehentausend Kriegsleute bei sich, die sie zum Feuertode geleiten
sollen.  Und der Mann fing an bitterlich zu weinen, als er den Jammer
auserzhlt hatte.

Klas aber, als er alles so von ihm gehrt hatte, ward blutroth vor
Mitleid und Zorn, und sprach zu dem Manne: Das verhte Gott und mein
gutes Eisen, da die Prinzessin sterbe!  Und er schrie Grad dr! da
das Ufer rings wiederhallete und antwortete.  Und seine Krieger
verstanden den Schrei, und in einigen Augenblicken standen sie
versammelt um ihn wohl dreitausend an der Zahl.  Und er rief ihnen zu:
Auf Gesellen! frisch mit dem Gotte der Christen! wir wollen die
Prinzessin und die Christen von den schnden Heiden erlsen.  Sind
ihrer zehentausend, so ist es euer Brauch, jeder wohl fnf auf sich
zu nehmen.  Frischauf denn!  Gott sieht das Herz an und nicht die
Menge.  So sprach er und schallte noch einmal Grad dr! drein, und
ri sie wie ein Blitz mit sich fort grade auf den Scheiterhaufen hin
in dem Augenblicke, als die Prinzessin, mit Schwerdtern und Spieen
umgeben, aus dem Thore herausgefhrt ward.  Und er lie das Bluthorn
blasen, und die Heiden trompeteten gegen, und der Knig hielt an
ihrer Spitze und rief den Seinen zu: Frisch!  Frisch! wie die See
immer vom trockenen Lande zurckflieen mu, so werdet ihr diese
elenden Seeruber in ihr Element zurcksplen.  Und sie trafen hart
auf einander, aber Klas und Graddr waren den Heiden zu mchtig, und
sie fielen vor ihm und seinen Wikingern, wie Haberstroh vor der
Sichel fllt, wann es zu reif ist.  Und als die andern Christen der
Stadt und des Landes sahen, da Klas die Oberhand bekam ber die
Heiden, da strmten sie auch von allen Seiten auf sie; und in wenigen
Stunden ward der Heidenknig nebst allem seinem Volke erschlagen bis
auf einige wenige, die durch die Geschwindigkeit ihrer Pferde mit der
Prinzessin in das Schlo zurckgeflohen waren.  Diese gaben wenige
Stunden nach der Schlacht das Schlo und die Prinzessin auf um das
Leben und den freien Abzug.  Und Klas gestand es ihnen zu, weil ihrer
so wenige waren, und lie sie in Frieden abziehen.

Als Klas in das Schlo einzog, da war groe Freude unter allem
Christenvolke, da Gott die Heiden so unter seiner Faust gedemthigt
und die Prinzessin vom Feuertode errettet hatte, und die alte Knigin
und die erlste Prinzessin traten ihm an den Stufen des Schlosses
entgegen und priesen sich glcklich, da sie durch einen solchen Mann
befreit worden.  Denn durch den Schlachtruf Grad dr hatten sie
sogleich vernommen, welch ein Mann fr sie gestritten.  Und sie
nahmen ihn an die Hand und fhrten ihn die Stufen des Schlosses
hinauf; er aber weigerte sich dessen und verneigte sich vor den
kniglichen Frauen tief bis zur Erde, wie es einem tapfern und
ritterlichen Mann geziemt, und wollte hinter ihnen her treten.  Sie
aber wehrten ihm das, und die alte Knigin sprach: wo ist eine
Prinzessin in der Welt, die nicht die geehrteste wird, wenn ein
solcher Mann und Held an ihrer Hand einher geht?  Und er mute ihnen
wohl gehorchen und nebst seinen Helden sich am Mahle mit ihnen
erquicken und in dem Schlosse und der Burg Herberge nehmen.

Die Knigin hatte aber gleich bei sich bedacht, als sie Klas gesehen,
und auch ihre Rthe hatten es ihr zugeflstert: wo wre ein Mann wie
dieser, der das Christenthum hier emporbringen und das Heidenthum
bndigen knnte? hat Gott uns diesen nicht wie ein Wunder durch den
Sturm hergewehet und als den Knig und Retter des Volkes gezeigt?
Und sie hatte sich viele se Gedanken gemacht ber ihre Tochter.
Aber das verbarg sie noch in ihrem Herzen, und dachte: Gott wird es
schon machen, wenn es gut ist.  Und Gott machte es, damit erfllet
wrde, was Valentin gesagt hatte: wer sich muthig durch den
Pfannkuchenberg fresse, der werde einmal Knig werden.

Denn Klas war kaum einige Stunden in den Gemchern des Schlosses, so
fhlte er sich in seinem ganzen Herzen wie umgekehrt, er fhlte, da
er ein Weib gesehen hatte, von welcher seine Augen nicht wanken
konnten.  Die Prinzessin war auch gewi die Allerschnste, die zu
ihrer Zeit auf der Welt lebte.  Er fhlte das mit Wohlgefallen, da
ihm das Herz zitterte; aber er bedachte zugleich, da er der Sohn
eines Dorfschulzen und sie eine Knigstochter war, und schlug sich
bei diesem Gedanken vor die Stirn und rief: Klas, Klas, wo willst du
hin in deiner Thorheit? hier hilft dir dein Grad dr zu nichts.  Denn
Klas war bei allen seinen groen Thaten immer seiner Jugend eingedenk
geblieben und war immer herzlich demthig und klein vor Gott, dem er
allein alles beimaa; von seiner eigenen Ritterlichkeit und Schnheit,
die wohl die Herzen aller Weiber der Welt anlocken konnte, wute er
gar nichts.  So brachte er, von den Reitzen der schnen Prinzessin
geblendet und verwundet, eine schlaflose kranke Nacht zu, und weil
sein Wunsch ihm eine Unmglichkeit duchte, so beschlo er mit dem
frhen Morgen nebst seinen Gesellen wieder in die Schiffe zu gehen
und seinen Kummer dem wilden Element des Wassers zur Heilung zu
bergeben, wenn Liebesflammen nur durch Wasser gekhlt und gelscht
werden knnten.

Und als es kaum dmmerte und das Licht noch furchtsam durch die
Vorhnge in die Zimmer guckte, rief er seine Mnner auf, und es ward
ein Laufen und Wimmeln im Schlohofe, da die Knigin und die
Prinzessin darob erwachten und mit Staunen und Schrecken vernahmen,
da Klas wieder auf seine Schiffe wolle.  Und die alte Knigin
bedachte sich nicht lange, sie that, was sie thun mute, kleidete
sich eilends an, warf ihren kniglichen Mantel um, und trat zu Klas
ins Zimmer, zu welchem sie folgende Worte sprach:

Lieber Herr Klas, was ist das fr eine Botschaft, die wir mit
Schrecken hren?  So willst du fort, und gnnst uns nicht einmal das
bischen traurige Zeit, da wir dir wenigstens mit Worten danken
knnen?  So willst du uns verlassen? du willst das heilige Kreuz, du
willst das Christenthum, du willst die Christen hier wieder verlassen,
und sie wieder auf des Schwerdtes Spitze stellen? das Frstenkind
willst du wieder verlassen, das du eben aus dem Feuer und Eisen der
Heiden gerissen hast?  Zwar liegt der Heidenknig erschlagen und sein
Heer speiset die Raben; aber viele Heiden wohnen noch um uns und ber
uns, und er hat der reisigen Shne und Neffen genug, welche kommen
werden und seinen Tod rchen, wann du weg bist.  Unser Knig aber ist
auch todt, unsre besten Mnner liegen auch erschlagen, und wir haben
keinen Sohn, keinen Bruder, keinen Brutigam, die das Scepter und das
Schwerdt fhren knnen in der Gefahr.  Hat der Wind Gottes dich denn
nur hieher gewehet, um uns desto herrlicher und grer zu verderben?
hat er dich nicht hergewehet, da du diesen Christen ein Kriegsfrst
und Knig gegen die Heiden, mir ein geliebter Sohn und der Prinzessin,
meiner Tochter ein wrdiger Gemal seyn sollst?  Ja das hat er
gewollt, und das will ich, darum bin ich so frh aufgestanden, darum
komme ich, darum bitte ich.

Die Knigin sprach diese Worte so gewaltig, da sie alle Worte todt
machten, die Klas htte antworten knnen.  Er konnte nicht gehen; er
konnte nicht sprechen, er konnte sich nur verneigen und errthen und
schweigen.  Und dies that er auf seine Art, welche der Knigin sehr
gefiel; denn sie verstand, er werde mit den Schiffen nicht entfliehen,
und also fuhr sie fort in ihrer Rede:

Du hast es beantwortet, wie ein Ritter und Mann antworten soll, wann
eine Frau solches zu ihm spricht.  Und nun will ich knftig auch
nichts mehr hren von dir, da du in einer Bauerhtte und wir in
Knigsschlssern gebohren sind.  Siehe Gott hat an dir groe Zeichen
gewiesen, da er auch die Kleinsten gro machen kann, so wie er, wenn
er will, Leben und Kronen gebohrner Knige in den Staub legt; er hat
dir solche Demuth und Tugend und Gewalt des Muthes und Glckes
gegeben, da du ein Mann heiest unter den besten Mnnern: dich hat
die Ritterlichkeit Knigen gleich gemacht und dein Grad dr! ist
strker als ein Heer.  Und nun komm!

Und sie nahm ihn an der Hand, und er war ihr still und gehorsam wie
ein kleines Kind und lie sich von ihr fhren, wohin sie wollte.

Und die Knigin fhrte ihn in das Gemach ihrer Tochter der Prinzessin
und legte die Hnde der beiden zusammen und segnete sie ein.  Und sie
lieen es sich wohl gefallen, aber sprechen konnten sie kein Wort.
Denn der Prinzessin war es nicht anderes gegangen als Klas; sobald
sie ihn erblickt hatte, war es in ihr gewesen, als wollte es heraus
klingen aus ihrer Brust: der ist der Mann, und kein anderer!  Und
wenn die Prinzessin die Allerschnste heien konnte, so mogte Klas
wohl mit eben dem Rechte der Allerschnste genannt werden.

Und Klas blieb nun und die Schiffe lagen vor Anker in der Bucht und
kein Auge gab auf die Winde Acht.  Sie waren alle auf das Land
gerichtet, niemand dachte an Segel und Taue und Ruder, sondern die
Mnner schmckten Sporen und Waffenrcke fr die Hochzeit.  Diese
ward in wenigen Wochen mit groer Herrlichkeit gefeiert, und die
schne Prinzessin nahm Klas Avenstaken zum Mann, der hinfort Knig
Klas von Jtland hie.

Und er wohnte manchen frhlichen Tag und manche schne Nacht mit der
Prinzessin in dem Schlosse.  Es lag das Schlo aber in Sdjtland, wo
jetzt die Stadt Schlewig steht.  Aber er verga sich in der Freude
nicht in Lssigkeit, sondern rstete sich eifrig zum Kriege gegen die
Heiden, und sie rsteten sich auch.  Und es begann ein langer
schwerer Kampf um die Herrschaft, bis sie endlich unterlagen und Klas
Knig war ber die ganze groe Halbinsel und ber die Inseln umher.

Und es war das Ende des zweiten Jahrs, nachdem er den Heidenknig
erschlagen und die Prinzessin sich vermhlt hatte, als er alles Land
der Heiden unter sich bezwungen hatte bis an die Elbe und das Kreuz
des Heils als Panier seiner Herrschaft allenthalben aufgerichtet
hatte fr die bunten Gtzen aus Stein und Holz--da stand Klas einmal
diesseits am Ufer der Elbe, und es duchte ihm, als sehe er jenseits
in der Ferne die Stelle, wo er mit der Stange einst auf das Schiff
gesprungen war; und es war wirklich die Stelle, und er erkannte sie
an drei Bumen wieder, die auf einer Anhhe hoch ber das Gestade
ragten.  Und sein wunderbarer Lebenslauf wandelte ihm hier in
Gedanken vorber, und in Demuth fiel er auf die Erde nieder und
betete und dankte Gott, da er ihn aus so vielen Gefahren errettet
und auf eine so auerordentliche Weise zum Knig und Herrn ber
Lnder und Vlker gemacht hatte.  Und er nannte die Stelle, wo er
stand, Glckstadt und bauete dort ein Schlo; und das Schlo und die
Stadt steht von seiner Zeit bis auf diesen Tag.  Klas war jetzt
sechsundzwanzig Jahre alt, und es war das sechste Jahr seit jenem
Morgen, wo er dem Galgen entlaufen war, woran er so unschuldig hatte
hangen sollen.

Und als er die Heiden bezwungen und das Land mit Schlssern und
Burgen befriedet hatte, da dachte er in Sehnsucht und Liebe seiner
alten ltern und seiner Geschwister und Freunde, und sumte nicht
lange, sondern trat die Reise an zu ihnen.  Er nahm aber sein Gemal
die Knigin mit nebst tausend seiner Reisigen, damit er ein
knigliches Geleit htte, So zog er ber die Elbe gegen Sden.  Und
als sie vier Tage gezogen waren und der fnfte Tag anbrach und sie
nicht mehr fern waren von seiner Heimath, da hie er die Reisigen
zurckbleiben und ritt mit seiner Knigin voran und hatte nur einen
Knappen bei sich.  Und es war grade der Mittag des fnften Tages und
die Glocke schlug zwlf, da ritten sie in Dmmelshusen ein und
gradezu auf seines Vaters Haus.  Sie lieen die Pferde aber im Dorfe
laufen, was sie laufen konnten, damit die Leute, die sie sahen, sich
nicht ber sie besinnen noch es seinen ltern verrathen konnten.  Und
als sie vor Peter Avenstakens Hause anlangten, sprang der Knig Klas
rasch vom Pferde und rief lustig Grad dr! da es durch das ganze
Dorf erklang.  Und Peter, der mit Frau und Kindern grade bei Tische
sa, sprang heraus bei dem Worte und sah den Mann und die Frau mit
den goldenen Kronen auf dem Kopfe.  Er merkte aber sogleich, da es
sein Sohn war, und rief: Nun Gott sey Dank, da du wieder da bist und
ein Knig geworden!  Wir haben schon davon gehrt, sie haben es uns
aber nicht glauben wollen, auch deine eigene Mutter hat es nicht
glauben wollen; nur ich und Valentin haben es gleich geglaubt, denn
wir beide wuten wohl, da etwas Besonderes aus dir werden mute.
Und er rief in der Freude berlaut: Valentin!  Valentin! komm doch
heraus, da du siehest, was aus unserm Klas geworden ist!  Und
Valentin kam und die Mutter und alle Geschwister kamen, und es war
ein Herzen und Kssen, da es kein Ende nehmen wollte.  Und als der
Knig und die Knigin hineingegangen waren und sich an der ltern
Tisch gesetzt und mit ihnen gegessen und getrunken hatten in Demuth
zu Gott und in Liebe zu ihnen, da bernahm den alten Peter die Freude
und er wute nicht, was er sprechen sollte, er sprach aber vor
Freuden fast zu viel.  Und da hat er der Greth in die Ohren
geflstert, und es ist wohl nicht recht gewesen in solchem
Augenblicke: Nun Greth, ist mein Klas der Klas geblieben? htte aus
deinem Johannes wohl mehr werden knnen?

Und Klas ist manchen Tag und manche Woche bei seinen Altern geblieben
und hat frhlich mit ihnen gelebt, und hat sie und seine Geschwister
und die Nachbarskinder reichlich beschenkt, den alten Valentin aber
hat er mitgenommen und zu ihm gesprochen: Lieber Valentin, du sollst
meinen Shnen auch lustige und waidliche Geschichten erzhlen, wie
ein jeder tchtiger Mensch mit Gottes Hlfe etwas werden kann, damit
brave Mnner und Helden aus ihnen werden.  Und Valentin ist gern mit
ihm gezogen, denn er bildete sich auf Knig Klas viel ein und dachte
bei sich, er habe ihn eigentlich zum Knige gemacht.  Auch seinen
jngsten Bruder hat der Knig mitgenommen und seine jngste Schwester;
und ist der Bruder ein Graf und die Schwester eine Grfin geworden
und leben noch viele vornehme Leute in der Welt, die von ihnen
herstammen.  Das hat er sich aber ausbedungen vor der Abreise, da,
wenn der Vater strbe, ihm das Bauergut zufallen sollte, und hat es
seinen Brdern gleich um den zehnfachen Werth abgekauft.  Und der
Vater und die Brder haben es ihm zugesagt und auch gehalten.  Denn
er sagte: Ich will einen meiner Shne hinschicken, der soll ein Bauer
werden und seine Kinder und Kindeskinder sollen Bauern bleiben; denn
Bauern sind lter und halten lnger aus als die Knige.

Und Knig Klas ist wieder heimgegangen in sein Reich und hat noch
manches liebe Jahr glcklich mit seiner Knigin gelebt und regiert
und viele Shne und Tchter mit ihr gezeugt, und haben viele groe
Knige und Kniginnen aus seinem Blute nach ihm geherrscht.  Aber
doch ist das glorreiche Geschlecht von Klas Avenstaken nun schon
lange ausgestorben und ein anderer Stamm herrscht in den Landen, die
ihn einst als Knig verehrten.  Aber seines Sohnes Konrad Geschlecht
dauert noch bis diesen Tag.  Dieser Konrad war sein jngster Sohn.
Den that er alsbald nach seiner Geburt auf das Land zu einem Bauer
und lie ihn buerlich leben und arbeiten und sandte ihn dann in das
Land seiner Heimath in Westfalen nach Dmmelshusen, wo er ihn auf das
Gut seines Vaters setzte.  Und Konrad ist gro und stark geworden wie
Knig Klas, aber nicht so mchtig und herrlich vor der Welt, sondern
ist als Dorfschulze gestorben, was sein Grovater Peter auch gewesen.
Und von diesem Konrad dem Knigssohn stammen bis diesen Tag noch
alle Avenstaken her, die als Bauern in Dmmelshusen und in der Gegend
leben.



Prinzessin Svanvithe


Du hast wohl von der Sage gehrt, da hier bei Garz, wo jetzt der
Wall ber dem See ist, vor vielen tausend Jahren ein groes und
schnes Heidenschlo gewesen ist mit herrlichen Husern und Kirchen,
worin sie ihre Gtzen gehabt und angebetet haben.  Dieses Schlo
haben vor langer, langer Zeit die Christen eingenommen, alle Helden
totgeschlagen und ihre Kirchen umgeworfen und die Gtzen, die darin
standen, mit Feuer verbrannt; und nun ist nichts mehr brig von all
der groen Herrlichkeit als der alte Wall und einige Leuschen, welche
die Leute sich erzhlen, besonders von dem Mann mit Helm und Panzer
angetan, der auf dem weien Schimmel oft ber die Stadt und den See
hinreitet.  Einige, die ihn nchtlich gesehen haben, erzhlen, es sei
der alte Knig des Schlosses, und er habe eine gldene Krone auf.
Das ist aber alles nichts.  Da es aber um Weihnachten und Johannis
in der Nacht aus dem See klingt, als wenn Glocken in den Kirchen
gelutet werden, das ist wahr, und viele Leute haben es gehrt, und
auch mein Vater.  Das ist eine Kirche, die in den See versunken ist,
andere sagen, es ist der alte Gtzentempel.  Das glaub' ich aber
nicht; denn was sollten die Helden an christlichen Festtagen luten?
Aber das Klingen und Luten im See ist dir gar nichts gegen das, was
im Wall vorgeht, und davon will ich dir eine Geschichte erzhlen.  Da
sitzt eine wunderschne Prinzessin mit zu Felde geschlagenen Haaren
und weinenden Augen und wartet auf den, der sie erlsen soll; und
dies ist eine sehr traurige Geschichte.

In jener alten Zeit, als das Garzer Heidenschlo von den Christen
belagert ward und die drinnen in groen Nten waren, weil sie sehr
gedrngt wurden, als schon manche Trme niedergeworfen waren und sie
auch nicht recht mehr zu leben hatten und die armen Leute in der
Stadt hin und wieder schon vor Hunger starben, da war drinnen ein
alter, eisgrauer Mann, der Vater des Knigs, der auf Rgen regierte.
Dieser alte Mann war so alt, da er nicht recht mehr hren und sehen
konnte; aber es war doch seine Lust, unter dem Golde und unter den
Edelsteinen und Diamanten zu kramen, welche er und seine Vorfahren im
Reiche gesammelt hatten und welche tief unter der Erde in einem
schnen, aus eitel Marmelsteinen und Kristallen gebauten Saale
verwahrt wurden.  Davon waren dort ganz groe Haufen aufgeschttet,
viel grere als die Roggen- und Gerstenhaufen, die auf deines Vaters
Kornboden aufgeschttet sind.  Als nun das Schlo zu Garz von den
Christen in der Belagerung so gengstet ward und viele der tapfersten
Mnner und auch der Knig, des alten Mannes Sohn, in dem Streite auf
den Wllen und vor den Toren der Stadt erschlagen waren, da wich der
Alte nicht mehr aus der marmornen Kammer, sondern lag Tag und Nacht
darin und hatte die Tren und Treppen, die dahin fhrten, dicht
vermauern lassen; er aber wute noch einen kleinen heimlichen Gang,
der unter der Erde weglief, viele hundert Stufen tiefer als das
Schlo, und jenseits des Sees einen Ausgang hatte, den kein Mensch
wute als er, und wo er hinausschlpfen und sich drauen bei den
Menschen Speise und Trank kaufen konnte.  Als nun das Schlo von den
Christen erobert und zerstrt ward und die Mnner und Frauen im
Schlosse gettet und alle Huser und Kirchen verbrannt wurden, da
kein Stein auf dem andern blieb, da fielen die Trme und Mauern
bereinander, und die Tre der Goldkammer ward gar verschttet; auch
blieb kein Mensch lebendig, der wute, wo der tote Knig seine
Schtze gehabt hatte.  Der alte Knig aber sa drunten bei seinen
Haufen Goldes und hatte seinen heimlichen Gang offen und hat noch
viele hundert Jahre gelebt, nachdem das Schlo zerstrt war; denn sie
sagen, die Menschen, welche sich zu sehr an Silber und Gold hngen,
knnen vom Leben nicht erlst werden und sterben nicht, wenn sie Gott
auch noch so sehr um den Tod bitten.  So lebte der alte, eisgraue
Mann noch viele, viele Jahre und mute sein Gold bewachen, bis er
ganz drr und trocken ward wie ein Totengerippe.  Da ist er denn
gestorben und auch zur Strafe verwandelt worden und mu nun als ein
schwarzer magerer Hund unter den Goldhaufen liegen und sie bewachen,
wenn einer kommt und den Schatz holen will.  Des Nachts aber zwischen
zwlf und ein Uhr, wann die Gespensterstunde ist, mu er noch immer
rundgehen als ein altes graues Mnnlein mit einer schwarzen
Pudelmtze auf dem Kopf und einem weien Stock in der Hand.  So haben
die Leute ihn oft gesehen im Garzer Holze am Wege nach Poseritz; auch
geht er zuweilen um den Kirchhof herum.  Denn da sollen vor alters
Heidengrber gewesen sein, und die Helden haben immer viel Silber und
Gold mit sich in die Erde genommen.  Das will er holen, darum
schleicht er dort, kann es aber nicht kriegen, denn er darf die
geweihte Erde nicht berhren.  Das ist aber seine Strafe, da er so
rundlaufen mu, wann andere Leute in den Betten und Grbern schlafen,
weil er so geizig gewesen ist.

Nun begab es sich lange nach diesen Tagen, da in Bergen ein Knig
von Rgen wohnte, der hatte eine wunderschne Tochter, die hie
Svanvithe; und sie war die schnste Prinzessin weit und breit, und es
kamen Knige und Frsten und Prinzen aus allen Landen, die um die
schne Prinzessin warben.  Und der Knig, ihr Herr Vater, wute sich
kaum zu lassen vor allen den Freiern und hatte zuletzt nicht Huser
genug, da er die Fremden beherbergte, noch Stlle, wohin sie und
ihre Knappen und Staller ihre Pferde zgen; auch gebrach es fast an
Hafer im Lande und Raum fr alle die Kutscher und Diener, die mit
ihnen kamen, und war Rgen so voll von Menschen, als es nie gewesen
seit jenen Tagen.  Und der Knig wre froh gewesen, wenn die
Prinzessin sich einen Mann genommen htte und die brigen Freier
weggereist wren.  Das lt sich aber bei den Knigen nicht so leicht
machen als bei andern Leuten, und mu da alles mit vieler
Zierlichkeit und Langsamkeit hergehen.  Die Prinzessin, nachdem sie
wohl ein ganzes halbes Jahr in ihrer einsamen Kammer geblieben war
und keinen Menschen gesehen, auch kein Sterbenswort gesagt hatte,
fand endlich einen Prinzen, der ihr wohl gefiel, und den sie gern zum
Mann haben wollte, und der Prinz gefiel auch dem alten Knige, da er
ihn gern als Eidam wollte.  Und sie hatten einander Ringe geschenkt,
und war groe Freude im ganzen Lande, da die schne Svanvithe
Hochzeit halten sollte, und hatten alle Schneider und Schuster die
Flle zu tun, die schnen Kleider und Schuhe zu machen, die zur
Hochzeit getragen werden sollten.  Der verlobte Prinz aber und
Svanvithens Brutigam hie Herr Peter von Dnemarken und war ein ber
die Maen feiner und stattlicher Mann, da seinesgleichen wenige
gesehen wurden.

Da, als alles in lieblicher Hoffnung und Liebe grnete und blhete
und die ganze Insel in Freuden stand und nur noch ein paar Tage bis
zur Hochzeit waren, kam der Teufel und sete sein Unkraut aus, und
die Luft ward in Traurigkeit verwandelt.  Es war nmlich allda an des
Knigs Hofe auch ein Prinz aus Polen, ein hinterlistiger und
schlechter Herr, sonst schn und ritterlich an Gestalt und Gebrde.
Dieser hatte manches Jahr um die Prinzessin gefreit und sie geplagt
Tag und Nacht; sie hatte aber immer nein gesagt, denn sie mochte ihn
nicht leiden.  Als dieser polnische Prinz nun sah, da es wirklich
eine Hochzeit werden sollte und da Herr Peter von Dnemarken zum
Treuliebsten der schnen Svanvithe erkoren war, sann er in seinem
bsen Herzen auf arge Tcke und wute es durch seine Knste so zu
stellen, da der Knig und alle Menschen glaubten, Svanvithe sei
keine zchtige Prinzessin und habe manche Nchte bei dem polnischen
Prinzen geschlafen.  Das glaubte auch Herr Peter und reiste pltzlich
weg; und der polnische Prinz war zuerst weggereist, und alle Knige
und Prinzen reisten weg. Und das Schlo des Knigs in Bergen stand
wst und leer da, und alle Freude war mit weggezogen und alle Geiger
und Pfeifer und alles Saitenspiel, die sich auf Turniere und Feste
gerstet hatten.  Und die Schande der armen Prinzessin klang ber das
ganze Land; ja in Schweden und Dnemark und Polen hrten sie es, wie
die Hochzeit sich zerschlagen hatte.  Sie aber war gewi unschuldig
und rein wie ein Kind, das aus dem Mutterleibe kommt, und war es
nichts als die greuliche Bosheit des verruchten polnischen Prinzen,
den sie als Freier verschmht hatte.

So ging es der armen Svanvithe, und der Knig, ihr Vater, war einige
Tage nach diesen Geschichten wie von Sinnen und wute nicht von sich,
und ihm war so zumute, da er sich htte ein Leid antun knnen von
wegen seiner Tochter und von wegen des Schimpfes, den sie auf das
ganze knigliche Haus gebracht hatte.  Und als er sich besann und
wieder zu sich kam und die ganze Schande bedachte, worein er geraten
war durch seine Tochter, da ergrimmte er in seinem Herzen, und er
lie die schne Svanvithe holen und schlug sie hart und zerraufte ihr
Haar und stie sie dann von sich und befahl seinen Dienern, da sie
sie hinausfhrten in ein verborgenes Gemach, da seine Augen sie
nimmer wiedershen.  Darauf lie er in einen mit dichten Mauern
eingeschlossenen und mit dunklen Bumen beschatteten Garten hinter
seinem Schlosse einen dstern Turm bauen, wo weder Sonne noch Mond
hineinschien, da sperrte er die Prinzessin ein.  Der Turm, den er
hatte bauen lassen, war aber fest und dicht und hatte nur ein
einziges kleines Loch in der Tre, wodurch ein wenig Licht hineinfiel
und wodurch der Prinzessin die Speise gereicht ward.  Es war auch
weder Bett noch Tisch oder Bank in dem traurigen Gefngnis; auf
harter Erde mute die liegen, die sonst auf Sammet und Seiden
geschlafen hatte, und barfu mute die gehen, die sonst in goldenen
Schuhen geprangt hatte.  Und Svanvithe htte sterben mssen vor
Jammer, wenn sie nicht gewut htte, da sie unschuldig war, und wenn
sie nicht zu Gott htte beten knnen.  Sie aber war ein sehr junges
Kind, als sie eingesperrt ward, erst sechzehn Jahre alt, schn wie
eine Rose und schlank und wei wie eine Lilie, und die Menschen, die
sie liebhatten, nannten sie nicht anders als des Knigs
Lilienstengelein.  Und dieses se Lilienstengelein sollte so
jmmerlich verwelken in der kalten und einsamen Finsternis.

Und sie hatte wohl drei Jahre so gesessen zwischen den kalten Steinen,
und auch der alte Knig war nicht mehr froh gewesen seit jenem Tage,
als der polnische Prinz sie in die groe Schande gebracht hatte,
sondern sein Kopf war schneewei geworden vor Gram wie der Kopf einer
Taube; aber vor den Leuten gebrdete er sich stolz und aufgerichtet
und tat, als wenn seine Tochter tot und lange begraben wre.  Sie
aber sa von der Welt ungewut in ihrem Elende und trstete sich
allein Gottes und dachte, da er ihre Unschuld wohl einmal an den Tag
bringen wrde.  Weil sie aber in ihren einsamen Trauerstunden Zeit
genug hatte, hin und her zu denken, so fiel ihr die Sache ein von dem
Knigsschatze unter dem Garzer Walle, die sie in ihrer Kindheit oft
gehrt hatte, und sie gedachte damit ihre Unschuld, und da der
polnische Prinz sie unter einem falschen Schein schndlich belogen
hatte, sonnenklar zu beweisen.  Und als darauf ihr Wchter kam und
ihr die Speise durch das Loch reichte, sprach sie zu ihm: "Lieber
Wchter, gehe zu dem Knige, meinem und deinem Herrn, und sage ihm,
da seine arme einzige Tochter ihn nur noch ein einziges Mal zu sehen
und zu sprechen wnscht in ihrem Leben und da er ihr diese letzte
Gunst nicht versagen mag."

Und der Wchter sagte ja und lief und dachte bei sich: "Wenn der alte
Knig ihre Bitte nur erhrt!"  Denn es jammerte ihn die arme
Prinzessin unaussprechlich, und sie jammerte alle Menschen; denn sie
war immer freundlich gewesen gegen jedermann, auch hatten die meisten
von Anfang an geglaubt, da sie flschlich verklagt war und da der
polnische Prinz einen argen Lgenschein auf sie gebracht hatte; denn
sie hatte sich immer aller Zucht und Jungfrulichkeit beflissen vor
jedermann.

Und als ihr Wchter vor den Knig trat und ihm die Bitte der
Prinzessin anbrachte, da war der alte Herr sehr zornig und schalt ihn
und drohete ihm, ihn selbst in den Turm zu werfen, wenn er den Namen
der Prinzessin vor ihm je wieder ber seine Lippen laufen lasse.  Und
der erschrockene Wchter ging weg. Der Knig aber legte sich hin und
schlief ein.  Da soll er einen wunderbaren Traum gehabt haben, den
kein Mensch zu deuten verstanden hat, und er ist frh erwacht und
sehr unruhig gewesen und hat viel an seine Tochter denken mssen, bis
er zuletzt befohlen hat, da man sie aus dem Turm heraufbrchte und
vor ihn fhrte.

Als Svanvithe nun vor den Knig trat, war sie bleich und mager, auch
waren ihre Kleider und Schuhe schon abgerissen, und sie stand fast
nackt und barfu da und sah einer Bettlertochter hnlicher als einer
Knigstochter.  Und der alte Knig ist bei ihrem Anblick bla
geworden vor Jammer wie der Kalk an der Wand, aber sonst hat er sich
nichts merken lassen.  Und Svanvithe hat sich vor ihm verneigt und
also zu ihm gesprochen:

"Mein Knig und Herr!  Ich erscheine nur als eine arme Snderin vor
dir, als eine, die an der gttlichen Gnade und an dem Lichte des
Himmels kein Recht mehr haben soll.  Also hast du mich von deinem
Angesicht verstoen und von allem Lebendigen weggesperrt.  Ich
beteure aber vor dir und vor Gott, da ich unschuldig leide und da
der polnische Prinz aus eitel Tcke und Arglist all den schlimmen
Schein auf mich gebracht hat.  Und nun hat Gott, der sich mein
erbarmen will, mir einen Gedanken ins Herz gegeben, wodurch ich meine
unbefleckte Jungfrauschaft beweisen und dich und mich und dein ganzes
Reich zu Reichtum und Ehren bringen kann.  Du weit, es geht die Sage,
unter dem alten Schlowalle zu Garz, wo unsere heidnischen Ahnen
weiland gewohnt haben, liege ein reicher Schatz vergraben.  Diese
Sage, die mir in meiner Kindheit oft erzhlt ist, meldet ferner,
dieser Schatz knne nur von einer Prinzessin gehoben werden, die von
jenen alten Knigen herstamme und noch eine reine Jungfrau sei: wenn
nmlich diese den Mut habe, in der Johannisnacht zwischen zwlf und
ein Uhr nackt und einsam diesen Wall zu ersteigen und darauf
rckwrts so lange hin und her zu treten, bis es ihr gelinge, die
Stelle zu treffen, wo die Tore und Treppen verschttet sind, die zu
der Schatzkammer hinabfhren.  Sobald sie diese mit ihren Fen
berhre, werde es sich unter ihr ffnen, und sie werde sanft
heruntersinken mitten in das Gold und knne sich von den
Herrlichkeiten dann auslesen, was sie wolle, und bei Sonnenaufgang
wieder herausgehen.  Was sie aber nicht tragen knne, werde der alte
Geist, der den Schatz bewacht, nebst seinen Gehilfen nachtragen.
Hierauf habe ich nun meine Hoffnung eines neuen Glckes gestellt, ob
es mir etwa aufblhen wolle; la mich denn, Herr Knig, mit Gott
diese Probe machen.  Ich bin ja doch einer Toten gleich, und ob ich
hier begraben bin oder dort begraben werde, kann dir einerlei sein."

Sie hatte die Gebrde, als wolle sie noch mehr sagen; aber bei diesen
Worten stockte sie und konnte nicht mehr, sondern schluchzete und
weinte bitterlich.  Der Knig aber winkte dem Wchter leise zu, der
sie hereingefhrt hatte, und alsbald kamen Frauen und Dienerinnen
herbei und trugen sie hinaus von dem Knige weg in ein Seitengemach.
Und nicht lange, so ward der Wchter wieder zu dem Knige gerufen,
und er brachte ihr Speise und Trank, da sie sich strkte und
erquickte, und zugleich die Botschaft, da der Knig ihr die gebetene
mitternchtliche Fahrt erlaube.  Bald trugen Dienerinnen ihr ein Bad
herein nebst zierlichen Kleidern, da sie sich bedecken konnte, denn
sie war fast nackend.  Und sie lebte nun wieder in Freuden, obgleich
sie ganz einsam sa und gegen niemand den Mund auftat--auch den
Dienern und Dienerinnen war das Sprechen zu ihr verboten, sie wuten
auch nicht, wer sie war, noch wie sie in das Schlo gekommen, denn
von denen, die sie kannten, ward niemand zu ihr gelassen denn allein
der Wchter, der ihr immer die Speise gebracht hatte im Turme.  Und
ihre Schne fing wieder an aufzublhen, wie bla und elend sie auch
aus dem Turm gekommen war; und alle, die sie sahen, entsetzten sich
ber ihre Huld und Lieblichkeit, und sie deuchte ihnen fast einem
Engel gleich, der vom Himmel in das Schlo gekommen sei.

Und als vierzig Tage vergangen waren und der Tag vor Johannis da war,
da ging sie zu dem Knige, ihrem Vater, ins Gemach und sagte ihm
Lebewohl.  Und der alte Herr neigte noch einmal wieder seinen weien
Kopf ber sie und weinte sehr, und sie sank vor ihm hin und umfate
seine Knie und weinte noch mehr.  Und darauf ging sie hinaus und
verkleidete sich so, da niemand sie fr eine Prinzessin gehalten
htte, und trat ihre Reise an.  Die Reise war aber nicht weit von
Bergen nach Garz, und sie ging in der Tracht eines Reiterbuben einher.
Und in der Nacht, als es vom Garzer Kirchturm zwlf geschlagen
hatte, betrat sie einsam den Wall, tat ihre Kleider von sich, also
da sie da stand, wie Gott sie erschaffen hatte, und nahm eine
Johannisrute in die Hand, womit sie hinter sich schlug.  Und so
tappte sie stumm und rcklings fort, wie es geschehen mute.  Und
nicht lange war sie geschritten, so tat sich die Erde unter ihren
Fen auf, und sie fiel sanft hinunter, und es war ihr, als wrde sie
in einem Traum hinabgewiegt; und sie fiel hinab in ein gar groes und
schnes und von tausend Lichtern und Lampen erleuchtetes Gemach,
dessen Wnde von Marmor und diamantenen Spiegeln blitzten und dessen
Boden ganz mit Gold und Silber und Edelsteinen beschttet war, da
man kaum darauf gehen konnte.  Sie aber sank so weich auf einen
Goldhaufen herab, da es ihr gar nicht weh tat.  Und sie besah sich
alle die blitzende Herrlichkeit in dem weiten Saale, wo die Schtze
und Kostbarkeiten ihrer Ahnherren von vielen Jahrhunderten gesammelt
und aufgehngt waren; und da sah sie in der hintersten Ecke in einem
goldenen Lehnstuhl das kleine graue Mnnchen sitzen, das ihr
freundlich zunickte, als wolle es mit der Urenkelin sprechen.  Sie
aber sprach kein Wort zu ihm, sondern winkte ihm nur leise mit der
Hand.  Und auf ihren Wink hob der Geist sich hinweg und verschwand,
und statt seiner kam eine lange Schar prchtig gekleideter Diener und
Dienerinnen, welche sich in stummer Ehrfurcht hinter sie stellten,
als erwarteten sie, was die Herrin befehlen wrde.  Svanvithe aber
sumte nicht lange, bedenkend, wie kurz die Mittsommersnacht ist, und
sie nahm die Flle der Edelsteine und Diamanten und winkte den
Dienern und Dienerinnen hinter ihr, da sie ebenso tten; auch diese
fllten Hnde und Taschen und Zipfel und Geren der Kleider mit Gold
und edlen Steinen und kostbaren Geschirren.  Und noch ein Wink, und
die lange Reihe wandelte, und die Prinzessin schritt voran der Treppe
zu, als wenn sie herausgehen wollte; jene aber folgten ihr.  Und
schon hatte sie viele Stufen vollendet und sah schon das dmmernde
Morgenlicht und hrte schon den Lerchengesang und den Hahnenkrei, die
den Tag verkndeten--da ward es ihr bange, ob die Diener und
Dienerinnen ihr auch nachtrten mit den Schtzen.  Und sie sah sich
um, und was erblickte sie?  Sie sah den kleinen grauen Mann sich
pltzlich in einen groen schwarzen Hund verwandeln, der mit,
feurigem Rachen und funkelnden Augen gegen sie hinaufsprang.  Und sie
entsetzte sich sehr und rief: "Oh Herr je!"  Und als sie das Wort
ausgeschrien hatte, da schlug die Tr ber ihr mit lautem Knalle zu,
und die Treppe versank, und die Diener und Dienerinnen verschwanden,
und alle Lichter des Saales erloschen, und sie war wieder unten am
Boden und konnte nicht heraus.  Der alte Knig aber, da sie nicht
wiederkam, grmte sich sehr; denn er dachte, sie sei entweder
umgekommen bei dem Hinabsteigen zu dem Schatze durch die Tcke der
bsen Geister, die unter der Erde ihre Gewalt haben, oder sie habe
sich der Sache berhaupt nicht unterstanden und laufe nun wie eine
arme, verlassene Streunerin durch die Welt.  Und er lebte nur noch
wenige Wochen nach ihrem Verschwinden; dann starb er und ward
begraben.

Der Prinzessin Svanvithe war dieses Unglck aber geschehen, weil sie
sich umgesehen hatte, als sie weggehen wollte, und weil sie
gesprochen hatte.  Denn ber die Unterirdischen hat man keine Gewalt,
wenn man sich umsieht oder spricht, sondern es gert dann fast immer
unglcklich, wovon man viele Beispiele und Geschichten wei.

Und es waren viele Jahre vergangen, vielleicht hundert Jahre und mehr,
und alle die Menschen waren gestorben und begraben, welche zu der
Zeit des alten Knigs und der schnen Svanvithe gelebt hatten, und
schon ward hie und da von ihnen erzhlt wie von einem alten, alten,
lngst verschollenen Mrchen; da hrte man hin und wieder, die
Prinzessin lebe noch und sitze unter dem Garzer Wall in der
Schatzkammer und msse nun mit dem alten, grauen Urgrovater die
Schtze hten helfen.  Und kein Mensch wei zu sagen, wie dies hier
oben bekannt geworden ist.  Vielleicht hat der kleine graue Mann, der
zuzeiten rundgeht, es einem verraten, oder es hat es auch einer der
hellsichtigen Menschen gesehen, die an hohen Festtagen in besonderen
Stunden geboren sind und die das Gras und das Gold in der Erde
wachsen sehen und mit ihren Augen durch die dicksten Berge und Mauern
dringen knnen.  Und es war viel erschollen von der Geschichte und
von dem wundersamen Versinken der Prinzessin unter die Erde, und da
sie in der dunkeln Kammer sitze und noch lebe und einmal erlst
werden solle.  Sie kann aber, sagen sie, erlst werden, wenn einer es
wagt, auf dieselbe Weise, wie sie einst in der Johannisnacht getan
hat, in die verbotene Schatzkammer hinabzufallen.  Dieser mu sich
dann dreimal vor ihr verneigen, ihr einen Ku geben, sie an die Hand
fassen und sie still herausfhren; denn kein Wort darf er beileibe
nicht sprechen.  Wer sie herausbringt, der wird mit ihr in
Herrlichkeit und in Freuden leben und so viele Schtze haben, da er
sich ein Knigreich kaufen kann.  Darin wird er dann fnfzig Jahre
als Knig auf dem Throne sitzen und sie als seine Knigin neben ihm,
und werden gar liebliche Kinder zeugen; der kleine graue Spuk wird
dann aber auf immer verschwinden, wann sie ihm die Schtze weggehoben
haben.  Nun hat es wohl so khne und verwegene Prinzen und schne
Knaben gegeben, die mit der Johannisrute in der Hand zu ihr
hinabgekommen sind; aber sie haben es immer in etwas versehen, und
die Prinzessin ist noch nicht erlst.  Ja, wenn das ein so leichtes
Ding wre, wieviele wrden Lust haben, eine so schne Prinzessin zu
freien und Knige zu werden!  Die Leute erzhlen aber, der greuliche
schwarze Hund ist an allem schuld; keiner hat es mit ihm aushalten
knnen, sondern wenn sie ihn sehen, so mssen sie aufschreien, und
dann schlgt die Tre zu, und die Treppe versinkt, und alles ist
wieder vorbei.

So sitzt denn die arme Svanvithe da in aller ihrer Unschuld und mu
da unten frieren und das kalte Gold hten, und Gott wei, wann sie
erlst werden wird.  Sie sitzt da ber Goldhaufen gebeugt; ihr langes
Haar hngt ihr ber die Schultern herab, und sie weint unaufhrlich.
Schon sitzen sechs junge Gesellen um sie herum, die auch mithten
mssen.  Das sind die, denen die Erlsung nicht gelungen ist.  Wem es
aber gelingt, der heiratet die Prinzessin und bekommt den ganzen
Schatz und befreit zugleich die andern armen Gefangenen.  Sie sagen,
der letzte ist vor zwanzig Jahren darin versunken, ein
Schuhmachergesell, der Jochim Fritz hie.  Das war ein junges,
schnes Blut und ging immer viel auf dem Wall spazieren.  Der ist mit
einem Male verschwunden, und keiner hat gewut, wo er gestoben und
geflogen war, und seine Eltern und Freunde haben ihn in der ganzen
Welt suchen lassen, aber nicht gefunden!  Er mag nun auch wohl
dasitzen bei den andern.



Rattenknig Birlibi


Ich will die Geschichte erzhlen von dem Rattenknig Birlibi, eine
Geschichte, die mir Balzer Tievs aus Preseke oft erzhlt hat nebst
vielen andern Geschichten.  Balzer war ein Knecht, der auf meines
Vaters Hofe diente, als ich acht, neun Jahre alt war, ein Mensch von
schalkischen Einfllen, der viele Geschichten und Mrchen wute.  Die
Geschichte von dem Rattenknig Birlibi lautet also:

In dem stralsundischen Dorfe Altenkamp, welches zwischen Garz und
Putbus seitwrts am Strande liegt, hat vormals ein reicher Bauer
gelebt, der hie Hans Burwitz.  Das war ein ordentlicher, kluger Mann,
dem alles, was er angriff, geriet, und der im ganzen Dorfe die beste
Wehr hatte.  Er hatte sechzehn Khe, vierzig Schafe, acht Pferde und
zwei Fllen auf dem Stalle und in den Koppeln, glatt wie die Aale und
von so guter Zucht, da seine Fllen auf dem Berger Pferdemarkt immer
zu acht bis zehn Pistolen das Stck bezahlt wurden.  Dazu hatte er
sechs hbsche Kinder, Shne und Tchter, und es ging ihm so wohl, da
die Leute ihn wohl den reichen Bauer zu Altenkamp zu nennen pflegten.
Dieser Mann ist durch nchtliche Gnge im Walde um all sein Vermgen
gekommen.

Hans Burwitz war auch ein starker Jger, besonders hatte er eine
treffliche Witterung auf Fchse und Marder und war deswegen oft des
Nachts im Walde, wo er seine Eisen gelegt hatte und auf den Fang
lauerte.  Da hat er im Dunkeln und im Zwielichte der Dmmerung und
des Mondscheins manche Dinge gesehen und gehrt, die er nicht
wiedererzhlen mochte, wie denn im Walde des Nachts viel Wunderliches
und Absonderliches vorgeht; aber die Geschichte von dem Rattenknig
Birlibi hat man von ihm erfahren.  Hans Burwitz hatte in seiner
Kindheit oft von einem Rattenknig erzhlen hren, der eine goldene
Krone auf dem Kopfe trage und ber alle Wiesel, Hamster, Ratten,
Muse und anderes dergleichen Springinsfeldisches und leichtes
Gesindel herrsche und ein gewaltiger Waldknig sei; aber er hatte nie
daran glauben wollen.  Manches liebe Jahr war er auch im Walde auf
Fuchs- und Marderfang und Vogelstellerei rundgegangen und hatte vom
Rattenknig auch nicht das mindeste weder gesehen noch gehrt.  Da
mochte der Rattenknig aber wohl in einer anderen Gegend sein Wesen
getrieben haben.  Denn er hat viele Schlsser in allen Lndern unter
den Bergen und zieht beinahe jedes Jahr auf ein anderes Schlo, wo er
sich mit seinen Hofherren und Hofdamen erlustigt.  Denn er lebt wie
ein sehr vornehmer Herr, und der Gromogul und Knig von Frankreich
kann keine bessere Tage haben, und die Knigin von Antiochien hat sie
nicht gehabt, die ihr Vermgen in Herzen von Paradiesvgeln und
Gehirnen von Nachtigallen aufgefressen hat.  Und das glaube nur nicht,
da dieser Rattenknig und seine Freunde Nsse und Weizenkrner und
Milch je an ihren Schnabel bringen; nein, Zucker und Marzipan ist ihr
tgliches Essen, und ser Wein ist ihr Getrnk, und leben besser als
Knig Salomon und Feldhauptmann Holofernes.

Nun ging Hans Burwitz wieder einmal nach Mitternacht in den Wald und
war auf der Fuchslauer.  Da hrte er aus der Ferne ein vielstimmiges
und kreischendes Getse, und immer klang mit heller Stimme heraus:
Birlibi!  Birlibi!  Birlibi!  Da erinnerte er sich des Mrchens vom
Rattenknig Birlibi, das er oft gehrt hatte, und er dachte: "Willst
mal hingehen und zusehen, was es ist!"  Denn er war ein beherzter Mann,
der auch in der stockfinstersten Nacht keine Furcht kannte.  Und er
war schon auf dem Sprunge zu gehen, da bedachte er das Sprichwort:
"Bleib weg, wo du nichts zu tun hast, so behltst du deine Nase";
aber das Birlibi tnte ihm nach, solange er im Walde war.  Und die
andere Nacht und die dritte Nacht war es wieder ebenso.  Er aber lie
sich nichts anfechten und sprach: "La den Teufel und sein Gesindel
ihr tolles Wesen treiben, wie sie wollen!  Sie knnen dem nichts tun,
der sich nicht mit ihnen abgibt."  Wollte Gott, Hans htte es immer so
gehalten!  Aber die vierte Nacht hat es ihn bermchtigt, und er ist
wirklich in die bsen Stricke geraten.

Es ist der Walpurgisabend gewesen, und seine Frau hat ihn gebeten, er
mge diese Nacht nur nicht in den Wald gehen, denn es sei nicht
geheuer, und alle Hexenmeister und Wettermacherinnen seien auf den
Beinen, die knnen ihm was antun; denn in dieser Nacht, die das ganze
hllische Heer loslasse, sei schon mancher Christenmensch zu Schaden
gekommen.  Aber er hat sie ausgelacht und hat es eine weibische
Furcht genannt und ist seines gewhnlichen Weges in den Wald gegangen,
als die andern zu Bett waren.  Da ist ihm aber der Knig Birlibi zu
mchtig geworden.  Anfangs war es diese Nacht im Walde eben wie die
vorigen Nchte, es tosete und lrmte von fern, und das Birlibi klang
hell darunter; und was ber seinem Kopfe durch die Wipfel der Bume
schwirrte und pfiff und rauschte, das kmmerte Burwitz nicht viel,
denn an Hexerei glaubte er gar nicht und sagte, es seien nur
Nachtgeister, wovor dem Menschen graue, weil er sie nicht kenne, und
allerlei Blendwerke und Gaukeleien der Finsternis, die dem nichts tun
knnen, der keinen Glauben daran habe.  Aber als es nun Mitternacht
ward und die Glocke zwlf geschlagen hatte, da kam ein ganz anderes
Birlibi aus dem Walde hervor, da Hansen die Haare auf dem Kopfe
kribbelten und sauseten und er davonlaufen wollte.  Aber die waren
ihm zu geschwind, und er war bald mitten unter dem Haufen und konnte
nicht mehr heraus.

Denn als es zwlf geschlagen hatte, tnte der ganze Wald mit einem
Male wie von Trommeln und Pauken und Pfeifen und Trompeten, und es
war so hell darin, als ob er pltzlich von vielen tausend Lampen und
Kerzen erleuchtet worden wre.  Es war aber diese Nacht das groe
Hauptfest des Rattenknigs, und alle seine Untertanen und Leute und
Mannen und Vasallen waren zur Feier desselben aufgeboten.  Und es
schienen alle Bume zu sausen und alle Bsche zu pfeifen und alle
Felsen und Steine zu springen und zu tanzen, so da Hansen
entsetzlich bange ward; aber als er weglaufen wollte, verrannten ihm
so viele Tiere den Weg, da er nicht durchkommen konnte und sich
ergeben mute, stehenzubleiben, wo er war.  Es waren da die Fchse
und die Marder und die Iltisse und Wiesel und Siebenschlfer und
Murmeltiere und Hamster und Ratten und Muse in so zahlloser Menge,
da es schien, sie waren aus der ganzen Welt zu diesem Feste
zusammengetrommelt.  Sie liefen und sprangen und hpften und tanzten
durcheinander, als ob sie toll waren; sie standen aber alle auf den
Hinterfen, und mit den Vorderfen trugen sie grne Zweige aus
Maien und jubelten und toseten und heulten und kreischten und pfiffen
jeder auf seine Weise.  Kurz, es war das ganze leichte Diebsgesindel
der Nacht beisammen und machten gar ein scheuliches Gelute und
Gebimmel und Getmmel durcheinander.  In den Lften ging es ebenso
wild als auf der Erde; da flogen die Eulen und Krhen und Kuze und
Uhus und Fledermuse und Mistkfer bunt durcheinander und
verkndigten mit ihren gellenden und kreischenden Kehlen und mit
ihren summenden und schwirrenden Flgeln die Freude des hohen Tages.

Als Hans erschrocken und erstaunt sich mitten in dem Gewimmel und
Geschwirr und Getse befand und nicht wute, wo aus noch ein, siehe,
da leuchtete es mit einem Male heller auf, und nun sangen viele
tausend Stimmen zugleich, da es in frchterlich grauslicher
Feierlichkeit durch den Walde schallte und Hansen das Herz im Leibe
bebte:

Macht auf! Macht auf! Macht auf die Pforten!
Und wallet her von allen Orten!
Geladen seid ihr allzugleich;
Der Knig ziehet durch sein Reich.
Ich bin der groe Rattenknig.
Komm her zu mir, hast du zu wenig!
Von Gold und Silber ist mein Haus,
Das Geld mess' ich mit Scheffeln aus.
 
So klang es im feierlichen und langsamen Gesange fort, und dann
schallten immer wieder einzelne kreischende und gellende Stimmen mit
widerlichem Laute darunter Birlibi!  Birlibi! und die ganze Menge
rief Birlibi! nach, da es durch den Wald schallte.  Und es war der
Rattenknig, welcher einhergezogen kam.  Er war ungeheuer gro wie
ein Mastochs und sa auf einem goldenen Wagen und hatte eine goldene
Krone auf dem Haupte und hielt ein goldenes Zepter in der Hand, und
neben ihm sa seine Knigin und hatte auch eine goldene Krone auf und
war so fett, da sie glnzte; und sie hatten ihre langen kahlen
Schwnze hinter sich zusammengeschlungen und spielten damit, denn
ihnen war sehr wohlig zumute.  Und diese Schwnze waren das
Allerscheulichste, was man da sah; aber der Knig und die Knigin
waren auch scheulich genug.  Und der Wagen, worin sie saen, ward
von sechs magern Wlfen gezogen, die mit den Zhnen fletschten, und
zwei lange Kater standen als Heiducken hinten auf und hielten
brennende Fackeln und miauten entsetzlich.  Dem Rattenknig und der
Rattenknigin war aber vor ihnen nicht bange; sie schienen hier zu
gewaltige Herren und Knige ber alle zu sein.  Es gingen auch zwlf
geschwinde Trommelschlger dem Wagen voran und trommelten.  Das waren
Hasen; die mssen die Trommel schlagen und andern Mut machen, weil
sie selbst keinen haben.

Hansen war schon bange genug gewesen; jetzt aber, als er den
Rattenknig und die Rattenknigin und die Wlfe und Kater und Hasen
so miteinander sah, da schauderte ihm die Haut auf dem ganzen Leibe,
und sein sonst so tapferes Herz wollte fast verzagen, und er sprach
bei sich: "Hier mag der Henker lnger bleiben, wo alles so wider die
Natur geht!  Ich habe auch wohl von Wundern gelesen und gehrt; aber
sie gingen doch immer etwas natrlich zu.  Da dies aber buntes
Teufelsspiel ist und teuflisches Pack, sieht man wohl.  Wer nur
heraus wre!"

Und Hans machte noch einen Versuch, sich heraus zu drngen; aber der
Zug brauste immer frisch fort durch den Wald, und Hans mute mit.  So
ging es, bis sie an eine uerste Ecke des Waldes kamen.  Da war ein
offenes Feld und hielten viele hundert Wagen, die mit Speck und
Fleisch und Korn und Nssen und anderen Ewaren beladen waren.  Einen
jeden Wagen fuhr ein Bauer mit seinen Pferden, und die Bauern trugen
die Scke Korn und das Speck und die Schinken und Mettwrste und was
sie sonst geladen, hinab in den Wald, und als sie Hans Burwitz stehen
sahen, riefen sie ihm zu: "Komm!  Hilf auch tragen!"  Und Hans ging
hin und lud mit ab und trug mit ihnen; er war aber so verwirrt, da
er nicht wute, was er tat.  Es deuchte ihm aber in dem Zwielichte,
als sehe er unter den Bauern bekannte Gesichter, und unter andern den
Schulzen aus Krakvitz und den Schmied aus Casnevitz; er lie sich
aber nichts merken, und jene taten auch wie unbekannte Leute.  Mit
den Bauern aber hatte es die Bewandnis: sie hatten sich dem
Rattenknig und seinem Anhange zum Dienst ergeben und muten ihnen in
der Walpurgisnacht, wo des Rattenknigs groes Fest steht, immer den
Raub zu dem Walde fahren, den Rattenknigs Untertanen einzeln aus
allen Orten der Welt zusammengemaust und zusammengestohlen hatten.
Und Hans kam nun auch ganz unschuldig dazu und wute nicht wie.
Sowie die Scke und das andere in den Wald getragen wurden, war das
wilde Diebsgesindel darber her, und es ging Grips!  Graps! und Rips!
Raps! hast du mir nicht gesehen, und jeder griff zu und schleppte
sein Teil fort, so da ihrer immer weniger wurden.  Der Knig aber
hielt noch da in seinem hohen und prchtigen Wagen, und es tanzeten
und toseten und lrmten noch einige um ihn.  Als aber alle Wagen
abgeladen waren, da kamen wohl hundert groe Ratten und gossen Gold
aus Scheffeln auf das Feld und auf den Weg und sangen dazu:

Hnde her! Mtzen her!
Wer will mehr? Wer will mehr?
Lustig! Lustig! Heut geht's toll,
Lustig! Hnd' und Mtzen voll!  

Und die Bauern fielen wie die hungrigen Raben ber das ausgeschttete
Gold her und griffelten und graffelten und drngten und stieen sich,
und jeder raffte so viel auf von dem roten Raube, als er habhaft
werden konnte, und Hans war auch nicht faul und griff rstig mit zu.
Und als sie in bester Arbeit waren wie Tauben, worunter man Erbsen
geworfen, siehe, da krhete der Morgenhahn, wo das heidnische und
hllische Reich auf der Erde keine Macht mehr hat--und in einem hui
war alles verschwunden, als wre es nur ein Traum gewesen, und Hans
stand ganz allein da am Walde.  Und der Morgen brach an, und er ging
mit schwerem Herzen nach Hause.  Er hatte aber auch schwere Taschen
und schnes rotes Gold darin; das schttete er nicht aus.  Seine Frau
war ganz ngstlich geworden, da er so spt zu Hause kam, und sie
erschrak, als sie ihn so bleich und verstrt sah, und fragte ihn
allerlei.  Er aber fertigte sie nach seiner Gewohnheit mit Scherz ab
und sagte ihr nicht ein Sterbenswrtchen von dem, was er gesehen und
gehrt hatte.

Hans zhlte sein Gold (es war ein hbsches Huflein Dukaten), legte
es in den Kasten und ging die ersten Monate nach diesem Abenteuer
nicht in den Wald.  Er hatte ein heimliches Grauen davor.  Dann
verga er, wie es dem Menschen geht, die Walpurgisnacht und ihr
schauerliches und greuliches Getmmel allmhlich und ging nach wie
vor im Mond- und Sternenschein auf seinen Fuchs- und Marderfang.  Von
dem Rattenknig und seinem Birlibi sah und hrte er nichts mehr und
dachte zuletzt selten daran.  Aber als es gegen den Frhling ging,
vernderte sich alles; er hrte zuweilen um die Mitternacht wieder
das Birlibi klingen, da seine mattesten Haare auf dem Kopfe ihm
lebendig wurden, und lief dann zwar immer geschwinde aus dem Walde,
hatte aber dabei doch seine heimlichen Gedanken auf die
Walpurgisnacht; und weil das, was die Menschen bei Tage denken, ihnen
bei Nacht im Traume wiederkommt und allerlei spielt und spiegelt und
gaukelt, so blieb auch der Rattenknig mit seiner Nachtgaukelei nicht
aus, und Hans trumte oft, als stehe der Rattenknig vor seiner Tre
und klopfe an; und er machte ihm dann auf und sah ihn leibhaftig, wie
er damals in dem Wagen gesessen, und er war nun ganz von lauterem
Golde und auch nicht so hlich, als er ihm damals vorgekommen, und
Rattenknig sang ihm mit der allersesten Stimme, von der man nicht
glauben wollte, da eine Rattenkehle sie haben knnte, den Vers vor:

Ich bin der groe Rattenknig.
Komm her zu mir, hast du zu wenig!
Von Gold und Silber ist mein Haus,
Das Geld mess' ich mit Scheffeln aus.

Und dann kam er dicht zu ihm heran und flsterte ihm ins Ohr: "Du
kommst doch wieder zur Walpurgisnacht, Hans Burwitz, und hilfst Scke
tragen und holst dir deine Taschen voll Dukaten?"  Zwar hatte Hans,
wann er aus solchen Trumen erwachte, neben der Freude ber das Gold
immer ein Grauen, und er sprach dann wohl: "Warte nur, Prinz Birlibi,
ich komme dir nicht zu deinem Feste!"  Aber es ging ihm, wie es andern
Leuten auch gegangen ist, und das alte Sprichwort sollte an ihm auch
wahr werden: Wen der Teufel erst an einem Faden hat, den fhrt er
auch wohl bald am Strick.  Genug, je nher die Walpurgisnacht kam,
desto mehr wuchs in Hans die Gier, auch dabei zu sein.  Doch nahm er
sich fest vor, dem Bsen diesmal nicht den Willen zu tun, und ging
den Walpurgisabend auch glcklich mit seiner Frau zu Bett.  Aber er
konnte nicht einschlafen; die Wagen mit den Scken und die Bauern und
die groen Ratten, die das Gold aus Scheffeln auf den Boden
schtteten, fielen ihm immer wieder ein, und er konnte es nicht
lnger aushalten im Bette, er mute aufstehen und sich von der Frau
fortschleichen und in den finstern Wald laufen.  Und da hat er diese
zweite Nacht ebenso wieder erlebt als das erstemal.  Er hatte sich
ein Sckchen mitgenommen fr das Gold und hatte auch viel reichlicher
eingesammelt als das vorige Jahr.

Nun deuchte ihm, habe er des Goldes genug, und er tat einen hohen
Schwur, er wolle sich nimmer wieder in die Versuchung geben und auch
nie wieder in den Wald gehen.  Und er hat den Schwur gehalten und
sich selbst berwunden, da er nicht in den Wald gegangen ist und
keine Walpurgisnacht wieder mitgehalten hat, so oft ihm auch noch von
dem Birlibi und dem goldenen Rattenknige getrumt hat.  Er hat das
aber nicht in seinem Herzen sitzen lassen, sondern hat es mit
eifrigem Gebet wieder ausgetrieben und den Bsen endlich md, gemacht,
da er von ihm gewichen ist.  So war manches Jahr vergangen, und
Hans hie ein sehr reicher Mann.  Er hatte sich fr seine Dukaten
Drfer und Gter gekauft und war ein Herr geworden.  Es munkelte auch
unter den Leuten, es gehe nicht mit rechten Dingen zu mit seinem
Reichtum; aber keiner konnte ihm das beweisen.  Aber endlich ist der
Beweis gekommen.

Der Bse lauerte auf den armen Mann, an dem er schon einige Macht
gewonnen hatte.  Er war ergrimmt auf ihn, weil er von seinen hohen
Festen in der Walpurgisnacht ganz ausblieb, und als Hans einmal
wieder mit sndlicher Lsternheit an das Goldsammeln gedacht und
darber das Abendgebet vergessen, auch einige unchristliche Flche
ber eine Kleinigkeit getan hatte, hat er mit seinem Gesindel
hervorbrechen knnen, und Hans hat nun gelernt, was das goldene
Spielwerk des Knigs Birlibi eigentlich auf sich habe.  Seit dieser
Zeit hat Hans weder Stern noch Glck mehr in seiner Wirtschaft gehabt.
Wieviel er sich auch abmattete, er konnte nichts mehr vor sich
bringen, sondern es ging von Tage zu Tage mehr rckwrts.  Seine
rgsten Feinde aber waren die Muse, die ihm im Felde und in den
Scheunen das Korn auffraen, die Wiesel, Ratten und Marder, die ihm
die Hhner, Enten und Tauben abschlachteten, die Fchse und Wlfe,
die seine Lmmer, Schafe, Fllen und Klber holten.  Kurz, das
Gesindel hat es so arg gemacht, da Hans in wenigen Jahren um Gter
und Hfe, um Pferde und Rinder, um Schafe und Klber gekommen ist und
zuletzt nicht ein einziges Huhn mehr hat sein nennen knnen.  Er hat
als ein armer Mann mit dem Stock in der Hand nebst Weib und Kindern
von Haus und Hof gehen und sich auf seinen alten Tagen als Tagelhner
ernhren mssen.

Da hat er oft die Geschichte erzhlt, wie er zu dem Reichtum gekommen
und aus dem Bauern ein Edelmann geworden ist, und hat Gott gedankt,
da er Ratten und Muse als seine Bekehrer geschickt und ihn so arm
gemacht hat.  "Denn sonst", hat der arme Mann gesagt, "Wre ich wohl
nicht in den Himmel gekommen, und der Teufel htte seine Macht an mir
behalten, und ich htte dort jenseits endlich auch nach des
Rattenknigs Pfeife tanzen mssen."  Das hat er auch dabei erzhlt,
da solches Gold, das man auf eine so wundersame und heimliche Weise
gewinne, doch keinen Segen in sich habe; denn ihm sei bei allen
seinen Schtzen doch nie so wohl ums Herz gewesen als nachher in der
bittersten Armut; ja, er sei ein elenderer Mann gewesen, da er als
Junker mit Sechsen gefahren, als nachher, da er oft froh gewesen,
wenn er des Abends nur Salz und Kartoffeln gehabt habe.



Rotkehlchen und Kohlmeischen.


Rotkehlchen und Kohlmeischen waren einst ein paar hbsche Dirnen,
Tchter einer alten frommen Wittwe, die sich vom Spinnen, Nhen und
Waschen und von anderer Arbeit knapp aber doch ehrlich ernhrte.  Sie
hatte nur diese beiden Kinder, von welchen die lteste Grethchen und
die jngste Kathrinchen hie.  Sie hielt, wie sauer es ihr auch ward,
die Kinder immer nett und reinlich in Kleidung und schickte sie
fleiig zu Kirche und Schule, und als sie grer wurden, unterwies
sie sie in allerlei knstlicher Arbeit mit der Scheere und Nadel und
hielt sie still in ihrem Kmmerlein in aller Ehrbarkeit und Tugend.
Und Grethchen und Kathrinchen gediehen, da es eine Freude war, und
wurden eben so hbsch und fein, als sie fleiig und ehrbar waren; so
da alle Menschen ihre Lust an ihnen hatten und die Nachbarn sie
ihren Tchtern als rechte Muster zeigten und lobten.  Die Wittwe
starb und die beiden Schwestern blieben in ihrem Huschen und lebten,
wie sie mit der Mutter bisher gethan, von ihrer Hnde Arbeit.  Aber
es blieb nicht lange mehr so still in dem Huschen, als es sonst
gewesen war.  Die Falken und Habichte, welche auf schnes junges Blut
lauren, merkten, da die Hterin weg war, welche die Tubchen sonst
bewacht hatte, und es fanden sich hufig lose junge Gesellen ein,
welche die Mdchen zu Tnzen und Gelagen und zu Spaziergngen auf die
Drfer verlocken wollten.  Die beiden Schwestern wehrten sich einige
Wochen tapfer, aber endlich lieen sie sich bewegen und gingen mit
und dachten, es kann doch wohl keine Snde seyn, was so viele Frauen
und Mdchen thun, die niemand unehrlich nennt.  Zuerst kam es ihnen
bei diesen Tnzen doch zu wild vor und sie sahen nicht einmal lange
zu sondern gingen frh weg und waren vor Sonnenuntergang wieder zu
Hause und lieen sich nicht bis in die Nacht hinein halten, wieviel
die, welche sie mitgenommen hatten, auch locken mogten.  Das zweite
und dritte Mal tanzten sie schon mit, gingen aber bei Tage heim, und
mit etwas schwerem Herzen, und nahmen sich deswegen vor, den nchsten
Sonntag zu Hause zu bleiben.  Aber das Worthalten war schwer, denn
die jungen Gesellen kamen immer wieder und baten zu schn.  Das
vierte und fnfte Mal blieben sie schon bis nach Sonnenuntergang, und
das sechste und siebente Mal hatte die Glocke zwlf geschlagen, als
sie heim kamen, und sie muten ihre Wirthin herauspochen, da sie
ihnen die Thre aufschlsse, und als die alte Frau sie ermahnte und
sie ihrer seligen Mutter erinnerte, lachten sie schon und sprachen:
Ach! die Mutter und ihr! wann die Muse keine Zhne mehr haben,
schelten sie auf die Nuknacker; ihr werdet auch getanzt haben, als
ihr jung waret.

Die Mdchen waren zu Hause noch immer sehr fleiig, auch hatten sie
noch nichts Unehrbares gethan noch gelitten, aber die Thre zum Bsen
war geffnet, und Leichtsinn und Leichtfertigkeit nahmen von Tage zu
Tage zu, und nun ward auch schon mancher kostbare Wochentag mit
Nichtsthun und Herumprangen vertndelt und verqundelt, den sie sonst
auf ntzliche Arbeit verwendet hatten.  Auch in ihrem Kmmerchen
mute alles anders werden; die Vgel waren lustig und bunt geworden,
es mute alles blankere und zierlichere Federn anziehen: neue Tische,
neue Sthle, neue Vorhnge, feinere Kleider und Schuhe.  Aber mit dem
alten Hausrath schien auch der mtterliche Segen, der bisher sichtbar
auf den Kindern geruht hatte, aus dem Hause gezogen zu seyn.  So
schlich sich das Unglck mit dem Leichtsinn ein; erst hielt sie der
Bse nur an einem dnnen seidenen Fdchen, zuletzt hat er sie mit
einem dicken Kabeltau der Snde umflochten und sie haben die Schwere
und den Schmutz desselben gar nicht mehr gefhlt.

Grethchen und Kathrinchen hatten immer viele schne Arbeit und
kostbare Zeuge unter Hnden, woraus sie Schmuck und Kleider stickten
und nheten.  Sie gebrauchten jetzt mehr Geld als sonst, sie fingen
allmlig an zu mausen, ach! sie stahlen zuletzt.  Einmal hatten sie
einen bunten seidenen Rock gestohlen, der in einem Nachbarhause am
Fenster hing, und an einen herumziehenden Juden verkauft.  Ein armer
Schneidergesell, bei welchem man viele bunte Lappen und Streifen Zeug
gefunden, die er auch wohl gemaust haben mogte, war darber angeklagt,
gerichtet und gehngt worden.  Er hing und baumelte an dem lichten
Galgen.  Eines Abends spt kamen die beiden Dirnen mit andern
Gesellen und Gesellinnen von einem Dorftanze zurck und der Weg ging
an dem Galgen vorbei.  Da rief einer aus der Schaar, ein
leichtfertiger Gesell: Fritz Schneiderlein!  Fritz Schneiderlein! wie
theuer wird dir dein bunter Rock!  Kaum aber hatte er das Wort
gesprochen, so schlug die Snde wie ein Blitz in die beiden Dirnen,
die schuld waren an des armen Schneiders Tod.  Sie strzten beide wie
todt zur Erde hin, und die andern, die es sahen, liefen voll
Schrecken weg, als htten ihnen alle Galgenvgel schon in dem Nacken
gesessen.  Sie haben die Geschichte in der Stadt erzhlt, und die
Leute sind hingegangen, aber die beiden Dirnen haben sie nimmer
gefunden.

Und wie htten sie sie finden sollen?  Sie waren in Vgel verwandelt
und mssen nun in der weiten Welt herumfliegen.  Grethchen ist ein
Rothkehlchen geworden und Kathrinchen ein Kohlmeischen; denn
Grethchen trug immer ein rothes seidenes Tuch um den Hals und
Kathrinchen ein gelbes.  So mssen sie nun als kleine Vgel in den
Wldern rundfliegen und Hunger und Durst leiden, Hitze und Klte
aushalten und vor Sperbern und Falken, vor Schlangen und Ottern, vor
Jgern und wilden Buben zittern.  Das hatte ihre Mutter wohl nicht
gedacht, als sie so sittig und fein mit ihr in dem Kmmerlein saen
und stickten und webten und nheren und Abends und Morgens bei dein
Zubettgehen und Aufstehen mit heller Stimme geistliche Lieder sangen.
Aber die armen Kinder sind zuerst verlockt dann verfhrt und so
endlich in schwere Snden gefallen, und haben kaum gewut, wie sie
dazu gekommen sind: so leise und sanft hat der Leichtsinn sie seinen
Schlangenblumenweg gefhrt.  Da diese kleinen Vgel einst Menschen
gewesen, ist ganz natrlich, und man kann es auch daraus sehen, da
sie immer um die Huser der Menschen fliegen, auch oft durch die
offenen Fenster in die Zimmer kommen und sich da fangen lassen, auch
da sie im Walde, so wie sich nur Menschen da sehen lassen, sogleich
um sie herumflattern und herumzwitschern.  Sie haben auch die alte
Unart im Vogelkleide noch nicht abgelegt und knnen das Mausen nicht
lassen sondern sind noch immer Erzdiebe, und wo nur etwas Buntes und
Neues und Schimmerndes ausgehngt wird, da fliegen und schnappen sie
darnach, und werden daher keine Vgel leichter in Fallen und
Schlingen gefangen als diese beiden, und mssen Grethchens und
Kathrinchens gefederte Urenkel es noch entgelten, da sie einst
zuviel auf Kirmisse und Tnze gegangen und den bunten Rock gestohlen
haben, worum der Schneider hangen mute.  Die Menschen jammert es
sehr, wann sie Rothkehlchen und Kohlmeischen in den Schlingen hangen
sehen, und sie rufen wohl: ach! die armen niedlichen Vgelein!  Denn
sie sind wirklich sehr niedlich und hbsch, und waren einst auch
niedliche und hbsche Dirnen, ehe sie von bsen Buben verfhrt wurden,
und lebten als fromme einfltige Kinder und meinten und wuten
nichts Arges.

Aus dieser Geschichte lernt man, da es wohl wahr ist, was weise
Leute sagen, da mancher einen bunten Rock trgt, worin ihm nicht
wohl ist, und da manche bunte Rcke tragen, wozu sie nicht gut
gekommen sind.



Schipper Gau un sin Puk


Ji hewt woll oftermals hrt, wo veele Hexerei un Twerei mit Katten,
Zegenbcken, Heimken un Schorfpoggen drewen ward un wo de olde Fiend
sick darachter steckt un den armen verbiesterden Minschen in de Hll
herin spelt.  werst dat gifft so veelerlei Twerei, datt et nich
to denken noch uttospreken is, un wer schullt't glwen, datt de Dwel
listig nog is, in Mggen un Kwer ja in den allerminsten Worm sick
herintomaken, wenn de vrblendte Minsch nah sinen Dingen lstern is
un nah dem Dstern un Vrborgnen snappt?  Denn wer hngen will, seggt
dat Sprickwurt, de kan woll dr eenen Spennenfaden to Doode kamen.
As ick in miner Jugend in minen Wanderjahren ut minem Vaterlande
Holsteen nah Rotterdam up Arbeit kamen was, hew ick mennige snurrige
Ding davon sehn un hrt; denn de Schippers hebben veelen sodhanen
Awerglowen un mennigerhand heemliche Knste.  Ick mag't werst nich
all nahseggen; doch will ick ju eens vrtellen, wat hier bi uns eenem
Mann ut Barth edder vam Dars in Prerow begegnet is un wovon alle Lde
to seggen wten, as ick noch een junger Gesell was.

In Barth lewde een Schipper Hinrich Gau, dat was de glcklichste un
vrwegenste Schipper in der ganzen Ostsee, dem ook alles to Faden
leep.  He unnerstund sick, wat keen anner Schipper drfte, un se
seden, he kunn mit allen Winden segeln, un wenn he wull, ook wedder
den Strom.  Soveel was eenmal wi, he wagde sick herut midden im
Winter un in dem bsesten Unweder un kam jmmer mit ganzen Masten und
heelen Segeln davon, wenn de annern Schipp terreten un terspleten in
den Hawen lepen edder gar so deep vr Anker legen, datt keen
Minschenoog se wedder to sehn kreeg. Mit dem Gau werst ging alles
vrwrts, as knn he den Wind ut'm Sack schdden, grad as he'n brukte.
So was he denn jmmer de erste up dem Platz un makte de besten
Frachten und ward in wenigen Jahren een riker Mann, datt se en den
riken Schipper edder den riken Gau nmden.  Dat Ding hedd werst so
sinen egnen Haken un um all dat Gausche Glck un Geld mgt ick an dem
Haken nich hngen, woran Gau fast was.  Denn de Lde munkelden so wat
van eenem blanken Kwer edder eener grnen Pogg in eenem Glase; un
dat was sin Puk, de em den Wind un dat Glck makte, un de Matrosen
wullen dat dwelsche Ding unnerwielen sehn hebben, wenn't stief
weihde edder de Nacht gefhrlich dster was, wo't as een ltt winzig
Jngiken in eener swarten Jacke eene rode Mtz up'm Kopp up dem
Schipp hermleep un alles nahsach, edder ook as een old gris Mnniken
mit eener kritwitten Parck up dem Kopp, dat am Strroder satt un in
den Hwen keek un dem Schipp den Weg wisde.  Un se vrtellden ook,
datt de Schipper sine blanken und grnen Dwelskamraten sehr prchtig
plegde in eenem aparten Schrank in siner Koje, wo keen Minsch
hensnuwen drft, un datt he en da jmmer sten Muschatwin un Rosinen
un Figen hendrog.  Denn de in der bittern un suren Hlle wahnen,
laten sick am lichtesten mit Zuckerbackels un Ndlichkeiten locken un
festholden, wenn man se to sinem Deenst anbinden will.

Dat Glck was up disse Wis un mennigen schnen Dag mit dem Schipper
Gau up der Fahrt west, un he vrstund sine Geisterkens to regieren,
un se weren em up't Komando gehursam un willig.  werst toletzt
vrsach he sick eenmal, un de Dwel slippte em los, un drew sin bses
Spill so schrecklich, datt jeder sehn kunn, wat et was.  Schipper Gau
was mit eener riken Ladung ut England kamen un sin Schipp lag up dem
Strom der Sundschen Rhede vr Anker.  He was eenen Dag in de Stadt
fahren, un Gott weet, wo't geschach--denn ss ging he den Dag
weinigstens wohl dreimal an Burd--he was in een woist Gelag geraden
un se hedden so deep in't Glas keken, datt Gau Schipp un Puk un de
ganze Welt vrgatt.  So hedd unser Schipper twee utgeslagene Dage in
Stralsund vrdrunken, un sine Dinger, de he hungern let, weren
grimmig worden, hedden de Glser terbraken, worin se seten, un blsen
eenen Storm up, datt dat Schipp anfung mit allen Segeln to spelen un
sick von allen Ankern losret.  De Lde, de up der Brgg un Lastadie
stunden, vorwunderden sick--denn bi de Stadt weihde kum een
Lftken--wo dat Schipp rundkselde as een Swin, dat to veelen
Branwinsbarm sapen hett.  Un et wurd een grot Geschrei, un veele
Schippers lepen herbi un ook Schipper Gau.  He kreeg flugs een paar
von sinen Matrosen un eenige annere Waghlse tohop, lste sin Boot un
leet de Remen knarren un reep: "Frisch Jongs! frisch! wenn ick an
Burd kam, schlen mine Kerls voll wedder to Loch, se kennen min
Komando woll."  Un Gau kam richtig an dat Schipp, dat sick jmmer
rundm kselde, as wenn't in eenem Strudel stack.  Alle annern Schipp
rhrden sick nich, as wenn fr se keene Luft weihde, un was een heel
moj Wder.  werst de kecke Gau hedd sick dittmal to veel vrmeten;
sine Brschchen, de weegn des langen Hungers to grimmig weren, leten
sick van em weder locken noch hissen; se makten jmmer gewaltigern
Storm un dullere Arbeit un kselden toletzt so arg, datt Schipp mit
Mann un Mus to Grund gingen.

To der Tid ging mennig Gerede mank de Schippers hen un her, un veelen
is woll bang worden; werst ick glw, et gifft noch van der Art, de
ehre ltten Dwelkens in Schachteln un Glsern mit an Burd nehmen.



Thrin Wulfen


Nicht weit von Schoritz, zwischen Schoritz und Puddemin, an dem Wege,
wo man von Garz nach dem Zudar fhrt, lag einst ein kleines Dorf, das
hie Gnz, worin ein paar Bauern wohnten, die nach Schoritz zu Hofe
dienten.  Die sind aber ganz zerstrt mit Husern und mit Grten, so
da man dort keine Spur mehr sieht, da jemals Menschen dort gewohnt
haben.  In diesem Dorfe Gnz wohnte ein Bauer, der hie Jochen Wulf,
der hatte eine Frau, und die hie Thrin; das war eine arge Hexe, von
deren losen Knsten und bsen Streichen die Leute noch heute zu
erzhlen wissen.  Da sie aber eine Hexe war, konnte man ihr anmerken
an ihrer auerordentlichen Freundlichkeit und Leidigkeit, woraus List
und Schelmerei oft hervorlchelten, und an den schnen und leckeren
Sachen, die sie immer bei sich trug, und womit sie die Hunde und
kleinen Kinder an sich lockte.  Davor hat den Leuten auch gegraut,
da ihr, wohin sie immer gekommen, die Katzen von selbst auf den
Scho gesprungen sind, was diese Tiere, die eben keine
Menschenfreunde sind, sonst nimmer mit Fremden tun.  Denn durch die
Kinder und durch Leckereien, die sie den Kindern geben, und durch
Slbchen und Kruterchen, womit sie bei Kinderkrankheiten immer
gleich zur Hand sind, drngen sich die alten Hexen in alle Huser,
und Hunde und Katzen drfen sie nicht zu Feinden haben, weil ihre
Arbeit meistens des Nachts ist, wo die andern Christenmenschen
schlafen.  Doch merkten die Leute ihr und ihrem Manne ihr heimliches
und verbotenes Handwerk dadurch an, da sie sehr reich wurden, und
da der Bauer Wulf dreimal soviel Korn und Weizen verkaufen konnte
wie seine Nachbarn, und da seine Pferde und Khe, wenn er sie im
Frhling ins Gras trieb, so glatt und fett waren wie die Aale, und
als ob sie aus dem Teige gewlzt wren.  Auch sagten alle Leute, sie
habe einen Drachen, und den haben sie des Nachts oft auf ihr Dach
herabschieen sehen, wo er ihr Raub und Schtze von andern zutrug.
Das ist auch gewi, und viele Leute haben es erzhlt, die bei
nchtlicher Weile bei Gnz vorbeigegangen sind, da es dann auf dem
Wege oft geknarrt und geseufzt hat, wie die Rder an schwerbeladenen
Wgen knarren und seufzen.  Da haben die Leute sich umgesehen oder
sind aus dem Wege gesprungen, damit sie nicht bergefahren wrden;
sie haben aber weder Pferde noch Wagen gesehen, und es ist ihnen ein
entsetzliches Grauen angekommen.  Das ist aber auch der alte,
heimliche Drache gewesen, der den Nachbarn die Garben gestohlen und
sie in des Wulfs Scheunen hat einfahren lassen.  Da die Thrine
Wulfen eine arge Wetterhexe war, hat man am meisten auf der Weide und
Brache an dem jungen Vieh sehen knnen.  Wenn sie einmal unter eine
Herde kam, gleich streckte ein Kalb alle viere von sich und hatte den
Frosch, oder ein paar Dutzend junge Gnschen machten nicht zum
Vergngen den Drehhals, oder einige Lmmer und Jhrlinge wurden
Kopfhnger und Kopfschttler, oder eine Schar Sue tanzte den Dreher.
Sie gebrdete sich bei solchem Anblick, als tue es ihr sehr leid
(die alten Hexen aber knnen es nicht lassen, junges, freudiges Vieh
zu behexen, und wenn es ihr eigenes wre), und sie sagte den Hirten
oder Nachbarn, sie habe und wisse manche heilsame Mittel gegen solche
bel; sie sollen nur zu ihr kommen und sich eine Salbe holen und die
kranken Tierchen damit bestreichen, gleich werde es dann besser mit
ihnen werden.  Das haben einige getan, und wirklich hat es stracks
geholfen, aber den meisten hat gegraut, ber ihre Schwelle zu treten,
und da hat das liebe Vieh denn dran gemut.  Alle aber haben sich
zugeflstert, Thrin Wulfen habe sie behext und ihnen den Schabernack
angetan.  So zum Beispiel hatte sie eine Frau, welche sich mit ihr
erzrnt und sie eine alte Wetterhexe gescholten hatte, in ihrem
eignen Hause festgezaubert, da sie nicht ber die Schwelle zu gehen
wagte und alle Tren und Fenster dicht versperrt hielt.  Denn sie
glaubte, sie sei in eine Erbse verwandelt, und jeder Vogel, der
vorberflog, war ihr so frchterlich, da sie bei seinem Anblick
schrie, als fliege ihr Tod heran, ja da sie bei dem Ton eines
Gefieders aus der Luft schon in Ohnmacht fiel und mit Hnden und
Fen zappelte; fr die Enten, Hhner und Tauben aber in ihrem Hofe
war der jngste Tag gekommen, und sie hatten ihnen allen sogleich
beim Beginn ihrer Krankheit die Hlse umdrehen lassen.  Auch hatte
die alte Bsewichtin es dem Mann dieser Frau angetan, da er wie ein
kindischer und besoffener Narr tanzen mute, sobald er einen
Ziegenbock springen sah.  Und dies ist allen Leuten lcherlich und
rgerlich anzusehen gewesen, und das rgste dabei ist noch gewesen,
da die Einfltigen vor dem Mann eine Art Grauen bekommen haben, als
sei er auch von der Ziegenbocksgesellschaft und von den
Blocksbergfahrern; die Klugen aber haben wohl gewut, von wem diese
Bockssprnge herrhrten, doch keiner hat es ihr beweisen knnen.  Und
man kann wohl denken, wie die alte Bosheit in sich gelacht hat, da
der unschuldige Mann fr ihren Gesellen gehalten worden ist.  Ihr
Vieh war immer das fetteste und mutigste in der ganzen Dorfherde, und
man konnte an vielen Zeichen sehen, da der Teufel sein Spiel damit
hatte; denn fast nie ist ein Stck davon krank worden, und sie hat
ihnen solche Kraft und Strke angezaubert, da von ihren kleinsten
Klbern die grten Ochsen sich stoen lieen, und da ihre Ferkel
die wtendsten Eber aus dem Felde schlugen.

Auch haben die Leute sie in mancherlei Verwandlungen umherlaufen und
herumfliegen gesehen, aber niemand hat sich unterstanden, sie
anzupacken oder ihr etwas zu tun; auch haben sie die
allerwunderlichsten bunten Hunde und Katzen und sogar Fchse und
Wiesel bei Tage und bei Nacht um ihren Hof laufen gesehen, aber
keiner hat sie angetastet; sie wuten wohl, aus wessen Stall dieses
gefhrliche Vieh war.  Von Elstern und Krhen aber hpften immer
ganze Scharen auf ihrem Hofe und ihren Dchern, und von ihrem
einzigen Hausgiebel uhuheten des Nachts mehr Eulen, denn von allen
Husern und Dchern in Swantow und Puddemin zusammen.

So ist sie in der Nachbarschaft viel herumgestrichen und
herumgeflogen auf Schelmstcke und Diebsschliche, und es ist ihr
lange genug glcklich gegangen.  Der Pastor zum Zudar, der Herr
Manthey hie, hat die meiste Not mit ihr gehabt, und auch wohl
deswegen, weil er dem Bsen selbst den Krckstock reichte, womit er
ihn berholen konnte, da er mehr ins Buch der vier Knige guckte als
in Bibel und Evangelienbuch.  Einmal ist Thrin Wulfen zu seiner Frau
gekommen und hat ihr eine Stiege Eier gebracht, und sie und die Frau
Pastorin haben einander viel erzhlt und sind sehr herzig und
heimlich miteinander geworden, so da die Frau Pastorin endlich die
Thrin, als sie Ade gesagt, umhalst hat.  Da ist ihr aber geschehen,
da sie vor Schrecken ohnmchtig worden und wie tot hingefallen ist.
Denn was hat sie gesehen?  Vor ihren sehenden Augen und unter ihren
greifenden Hnden ist die Thrin pltzlich eine rote Fchsin geworden
und hat ihr mit den Vordertatzen die Wangen gestreichelt und mit der
Schnauze das Gesicht geleckt und dabei recht frchterlich greinig und
freundlich ausgesehen.  Das hat die Pastorin spter vielen Leuten
erzhlt; wie es aber weiter geworden, hat sie nicht gewut; denn als
sie wieder zur Besinnung gekommen, war die Thrin weg und auch keine
Spur von ihr und der roten Fchsin mehr da als der Geruch der
fchsischen Ksse in ihrem Gesichte und ein paar leichte rote
Streifen, womit sie sie bei der umhalsenden Liebkosung gekratzt hatte.
Zuerst hat die Frau Manthey die Geschichte aus Furcht verschwiegen
und erst nach Verlauf von Jahren erzhlt.  Auch Pastor Manthey ist
inne geworden, da er gegen die losen und leichten Knste der Thrin
sich nicht mit der gehrigen geistlichen Rstung gewaffnet hatte, und
da sie an ihn durfte; er hat bemerkt, da ihm ein Dieb an seine
Schinken und Wrste kam, und das ist auch die Thrin gewesen.  Denn
wie manche Nacht ist sie als Katze in Wiemen und Keller und
Speisekammern geschlichen und hat sich eine Wurst, eine Spickgans
oder ein Stck Schinken nach Hause getragen!  Endlich war es ruchbar
geworden, da man oft eine unbekannte graue Katze durchs Dorf laufen
gesehen und da auch andern Leuten auf eine hnliche, unbegreifliche
Weise manches abhanden gekommen war.  Da lauerte der Pastor des
Abends und in der Frhe oft genug auf mit einem geladnen Gewehr; aber
nimmer hat er den schleichenden Dieb erwischen knnen.  Endlich aber
ist ihm die Katze mal in dem Garten in den Wurf gekommen, als er
Sperlinge schieen wollte, und er hat ihr unverzagt aufs Leder
gebrannt und sie mit humpelndem Fu ber den Zaun springen und
jmmerlich miauen gehrt.  Der Schfer aber, der hinter dem Garten
eben mit den Schafen vorbeitrieb, als der Mantheysche Schu fiel, hat
erzhlt, es sei neben ihm ein altes Weib ber den Weg hingehinkt, die
habe jmmerlich gewinselt und geheult, und sie habe ihm geklagt, des
Krgers groer Hund habe ihr den Fu blutig gebissen.  So sei sie
ber die Zudarsche und Schoritzer Heide fortgehumpelt, und man habe
ihr Gewinsel noch lange aus der Ferne hren knnen.  Und das war
wirklich die Thrin aus Gnz gewesen; der Pastor hatte ihr das linke
Bein durchschossen.

Dieser geistliche Schu gab einen groen Glckswandel.  Thrin lag
wohl ein Vierteljahr elend im Bette; dann sah man sie wieder, aber
sie humpelte mit einem lahmen Beine und erzhlte den Leuten, sie sei
beim pfelschtteln vom Baum gefallen und habe sich dabei das Bein
verrenkt.  Nun ging es ihr aber schlimm.  Weil sie nicht mehr so
flink auf den Fen war als sonst, so konnte sie, wann die Begier zu
hexen mit pltzlicher Lsternheit in ihr aufstieg, nicht mehr
geschwind zu andern oder zu Fremden kommen, sondern mute ihr Eigenes
behexen.  Da ward denn fast tglich irgend etwas verdreht, gelhmt
oder umgebracht.  Bei Tauben, Hhnern und Gnsen fing es an, und mit
dem groen Vieh hrte es auf.  Und wieviel der alte Jochen Wulf sie
auch prgelte, das half alles nichts; die Hexenlust ist ein
unauslschlicher und unbezwinglicher Trieb.  Als also alles Federvieh
verdorben oder erwrgt war, da ist die Kunst ber die Ferkel und
Lmmer hergefahren, darauf an die Klber und Schafe, endlich an die
Khe und Pferde.  Der Bauer hat nun immer wieder neues Vieh kaufen
mssen, und in solcher Weise ist in ein paar Jahren der Reichtum
vergangen und das ungerechte Teufelsgut zerronnen.  Ja, ihr eignes,
einziges Kind hat sie zum Krppel hexen mssen; und der alte Wulf ist
aus Angst, da ihm zuletzt hnliches widerfahren mge, in die weite
Welt gegangen und ist auf immer ein verschollener Name geblieben.
Einige erzhlen aber, die Thrin habe ihn verwandelt und habe wegen
seiner Snde die Macht dazu gehabt, weil der alte Schelm um ihre
Hexerei gewut und die Frchte davon gehehlt und mitgenossen habe;
und so msse er nun als ein greulicher Werwolf rundlaufen und die
alten Weiber und Kinder erschrecken.  Die Thrin aber sei nach der
Flucht des Wulf als eine arme Bettlerin aus der Wehr geworfen und
habe zuletzt in Puddemin gewohnt, sei aber zuzeiten immer noch hin
und wieder als eine lahme Katze oder Fchsin umgegangen oder habe als
eine lahme Elster auf Bumen und Dchern herumgehpft; endlich aber
sei sie vor das Gewehr eines Freischtzen geraten, wodurch die
Katzengestalt fr immer festgemacht worden.  So haben viele Leute sie
fter als eine wilde, graue Katze an dem Gnzer Teiche sitzen gesehen,
auch als kein Haus mehr dastand; auch haben andere es dort um die
Mitternacht hufig miauen und prusten und pfuchsen gehrt, da ihnen
vor Grauen die Haare zu Berge standen.


Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Mrchen und Sagen, von Ernst
Moritz Arndt.





*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, MAERCHEN UND SAGEN ***

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