The Project Gutenberg EBook of Das Kaethchen von Heilbronn, by Heinrich von Kleist

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Title: Das Kaethchen von Heilbronn

Author: Heinrich von Kleist

Release Date: October, 2004  [EBook #6646]
[Yes, we are more than one year ahead of schedule]
[This file was first posted on January 9, 2003]

Edition: 10

Language: German

Character set encoding: ISO-Latin-1

*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, DAS KAETHCHEN VON HEILBRONN ***




Thanks are given to Delphine Lettau for finding a huge collection of ancient
German books in London.



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Das Kthchen von Heilbronn (oder die Feuerprobe)

Heinrich von Kleist

Ein groes historisches Ritterschauspiel


Personen:

Der Kaiser

Gebhardt, Erzbischof von Worms

Friedrich Wetter, Graf vom Strahl

Grfin Helena, seine Mutter

Eleonore, ihre Nichte

Ritter Flammberg, des Grafen Vasall

Gottschalk, sein Knecht

Brigitte, Haushlterin im grflichen Schlo

Kunigunde von Thurneck

Rosalie, ihre Kammerzofe

Sybille, deren Stiefmutter

Theobald Friedeborn, Waffenschmied aus Heilbronn

Kthchen, seine Tochter

Gottfried Friedeborn, ihr Brutigam

Maximilian, Burggraf von Freiburg

Georg von Waldsttten, sein Freund

Ritter Schauermann und Ritter Wetzlaf, seine Vasallen

Der Rheingraf vom Stein, Verlobter Kunigundens

Friedrich von Herrnstadt und Eginhardt von der Wart, seine Freunde

Graf Otto von der Flhe, Wenzel von Nachtheim und Hans von Brenklau,
Rte des Kaisers und Richter des heimlichen Gerichts

Jakob Pech, ein Gastwirt

Drei Herren von Thurneck

Kunigundens alte Tanten

Ein Khlerjunge

Ein Nachtwchter

Mehrere Ritter

Ein Herold, zwei Khler, Bedienten, Boten, Hscher, Knechte und Volk



Die Handlung spielt in Schwaben




Erster Akt

Szene: Eine unterirdische Hhle, mit den Insignien des Vehmgerichts,
von einer Lampe erleuchtet.



Erster Auftritt

Graf Otto von der Flhe als Vorsitzer, Wenzel von Nachtheim, Hans von
Brenklau als Beisassen, mehrere Grafen, Ritter und Herren, smtlich
vermummt, Hscher mit Fackeln usw.--Theobald Friedeborn, Brger aus
Heilbronn, als Klger, Graf Wetter vom Strahl als Beklagter, stehen
vor den Schranken.


Graf Otto (steht auf).  Wir, Richter des hohen, heimlichen Gerichts,
die wir, die irdischen Schergen Gottes, Vorlufer der geflgelten
Heere, die er in seinen Wolken mustert, den Frevel aufsuchen, da, wo
er, in der Hhle der Brust, gleich einem Molche verkrochen, vom Arm
weltlicher Gerechtigkeit nicht aufgefunden werden kann: wir rufen
dich, Theobald Friedeborn, ehrsamer und vielbekannter Waffenschmied
aus Heilbronn auf, deine Klage anzubringen gegen Friedrich, Graf
Wetter vom Strahle; denn dort, auf den ersten Ruf der heiligen Vehme,
von des Vehmherolds Hand dreimal, mit dem Griff des Gerichtsschwerts,
an die Tore seiner Burg, deinem Gesuch gem, ist er erschienen, und
fragt, was du willst?  (Er setzt sich.)

Theobald Friedeborn.  Ihr hohen, heiligen und geheimnisvollen Herren!
Htte er, auf den ich klage, sich bei mir ausrsten lassen--setzet
in Silber, von Kopf bis zu Fu, oder in schwarzen Stahl, Schienen,
Schnallen und Ringe von Gold; und htte nachher, wenn ich gesprochen:
Herr, bezahlt mich! geantwortet: Theobald!  Was willst du?  Ich bin
dir nichts schuldig; oder wre er vor die Schranken meiner Obrigkeit
getreten, und htte meine Ehre, mit der Zunge der Schlangen--oder
wre er aus dem Dunkel mitternchtlicher Wlder herausgebrochen und
htte mein Leben, mit Schwert und Dolch, angegriffen: so wahr mir
Gott helfe! ich glaube, ich htte nicht vor euch geklagt.  Ich erlitt,
in drei und funfzig Jahren, da ich lebe, so viel Unrecht, da meiner
Seele Gefhl nun gegen seinen Stachel wie gepanzert ist; und whrend
ich Waffen schmiede, fr andere, die die Mcken stechen, sag ich
selbst zum Skorpion: fort mit dir! und la ihn fahren.  Friedrich,
Graf Wetter vom Strahl, hat mir mein Kind verfhrt, meine Katharine.
Nehmt ihn, ihr irdischen Schergen Gottes, und berliefert ihn allen
geharnischten Scharen, die an den Pforten der Hlle stehen und ihre
glutroten Spiee schwenken: ich klage ihn schndlicher Zauberei,
aller Knste der schwarzen Nacht und der Verbrderung mit dem Satan
an!

Graf Otto.  Meister Theobald von Heilbronn!  Erwge wohl, was du
sagst.  Du bringst vor, der Graf vom Strahl, uns vielfltig und von
guter Hand bekannt, habe dir dein Kind verfhrt.  Du klagst ihn, hoff
ich, der Zauberei nicht an, weil er deines Kindes Herz von dir
abwendig gemacht?  Weil er ein Mdchen, voll rascher Einbildungen,
mit einer Frage, wer sie sei? oder wohl gar mit dem bloen Schein
seiner roten Wangen, unter dem Helmsturz hervorglhend, oder mit
irgend einer andern Kunst des hellen Mittags ausgebt auf jedem
Jahrmarkt, fr sich gewonnen hat?

Theobald.  Es ist wahr, ihr Herren, ich sah ihn nicht zur Nachtzeit,
an Mooren und schilfreichen Gestaden, oder wo sonst des Menschen Fu
selten erscheint, umherwandeln und mit den Irrlichtern Verkehr
treiben.  Ich fand ihn nicht auf den Spitzen der Gebirge, den
Zauberstab in der Hand, das unsichtbare Reich der Luft abmessen, oder
in unterirdischen Hhlen, die kein Strahl erhellt,
Beschwrungsformeln aus dem Staub heraufmurmeln.  Ich sah den Satan
und die Scharen, deren Verbrderten ich ihn nannte, mit Hrnern,
Schwnzen und Klauen, wie sie zu Heilbronn, ber dem Altar abgebildet
sind, an seiner Seite nicht.  Wenn ihr mich gleichwohl reden lassen
wollt, so denke ich es durch eine schlichte Erzhlung dessen, was
sich zugetragen, dahin zu bringen, da ihr aufbrecht, und ruft:
unsrer sind dreizehn und der vierzehnte ist der Teufel! zu den Tren
rennt und den Wald, der diese Hhle umgibt, auf dreihundert Schritte
im Umkreis, mit euren Taftmnteln und Federhten beset.

Graf Otto.  Nun, du alter, wilder Klger! so rede!

Theobald.  Zuvrderst mt ihr wissen, ihr Herren, da mein Kthchen
Ostern, die nun verflossen, funfzehn Jahre alt war; gesund an Leib
und Seele, wie die ersten Menschen, die geboren worden sein mgen;
ein Kind recht nach der Lust Gottes, das heraufging aus der Wsten,
am stillen Feierabend meines Lebens, wie ein gerader Rauch von
Myrrhen und Wachholdern!  Ein Wesen von zarterer, frommerer und
lieberer Art mt ihr euch nicht denken, und kmt ihr, auf Flgeln
der Einbildung, zu den lieben, kleinen Engeln, die, mit hellen Augen,
aus den Wolken, unter Gottes Hnden und Fen hervorgucken.  Ging sie
in ihrem brgerlichen Schmuck ber die Strae, den Strohhut auf, von
gelbem Lack erglnzend, das schwarzsamtene Leibchen, das ihre Brust
umschlo, mit feinen Silberkettlein behngt: so lief es flsternd von
allen Fenstern herab: das ist das Kthchen von Heilbronn; das
Kthchen von Heilbronn, ihr Herren, als ob der Himmel von Schwaben
sie erzeugt, und von seinem Ku geschwngert, die Stadt, die unter
ihm liegt, sie geboren htte.  Vettern und Basen, mit welchen die
Verwandtschaft, seit drei Menschengeschlechtern, vergessen worden war,
nannten sie, auf Kindtaufen und Hochzeiten, ihr liebes Mhmchen, ihr
liebes Bschen; der ganze Markt, auf dem wir wohnten, erschien an
ihrem Namenstage, und bedrngte sich und wetteiferte sie zu
beschenken; wer sie nur einmal, gesehen und einen Gru im
Vorbergehen von ihr empfangen hatte, schlo sie acht folgende Tage
lang, als ob sie ihn gebessert htte, in sein Gebet ein.
Eigentmerin eines Landguts, das ihr der Grovater, mit Ausschlu
meiner, als einem Goldkinde, dem er sich liebreich bezeigen wollte,
vermacht hatte, war sie schon unabhngig von mir, eine der
wohlhabendsten Brgerinnen der Stadt.  Fnf Shne wackerer Brger,
bis in den Tod von ihrem Werte gerhrt, hatten nun schon um sie
angehalten; die Ritter, die durch die Stadt zogen, weinten, da sie
kein Frulein war; ach, und wre sie eines gewesen, das Morgenland
wre aufgebrochen, und htte Perlen und Edelgesteine, von Mohren
getragen, zu ihren Fen gelegt.  Aber sowohl ihre, als meine Seele,
bewahrte der Himmel vor Stolz; und weil Gottfried Friedeborn, der
junge Landmann, dessen Gter das ihrige umgrenzen, sie zum Weibe
begehrte, und sie auf meine Frage: Katharine, willt du ihn?
antwortete: Vater!  Dein Wille sei meiner; so sagte ich: der Herr
segne euch! und weinte und jauchzte, und beschlo, Ostern, die kommen,
sie nun zur Kirche zu bringen.--So war sie, ihr Herren, bevor sie
mir dieser entfhrte.

Graf Otto.  Nun?  Und wodurch entfhrte er sie dir?  Durch welche
Mittel hat er sie dir und dem Pfade, auf welchen du sie gefhrt
hattest, wieder entrissen?

Theobald.  Durch welche Mittel?--Ihr Herren, wenn ich das sagen
knnte, so begriffen es diese fnf Sinne, und so stnd ich nicht vor
euch und klagte auf alle, mir unbegreiflichen, Greuel der Hlle.  Was
soll ich vorbringen, wenn ihr mich fragt, durch welche Mittel?  Hat
er sie am Brunnen getroffen, wenn sie Wasser schpfte, und gesagt:
Lieb Mdel, wer bist du? hat er sich an den Pfeiler gestellt, wenn
sie aus der Mette kam, und gefragt: Lieb Mdel, wo wohnst du? hat er
sich, bei nchtlicher Weile, an ihr Fenster geschlichen, und, indem
er ihr einen Halsschmuck umgehngt, gesagt: Lieb Mdel, wo ruhst du?
Ihr hochheiligen Herren, damit war sie nicht zu gewinnen!  Den
Judasku erriet unser Heiland nicht rascher, als sie solche Knste.
Nicht mit Augen, seit sie geboren ward, hat sie ihn gesehen; ihren
Rcken, und das Mal darauf, das sie von ihrer seligen Mutter erbte,
kannte sie besser, als ihn.  (Er weint.)

Graf Otto (nach einer Pause).  Und gleichwohl, wenn er sie verfhrt
hat, du wunderlicher Alter, so mu es wann und irgendwo geschehen
sein?

Theobald.  Heiligen Abend vor Pfingsten, da er auf fnf Minuten in
meine Werkstatt kam, um sich, wie er sagte, eine Eisenschiene, die
ihm zwischen Schulter und Brust losgegangen war, wieder
zusammenheften zu lassen,

Wenzel.  Was!

Hans.  Am hellen Mittag?

Wenzel.  Da er auf fnf Minuten in deine Werkstatt kam, um sich eine
Brustschiene anheften zu lassen?

(Pause.)

Graf Otto.  Fasse dich, Alter, und erzhle den Hergang.

Theobald (indem er sich die Augen trocknet).  Es mochte ohngefhr
eilf Uhr morgens sein, als er, mit einem Tro Reisiger, vor mein Haus
sprengte, rasselnd, der Erzgepanzerte, vom Pferd stieg, und in meine
Werkstatt trat: das Haupt tief herab neigt' er, um mit den
Reiherbschen, die ihm vom Helm niederwankten, durch die Tr zu
kommen.  Meister, schau her, spricht er: dem Pfalzgrafen, der eure
Wlle niederreien will, zieh ich entgegen; die Lust, ihn zu treffen,
sprengt mir die Schienen; nimm Eisen und Draht, ohne da ich mich zu
entkleiden brauche, und heft sie mir wieder zusammen.  Herr! sag ich:
wenn Euch die Brust so die Rstung zerschmeit, so lt der Pfalzgraf
unsere Wlle ganz; ntig ihn auf einen Sessel, in des Zimmers Mitte
nieder, und: Wein! ruf ich in die Tre, und vom frischgerucherten
Schinken, zum Imbi! und setz einen Schemel, mit Werkzeugen versehn,
vor ihn, um ihm die Schiene wieder herzustellen.  Und whrend drauen
noch der Streithengst wiehert, und, mit den Pferden der Knechte, den
Grund zerstampft, da der Staub, als wr ein Cherub vom Himmel
niedergefahren, emporquoll: ffnet langsam, ein groes, flaches
Silbergeschirr auf dem Kopf tragend, auf welchem Flaschen, Glser und
der Imbi gestellt waren, das Mdchen die Tre und tritt ein.  Nun
seht, wenn mir Gott der Herr aus Wolken erschiene, so wrd ich mich
ohngefhr so fassen, wie sie.  Geschirr und Becher und Imbi, da sie
den Ritter erblickt, lt sie fallen; und leichenbleich, mit Hnden,
wie zur Anbetung verschrnkt, den Boden mit Brust und Scheiteln
kssend, strzt sie vor ihm nieder, als ob sie ein Blitz nieder
geschmettert htte!  Und da ich sage: Herr meines Lebens!  Was fehlt
dem Kind? und sie aufhebe: schlingt sie, wie ein Taschenmesser
zusammenfallend, den Arm um mich, das Antlitz flammend auf ihn
gerichtet, als ob sie eine Erscheinung htte.  Der Graf vom Strahl,
indem er ihre Hand nimmt, fragt: wes ist das Kind?  Gesellen und
Mgde strmen herbei und jammern: hilf Himmel!  Was ist dem
Jngferlein widerfahren; doch da sie sich, mit einigen schchternen
Blicken auf sein Antlitz, erholt, so denk ich, der Anfall ist wohl
auch vorber, und gehe, mit Pfriemen und Nadeln, an mein Geschft.
Drauf sag ich: Wohlauf, Herr Ritter!  Nun mgt Ihr den Pfalzgrafen
treffen; die Schiene ist eingerenkt, das Herz wird sie Euch nicht
mehr zersprengen.  Der Graf steht auf; er schaut das Mdchen, das ihm
bis an die Brusthhle ragt, vom Wirbel zur Sohle, gedankenvoll an,
und beugt sich, und kt ihr die Stirn und spricht: der Herr segne
dich, und behte dich, und schenke dir seinen Frieden, Amen!  Und da
wir an das Fenster treten: schmeit sich das Mdchen, in dem
Augenblick, da er den Streithengst besteigt, dreiig Fu hoch, mit
aufgehobenen Hnden, auf das Pflaster der Strae nieder: gleich einer
Verlorenen, die ihrer fnf Sinne beraubt ist!  Und bricht sich beide
Lenden, ihr heiligen Herren, beide zarten Lendchen, dicht ber des
Knierunds elfenbeinernem Bau; und ich, alter, bejammernswrdiger Narr,
der mein versinkendes Leben auf sie sttzen wollte, mu sie, auf
meinen Schultern, wie zu Grabe tragen; indessen er dort, den Gott
verdamme! zu Pferd, unter dem Volk, das herbeistrmt, herberruft von
hinten, was vorgefallen sei!--Hier liegt sie nun, auf dem Todbett, in
der Glut des hitzigen Fiebers, sechs endlose Wochen, ohne sich zu
regen.  Keinen Laut bringt sie hervor; auch nicht der Wahnsinn,
dieser Dietrich aller Herzen, erffnet das ihrige; kein Mensch vermag
das Geheimnis, das in ihr waltet, ihr zu entlocken.  Und prft, da
sie sich ein wenig erholt hat, den Schritt, und schnrt ihr Bndel,
und tritt, beim Strahl der Morgensonne, in die Tr: wohin? fragt sie
die Magd; zum Grafen Wetter vom Strahl, antwortet sie, und
verschwindet.

Wenzel.  Es ist nicht mglich!

Hans.  Verschwindet?

Wenzel.  Und lt alles hinter sich zurck?

Hans.  Eigentum, Heimat und den Brutigam, dem sie verlobt war?

Wenzel.  Und begehrt auch deines Segens nicht einmal?

Theobald.  Verschwindet, ihr Herren--Verlt mich und alles, woran
Pflicht, Gewohnheit und Natur sie knpften--Kt mir die Augen, die
schlummernden, und verschwindet; ich wollte, sie htte sie mir
zugedrckt.

Wenzel.  Beim Himmel!  Ein seltsamer Vorfall.-Theobald.  Seit jenem
Tage folgt sie ihm nun, gleich einer Metze, in blinder Ergebung, von
Ort zu Ort; gefhrt am Strahl seines Angesichts, fnfdrhtig, wie
einen Tau, um ihre Seele gelegt; auf nackten, jedem Kiesel
ausgesetzten, Fen, das kurze Rckchen, das ihre Hfte deckt, im
Winde flatternd, nichts als den Strohhut auf, sie gegen der Sonne
Stich, oder den Grimm emprter Witterung zu schtzen.  Wohin sein Fu,
im Lauf seiner Abenteuer, sich wendet: durch den Dampf der Klfte,
durch die Wste, die der Mittag versengt, durch die Nacht
verwachsener Wlder: wie ein Hund, der von seines Herren Schwei
gekostet, schreitet sie hinter ihm her; und die gewohnt war, auf
weichen Kissen zu ruhen, und das Kntlein sprte, in des Bettuchs
Faden, das ihre Hand unachtsam darin eingesponnen hatte: die liegt
jetzt, einer Magd gleich, in seinen Stllen, und sinkt, wenn die
Nacht kmmt, ermdet auf die Streu nieder, die seinen stolzen Rossen
untergeworfen wird.

Graf Otto.  Graf Wetter vom Strahl!  Ist dies gegrndet?

Der Graf vom Strahl.  Wahr ists, ihr Herren; sie geht auf der Spur,
die hinter mir zurckbleibt.  Wenn ich mich umsehe, erblick ich zwei
Dinge: meinen Schatten und sie.

Graf Otto.  Und wie erklrt Ihr Euch diesen sonderbaren Umstand?

Der Graf vom Strahl.  Ihr unbekannten Herren der Vehme!  Wenn der
Teufel sein Spiel mit ihr treibt, so braucht er mich dabei, wie der
Affe die Pfoten der Katze; ein Schelm will ich sein, holt er den
Nukern fr mich.  Wollt ihr meinem Wort schlechthin, wies die
heilige Schrift vorschreibt, glauben: ja, ja, nein, nein; gut!  Wo
nicht, so will ich nach Worms, und den Kaiser bitten, da er den
Theobald ordiniere.  Hier werf ich ihm vorlufig meinen Handschuh hin!

Graf Otto.  Ihr sollt hier Rede stehn, auf unsre Frage!  Womit
rechtfertigt Ihr, da sie unter Eurem Dache schlft?  Sie, die in das
Haus hingehrt, wo sie geboren und erzogen ward?

Der Graf vom Strahl.  Ich war, es mgen ohngefhr zwlf Wochen sein,
auf einer Reise, die mich nach Straburg fhrte, ermdet, in der
Mittagshitze, an einer Felswand, eingeschlafen--nicht im Traum
gedacht ich des Mdchens mehr, das in Heilbronn aus dem Fenster
gestrzt war--da liegt sie mir, wie ich erwache, gleich einer Rose,
entschlummert zu Fen; als ob sie vom Himmel herabgeschneit wre!
Und da ich zu den Knechten, die im Grase herumliegen, sage: Ei, was
der Teufel!  Das ist ja das Kthchen von Heilbronn! schlgt sie die
Augen auf, und bindet sich das Htlein zusammen, das ihr schlafend
vom Haupt herabgerutscht war.  Katharine! ruf ich: Mdel!  Wo kmmst
auch her?  Auf funfzehn Meilen von Heilbronn, fernab am Gestade des
Rheins?  "Hab ein Geschft, gestrenger Herr", antwortet sie, "das
mich gen Straburg fhrt; schauert mich im Wald so einsam zu wandern,
und schlug mich zu Euch." Drauf la ich ihr zur Erfrischung reichen,
was mir Gottschalk, der Knecht, mit sich fhrt, und erkundige mich:
wie der Sturz abgelaufen; auch, was der Vater macht?  Und was sie in
Straburg zu erschaffen denke?  Doch da sie nicht freiherzig mit der
Sprache herausrckt: was auch gehts dich an, denk ich; ding ihr einen
Boten, der sie durch den Wald fhre, schwing mich auf den Rappen, und
reite ab.  Abends, in der Herberg, an der Straburger Stra, will ich
mich eben zur Ruh niederlegen: da kommt Gottschalk, der Knecht, und
spricht: das Mdchen sei unten und begehre in meinen Stllen zu
bernachten.  Bei den Pferden? frag ich.  Ich sage: wenns ihr weich
genug ist, mich wirds nicht drcken.  Und fge noch, indem ich mich
im Bett wende, hinzu: magst ihr wohl eine Streu unterlegen,
Gottschalk, und sorgen, da ihr nichts widerfahre.  Drauf, wandert
sie, kommenden Tages frher aufgebrochen, als ich, wieder auf der
Heerstrae, und lagert sich wieder in meinen Stllen, und lagert sich
Nacht fr Nacht, so wie mir der Streifzug fortschreitet, darin, als
ob sie zu meinem Tro gehrte.  Nun litt ich das, ihr Herren, um
jenes grauen, unwirschen Alten willen, der mich jetzt darum straft;
denn der Gottschalk, in seiner Wunderlichkeit, hatte das Mdchen lieb
gewonnen, und pflegte ihrer, in der Tat, als seiner Tochter; fhrt
dich die Reise einst, dacht ich, durch Heilbronn, so wird der Alte
dirs danken.  Doch da sie sich auch in Straburg, in der
erzbischflichen Burg, wieder bei mir einfindet, und ich gleichwohl
spre, da sie nichts im Orte erschafft. denn mir hatte sie sich ganz
und gar geweiht, und wusch und flickte, als ob es sonst am Rhein
nicht zu haben wre: so trete ich eines Tages, da ich sie auf der
Stallschwelle finde, zu ihr und frage: was fr ein Geschft sie in
Straburg betreibe?  Ei, spricht sie, gestrenger Herr, und eine Rte,
da ich denke, ihre Schrze wird angehen, flammt ber ihr Antlitz
empor: "was fragt Ihr doch?  Ihr wits ja!"--Holla! denk ich, steht
es so mit dir? und sende einen Boten flugs nach Heilbronn, dem Vater
zu, mit folgender Meldung: das Kthchen sei bei mir; ich htete
seiner; in kurzem knne er es, vom Schlosse zu Strahl, wohin ich es
zurckbringen wrde, abholen.

Graf Otto.  Nun?  Und hierauf?

Wenzel.  Der Alte holte die Jungfrau nicht ab?

Der Graf vom Strahl.  Drauf, da er am zwanzigsten Tage, um sie
abzuholen, bei mir erscheint, und ich ihn in meiner Vter Saal fhre:
erschau ich mit Befremden, da er, beim Eintritt in die Tr, die Hand
in den Weihkessel steckt, und mich mit dem Wasser, das darin
befindlich ist, besprengt.  Ich arglos, wie ich von Natur bin, ntge
ihn auf einen Stuhl nieder; erzhle ihm, mit Offenherzigkeit, alles,
was vorgefallen; erffne ihm auch, in meiner Teilnahme, die Mittel,
wie er die Sache, seinen Wnschen gem, wieder ins Geleis rcken
knne; und trste ihn und fhr ihn, um ihm das Mdchen zu bergeben,
in den Stall hinunter, wo sie steht, und mir eine Waffe von Rost
subert.  So wie er in die Tr tritt, und die Arme mit trnenvollen
Augen ffnet, sie zu empfangen, strzt mir das Mdchen leichenbleich
zu Fen, alle Heiligen anrufend, da ich sie vor ihm schtze.
Gleich einer Salzsule steht er, bei diesem Anblick, da; und ehe ich
mich noch gefat habe, spricht er schon, das entsetzensvolle Antlitz
auf mich gerichtet: das ist der leibhaftige Satan! und schmeit mir
den Hut, den er in der Hand hlt, ins Gesicht, als wollt er ein
Greuelbild verschwinden machen, und luft, als setzte die ganze Hlle
ihm nach, nach Heilbronn zurck.

Graf Otto.  Du wunderlicher Alter!  Was hast du fr Einbildungen?

Wenzel.  Was war in dem Verfahren des Ritters, das Tadel verdient?
Kann er dafr, wenn sich das Herz deines trichten Mdchens ihm
zuwendet?

Hans.  Was ist in diesem ganzen Vorfall, das ihn anklagt?

Theobald.  Was ihn anklagt?  O du--Mensch, entsetzlicher, als Worte
fassen, und der Gedanke ermit: stehst du nicht rein da, als htten
die Cherubim sich entkleidet, und ihren Glanz dir, funkelnd wie
Mailicht, um die Seele gelegt!--Mut ich vor dem Menschen nicht
erbeben, der die Natur, in dem reinsten Herzen, das je geschaffen
ward, dergestalt umgekehrt hat, da sie vor dem Vater, zu ihr
gekommen, seiner Liebe Brust ihren Lippen zu reichen, kreideweien
Antlitzes entweicht, wie vor dem Wolfe, der sie zerreien will?  Nun
denn, so walte, Hekate, Frstin des Zaubers, moorduftige Knigin der
Nacht!  Sprot, ihr dmonischen Krfte, die die menschliche Satzung
sonst auszujten bemht war, blht auf, unter dem Atem der Hexen, und
schot zu Wldern empor, da die Wipfel sich zerschlagen, und die
Pflanze des Himmels, die am Boden keimt, verwese; rinnt, ihr Sfte
der Hlle, trpfelnd aus Stmmen und Stielen gezogen, fallt, wie ein
Katarakt, ins Land, da der erstickende Pestqualm zu den Wolken
empordampft; fliet und ergiet euch durch alle Rhren des Lebens,
und schwemmt, in allgemeiner Sndflut, Unschuld und Tugend hinweg!

Graf Otto.  Hat er ihr Gift eingeflt?

Wenzel.  Meinst du, da er ihr verzauberte Trnke gereicht?

Hans.  Opiate, die des Menschen Herz, der sie geniet, mit
geheimnisvoller Gewalt umstricken?

Theobald.  Gift?  Opiate?  Ihr hohen Herren, was fragt ihr mich?  Ich
habe die Flaschen nicht gepfropft, von welchen er ihr, an der Wand
des Felsens, zur Erfrischung reichte; ich stand nicht dabei, als sie
in der Herberge, Nacht fr Nacht, in seinen Stllen schlief.  Wie
soll ich wissen, ob er ihr Gift eingeflt? habt neun Monate Geduld;
alsdann sollt ihr sehen, wies ihrem jungen Leibe bekommen ist.

Der Graf vom Strahl.  Der alte Esel, der!  Dem entgegn' ich nichts,
als meinen Namen!  Ruft sie herein; und wenn sie ein Wort sagt, auch
nur von fern duftend, wie diese Gedanken, so nennt mich den Grafen
von der stinkenden Pftze, oder wie es sonst eurem gerechten Unwillen
beliebt.



Zweiter Auftritt

Kthchen mit verbundenen Augen, gefhrt von zwei Hschern.--Die
Hscher nehmen ihr das Tuch ab, und gehen wieder fort.--Die Vorigen.


Kthchen (sieht sich in der Versammlung um, und beugt, da sie den
Grafen erblickt, ein Knie vor ihm).  Mein hoher Herr!

Der Graf vom Strahl.  Was willst du?

Kthchen.  Vor meinen Richter hat man mich gerufen.

Der Graf vom Strahl.  Dein Richter bin nicht ich.  Steh auf, dort
sitzt er; Hier steh ich, ein Verklagter, so wie du.

Kthchen.  Mein hoher Herr!  Du spottest.

Der Graf vom Strahl.  Nein!  Du hrst!  Was neigst du mir dein
Angesicht in Staub?  Ein Zaubrer bin ich, und gestand es schon Und
la, aus jedem Band, das ich dir wirkte, Jetzt deine junge Seele los.
(Er erhebt sie.)

Graf Otto.  Hier Jungfrau, wenns beliebt; hier ist die Schranke!

Hans.  Hier sitzen deine Richter!

Kthchen (sieht sich um).  Ihr versucht mich.

Wenzel.  Hier tritt heran!  Hier sollst du Rede stehn.

Kthchen (stellt sich neben den Grafen vom Strahl, und sieht die
Richter an).

Graf Otto.  Nun?

Wenzel.  Wirds?

Hans.  Wirst du gefllig dich bemhn?

Graf Otto.  Wirst dem Gebot dich deiner Richter fgen?

Kthchen (fr sich).  Sie rufen mich

Wenzel.  Nun, ja!

Hans.  Was sagte sie?

Graf Otto (befremdet).  Ihr Herrn, was fehlt dem sonderbaren Wesen?

(Sie sehen sich an.)

Kthchen (fr sich).  Vermummt von Kopf zu Fen sitzen sie, Wie das
Gericht, am jngsten Tage, da!

Der Graf vom Strahl (sie aufweckend).  Du wunderliche Maid!  Was
trumst, was treibst du?  Du stehst hier vor dem heimlichen Gericht!
Auf jene bse Kunst bin ich verklagt, Mit der ich mir, du weit, dein
Herz gewann, Geh hin, und melde jetzo, was geschehn!

Kthchen (sieht ihn an und legt ihre Hnde auf die Brust). - Du
qulst mich grausam, da ich weinen mchte!  Belehre deine Magd, mein
edler Herr, Wie soll ich mich in diesem Falle fassen?

Graf Otto (ungeduldig).  Belehren--was!

Hans.  Bei Gott!  Ist es erhrt?

Der Graf vom Strahl (mit noch milder Strenge).  Du sollst sogleich
vor jene Schranke treten, Und Rede stehn, auf was man fragen wird!

Kthchen.  Nein! sprich!  Du bist verklagt?

Der Graf vom Strahl.  Du hrst.

Kthchen.  Und jene Mnner dort sind deine Richter?

Der Graf vom Strahl.  So ists.

Kthchen (zur Schranke tretend).  Ihr wrdgen Herrn, wer ihr auch
sein mgt dort, Steht gleich vom Richtstuhl auf und rumt ihn diesem!
Denn, beim lebendgen Gott, ich sag es euch, Rein, wie sein Harnisch
ist sein Herz, und eures Verglichen ihm, und meins, wie eure Mntel.
Wenn hier gesndigt ward, ist er der Richter, Und ihr sollt zitternd
vor der Schranke stehn!

Graf Otto.  Du, Nrrin, jngst der Nabelschnur entlaufen, Woher kommt
die prophetsche Kunde dir?  Welch ein Apostel hat dir das vertraut?

Theobald.  Seht die Unselige!

Kthchen (da sie den Vater erblickt, auf ihn zugehend).

Mein teurer Vater!

(Sie will seine Hand ergreifen.)

Theobald (streng).  Dort ist der Ort jetzt wo du hingehrst!

Kthchen.  Weis mich nicht von dir.

(Sie lat seine Hand und kt sie.)

Theobald.--Kennst du das Haar noch wieder, Das deine Flucht mir
jngsthin grau gefrbt?

Kthchen.  Kein Tag verging, da ich nicht einmal dachte, Wie seine
Locken fallen.  Sei geduldig, Und gib dich nicht unmgem Grame preis:
Wenn Freude Locken wieder dunkeln kann So sollst du wieder wie ein
Jngling blhn.

Graf Otto.  Ihr Hscher dort! ergreift sie! bringt sie her!

Theobald.  Geh hin, wo man dich ruft.

Kthchen (zu den Richtern, da sich ihr die Hscher nhern).

Was wollt ihr mir?

Wenzel.  Saht ihr ein Kind, so strrig je, als dies?

Graf Otto (da sie vor der Schranke steht).  Du sollst hier Antwort
geben, kurz und bndig, Auf unsre Fragen!  Denn wir, von unserem
Gewissen eingesetzt, sind deine Richter Und an der Strafe, wenn du
freveltest Wirds deine bermtge Seele fhlen.

Kthchen.  Sprecht ihr verehrten Herrn; was wollt ihr wissen?

Graf Otto.  Warum, als Friedrich Graf vom Strahl erschien, In deines
Vaters Haus, bist du zu Fen Wie man vor Gott tut, nieder ihm
gestrzt?  Warum warfst du, als er von dannen ritt' Dich aus dem
Fenster sinnlos auf die Strae, Und folgtest ihm, da kaum dein Bein
vernarbt, Von Ort zu Ort, durch Nacht und Graus und Nebel, Wohin sein
Ro den Futritt wendete?

Kthchen (hochrot zum Grafen).  Das soll ich hier vor diesen Mnnern
sagen?

Der Graf vom Strahl.  Die Nrrin, die verwnschte, sinnverwirrte, Was
fragt sie mich?  Ists nicht an jener Mnner Gebot, die Sache darzutun,
genug?

Kthchen (in Staub niederfallend).  Nimm mir, o Herr, das Leben, wenn
ich fehlte!  Was in des Busens stillem Reich geschehn, Und Gott nicht
straft, das braucht kein Mensch zu wissen; Den nenn ich grausam, der
mich darum fragt!  Wenn du es wissen willst, wohlan, so rede, Denn
dir liegt meine Seele offen da!

Hans.  Ward, seit die Welt steht, so etwas erlebt?

Wenzel.  Im Staub liegt sie vor ihm-Hans.  Gestrzt auf Knieen-Wenzel.
Wie wir vor dem Erlser hingestreckt!

Der Graf vom Strahl (zu den Richtern).  Ihr wrdgen Herrn, ihr
rechnet, hoff ich, mir Nicht dieses Mdchens Torheit an!  Da sie Ein
Wahn betrt, ist klar, wenn euer Sinn Auch gleich, wie meiner, noch
nicht einsieht, welcher?  Erlaubt ihr mir, so frag ich sie darum: Ihr
mgt, aus meinen Wendungen entnehmen, Ob meine Seele schuldig ist, ob
nicht?

Graf Otto (ihn forschend ansehend).  Es sei!  Versuchts einmal, Herr
Graf, und fragt sie.

Der Graf vom Strahl (wendet sich zu Kthchen, die noch immer auf
Knieen liegt).  Willt den geheimsten der Gedanken mir, Kathrina, der
dir irgend, fa mich wohl, Im Winkel wo des Herzens schlummert, geben?

Kthchen.  Das ganze Herz, o Herr, dir, willt du es, So bist du
sicher des, was darin wohnt.

Der Graf vom Strahl.  Was ists, mit einem Wort, mir rund gesagt, Das
dich aus deines Vaters Hause trieb?  Was fesselt dich an meine
Schritte an?

Kthchen.  Mein hoher Herr!  Da fragst du mich zuviel.  Und lg ich
so, wie ich vor dir jetzt liege, Vor meinem eigenen Bewutsein da:
Auf einem goldnen Richtstuhl la es thronen, Und alle Schrecken des
Gewissens ihm, In Flammenrstungen, zur Seite stehn; So sprche
jeglicher Gedanke noch, Auf das, was du gefragt: ich wei es nicht.

Der Graf vom Strahl.  Du lgst mir, Jungfrau?  Willst mein Wissen
tuschen?  Mir, der doch das Gefhl dir ganz umstrickt; Mir, dessen
Blick du da liegst, wie die Rose, Die ihren jungen Kelch dem Licht
erschlo?--Was hab ich dir einmal, du weit, getan?  Was ist an Leib
und Seel dir widerfahren?

Kthchen.  Wo?

Der Graf vom Strahl.  Da oder dort.

Kthchen.  Wann?

Der Graf vom Strahl.  Jngst oder frherhin.

Kthchen.  Hilf mir, mein hoher Herr.

Der Graf vom Strahl.  Ja, ich dir helfen, Du wunderliches Ding.--(Er
hlt inne.)

Besinnst du dich auf nichts?

Kthchen (sieht vor sich nieder).

Der Graf vom Strahl.  Was fr ein Ort, wo du mich je gesehen, Ist dir
im Geist, vor andern, gegenwrtig.

Kthchen.  Der Rhein ist mir vor allen gegenwrtig.

Der Graf vom Strahl.  Ganz recht.  Da eben wars.  Das wollt ich
wissen.  Der Felsen am Gestad des Rheins, wo wir Zusammen ruhten, in
der Mittagshitze. - Und du gedenkst nicht, was dir da geschehn?

Kthchen.  Nein, mein verehrter Herr.

Der Graf vom Strahl.  Nicht?  Nicht? - Was reicht ich deiner Lippe
zur Erfrischung?

Kthchen.  Du sandtest, weil ich deines Weins verschmhte, Den
Gottschalk, deinen treuen Knecht, und lieest Ihn einen Trunk mir,
aus der Grotte schpfen.

Der Graf vom Strahl.  Ich aber nahm dich bei der Hand, und reichte
Sonst deiner Lippe--nicht?  Was stockst du da?

Kthchen.  Wann?

Der Graf vom Strahl.  Eben damals.

Kthchen.  Nein, mein hoher Herr.

Der Graf vom Strahl.  Jedoch nachher.

Kthchen.  In Straburg?

Der Graf vom Strahl.  Oder frher.

Kthchen.  Du hast mich niemals bei der Hand genommen.

Der Graf vom Strahl.  Kathrina!

Kthchen (errtend).  Ach vergib mir; in Heilbronn!

Der Graf vom Strahl.  Wann?

Kthchen.  Als der Vater dir am Harnisch wirkte.

Der Graf vom Strahl.  Und sonst nicht?

Kthchen.  Nein, mein hoher Herr.

Der Graf vom Strahl.  Kathrina!

Kthchen.  Mich bei der Hand?

Der Graf vom Strahl.  Ja, oder sonst, was wei ich.

Kthchen (besinnt sich).  In Straburg einst, erinnr' ich mich, beim
Kinn.

Der Graf vom Strahl.  Wann?

Kthchen.  Als ich auf der Schwelle sa und weinte, Und dir auf was
du sprachst, nicht Rede stand.

Der Graf vom Strahl.  Warum nicht standst du Red?

Kthchen.  Ich schmte mich.

Der Graf vom Strahl.  Du schmtest dich?  Ganz recht.  Auf meinen
Antrag.  Du wardst glutrot bis an den Hals hinab.  Welch einen Antrag
macht ich dir?

Kthchen.  Der Vater, Der wrd, sprachst du, daheim im Schwabenland,
Um mich sich hrmen, und befragtest mich, Ob ich mit Pferden, die du
senden wolltest, Nicht nach Heilbronn zu ihm zurck begehrte?

Der Graf vom Strahl (kalt).  Davon ist nicht die Rede!--Nun, wo auch,
Wo hab ich sonst im Leben dich getroffen? - Ich hab im Stall zuweilen
dich besucht.

Kthchen.  Nein, mein verehrter Herr.

Der Graf vom Strahl.  Nicht?  Katharina!

Kthchen.  Du hast mich niemals in dem Stall besucht, Und noch viel
wen'ger rhrtest du mich an.

Der Graf vom Strahl.  Was?  Niemals?

Kthchen.  Nein, mein hoher Herr.

Der Graf vom Strahl.  Kathrina!

Kthchen (mit Affekt).  Niemals, mein hochverehrter Herr, niemals.

Der Graf vom Strahl.  Nun seht, bei meiner Treu, die Lgnerin!

Kthchen.  Ich will nicht selig sein, ich will verderben, Wenn du
mich je--!

Der Graf vom Strahl (mit dem Schein der Heftigkeit.)

Da schwrt sie und verflucht Sich, die leichtfertge Dirne, noch und
meint, Gott werd es ihrem jungen Blut vergeben! - Was ist geschehn,
fnf Tag von hier, am Abend, In meinem Stall, als es schon dunkelte,
Und ich den Gottschalk hie, sich zu entfernen?

Kthchen.  O!  Jesus!  Ich bedacht es nicht!--Im Stall zu Strahl, da
hast du mich besucht.

Der Graf vom Strahl.  Nun denn!  Da ists heraus?  Da hat sie nun Der
Seelen Seligkeit sich weggeschworen!  Im Stall zu Strahl, da hab ich
sie besucht!


(Kthchen weint.)  (Pause.)

Graf Otto.  Ihr qult das Kind zu sehr.

Theobald (nhert sich ihr gerhrt).  Komm, meine Tochter.

(Er will sie an seine Brust heben.)

Kthchen.  La, la!

Wenzel.  Das nenn ich menschlich nicht verfahren.

Graf Otto.  Zuletzt ist nichts im Stall zu Strahl geschehen.

Der Graf vom Strahl (sieht sie an).  Bei Gott, ihr Herrn, wenn ihr
des Glaubens seid: Ich bins!  Befehlt, so gehn wir aus einander.

Graf Otto.  Ihr sollt das Kind befragen, ist die Meinung, Nicht mit
barbarischem Triumph verhhnen.  Seis, da Natur Euch solche Macht
verliehen: Gebt wie Ihrs tut, ist sie hassenswrdger, Als selbst die
Hllenkunst, der man Euch zeiht.

Der Graf vom Strahl (erhebt das Kthchen vom Boden).  Ihr Herrn, was
ich getan, das tat ich nur, Sie mit Triumph hier vor euch zu erheben!
Statt meiner--(Auf den Boden hinzeigend.)

steht mein Handschuh vor Gericht!  Glaubt ihr von Schuld sie rein,
wie sie es ist, Wohl, so erlaubt denn, da sie sich entferne.

Wenzel.  Es scheint Ihr habt viel Grnde, das zu wnschen?

Der Graf vom Strahl.  Ich?  Grnd?  Entscheidende!  Ihr wollt sie,
hoff ich, Nicht mit barbarschem bermut verhhnen?

Wenzel (mit Bedeutung).  Wir wnschen doch, erlaubt Ihrs, noch zu
hren, Was in dem Stall damals zu Strahl geschehn.

Der Graf vom Strahl.  Das wollt ihr Herrn noch--?

Wenzel.  Allerdings!

Der Graf vom Strahl (glutrot, indem er sich zum Kthchen wendet).

Knie nieder!

(Kthchen lt sich auf Knieen vor ihm nieder.)

Graf Otto.  Ihr seid sehr dreist, Herr Friedrich Graf vom Strahl!

Der Graf vom Strahl (zum Kthchen).  So!  Recht!  Mir gibst du
Antwort und sonst keinem.

Hans.  Erlaubt!  Wir werden sie-Der Graf vom Strahl (ebenso).  Du
rhrst dich nicht!  Hier soll dich keiner richten, als nur der, Dem
deine Seele frei sich unterwirft.

Wenzel.  Herr Graf, man wird hier Mittel-Der Graf vom Strahl (mit
unterdrckter Heftigkeit)

Ich sage, nein!  Der Teufel soll mich holen, zwingt ihr sie!--Was
wollt ihr wissen, ihr verehrten Herrn?

Hans (auffahrend).  Beim Himmel!

Wenzel.  Solch ein Trotz soll--!

Hans.  He!  Die Hscher!

Graf Otto (halblaut).  Lat, Freunde, lat!  Verget nicht, wer er
ist.

Erster Richter.  Er hat nicht eben, drckt Verschuldung ihn, Mit List
sie berhrt.

Zweiter Richter.  Das sag ich auch!  Man kann ihm das Geschft wohl
berlassen.

Graf Otto (zum Grafen vom Strahl).  Befragt sie, was geschehn, fnf
Tag von hier, Im Stall zu Strahl, als es schon dunkelte, Und ihr den
Gottschalk hiet, sich zu entfernen?

Der Graf vom Strahl (zum Kthchen).  Was ist geschehn, fnf Tag von
hier, am Abend, Im Stall zu Strahl, als es schon dunkelte, Und ich
den Gottschalk hie, sich zu entfernen?

Kthchen.  Mein hoher Herr!  Vergib mir, wenn ich fehlte; Jetzt leg
ich alles, Punkt fr Punkt, dir dar.

Der Graf vom Strahl.  Gut.--Da berhrt ich dich und zwar--nicht?
Freilich!  Das schon gestandst du?

Kthchen.  Ja, mein verehrter Herr.

Der Graf vom Strahl.  Nun?

Kthchen.  Mein verehrter Herr?

Der Graf vom Strahl.  Was will ich wissen?

Kthchen.  Was du willst wissen?

Der Graf vom Strahl.  Heraus damit!  Was stockst du?  Ich nahm, und
herzte dich, und kte dich, Und schlug den Arm dir--?

Kthchen.  Nein, mein hoher Herr.

Der Graf vom Strahl.  Was sonst?

Kthchen.  Du stieest mich mit Fen von dir.

Der Graf vom Strahl.  Mit Fen?  Nein!  Das tu ich keinem Hund.
Warum?  Weshalb?  Was hattst du mir getan?

Kthchen.  Weil ich dem Vater, der voll Huld und Gte, Gekommen war,
mit Pferden, mich zu holen, Den Rcken, voller Schrecken, wendete,
Und mit der Bitte, mich vor ihm zu schtzen, Im Staub vor dir
bewutlos nieder sank.

Der Graf vom Strahl.  Da htt ich dich mit Fen weggestoen?

Kthchen.  Ja, mein verehrter Herr.

Der Graf vom Strahl.  Ei, Possen, was!  Das war nur Schelmerei, des
Vaters wegen.  Du bliebst doch nach wie vor im Schlo zu Strahl.

Kthchen.  Nein, mein verehrter Herr.

Der Graf vom Strahl.  Nicht?  Wo auch sonst?

Kthchen.  Als du die Peitsche, flammenden Gesichts, Herab vom Riegel
nahmst, ging ich hinaus, Vor das bemooste Tor, und lagerte Mich
drauen, am zerfallnen Mauernring Wo in sduftenden Holunderbschen
Ein Zeisig zwitschernd sich das Nest gebaut.

Der Graf vom Strahl.  Hier aber jagt ich dich mit Hunden weg?

Kthchen.  Nein, mein verehrter Herr.

Der Graf vom Strahl.  Und als du wichst, Verfolgt vom Hundgeklaff,
von meiner Grenze, Rief ich den Nachbar auf, dich zu verfolgen?

Kthchen.  Nein, mein verehrter Herr!  Was sprichst du da?

Der Graf vom Strahl.  Nicht?  Nicht?--Das werden diese Herren tadeln.

Kthchen.  Du kmmerst dich um diese Herren nicht.  Du sandtest
Gottschalk mir am dritten Tage, Da er mir sag: dein liebes Kthchen
wr ich; Vernnftig aber mcht ich sein, und gehn.

Der Graf vom Strahl.  Und was entgegnetest du dem?

Kthchen.  Ich sagte, Den Zeisig littest du, den zwitschernden, In
den sduftenden Holunderbschen: Mchtst denn das Kthchen von
Heilbronn auch leiden.

Der Graf vom Strahl (erhebt das Kthchen).  Nun dann, so nehmt sie
hin, ihr Herrn der Vehme, Und macht mit ihr und mir jetzt, was ihr
wollt.

(Pause.)

Graf Otto (unwillig).  Der aberwitzge Trumer, unbekannt Mit dem
gemeinen Zauber der Natur!--Wenn euer Urteil reif, wie meins, ihr
Herrn, Geh ich zum Schlu, und la die Stimmen sammeln.

Wenzel.  Zum Schlu!

Hans.  Die Stimmen!

Alle.  Sammelt sie!

Ein Richter.  Der Narr, der!  Der Fall ist klar.  Es ist hier nichts
zu richten.

Graf Otto.  Vehmherold, nimm den Helm und sammle sie.

(Vehmherold sammelt die Kugeln und bringt den Helm, worin sie liegen,
dem Grafen.)

Graf Otto (steht auf).  Herr Friedrich Wetter Graf vom Strahl, du
bist Einstimmig von der Vehme losgesprochen, Und dir dort, Theobald,
dir geb ich auf, Nicht frder mit der Klage zu erscheinen, Bis du
kannst bessere Beweise bringen.

(Zu den Richtern.)  Steht auf, ihr Herrn! die Sitzung ist geschlossen.

(Die Richter erheben sich.)

Theobald.  Ihr hochverehrten Herrn, ihr sprecht ihn schuldlos?  Gott
sagt ihr, hat die Welt aus nichts gemacht; Und er, der sie durch
nichts und wieder nichts Vernichtet, in das erste Chaos strzt, Der
sollte nicht der leidge Satan sein?

Graf Otto.  Schweig, alter, grauer Tor!  Wir sind nicht da, Dir die
verrckten Sinnen einzurenken.  Vehmhscher, an dein Amt!  Blend ihm
die Augen, Und fhr ihn wieder auf das Feld hinaus.

Theobald.  Was!  Auf das Feld?  Mich hilflos greisen Alten?  Und dies
mein einzig liebes Kind,--?

Graf Otto.  Herr Graf, Das berlt die Vehme Euch!  Ihr zeigtet Von
der Gewalt, die Ihr hier bt, so manche Besondre Probe uns; lat uns
noch eine, Die greste, bevor wir scheiden, sehn, Und gebt sie ihrem
alten Vater wieder.

Der Graf vom Strahl.  Ihr Herren, was ich tun kann, soll geschehn.
--Jungfrau!

Kthchen.  Mein hoher Herr!

Der Graf vom Strahl.  Du liebst mich?

Kthchen.  Herzlich!

Der Graf vom Strahl.  So tu mir was zu Lieb.

Kthchen.  Was willst du?  Sprich.

Der Graf vom Strahl.  Verfolg mich nicht.  Geh nach Heilbronn zurck.
--Willst du das tun?

Kthchen.  Ich hab es dir versprochen.

(Sie fllt in Ohnmacht.)

Theobald (empfngt sie).  Mein Kind!  Mein Einziges!  Hilf, Gott im
Himmel!

Der Graf vom Strahl (wendet sich).  Dein Tuch her, Hscher!  (Er
verbindet sich die Augen.)

Theobald.  O verflucht sei, Mordschaunder Basiliskengeist!  Mut ich
Auch diese Probe deiner Kunst noch sehn?

Graf Otto (vom Richtstuhl herabsteigend).  Was ist geschehn, ihr
Herrn?

Wenzel.  Sie sank zu Boden.

(Sie betrachten sie.)

Der Graf vom Strahl (zu den Hschern).  Fhrt mich hinweg!

Theobald.  Der Hlle zu, du Satan!  La ihre schlangenhaargen
Pfrtner dich An ihrem Eingang, Zauberer, ergreifen, Und dich
zehntausend Klafter tiefer noch, Als ihre wildsten Flammen lodern,
schleudern!

Graf Otto.  Schweig Alter, schweig!

Theobald (weint).  Mein Kind!  Mein Kthchen!

Kthchen.  Ach!

Wenzel (freudig).  Sie schlgt die Augen auf!

Hans.  Sie wird sich fassen.

Graf Otto.  Bringt in des Pfrtners Wohnung sie!  Hinweg!

(Alle ab.)




Zweiter Akt

Szene: Wald vor der Hhle des heimlichen Gerichts.



Erster Auftritt


Der Graf vom Strahl (tritt auf, mit verbundenen Augen, gefhrt von
zwei Hschern, die ihm die Augen aufbinden, und alsdann in die Hhle
zurckkehren--Er wirft sich auf den Boden nieder und weint).  Nun
will ich hier, wie ein Schfer liegen und klagen.  Die Sonne scheint
noch rtlich durch die Stmme, auf welchen die Wipfel des Waldes ruhn;
und wenn ich, nach einer kurzen Viertelstunde, sobald sie hinter den
Hgel gesunken ist, aufsitze, und mich im Blachfelde, wo der Weg eben
ist, ein wenig daran halte, so komme ich noch nach Schlo
Wetterstrahl, ehe die Lichter darin erloschen sind.  Ich will mir
einbilden, meine Pferde dort unten, wo die Quelle rieselt, wren
Schafe und Ziegen, die an dem Felsen kletterten, und an Grsern und
bittern Gestruchen rissen; ein leichtes weies linnenes Zeug
bedeckte mich, mit roten Bndern zusammengebunden, und um mich her
flatterte eine Schar muntrer Winde, um die Seufzer, die meiner, von
Gram sehr gepreten, Brust entquillen, gradaus zu der guten Gtter
Ohr empor zu tragen.  Wirklich und wahrhaftig!  Ich will meine
Muttersprache durchblttern, und das ganze, reiche Kapitel, das diese
berschrift fhrt: Empfindung, dergestalt plndern, da kein
Reimschmied mehr, auf eine neue Art, soll sagen knnen: ich bin
betrbt.  Alles, was die Wehmut Rhrendes hat, will ich aufbieten,
Lust und in den Tod gehende Betrbnis sollen sich abwechseln, und
meine Stimme, wie einen schnen Tnzer, durch alle Beugungen hindurch
fhren, die die Seele bezaubern; und wenn die Bume nicht in der Tat
bewegt werden, und ihren milden Tau, als ob es geregnet htte,
herabtrufeln lassen, so sind sie von Holz, und alles, was uns die
Dichter von ihnen sagen, ein bloes liebliches Mrchen.  O du--wie
nenn ich dich?  Kthchen!  Warum kann ich dich nicht mein nennen?
Kthchen, Mdchen, Kthchen!  Warum kann ich dich nicht mein nennen?
Warum kann ich dich nicht aufheben, und in das duftende Himmelbett
tragen, das mir die Mutter, daheim im Prunkgemach, aufgerichtet hat?
Kthchen, Kthchen, Kthchen!  Du, deren junge Seele, als sie heut
nackt vor mir stand, von wollstiger Schnheit gnzlich triefte, wie
die mit len gesalbte Braut eines Perserknigs, wenn sie, auf alle
Teppiche niederregnend, in sein Gemach gefhrt wird!  Kthchen,
Mdchen, Kthchen!  Warum kann ich es nicht?  Du Schnere, als ich
singen kann, ich will eine eigene Kunst erfinden, und dich weinen.
Alle Phiolen der Empfindung, himmlische und irdische, will ich
erffnen, und eine solche Mischung von Trnen, einen Ergu so
eigentmlicher Art, so heilig zugleich und ppig, zusammenschtten,
da jeder Mensch gleich, an dessen Hals ich sie weine, sagen soll:
sie flieen dem Kthchen von Heilbronn!--Ihr grauen, brtigen Alten,
was wollt ihr?  Warum verlat ihr eure goldnen Rahmen, ihr Bilder
meiner geharnischten Vter, die meinen Rstsaal bevlkern, und tretet,
in unruhiger Versammlung, hier um mich herum, eure ehrwrdigen
Locken schttelnd?  Nein, nein, nein!  Zum Weibe, wenn ich sie gleich
liebe, begehr ich sie nicht; eurem stolzen Reigen will ich mich
anschlieen: das war beschlone Sache, noch ehe ihr kamt.  Dich aber,
Winfried, der ihn fhrt, du Erster meines Namens, Gttlicher mit der
Scheitel des Zeus, dich frag ich, ob die Mutter meines Geschlechts
war, wie diese: von jeder frommen Tugend strahlender, makelloser an
Leib und Seele, mit jedem Liebreiz geschmckter, als sie?  O Winfried!
Grauer Alter!  Ich ksse dir die Hand, und danke dir, da ich bin;
doch httest du sie an die sthlerne Brust gedrckt, du httest ein
Geschlecht von Knigen erzeugt, und Wetter vom Strahl hiee jedes
Gebot auf Erden!  Ich wei, da ich mich fassen und diese Wunde
vernarben werde: denn welche Wunde vernarbte nicht der Mensch?  Doch
wenn ich jemals ein Weib finde, Kthchen, dir gleich: so will ich die
Lnder durchreisen, und die Sprachen der Welt lernen, und Gott
preisen in jeder Zunge, die geredet wird.--Gottschalk!



Zweiter Auftritt

Gottschalk.  Der Graf vom Strahl.


Gottschalk (drauen).  Heda!  Herr Graf vom Strahl!

Der Graf vom Strahl.  Was gibts?

Gottschalk.  Was zum Henker!  Ein Bote ist angekommen von Eurer
Mutter.

Der Graf vom Strahl.  Ein Bote?

Gottschalk.  Gestreckten Laufs, keuchend, mit verhngtem Zgel; mein
Seel, wenn Euer Schlo ein eiserner Bogen und er ein Pfeil gewesen
wre, er htte nicht rascher herangeschossen werden knnen.

Der Graf vom Strahl.  Was hat er mir zu sagen?

Gottschalk.  He!  Ritter Franz!



Dritter Auftritt

Ritter Flammberg tritt auf.  Die Vorigen.


Der Graf vom Strahl.  Flammberg!--Was fhrt dich so eilig zu mir her?

Flammberg.  Gndigster Herr!  Eurer Mutter, der Grfin, Gebot; sie
befahl mir den besten Renner zu nehmen, und Euch entgegen zu reiten!

Der Graf vom Strahl.  Nun?  Und was bringst du mir?

Flammberg.  Krieg, bei meinem Eid, Krieg!  Ein Aufgebot zu neuer
Fehde, warm, wie sie es eben von des Herolds Lippen empfangen hat.

Der Graf vom Strahl (betreten).  Wessen?--Doch nicht des Burggrafen,
mit dem ich eben den Frieden abschlo?  (Er setzt sich den Helm auf.)

Flammberg.  Des Rheingrafen, des Junkers vom Stein, der unten am
weinumblhten Neckar seinen Sitz hat.

Der Graf vom Strahl.  Des Rheingrafen!--Was hab ich mit dem
Rheingrafen zu schaffen, Flammberg?

Flammberg.  Mein Seel!  Was hattet Ihr mit dem Burggrafen zu
schaffen?  Und was wollte so mancher andere von Euch, ehe Ihr mit dem
Burggrafen zu schaffen kriegtet?  Wenn Ihr den kleinen griechischen
Feuerfunken nicht austretet, der diese Kriege veranlat, so sollt Ihr
noch das ganze Schwabengebirge wider Euch auflodern sehen, und die
Alpen und den Hundsrck obenein.

Der Graf vom Strahl.  Es ist nicht mglich!  Frulein
Kunigunde-Flammberg.  Der Rheingraf fordert, im Namen Frulein
Kunigundens von Thurneck, den Wiederkauf Eurer Herrschaft Stauffen;
jener drei Stdtlein und siebzehn Drfer und Vorwerker, Eurem
Vorfahren Otto, von Peter, dem ihrigen, unter der besagten Klausel,
kuflich abgetreten; grade so, wie dies der Burggraf von Freiburg,
und, in frheren Zeiten schon ihre Vettern, in ihrem Namen getan
haben.

Der Graf vom Strahl (steht auf).  Die rasende Megre!  Ist das nicht
der dritte Reichsritter, den sie mir, einem Hund gleich, auf den Hals
hetzt, um mir diese Landschaft abzujagen!  Ich glaube, das ganze
Reich frit ihr aus der Hand.  Kleopatra fand einen, und als der sich
den Kopf zerschellt hatte, schauten die anderen; doch ihr dient alles,
was eine Ribbe weniger hat, als sie, und fr jeden einzelnen, den
ich ihr zerzaust zurcksende, stehen zehn andere wider mich auf.--Was
fhrt' er fr Grnde an?

Flammberg.  Wer?  Der Herold?

Der Graf vom Strahl.  Was fhrt' er fr Grnde an?

Flammberg.  Ei, gestrenger Herr, da htt er ja rot werden mssen.

Der Graf vom Strahl.  Er sprach von Peter von Thurneck--nicht?  Und
von der Landschaft ungltigem Verkauf?

Flammberg.  Allerdings.  Und von den schwbischen Gesetzen; mischte
Pflicht und Gewissen, bei jedem dritten Wort, in die Rede, und rief
Gott zum Zeugen an, da nichts als die reinsten Absichten seinen
Herrn, den Rheingrafen, vermchten, des Fruleins Sache zu ergreifen.

Der Graf vom Strahl.  Aber die roten Wangen der Dame behielt er fr
sich?

Flammberg.  Davon hat er kein Wort gesagt.

Der Graf vom Strahl.  Da sie die Pocken kriegte!  Ich wollte, ich
knnte den Nachttau in Eimern auffassen, und ber ihren weien Hals
ausgieen!  Ihr kleines verwnschtes Gesicht ist der letzte Grund
aller dieser Kriege wider mich; und so lange ich den Mrzschnee nicht
vergiften kann, mit welchem sie sich wscht, hab ich auch vor den
Rittern des Landes keine Ruhe.  Aber Geduld nur!--Wo hlt sie sich
jetzt auf?

Flammberg.  Auf der Burg zum Stein, wo ihr schon seit drei Tagen
Prunkgelage gefeiert werden, da die Feste des Himmels erkracht, und
Sonne, Mond und Sterne nicht mehr angesehen werden.  Der Burggraf,
den sie verabschiedet hat, soll Rache kochen, und wenn Ihr einen
Boten an ihn absendet, so zweifl' ich nicht, er zieht mit Euch gegen
den Rheingrafen zu Felde.

Der Graf vom Strahl.  Wohlan!  Fhrt mir die Pferde vor, ich will
reiten.--Ich habe dieser jungen Aufwieglerin versprochen, wenn sie
die Waffen ihres kleinen schelmischen Angesichts nicht ruhen liee
wider mich, so wrd ich ihr einen Possen zu spielen wissen, da sie
es ewig in einer Scheide tragen sollte; und so wahr ich diese Rechte
aufhebe, ich halte Wort!--Folgt mir, meine Freunde!

(Alle ab.)



Szene: Khlerhtte im Gebirg.  Nacht, Donner und Blitz.

Vierter Auftritt

Burggraf von Freiburg und Georg von Waldsttten treten auf.


Freiburg (in die Szene rufend).  Hebt sie vom Pferd herunter!--(Blitz
und Donnerschlag.)--Ei, so schlag ein wo du willst; nur nicht auf die
Scheitel, belegt mit Kreide, meiner lieben Braut, der Kunigunde von
Thurneck!

Eine Stimme (auerhalb).  He!  Wo seid Ihr?

Freiburg.  Hier!

Georg.  Habt Ihr jemals eine solche Nacht erlebt?

Freiburg.  Das giet vom Himmel herab, Wipfel und Bergspitzen
ersufend, als ob eine zweite Sndflut heranbrche.--Hebt sie vom
Pferd herunter!

Eine Stimme (auerhalb).  Sie rhrt sich nicht.

Eine andere.  Sie liegt, wie tot, zu des Pferdes Fen da.

Freiburg.  Ei, Possen!  Das tut sie blo, um ihre falschen Zhne
nicht zu verlieren.  Sagt ihr, ich wre der Burggraf von Freiburg und
die echten, die sie im Mund htte, htte ich gezhlt.--So! bringt sie
her.

(Ritter Schauermann erscheint, das Frulein von Thurneck auf der
Schulter tragend.)

Georg.  Dort ist eine Khlerhtte.



Fnfter Auftritt

Ritter Schauermann mit dem Frulein, Ritter Wetzlaf und die Reisigen
des Burggrafen.  Zwei Khler.  Die Vorigen.


Freiburg (an die Khlerhtte klopfend).  Heda!

Der erste Khler (drinnen).  Wer klopfet?

Freiburg.  Frag nicht' du Schlingel, und mach auf.

Der zweite Khler (ebenso).  Holla!  Nicht eher bis ich den Schlssel
umgekehrt habe.  Wird doch der Kaiser nicht vor der Tr sein?

Freiburg.  Halunke!  Wenn nicht der, doch einer, der hier regiert,
und den Szepter gleich vom Ast brechen wird, ums dir zu zeigen.

Der erste Khler (auftretend, eine Laterne in der Hand).  Wer seid
ihr?  Was wollt ihr?

Freiburg.  Ein Rittersmann bin ich; und diese Dame, die hier todkrank
herangetragen wird, das ist-Schauermann (von hinten).  Das Licht weg!

Wetzlaf.  Schmeit ihm die Laterne aus der Hand!

Freiburg (indem er ihm die Laterne wegnimmt).  Spitzbube!  Du willst
hier leuchten?

Der erste Khler.  Ihr Herren, ich will hoffen, der greste unter
euch bin ich!  Warum nehmt ihr mir die Laterne weg?

Der zweite Khler.  Wer seid ihr?  Und was wollt ihr?

Freiburg.  Rittersleute, du Flegel, hab ich dir schon gesagt!

Georg.  Wir sind reisende Ritter, ihr guten Leute, die das Unwetter
berrascht hat.

Freiburg (unterbricht ihn).  Kriegsmnner, die von Jerusalem kommen,
und in ihre Heimat ziehen; und jene Dame dort, die herangetragen wird,
von Kopf zu Fu in einem Mantel eingewickelt, das ist-(Ein
Gewitterschlag.)

Der erste Khler.  Ei, so plrr du, da die Wolken reien!--Von
Jerusalem, sagt ihr?

Der zweite Khler.  Man kann vor dem breitmuligen Donner kein Wort
verstehen.

Freiburg.  Von Jerusalem, ja.

Der zweite Khler.  Und das Weibsen, das herangetragen wird--?

Georg (auf den Burggrafen zeigend).  Das ist des Herren kranke
Schwester, ihr ehrlichen Leute, und begehrt-Freiburg (unterbricht
ihn).  Das ist jenes Schwester, du Schuft, und meine Gemahlin;
todkrank, wie du siehst, von Schloen und Hagel halb erschlagen, so
da sie kein Wort vorbringen kann: die begehrt eines Platzes in
deiner Htte, bis das Ungewitter vorber und der Tag angebrochen ist.

Der erste Khler.  Die begehrt einen Platz in meiner Htte?

Georg.  Ja, ihr guten Khler; bis das Gewitter vorber ist, und wir
unsre Reise fortsetzen knnen.

Der zweite Khler.  Mein Seel, da habt ihr Worte gesagt, die waren
den Lungenodem nicht wert, womit ihr sie ausgestoen.

Der erste Khler.  Isaak!

Freiburg.  Du willst das tun?

Der zweite Khler.  Des Kaisers Hunden, ihr Herrn, wenn sie vor
meiner Tr darum heulten.--Isaak!  Schlingel! hrst nicht?

Junge (in der Htte).  Hei sag ich.  Was gibts?

Der zweite Khler.  Das Stroh schttle auf, Schlingel, und die Decken
drberhin; ein krank Weibsen wird kommen und Platz nehmen, in der
Htten!  Hrst du?

Freiburg.  Wer spricht drin?

Der erste Khler.  Ei, ein Flachskopf von zehn Jahren, der uns an die
Hand geht.

Freiburg.  Gut.--Tritt heran, Schauermann! hier ist ein Knebel
losgegangen.

Schauermann.  Wo?

Freiburg.  Gleichviel!--In den Winkel mit ihr hin, dort!--Wenn der
Tag anbricht, werd ich dich rufen.

(Schauermann trgt das Frulein in die Htte.)



Sechster Auftritt

Die Vorigen ohne Schauermann und das Frulein.


Freiburg.  Nun, Georg, alle Saiten des Jubels schlag ich an: wir
haben sie; wir haben diese Kunigunde von Thurneck!  So wahr ich nach
meinem Vater getauft bin, nicht um den ganzen Himmel, um den meine
Jugend gebetet hat, geb ich die Lust weg, die mir beschert ist, wenn
der morgende Tag anbricht!--Warum kamst du nicht frher von
Waldsttten herab?

Georg.  Weil du mich nicht frher rufen lieest.

Freiburg.  O, Georg!  Du httest sie sehen sollen, wie sie daher
geritten kam, einer Fabel gleich, von den Rittern des Landes umringt,
gleich einer Sonne, unter ihren Planeten!  Wars nicht, als ob sie zu
den Kieseln sagte, die unter ihr Funken sprhten: ihr mt mir
schmelzen, wenn ihr mich seht?  Thalestris, die Knigin der Amazonen,
als sie herabzog vom Kaukasus, Alexander den Groen zu bitten, da er
sie ksse: sie war nicht reizender und gttlicher, als sie.

Georg.  Wo fingst du sie?

Freiburg.  Fnf Stunden, Georg, fnf Stunden von der Steinburg, wo
ihr der Rheingraf, durch drei Tage, schallende Jubelfeste gefeiert
hatte.  Die Ritter, die sie begleiteten, hatten sie kaum verlassen,
da werf ich ihren Vetter Isidor, der bei ihr geblieben war, in den
Sand, und auf den Rappen mit ihr, und auf und davon.

Georg.  Aber, Max!  Max!  Was hast du--?

Freiburg.  Ich will dir sagen, Freund-Georg.  Was bereitest du dir,
mit allen diesen ungeheuren Anstalten, vor?

Freiburg.  Lieber!  Guter!  Wunderlicher!  Honig von Hybla, fr diese
vom Durst der Rache zu Holz vertrocknete Brust.  Warum soll dies
wesenlose Bild lnger, einer olympischen Gttin gleich, auf dem
Fugestell prangen, die Hallen der christlichen Kirchen von uns und
unsersgleichen entvlkernd?  Lieber angefat, und auf den Schutt
hinaus, das Oberste zu unterst, damit mit Augen erschaut wird, da
kein Gott in ihm wohnt.

Georg.  Aber in aller Welt, sag mir, was ists, das dich mit so
rasendem Ha gegen sie erfllt?

Freiburg.  O Georg!  Der Mensch wirft alles, was er sein nennt, in
eine Pftze, aber kein Gefhl.  Georg, ich liebte sie, und sie war
dessen nicht wert.  Ich liebte sie und ward verschmht, Georg; und
sie war meiner Liebe nicht wert.  Ich will dir was sagen--Aber es
macht mich bla, wenn ich daran denke.  Georg!  Georg!  Wenn die
Teufel um eine Erfindung verlegen sind: so mssen sie einen Hahn
fragen der sich vergebens um eine Henne gedreht hat, und hinterher
sieht, da sie, vom Aussatz zerfressen, zu seinem Spae nicht taugt.

Georg.  Du wirst keine unritterliche Rache an ihr ausben?

Freiburg.  Nein; Gott beht mich!  Keinem Knecht mut ich zu, sie an
ihr zu vollziehn.--Ich bringe sie nach der Steinburg zum Rheingrafen
zurck, wo ich nichts tun will, als ihr das Halstuch abnehmen: das
soll meine ganze Rache sein!

Georg.  Was!  Das Halstuch abnehmen?

Freiburg.  Ja Georg; und das Volk zusammen rufen.

Georg.  Nun, und wenn das geschehn ist, da willst du--?

Freiburg.  Ei, da will ich ber sie philosophieren.  Da will ich euch
einen metaphysischen Satz ber sie geben, wie Platon, und meinen Satz
nachher erlutern, wie der lustige Diogenes getan.  Der Mensch
ist--Aber still: (Er horcht.)

Georg.  Nun! der Mensch ist?-Freiburg.  Der Mensch ist, nach Platon,
ein zweibeinigtes ungefiedertes Tier; du weit, wie Diogenes dies
bewiesen; einen Hahn, glaub ich, rupft' er, und warf ihn unter das
Volk.--Und diese Kunigunde, Freund, diese Kunigunde von Thurneck, die
ist nach mir--Aber still!  So wahr ich ein Mann bin: dort steigt
jemand vom Pferd!



Siebenter Auftritt

Der Graf vom Strahl und Ritter Flammberg treten auf.

Nachher Gottschalk.--Die Vorigen.


Der Graf vom Strahl (an die Htte klopfend).  Heda!  Ihr wackern
Khlersleute!

Flammberg.  Das ist eine Nacht, die Wlfe in den Klften um ein
Unterkommen anzusprechen.

Der Graf vom Strahl.  Ists erlaubt, einzutreten?

Freiburg (ihm in den Weg).  Erlaubt, ihr Herrn!  Wer ihr auch sein
mgt dort-Georg.  Ihr knnt hier nicht einkehren.

Der Graf vom Strahl.  Nicht?  Warum nicht?

Freiburg.  Weil kein Raum drin ist, weder fr euch noch fr uns.
Meine Frau liegt darin todkrank, den einzigen Winkel der leer ist mit
ihrer Bedienung erfllend: ihr werdet sie nicht daraus vertreiben
wollen.

Der Graf vom Strahl.  Nein, bei meinem Eid!  Viel mehr wnsche ich,
da sie sich bald darin erholen mge.--Gottschalk!

Flammberg.  So mssen wir beim Gastwirt zum blauen Himmel bernachten.

Der Graf vom Strahl.  Gottschalk sag ich!

Gottschalk (drauen).  Hier!

Der Graf vom Strahl.  Schaff die Decken her!  Wir wollen uns hier ein
Lager bereiten, unter den Zweigen.

(Gottschalk und der Khlerjunge treten auf.)

Gottschalk (indem er ihnen die Decken bringt).  Das wei der Teufel,
was das hier fr eine Wirtschaft ist.  Der Junge sagt, drinnen wre
ein geharnischter Mann, der ein Frulein bewachte: das lge geknebelt
und mit verstopftem Munde da, wie ein Kalb, das man zur Schlachtbank
bringen will.

Der Graf vom Strahl.  Was sagst du?  Ein Frulein?  Geknebelt und mit
verstopftem Munde?--Wer hat dir das gesagt?

Flammberg.  Jung!  Woher weit du das?

Khlerjunge (erschrocken).  St!--Um aller Heiligen willen!  Ihr
Herren, was macht ihr?

Der Graf vom Strahl.  Komm her.

Khlerjunge.  Ich sage: St!

Flammberg.  Jung!  Wer hat dir das gesagt?  So sprich.

Khlerjunge (heimlich nachdem er sich umgesehen).  Habs geschaut, ihr
Herren.  Lag auf dem Stroh, als sie sie hineintrugen, und sprachen,
sie sei krank.  Kehrt ihr die Lampe zu und erschaut, da sie gesund
war, und Wangen hatt als wie unsre Lore.  Und wimmert' und druckt'
mir die Hnd und blinzelte, und sprach so vernehmlich, wie ein kluger
Hund: mach mich los, lieb Bbel, mach mich los! da ichs mit Augen
hrt und mit den Fingern verstand.

Der Graf vom Strahl.  Jung, du flachskpfiger; so tus!

Flammberg.  Was sumst du?  Was machst du?

Der Graf vom Strahl.  Bind sie los und schick sie her!

Khlerjunge (schchtern).  St! sag ich.--Ich wollt, da ihr zu
Fischen wrdet!--Da erheben sich ihrer drei schon und kommen her, und
sehen, was es gibt?  (Er blst seine Laterne aus.)

Der Graf vom Strahl.  Nichts, du wackrer Junge, nichts.

Flammberg.  Sie haben nichts davon gehrt.

Der Graf vom Strahl.  Sie wechseln blo um des Regens willen ihre
Pltze.

Khlerjunge (sieht sich um).  Wollt ihr mich schtzen?

Der Graf vom Strahl.  Ja, so wahr ich ein Ritter bin; das will ich.

Flammberg.  Darauf kannst du dich verlassen.

Khlerjunge.  Wohlan!  Ich wills dem Vater sagen.--Schaut was ich tue,
und ob ich in die Htte gehe, oder nicht?  (Er spricht mit den Alten,
die hinten am Feuer stehen, und verliert sich nachher in die Htte.)

Flammberg.  Sind das solche Kauze?  Beelzebubs-Ritter, deren
Ordensmantel die Nacht ist?  Eheleute, auf der Landstrae mit
Stricken und Banden an einander getraut?

Der Graf vom Strahl.  Krank, sagten sie!

Flammberg.  Todkrank, und dankten fr alle Hlfe!

Gottschalk.  Nun wart!  Wir wollen sie scheiden.

(Pause.)

Schauermann (in der Htte).  He! holla!  Die Bestie!

Der Graf vom Strahl.  Auf, Flammberg; erhebe dich!

(Sie stehen auf.)

Freiburg.  Was gibts?

(Die Partei des Burggrafen erhebt sich.)

Schauermann.  Ich bin angebunden,!  Ich bin angebunden!

(Das Frulein erscheint.)

Freiburg.  Ihr Gtter!  Was erblick ich?



Achter Auftritt

Frulein Kunigunde von Thurneck im Reisekleide, mit entfesselten
Haaren.--Die Vorigen.


Kunigunde (wirft sich vor dem Grafen vom Strahl nieder).  Mein Retter!
Wer Ihr immer seid!  Nehmt einer Vielfach geschmhten und
geschndeten Jungfrau Euch an!  Wenn Euer ritterlicher Eid Den Schutz
der Unschuld Euch empfiehlt: hier liegt sie In Staub gestreckt, die
jetzt ihn von Euch fordert!

Freiburg.  Reit sie hinweg, ihr Mnner!

Georg (ihn zurckhaltend).  Max! hr mich an.

Freiburg.  Reit sie hinweg, sag ich; lat sie nicht reden!

Der Graf vom Strahl.  Halt dort ihr Herrn!  Was wollt ihr!

Freiburg.  Was wir wollen?  Mein Weib will ich, zum Henker!--Auf!
ergreift sie!

Kunigunde.  Dein Weib?  Du Lgnerherz!

Der Graf vom Strahl (streng).  Berhr sie nicht!  Wenn du von dieser
Dame was verlangst, So sagst dus mir!  Denn mir gehrt sie jetzt,
Weil sie sich meinem Schutze anvertraut.  (Er erhebt sie.)

Freiburg.  Wer bist du, bermtiger, da du Dich zwischen zwei
Vermhlte drngst?  Wer gibt Das Recht dir, mir die Gattin zu
verweigern?

Kunigunde.  Die Gattin?  Bsewicht!  Das bin ich nicht!

Der Graf vom Strahl.  Und wer bist du, Nichtswrdiger, da du Sie
deine Gattin sagst, verfluchter Bube, Da du sie dein nennst, geiler
Mdchenruber, Die Jungfrau, dir vom Teufel in der Hlle, Mit Knebeln
und mit Banden angetraut?

Freiburg.  Wie?  Was?  Wer?

Georg.  Max, ich bitte dich.

Der Graf vom Strahl.  Wer bist du?

Freiburg.  Ihr Herrn, ihr irrt euch sehr-Der Graf vom Strahl.  Wer
bist du, frag ich?

Freiburg.  Ihr Herren, wenn ihr glaubt, da ich-Der Graf vom Strahl.
Schafft Licht her!

Freiburg.  Dies Weib hier, das ich mitgebracht, das ist-Der Graf vom
Strahl.  Ich sage Licht herbeigeschafft!

(Gottschalk und die Khler kommen mit Fackeln und Feuerhaken.)

Freiburg.  Ich bin-Georg (heimlich).  Ein Rasender bist du!  Fort!
Gleich hinweg!  Willst du auf ewig nicht dein Wappen schnden.

Der Graf vom Strahl.  So, meine wackern Khler; leuchtet mir!

(Freiburg schliet sein Visier.)

Der Graf vom Strahl.  Wer bist du jetzt, frag ich?  ffn' das
Visier.

Freiburg.  Ihr Herrn, ich bin-Der Graf vom Strahl.  ffn' das
Visier.

Freiburg.  Ihr hrt.

Der Graf vom Strahl.  Meinst du, leichtfertger Bube, ungestraft Die
Antwort mir zu weigern, wie ich dir?

(Er reit ihm den Helm vom Haupt, der Burggraf taumelt.)

Schauermann.  Schmeit den Verwegenen doch gleich zu Boden!

Wetzlaf.  Auf!  Zieht!

Freiburg.  Du Rasender, welch eine Tat!

(Er erhebt sich, zieht und haut nach dem Grafen; der weicht aus.)

Der Graf vom Strahl.  Du wehrst dich mir, du Afterbrutigam?

(Er haut ihn nieder.)  So fahr zur Hlle hin, woher du kamst, Und
feire deine Flitterwochen drin!

Wetzlaf.  Entsetzen!  Schaut!  Er strzt, er wankt, er fllt!

Flammberg (dringt vor).  Auf jetzt, ihr Freunde!

Schauermann.  Fort!  Entflieht!

Flammberg.  Schlagt drein!  Jagt das Gesindel vllig in die Flucht!

(Die Burggrflichen entweichen; niemand bleibt als Georg, der ber
den Burggrafen beschftigt ist.)

Der Graf vom Strahl (zum Burggrafen).  Freiburg!  Was seh ich?  Ihr
allmchtgen Gtter!  Du bists?

Kunigunde (unterdrckt).  Der undankbare Hllenfuchs!

Der Graf vom Strahl.  Was galt dir diese Jungfrau, du Unsel'ger?  Was
wolltest du mit ihr?

Georg.--Er kann nicht reden.  Blut fllt, vom Scheitel quellend, ihm
den Mund.

Kunigunde.  Lat ihn ersticken drin!

Der Graf vom Strahl.  Ein Traum erscheint mirs!  Ein Mensch wie der,
so wacker sonst, und gut. - Kommt ihm zu Hlf, ihr Leute!

Flammberg.  Auf!  Greift an!  Und tragt ihn dort in jener Htte Raum.

Kunigunde.  Ins Grab!  Die Schaufeln her!  Er sei gewesen!

Der Graf vom Strahl.  Beruhigt Euch!--Wie er darnieder liegt, Wird er
auch unbeerdigt Euch nicht schaden.

Kunigunde.  Ich bitt um Wasser!

Der Graf vom Strahl.  Fhlt Ihr Euch nicht wohl?

Kunigunde.  Nichts, nichts--Es ist--Wer hilft?--Ist hier kein Sitz? -
Weh mir!  (Sie wankt.)

Der Graf vom Strahl.  Ihr Himmlischen!  He!  Gottschalk! hilf!

Gottschalk.  Die Fackeln her!

Kunigunde.  Lat, lat!

Der Graf vom Strahl (hat sie auf einen Sitz gefhrt).  Es geht
vorber?

Kunigunde.  Das Licht kehrt meinen trben Augen wieder.-Der Graf vom
Strahl.  Was wars, das so urpltzlich Euch ergriff?

Kunigunde.  Ach, mein gromtger Retter und Befreier, Wie nenn ich
das?  Welch ein entsetzensvoller, Unmenschlicher Frevel war mir
zugedacht?  Denk ich, was ohne Euch, vielleicht schon jetzt, Mir
widerfuhr, hebt sich mein Haar empor, Und meiner Glieder jegliches
erstarrt.

Der Graf vom Strahl.  Wer seid Ihr?  Sprecht!  Was ist Euch
widerfahren?

Kunigunde.  O Seligkeit, Euch dies jetzt zu entdecken!  Die Tat, die
Euer Arm vollbracht, ist keiner Unwrdigen geschehen; Kunigunde,
Freifrau von Thurneck, bin ich, da Ihrs wit; Das se Leben, das
Ihr mir erhieltet, Wird, auer mir, in Thurneck, dankbar noch Ein
ganz Geschlecht Euch von Verwandten lohnen.

Der Graf vom Strahl.  Ihr seid?--Es ist nicht mglich?  Kunigunde Von
Thurneck?-Kunigunde.  Ja, so sagt ich!  Was erstaunt Ihr?

Der Graf vom Strahl (steht auf).  Nun denn, bei meinem Eid, es tut
mir leid, So kamt Ihr aus dem Regen in die Traufe: Denn ich bin
Friedrich Wetter Graf vom Strahl!

Kunigunde.  Was!  Euer Name?--Der Name meines Retters?-Der Graf vom
Strahl.  Ist Friedrich Strahl, Ihr hrts.  Es tut mir leid, Da ich
Euch keinen bessern nennen kann.

Kunigunde (steht auf).  Ihr Himmlischen!  Wie prft ihr dieses Herz?

Gottschalk (heimlich).  Die Thurneck? hrt ich recht?

Flammberg (erstaunt).  Bei Gott!  Sie ists!

(Pause.)

Kunigunde.  Es sei.  Es soll mir das Gefhl, das hier In diesem Busen
sich entflammt, nicht stren.  Ich will nichts denken, fhlen will
ich nichts, Als Unschuld, Ehre, Leben, Rettung--Schutz Vor diesem
Wolf, der hier am Boden liegt.--Komm her, du lieber, goldner Knabe,
du, Der mich befreit, nimm diesen Ring von mir, Es ist jetzt alles,
was ich geben kann: Einst lohn ich wrdiger, du junger Held, Die Tat
dir, die mein Band gelst, die mutige, Die mich vor Schmach bewahrt,
die mich errettet, Die Tat, die mich zur Seligen gemacht!

(Sie wendet sich zum Grafen.)  Euch, mein Gebieter--Euer nenn ich
alles, Was mein ist!  Sprecht!  Was habt Ihr ber mich beschlossen?
In Eurer Macht bin ich; was mu geschehn?  Mu ich nach Eurem
Rittersitz Euch folgen?

Der Graf vom Strahl (nicht ohne Verlegenheit).  Mein Frulein--es ist
nicht eben allzuweit.  Wenn Ihr ein Pferd besteigt, so knnt Ihr bei
Der Grfin, meiner Mutter, bernachten.

Kunigunde.  Fhrt mir das Pferd vor!

Der Graf vom Strahl (nach einer Pause).  Ihr vergebt mir, Wenn die
Verhltnisse, in welchen wir-Kunigunde.  Nichts, nichts!  Ich bitt
Euch sehr!  Beschmt mich nicht!  In Eure Kerker klaglos wrd ich
wandern.

Der Graf vom Strahl.  In meinen Kerker!  Was!  Ihr berzeugt
Euch-Kunigunde (unterbricht ihn).  Drckt mich mit Eurer Gromut
nicht zu Boden!--Ich bitt um Eure Hand!

Der Graf vom Strahl.  He!  Fackeln!  Leuchtet!  (Ab.)



Neunter Auftritt

Szene: Schlo Wetterstrahl.  Ein Gemach in der Burg.

Kunigunde, in einem halb vollendeten, romantischen Anzuge, tritt auf,
und setzt sich vor einer Toilette nieder.  Hinter ihr Rosalie und die
alte Brigitte.


Rosalie (zu Brigitten).  Hier, Mtterchen, setz dich!  Der Graf vom
Strahl hat sich bei meinem Frulein anmelden lassen; sie lt sich
nur noch die Haare von mir zurecht legen, und mag gern dein Geschwtz
hren.

Brigitte (die sich gesetzt).  Also Ihr seid Frulein Kunigunde von
Thurneck?

Kunigunde.  Ja Mtterchen; das bin ich.

Brigitte.  Und nennt Euch eine Tochter des Kaisers?

Kunigunde.  Des Kaisers?  Nein; wer sagt dir das?  Der jetzt lebende
Kaiser ist mir fremd; die Urenkelin eines der vorigen Kaiser bin ich,
die in verflossenen Jahrhunderten, auf dem deutschen Thron saen.

Brigitte.  O Herr!  Es ist nicht mglich?  Die
Urenkeltochter-Kunigunde.  Nun ja!

Rosalie.  Hab ich es dir nicht gesagt?

Brigitte.  Nun, bei meiner Treu, so kann ich mich ins Grab legen: der
Traum des Grafen vom Strahl ist aus!

Kunigunde.  Welch ein Traum?

Rosalie.  Hrt nur, hrt!  Es ist die wunderlichste Geschichte von
der Welt!--Aber sei bndig, Mtterchen, und spare den Eingang; denn
die Zeit, wie ich dir schon gesagt, ist kurz.

Brigitte.  Der Graf war gegen das Ende des vorletzten Jahres, nach
einer seltsamen Schwermut, von welcher kein Mensch die Ursache
ergrnden konnte, erkrankt; matt lag er da, mit glutrotem Antlitz und
phantasierte; die rzte, die ihre Mittel erschpft hatten, sprachen,
er sei nicht zu retten.  Alles, was in seinem Herzen verschlossen war,
lag nun, im Wahnsinn des Fiebers, auf seiner Zunge: er scheide gern,
sprach er, von hinnen; das Mdchen, das fhig wre, ihn zu lieben,
sei nicht vorhanden; Leben aber ohne Liebe sei Tod; die Welt nannt er
ein Grab, und das Grab eine Wiege, und meinte, er wrde nun erst
geboren werden.--Drei hintereinander folgende Nchte, whrend welcher
seine Mutter nicht von seinem Bette wich, erzhlte er ihr, ihm sei
ein Engel erschienen und habe ihm zugerufen: Vertraue, vertraue,
vertraue!  Auf der Grfin Frage: ob sein Herz sich, durch diesen
Zuruf des Himmlischen, nicht gestrkt fhle? antwortete er:
"Gestrkt?  Nein!"--und mit einem Seufzer setzte er hinzu: "doch!
doch, Mutter!  Wenn ich sie werde gesehen haben!"--Die Grfin fragt:
und wirst du sie sehen?  "Gewi!" antwortet er.  Wann? fragt sie.
Wo?--"In der Silvesternacht, wenn das neue Jahr eintritt; da wird er
mich zu ihr fhren." Wer? fragt sie, Lieber; zu wem?  "Der Engel",
spricht er, "zu meinem Mdchen"--wendet sich und schlft ein.

Kunigunde.  Geschwtz!

Rosalie.  Hrt sie nur weiter.--Nun?

Brigitte.  Drauf in der Silvesternacht, in dem Augenblick, da eben
das Jahr wechselt, hebt er sich halb vom Lager empor, starrt, als ob
er eine Erscheinung htte, ins Zimmer hinein, und, indem er mit der
Hand zeigt: "Mutter!  Mutter!  Mutter!" spricht er.  Was gibts? fragt
sie.  "Dort!  Dort!" Wo?  "Geschwind!" spricht er.--Was?--"Den Helm!
Den Harnisch!  Das Schwert!"--Wo willst du hin? fragt die Mutter.
"Zu ihr", spricht er, "zu ihr.  So! so! so!" und sinkt zurck; "Ade,
Mutter ade!" streckt alle Glieder von sich, und liegt wie tot.

Kunigunde.  Tot?

Rosalie.  Tot, ja!

Kunigunde.  Sie meint, einem Toten gleich.

Rosalie.  Sie sagt, tot!  Strt sie nicht.--Nun?

Brigitte.  Wir horchten an seiner Brust: es war so still darin, wie
in einer leeren Kammer.  Eine Feder ward ihm vorgehalten, seinen Atem
zu prfen: sie rhrte sich nicht.  Der Arzt meinte in der Tat, sein
Geist habe ihn verlassen; rief ihm ngstlich seinen Namen ins Ohr;
reizt' ihn, um ihn zu erwecken, mit Gerchen; reizt' ihn mit Stiften
und Nadeln, ri ihm ein Haar aus, da sich das Blut zeigte; vergebens:
er bewegte kein Glied und lag, wie tot.

Kunigunde.  Nun?  Darauf?

Brigitte.  Darauf, nachdem er einen Zeitraum so gelegen, fhrt er auf,
kehrt sich, mit dem Ausdruck der Betrbnis, der Wand zu, und spricht:
"Ach!  Nun bringen sie die Lichter!  Nun ist sie mir wieder
verschwunden!"--gleichsam, als ob er durch den Glanz derselben
verscheucht wrde.--Und da die Grfin sich ber ihn neigt und ihn an
ihre Brust hebt und spricht: Mein Friedrich!  Wo warst du?  "Bei ihr",
versetzt er, mit freudiger Stimme; "bei ihr, die mich liebt! bei der
Braut, die mir der Himmel bestimmt hat!  Geh, Mutter geh, und la nun
in allen Kirchen fr mich beten: denn nun wnsch ich zu leben."

Kunigunde.  Und bessert sich wirklich?

Rosalie.  Das eben ist das Wunder.

Brigitte.  Bessert sich, mein Frulein, bessert sich, in der Tat;
erholt sich, von Stund an, gewinnt, wie durch himmlischen Balsam
geheilt, seine Krfte wieder, und ehe der Mond sich erneut, ist er so
gesund wie zuvor.

Kunigunde.  Und erzhlte?--Was erzhlte er nun?

Brigitte.  Ach, und erzhlte, und fand kein Ende zu erzhlen: wie der
Engel ihn, bei der Hand, durch die Nacht geleitet; wie er sanft des
Mdchens Schlafkmmerlein erffnet, und alle Wnde mit seinem Glanz
erleuchtend, zu ihr eingetreten sei; wie es dagelegen, das holde Kind,
mit nichts, als dem Hemdchen angetan, und die Augen bei seinem
Anblick gro aufgemacht, und gerufen habe, mit einer Stimme, die das
Erstaunen beklemmt.  "Mariane!" welches jemand gewesen sein msse,
der in der Nebenkammer geschlafen; wie sie darauf, vom Purpur der
Freude ber und ber schimmernd, aus dem Bette gestiegen, und sich
auf Knieen vor ihm niedergelassen, das Haupt gesenkt, und: mein hoher
Herr! gelispelt; wie der Engel ihm darauf, da es eine Kaisertochter
sei, gesagt, und ihm ein Mal gezeigt, das dem Kindlein rtlich auf
dem Nacken verzeichnet war,--wie er, von unendlichem Entzcken
durchbebt, sie eben beim Kinn gefat, um ihr ins Antlitz zu schauen:
und wie die unselige Magd nun, die Mariane, mit Licht gekommen, und
die ganze Erscheinung bei ihrem Eintritt wieder verschwunden sei.

Kunigunde.  Und nun meinst du, diese Kaisertochter sei ich?

Brigitte.  Wer sonst?

Rosalie.  Das sag ich auch.

Brigitte.  Die ganze Strahlburg, bei Eurem Einzug, als sie erfuhr,
wer Ihr seid, schlug die Hnde ber den Kopf zusammen und rief: sie
ists!

Rosalie.  Es fehlte nichts, als da die Glocken ihre Zungen gelst,
und gerufen htten: ja, ja, ja!

Kunigunde (steht auf).  Ich danke dir, Mtterchen, fr deine
Erzhlung.  Inzwischen nimm diese Ohrringe zum Andenken, und entferne
dich.

(Brigitte ab.)



Zehnter Auftritt

Kunigunde und Rosalie.


Kunigunde (nachdem sie sich im Spiegel betrachtet, geht gedankenlos
ans Fenster und ffnet es.--Pause.)  Hast du mir alles dort zurecht
gelegt, Was ich dem Grafen zugedacht, Rosalie?  Urkunden, Briefe,
Zeugnisse?

Rosalie (am Tisch zurck geblieben).  Hier sind sie.  In diesem
Einschlag liegen sie beisammen.

Kunigunde.  Gib mir doch--(Sie nimmt eine Leimrute, die drauen
befestigt ist, herein.)

Rosalie.  Was, mein Frulein?

Kunigunde (lebhaft).  Schau, o Mdchen!  Ist dies die Spur von einem
Fittich nicht?

Rosalie (indem sie zu ihr geht).  Was habt ihr da?

Kunigunde.  Leimruten, die, ich wei Nicht wer? an diesem Fenster
aufgestellt!--Sieh, hat hier nicht ein Fittich schon gestreift?

Rosalie.  Gewi!  Da ist die Spur.  Was wars?  Ein Zeisig?

Kunigunde.  Ein Finkenhhnchen wars, das ich vergebens Den ganzen
Morgen schon herangelockt.

Rosalie.  Seht nur dies Federchen.  Das lie er stecken!

Kunigunde (gedankenvoll).  Gib mir doch-Rosalie.  Was, mein Frulein?
Die Papiere?

Kunigunde (lacht und schlgt sie).  Schelmin!--Die Hirse will ich,
die dort steht.

(Rosalie lacht, und geht und holt die Hirse.)



Eilfter Auftritt

Ein Bedienter tritt auf.  Die Vorigen.

Der Bediente.  Graf Wetter vom Strahl, und die Grfin seine Mutter!


Kunigunde (wirft alles aus der Hand).  Rasch!  Mit den Sachen weg.

Rosalie.  Gleich, gleich!  (Sie macht die Toilette zu und geht ab.)

Kunigunde.  Sie werden mir willkommen sein.



Zwlfter Auftritt

Grfin Helena, der Graf vom Strahl treten auf.  Frulein Kunigunde.


Kunigunde (ihnen entgegen).  Verehrungswrdge!  Meines Retters Mutter,
Wem dank ich, welchem Umstand, das Vergngen, Da ihr mir Euer
Antlitz schenkt, da Ihr Vergnnt, die teuren Hnde Euch zu kssen?

Grfin.  Mein Frulein, Ihr demtigt mich.  Ich kam, Um Eure Stirn zu
kssen, und zu fragen, Wie Ihr in meinem Hause Euch befindet?

Kunigunde.  Sehr wohl.  Ich fand hier alles, was ich brauchte.  Ich
hatte nichts von Eurer Huld verdient, Und Ihr besorgtet mich, gleich
einer Tochter.  Wenn irgend etwas mir die Ruhe strte So war es dies
beschmende Gefhl; Doch ich bedurfte nur den Augenblick, Um diesen
Streit in meiner Brust zu lsen.

(Sie wendet sich zum Grafen.)  Wie stehts mit Eurer linken Hand, Graf
Friedrich?

Der Graf vom Strahl.  Mit meiner Hand? mein Frulein!  Diese Frage,
Ist mir empfindlicher als ihre Wunde!  Der Sattel wars, sonst nichts,
an dem ich mich Unachtsam stie, Euch hier vom Pferde hebend.

Grfin.  Ward sie verwundet?--Davon wei ich nichts.

Kunigunde.  Es fand sich, als wir dieses Schlo erreichten, Da ihr,
in hellen Tropfen, Blut entflo.

Der Graf vom Strahl.  Die Hand selbst, seht Ihr, hat es schon
vergessen.  Wenns Freiburg war, dem ich im Kampf um Euch, Dies Blut
gezahlt, so kann ich wirklich sagen: Schlecht war der Preis, um den
er Euch verkauft.

Kunigunde.  Ihr denkt von seinem Werte so--nicht ich.

(Indem sie sich zur Mutter wendet.)  - Doch wie?  Wollt Ihr Euch,
Gndigste, nicht setzen?

(Sie holt einen Stuhl, der Graf bringt die andern.  Sie lassen sich
smtlich nieder.)

Grfin.  Wie denkt Ihr, ber Eure Zukunft, Frulein?  Habt Ihr die
Lag, in die das Schicksal Euch Versetzt, bereits erwogen?  Wit Ihr
schon, Wie Euer Herz darin sich fassen wird?

Kunigunde (bewegt).  Verehrungswrdige und gndge Grfin, Die Tage,
die mir zugemessen, denk ich In Preis und Dank, in immer glhender
Erinnrung des, was jngst fr mich geschehn, In unauslschlicher
Verehrung Eurer, Und Eures Hauses, bis auf den letzten Odem, Der
meine Brust bewegt, wenns mir vergnnt ist, In Thurneck bei den
Meinen hinzubringen.  (Sie weint.)

Grfin.  Wann denkt Ihr zu den Euren aufzubrechen?

Kunigunde.  Ich wnsche--weil die Tanten mich erwarten, - Wenns sein
kann, morgen,--oder mindestens--In diesen Tagen, abgefhrt zu werden.

Grfin.  Bedenkt ihr auch, was dem entgegen steht?

Kunigunde.  Nichts mehr, erlauchte Frau, wenn Ihr mir nur Vergnnt,
mich offen vor Euch zu erklren.

(Sie kt ihr die Hand; steht auf und holt die Papiere.)  Nehmt dies
von meiner Hand, Herr Graf vom Strahl.

Der Graf vom Strahl (steht auf).  Mein Frulein!  Kann ich wissen,
was es ist?

Kunigunde.  Die Dokumente sinds, den Streit betreffend, Um Eure
Herrschaft Stauffen, die Papiere Auf die ich meinen Anspruch grndete.

Der Graf vom Strahl.  Mein Frulein, Ihr beschmt mich, in der Tat!
Wenn dieses Heft, wie Ihr zu glauben scheint, Ein Recht begrndet:
weichen will ich Euch, Und wenn es meine letzte Htte glte!

Kunigunde.  Nehmt, nehmt, Herr Graf vom Strahl!  Die Briefe sind
Zweideutig, seh ich ein, der Wiederkauf, Zu dem sie mich berechtigen,
verjhrt; Doch wr mein Recht so klar auch, wie die Sonne, Nicht
gegen Euch mehr kann ichs geltend machen.

Der Graf vom Strahl.  Niemals, mein Frulein, niemals, in der Tat!
Mit Freuden nehm ich, wollt Ihr mir ihn schenken, Von Euch den
Frieden an; doch, wenn auch nur Der Zweifel eines Rechts auf Stauffen
Euer, Das Dokument nicht, das ihn Euch belegt!  Bringt Eure Sache vor,
bei Kaiser und bei Reich, Und das Gesetz entscheide, wer sich irrte.

Kunigunde (zur Grfin).  Befreit denn Ihr, verehrungswrdge Grfin,
Von diesen leidgen Dokumenten mich, Die mir in Hnden brennen,
widerwrtig Zu dem Gefhl, das mir erregt ist, stimmen, Und mir auf
Gottes weiter Welt zu nichts mehr, Lebt ich auch neunzig Jahre,
helfen knnen.

Grfin (steht gleichfalls auf).  Mein teures Frulein!  Eure
Dankbarkeit Fhrt Euch zu weit.  Ihr knnt, was Eurer ganzen Familie
angehrt, in einer flchtigen Bewegung nicht, die Euch ergriff,
veruern.  Nehmt meines Sohnes Vorschlag an und lat In Wetzlar die
Papiere untersuchen; Versichert Euch, Ihr werdet wert uns bleiben,
Man mag auch dort entscheiden, wie man wolle.

Kunigunde (mit Affekt).  Nun denn, der Anspruch war mein Eigentum!
Ich brauche keinen Vetter zu befragen, Und meinem Sohn vererb ich
einst mein Herz!  Die Herrn in Wetzlar mag ich nicht bemhn: Hier
diese rasche Brust entscheidet so!

(Sie zerreit die Papiere und lt sie fallen.)

Grfin.  Mein liebes, junges, unbesonnes Kind, Was habt Ihr da
getan?--Kommt her, Weils doch geschehen ist, da ich Euch ksse.

(Sie umarmt sie.)

Kunigunde.  Ich will da dem Gefhl, das mir entflammt, Im Busen ist,
nichts frder widerspreche!  Ich will, die Scheidewand soll
niedersinken, Die zwischen mir und meinem Retter steht!  Ich will
mein ganzes Leben ungestrt, Durchatmen, ihn zu preisen, ihn zu
lieben.

Grfin (gerhrt).  Gut, gut, mein Tchterchen.  Es ist schon gut, Ihr
seid zu sehr erschttert.

Der Graf vom Strahl.--Ich will wnschen, Da diese Tat Euch nie
gereuen mge.

(Pause.)

Kunigunde (trocknet sich die Augen).  Wann darf ich nun nach Thurneck
wiederkehren?

Grfin.  Gleich!  Wann Ihr wollt!  Mein Sohn selbst wird Euch fhren!

Kunigunde.  So seis--auf morgen denn!

Grfin.  Gut!  Ihr begehrt es.  Obschon ich gern Euch lnger bei mir
she.  Doch heut bei Tisch noch macht Ihr uns die Freude?

Kunigunde (verneigt sich).  Wenn ich mein Herz kann sammeln, wart ich
auf.  (Ab.)



Dreizehnter Auftritt

Grfin Helena.  Der Graf vom Strahl.


Der Graf vom Strahl.  So wahr, als ich ein Mann bin, die begehr ich
Zur Frau!

Grfin.  Nun, nun, nun, nun!

Der Graf vom Strahl.  Was, Nicht?  Du willst, da ich mir eine whlen
soll; Doch die nicht?  Diese nicht?  Die nicht?  Was willst du?

Grfin.  Ich sagte nicht, da sie mir ganz mifllt.

Der Graf vom Strahl.  Ich will auch nicht, da heut noch Hochzeit
sei--Sie ist vom Stamm der alten schsschen Kaiser.

Grfin.  Und der Silvesternachttraum spricht fr sie?  Nicht?  Meinst
du nicht?

Der Graf vom Strahl.  Was soll ichs bergen: ja!

Grfin.  La uns die Sach ein wenig berlegen.  (Ab.)




Dritter Akt

Szene: Gebirg und Wald.  Eine Einsiedelei.



Erster Auftritt

Theobald und Gottfried Friedeborn fhren das Kthchen von einem
Felsen herab.


Theobald.  Nimm dich in acht, mein liebes Kthchen; der Gebirgspfad,
siehst du, hat eine Spalte.  Setze deinen Fu hier auf diesen Stein,
der ein wenig mit Moos bewachsen ist; wenn ich wte, wo eine Rose
wre, so wollte ich es dir sagen.--So!

Gottfried.  Doch hast wohl Gott, Kthchen, nichts von der Reise
anvertraut, die du heut zu tun willens warst?--Ich glaubte, an dem
Kreuzweg, wo das Marienbild steht, wrden zwei Engel kommen,
Jnglinge, von hoher Gestalt, mit schneeweien Fittichen an den
Schultern, und sagen.  Ade, Theobald!  Ade, Gottfried!  Kehrt zurck,
von wo ihr gekommen seid; wir werden das Kthchen jetzt auf seinem
Wege zu Gott weiter fhren.--Doch es war nichts; wir muten dich ganz
bis ans Kloster herbringen.

Theobald.  Die Eichen sind so still, die auf den Bergen verstreut
sind: man hrt den Specht, der daran pickt.  Ich glaube, sie wissen,
da Kthchen angekommen ist, und lauschen auf das, was sie denkt.
Wenn ich mich doch in die Welt auflsen knnte, um es zu erfahren.
Harfenklang mu nicht lieblicher sein, als ihr Gefhl; es wrde
Israel hinweggelockt von David und seinen Zungen neue Psalter gelehrt
haben.--Mein liebes Kthchen?

Kthchen.  Mein lieber Vater!

Theobald.  Sprich ein Wort.

Kthchen.  Sind wir am Ziele?

Theobald.  Wir sinds.  Dort in jenem freundlichen Gebude, das mit
seinen Trmen zwischen die Felsen geklemmt ist, sind die stillen
Zellen der frommen Augustinermnche; und hier, der geheiligte Ort, wo
sie beten.

Kthchen.  Ich fhle mich matt.

Theobald.  Wir wollen uns setzen.  Komm, gib mir deine Hand, da ich
dich sttze.  Hier vor diesem Gitter ist eine Ruhebank, mit kurzem
und dichtem Gras bewachsen: schau her, das angenehmste Pltzchen, das
ich jemals sah.

(Sie setzen sich.)

Gottfried.  Wie befindest du dich?

Kthchen.  Sehr wohl.

Theobald.  Du scheinst doch bla, und deine Stirne ist voll Schwei?

(Pause.)

Gottfried.  Sonst warst du so rstig, konntest meilenweit wandern,
durch Wald und Feld, und brauchtest nichts, als einen Stein, und das
Bndel das du auf der Schulter trugst, zum Pfhl, um dich wieder
herzustellen; und heut bist du so erschpft, da es scheint, als ob
alle Betten, in welchen die Kaiserin ruht, dich nicht wieder auf die
Beine bringen wrden.

Theobald.  Willst du mit etwas erquickt sein.

Gottfried.  Soll ich gehen und dir einen Trunk Wasser schpfen?

Theobald.  Oder suchen wo dir eine Frucht blht?

Gottfried.  Sprich, mein liebes Kthchen!

Kthchen.  Ich danke dir, lieber Vater.

Theobald.  Du dankst uns.

Gottfried.  Du verschmhst alles.

Theobald.  Du begehrst nichts, als da ich ein Ende mache: hingehe
und dem Prior Hatto,--meinem alten Freund, sage: der alte Theobald
sei da, der sein einzig liebes Kind begraben wolle.

Kthchen.  Mein lieber Vater!

Theobald.  Nun gut.  Es soll geschehn.  Doch bevor wir die
entscheidenden Schritte tun, die nicht mehr zurck zu nehmen sind,
will ich dir noch etwas sagen.  Ich will dir sagen, was Gottfried und
mir eingefallen ist, auf dem Wege hierher, und was, wie uns scheint,
ins Werk zu richten notwendig ist, bevor wir den Prior in dieser
Sache sprechen.--Willst du es wissen?

Kthchen.  Rede!

Theobald.  Nun wohlan, so merk auf, und prfe dein Herz wohl!--Du
willst in das Kloster der Ursulinerinnen gehen, das tief im einsamen
kieferreichen Gebirge seinen Sitz hat.  Die Welt, der liebliche
Schauplatz des Lebens, reizt dich nicht mehr; Gottes Antlitz, in
Abgezogenheit und Frmmigkeit angeschaut, soll dir Vater, Hochzeit,
Kind, und der Ku kleiner blhender Enkel sein.

Kthchen.  Ja, mein lieber Vater.

Theobald (nach einer kurzen Pause).  Wie wrs, wenn du auf ein paar
Wochen, da die Witterung noch schn ist, zu dem Gemuer
zurckkehrtest, und dir die Sache ein wenig berlegtest?

Kthchen.  Wie?

Theobald.  Wenn du wieder hingingst, mein ich, nach der Strahlburg,
unter den Holunderstrauch, wo sich der Zeisig das Nest gebaut hat, am
Hang des Felsens, du weit, von wo das Schlo, im Sonnenstrahl
funkelnd, ber die Gauen des Landes herniederschaut?

Kthchen.  Nein, mein lieber Vater!

Theobald.  Warum nicht?

Kthchen.  Der Graf, mein Herr, hat es mir verboten.

Theobald.  Er hat es dir verboten.  Gut.  Und was er dir verboten hat,
das darfst du nicht tun.  Doch wie, wenn ich hinginge und ihn bte,
da er es erlaubte?

Kthchen.  Wie?  Was sagst du?

Theobald.  Wenn ich ihn ersuchte, dir das Pltzchen, wo dir so wohl
ist, zu gnnen, und mir die Freiheit wrde, dich daselbst mit dem,
was du zur Notdurft brauchst, freundlich auszustatten?

Kthchen.  Nein, mein lieber Vater.

Theobald.  Warum nicht?

Kthchen (beklemmt).  Das wrdest du nicht tun; und wenn du es ttest,
so wrde es der Graf nicht erlauben; und wenn der Graf es erlaubte,
so wrd ich doch von seiner Erlaubnis keinen Gebrauch machen.

Theobald.  Kthchen!  Mein liebes Kthchen!  Ich will es tun.  Ich
will mich so vor ihm niederlegen, wie ich es jetzt vor dir tue, und
sprechen: mein hoher Herr! erlaubt, da das Kthchen unter dem Himmel,
der ber Eure Burg gespannt ist, wohne; reitet Ihr aus, so vergnnt,
da sie Euch von fern, auf einen Pfeilschu, folge, und rumt ihr,
wenn die Nacht kmmt, ein Pltzchen auf dem Stroh ein, das Euren
stolzen Rossen untergeschttet wird.  Es ist besser, als da sie vor
Gram vergehe.

Kthchen (indem sie sich gleichfalls vor ihm niederlegt).  Gott im
hchsten Himmel; du vernichtest mich!  Du legst mir deine Worte
kreuzweis, wie Messer, in die Brust!  Ich will jetzt nicht mehr ins
Kloster gehen, nach Heilbronn will ich mit dir zurckkehren, ich will
den Grafen vergessen, und, wen du willst, heiraten; mt auch ein
Grab mir, von acht Ellen Tiefe, das Brautbett sein.

Theobald (der aufgestanden ist und sie aufhebt).  Bist du mir bs,
Kthchen?

Kthchen.  Nein, nein!  Was fllt dir ein?

Theobald.  Ich will dich ins Kloster bringen!

Kthchen.  Nimmer und nimmermehr!  Weder auf die Strahlburg, noch ins
Kloster!--Schaff mir nur jetzt, bei dem Prior, ein Nachtlager, da
ich mein Haupt niederlege, und mich erhole; mit Tagesanbruch, wenn es
sein kann gehen wir zurck.  (Sie weint.)

Gottfried.  Was hast du gemacht, Alter?

Theobald.  Ach!  Ich habe sie gekrnkt!

Gottfried (klingelt).  Prior Hatto ist zu Hause?

Pfrtner (ffnet).  Gelobt sei Jesus Christus!

Theobald.  In Ewigkeit, Amen!

Gottfried.  Vielleicht besinnt sie sich!

Theobald.  Komm, meine Tochter!  (Alle ab.)



Szene: Eine Herberge.

Zweiter Auftritt

Der Rheingraf vom Stein und Friedrich von Herrnstadt treten auf,
ihnen folgt: Jakob Pech, der Gastwirt.  Gefolge von Knechten.


Rheingraf (zu dem Gefolge).  Lat die Pferde absatteln!  Stellt
Wachen aus, auf dreihundert Schritt um die Herberge, und lat jeden
ein, niemand aus!  Fttert und bleibt in den Stllen, und zeigt euch,
so wenig es sein kann; wenn Eginhardt mit Kundschaft aus der Thurneck
zurckkommt, geh ich euch meine weitern Befehle.

(Das Gefolge ab.)

Wer wohnt hier?

Jakob Pech.  Halten zu Gnaden, ich und meine Frau, gestrenger Herr.

Rheingraf.  Und hier?

Jakob Pech.  Vieh.

Rheingraf.  Wie?

Jakob Pech.  Vieh.--Eine Sau mit ihrem Wurf, halten zu Gnaden; es ist
ein Schweinstall, von Latten drauen angebaut.

Rheingraf.  Gut.--Wer wohnt hier?

Jakob Pech.  Wo?

Rheingraf.  Hinter dieser dritten Tr?

Jakob Pech.  Niemand, halten zu Gnaden.

Rheingraf.  Niemand?

Jakob Pech.  Niemand gestrenger Herr, gewi und wahrhaftig.  Oder
vielmehr jedermann.  Es geht wieder aufs offne Feld hinaus.

Rheingraf.  Gut.--Wie heiest du?

Jakob Pech.  Jakob Pech.

Rheingraf.  Tritt ab, Jakob Pech.-(Der Gastwirt ab.)

Rheingraf.  Ich will mich hier, wie die Spinne, zusammen knueln, da
ich aussehe, wie ein Huflein argloser Staub; und wenn sie im Netz
sitzt, diese Kunigunde, ber sie herfahren--den Stachel der Rache
tief eindrcken in ihre treulose Brust: tten, tten, tten, und ihr
Gerippe, als das Monument einer Erzbuhlerin, in dem Geblke der
Steinburg aufbewahren!

Friedrich.  Ruhig, ruhig Albrecht!  Eginhardt, den du nach Thurneck
gesandt hast, ist noch, mit der Besttigung dessen, was du argwohnst,
nicht zurck.

Rheingraf.  Da hast du recht, Freund; Eginhardt ist noch nicht zurck.
Zwar in dem Zettel, den mir die Bbin schrieb, steht: ihre
Empfehlung voran; es sei nicht ntig, da ich mich frder um sie
bemhe; Stauffen sei ihr von dem Grafen vom Strahl, auf dem Wege
freundlicher Vermittlung, abgetreten.  Bei meiner unsterblichen Seele,
hat dies irgend einen Zusammenhang, der rechtschaffen ist: so will
ich es hinunterschlucken, und die Kriegsrstung, die ich fr sie
gemacht, wieder auseinander gehen lassen.  Doch wenn Eginhardt kommt
und mir sagt, was mir das Gerchte schon gesteckt, da sie ihm mit
ihrer Hand verlobt ist: so will ich meine Artigkeit, wie ein
Taschenmesser, zusammenlegen, und ihr die Kriegskosten wieder abjagen:
mt ich sie umkehren, und ihr den Betrag hellerweise aus den
Taschen herausschtteln.



Dritter Auftritt

Eginhardt von der Wart tritt auf.  Die Vorigen.


Rheingraf.  Nun, Freund, alle Gre treuer Brderschaft ber dich!
--Wie stehts auf dem Schlosse zu Thurneck?

Eginhardt.  Freunde, es ist alles, wie der Ruf uns erzhlt!  Sie
gehen mit vollen Segeln auf dem Ozean der Liebe, und ehe der Mond
sich erneut, sind sie in den Hafen der Ehe eingelaufen.

Rheingraf.  Der Blitz soll ihre Masten zersplittern, ehe sie ihn
erreichen!

Friedrich.  Sie sind miteinander verlobt?

Eginhardt.  Mit drren Worten, glaub ich, nein; doch wenn Blicke
reden, Mienen schreiben und Hndedrcke siegeln knnen, so sind die
Ehepakten fertig.

Rheingraf.  Wie ist es mit der Schenkung von Stauffen zugegangen?
Das erzhle!

Friedrich.  Wann machte er ihr das Geschenk?

Eginhardt.  Ei!  Vorgestern, am Morgen ihres Geburtstags, da die
Vettern ihr ein glnzendes Fest in der Thurneck bereitet hatten.  Die
Sonne schien kaum rtlich auf ihr Lager: da findet sie das Dokument
schon auf der Decke liegen; das Dokument, versteht mich, in ein
Briefchen des verliebten Grafen eingewickelt, mit der Versicherung,
da es ihr Brautgeschenk sei, wenn sie sich entschlieen knne, ihm
ihre Hand zu geben.

Rheingraf.  Sie nahm es?  Natrlich!  Sie stellte sich vor den
Spiegel, knixte, und nahm es?

Eginhardt.  Das Dokument?  Allerdings.

Friedrich.  Aber die Hand, die dagegen gefordert ward?

Eginhardt.  O die verweigerte sie nicht.

Friedrich.  Was!  Nicht?

Eginhardt.  Nein.  Gott behte!  Wann htte sie je einem Freier ihre
Hand verweigert?

Rheingraf.  Aber sie hlt, wenn die Glocke geht, nicht Wort?

Eginhardt.  Danach habt Ihr mich nicht gefragt.

Rheingraf.  Wie beantwortete sie den Brief?

Eginhardt.  Sie sei so gerhrt, da ihre Augen, wie zwei Quellen,
niedertrufelten, und ihre Schrift ertrnkten;--die Sprache, an die
sie sich wenden msse, ihr Gefhl auszudrcken, sei ein Bettler.--Er
habe, auch ohne dieses Opfer, ein ewiges Recht an ihre Dankbarkeit,
und es sei, wie mit einem Diamanten, in ihre Brust geschrieben;--kurz,
einen Brief voll doppelsinniger Fratzen, der, wie der Schillertaft,
zwei Farben spielt, und weder ja sagt, noch nein.

Rheingraf.  Nun, Freunde; ihre Zauberei geht, mit diesem Kunststck
zu Grabe!  Mich betrog sie, und keinen mehr; die Reihe derer, die sie
am Narrenseil gefhrt hat, schliet mit mir ab.--Wo sind die beiden
reitenden Boten?

Friedrich (in die Tr rufend).  He!



Vierter Auftritt

Zwei Boten treten auf.  Die Vorigen.


Rheingraf (nimmt zwei Briefe aus dem Kollett).  Diese beiden Briefe
nehmt ihr--diesen du, diesen du; und tragt sie--diesen hier du an den
Dominikanerprior Hatto, verstehst du?  Ich wrd Glock sieben gegen
Abend kommen, und Absolution in seinem Kloster empfangen.  Diesen
hier du an Peter Quanz, Haushofmeister in der Burg zu Thurneck;
Schlag zwlf um Mitternacht stnd ich mit meinem Kriegshaufen vor dem
Schlo, und brche ein.  Du gehst nicht eher in die Burg, du, bis es
finster ist, und lssest dich vor keinem Menschen sehen; verstehst du
mich?--Du brauchst das Tageslicht nicht zu scheuen.--Habt ihr mich
verstanden?

Die Boten.  Gut.

Rheingraf (nimmt ihnen die Briefe wieder aus der Hand).  Die Briefe
sind doch nicht verwechselt?

Friedrich.  Nein, nein.

Rheingraf.  Nicht?--Himmel und Erde!

Eginhardt.  Was gibts?

Rheingraf.  Wer versiegelte sie?

Friedrich.  Die Briefe?

Rheingraf.  Ja!

Friedrich.  Tod und Verderben!  Du versiegeltest sie selbst!

Rheingraf (gibt den Boten die Briefe wieder).  Ganz recht! hier,
nehmt!  Auf der Mhle, beim Sturzbach, werd ich euch erwarten!--Kommt
meine Freunde!

(Alle ab.)



Fnfter Auftritt

Szene: Thurneck.  Ein Zimmer in der Burg.

Der Graf vom Strahl sitzt gedankenvoll an einem Tisch, auf welchem
zwei Lichter stehen.  Er hlt eine Laute in der Hand, und tut einige
Griffe darauf.  Im Hintergrunde, bei seinen Kleidern und Waffen
beschftigt, Gottschalk.


Stimme (von auen).  Macht auf!  Macht auf!  Macht auf!

Gottschalk.  Holla!--Wer ruft?

Stimme.  Ich, Gottschalk, bins; ich bins, du lieber Gottschalk!

Gottschalk.  Wer?

Stimme.  Ich!

Gottschalk.  Du?

Stimme.  Ja!

Gottschalk.  Wer?

Stimme.  Ich!

Der Graf vom Strahl (legt die Laute weg).  Die Stimme kenn ich!

Gottschalk.  Mein Seel!  Ich hab sie auch schon wo gehrt.

Stimme.  Herr Graf vom Strahl!  Macht auf!  Herr Graf vom Strahl!

Der Graf vom Strahl.  Bei Gott!  Das ist-Gottschalk.  Das ist, so
wahr ich lebe-Stimme.  Das Kthchen ists!  Wer sonst!  Das Kthchen
Das kleine Kthchen von Heilbronn!

Der Graf vom Strahl (steht auf).  Wie?  Was? zum Teufel!

Gottschalk (legt alles aus der Hand).  Du, Mdel?  Was?  O
Herzensmdel!  Du?

(Er ffnet die Tr.)

Der Graf vom Strahl.  Ward, seit die Welt steht, so etwas--?

Kthchen (indem sie eintritt).  Ich bins.

Gottschalk.  Schaut her, bei Gott!  Schaut her, sie ist es selbst!



Sechster Auftritt

Das Kthchen mit einem Brief.  Die Vorigen.


Der Graf vom Strahl.  Schmei sie hinaus.  Ich will nichts von ihr
wissen.

Gottschalk.  Was!  Hrt ich recht--?

Kthchen.  Wo ist der Graf vom Strahl?

Der Graf vom Strahl.  Schmei sie hinaus!  Ich will nichts von ihr
wissen!

Gottschalk (nimmt sie bei der Hand).  Wie, gndiger Herr, vergnnt--!

Kthchen (reicht ihm den Brief).  Hier! nehmt, Herr Graf!

Der Graf vom Strahl (sich pltzlich zu ihr wendend).  Was willst du
hier?  Was hast du hier zu suchen?

Kthchen (erschrocken).  Nichts!--Gott behte!  Diesen Brief hier
bitt ich-Der Graf vom Strahl.  Ich will ihn nicht!--Was ist dies fr
ein Brief?  Wo kommt er her?  Und was enthlt er mir?

Kthchen.  Der Brief hier ist-Der Graf vom Strahl.  Ich will davon
nichts wissen!  Fort!  Gib ihn unten in dem Vorsaal ab.

Kthchen.  Mein hoher Herr!  Lat bitt ich, Euch bedeuten-Der Graf
vom Strahl (wild).  Die Dirne, die landstreichend unverschmte!  Ich
will nichts von ihr wissen!  Hinweg, sag ich!  Zurck nach Heilbronn,
wo du hingehrst!

Kthchen.  Herr meines Lebens!  Gleich verla ich Euch!  Den Brief
nur hier, der Euch sehr wichtig ist, Erniedrigt Euch, von meiner Hand
zu nehmen.

Der Graf vom Strahl.  Ich aber will ihn nicht!  Ich mag ihn nicht!
Fort!  Augenblicks!  Hinweg!

Kthchen.  Mein hoher Herr!

Der Graf vom Strahl (wendet sich).  Die Peitsche her!  An welchem
Nagel hngt sie?  Ich will doch sehn, ob ich, vor losen Mdchen, In
meinem Haus nicht Ruh mir kann verschaffen.

(Er nimmt die Peitsche von der Wand.)

Gottschalk.  O gndger Herr!  Was macht Ihr?  Was beginnt Ihr?  Warum
auch wollt Ihr, den nicht sie verfat, Den Brief, nicht freundlich
aus der Hand ihr nehmen?

Der Graf vom Strahl.  Schweig, alter Esel, du, sag ich.

Kthchen (zu Gottschalk).  La, la!

Der Graf vom Strahl.  In Thurneck bin ich hier, wei, was ich tue;
Ich will den Brief aus ihrer Hand nicht nehmen! - Willst du jetzt
gehn?

Kthchen (rasch).  Ja, mein verehrter Herr!

Der Graf vom Strahl.  Wohlan!

Gottschalk (halblaut zu Kthchen da sie zittert).

Sei ruhig.  Frchte nichts.

Der Graf vom Strahl.  So fern dich!--Am Eingang steht ein Knecht, dem
gib den Brief, Und kehr des Weges heim, von wo du kamst.

Kthchen.  Gut, gut.  Du wirst mich dir gehorsam finden.  Peitsch
mich nur nicht, bis ich mit Gottschalk sprach.--(Sie kehrt sich zu
Gottschalk um.)  Nimm du den Brief.

Gottschalk.  Gib her, mein liebes Kind.  Was ist dies fr ein Brief?
Und was enthlt er?

Kthchen.  Der Brief hier ist vom Graf vom Stein, verstehst du?  Ein
Anschlag, der noch heut vollfhrt soll werden, Auf Thurneck, diese
Burg, darin enthalten, Und auf das schne Frulein Kunigunde, Des
Grafen, meines hohen Herren, Braut.

Gottschalk.  Ein Anschlag auf die Burg?  Es ist nicht mglich!  Und
vom Graf Stein?--Wie kamst du zu dem Brief?

Kthchen.  Der Brief ward Prior Hatto bergeben, Als ich mit Vater
just, durch Gottes Fgung, In dessen stiller Klause mich befand.  Der
Prior, der verstand den Inhalt nicht, Und wollt ihn schon dem Boten
wiedergeben; Ich aber ri den Brief ihm aus der Hand, Und eilte
gleich nach Thurneck her, euch alles Zu melden, in die Harnische zu
jagen; Denn heut, Schlag zwlf um Mitternacht, soll schon Der
mrderische Frevel sich vollstrecken.

Gottschalk.  Wie kam der Prior Hatto zu dem Brief?

Kthchen.  Lieber, das wei ich nicht; es ist gleichviel.  Er ist, du
siehst, an irgend wen geschrieben, Der hier im Schlo zu Thurneck
wohnhaft ist; Was er dem Prior soll, begreift man nicht.  Doch da es
mit dem Anschlag richtig ist, Das hab ich selbst gesehn; denn kurz
und gut, Der Graf zieht auf die Thurneck schon heran: Ich bin ihm,
auf dem Pfad hieher, begegnet.

Gottschalk.  Du siehst Gespenster, Tchterchen!

Kthchen.  Gespenster!--Ich sage, nein!  So wahr ich Kthchen bin!
Der Graf liegt drauen vor der Burg, und wer Ein Pferd besteigen will,
und um sich schauen, Der kann den ganzen weiten Wald ringsum Erfllt
von seinen Reisigen erblicken!

Gottschalk. - Nehmt doch den Brief, Herr Graf, und seht selbst zu.
Ich wei nicht, was ich davon denken soll.

Der Graf vom Strahl (legt die Peitsche weg, nimmt den Brief und
entfaltet ihn).  "Um zwlf Uhr, wenn das Glckchen schlgt, bin ich
Vor Thurneck.  La die Tore offen sein.  Sobald die Flamme zuckt,
zieh ich hinein.  Auf niemand mnz ich es, als Kunigunden, Und ihren
Brutigam, den Graf vom Strahl: Tu mir zu wissen, Alter, wo sie
wohnen."

Gottschalk.  Ein Hllenfrevel!--Und die Unterschrift?

Der Graf vom Strahl.  Das sind drei Kreuze.

(Pause.)  Wie stark fandst du den Kriegstro, Katharina?

Kthchen.  Auf sechzig Mann, mein hoher Herr, bis siebzig.

Der Graf vom Strahl.  Sahst du ihn selbst den Graf vom Stein?

Kthchen.  Ihn nicht.

Der Graf vom Strahl.  Wer fhrte seine Mannschaft an?

Kthchen.  Zwei Ritter, Mein hochverehrter Herr, die ich nicht kannte.

Der Graf vom Strahl.  Und jetzt, sagst du, sie lgen vor der Burg?

Kthchen.  Ja, mein verehrter Herr.

Der Graf vom Strahl.  Wie weit von hier?

Kthchen.  Auf ein dreitausend Schritt, verstreut im Walde.

Der Graf vom Strahl.  Rechts, auf der Strae?

Kthchen.  Links, im Fhrengrunde, Wo berm Sturzbach sich die Brcke
baut.

(Pause.)

Gottschalk.  Ein Anschlag, greuelhaft, und unerhrt!

Der Graf vom Strahl (steckt den Brief ein).  Ruf mir sogleich die
Herrn von Thurneck her! - Wie hoch ists an der Zeit?

Gottschalk.  Glock halb auf zwlf.

Der Graf vom Strahl.  So ist kein Augenblick mehr zu verlieren.

(Er setzt sich den Helm auf.)

Gottschalk.  Gleich, gleich; ich gehe schon!--Komm, liebes Kthchen,
Da ich dir das erschpfte Herz erquicke!--Wie groen Dank, bei Gott,
sind wir dir schuldig?  So in der Nacht, durch Wald und Feld und
Tal-Der Graf vom Strahl.  Hast du mir sonst noch, Jungfrau, was zu
sagen?

Kthchen.  Nein, mein verehrter Herr.

Der Graf vom Strahl.--Was suchst du da?

Kthchen (sich in den Busen fassend).  Den Einschlag, der vielleicht
dir wichtig ist.  Ich glaub, ich hab--?  Ich glaub, er ist--?

(Sie sieht sich um.)

Der Graf vom Strahl.  Der Einschlag?

Kthchen.  Nein, hier.

(Sie nimmt das Kuvert und gibt es dem Grafen.)

Der Graf vom Strahl.  Gib her!  (Er betrachtet das Papier.)

Dein Antlitz speit ja Flammen!--Du nimmst dir gleich ein Tuch um,
Katharina, Und trinkst nicht ehr, bis du dich abgekhlt. - Du aber
hast keins?

Kthchen.  Nein-Der Graf vom Strahl (macht sich die Schrpe
los--wendet sich pltzlich, und wirft sie auf den Tisch.)

So nimm die Schrze.

(Nimmt die Handschuh und zieht sie sich an.)  Wenn du zum Vater wieder
heim willst kehren, Werd ich, wie sichs von selbst versteht--(Er hlt
inne.)

Kthchen.  Was wirst du?

Der Graf vom Strahl (erblickt die Peitsche).  Was macht die Peitsche
hier?

Gottschalk.  Ihr selbst ja nahmt sie!

Der Graf vom Strahl (ergrimmt).  Hab ich hier Hunde, die zu schmeien
sind?

(Er wirft die Peitsche, da die Scherben niederklirren, durchs
Fenster;

hierauf zu Kthchen:) Pferd dir, mein liebes Kind, und Wagen geben,
Die sicher nach Heilbronn dich heimgeleiten.--Wann denkst du heim?

Kthchen (zitternd).  Gleich, mein verehrter Herr.

Der Graf vom Strahl (streichelt ihre Wangen).  Gleich nicht!  Du
kannst im Wirtshaus bernachten.

(Er weint.)  - Was glotzt er da?  Geh, nimm die Scherben auf!

(Gottschalk hebt die Scherben auf.  Er nimmt die Schrpe vom Tisch,
und gibt sie Kthchen.)

Da!  Wenn du dich gekhlt, gib mir sie wieder.

Kthchen (sie will seine Hand kssen).  Mein hoher Herr!

Der Graf vom Strahl (wendet sich von ihr ab).  Leb wohl!  Leb wohl!
Leb wohl!

(Getmmel und Glockenklang drauen.)

Gottschalk.  Gott, der Allmchtige!

Kthchen.  Was ist?  Was gibts?

Gottschalk.  Ist das nicht Sturm?

Kthchen.  Sturm?

Der Graf vom Strahl.  Auf!  Ihr Herrn von Thurneck!  Der Rheingraf,
beim Lebendgen, ist schon da!

(Alle ab.)



Szene: Platz vor dem Schlo.  Es ist Nacht.  Das Schlo brennt.
Sturmgelute.

Siebenter Auftritt

Ein Nachtwchter (tritt auf und stt ins Horn).  Feuer!  Feuer!
Feuer!  Erwacht ihr Mnner von Thurneck, ihr Weiber und Kinder des
Fleckens erwacht!  Werft den Schlaf nieder, der, wie ein Riese, ber
euch liegt; besinnt euch, ersteht und erwacht!  Feuer!  Der Frevel
zog auf Socken durchs Tor!  Der Mord steht, mit Pfeil und Bogen,
mitten unter euch, und die Verheerung, um ihm zu leuchten, schlgt
ihre Fackel an alle Ecken der Burg!  Feuer!  Feuer!  O da ich eine
Lunge von Erz und ein Wort htte, das sich mehr schreien liee, als
dies: Feuer!  Feuer!  Feuer!



Achter Auftritt

Der Graf vom Strahl.  Die drei Herren von Thurneck.  Gefolge.  Der
Nachtwchter.


Der Graf vom Strahl.  Himmel und Erde!  Wer steckte das Schlo in
Brand?--Gottschalk!

Gottschalk (auerhalb der Szene).  He!

Der Graf vom Strahl.  Mein Schild, meine Lanze!

Ritter von Thurneck.  Was ist geschehn?

Der Graf vom Strahl.  Fragt nicht, nehmt was hier steht, fliegt auf
die Wlle, kmpft und schlagt um euch, wie angeschossene Eber!

Ritter von Thurneck.  Der Rheingraf ist vor den Toren?

Der Graf vom Strahl.  Vor den Toren, ihr Herrn, und ehe ihr den
Riegel vorschiebt, drin: Verrterei, im Innern des Schlosses, hat sie
ihm geffnet!

Ritter von Thurneck.  Der Mordanschlag, der unerhrte!--Auf!  (Ab mit
Gefolge.)

Der Graf vom Strahl.  Gottschalk!

Gottschalk (auerhalb).  He!

Der Graf vom Strahl.  Mein Schwert!  Mein Schild! meine Lanze.



Neunter Auftritt

Das Kthchen tritt auf.  Die Vorigen.


Kthchen (mit Schwert, Schild und Lanze).  Hier!

Der Graf vom Strahl (indem er das Schwert nimmt und es sich umgrtet).
Was willst du?

Kthchen.  Ich bringe dir die Waffen.

Der Graf vom Strahl.  Dich rief ich nicht!

Kthchen.  Gottschalk rettet.

Der Graf vom Strahl.  Warum schickt er den Buben nicht?--Du dringst
dich schon wieder auf?

(Der Nachtwchter stt wieder ins Horn.)



Zehnter Auftritt

Ritter Flammberg mit Reisigen.  Die Vorigen.


Flammberg.  Ei, so blase du, da dir die Wangen bersten!  Fische und
Maulwrfe wissen, da Feuer ist, was braucht es deines
gotteslsterlichen Gesangs, um es uns zu verkndigen?

Der Graf vom Strahl.  Wer da?

Flammberg.  Strahlburgische!

Der Graf vom Strahl.  Flammberg?

Flammberg.  Er selbst!

Der Graf vom Strahl.  Tritt heran!--Verweil hier, bis wir erfahren,
wo der Kampf tobt!



Eilfter Auftritt

Die Tanten von Thurneck treten auf.  Die Vorigen.


Erste Tante.  Gott helf uns!

Der Graf vom Strahl.  Ruhig, ruhig.

Zweite Tante.  Wir sind verloren!  Wir sind gespiet.

Der Graf vom Strahl.  Wo ist Frulein Kunigunde, eure Nichte?

Erste Tante.  Das Frulein, unsre Nichte?

Kunigunde (im Schlo).  Helft!  Ihr Menschen!  Helft!

Der Graf vom Strahl.  Gott im Himmel!  War das nicht ihre Stimme?
(Er gibt Schild und Lanze an Kthchen.)

Erste Tante.  Sie rief!--Eilt, eilt!

Zweite Tante.  Dort erscheint sie im Portal!

Erste Tante.  Geschwind!  Um aller Heiligen!  Sie wankt, sie fllt!

Zweite Tante.  Eilt sie zu untersttzen!



Zwlfter Auftritt

Kunigunde von Thurneck.  Die Vorigen.


Der Graf vom Strahl (empfngt sie in seinen Armen).  Meine Kunigunde!

Kunigunde (schwach).  Das Bild, das Ihr mir jngst geschenkt, Graf
Friedrich!  Das Bild mit dem Futtral!

Der Graf vom Strahl.  Was solls?  Wo ists?

Kunigunde.  Im Feu'r!  Weh mir!  Helft!  Rettet!  Es verbrennt.

Der Graf vom Strahl.  Lat, lat!  Habt Ihr mich selbst nicht,
Teuerste?

Kunigunde.  Das Bild mit dem Futtral, Herr Graf vom Strahl!  Das Bild
mit dem Futtral!

Kthchen (tritt vor).  Wo liegts, wo stehts?

(Sie gibt Schild und Lanze an Flammberg.)

Kunigunde.  Im Schreibtisch!  Hier, mein Goldkind, ist der Schlssel!

(Kthchen geht.)

Der Graf vom Strahl.  Hr, Kthchen!

Kunigunde.  Eile!

Der Graf vom Strahl.  Hr, mein Kind!

Kunigunde.  Hinweg!  Warum auch stellt Ihr wehrend Euch--?

Der Graf vom Strahl.  Mein Frulein, Ich will zehn andre Bilder Euch
statt dessen-Kunigunde (unterbricht ihn).  Dies brauch ich, dies;
sonst keins!--Was es mir gilt, Ist hier der Ort jetzt nicht, Euch zu
erklren.--Geh, Mdchen geh, schaff Bild mir und Futtral: Mit einem
Diamanten lohn ichs dir!

Der Graf vom Strahl.  Wohlan, so schaffs!  Es ist der Trin recht!
Was hatte sie an diesem Ort zu suchen?

Kthchen.  Das Zimmer--rechts?

Kunigunde.  Links, Liebchen; eine Treppe, Dort, wo der Altan, schau,
den Eingang ziert!

Kthchen.  Im Mittelzimmer?

Kunigunde.  In dem Mittelzimmer!  Du fehlst nicht, lauf; denn die
Gefahr ist dringend!

Kthchen.  Auf!  Auf!  Mit Gott!  Mit Gott!  Ich bring es Euch!  (Ab.)



Dreizehnter Auftritt

Die Vorigen, ohne Kthchen.


Der Graf vom Strahl.  Ihr Leut, hier ist ein Beutel Gold fr den, Der
in das Haus ihr folgt!

Kunigunde.  Warum?  Weshalb?

Der Graf vom Strahl.  Veit Schmidt!  Hans, du!  Karl Bttiger!  Fritz
Tpfer!  Ist niemand unter euch?

Kunigunde.  Was fllt Euch ein?

Der Graf vom Strahl.  Mein Frulein, in der Tat, ich mu
gestehn-Kunigunde.  Welch ein besondrer Eifer glht Euch an?--Was ist
dies fr ein Kind?

Der Graf vom Strahl.--Es ist die Jungfrau, Die heut mit so viel Eifer
uns gedient.

Kunigunde.  Bei Gott, und wenns des Kaisers Tochter wre! - Was
frchtet Ihr?  Das Haus, wenn es gleich brennt, Steht, wie ein Fels,
auf dem Geblke noch; Sie wird, auf diesem Gang, nicht gleich
verderben.  Die Treppe war noch unberhrt vom Strahl; Rauch ist das
einzge bel, das sie findet.

Kthchen (erscheint in einem brennenden Fenster) Mein Frulein!  He!
Hilf Gott!  Der Rauch erstickt mich! - Es ist der rechte Schlssel
nicht.

Der Graf vom Strahl (zu Kunigunden).  Tod und Teufel!  Warum regiert
Ihr Eure Hand nicht besser?

Kunigunde.  Der rechte Schlssel nicht?

Kthchen (mit schwacher Stimme).  Hilf Gott!  Hilf Gott!

Der Graf vom Strahl.  Komm herab, mein Kind!

Kunigunde.  Lat, lat!

Der Graf vom Strahl.  Komm herab, sag ich!  Was sollst du ohne
Schlssel dort?  Komm herab!

Kunigunde.  Lat einen Augenblick--!

Der Graf vom Strahl.  Wie?  Was, zum Teufel!

Kunigunde.  Der Schlssel, liebes Herzens-Tchterchen, Hngt, jetzt
erinnr' ich michs, am Stift des Spiegels, Der berm Putztisch
glnzend eingefugt!

Kthchen.  Am Spiegelstift?

Der Graf vom Strahl.  Beim Gott der Welt!  Ich wollte, Er htte nie
gelebt, der mich gezeichnet, Und er, der mich gemacht hat, obenein! -
So such!

Kunigunde.  Mein Augenlicht!  Am Putztisch, hrst du?

Kthchen (indem sie das Fenster verlt).  Wo ist der Putztisch?
Voller Rauch ist alles.

Der Graf vom Strahl.  Such!

Kunigunde.  An der Wand rechts.

Kthchen (unsichtbar).  Rechts?

Der Graf vom Strahl.  Such, sag ich!

Kthchen (schwach).  Hilf Gott!  Hilf Gott!  Hilf Gott!

Der Graf vom Strahl.  Ich sage, such!--Verflucht die hndische
Dienstfertigkeit!

Flammberg.  Wenn sie nicht eilt: das Haus strzt gleich zusammen!

Der Graf vom Strahl.  Schafft eine Leiter her!

Kunigunde.  Wie, mein Geliebter?

Der Graf vom Strahl.  Schafft eine Leiter her!  Ich will hinauf.

Kunigunde.  Mein teurer Freund!  Ihr selber wollt--?

Der Graf vom Strahl.  Ich bitte!  Rumt mir den Platz!  Ich will das
Bild Euch schaffen

Kunigunde.  Harrt einen Augenblick noch, ich beschwr Euch.  Sie
bringt es gleich herab.

Der Graf vom Strahl.  Ich sage, lat mich!--Putztisch und Spiegel ist,
und Nagelstift, Ihr unbekannt, mir nicht; ich finds heraus, Das Bild
von Kreid und l auf Leinewand, Und brings Euch her, nach Eures
Herzens Wunsch.

(Vier Knechte bringen eine Feuerleiter.)

- Hier!  Legt die Leiter an!

Erster Knecht (vorn, indem er sich umsieht).  Holla!  Da hinten!

Ein anderer (zum Grafen).  Wo?

Der Graf vom Strahl.  Wo das Fenster offen ist.

Die Knechte (heben die Leiter auf).  Oha!

Der erste (vorn).  Blitz!  Bleibt zurck, ihr hinten da!  Was macht
ihr?  Die Leiter ist zu lang!

Die anderen (hinten).  Das Fenster ein!  Das Kreuz des Fensters
eingestoen!  So!

Flammberg (der mit geholfen).  Jetzt steht die Leiter fest und rhrt
sich nicht!

Der Graf vom Strahl (wirft sein Schwert weg). - Wohlan denn!

Kunigunde.  Mein Geliebter!  Hrt mich an!

Der Graf vom Strahl.  Ich bin gleich wieder da!

(Er setzt einen Fu auf die Leiter.)

Flammberg (aufschreiend).  Halt!  Gott im Himmel!

Kunigunde (eilt erschreckt von der Leiter weg).  Was gibts?

Die Knechte.  Das Haus sinkt!  Fort zurcke!

Alle.  Heiland der Welt!  Da liegts in Schutt und Trmmern!

(Das Haus sinkt zusammen, der Graf wendet sich, und drckt beide
Hnde vor die Stirne; alles, was auf der Bhne ist, weicht zurck und
wendet sich gleichfalls ab.--Pause.)



Vierzehnter Auftritt

Kthchen tritt rasch, mit einer Papierrolle, durch ein groes Portal,
das stehen geblieben ist, auf; hinter ihr ein Cherub in der Gestalt
eines Jnglings, von Licht umflossen, blondlockig, Fittiche an den
Schultern und einen Palmzweig in der Hand.


Kthchen (so wie sie aus dem Portal ist, kehrt sie sich, und strzt
vor ihm nieder).  Schirmt mich, ihr Himmlischen!  Was widerfhrt mir?

Der Cherub (berhrt ihr Haupt mit der Spitze des Palmenzweigs, und
verschwindet).

(Pause.)



Fnfzehnter Auftritt

Die Vorigen ohne den Cherub.


Kunigunde (sieht sich zuerst um).  Nun, beim lebendgen Gott, ich
glaub, ich trume!--Mein Freund!  Schaut her!

Der Graf vom Strahl (vernichtet).  Flammberg!

(Er sttzt sich auf seine Schulter.)

Kunigunde.  Ihr Vettern!  Tanten!  Herr Graf! so hrt doch an!

Der Graf vom Strahl (schiebt sie von sich).  Geht, geht!--Ich bitt
Euch!

Kunigunde.  Ihr Toren!  Seid ihr Sulen Salz geworden?  Gelst ist
alles glcklich.

Der Graf vom Strahl (mit abgewandtem Gesicht).  Trostlos mir!  Die
Erd hat nichts mehr Schnes.  Lat mich sein.

Flammberg (zu den Knechten).  Rasch, Brder, rasch!

Ein Knecht.  Herbei, mit Harken, Spaten!

Ein anderer.  Lat uns den Schutt durchsuchen, ob sie lebt!

Kunigunde (scharf).  Die alten, brtgen Gecken, die! das Mdchen, Das
sie verbrannt zur Feuersasche glauben, Frisch und gesund am Boden
liegt sie da, Die Schrze kichernd vor dem Mund, und lacht!

Der Graf vom Strahl (wendet sich).  Wo?

Kunigunde.  Hier!

Flammberg.  Nein, sprecht!  Es ist nicht mglich.

Die Tanten.  Das Mdchen wr--?

Alle.  O Himmel!  Schaut!  Da liegt sie.

Der Graf vom Strahl (tritt zu ihr und betrachtet sie).  Nun ber dich
schwebt Gott mit seinen Scharen!

(Er erhebt sie vom Boden.)  Wo kommst du her?

Kthchen.  Wei nit, mein hoher Herr.

Der Graf vom Strahl.  Hier stand ein Haus, dnkt mich, und du warst
drin. - Nicht?  Wars nicht so?

Flammberg.--Wo warst du als es sank?

Kthchen.  Wei nit, ihr Herren, was mir widerfahren.

(Pause.)

Der Graf vom Strahl.  Und hat noch obenein das Bild.

(Er nimmt ihr die Rolle aus der Hand.)

Kunigunde (reit sie an sich).  Wo?

Der Graf vom Strahl.  Hier.

Kunigunde (erblat).

Der Graf vom Strahl.  Nicht?  Ists das Bild nicht?--Freilich!

Die Tanten.  Wunderbar!

Flammberg.  Wer gab dir es?  Sag an!

Kunigunde (indem sie ihr mit der Rolle einen Streich auf die Backen
gibt).

Die dumme Trine!  Hatt ich ihr nicht gesagt, das Futteral?

Der Graf vom Strahl Nun, beim gerechten Gott, das mu ich sagen - Ihr
wolltet das Futtral?

Kunigunde.  Ja und nichts anders!  Ihr hattet Euren Namen drauf
geschrieben; Er war mir wert, ich hatts ihr eingeprgt.

Der Graf vom Strahl.  Wahrhaftig, wenn es sonst nichts war-Kunigunde.
So? meint Ihr?  Das kommt zu prfen mir zu und nicht Euch.

Der Graf vom Strahl.  Mein Frulein, Eure Gte macht mich stumm.

Kunigunde (zu Kthchen).  Warum nahmst dus heraus, aus dem Futteral?

Der Graf vom Strahl.  Warum nahmst dus heraus, mein Kind?

Kthchen.  Das Bild?

Der Graf vom Strahl.  Ja!

Kthchen.  Ich nahm es nicht heraus, mein hoher Herr.  Das Bild, halb
aufgerollt, im Schreibtischwinkel, Den ich erschlo, lag neben dem
Futtral.

Kunigunde.  Fort!--das Gesicht der ffin!

Der Graf vom Strahl.  Kunigunde!-Kthchen.  Htt ichs hinein erst
wieder ordentlich In das Futtral--?

Der Graf vom Strahl.  Nein, nein, mein liebes Kthchen!  Ich lobe
dich, du hast es recht gemacht.  Wie konntest du den Wert der Pappe
kennen?

Kunigunde.  Ein Satan leitet' ihr die Hand!

Der Graf vom Strahl.  Sei ruhig!--Das Frulein meint es nicht so bs.
--Tritt ab.

Kthchen.  Wenn du mich nur nicht schlgst, mein hoher Herr!

(Sie geht zu Flammberg und mischt sich im Hintergrund unter die
Knechte.)



Sechzehnter Auftritt

Die Herren von Thurneck.  Die Vorigen.


Ritter von Thurneck.  Triumph, ihr Herrn!  Der Sturm ist abgeschlagen!
Der Rheingraf zieht mit blutgem Schdel heim!

Flammberg.  Was!  Ist er fort?

Volk.  Heil, Heil!

Der Graf vom Strahl.  Zu Pferd, zu Pferd!  Lat uns den Sturzbach
ungesumt erreichen, So schneiden wir die ganze Rotte ab!

(Alle ab.)




Vierter Akt

Szene: Gegend im Gebirg, mit Wasserfllen und einer Brcke.



Erster Auftritt

Der Rheingraf vom Stein, zu Pferd, zieht mit einem Tro Fuvolk ber
die Brcke.  Ihnen folgt der Graf vom Strahl zu Pferd; bald darauf
Ritter Flammberg mit Knechten und Reisigen zu Fu.  Zuletzt
Gottschalk gleichfalls zu Pferd, neben ihm das Kthchen.


Rheingraf (zu dem Tro).  ber die Brcke, Kinder, ber die Brcke!
Dieser Wetter vom Strahl kracht, wie vom Sturmwind getragen, hinter
uns drein; wir mssen die Brcke abwerfen, oder wir sind alle
verloren!  (Er reitet ber die Brcke.)

Knechte des Rheingrafen (folgen ihm).  Reit die Brcke nieder!  (Sie
werfen die Brcke ab.)

Der Graf vom Strahl (erscheint in der Szene, sein Pferd tummelnd).
Hinweg!--Wollt ihr den Steg unberhrt lassen?

Knechte des Rheingrafen (schieen mit Pfeilen auf ihn).  Hei!  Diese
Pfeile zur Antwort dir!

Der Graf vom Strahl (wendet das Pferd).  Meuchelmrder!--He!
Flammberg!

Kthchen (hlt eine Rolle in die Hhe).  Mein hoher Herr!

Der Graf vom Strahl (zu Flammberg).  Die Schtzen her!

Rheingraf (ber den Flu rufend).  Auf Wiedersehn, Herr Graf!  Wenn
Ihr schwimmen knnt, so schwimmt; auf der Steinburg, diesseits der
Brcke, sind wir zu finden.  (Ab mit dem Tro.)

Der Graf vom Strahl.  Habt Dank ihr Herrn!  Wenn der Flu trgt, so
sprech ich bei euch ein!  (Er reitet hindurch.)

Ein Knecht (aus seinem Tro).  Halt! zum Henker! nehmt Euch in acht!

Kthchen (am Ufer zurckbleibend).  Herr Graf vom Strahl!

Ein anderer Knecht.  Schafft Balken und Bretter her!

Flammberg.  Was! bist du ein Jud?

Alle.  Setzt hindurch!  Setzt hindurch!  (Sie folgen ihm.)

Der Graf vom Strahl.  Folgt!  Folgt!  Es ist ein Forellenbach, weder
breit noch tief!  So recht!  So recht!  Lat uns das Gesindel vllig
in die Pfanne hauen!  (Ab mit dem Tro.)

Kthchen.  Herr Graf vom Strahl!  Herr Graf vom Strahl!

Gottschalk (wendet mit dem Pferde um).  Ja, was lrmst und schreist
du?--Was hast du hier im Getmmel zu suchen?  Warum lufst du hinter
uns drein?

Kthchen (hlt sich an einem Stamm).  Himmel!

Gottschalk (indem er absteigt).  Komm!  Schrz und schwinge dich!
Ich will das Pferd an die Hand nehmen, und dich hindurch fhren.

Der Graf vom Strahl (hinter der Szene).  Gottschalk!

Gottschalk.  Gleich, gndiger Herr, gleich!  Was befehlt Ihr?

Der Graf vom Strahl.  Meine Lanze will ich haben!

Gottschalk (hilft das Kthchen in den Steigbgel).  Ich bringe sie
schon!

Kthchen.  Das Pferd ist scheu.

Gottschalk (reit das Pferd in den Zgel).  Steh, Mordmhre!--So zieh
dir Schuh und Strmpfe aus!

Kthchen (setzt sich auf einen Stein).  Geschwind!

Der Graf vom Strahl (auerhalb).  Gottschalk!

Gottschalk.  Gleich, gleich!  Ich bringe die Lanze schon.--Was hast
du denn da in der Hand?

Kthchen (indem sie sich auszieht).  Das Futteral, Lieber, das
gestern--nun!

Gottschalk.  Was!  Das im Feuer zurck blieb?

Kthchen.  Freilich!  Um das ich gescholten ward.  Frh morgens, im
Schutt, heut sucht ich nach und durch Gottes Fgung--nun, so!  (Sie
zerrt sich am Strumpf.)

Gottschalk.  Je, was der Teufel!  (Er nimmt es ihr aus der Hand.)  Und
unversehrt, bei meiner Treu, als wrs Stein!--Was steckt denn drin?

Kthchen.  Ich wei nicht.

Gottschalk (nimmt ein Blatt heraus).  "Akte, die Schenkung, Stauffen
betreffend, von Friedrich Grafen vom Strahl"--Je, verflucht!

Der Graf vom Strahl (drauen).  Gottschalk!

Gottschalk.  Gleich, gndiger Herr, gleich!

Kthchen (steht auf).  Nun bin ich fertig!

Gottschalk.  Nun, das mut du dem Grafen geben!  (Er gibt ihr das
Futtral wieder.)  Komm, reich mir die Hand, und folg mir!  (Er fhrt
sie und das Pferd durch den Bach.)

Kthchen (mit dem ersten Schritt ins Wasser).  Ah!

Gottschalk.  Du mut dich ein wenig schrzen.

Kthchen.  Nun, bei Leibe, schrzen nicht!  (Sie steht still.)

Gottschalk.  Bis an den Zwickel nur, Kthchen!

Kthchen.  Nein!  Lieber such ich mir einen Steg!  (Sie kehrt um.)

Gottschalk (hlt sie).  Bis an den Knchel nur, Kind! bis an die
uerste, unterste Kante der Sohle!

Kthchen.  Nein, nein, nein, nein; ich bin gleich wieder bei dir!
(Sie macht sich los, und luft weg.)

Gottschalk (kehrt aus dem Bach zurck, und ruft ihr nach).  Kthchen!
Kthchen!  Ich will mich umkehren!  Ich will mir die Augen zuhalten!
Kthchen!  Es ist kein Steg auf Meilenweite zu finden!--Ei so wollt
ich, da ihr der Grtel platzte!  Da luft sie am Ufer entlang, der
Quelle zu, den weien schroffen Spitzen der Berge; mein Seel, wenn
sich kein Fhrmann ihrer erbarmt, so geht sie verloren!

Der Graf vom Strahl (drauen).  Gottschalk!  Himmel und Erde!
Gottschalk!

Gottschalk.  Ei, so schrei du!--Hier, gndiger Herr; ich komme schon.
(Er leitet sein Pferd mrrisch durch den Bach.--Ab.)



Szene: Schlo Wetterstrahl.  Platz, dicht mit Bumen bewachsen, am
ueren zerfallenen Mauernring der Burg.  Vorn ein Holunderstrauch,
der eine Art von natrlicher Laube bildet, worunter von Feldsteinen,
mit einer Strohmatte bedeckt, ein Sitz.  An den Zweigen sieht man ein
Hemdchen und ein Paar Strmpfe usw. zum Trocknen aufgehngt.

Zweiter Auftritt

Kthchen liegt und schlft.  Der Graf vom Strahl tritt auf.


Der Graf vom Strahl (indem er das Futteral in den Busen steckt).
Gottschalk, der mir dies Futteral gebracht, hat mir gesagt, das
Kthchen wre wieder da.  Kunigunde zog eben, weil ihre Burg
niedergebrannt ist, in die Tore der meinigen ein; da kommt er und
spricht: unter dem Holunderstrauch lge sie wieder da, und schliefe;
und bat mich, mit trnenden Augen, ich mchte ihm doch erlauben, sie
in den Stall zu nehmen.  Ich sagte, bis der alte Vater, der Theobald
sich aufgefunden, wrd ich ihr in der Herberge ein Unterkommen
verschaffen; und indessen hab ich mich herabgeschlichen, um einen
Entwurf mit ihr auszufhren.--Ich kann diesem Jammer nicht mehr
zusehen.  Dies Mdchen, bestimmt, den herrlichsten Brger von
Schwaben zu beglcken, wissen will ich, warum ich verdammt bin, sie
einer Metze gleich, mit mir herum zu fhren; wissen, warum sie hinter
mir herschreitet, einem Hunde gleich, durch Feuer und Wasser, mir
Elenden, der nichts fr sich hat, als das Wappen auf seinem Schild.
--Es ist mehr, als der bloe sympathetische Zug des Herzens; es ist
irgend von der Hlle angefacht, ein Wahn, der in ihrem Busen sein
Spiel treibt.  So oft ich sie gefragt habe: Kthchen!  Warum
erschrakst du doch so, als du mich zuerst in Heilbronn sahst? hat sie
mich immer zerstreut angesehen, und dann geantwortet: Ei, gestrenger
Herr!  Ihr wits ja!--Dort ist sie!--Wahrhaftig, wenn ich sie so
daliegen sehe, mit roten Backen und verschrnkten Hndchen, so kommt
die ganze Empfindung der Weiber ber mich, und macht meine Trnen
flieen.  Ich will gleich sterben, wenn sie mir nicht die Peitsche
vergeben hat--ach! was sag ich? wenn sie nicht im Gebet fr mich, der
sie mihandelte, eingeschlafen!--Doch rasch, ehe Gottschalk kommt,
und mich strt.  Dreierlei hat er mir gesagt: einmal da sie einen
Schlaf hat, wie ein Murmeltier, zweitens, da sie, wie ein Jagdhund,
immer trumt, und drittens, da sie im Schlaf spricht; und auf diese
Eigenschaften hin, will ich meinen Versuch grnden.--Tue ich eine
Snde, so mag sie mir Gott verzeihen.

(Er lt sich auf Knieen vor ihr nieder und legt seine beiden Arme
sanft um ihren Leib.--Sie macht eine Bewegung als ob sie erwachen
wollte, liegt aber gleich wieder still.)

Der Graf vom Strahl.  Kthchen!  Schlfst du?

Kthchen.  Nein, mein verehrter Herr.

(Pause.)

Der Graf vom Strahl.  Und doch hast du die Augenlider zu.

Kthchen.  Die Augenlider?

Der Graf vom Strahl.  Ja; und fest, dnkt mich.

Kthchen. - Ach, geht

Der Graf vom Strahl.  Was!  Nicht?  Du httst die Augen auf?

Kthchen.  Gro auf, so weit ich kann, mein bester Herr; Ich sehe
dich ja wie du zu Pferde sitzest.

Der Graf vom Strahl.  So!--Auf dem Fuchs--nicht?

Kthchen.  Nicht doch!  Auf dem Schimmel.

(Pause.)

Der Graf vom Strahl.  Wo bist du denn, mein Herzchen?  Sag mir an.

Kthchen.  Auf einer schnen grnen Wiese bin ich, Wo alles bunt und
voller Blumen ist.

Der Graf vom Strahl.  Ach, die Vergimeinnicht!  Ach, die Kamillen!

Kthchen.  Und hier die Veilchen; schaut ein ganzer Busch.

Der Graf vom Strahl.  Ich will vom Pferde niedersteigen, Kthchen,
Und mich ins Gras ein wenig zu dir setzen. - Soll ich?

Kthchen.  Das tu, mein hoher Herr.

Der Graf vom Strahl (als ob er riefe).  He!  Gottschalk!--Wo la ich
doch das Pferd;--Gottschalk!  Wo bist du?

Kthchen.  Je, la es stehn.  Die Liese luft nicht weg.

Der Graf vom Strahl (lchelt).  Meinst du?--Nun denn, so seis!

(Pause.--Er rasselt mit seiner Rstung.)

Mein liebes Kthchen!

(Er fat ihre Hand.)

Kthchen.  Mein hoher Herr!

Der Graf vom Strahl.  Du bist mir wohl recht gut.

Kthchen.  Gewi!  Von Herzen.

Der Graf vom Strahl.  Aber ich--was meinst du?  Ich nicht.

Kthchen (lchelnd).  O Schelm!

Der Graf vom Strahl.  Was, Schelm!  Ich hoff--?

Kthchen.  O geh!  Verliebt ja, wie ein Kfer, bist du mir.

Der Graf vom Strahl.  Ein Kfer!  Was!  Ich glaub du bist-Kthchen.
Was sagst du?

Der Graf vom Strahl (mit einem Seufzer).  Ihr Glaub ist, wie ein Turm,
so fest gegrndet!--Seis!  Ich ergebe mich darin.--Doch, Kthchen,
Wenns ist, wie du mir sagst-Kthchen.  Nun?  Was beliebt?

Der Graf vom Strahl.  Was, sprich, was soll draus werden?

Kthchen.  Was draus soll werden?

Der Graf vom Strahl.  Ja! hast dus schon bedacht?

Kthchen.  Je, nun.

Der Graf vom Strahl.--Was heit das?

Kthchen.  Zu Ostern, bers Jahr, wirst du mich heuern.

Der Graf vom Strahl (das Lachen verbeiend).  So!  Heuern!  In der
Tat!  Das wut ich nicht!  Kathrinchen, schau!--Wer hat dir das
gesagt?

Kthchen.  Das hat die Mariane mir gesagt.

Der Graf vom Strahl.  So!  Die Mariane!  Ei!--Wer ist denn das?

Kthchen.  Das ist die Magd, die sonst das Haus uns fegte.

Der Graf vom Strahl.  Und die, die wut es wiederum--von wem?

Kthchen.  Die sahs im Blei, das sie geheimnisvoll In der
Silvesternacht, mir zugegossen.

Der Graf vom Strahl.  Was du mir sagst!  Da prophezeite sie--?

Kthchen.  Ein groer, schner Ritter wrd mich heuern.

Der Graf vom Strahl.  Und nun meinst du so frischweg, das sei ich?

Kthchen.  Ja, mein verehrter Herr.

(Pause.)

Der Graf vom Strahl (gerhrt).--Ich will dir sagen, Mein Kind, ich
glaub, es ist ein anderer.  Der Ritter Flammberg.  Oder sonst.  Was
meinst du?

Kthchen.  Nein, nein!

Der Graf vom Strahl.  Nicht?

Kthchen.  Nein, nein, nein!

Der Graf vom Strahl.  Warum nicht?  Rede!

Kthchen. - Als ich zu Bett ging, da das Blei gegossen, In der
Silvesternacht, bat ich zu Gott, Wenns wahr wr, was mir die Mariane
sagte, Mcht er den Ritter mir im Traume zeigen.  Und da erschienst
du ja, um Mitternacht, Leibhaftig, wie ich jetzt dich vor mir sehe,
Als deine Braut mich liebend zu begren.

Der Graf vom Strahl.  Ich wr dir--?  Herzchen!  Davon wei ich
nichts. - Wann htt ich dich--?

Kthchen.  In der Silvesternacht.  Wenn wiederum Silvester kommt,
zwei Jahr.

Der Graf vom Strahl.  Wo?  In dem Schlo zu Strahl?

Kthchen.  Nicht!  In Heilbronn; Im Kmmerlein, wo mir das Bette
steht.

Der Graf vom Strahl.  Was du da schwatzst, mein liebes Kind.--Ich lag
Und obenein todkrank, im Schlo zu Strahl.

(Pause.--Sie seufzt, bewegt sich, und lispelt etwas.)

Der Graf vom Strahl.  Was sagst du?

Kthchen.  Wer?

Der Graf vom Strahl.  Du!

Kthchen.  Ich?  Ich sagte nichts.

(Pause.)

Der Graf vom Strahl (fr sich).  Seltsam, beim Himmel!  In der
Silvesternacht--(Er trumt vor sich nieder.)  - Erzhl mir doch etwas
davon, mein Kthchen!  Kam ich allein?

Kthchen.  Nein, mein verehrter Herr.

Der Graf vom Strahl.  Nicht?--Wer war bei mir?

Kthchen.  Ach, so geh!

Der Graf vom Strahl.  So rede!

Kthchen.  Das weit du nicht mehr?

Der Graf vom Strahl.  Nein, so wahr ich lebe.

Kthchen.  Ein Cherubim, mein hoher Herr, war bei dir, Mit Flgeln,
wei wie Schnee, auf beiden Schultern, Und Licht--o Herr! das
funkelte! das glnzte!--Der fhrt', an seiner Hand, dich zu mir ein.

Der Graf vom Strahl (starrt sie an).  So wahr, als ich will selig
sein, ich glaube, Da hast du recht!

Kthchen.  Ja, mein verehrter Herr.

Der Graf vom Strahl (mit beklemmter Stimme).  Auf einem hrnen Kissen
lagst du da, Das Bettuch wei, die wollne Decke rot?

Kthchen.  Ganz recht! so wars!

Der Graf vom Strahl.  Im bloen leichten Hemdchen?

Kthchen.  Im Hemdchen?--Nein.

Der Graf vom Strahl.  Was!  Nicht?

Kthchen.  Im leichten Hemdchen?

Der Graf vom Strahl.  Mariane, riefst du?

Kthchen.  Mariane, rief ich!  Geschwind!  Ihr Mdchen!  Kommt doch
her, Christine!

Der Graf vom Strahl.  Sahst gro, mit schwarzem Aug, mich an?

Kthchen.  Ja, weil ich glaubt, es wr ein Traum.

Der Graf vom Strahl.  Stiegst langsam, An allen Gliedern zitternd,
aus dem Bett, Und sankst zu Fen mir--?

Kthchen.  Und flsterte-Der Graf vom Strahl (unterbricht sie).  Und
flstertest, mein hochverehrter Herr!

Kthchen (lchelnd).  O Nun!  Siehst du wohl?--Der Engel zeigte
dir-Der Graf vom Strahl.  Das Mal--Schtzt mich, ihr Himmlischen!
Das hast du?

Kthchen.  Je, freilich!

Der Graf vom Strahl (reit ihr das Tuch ab).

Wo?  Am Halse?

Kthchen (bewegt sich).  Bitte, bitte.

Der Graf vom Strahl.  O ihr Urewigen!--Und als ich jetzt, Dein Kinn
erhob, ins Antlitz dir zu schauen?

Kthchen.  Ja, da kam die unselige Mariane Mit Licht--und alles war
vorbei; Ich lag im Hemdchen auf der Erde da, Und die Mariane spottete
mich aus.

Der Graf vom Strahl.  Nun steht mir bei, ihr Gtter: ich bin doppelt!
Ein Geist bin ich und wandele zur Nacht!

(Er lt sie los und springt auf.)

Kthchen (erwacht).  Gott, meines Lebens Herr!  Was widerfhrt mir!

(Sie steht auf und sieht sich um.)

Der Graf vom Strahl.  Was mir ein Traum schien, nackte Wahrheit ists:
Im Schlo zu Strahl, todkrank am Nervenfieber, Lag ich danieder, und
hinweggefhrt, Von einem Cherubim, besuchte sie Mein Geist in ihrer
Klause zu Heilbronn!

Kthchen.  Himmel!  Der Graf!

(Sie setzt sich den Hut auf, und rckt sich das Tuch zurecht.)

Der Graf vom Strahl.

Was tu ich jetzt?  Was la ich?

(Pause.)

Kthchen (fllt auf ihre beiden Kniee nieder).  Mein hoher Herr, hier
lieg ich dir zu Fen, Gewrtig dessen, was du mir verhngst!  An
deines Schlosses Mauer fandst du mich, Trotz des Gebots, das du mir
eingeschrft; Ich schwrs, es war ein Stndchen nur zu ruhn, Und
jetzt will ich gleich wieder weiter gehn.

Der Graf vom Strahl.  Weh mir!  Mein Geist, von Wunderlicht geblendet,
Schwankt an des Wahnsinns grausem Hang umher!  Denn wie begreif ich
die Verkndigung, Die mir noch silbern wiederklingt im Ohr, Da sie
die Tochter meines Kaisers sei?

Gottschalk (drauen).  Kthchen!  He, junge Maid!

Der Graf vom Strahl (erhebt sie rasch vom Boden).

Geschwind erhebe dich!  Mach dir das Tuch zurecht!  Wie siehst du aus?



Dritter Auftritt

Gottschalk tritt auf.  Die Vorigen.


Der Graf vom Strahl.  Gut, Gottschalk, da du kommst!  Du fragtest
mich, Ob du die Jungfrau in den Stall darfst nehmen; Das aber schickt
aus manchem Grund sich nicht; Die Friedborn zieht aufs Schlo zu
meiner Mutter.

Gottschalk.  Wie?  Was?  Wo?--Oben auf das Schlo hinauf?

Der Graf vom Strahl.  Ja, und das gleich!  Nimm ihre Sachen auf, Und
auf dem Pfad zum Schlosse folg ihr nach.

Gottschalk.  Gotts Blitz auch, Kthchen! hast du das gehrt?

Kthchen (mit einer zierlichen Verbeugung).  Mein hochverehrter Herr!
Ich nehm es an, Bis ich werd wissen, wo mein Vater ist.

Der Graf vom Strahl.  Gut, gut!  Ich werd mich gleich nach ihm
erkundgen.

(Gottschalk bindet die Sachen zusammen; Kthchen hilft ihm).

Nun?  Ists geschehn?

(Er nimmt ein Tuch vom Boden auf, und bergibt es ihr.)

Kthchen (errtend).  Was!  Du bemhst dich mir?

(Gottschalk nimmt das Bndel in die Hand.)

Der Graf vom Strahl.  Gib deine Hand!

Kthchen.  Mein hochverehrter Herr!

(Er fhrt sie ber die Steine; wenn sie hinber ist, lt er sie
vorangehen und folgt.--Alle ab.)



Szene: Garten.  Im Hintergrunde eine Grotte, im gotischen Stil.

Vierter Auftritt

Kunigunde, von Kopf zu Fu in einen feuerfarbnen Schleier verhllt,
und Rosalie treten auf.


Kunigunde.  Wo ritt der Graf vom Strahl hin?

Rosalie.  Mein Frulein, es ist dem ganzen Schlo unbegreiflich.
Drei kaiserliche Kommissarien kamen spt in der Nacht, und weckten
ihn auf; er verschlo sich mit ihnen, und heut, bei Anbruch des Tages
schwingt er sich aufs Pferd, und verschwindet.

Kunigunde.  Schlie mir die Grotte auf.

Rosalie.  Sie ist schon offen.

Kunigunde.  Ritter Flammberg, hr ich, macht dir den Hof; zu Mittag,
wann ich mich gebadet und angekleidet, werd ich dich fragen, was
dieser Vorfall zu bedeuten?  (Ab in die Grotte.)



Fnfter Auftritt

Frulein Eleonore tritt auf, Rosalie.


Eleonore.  Guten Morgen, Rosalie.

Rosalie.  Guten Morgen, mein Frulein!--Was fhrt Euch so frh schon
hierher?

Eleonore.  Ei, ich will mich mit Kthchen, dem kleinen, holden Gast,
den uns der Graf ins Schlo gebracht, weil die Luft so hei ist, in
dieser Grotte baden.

Rosalie.  Vergebt!--Frulein Kunigunde ist in der Grotte.

Eleonore.  Frulein Kunigunde?--Wer gab euch den Schlssel?

Rosalie.  Den Schlssel?--Die Grotte war offen.

Eleonore.  Habt ihr das Kthchen nicht darin gefunden?

Rosalie.  Nein, mein Frulein.  Keinen Menschen.

Eleonore.  Ei, das Kthchen, so wahr ich lebe, ist drin!

Rosalie.  In der Grotte?  Unmglich!

Eleonore.  Wahrhaftig!  In der Nebenkammern eine, die dunkel und
versteckt sind.--Sie war vorangegangen; ich sagte nur, als wir an die
Pforte kamen, ich wollte mir ein Tuch von der Grfin zum Trocknen
holen.--O Herr meines Lebens; da ist sie schon!



Sechster Auftritt

Kthchen aus der Grotte.  Die Vorigen.


Rosalie (fr sich).  Himmel!  Was seh ich dort?

Kthchen (zitternd).  Eleonore!

Eleonore.  Ei, Kthchen!  Bist du schon im Bad gewesen?  Schaut, wie
das Mdchen funkelt, wie es glnzet!  Dem Schwane gleich, der in die
Brust geworfen, Aus des Kristallsees blauen Fluten steigt! - Hast du
die jungen Glieder dir erfrischt?

Kthchen.  Eleonore!  Komm hinweg.

Eleonore.  Was fehlt dir?

Rosalie (schreckenbla).  Wo kommst du her?  Aus jener Grotte dort?
Du hattest in den Gngen dich versteckt?

Kthchen.  Eleonore!  Ich beschwre dich!

Kunigunde (im Innern der Grotte).  Rosalie!

Rosalie.  Gleich, mein Frulein!  (Zu Kthchen).  Hast sie gesehn?

Eleonore.  Was gibts?  Sag an!--Du bleichst?

Kthchen (sinkt in ihre Arme).  Eleonore!

Eleonore.  Hilf, Gott im Himmel!  Kthchen!  Kind!  Was fehlt dir?

Kunigunde (in der Grotte).  Rosalie!

Rosalie (zu Kthchen).  Nun, beim Himmel!  Dir wr besser, Du rissest
dir die Augen aus, als da sie Der Zunge anvertrauten, was sie sahn!

(Ab in die Grotte.)



Siebenter Auftritt

Kthchen und Eleonore.


Eleonore.  Was ist geschehn, mein Kind?  Was schilt man dich?  Was
macht an allen Gliedern so dich zittern?  Wr dir der Tod, in jenem
Haus, erschienen, Mit Hipp und Stundenglas, von Schrecken knnte Dein
Busen grimmiger erfat nicht sein!

Kthchen.  Ich will dir sagen--(Sie kann nicht sprechen.)

Eleonore.  Nun, sag an!  Ich hre.

Kthchen. - Doch du gelobst mir, nimmermehr, Lenore, Wem es auch sei,
den Vorfall zu entdecken.

Eleonore.  Nein, keiner Seele; nein!  Verla dich drauf.

Kthchen.  Schau, in die Seitengrotte hatt ich mich, Durch die
verborgne Tre eingeschlichen; Das groe Prachtgewlb war mir zu hell.
Und nun, da mich das Bad erquickt, tret ich In jene grre Mitte
scherzend ein, Und denke du, du seists, die darin rauscht: Und eben
von dem Rand ins Becken steigend, Erblickt mein Aug-Eleonore.  Nun,
was? wen?  Sprich!

Kthchen.  Was sag ich!  Du mut sogleich zum Grafen, Leonore, Und
von der ganzen Sach ihn unterrichten.

Eleonore.  Mein Kind!  Wenn ich nur wte, was es wre?

Kthchen. - Doch ihm nicht sagen, nein, ums Himmels willen, Da es
von mir kommt.  Hrst du?  Eher wollt ich, Da er den Greuel
nimmermehr entdeckte.

Eleonore.  In welchen Rtseln sprichst du, liebstes Kthchen?  Was
fr ein Greul?  Was ists, das du erschaut?

Kthchen.  Ach, Leonor', ich fhle, es ist besser, Das Wort kommt
ber meine Lippen nie!  Durch mich kann er, durch mich, enttuscht
nicht werden!

Eleonore.  Warum nicht?  Welch ein Grund ist, ihm zu bergen--?  Wenn
du nur sagtest-Kthchen (wendet sich).  Horch!

Eleonore.  Was gibts?

Kthchen.  Es kommt!

Eleonore.  Das Frulein ists, sonst niemand, und Rosalie.

Kthchen.  Fort!  Gleich!  Hinweg!

Eleonore.  Warum?

Kthchen.  Fort, Rasende!

Eleonore.  Wohin?

Kthchen.  Hier fort, aus diesem Garten will ich-Eleonore.  Bist du
bei Sinnen?

Kthchen.  Liebe Leonore!  Ich bin verloren, wenn sie mich hier
trifft!  Fort!  In der Grfin Arme flcht ich mich!  (Ab.)



Achter Auftritt

Kunigunde und Rosalie aus der Grotte.


Kunigunde (gibt Rosalien einen Schlssel).  Hier, nimm!--Im Schubfach,
unter meinem Spiegel; Das Pulver, in der schwarzen Schachtel, rechts,
Schtt es in Wein, in Wasser oder Milch, Und sprich: komm her, mein
Kthchen!--Doch du nimmst Vielleicht sie lieber zwischen deine Kniee?
Gift, Tod und Rache!  Mach es, wie du willst, Doch sorge mir, da
sies hinunterschluckt.

Rosalie.  Hrt mich nur an, mein Frulein-Kunigunde.  Gift!  Pest!
Verwesung!  Stumm mache sie und rede nicht!  Wenn sie vergiftet, tot
ist, eingesargt, Verscharrt, verwest, zerstiebt, als Myrtenstengel,
Vor dem, was sie jetzt sah, im Winde flstert; So komm und sprich von
Sanftmut und Vergebung, Pflicht und Gesetz und Gott und Hll und
Teufel, Von Reue und Gewissensbissen mir.

Rosalie.  Sie hat es schon entdeckt, es hilft zu nichts.

Kunigunde.  Gift!  Asche!  Nacht!  Chaotische Verwirrung!  Das Pulver
reicht, die Burg ganz wegzufressen, Mit Hund und Katzen hin!--Tu, wie
ich sagte!  Sie buhlt mir so zur Seite um sein Herz, Wie ich vernahm,
und ich--des Todes sterb ich, Wenn ihn das Affenangesicht nicht rhrt;
Fort!  In die Dnste mit ihr hin: die Welt, Hat nicht mehr Raum
genug, fr mich und sie!  (Ab.)




Fnfter Akt

Szene: Worms.  Freier Platz vor der kaiserlichen Burg, zur Seite ein
Thron; im Hintergrunde die Schranken des Gottesgerichts.



Erster Auftritt

Der Kaiser auf dem Thron.  Ihm zur Seite der Erzbischof von Worms,
Graf Otto von der Flhe und mehrere andere Ritter, Herren und
Trabanten.  Der Graf vom Strahl, im leichten Helm und Harnisch, und
Theobald, von Kopf zu Fu in voller Rstung; beide stehen dem Thron
gegenber.


Der Kaiser.  Graf Wetterstrahl, du hast, auf einem Zuge, Der durch
Heilbronn dich, vor drei Monden, fhrte, In einer Trin Busen
eingeschlagen; Den alten Vater jngst verlie die Dirne, Und, statt
sie heimzusenden, birgst du sie Im Flgel deiner vterlichen Burg.
Nun sprengst du, solchen Frevel zu beschnen, Gerchte, lcherlich
und gottlos, aus; Ein Cherubim, der dir zu Nacht erschienen, Hab dir
vertraut, die Maid, die bei dir wohnt, Sei meiner kaiserlichen Lenden
Kind.  Solch eines abgeschmackt prophetschen Grues Spott ich, wie
sichs versteht, und meinethalb Magst du die Krone selbst aufs Haupt
ihr setzen; Von Schwaben einst, begreifst du, erbt sie nichts, Und
meinem Hof auch bleibt sie fern zu Worms.  Hier aber steht ein tief
gebeugter Mann, Dem du, zufrieden mit der Tochter nicht, Auch noch
die Mutter willst zur Metze machen; Denn er, sein Lebelang fand er
sie treu, Und rhmt des Kinds unsel'gen Vater sich.  Darum, auf seine
schweren Klagen, riefen wir Vor unsern Thron dich her, die Schmach,
womit Du ihre Gruft geschndet, darzutun; Auf, rste dich, du Freund
der Himmlischen: Denn du bist da, mit einem Wort von Stahl, Im
Zweikampf ihren Ausspruch zu beweisen!

Der Graf vom Strahl (mit dem Errten des Unwillens).  Mein
kaiserlicher Herr!  Hier ist ein Arm, Von Krften strotzend, markig,
stahlgeschient, Geschickt im Kampf dem Teufel zu begegnen; Treff ich
auf jene graue Scheitel dort, Flach schmettr' ich sie, wie einen
Schweizerkse, Der grend auf dem Brett des Sennen liegt.  Erla, in
deiner Huld und Gnade, mir, Ein Mrchen, aberwitzig, sinnverwirrt,
Dir darzutun, das sich das Volk aus zwei Ereignissen, zusammen
seltsam freilich, Wie die zwei Hlften eines Ringes, passend, Mit
mgem Scharfsinn, an einander setzte.  Begreif, ich bitte dich, in
deiner Weisheit, Den ganzen Vorfall der Silvesternacht, Als ein
Gebild des Fiebers, und so wenig Als es mich kmmern wrde, trumtest
du, Ich sei ein Jud, so wenig kmmre dich, Da ich gerast, die
Tochter jenes Mannes Sei meines hochverehrten Kaisers Kind!

Erzbischof.  Mein Frst und Herr, mit diesem Wort, frwahr, Kann sich
des Klgers wackres Herz beruhgen.  Geheimer Wissenschaft, sein Weib
betreffend, Rhmt er sich nicht; schau, was er der Mariane Jngst, in
geheimer Zwiesprach, vorgeschwatzt: Er hat es eben jetzo widerrufen!
Straft um den Wunderbau der Welt ihn nicht, Der ihn, auf einen
Augenblick, verwirrt.  Er gab, vor einer Stund, o Theobald, Mir seine
Hand, das Kthchen, wenn du kommst Zu Strahl, in seiner Burg, dir
abzuliefern; Geh hin und trste dich und hole sie, Du alter Herr, und
la die Sache ruhn!

Theobald.  Verfluchter Heuchler, du, wie kannst du leugnen, Da deine
Seele ganz durchdrungen ist, Vom Wirbel bis zur Sohle, von dem
Glauben, Da sie des Kaisers Bnkeltochter sei?  Hast du den Tag
nicht, bei dem Kirchenspiel, Erforscht, wann sie geboren, nicht
berechnet, Wohin die Stunde der Empfngnis fllt; Nicht ausgemittelt,
mit verruchtem Witze, Da die erhabne Majestt des Kaisers Vor
sechzehn Lenzen durch Heilbronn geschweift?  Ein bermtiger, aus
eines Gottes Ku, Auf einer Furie Mund gedrckt, entsprungen; Ein
glanzumfloner Vatermrdergeist, An jeder der granitnen Sulen
rttelnd, In dem urewgen Tempel der Natur; Ein Sohn der Hlle, den
mein gutes Schwert Entlarven jetzo, oder, rckgewendet, Mich selbst
zur Nacht des Grabes schleudern soll!

Der Graf vom Strahl.  Nun, den Gott selbst verdamme, gifterfllter
Verfolger meiner, der dich nie beleidigt, Und deines Mitleids eher
wrdig wre, So seis, Mordraufer, denn, so wie du willst.  Ein
Cherubim, der mir, in Glanz gerstet, Zu Nacht erschien, als ich im
Tode lag, Hat mir, was leugn' ichs lnger, Wissenschaft, Entschpft
dem Himmelsbronnen, anvertraut.  Hier vor des hchsten Gottes Antlitz
steh ich, Und die Behauptung schmettr' ich dir ins Ohr: Kthchen von
Heilbronn, die dein Kind du sagst, Ist meines hchsten Kaisers dort;
komm her, Mich von dem Gegenteil zu berzeugen!

Der Kaiser.  Trompeter, blast, dem Lsterer zum Tode!

(Trompetenste.)

Theobald (zieht).  Und wre gleich mein Schwert auch eine Binse, Und
einem Griffe, locker, wandelbar, Von gelbem Wachs geknetet, eingefugt,
So wollt ich doch von Kopf zu Fu dich spalten, Wie einen Giftpilz,
der der Heid entblht, Der Welt zum Zeugnis, Mordgeist, da du logst!

Der Graf vom Strahl (er nimmt sich sein Schwert ab und gibt es weg).
Und wr mein Helm gleich und die Stirn, die drunter, Durchsichtig,
messerrckendnn, zerbrechlich, Die Schale eines ausgenommnen Eis, So
sollte doch dein Sarra, Funken sprhend, Abprallen, und in alle
Ecken splittern, Als httst du einen Diamant getroffen, Der Welt zum
Zeugnis, da ich wahr gesprochen!  Hau, und la jetzt mich sehn, wes
Sache rein?

(Er nimmt sich den Helm ab und tritt dicht vor ihn.)

Theobald (zurckweichend).  Setz dir den Helm auf!

Der Graf vom Strahl (folgt ihm).  Hau!

Theobald.  Setz dir den Helm auf!

Der Graf vom Strahl (stt ihn zu Boden).  Dich lhmt der bloe Blitz
aus meiner Wimper?

(Er windet ihm das Schwert aus der Hand, tritt ber ihm

und setzt ihm den Fu auf die Brust.)  Was hindert mich, im Grimm
gerechten Siegs, Da ich den Fu ins Hirn dir drcke?--Lebe!

(Er wirft das Schwert vor des Kaisers Thron.)  Mag es die alte Sphinx,
die Zeit, dir lsen, Das Kthchen aber ist, wie ich gesagt, Die
Tochter meiner hchsten Majestt!

Volk (durcheinander).  Himmel!  Graf Wetterstrahl hat obgesiegt!

Der Kaiser (erblat und steht auf).  Brecht auf, ihr Herrn!

Erzbischof.  Wohin?

Ein Ritter (aus dem Gefolge).  Was ist geschehn?

Graf Otto.  Allmchtger Gott!  Was fehlt der Majestt?  Ihr Herren,
folgt!  Es scheint, ihr ist nicht wohl?  (Ab.)



Szene: Ebendaselbst.  Zimmer im kaiserlichen Schlo.

Zweiter Auftritt

Der Kaiser (wendet sich unter der Tr).  Hinweg!  Es soll mir niemand
folgen!  Den Burggrafen von Freiburg und den Ritter von Waldsttten
lat herein; das sind die einzigen Mnner, die ich sprechen will!
(Er wirft die Tr zu.)--Der Engel Gottes, der dem Grafen vom Strahl
versichert hat, das Kthchen sei meine Tochter: ich glaube, bei
meiner kaiserlichen Ehre, er hat recht!  Das Mdchen ist, wie ich
hre, funfzehn Jahr alt; und vor sechszehn Jahren, weniger drei
Monaten, genau gezhlt, feierte ich der Pfalzgrfin, meiner Schwester,
zu Ehren das groe Turnier in Heilbronn!  Es mochte ohngefhr eilf
Uhr abends sein, und der Jupiter ging eben, mit seinem funkelnden
Licht, im Osten auf, als ich, vom Tanz sehr ermdet, aus dem
Schlotor trat, um mich in dem Garten, der daran stt, unerkannt,
unter dem Volk, das ihn erfllte, zu erlaben; und ein Stern, mild und
krftig, wie der, leuchtete, wie ich gar nicht zweifle, bei ihrer
Empfngnis.  Gertrud, so viel ich mich erinnere, hie sie, mit der
ich mich in einem, von dem Volk minder besuchten, Teil des Gartens,
beim Schein verlschender Lampen, whrend die Musik, fern von dem
Tanzsaal her, in den Duft der Linden niedersuselte, unterhielt; und
Kthchens Mutter heit Gertrud!  Ich wei, da ich mir, als sie sehr
weinte, ein Schaustck, mit dem Bildnis Papst Leos, von der Brust los
machte, und es ihr, als ein Andenken von mir, den sie gleichfalls
nicht kannte, in das Mieder steckte; und ein solches Schaustck, wie
ich eben vernehme, besitzt das Kthchen von Heilbronn!  O Himmel!
Die Welt wankt aus ihren Fugen!  Wenn der Graf vom Strahl, dieser
Vertraute der Auserwhlten, von der Buhlerin, an die er geknpft ist,
loslassen kann: so werd ich die Verkndigung wahrmachen, den Theobald,
unter welchem Vorwand es sei, bewegen mssen, da er mir dies Kind
abtrete, und sie mit ihm verheiraten mssen: will ich nicht wagen,
da der Cherub zum zweitenmal zur Erde steige und das ganze Geheimnis,
das ich hier den vier Wnden anvertraut, ausbringe!  (Ab.)



Dritter Auftritt

Burggraf von Freiburg und Georg von Waldsttten treten auf.  Ihnen
folgt Ritter Flammberg.


Flammberg (erstaunt).  Herr Burggraf von Freiburg!--Seid Ihr es, oder
ist es Euer Geist?  O eilt nicht, ich beschwr Euch--!

Freiburg (wendet sich).  Was willst du?

Georg.  Wen suchst du?

Flammberg.  Meinen bejammernswrdigen Herrn, den Grafen vom Strahl!
Frulein Kunigunde, seine Braut--o htten wir sie Euch nimmermehr
abgewonnen!  Den Koch hat sie bestechen wollen, dem Kthchen Gift zu
reichen--: Gift, ihr gestrengen Herren, und zwar aus dem
abscheulichen, unbegreiflichen und rtselhaften Grunde, weil das Kind
sie im Bade belauschte!

Freiburg.  Und das begreift ihr nicht?

Flammberg.  Nein!

Freiburg.  So will ich es dir sagen.  Sie ist eine mosaische Arbeit,
aus allen drei Reichen der Natur zusammengesetzt.  Ihre Zhne gehren
einem Mdchen aus Mnchen, ihre Haare sind aus Frankreich
verschrieben, ihrer Wangen Gesundheit kommt aus den Bergwerken in
Ungarn, und den Wuchs, den ihr an ihr bewundert, hat sie einem Hemde
zu danken, das ihr der Schmied, aus schwedischem Eisen, verfertigt
hat.--Hast du verstanden?

Flammberg.  Was!

Freiburg.  Meinen Empfehl an deinen Herrn!  (Ab.)

Georg.  Den meinigen auch!--Der Graf ist bereits nach der Strahlburg
zurck; sag ihm, wenn er den Hauptschlssel nehmen, und sie in der
Morgenstunde, wenn ihre Reize auf den Sthlen liegen, berraschen
wolle, so knne er seine eigne Bildsule werden und sich, zur
Verewigung seiner Heldentat, bei der Khlerhtte aufstellen lassen!
(Ab.)



Szene: Schlo Wetterstrahl.  Kunigundens Zimmer.

Vierter Auftritt

Rosalie, bei der Toilette des Fruleins beschftigt.  Kunigunde tritt
ungeschminkt, wie sie aus dem Bette kmmt, auf; bald darauf der Graf
vom Strahl.


Kunigunde (indem sie sich bei der Toilette niedersetzt).  Hast du die
Tr besorgt?

Rosalie.  Sie ist verschlossen.

Kunigunde.  Verschlossen!  Was!  Verriegelt, will ich wissen!
Verschlossen und verriegelt, jedesmal!

(Rosalie geht, die Tr zu verriegeln; der Graf kommt ihr entgegen.)

Rosalie (erschrocken).  Mein Gott!  Wie kommt Ihr hier herein, Herr
Graf? - Mein Frulein!

Kunigunde (sieht sich um).  Wer?

Rosalie.  Seht, bitt ich Euch!

Kunigunde.  Rosalie!

(Sie erhebt sich schnell, und geht ab.)



Fnfter Auftritt

Der Graf vom Strahl und Rosalie.


Der Graf vom Strahl (steht wie vom Donner gerhrt).  Wer war die
unbekannte Dame?

Rosalie.--Wo?

Der Graf vom Strahl.  Die, wie der Turm von Pisa, hier
vorbeiging?--Doch, hoff ich, nicht--?

Rosalie.  Wer?

Der Graf vom Strahl.  Frulein Kunigunde?

Rosalie.  Bei Gott, ich glaub, Ihr scherzt!  Sybille, meine
Stiefmutter, gndger Herr-Kunigunde (drinnen).  Rosalie!

Rosalie.  Das Frulein, das im Bett liegt, ruft nach mir.--Verzeiht,
wenn ich--!  (Sie holt einen Stuhl.)

Wollt ihr Euch gtigst setzen?

(Sie nimmt die Toilette und geht ab.)



Sechster Auftritt


Der Graf vom Strahl (vernichtet).  Nun, du allmchtger Himmel, meine
Seele, Sie ist doch wert nicht, da sie also heie!  Das Ma, womit
sie, auf dem Markt der Welt, Die Dinge mit, ist falsch; scheusel'ge
Bosheit Hab ich fr milde Herrlichkeit erstanden!  Wohin flcht ich,
Elender, vor mir selbst?  Wenn ein Gewitter wo in Schwaben tobte,
Mein Pferd knnt ich, in meiner Wut, besteigen, Und suchen, wo der
Keil mein Haupt zerschlgt!  Was ist zu tun, mein Herz?  Was ist zu
lassen?



Siebenter Auftritt

Kunigunde, in ihrem gewhnlichen Glanz, Rosalie und die alte Sybille,
die schwchlich, auf Krcken, durch die Mitteltr abgeht.


Kunigunde.  Sieh da, Graf Friederich!  Was fr ein Anla Fhrt Euch
so frh in meine Zimmer her?

Der Graf vom Strahl (indem er die Sybille mit den Augen verfolgt).
Was!  Sind die Hexen doppelt?

Kunigunde (sieht sich um).  Wer?

Der Graf vom Strahl (fat sich).  Vergebt!  Nach Eurem Wohlsein wollt
ich mich erkunden.

Kunigunde.  Nun?--Ist zur Hochzeit alles vorbereitet?

Der Graf vom Strahl (indem er nher tritt und sie prft).  Es ist,
bis auf den Hauptpunkt, ziemlich alles-Kunigunde. (weicht zurck).
Auf wann ist sie bestimmt?

Der Graf vom Strahl.  Sie wars--auf morgen.

Kunigunde (nach einer Pause).  Ein Tag mit Sehnsucht lngst von mir
erharrt! - Ihr aber seid nicht froh, dnkt mich, nicht heiter?

Der Graf vom Strahl (verbeugt sich).  Erlaubt! ich bin der
Glcklichste der Menschen!

Rosalie (traurig).  Ists wahr, da jenes Kind, das Kthchen, gestern,
Das Ihr im Schlo beherbergt habt--?

Der Graf vom Strahl.  O Teufel!

Kunigunde (betreten).  Was fehlt Euch?  Sprecht!

Rosalie (fr sich).  Verwnscht!

Der Graf vom Strahl (fat sich).--Das Los der Welt!  Man hat sie
schon im Kirchhof beigesetzt.

Kunigunde.  Was Ihr mir sagt!

Rosalie.  Jedoch noch nicht begraben?

Kunigunde.  Ich mu sie doch im Leichenkleid noch sehn.



Achter Auftritt

Ein Diener tritt auf.  Die Vorigen.


Diener.  Gottschalk schickt einen Boten, gndger Herr, Der Euch im
Vorgemach zu sprechen wnscht!

Kunigunde.  Gottschalk?

Rosalie.  Von wo?

Der Graf vom Strahl.  Vom Sarge der Verblichnen!  Lat Euch im Putz,
ich bitte sehr, nicht stren!  (Ab.)



Neunter Auftritt

Kunigunde und Rosalie.

(Pause.)


Kunigunde (ausbrechend) Er wei, umsonst ists, alles hilft zu nichts,
Er hats gesehn, es ist um mich getan!

Rosalie.  Er wei es nicht!

Kunigunde.  Er wei!

Rosalie.  Er wei es nicht!  Ihr klagt, und ich, vor Freuden mcht
ich hpfen.  Er steht im Wahn, da die, die hier gesessen, Sybille,
meine Mutter, sei gewesen; Und nimmer war ein Zufall glcklicher Als
da sie just in Eurem Zimmer war; Schnee, im Gebirg gesammelt, wollte
sie, Zum Waschen eben Euch ins Becken tragen.

Kunigunde.  Du sahst, wie er mich prfte, mich erma.

Rosalie.  Gleichviel!  Er traut den Augen nicht!  Ich bin So frhlich,
wie ein Eichhorn in den Fichten!  Lat sein, da ihm von fern ein
Zweifel kam; Da Ihr Euch zeigtet, gro und schlank und herrlich,
Schlgt seinen Zweifel vllig wieder nieder.  Des Todes will ich
sterben, wenn er nicht, Den Handschuh jedem hinwirft, der da zweifelt,
Da ihr die Knigin der Frauen seid.  O seid nicht mutlos!  Kommt
und zieht Euch an; Der nchsten Sonne Strahl, was gilts begrt Euch,
Als Grfin Kunigunde Wetterstrahl!

Kunigunde.  Ich wollte, da die Erde mich verschlnge!

(Ab.)



Szene: Das Innere einer Hhle mit der Aussicht auf eine Landschaft.

Zehnter Auftritt

Kthchen, in einer Verkleidung, sitzt traurig auf einem Stein, den
Kopf an die Wand gelehnt.  Graf Otto von der Flhe, Wenzel von
Nachtheim, Hans von Brenklau, in der Tracht kaiserlicher Reichsrte,
und Gottschalk treten auf.  Gefolge, zuletzt der Kaiser und Theobald,
welche in Mnteln verhllt, im Hintergrunde bleiben.


Graf Otto (eine Pergamentrolle in der Hand).  Jungfrau von Heilbronn!
Warum herbergst du, Dem Sperber gleich, in dieser Hhle Raum?

Kthchen (steht auf).  O Gott!  Wer sind die Herrn?

Gottschalk.  Erschreckt sie nicht!--Der Anschlag einer Feindin, sie
zu tten, Zwang uns, in diese Berge sie zu flchten.

Graf Otto.  Wo ist dein Herr, der Reichsgraf, dem du dienst?

Kthchen.  Ich wei es nicht.

Gottschalk.  Er wird sogleich erscheinen!

Graf Otto (gibt ihr das Pergament).  Nimm diese Rolle hier; es ist
ein Schreiben, Verfat von kaiserlicher Majestt.  Durchfleuchs und
folge mir; hier ist kein Ort, Jungfraun, von deinem Range, zu
bewirten; Worms nimmt fortan, in seinem Schlo, dich auf!

Der Kaiser (im Hintergrund).  Ein lieber Anblick!

Theobald.  O ein wahrer Engel!



Eilfter Auftritt

Der Graf vom Strahl tritt auf.  Die Vorigen.


Der Graf vom Strahl (betroffen).  Reichsrt, in festlichem Geprng,
aus Worms!

Graf Otto.  Seid uns gegrt, Herr Graf!

Der Graf vom Strahl.--Was bringt Ihr mir?

Graf Otto.  Ein kaiserliches Schreiben dieser Jungfrau!  Befragt sie
selbst; sie wird es Euch bedeuten.

Der Graf vom Strahl.  O Herz, was pochst du?  (Zu Kthchen.)  Kind,
was hltst du da?

Kthchen.  Wei nit, mein hoher Herr.-Gottschalk.  Gib, gib, mein
Herzchen.

Der Graf vom Strahl (liest).  "Der Himmel, wisset, hat mein Herz
gestellt, Das Wort des Auserwhlten einzulsen.  Das Kthchen ist
nicht mehr des Theobalds, Des Waffenschmieds, der mir sie abgetreten,
Das Kthchen frderhin ist meine Tochter, Und Katharina heit sie
jetzt von Schwaben."

(Er durchblttert die andern Papiere.)  Und hier: "Kund sei"--Und hier:
"das Schlo zu Schwabach"-(Kurze Pause.)

Nun mcht ich vor der Hochgebenedeiten In Staub mich werfen, ihren
Fu ergreifen, Und mit des Danks glutheier Trne waschen.

Kthchen (setzt sich).  Gottschalk, hilf, steh mir bei; mir ist nicht
wohl!

Der Graf vom Strahl (zu den Rten).  Wo ist der Kaiser?  Wo der
Theobald?

Der Kaiser (indem beide ihre Mntel abwerfen).  Hier sind sie!

Kthchen (steht auf).  Gott im hohen Himmel!  Vater!

(Sie eilt auf ihn zu; er empfngt sie.)

Gottschalk (fr sich).  Der Kaiser!  Ei, so wahr ich bin!  Da steht
er!

Der Graf vom Strahl.  Nun, sprich du--Gttlicher!  Wie nenn ich dich?
- Sprich, las ich recht?

Der Kaiser.  Beim Himmel, ja, das tatst du!  Die einen Cherubim zum
Freunde hat, Der kann mit Stolz ein Kaiser Vater sein!  Das Kthchen
ist die Erst' itzt vor den Menschen, Wie sies vor Gott lngst war;
wer sie begehrt, Der mu bei mir jetzt wrdig um sie frein.

Der Graf vom Strahl (beugt ein Knie vor ihm).  Nun, hier auf Knieen
bitt ich: gib sie mir!

Der Kaiser.  Herr Graf!  Was fllt Ihm ein?

Der Graf vom Strahl.  Gib, gib sie mir!  Welch andern Zweck ersnn
ich deiner Tat?

Der Kaiser.  So!  Meint Er das?--Der Tod nur ist umsonst, Und die
Bedingung setz ich dir.

Der Graf vom Strahl.  Sprich!  Rede!

Der Kaiser (ernst).  In deinem Haus den Vater nimmst du auf!

Der Graf vom Strahl.  Du spottest!

Der Kaiser.  Was! du weigerst dich?

Der Graf vom Strahl.  In Hnden!  In meines Herzens Hnden nehm ich
ihn!

Der Kaiser (zu Theobald).  Nun, Alter; hrtest du?

Theobald (fhrt ihm Kthchen zu).  So gib sie ihm!  Was Gott fgt,
heit es, soll der Mensch nicht scheiden.

Der Graf vom Strahl (steht auf, und nimmt Kthchens Hand).  Nun denn,
zum Sel'gen hast du mich gemacht!--Lat einen Ku mich, Vter, einen
Ku nur Auf ihre himmelsen Lippen drcken.  Htt ich zehn Leben,
nach der Hochzeitsnacht, Opfr' ich sie jauchzend jedem von euch hin!

Der Kaiser.  Fort jetzt! da er das Rtsel ihr erklre!

(Ab.)



Zwlfter Auftritt

Der Graf vom Strahl und das Kthchen.


Der Graf vom Strahl (indem er sie bei der Hand nimmt, und sich setzt).
Nun denn, mein Kthchen, komm! komm her, o Mdchen!  Mein Mund hat
jetzt dir etwas zu vertraun.

Kthchen.  Mein hoher Herr!  Sprich!  Was bedeutet mir--?

Der Graf vom Strahl.  Zuerst, mein ses Kind, mu ich dir sagen, Da
ich mit Liebe dir, unsglich, ewig, Durch alle meine Sinne zugetan.
Der Hirsch, der von der Mittagsglut geqult, Den Grund zerwhlt, mit
spitzigem Geweih, Er sehnt sich so begierig nicht, Vom Felsen in den
Waldstrom sich zu strzen, Den reienden, als ich, jetzt, da du mein
bist, In alle deine jungen Reize mich.

Kthchen (schamrot).  Jesus!  Was sprichst du?  Ich versteh dich
nicht.

Der Graf vom Strahl.  Vergib mir, wenn mein Wort dich oft gekrnkt,
Beleidigt; meine roh mihandelnde Gebrde dir zuweilen weh getan.
Denk ich, wie lieblos einst mein Herz geeifert, Dich von mir
wegzustoen--und seh ich gleichwohl jetzo dich So voll von Huld und
Gte vor mir stehn, Sieh, so kommt Wehmut, Kthchen, ber mich, Und
meine Trnen halt ich nicht zurck.  (Er weint.)

Kthchen (ngstlich).  Himmel!  Was fehlt dir?  Was bewegt dich so?
Was hast du mir getan?  Ich wei von nichts.

Der Graf vom Strahl.  O Mdchen, wenn die Sonne wieder scheint, Will
ich den Fu in Gold und Seide legen, Der einst auf meiner Spur sich
wund gelaufen.  Ein Baldachin soll diese Scheitel schirmen, Die einst
der Mittag hinter mir versengt.  Arabien soll sein schnstes Pferd
mir schicken, Geschirrt in Gold, mein ses Kind zu tragen, Wenn mich
ins Feld der Klang der Hrner ruft; Und wo der Zeisig sich das Nest
gebaut, Der zwitschernde, in dem Holunderstrauch, Soll sich ein
Sommersitz dir auferbaun, In heitern, weitverbreiteten Gemchern,
Mein Kthchen, kehr ich wieder, zu empfangen.

Kthchen.  Mein Friederich!  Mein angebeteter!  Was soll ich auch von
dieser Rede denken?  Du willst?--Du sagst?--(Sie will seine Hand
kssen.)

Der Graf vom Strahl (zieht sie zurck).

Nichts, nichts, mein ses Kind.

(Er kt ihre Stirn.)

Kthchen.  Nichts?

Der Graf vom Strahl.

Nichts.  Vergib.  Ich glaubt, es wre morgen. - Was wollt ich doch
schon sagen?--Ja, ganz recht, Ich wollte dich um einen Dienst
ersuchen.

(Er wischt sich die Trnen ab.)

Kthchen (kleinlaut.)  Um einen Dienst?  Nun, welchen?  Sag nur an.

(Pause.)

Der Graf vom Strahl.  Ganz recht.  Das wars.--Du weit, ich mache
morgen Hochzeit.  Es ist zur Feier alles schon bereitet; Am nchsten
Mittag bricht der Zug, Mit meiner Braut bereits zum Altar auf.  Nun
sann ich mir ein Fest aus, ses Mdchen, Zu welchem du die Gttin
spielen sollst.  Du sollst, aus Lieb zu deinem Herrn, fr morgen Die
Kleidung, die dich deckt, beiseite legen, Und in ein reiches
Schmuckgewand dich werfen, Das Mutter schon fr dich zurecht gelegt.
- Willst du das tun?

Kthchen (hlt ihre Schrze vor die Augen).  Ja, ja, es soll geschehn.

Der Graf vom Strahl.  Jedoch recht schn; hrst du?  Schlicht aber
prchtig!  Recht, wies Natur und Weis in dir erheischt.  Man wird dir
Perlen und Smaragden reichen; Gern mcht ich da du alle Fraun im
Schlo, Selbst noch die Kunigunde berstrahlst.--Was weinst du?

Kthchen.--Ich wei nicht, mein verehrter Herr.  Es ist ins Aug mir
was gekommen.

Der Graf vom Strahl.  Ins Auge?  Wo?

(Er kt ihr die Trnen aus den Augen.)  Nun komm nur fort.  Es wird
sich schon erhellen.

(Er fhrt sie ab.)



Szene: Schloplatz, zur Rechten, im Vordergrund, ein Portal.  Zur
Linken, mehr in der Tiefe, das Schlo, mit einer Rampe.  Im
Hintergrund die Kirche.

Dreizehnter Auftritt

Marsch.  Ein Aufzug.  Ein Herold erffnet ihn; darauf Trabanten.  Ein
Baldachin von vier Mohren getragen.  In der Mitte des Schloplatzes
stehen der Kaiser, der Graf vom Strahl, Theobald, Graf Otto von der
Flhe, der Rheingraf vom Stein, der Burggraf von Freiburg und das
brige Gefolge des Kaisers und empfangen den Baldachin.  Unter dem
Portal, rechts Frulein Kunigunde von Thurneck im Brautschmuck, mit
ihren Tanten und Vettern, um sich dem Zuge anzuschlieen.  Im
Hintergrunde Volk, worunter Flammberg, Gottschalk, Rosalie usw.


Der Graf vom Strahl.  Halt hier, mit dem Baldachin!--Herold, tue dein
Amt!

Der Herold (ablesend).  "Kund und zu wissen sei hiermit jedermann,
da der Reichsgraf, Friedrich Wetter vom Strahl, heut seine
Vermhlung feiert, mit Katharina, Prinzessin von Schwaben, Tochter
unsers durchlauchtigsten Herrn und Kaisers.  Der Himmel segne das
hohe Brautpaar, und schtte das ganze Fllhorn von Glck, das in den
Wolken schwebt, ber ihre teuren Hupter aus!"

Kunigunde (zu Rosalie).  Ist dieser Mann besessen, Rosalie?

Rosalie.  Beim Himmel!  Wenn er es nicht ist, so ist es darauf
angelegt, uns dazu zu machen.-Burggraf von Freiburg.  Wo ist die
Braut?

Ritter von Thurneck.  Hier, ihr verehrungswrdigen Herren!

Freiburg.  Wo?

Thurneck.  Hier steht das Frulein, unsere Muhme, unter diesem Portal!

Freiburg.  Wir suchen die Braut des Grafen vom Strahl.--Ihr Herren,
an euer Amt!  Folgt mir und lat uns sie holen.

(Burggraf von Freiburg, Georg von Waldsttten und der Rheingraf vom
Stein, besteigen die Rampe und gehen ins Schlo.)

Die Herren von Thurneck.  Hlle, Tod und Teufel!  Was haben diese
Anstalten zu bedeuten?



Vierzehnter Auftritt

Kthchen im kaiserlichen Brautschmuck, gefhrt von Grfin Helena und
Frulein Eleonore, ihre Schleppe von drei Pagen getragen; hinter ihr
Burggraf von Freiburg usw. steigen die Rampe herab.


Graf Otto.  Heil dir, o Jungfrau!

Ritter Flammberg und Gottschalk.  Heil dir, Kthchen von Heilbronn,
kaiserliche Prinzessin von Schwaben!

Volk.  Heil dir!  Heil!  Heil dir!

Herrnstadt und von der Wart (die auf dem Platz geblieben).  Ist dies
die Braut?

Freiburg.  Dies ist sie.

Kthchen.  Ich?  Ihr hohen Herren!  Wessen?

Der Kaiser.  Dessen, den dir der Cherub geworben.  Willst du diesen
Ring mit ihm wechseln?

Theobald.  Willst du dem Grafen deine Hand geben?

Der Graf vom Strahl (umfat sie).  Kthchen!  Meine Braut!  Willst du
mich?

Kthchen.  Schtze mich Gott und alle Heiligen!  (Sie sinkt; die
Grfin empfngt sie.)

Der Kaiser.  Wohlan, so nehmt sie, Herr Graf vom Strahl, und fhrt
sie zur Kirche!

(Glockenklang.)

Kunigunde.  Pest, Tod und Rache!  Diesen Schimpf sollt ihr mir ben!
(Ab, mit Gefolge.)

Der Graf vom Strahl.  Giftmischerin!

(Marsch: Der Kaiser stellt sich mit Kthchen und dem Grafen vom
Strahl unter den Baldachin; die Damen und Ritter folgen.  Trabanten
beschlieen den Zug.--Alle ab.)


Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Das Kthchen von Heilbronn oder
die Feuerprobe, von Heinrich von Kleist.





*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, DAS KAETHCHEN VON HEILBRONN ***

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