The Project Gutenberg EBook of Das Maedchen aus der Feenwelt, by Ferdinand Raimund

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Title: Das Maedchen aus der Feenwelt

Author: Ferdinand Raimund

Release Date: October, 2004  [EBook #6643]
[Yes, we are more than one year ahead of schedule]
[This file was first posted on January 9, 2003]

Edition: 10

Language: German

Character set encoding: ISO-Latin-1

*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, DAS MAEDCHEN AUS DER FEENWELT ***




Thanks are given to Delphine Lettau for finding a huge collection of ancient
German books in London.



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Das Mdchen aus der Feenwelt

oder

Der Bauer als Millionr

Ferdinand Raimund

Romantisches Original-Zaubermrchen mit Gesang in drei Aufzgen


Personen:

Lakrimosa, eine mchtige Fee, verbannt auf ihr Wolkenschlo
Antimonia, die Fee der Widerwrtigkeit
Borax, ihr Sohn
Bustorius, Zauberer aus Warasdin
Ajaxerle, Lakrimosens Vetter und Magier aus Donau-Eschingen
Zenobius, Haushofmeister und Vertrauter der Fee Lakrimosa
Selima und Zulma, Feen aus der Trkei
Lira, die Nymphe von Karlsbad
Ein Triton und Zwei Furien, Tonknstler
Ein Diener der Fee Lakrimosa
Ein Fiaker
Ein Bedienter des Bustorius
Ein Genius als Laternbube

Der Morgen, der Abend, die Nacht, der Bldsinn, die Trgheit und
mehrere andere allegorische Personen.  Zauberer.  Feen.  Vier Genien

Die Zufriedenheit
Die Jugend
Das hohe Alter
Illi, Briefbote im Geisterreiche
Ein Satyr
Amor
Hymen
Ein Genius der Nacht
Ein Genius an der Quelle der Zufriedenheit

Geister der Nacht.  Sechs Pagen und sechs Mdchen

Der Neid und Der Hass, Milchbrder
Tophan, Kammerdiener des Hasses
Nigowitz, ein dienstbarer Geist des Hasses
Eine geistige Wache
Ein Papagei

Neun Geister als Wchter des Zauberringes.  Genien, Geister, Furien
und Diener des Hasses

Fortunatus Wurzel, ehmals Waldbauer, jetzt Millionr
Lottchen, seine Ziehtochter
Lorenz, ehmals Kuhhirt bei Wurzel, jetzt sein erster Kammerdiener
Habakuk, Bedienter
Karl Schilf, ein armer Fischer
Musensohn, Schmeichelfeld und Afterling, Wurzels Zechbrder
Ein Schlosser
Ein Tischler

Mehrere Bediente bei Wurzel.  Gesellen.  Volk

Die Handlung beginnt am Morgen des ersten Tages und endigt am
Abende des zweiten.  Spielt teils im Feenreiche, teils auf der
Erde.




Erster Aufzug



Erster Auftritt

Groer Feensaal, mit magischen Lampen von verschiedenen Farben
hell beleuchtet, welche, auf Kandelabern angebracht, die Kulissen
zieren.  Im Hintergrunde die ffnung eines groen Bogentores,
welches durch einen schalartigen, mit Gold verbrmten Vorhang
verdeckt ist.

In der Mitte des Theaters spielen zwei Furien, ein Triton und der
kleine Borax ein Quartett von zwei Violinen, Viola und Violoncello.
Die Stimmen des Quartetts wechseln mit Solo.  Die Instrumente sind
von Gold, die Pulte ideal.  Im Kreise sitzen: Bustorius, Zenobius,
Antimonia, Selima, Zulma, Lira, der Morgen, die Nacht, der Abend,
der Bldsinn und mehrere andere allegorische Personen, Zauberer
und Feen, die von Zeit zu Zeit von vier Genien, welche als
geflgelte Livreebediente gekleidet sind, auf silbernen Tassen
mit Konfekturen bedienet werden.  Das Ganze wird von folgendem
Chor begleitet.


Chor.
Welch ein herrliches Konzert,
Wo sich hoch die Kunst bewhrt.
Was ist Amphions Geklimper?
Selbst Apollo ist ein Stmper,
Wenn man solche Knstler hrt.
Bravo!  Bravo!  O vortrefflich!
Bravo!  Bravo!  (Verhallend.)  Bravo--Bravo--

(Allgemeiner Applaus.--Alles erhebt sich von den Sitzen, die
Spielenden legen ihre Instrumente weg und verneigen sich).

Zenobius.
Bravissimo, meine Herren!  das haben Sie gut gemacht, (zu dem
Triton) besonders Sie.

Bustorius (tritt vor, einen Csakan in der Hand, im ungarischen
Dialekt).
Isten utzk!  ist das schnes Quartett, von wem ist das komponiert?

Zenobius.
Das Adagio ist von einem Delphin.

Bustorius.
Und das Furioso?

Zenobius.
Von einer Furie.

Bustorius.
Das ist schn, Furie kann am besten machen Furioso.

Borax.
Aber Mama, mich loben s' gar nicht.

Antimonia.
Sei nur still!

Bustorius.
Das kleine Bbel greift aber manchmal ein bissel falsch.

Antimonia (die whrenddem ihrem Sohn immer den Schwei von der
Stirne gewischt hat).
Mein Herr!  das knnte mich beleidigen.  Er ist der erste
Violinspieler im ganzen Feenreich, er hat einen englischen
Meister, der fr jede Lektion zweihundert Schillinge bekommt.

Zenobius.
Ganz gut, aber berlassen Sie sein Lob andern Leuten.

Antimonia.
Wer kann ihn unparteiischer beurteilen als ich, seine Mutter?
(Eitel.)  Obwohl mirs, meiner Jugend und meiner Reize wegen,
niemand ansieht, da ich seine Mutter bin.

Bustorius.
Nein, htt ich Ihnen fr seine Gromutter gehalten.

Antimonia.
O Sie einfltiger Zauberer!  (Borax weint laut.)  Pfui!  mein Boraxi,
mut nicht weinen.  Hrst!  mut gar nicht aufmerken auf die
abscheuligen Leute da.

Borax.  (weinerlich).
Freilich, was liegt denn mir an den Leuten, die knnen alle weniger
als ich.

Antimonia.
Ja mein Bubi, so ists recht!  Jetzt bist brav!

Zenobius (lachend).
Bravissimo!

Bustorius (lachend).
Das ist gute Erziehung.  Buben tut sie schn, und Meister gibt sie
Schilling.

Antimonia.
Beleidigen Sie mich nicht lnger, oder ich verlasse die Gesellschaft
--
(Will fort.)

Zenobius.
Bleiben Sie.  Hat Lakrimosa Sie darum zu sich gebeten, um zu
streiten?  Sie wird den Augenblick erscheinen, sie empfngt nur
ihren Vetter, den sie aus Donau-Eschingen erwartet hat und der
wie Sie alle im Hexengasthof abgestiegen ist, weil im Palast hier
niemand wohnen darf.

Antimonia.
Gut, aus Hflichkeit will ich bleiben, aber schweigen kann ich
nicht, durchaus nicht!

Bustorius.
Das ist liebenswrdige Frau, wenn ich einmal heirate, nimm ich
keine andere, aber sie auch nicht.



Zweiter Auftritt

Ein Feendiener.  Vorige.


Diener.
Die Fee.

Bustorius.
Sie sieht noch gut aus vom weiten.

Zenobius.
Das Schicksal hat sie mit ewiger Jugend beschenkt, darum hat der
Gram ihre Reize geschont.



Dritter Auftritt

Lakrimosa erscheint mit betrbter, aber doch hflicher Miene.
Ajaxerle im schwbischen gestreiften Zauberhabit.  Er ist sehr
geschftiger, gutmtiger Natur.  Trippelt gerne herum und sagt
alles mit dummlachender Miene, als freute ihn alles, was er
spricht.

Vorige.


Alle.
Vivat die Hausfrau!

Lakrimosa.
Es freut mich, meine werten Gste, wenn Sie sich gut unterhalten
haben.

Alle.
Vortrefflich!

Lakrimosa.
Hier stell ich Ihnen meinen geliebten Vetter vor, Magier aus
Schwabenland.

Ajaxerle (im schwbischen Dialekte).
Freut mich, Sie allerseits kennenzulernen.

Alle.
Freut uns!

Bustorius.
Was Teuxel!  das ist ja der Ajaxerle?

Ajaxerle.
Der Tausend, wie kommen denn Sie daher?  ah Herrjegerle, das freut
mich!  (Umarmt ihn.)

Lakrimosa.
Kennen sich die Herren?

Ajaxerle.
Das glaub ich.  Wo haben wir denn nur geschwind Freundschaft
geschlossen?

Bustorius.
Wissen Sie nicht?  Auf dem letzten Geisterdiner in Temeswar.

Ajaxerle.
Richtig!  wo Sie mir die Bouteille Wein an den Kopf geworfe habe,
da hab ich die Ehr gehabt, Sie kennezulerne.

Lakrimosa (tritt zwischen beide).
Genug, meine Herren, diese schnen Erinnerungen ein andersmal.
An mir ist die Reihe.  (berblickt alle mit Wohlgefallen, dann
spricht sie mit Gefhl.)  Ja, es ist keines ausgeblieben, alle
sind sie hier, die mein Schmerz zu sich bitten lie.  Trkische,
bhmische und ungarische Wolken haben sie zu mir getragen.
(Jedem die Hand reichend.)  Mein Bustorius aus Warasdin, meine
Freundin, die Nymphe von Karlsbad, sogar Selima und Zulma, die
Feen von der trkischen Grenze.  Du stille Nacht, an deren Busen
ich so oft mein sinnend Haupt gelegt.  Der Morgen und der Abend.
Bldsinn und Faulheit et cetera, et cetera, alle, alle sind sie
hier.

Bustorius.
Ist das Freude, sind wir alle da!

Lakrimosa.
Und nun hren Sie die Ursache, warum ich Sie auffordern lie,
ihre Wolkenschlsser zu verlassen und mir in meiner bedrngten
Lage Beistand zu leisten.

Alle.
Erzhlen Sie.  (Alle setzen sich.)

Lakrimosa.
Es sind nun volle achtzehn Jahre, als ich an einem heitern
Juliustage auf einem Sonnenstrahl nach der Erde fuhr und mich in
Blitzesschnelle in einem angenehmen Tal befand.  Vor mir stand ein
junger blonder Mann, sein edler Anstand und sein gemtliches Auge
brgten fr die Aufrichtigkeit seines Herzens.  Ihn zu sehen und
zu lieben war das Werk eines Augenblicks.  Es war der Direktor
einer reisenden Seiltnzergesellschaft, die in diesem einsamen
Orte halt machte und nicht mehr weiterziehen wollte, bis die
fr zweihundert Gulden rckstndige Gage augenblicklich gesichert
wre.  Mein Entschlu war gefat: er mein Gemahl oder keiner--
ich zauberte ihm schnell einen Beutel Louisdors in die Tasche
und flog, in eine girrende Taube verwandelt, in mein Reich zurck.
Mein Freund Zenobius sah mich kommen.  Erinnerst du dich noch?

Zenobius.
Ja, es war an einem Mittwoch, und den Tag vorher haben wir Holz
bekommen.

Lakrimosa.
Ihm bergab ich geschwinde die Schlssel meines Palastes, und um
schneller die Erde zu erreichen, verwandelte ich mich in einen
Pfeil, und Zenobius scho ihn in das Dach des Wirtshauses, welches
mein Geliebter indessen bezogen hatte.  Ich stieg als reisende
Schauspielerin darin ab, und, um kurz zu sein, er sah mich, liebte
mich, ward mein Gemahl.  Doch nach zwei glcklichen Jahren--wer
hilft mir die Erinnerung dieses Schmerzes ertragen?--strzte er
vom Seil, das er von einem Kirchturm zum andern gespannt hatte,
und verhauchte seinen stolzen Geist.  (Sie weint.)

(Alle weinen mit.)

Ajaxerle.
Ja das Seiltanzen, ich habs auch einmal probiert, aber ich
versichere Sie, ich bin recht auf den Kopf gfalle.

Bustorius.
Das hab ich schon lang bemerkt, hab ich nur nicht gleich sagen
wollen.

Lakrimosa.
Von tiefer Trauer erschttert, nahm ich mein Kind, ein Mdchen
von zwei Jahren, und kehrte mit ihr ins Feenreich zurck.  Bezahlte
schnell die Schulden, die mein treuer Zenobius indessen auf
meinen Namen gemacht hatte, und nachdem mein Schmerz vertobt war,
erbaute ich meiner Tochter einen Brillantenpalast, lie sie in
dem hchsten Reichtum erziehen und schwur, ihre Hand nur dem
Sohne der Feenknigin selbst zu geben.  Kaum hatte ich diesen
unseligen Schwur getan, so krachten die Sulen meines Palastes,
und vor mir stand die Knigin der Geister.  Be deine Frechheit,
sprach sie, bermtiges Weib.  Einem Sterblichen hast du dich
vermhlt, und deines Kindes Herz willst du durch Glanz vergiften?
So hre meinen Ausspruch: Entrissen sei dir auf Erden deine
Feenmacht, so lange, bis die Bescheidenheit deiner Tochter deinen
bermut mit mir vershnt.  In brillantene Wiegen hast du sie
gelegt, darum sei Armut ihr Los, und des Reichtums Glanz werde
ihr zum Fluch.  Meinem Sohne hast du sie bestimmt, dem Sohn des
rmsten Bauers werde sie angetraut.  Auf die Erde setze du sie
aus, dem Irdischen gehrt sie an, dann kehrst du zurck in dein
Wolkenhaus, und nur die Tugend deiner Tochter kann dich daraus
erlsen.  Wird sie allen Reichtum hassen und vor ihrem achtzehnten
Jahre mit einem armen Manne, der ihre erste Liebe sein mu, sich
verbinden, so ist dein Bann gelst, du darfst sie wiedersehen und
in migen Wohlstand sie versetzen.  Erfllt sie bis zu ihrem
achtzehnten Frhling diese Bestimmung nicht, ist sie fr dich
verloren.  Bescheidenheit heie ihr Glck, denn sie ist nur eine
Tochter der Erde.  Sie verschwand.

Bustorius (nach einer Pause).
Erdk!  ist das schne Geschichte!

Ajaxerle.
Ja!  So traurig und so lang auch noch, das ist das Schne.

Lakrimosa.
Ich sank mit meinem Kinde auf die Erde nieder, in einem dstern
Wald, und in der Gestalt eines alten Weibes pochte ich an eine
niedre, aber reinliche Htte.  Ein lustiger treuherziger Bauer,
ihr einziger Bewohner, sprang heraus, er hie Fortunatus Wurzel.
Ich sank zu seinen Fen und beschwor ihn, er mchte sich des
armen Kindes erbarmen, sie gut und fromm erziehen, sie nie aus
dem Walde lassen und mit siebzehn Jahren an einen armen Jungen,
den sie liebgewinnt, verheuraten.  Wird er dies befolgen, soll
er mich am Tag der Heirat wiedersehen, und ich werde ihn reichlich
belohnen.  Wer ich sei, drfte ich ihm nicht sagen.  Er schwur,
meine Bitte zu erfllen, und eilte mit dem Kind in die Htte.
Langsam und trauernd schwang ich mich auf, Trnen entstrzten
meinen Augen, wurden zu kostbaren Perlen und fielen nieder auf
das Strohdach seiner Htte.  (Nach einer Pause seufzend.)  Ob er
sie gefunden, wei ich nicht.

Bustorius (gleichgltig).
Wei ich auch nicht.  (Will aufstehen.)

Lakrimosa.
Jetzt kommt das Wichtigste.

Bustorius.
Also noch nicht aus?  Bravo!  (Setzt sich wieder nieder.)

Lakrimosa.
Vierzehn Jahre hat er sein Wort treu gehalten, doch ber ein Jahr
lebe ich schon in qualvoller Angst.  Die mignstigen Gesinnungen
meiner Dienerschaft verschafften dem Neid Eintritt in mein Exil,
und dieser mchtige Frst der Galle verliebte sich in mich und
warb um meine Hand, doch da er von jeher aus meinem Herzen
verbannt war, wies ich ihn mit Verachtung ab.  Um sich nun dafr
zu rchen, schwur er, mich durch meine Tochter zu verderben, und
lie den Bauer einen groen Schatz finden.  Im Besitze dieses
Reichtums ist dieser nun seit zwei Jahren wie ausgewechselt,
wohnt in der Stadt, lebt auf dem grten Fu, ergibt sich dem
Trunke, mihandelt meine Tochter und will sie zwingen, einen
reichen Freier zu whlen, whrend ihr Herz an einem armen Fischer
hngt.  Morgen um Mitternacht zhlt sie achtzehn Frhlinge, und
wenn sie bis dahin nicht die Braut des Fischers ist, ist sie fr
ihre Mutter verloren.  Ich mu hier mig bleiben und darf sie
nicht beschtzen.  Alle Geister in der Nhe der Feenknigin habe
ich seit zwei Jahren vergebens um Hlfe angefleht, darum habe ich
in meiner hchsten Not nun Sie versammeln lassen, und wenn Sie
nicht alles aufbieten, mein Kind zu retten, so bin ich die
unglcklichste Fee, die je einen Zauberstab geschwungen hat.

Alle (springen auf).
Pereat der Neid!  Pereat der Bauer!

Zenobius.
Lakrimosa soll leben!

Alle.
Hurra!

Bustorius.
Kommen Sie, Frau, sein Sie nicht traurig.  Waren Sie zwar stolzes
Weibsbild, aber sein Sie bestraft, sein Sie doch gute Person,
haben Sie Ihr Kind gern, das gfallt mir.  Geben Sie mir Bussel.
(Nimmt sie beim Kopf und kt sie.)  Nit wahr, meine Freunde,
wollen wir ihr alle helfen?

Alle.
Alle!  Alle!

Bustorius.
Was wollen Sie mehr, sein das nicht rare Geister?  Verlassen Sie
sich auf ungarischen Zauberer.  Was Ungar verspricht, das halt er.
Hat er festes Blut in sich wie Eisenbad in Mehadia.  Wir wollen
schon einheizen den vertrackten Purzel oder Wurzel, wie der Kerl
heit.

Ajaxerle.
Ja, das wollen wir, und ich will die ganze Sache dirigieren.
Jetzt lauf ich gleich ins Wirtshaus und la mir was immer fr
a Vieherle sattle und reit in die Stadt hinunter und werd alles
auskundschafte, und auer der Stadt drauen steht ein verrufenes
Bergle, das heit der Geisterscheckel, da kommen wir in zwei
Stunden in dem alten Schlo oben alle zusammen und machen den
ganzen Plan aus, und die Nacht da (auf die Nacht zeigend), die
mu vor uns herfliegen, damit die Sach kein Aufsehen macht, und
heut abend msse Sie schon Ihr Tchterle habe, und wenn sie auf
den Blocksbergle vermhlt werde soll.

Alle.
Ja, heute noch, Hurra!

Lakrimosa.
So sind Sie, wie ich Sie haben wollte, jetzt ist mein Mutterherz
getrstet.  Ich verlasse mich ganz auf Sie.  (Im Konversationstone.)
Darf ich Ihnen gschwind noch mit ein Glaserl Punsch aufwarten?

Bustorius.
Was Ponsch?  Nichts Ponsch, ist schon Tag.  Lassen Sie Wagen
vorfahren.  Wo ist mein Fiaker 243?

Zenobius.
Die Wgen herbei.  Die Mntel!  Es ist ja noch stockfinster in
den Wolken, es mu ein Wetter am Himmel sein.

(Alles bricht auf, nimmt die Mntel um.  Der mittlere Vorhang
geht auf, man sieht in eine Wolkenstrae.  In der Ferne sind die
beleuchteten Fenster einiger Feenschlsser zu sehen.  Die
Wolkenwagen fahren vor und gerade in die Kulisse ab, nicht durch
die Luft.  Zwei Diener mit Fackeln leuchten.)

Ein Feendiener (ruft).
Fiaker 243, vorfahren!

Fiaker (schreit).
Ja!  (Fhrt vor.)

(Bustorius steigt ein, sein)

Diener (springt hinten auf und ruft).
Nach Haus!

(Ein anderer Wagen mit zwei Laternen folgt.  Antimonia steigt ein
und fhrt fort.  Zuletzt erscheint eine Wurst, mehrere Zauberer
und Feen setzen sich auf und fahren fort.)

Lakrimosa (nachrufend).
Kommen S' gut nach Haus!  Vergessen S' nicht auf mich!  Sie Herr
Vetter, ich la Ihnen einspannen und in den Gasthof fhren.

Ajaxerle.
Ei bewahr!  ich hab ja mein Laternbble da.  (Ruft.)  He, rufts
ihn doch!

Feendiener.
He, Laternbub!

Ein kleiner Genius (mit einer Laterne springt herein).
Hier, Euer Gnaden!

Ajaxerle.
Voraus, Spitzbble!

Genius (ihn nachffend).
Voraus, Spitzbble!

(Unter allgemeinem Lrm und Empfehlungen: Kommen Sie gut nach
Haus!  usw.  fllt der Vorhang vor.)



Vierter Auftritt

Verwandlung

Nobles Gemach in Fortunatus Wurzels Haus, an der Seite ein
bronzierter Kleiderschrank.  Rechts ein Fenster neben dem
Schlafgemach Wurzels.  Auf der entgegengesetzten Seite der
Eingang.

Lorenz mit zwei Bedienten.  Habakuk.

Lorenz luft zum Fenster und sieht hinaus.


Stimme von unten.
Herr Lorenz, der Wein ist da.  Gehts einer herunter!

Lorenz (ruft hinab).
Gleich, gleich, nur nicht so schreien, da ist den Herrn sein
Schlafzimmer!  (Zu den Bedienten.)  Gehts hinunter zun Wagen, der
echte Champagner ist kommen.  Tragts die Flaschen in Saal hinauf.
Morgen ist Punschgesellschaft, da mu er austrunken werden,
aller, sonst wird er hin, er halt sich nur ein paar Tage.  (Zwei
Bediente gehen ab.  Zum dritten.)  Und du nimmst ein zehn Flaschen
weg und stellst mir s' auf die Seite, ich brauch s' fr eine
arme Familie, die gern trinkt.

Habakuk.
Schon recht, Mui Lorenz.  (Geht ab.)

Lorenz (allein).
Was man alles zu tun hat, wenn man erster Kammerdiener in ein
Haus ist!  Wie ich noch Halter bei ihm war, hab ich lang nicht
so viel zu tun ghabt als jetzt.  Ja, wenn wir auch von Land
sein, deswegen sind wir doch nicht auf den Kopf gfallen.  Wie
ich Bedienter worden bin, hab ich nicht gwut, warum die
Schneider so groe Sck in die Livreen machen, jetzt wei ichs
schon: weil die Bedienten von ihre Herrschaften so viel
einstecken mssen.  (Sieht durchs Schlsselloch.)  Mir scheint,
er steht schon auf.  Das war wieder ein Spektakel heut nacht,
mit ihm und seine guten Freund.  Bis um drei haben s' trunken
und gsungen, ber achtzig Glser zusammgschlagen, und so gehts
alle Wochen viermal.  Mich wundert nur, da ers aushalt--Und
seine guten Freund halten ihn fr ein Narren, sie sagen, er wr
der gscheideste Mensch von ganz Mamelukien oder wie das Land
heit.  Jetzt will er gar ein heimlicher Gelehrter werden, und
ich hab schon was wispern ghrt, ein Philosoph auch noch.  Ein
Bauer, es ist schrecklich!  und er lat nicht nach, auf die
Wochen gehts schon los, da lernt er 's Lesen, und aufs Jahr
schreiben, und da hat er recht.  Wenn ein dummer Mensch nur
wenigstens schreibt, so kann er sichs doch selber zuschreiben,
da er nichts glernt hat.  Da kommt die Lottel, die drf ich
gar nimmer zu ihm lassen, wenn die den Fischerkarl nicht lat,
das wird noch eine schne Metten absetzen.



Fnfter Auftritt

Lottchen.  Voriger.


Lottchen (einfach gekleidet).
Guten Morgen, lieber Lorenz!  Ist mein Vater schon auf?

Lorenz (sich ein Ansehen gebend).
Guten Morgen, Frulein Lottel!

Lottchen.
Wieviel hundertmal hab ich dich schon gebeten, du sollst blo
Lottchen zu mir sagen.  Ich bin nur ein armes Landmdchen.

Lorenz.
Was sind Sie?  ein armes Landmdchen?  das bringt ja einen
Tannenbaum um.  Sie sind ja eine Millionistin.

Lottchen.
Ich will aber keine sein, denn der Schatz, den der Vater
gefunden, hat Unglck ber unser ganzes Haus gebracht.  Ach,
wo ist die schne Zeit, wo der Vater so gut mit mir war, wo
ich tglich meinen Karl sehen durfte, wo noch Schwalben unter
unserm Dache nisteten, und keine so hungrigen Raben wie jetzt
die falschen Freunde meines Vaters!  Ach, wo bist du, glckliche
Zeit?

Lorenz.
Ja, es kann halt nicht immer so bleiben, hier unter den
wchsernen Mond!

Lottchen.
Wo seid ihr, ihr Nachtigallen im grnen Wald, ihr wirbelnden
Lerchen, ihr funkelnden Kfer?  ach!  das ist alles vorber,
jetzt kommen keine Schwalben, keine Lerchen, keine Kfer, und
mein Karl kommt auch nicht mehr.

Lorenz.
Und das wr Ihnen halt der liebste Kfer.  Den haben wir aber
die Flgel gestutzt.

Lottchen.
Nein, noch heute will ich meinem Vater zu Fen fallen und ihn
bitten, das unglckliche Gold von sich zu werfen, seit dessen
Besitz sich seines Herzens ein so bser Geist bemchtigt hat.
Ich will gleich zu ihm.  (Will gehen.)

Lorenz (tritt vor die Tr).
Frulein Lottel, tun Sie das nicht.  Ich darf Ihnen nicht
hineinlassen.

Lottchen.
Warum nicht?

Lorenz.
Der Herr Vater ist krank.

Lottchen (erschrickt).
Krank?  mein Vater krank?  Himmel, und bedeutend?

Lorenz.
Ja!

Lottchen.
Ist das wahr?

Lorenz.
Wollen Sies nicht glauben?--



Sechster Auftritt

Habakuk mit einer groen Tasse, worauf eine groe Gans liegt,
ein Teller voll Backerei und eine groe Flasche Wein steht,
tritt seitwrts ein, bleibt an der Tr stehen, an der andern
Tr steht Lorenz, in der Mitte, einen Schritt zurck, Lottchen.


Habakuk.
Den Herrn sein Frhstck!

Lorenz.
Nur hinein damit.  (Deutet aufs Schlafzimmer.  Habakuk trgt es
hinein.  Lorenz zu Lottchen.)  Jetzt haben Sies selbst gesehen,
da er mediziniert.  (Geht verlegen vor.)

Lottchen (beleidigt und erstaunt, stellt sich vor ihn).
Lorenz!  also mein Vater ist krank?

Lorenz.
Nu, schon wie!  Bei ihm heits: Fri Vogel, oder stirb!

Lottchen.
Also so kannst du mich hintergehen?  Pfui!  das htt ich nicht
von dir geglaubt.  Geh, du bist ein abscheulicher Mensch!  Doch
nein, ich will dich nicht bse machen, ich will dir schmeicheln,
ich will dir sagen: du bist der beste, der schnste Lorenz auf
der Welt, wenn es auch nicht wahr ist, aber la mich zu meinem
Vater!

Lorenz.
Und ich darf nicht.  Er hats verboten.  Er sagt, Sie sind nicht
sein Kind, Ihre Mutter war ein Bettelweib.

Lottchen.
Himmel!  was ist das?  So weit ist es mit ihm gekommen, da er
sein Kind verleugnet?  Hat er mir nicht oft erzhlt, meine
Mutter wre bald nach meiner Geburt gestorben, und ich wre
sein einziges Kind, von dem er einst Dankbarkeit hofft?  Und
nun verstot er mich?  Ach du lieber Himmel, ich habe keine
Verwandten, keine Freunde, keinen Vater mehr, wenn du dich
nicht um mich annimmst, so mu ich zugrunde gehen.  (Geht
weinend ab.)

Lorenz (allein).
Was Verwandte, zu was braucht man die?  Unser schwarzaugigtes
Stubenmdel ist mir lieber als alle Verwandtschaften auf der
Welt.  (Ab.)



Siebenter Auftritt

Wurzel aus dem Kabinett.


Wurzel.
Arie
Ja, ich lob mir die Stadt,
Wo nur Freuden man hat!
Mich sehn s' nimmer aufn Land,
Bei dem Volk ists a Schand.
In aller Frh treibn s' schon die Ochsen hinaus,
Und da findt man kein einzigen Bauern mehr z' Haus.
Den ganzen Tag sitzt man aufn Pflug,
Trinkt Bier aus ein steinernen Krug,
Und auf d'Nacht kommt man z' Haus, was ist gwest?
Um achte liegt alls schon im Nest!

Drum lob ich mir die Stadt,
Wo man Freuden nur hat.
Mich sehn s' nimmer aufn Land,
Bei dem Volk ists a Schand.

Jetzt hab ich so viel Bediente,
Steh um halber zwlf Uhr auf,
Trink Kaffee und i geschwinde
Fnf bis sechs Polakel drauf.

Kurz, es kann kein schners Leben
Als mein jetziges mehr geben,
Denn wer mich ansieht, 's ist ein Spa,
Fallt fast vor Ehrfurcht in die Fra.



Was das fr ein schnes Bewutsein ist, einen guten Magen zu
haben.  Ich bin mit den meinen recht zufrieden, ein fleiiger
Kerl, alle Achtung fr ihn.  Oh, ein Magen zu sein, ist eine
schne Charge.  Sultan ber zwei Reiche, bers Tierreich und
bers Pflanzenreich.  Ein wahrer Tyrann!  Hendeln und Kapauner
sind nur seine Sklaven, die druckt er zusammen, als wenn s'
nie da gewesen wren.  Und doch ein Ehrenmann, der keine
Schmeicheleien mag, mit Sigkeiten darf man ihm nicht kommen,
da verdirbt man ihn ganz.  Sackerlot, ich bin der fidelste Kerl
auf der Welt!  Eine Freud hab ich manchmal in mir, da wird mir
so wohl ums Herz, so gut, da ich alles zusammprgeln mcht,
so seelenfroh bin ich.  Und Geld hab ich, da mir angst und
bang dabei wird.  Jetzt hab ich das Haus gekauft, und jetzt
kauf ich mir noch einen saubern Weltteil, wo ein kleiner Garten
dabei ist, das wird ein Leben werden.  Lenzl!



Achter Auftritt

Lorenz.  Voriger.


Lorenz.
Was schaffen S'?

Wurzel.
Wo steckst denn, da dich um mich nicht umschaust?

Lorenz.
Grad bin ich hinausgangen.  Die Frulein Lottel war vorher da
und hat mit Ihnen reden wollen.

Wurzel.
Untersteh dich nicht, da du ein Wort von ihr redst, ich will
nichts wissen von der Wasserprinzessin.  Ist das ein Betragen
fr ein Haus wie das meinige?  Statt da ein vampirenes Kleid
anleget und mit ihren Vatern auf d' Promenad ging', bleibt s'
das ganze Jahr zu Haus hocken und geht in einem spinatfarben
berrock herum.

Lorenz.
Sie taugt halt nur aufs Land.  Sie will halt eine niedrige Person
sein.

Wurzel.
Und doch redt s' hochdeutsch, und hat ihrs kein Mensch glernt.
Was ist denn heut fr ein Tag?

Lorenz.
Freitag.

Wurzel.
Da freu ich mich wieder, da ist Fischmarkt, da kommt der Bursch
wieder vom Land herein.  Und wenn er seine Fisch verkauft hat,
ist er nicht zufrieden, da setzt er sich da drben auf den
Stein und hat Maulaffen auch noch feil, schaut immer auf ihr
Fenster herber wie ein Aff--Mit der Wacht la ich ihn noch
wegfhren.

Lorenz.
Das Sitzen kann man keinen Menschen verbieten.

Wurzel.
So lat ihn sitzen, auf d' Letzt sitzt er doch zwischen zwei
Sthl auf der Erde.  Aber 's Madel wird mir ganz verwirrt.  Ich
la ihr Zeichnen lernen und Sticken, nutzt nichts.  Statt da
sie schne Blumen macht, Vasen und solche Sachen, was zeichnet
s'?  was stickt sie?  lauter Fisch.  Zu meinen Namenstag stickt
sie mir ein Polster--was ist drauf ?  ein gromchtiger
Backfisch, aber ohne Kopf,--wie ich meinen drauflegen ist der
ganze fertig.--Sie mu den reichen Juwelier heiraten.

Lorenz.
Warum soll s' denn aber just ein Juwelier heiraten?  Sie sind
ja so ein steinreicher Mann.

Wurzel.
Eben.  Damit ich das bleib, darf sie den Burschen nie nehmen.

Lorenz.
Ich bin ein gscheider Mensch, aber das versteh ich nicht.  So
wenig als ich wei, wo Sie auf einmal das viele Geld hergnommen
haben damals, wie mir den Tag drauf die Htten stehn haben
lassen, das Vieh verschenkt, und sein ber Hals und Kopf in die
Stadt gezogen.

Wurzel.
Das werd ich dir jetzt alles erklren, weil ich durch so lange
Zeit gfunden hab, da du ein treuer Kerl bist, der mich nie
betrgen wird, (gutmtig) nicht wahr, Lenzl?

Lorenz (heuchlerisch).
Hren Euer Gnaden auf, oder mir kommen die Trnen in die Augen.

Wurzel.
Es war so: Vor zwei Jahren, da geh ich so in der Dmmerung
zwischen acht und neun ganz verdrlich von meinen Krautacker
nach Haus.  Auf einmal machts was: Pst!  Pst!  Ich schau mich um,
so sieh ich quer bern Acker einen magern Mann auf mich zueilen,
ein gelblicht grnes Gwand an mit goldenen Borten, so, da ich
ihn anfangs hab fr einen Leibhusaren von einer Herrschaft
ghalten, er aber bitt mich, ich mchte niemand etwas davon sagen,
und er wr ein Geist, und durch die Borten wollt er mir andeuten,
wie auerordentlich er fr mich bordiert wr, kurz, er wr der
Neid und wollt mich glcklich machen.

Lorenz.
Das ist eine schne Bekanntschaft.

Wurzel.
Nur still.  Er sagt, er htte einen alten Schatz, den er gern
los sein mcht, und den wollt er mir schenken, ich mte aber
in die Stadt ziehen und recht aufhauen damit, was ich nur kann,
und besonders das Mdel soll ich recht herausstaffieren und
solls nur ja nicht zugeben, da sie den Fischer heirat, soll
mich aber nie unterstehen zu sagen, da ich mein Glck
verwnsche, sonst verschwindet alles, und ich mt betteln
gehn.  Jetzt mcht ich aber gleich nach Haus gehn, der Schatz
wird schon zu Haus sein.  Darauf ist er unter die Krauthappeln
verschwunden, und ich hab ihn nimmer gesehen.

Lorenz.
Nun, und wo war denn der Schatz?

Wurzel.
Ich geh nach Haus, such 's ganze Haus aus--find nichts.
Endlich kommt mir der Gedanke, schau auf den Treitboden hinauf.
Hrst, ist dir der ganze Boden voll, und mit was?  Mit lauter
Gallpfel.  Jetzt gschieht mir recht, denk ich mir, was kann
man vom Neid anders erwarten als Gall und Verdru, komm in
Zorn und bei einen auf.  Was ist drinn?  Ein Dukaten!  Ich nimm
noch einen--noch einen--lauter Dukaten!  Lenzl, jetzt httest
du die Beierei sehen sollen.  Ich kann sagen, ich hab mir
mein Vermgen bitter erworben.  Vierzehn Tag nichts als Gallpfel
aufreien, das wird doch eine hantige Arbeit sein.  Mordsakerlot!

Lorenz.
Ah, das ist ein Unterhaltung.  Nu, jetzt werd ich den Fischer
jagen, wenn sich der noch einmal sehen lt.

Wurzel.
Schau aufs Mdel, und wie du was siehst, sagst mirs!

(Trinkt aus einem Flschgen.)

Lorenz.
Aber mssen Euer Gnaden denn immer naschen?

Wurzel.
Still!  ich nimm ein zum Gscheidwerden.

Lorenz.
Und gibst denn da eine Medizin dafr?

Wurzel.
Freilich, ich habe den Doktor so lang sekkiert, bis er mir was
geben hat, was mich gscheid macht.  Da krieg ich alle Wochen so
ein Flaschel voll, das kost vierzig Dukaten, das treibt den
Kopf auseinander.  Das soll ich nur ein paar Jahr fortnehmen,
sagt er, und wenn ich einmal ein paar tausend Dukaten drauf
spendiert hab, so wird mir auf einmal ein Licht aufgehen, und
da werd ich erst einsehen, wie dumm als ich war.

Lorenz.
Ich wnsch Ihnens, es wr die hchste Zeit.  Lassen mich Euer
Gnaden auch trinken, ich mcht auch recht abgwixt werden.

Wurzel.
Das kost zu viel.  Ich werd dich schon so einmal recht abwixen,
da du auf eine Weil gwitzigt bist, nachher wirst schon wissen,
wieviels gschlagen hat.  Ich geh jetzt aus, ich mu mir Sporn
kaufen.  Und du gehst zum Tandler in die Vorstadt hinaus und
lat die vielen Bcher hereinfhren, die ich gestern bei ihm
kauft hab, sperrst dann das Zimmer auf, was ich zur Biberlithek
bestimmt hab, und schttest die Bcher ordentlich hinein auf
einen Haufen und zahlst ihm s'.

Lorenz.
Schon recht!

Wurzel.
Und da er mich nicht betrgt, ordentlich messen, ich hab sie
buttenweise gekauft, die Butten um fnfundzwanzig Gulden--
keinen Kreuzer gibst mehr.  Und wennst unten durchgehst, sagst
den Koch, da die Tafel gut ausfllt, heute Mittag im Gartensaal
auf zwanzig Personen, und auf die Letzt soll er ein kleines Fal
Punsch machen.  Allez!  (Lorenz ab.)  Ich mag halt reden, von was
ich will, ich komm halt immer aufs Essen zurck.  Selbst wie ich
noch im Wald war, wenns gschneit hat, und ich bin auf dem Feld
gstanden, ist mir die ganze Erden vorkommen, als wenn s' ein
groer Tisch wr, wo ein wei Tischtuch drauf ist, und alle
Leut auf der Welt zum Essen eingeladen wren.

Arie

Die Menschheit sitzt um billgen Preis
Auf Erd an einer Tafel nur,
Das Leben ist die erste Speis,
Und 's Wirtshaus heit bei der Natur.
Die Kinder klein noch wie die Puppen,
Die essen anfangs nichts als Suppen,
Und blo nur wegn dem boeuf  la mode
Schaun d' jungen Leut sich um ein Brot.
Da springt das Glck als Kellner um,
Bringt fters ganze Flaschen Rum,
Da trinkt man meistens sich ein Rausch
Und jubelt bei der Speisen Tausch.
Auf einmal lt das Glck uns stecken,
Da kommen statt der Zuspeis Schnecken.
Von Freunden endlich oft verraten,
Riecht man von weitem schon den Braten,
Und bis erst bringen das Konfekt,
Gschiehts oft, da uns schon nichts mehr schmeckt.
Der Totengrber, ach herrje!
Bringt dann die Tasse schwarz Kaffee
Und wirft die ganze Gsellschaft 'naus.
So endigt sich der Lebensschmaus.  (Geht ab.)



Neunter Auftritt

Lottchen kmmt herein.


Lottchen.
Der Vater ist an mir vorbergepoltert, ohne auf meinen guten
Morgen zu hren, er will in lauter glckliche Augen schaun, er
geht aus.  (Geht an das Fenster und erschrickt.)  Ach, dort ist
Karl!  er hat seine Fische schon verkauft.  Wer ist denn der
fremde Mann, der bei ihm ist?  Sie werden doch nicht heraufkommen?
Himmel, wenn ihn der Vater sieht!  Wie unvorsichtig!  Hier sind sie
schon.



Zehnter Auftritt

Karl.  Ajaxerle.  Vorige.


Karl (im Bauernkleide, strzt auf Lottchen zu).
Lottchen, liebes, gutes Lottchen!  Sprech ich dich endlich einmal!

Lottchen (ihre Freude zurckhaltend).
Karl!  ach mein lieber, lieber Karl!

Karl.
Wie?  so lange sind wir getrennt, und du empfngst mich so kalt,
so herzlos?

Lottchen.
Aber Karl, dieser Herr--

Karl.
Ah, was liegt uns an den Herrn, das scheint gar eine ehrliche
Haut zu sein.  Nicht wahr, lieber Freund, Sie nehmens nicht bel?

Ajaxerle (als schwbischer Handelsmann, trgt einen Kaput mit
zinnernen Knpfen, dreieckigten Hut).
Ah freilich, genieren Sie sich nicht, deswegen sind wir ja da.

Karl.
Ja, wenn ich mein Lottchen sehe, da vergesse ich auf die ganze
Welt.  (Umarmt sie.)  Ach Lottchen, was wird aus uns werden?  Ich
htte mich noch nicht heraufgetraut, wenn du mich nicht durch
diesen Herrn httest rufen lassen.

Lottchen.
Durch diesen Herrn?

Karl.
Jawohl, dieser Herr kam heute zu mir auf den Markt und sagte,
du httest ihn geschickt, mich zu dir zu fhren, wenn dein Vater
ausgeht.

Lottchen.
Aber Karl, was ist denn das, ich kenne ja diesen Herrn gar nicht?

Karl.
Wie?

Ajaxerle.
Ja, wissen Sie, warum Sie mich nicht kennt?  Sie hat mich noch
nie gsehen.

Karl.
Herr, wie knnen Sie sich unterstehn, mit uns Spa zu machen?

Ajaxerle.
Ich will mir aber ein Spa machen, ich will euch glcklich
machen.  Ihr Tausendsappermenter!  Schlagts ein, verlat euch
auf mich, ich bin ein ehrlichs Bble.  Ich darf euch noch nicht
sagen, was ich bin, aber unter uns gesagt ich bin was.  Erstens
bin ich ein Schwabe, und dann bin ich noch was, und wenn binne
zwei Tagen nicht Hochzeit wird, so knnts mir was antun.
Verlats euch nur auf mich, ich werd den Bauer schon herumkriegen
und sagt er nein so ist bis heute abend doch die ganze Pastete
in Ordnung.  (Zu Karl.)  Gehen Sie nur getrost nach Haus und warte
Sie auf mich in Ihrer Htte.

Lottchen (springt vor Freude).
Ists mglich?  Ach Karl, wir wollen ihm vertrauen--

Wurzel (von innen).
Aufdecken lassen!

Lottchen.
Himmel!  Der Vater kmmt zurck!  Ach, wenn er dich sieht, so
ist alles verloren.

Karl.
Leb wohl, ich entspringe.  (Will abgehen.)

Lottchen.
Du lufst ihm ja entgegen.  Ich will sehen, ob er nach dem
Garten geht, dann schnell hinab, sonst sind wir verloren.
(Eilt schnell ab.)

Ajaxerle (ihr nachrufend).
Frchte Sie sich nicht!  Bleibe Sie da!

Karl.
Verdammte Geschichte, der Alte kommt herauf.

Ajaxerle.
Das macht nichts, er wird uns nicht beie.  Aber weil ich das
Ding gar fein anstelle will, so schlupfe Sie derweile in den
Kasten hinein.

Karl (probiert am Kasten).
Er ist verschlossen!

Ajaxerle.
Warte Sie, er wird gleich offen sein!  Ich hab ja mein Werkzeugle
bei mir.  (Er zieht schnell einen Zauberkreis, ein kleines Buch
und ein kurzes Stbchen aus der Tasche, stellt sich in den Kreis
und schnattert die Worte.)  Pitschill!  Putschill!  Frisill!  sauf!
Ksterle!  Kasterle!  tu dich doch auf!  (Schlgt mit dem Stab
auf das Buch.  Der Kasten springt auf und verwandelt sich dadurch
in eine transparente Laube mit einem Rasensitz.  Karl springt
erstaunt hinein, die Flgel schlieen sich, und der Kasten
steht wieder wie vor da.  Ajaxerle steckt seine Zauberrequisiten
ein.)

Lottchen (strzt herein).
Es ist umsonst, er folgt mir auf dem Fu!  Wo ist Karl?

Ajaxerle (deutet auf den Kasten).
Den hab ich aufghoben, im Kasten da drin.

Lottchen.
Unter der alten Wsche?

Ajaxerle.
Ja wohl, bei die alten Strmpf, damit doch ein neuer auch dabei ist.

Lottchen.
Still, der Vater kommt.



Elfter Auftritt

Wurzel.  Vorige.


Wurzel.
Nun, was ist denn fr ein Gejage ber die Stiegen?
(Sieht Ajaxerle.)  Was ist das fr eine Figur?  Wer hat denn das
Gsicht hereingelassen?  Nu, was gibts?  Sind wir was?  Wollen Sie
was?  mit Ihrer dreieckigten Physiognomie?

Ajaxerle.
Knnt ich nicht die Ehre haben, mit Ihnen zu sprechen?

Wurzel.
Nun, die Ehr hat Er ja schon.  Nur heraus mit der Katz aus dem
Sack.

Ajaxerle.
Sie werden mich wahrscheinlich schon kenne?

Wurzel.
Ich?  woher denn?

Ajaxerle.
Ich bin der Martin Haugerle und bin Schneckenhndler aus dem
Reich.

Wurzel.
Und wegen den soll ich Ihn kennen?  Vielleicht weil Er so
schlampicht ist wie ein Schneck?  Hinaus mit Ihm, oder Er wird
mich kennenlernen.

Ajaxerle.
Oh, ich habs schon ghrt, Sie sind ein Tiger, mir hats mein
Vetter gschrieben, der arme Fischerkarl, da Sie so unbarmherzig
mit ihm umgehen, und darum bin ich herabgereist.

Wurzel.
Auf der Schneckenpost?

Ajaxerle.
Und will fr ihn um das Mdle anhalte.  Sie haben ihm vor drei
Jahren Ihr Ehrenwort gegeben, und das mssen Sie halten.

Wurzel.
Was sind das fr Keckheiten?  Ich werd unsinnig.  Erstlich
untersteht Er sich, dem Taugenichts sein miserablicher Vetter
zu sein, und zweitens wagt Ers und halt um meine Tochter an,
fr den liederlichen Fischer?

Ajaxerle.
Schimpfe Sie nicht, er ist ein bravs Mnnle, und ein Brschle
wie die gute Stund.

Lottchen.
Ach ja Vater, er trbt kein Wasser.

Wurzel.
Ein Fischer--und trbt kein Wasser?  und pritschelt den ganzen
Tag darin herum.  (Streng zu Lottchen.)  Du schweigst!  und wenn
du dich nicht in meinen Willen fgst und immer vom Wald
phantasierst, du melancholische Wildanten, und mir noch einmal
dein Bauerngwand heimlich anziehst, was dadrin in einem Pnkel
versteckt hast, und nichts als Fisch und Wasser im Kopf hast,
so gib acht, wie ich dich durchwassern werde, einen Wolkenbruch
la ich auf deinen Buckel niedergehen, wannst nicht den alten
Millioneur heuratst.

Lottchen.
Ach, was bin ich fr eine arme Nrrin!

Wurzel.
Just, wenn man eine arme Nrrin ist, mu man suchen, auch
Millioneurin zu werden, so verzeihen einem doch die Leut die
Narrheit leichter.  Ein Fischer heiraten wollen--dieses
unsichere Metier, bis er einen Fisch fangt, kommen ihm hundert
aus.  Da heirat lieber einen von den seinen Schnecken, so kriegst
doch einen Hausherrn.

Lottchen.
Vater, bringen Sie mich nicht auf das uerste.  Hren Sie meinen
Schwur: Ich verachte alle Reichtmer Ihrer Stadt und werde nie,
nie von meinem armen Karl lassen.

(Es donnert sehr stark.)

Ajaxerle.
Haben Sie ghrt, den Pumperer?

Wurzel.
War das ein Donner?  desto besser, vielleicht schlagt der Donner
drein, so darf ichs nicht tun.  (Zu Lottchen.)  Du willst also
nicht von den Fischer lassen?

Ajaxerle.
Nein, und recht hat s'!  wissen Sie das?  Und wenn Sie ihr den
Burschen nicht geben, so wirds Ihnen reuen, so viel Haarle Haar
Sie auf Ihren Strobelkopf haben, auf Ihren bockbeinigen.

Wurzel.
Nun gut, so hren Sie denn auch meinen Schwur, Sie Vorsteher
der wrdigen Schneckenzunft.  (In diesem Augenblick kommt hinter
Wurzel ein kleiner Satyr mit Pferdefen, auf einer abgebrochenen
Sule sitzend, aus der Versenkung.  Er hat eine schwarze Tafel
und schreibt Wurzels Schwur darauf.)  Nicht eh darf diese
Verbindung vollzogen werden, bis aus dem Blut, das wie
geschmolznes Eisen glht, ein Himbeergefrornes wird--bis
diese krftgen Zwillingsbrder, meine Fust, so kraftlos sind,
da ich nicht einmal einen Kapauner mehr transchieren kann--
bis dieses kienruschwarze Haupt sich in einen Gletscher
verwandelt--kurz, bis ich so ausschau, da ich auf den
Aschenmarkt hinaus ghr!--Dann fragen Sie sich wieder an,
mein lieber Schneckensensal, dann halt ich Ihren Fischer mein
Wort.

Ajaxerle (rasch).
Schlage Sie ein, es gilt!  (Hlt die Hand hin.)

Wurzel (schlgt ein).
So wahr ich auf der Welt bin, und jetzt--(stark) Punktum!

Satyr (mit krftiger Schadenfreude).
Satis!  (Er hat bei den Worten Wurzels: "So wahr ich auf der
Welt bin" geendet.  Schlgt bei dem Wort: "Satis" mit der flachen
Hand auf die Tafel, macht dann schnell eine drohende Bewegung
hinter Wurzel und versinkt wieder.)

Ajaxerle.
So, und jetzt lebe Sie wohl, Sie Herr von Wurzle.  Vergesse
Sie nicht auf Ihren Schwur, maltrtiere Sie nur das arme Mdle
da, verachte Sie den ehrlichen Bauernstand, halte Sie sich an
Ihre Saufbrderle.  Aber weh Ihnen, wenn Sie den Schneckenhndler
aus den Reich wieder einmal zu Gesicht kriege werde.  Verstehe
Sie mich?  Weh Ihne!  das merke Sie sich wohl, Sie Hasenfu.
(Luft ab.)

Wurzel (ergreift im Zorn einen Stuhl und eilt ihm nach).
Wart, du schwbische Krautstauden!  (Ab.)



Zehnter Auftritt

Karl.  Ajaxerle.  Vorige.


Karl (im Bauernkleide, strzt auf Lottchen zu).
Lottchen, liebes, gutes Lottchen!  Sprech ich dich endlich einmal!

Lottchen (ihre Freude zurckhaltend).
Karl!  ach mein lieber, lieber Karl!

Karl.
Wie?  so lange sind wir getrennt, und du empfngst mich so kalt,
so herzlos?

Lottchen.
Aber Karl, dieser Herr--

Karl.
Ah, was liegt uns an den Herrn, das scheint gar eine ehrliche
Haut zu sein.  Nicht wahr, lieber Freund, Sie nehmens nicht bel?

Ajaxerle (als schwbischer Handelsmann, trgt einen Kaput mit
zinnernen Knpfen, dreieckigten Hut).
Ah freilich, genieren Sie sich nicht, deswegen sind wir ja da.

Karl.
Ja, wenn ich mein Lottchen sehe, da vergesse ich auf die ganze
Welt.  (Umarmt sie.)  Ach Lottchen, was wird aus uns werden?  Ich
htte mich noch nicht heraufgetraut, wenn du mich nicht durch
diesen Herrn httest rufen lassen.

Lottchen.
Durch diesen Herrn?

Karl.
Jawohl, dieser Herr kam heute zu mir auf den Markt und sagte,
du httest ihn geschickt, mich zu dir zu fhren, wenn dein Vater
ausgeht.

Lottchen.
Aber Karl, was ist denn das, ich kenne ja diesen Herrn gar nicht?

Karl.
Wie?

Ajaxerle.
Ja, wissen Sie, warum Sie mich nicht kennt?  Sie hat mich noch
nie gsehen.

Karl.
Herr, wie knnen Sie sich unterstehn, mit uns Spa zu machen?

Ajaxerle.
Ich will mir aber ein Spa machen, ich will euch glcklich
machen.  Ihr Tausendsappermenter!  Schlagts ein, verlat euch
auf mich, ich bin ein ehrlichs Bble.  Ich darf euch noch nicht
sagen, was ich bin, aber unter uns gesagt ich bin was.  Erstens
bin ich ein Schwabe, und dann bin ich noch was, und wenn binne
zwei Tagen nicht Hochzeit wird, so knnts mir was antun.  Verlats
euch nur auf mich, ich werd den Bauer schon herumkriegen und sagt
er nein so ist bis heute abend doch die ganze Pastete in Ordnung.
(Zu Karl.)  Gehen Sie nur getrost nach Haus und warte Sie auf mich
in Ihrer Htte.

Lottchen (springt vor Freude).
Ists mglich?  Ach Karl, wir wollen ihm vertrauen--

Wurzel (von innen).
Aufdecken lassen!

Lottchen.
Himmel!  Der Vater kmmt zurck!  Ach, wenn er dich sieht, so ist
alles verloren.

Karl.
Leb wohl, ich entspringe.  (Will abgehen.)

Lottchen.
Du lufst ihm ja entgegen.  Ich will sehen, ob er nach dem Garten
geht, dann schnell hinab, sonst sind wir verloren.
(Eilt schnell ab.)

Ajaxerle (ihr nachrufend).
Frchte Sie sich nicht!  Bleibe Sie da!

Karl.
Verdammte Geschichte, der Alte kommt herauf.

Ajaxerle.
Das macht nichts, er wird uns nicht beie.  Aber weil ich das
Ding gar fein anstelle will, so schlupfe Sie derweile in den
Kasten hinein.

Karl (probiert am Kasten).
Er ist verschlossen!

Ajaxerle.
Warte Sie, er wird gleich offen sein!  Ich hab ja mein Werkzeugle
bei mir.  (Er zieht schnell einen Zauberkreis, ein kleines Buch
und ein kurzes Stbchen aus der Tasche, stellt sich in den Kreis
und schnattert die Worte.)  Pitschill!  Putschill!  Frisill!  sauf!
Ksterle!  Kasterle!  tu dich doch auf!  (Schlgt mit dem Stab auf
das Buch.  Der Kasten springt auf und verwandelt sich dadurch in
eine transparente Laube mit einem Rasensitz.  Karl springt
erstaunt hinein, die Flgel schlieen sich, und der Kasten
steht wieder wie vor da.  Ajaxerle steckt seine Zauberrequisiten
ein.)

Lottchen (strzt herein).
Es ist umsonst, er folgt mir auf dem Fu!  Wo ist Karl?

Ajaxerle (deutet auf den Kasten).
Den hab ich aufghoben, im Kasten da drin.

Lottchen.
Unter der alten Wsche?

Ajaxerle.
Ja wohl, bei die alten Strmpf, damit doch ein neuer auch dabei
ist.

Lottchen.
Still, der Vater kommt.



Elfter Auftritt

Wurzel.  Vorige.


Wurzel.
Nun, was ist denn fr ein Gejage ber die Stiegen?  (Sieht
Ajaxerle.)  Was ist das fr eine Figur?  Wer hat denn das Gsicht
hereingelassen?  Nu, was gibts?  Sind wir was?  Wollen Sie was?
mit Ihrer dreieckigten Physiognomie?

Ajaxerle.
Knnt ich nicht die Ehre haben, mit Ihnen zu sprechen?

Wurzel.
Nun, die Ehr hat Er ja schon.  Nur heraus mit der Katz aus dem
Sack.

Ajaxerle.
Sie werden mich wahrscheinlich schon kenne?

Wurzel.
Ich?  woher denn?

Ajaxerle.
Ich bin der Martin Haugerle und bin Schneckenhndler aus dem
Reich.

Wurzel.
Und wegen den soll ich Ihn kennen?  Vielleicht weil Er so
schlampicht ist wie ein Schneck?  Hinaus mit Ihm, oder Er
wird mich kennenlernen.

Ajaxerle.
Oh, ich habs schon ghrt, Sie sind ein Tiger, mir hats mein
Vetter gschrieben, der arme Fischerkarl, da Sie so unbarmherzig
mit ihm umgehen, und darum bin ich herabgereist.

Wurzel.
Auf der Schneckenpost?

Ajaxerle.
Und will fr ihn um das Mdle anhalte.  Sie haben ihm vor drei
Jahren Ihr Ehrenwort gegeben, und das mssen Sie halten.

Wurzel.
Was sind das fr Keckheiten?  Ich werd unsinnig.  Erstlich
untersteht Er sich, dem Taugenichts sein miserablicher Vetter
zu sein, und zweitens wagt Ers und halt um meine Tochter an,
fr den liederlichen Fischer?

Ajaxerle.
Schimpfe Sie nicht, er ist ein bravs Mnnle, und ein Brschle
wie die gute Stund.

Lottchen.
Ach ja Vater, er trbt kein Wasser.

Wurzel.
Ein Fischer--und trbt kein Wasser?  und pritschelt den ganzen
Tag darin herum.  (Streng zu Lottchen.)  Du schweigst!  und wenn
du dich nicht in meinen Willen fgst und immer vom Wald
phantasierst, du melancholische Wildanten, und mir noch einmal
dein Bauerngwand heimlich anziehst, was dadrin in einem Pnkel
versteckt hast, und nichts als Fisch und Wasser im Kopf hast,
so gib acht, wie ich dich durchwassern werde, einen Wolkenbruch
la ich auf deinen Buckel niedergehen, wannst nicht den alten
Millioneur heuratst.

Lottchen.
Ach, was bin ich fr eine arme Nrrin!

Wurzel.
Just, wenn man eine arme Nrrin ist, mu man suchen, auch
Millioneurin zu werden, so verzeihen einem doch die Leut
die Narrheit leichter.  Ein Fischer heiraten wollen--dieses
unsichere Metier, bis er einen Fisch fangt, kommen ihm hundert
aus.  Da heirat lieber einen von den seinen Schnecken, so
kriegst doch einen Hausherrn.

Lottchen.
Vater, bringen Sie mich nicht auf das uerste.  Hren Sie
meinen Schwur: Ich verachte alle Reichtmer Ihrer Stadt und
werde nie, nie von meinem armen Karl lassen.

(Es donnert sehr stark.)

Ajaxerle.
Haben Sie ghrt, den Pumperer?

Wurzel.
War das ein Donner?  desto besser, vielleicht schlagt der Donner
drein, so darf ichs nicht tun.  (Zu Lottchen.)  Du willst also
nicht von den Fischer lassen?

Ajaxerle.
Nein, und recht hat s'!  wissen Sie das?  Und wenn Sie ihr den
Burschen nicht geben, so wirds Ihnen reuen, so viel Haarle Haar
Sie auf Ihren Strobelkopf haben, auf Ihren bockbeinigen.

Wurzel.
Nun gut, so hren Sie denn auch meinen Schwur, Sie Vorsteher
der wrdigen Schneckenzunft.  (In diesem Augenblick kommt hinter
Wurzel ein kleiner Satyr mit Pferdefen, auf einer abgebrochenen
Sule sitzend, aus der Versenkung.  Er hat eine schwarze Tafel
und schreibt Wurzels Schwur darauf.)  Nicht eh darf diese
Verbindung vollzogen werden, bis aus dem Blut, das wie
geschmolznes Eisen glht, ein Himbeergefrornes wird--bis
diese krftgen Zwillingsbrder, meine Fust, so kraftlos sind,
da ich nicht einmal einen Kapauner mehr transchieren kann--bis
dieses kienruschwarze Haupt sich in einen Gletscher verwandelt--
kurz, bis ich so ausschau, da ich auf den Aschenmarkt hinaus
ghr!--Dann fragen Sie sich wieder an, mein lieber
Schneckensensal, dann halt ich Ihren Fischer mein Wort.

Ajaxerle (rasch).



Zwlfter Auftritt

Lottchen.  Karl im Kasten.


Lottchen (die Hnde ringend).
Ach, was mu ich erleben!

Karl (pocht heftig im Kasten).
Auf, Lottchen!  Auf!

Lottchen.
Bleib ruhig, ich bitte dich, um alles in der Welt!

Karl (sprengt den Kasten).
Nein, ich kann nicht lnger bleiben, es schlgt in mir wie
der Eisenhammer unseres Gebrgs.  Seinen ehrlichen Namen so
herabgesetzt zu hren von diesen Faulenzer und ruhig bleiben!
Leb wohl, Lottchen, du siehst mich nie mehr.  (Will fort.)

Lottchen.
Karl, wenn du mich liebst, so gehst du jetzt nicht durch diese
Tr.

Karl.
So spring ich durch das Fenster.

Lottchen.
Am hellen Tag?

Karl.
Ich bleib nicht lnger hier, du siehst mich reich oder nie
wieder!  (Er steigt zum Fenster hinaus.)

Lottchen.
Karl, wenn du fllst--halt dich an das Gitter.

(Es geschieht ein pltzliches Gekrache, ein Schrei und zugleich
ein Fall.  Dann Geschrei von mehrern Stimmen.)

Lottchen (sehr stark aufschreiend).
Himmel!  was ist das?  (Eilt sehr schnell zur Tr hinaus.)



Dreizehnter Auftritt

Sehr schnelle Verwandlung in einen groen schnen Platz der
Stadt.  Links Wurzels prchtiges Haus mit Schalougittern, wovon
eines durch Karls Fall herabgerissen ist und nebst einem Stck
Gesimse, welches er herabgetreten, an seiner Seite liegt, aber
sogleich von einem Zuschauer aufgehoben wird, der es den noch
dazu Kommenden zeigt.

Karl liegt auf der Erde, und Wurzel hlt ihn an der Brust.
Zuschauer vollenden das Tableau.
Der Lrm, welchen man im Zimmer unter der Verwandlung schon
hrte, dauert nach derselben einen Augenblick noch fort.


Wurzel.
Um die Wache fort!  der Bursch ist ein Ruber.  (Zwei Bediente
laufen ab.)  Er ist in mein Haus eingebrochen.  ich massakrier
ihn.  Fallt mir der Kerl auf den Kopf.

Karl (hat sich aufgerafft und packt Wurzel).
Spitzbube!  willst du mir meinen guten Namen wiedergeben?

Lottchen (strzt aus dem Hause und ruft).
Himmel!  Karl, was tust du--mein Vater.

Karl (im hchsten Zorn).
Wart, Schuft!  du sollst den Bauer kennenlernen.  (Eilt ab.)

AlleS (ruft).
Halts ihn auf!  (Einige eilen ihm nach.)

Lottchen (strzt in Verzweiflung zu Wurzels Fen).
Vater!  was haben Sie getan?

Wurzel (schleudert sie vom Tor weg).
Fort!  Satan!  (Er luft schnell ins Haus und schlgt das Tor
hinter sich zu.)

Lottchen (eilt ihm nach und will hinein).
Er hat das Tor abgeschlossen, wie wird das enden?  Vater!  Vater!
Verzeihung!  Hren Sie mich!

Wurzel (erscheint am Fenster mit dem Bnkel, in welchem sich
Lottchens Bauernkleider befinden, auen ist der Strohhut
aufgebunden).
Du bist nicht mein Kind, du bist eine angenommene Kreatur!
Hinaus mit dir in den Wald, zu deinen Gespielinnen, zu die
Wildgns, wo ich dich gfunden hab, du Waldschnepf, (wirft ihr
die Kleider hinab) in mein Haus kommst du nimmermehr!
(Schlgt das Fenster zu.)

Lottchen (weint).
Ich unglckliches Kind!  (Zu einem Schlosser.)  Ach mein Herr,
nehmen Sie sich doch an um mich.

Schlosser (recht derb).
Ja, da mu man halt gut tun, mein Schatz, wenn man von ander
Leut Gnaden lebt.  Was soll denn unsereiner sagen, der sich vor
Kummer nicht aus wei?  da heits fleiig sein!  (Im nmlichen
Ton fort zu einem vorbergehenden Tischlergesellen.)  Franzl,
wo gehst denn hin?

Tischler (schon an der Kulisse).
Ins Wirtshaus!  (Geht hinein.)

Schlosser (ruft ihm nach).
Wart, ich geh auch mit, leih mir zwei Gulden.  (Geht ihm nach.)

(Alle Zuschauer lachen und verlieren sich.)

Lottchen (allein).
Also so weit ist es mit mir gekommen?  Gibt es denn kein Wesen,
das Erbarmen mit mir hat?  O da die Nacht niedersinken mchte,
um mich und meine Schande zu verhllen.

(Dumpfer Donner.  Musik.  Graue Wolkenschleier senken sich langsam
ber die ganze Bhne herab.  Dann sinkt die Nacht personifiziert
nieder.  Eine kolossal gemalte Figur, welche an Breite den grten
Teil der Mitte des Theaters einnimmt.  Sie ist in graues faltiges
Gewand gehllt, mit ausgestreckten Armen, einen schwarzen Mantel
ausbreitend.  Bleiches Angesicht und geschlossene Augen.  Auf
dem Haupte eine schwarze Krone, in der rechten Hand einen
eisernen Zepter, dessen Knopf ein Mohnkopf bildet.  Mit der
Linken gebietet sie Schweigen.  Sie schwebt ernst und feierlich
herab und sinkt in das geffnete Podium.  Die Nebel vergehen
und lassen die vorige Strae im Mondenglanz zurck.  Die Luft
ist rein und mit transparenten Sternen beset, auch die
Mondessichel ist transparent auf der Hinterkortine sichtbar.

Whrend diesem singen die Geister der Nacht folgenden Chor in
der Kulisse.)

Chor.
In dem finstern Reich der Klfte,
Die dem Glanz zum Hohn erbaut,
Herrscht die Knigin der Grfte,
Sie des Lichts verstone Braut.
Nur wenn durch der Unschuld Rufen
Sich ihr dstrer Busen hebt,
Kommts, da ber Tagesstufen
Sie zu ihrer Rettung schwebt.

(Auf dem vordern Fluggang schwebt ein Genius nieder mit einem
glnzenden Brillantstern auf dem Haupte, er ergreift Lottchens
Hand und fhrt sie whrend dieses Chores ab, welcher gleich aus
dem ersten bergeht.)

Chor.
Darum folge ihren Sternen,
Sie erglnzen dir allein,
Fhren dich in weiten Fernen
In das Tal der Ruhe ein.

(Der Genius fhrt sie fort.--Der Sturm heult, schreckliches
Gewitter tritt ein, die Sterne verlschen, der Mond wird rot.

Unter folgendem Chor kommen zwlf Geister der Nacht in grauem
Flor, das Haupt mit Schleier verhllt, das Antlitz bleich,
jeder einen transparenten Stern auf dem Haupte, sie laufen
auf der Bhne durcheinander und gruppieren sich endlich nach
der Breite des Theaters gegen Wurzels Haus in drohender
Stellung.  Ober ihnen fllt, so breit als die Bhne ist, ein
Chaos von Wolken ein, in welchen grau gemalte Geister den
andern hnlich schweben und sich so verschlingen, da die
Sterne auf ihren Huptern die transparenten Worte bilden:

Entflieh nur der Pracht,
Dich rchet die Nacht.

Whrenddessen folgender Chor.)

Chor.
Doch ihn zu verderben,
Der Lust zu enterben,
Verschwrt sich die Nacht,
Ergreifet die Freude,
Strzt sie als Beute
In grundlosen Schacht.

(Wenn die transparenten Worte erscheinen, singt der Chor
die folgenden Worte und lt sie schauerlich verklingen.)

Chor.
Entflieh nur der Pracht,
Dich rchet die Nacht.

(Auf Wurzels Fenster fliegt eine Nachteule mit glhenden
Augen und schlgt mit den Flgeln an die Glasscheibe.  Die
Kortine fllt schnell.)


Schlage Sie ein, es gilt!  (Hlt die Hand hin.)

Wurzel (schlgt ein).
So wahr ich auf der Welt bin, und jetzt--(stark) Punktum!

Satyr (mit krftiger Schadenfreude).
Satis!  (Er hat bei den Worten Wurzels: "So wahr ich auf der
Welt bin" geendet.  Schlgt bei dem Wort: "Satis" mit der
flachen Hand auf die Tafel, macht dann schnell eine drohende
Bewegung hinter Wurzel und versinkt wieder.)

Ajaxerle.
So, und jetzt lebe Sie wohl, Sie Herr von Wurzle.  Vergesse
Sie nicht auf Ihren Schwur, maltrtiere Sie nur das arme Mdle
da, verachte Sie den ehrlichen Bauernstand, halte Sie sich an
Ihre Saufbrderle.  Aber weh Ihnen, wenn Sie den Schneckenhndler
aus den Reich wieder einmal zu Gesicht kriege werde.  Verstehe
Sie mich?  Weh Ihne!  das merke Sie sich wohl, Sie Hasenfu.
(Luft ab.)

Wurzel (ergreift im Zorn einen Stuhl und eilt ihm nach).
Wart, du schwbische Krautstauden!  (Ab.)




Zweiter Aufzug



Erster Auftritt

Die Dekoration stellt nur zwei Kulissen tief ein angenehmes
Tal vor, in welchem sich die Natur einfach und krftig
ausspricht.  Links eine praktikable Htte, auf deren Strohdach
Tauben nisten.  Die Htte ist von einem kleinen Grtchen
umgeben, in welchem sich einige Lilien, aber keine bunten
Blumen befinden.  Die Kortine stellt hohes Gebirge vor.  Die
Hlfte dieser Hinterwand nimmt ein breiter, in den Vordergrund
tretender Blumenberg mit vielen sich verschieden krmmenden
Wegen ein, auf denen sich dort und da wie in einem Garten
silberne Statuen befinden und Rosenbrcken angebracht sind.
Auf der andern Hlfte dieser Hinterwand sind in weiterer
Entfernung zwei ausgezeichnete Alpen zu sehen.  Die niederere
erglnzt silberartig und ist mit goldenem Gestruch bewachsen.
Auf ihrem Gipfel erblickt man die Statue des Reichtums mit
einem goldenen Fllhorn.  Die noch hhere Alpe ist steil,
mit Lorbeerbumen bewachsen, auf ihrer Spitze steht der
goldene Tempel des Ruhmes, aus welchem eine Sonne strahlt,
die den ganzen Horizont um das Haupt des Berges rtet.
Zwischen diesen Gebirgen und dem Tal liegt ein dichter Wald,
durch welchen sich ein steiler einsamer Weg in das Tal
abwrts windet.

Unter passender Musik kmmt Illi, ein Genius, als Klepperpostillon
angezogen, mit dem Klapperbrettlein lrmend durch die Luft auf
einem groen Stieglitz geflogen, welcher ein Paket Briefe im
Schnabel hlt.  Er steigt ab, nimmt einen Brief aus dem Paket
und klappert vor der Htte.


Illi.
He, die Klepperlpost ist da, aufgemacht!  (Das Fenster in der
Htte ffnet sich.  Illi spricht zum Fenster hinein.)  Ein Brief
aus Wolkenhain vom Geisterscheckel mit Rezepi.  Gleich
unterschreiben.  (Gibt den Brief hinein.  Nach einer Pause,
whrend er ein paarmal ungeduldig auf und abtrippelt.)  Ein
bil gschwind, ich mu wieder weiter!  (Eine Hand gibt das
Rezepi zurck.)  So.  Was?  Nichts franco!  Acht gute Kreuzer.
(Die Hand gibt ihm das Geld.)  So.  (Sieht das Geld an.)  Keinen
Pfennig gibt s' mehr als acht Kreuzer und kein neues Jahr auch
nicht.  Wann ich nur da keinen Brief herbringen durft, das ist
schon mein grter Zorn.  (Indem er sich aufsetzt.)  Gar so eine
Schmutzerei!  (Den Stieglitz schlagend.)  Na weiter, wirst
fliegen oder nicht?  (Der Stieglitz fliegt ohne Musik ab,
und unter dem Fliegen rsoniert Illi noch immerfort.)  Pfui
Teuxel, da wollen s' Geister sein, ja--Bettelleut Umkehr!
(Ab.)



Zweiter Auftritt

Sanfte Musik.

Lottchen tritt auf, ihren Strohhut anhngend.


Lottchen.
Wo befinde ich mich?  Welch ein angenehmes Tal!  Gehr ich schon
den Geistern an?  Am Eingange des Waldes nahm mein freundlicher
Fhrer von mir Abschied und sprach: Weiter darf ich dich nicht
geleiten, doch folge deinem Herzen, und du wirst mich nicht
vermissen.  Ich ging und ging, und unwillkrlich hat es mich
hieher gezogen.  Dieses schne Grtchen, diese Htte, wie
wird mir so sonderbar bei ihrem Anblicke!  Warum wird es auf
einmal so stille, so ruhig in meiner Brust?  Wer bewohnt sie?
(ber der Tr erscheinen schnell die transparenten Worte:
Die Zufriedenheit.  In diesem Augenblicke ertnt ein sehr
schmelzendes Adagio von einigen Takten.)  Die Zufriedenheit?
Der Vater sagte ja, die wohne nur in der Stadt?  wie kommt
sie hieher?  Ich wei es schon, sie wird in der Stadt erkrankt
sein und gebraucht jetzt die Landluft.  Ich will anklopfen und
sie um Beistand bitten, vielleicht braucht sie ein Dienstmdchen,
sie wird wohl eine vornehme Frau sein.  (Klopft an.)  Euer Gnaden,
ein armes Mdchen mchte gern die Ehre haben--



Dritter Auftritt

Die Zufriedenheit.  Lottchen.


Zufriedenheit (mit innerer Ruhe und heiterem Gemte.  Ihr Anzug
ist griechisch, eine einfache graue Toga, unbedecktem Haupt.
Sie tritt aus der Tr, einen Brief in der Hand).
Was verlangst du von mir, mein Kind?

Lottchen (erstaunt).
Wer ist denn das?

Zufriedenheit.
Nur nher, ich bin die Dame, die du suchst.

Lottchen.
Wirklich?  Sie sind eine recht liebe Person, aber fr eine
Dame htt ich Sie nicht gehalten.

Zufriedenheit.
Nicht?  Und doch bin ich noch mehr, ich bin die Knigin dieses
Tales, und von meiner Stirne strahlt das Diadem der Heiterkeit--

Lottchen (fllt ngstlich auf die Knie).
Ach, so verzeihen mir Euer Hoheit, aber da wr ich in meinem
Leben nicht darauf gekommen.

Zufriedenheit.
Steh auf!  Du bist mir in diesem Brief, den ich vor kurzem
erhielt, von mchtigen Geistern schon angekndet, und ich will
dich in meine Dienste nehmen.  Du hast wenig Geschfte.  Das
Aufbetten wirst du ersparen, denn ich schlafe auf einem Stein.
Kche und Keller werden dir wenig Mhe verursachen, denn mich
nhren die Frchte des Bewutseins, mich trnket die Quelle
der Bescheidenheit.

Lottchen.
Ach, ich bin ja mit allem zufrieden!

Zufriedenheit.
Hast du denn meine Htte so leicht gefunden?

Lottchen.
Ach ja, das ist ja nicht schwer.

Zufriedenheit.
Glaubst du?  Viele Tausende wandern nach mir aus und finden
mich nicht, denn der drre Pfad, der zu mir fhrt, scheint
ihnen nie der rechte zu sein.  Siehst du dort oben die bunten
Auen, wo des Glckes Blumen farbig winken?  (Deutet auf den
Blumenberg.)  Dort wollen sie mich finden, und je reizender
der Pfad sie aufwrts lockt, desto tiefer entschwindet meine
niedre Htte aus ihrem getuschten Auge.  Denn wer mich ngstlich
sucht, der hat mich schon verloren.

Lottchen.
Aber auf jenen hohen Bergen mu doch eine schne Aussicht sein?

Zufriedenheit.
Nicht fr dich, mein Kind.  Du gehrst ins Tal.  Siehst du dort
den hohen flimmernden Berg?  Das ist die Alpe des Reichtums,
und ihm gegenber sein noch glnzenderer Nebenbuhler, der
Groglockner des Ruhmes!  Das sind schne Berge, doch sende
deine Wnsche nie hinauf, stark und erhebend ist die Luft auf
ihren Hhen, aber auch der Sturmwind des Neides umsaust ihre
Gipfel, und kann er die Flamme deines Glckes nicht lschen,
so lscht er doch den schnen Funken des Vertrauens in deiner
Brust auf immer aus.

Lottchen.
Das versteh ich nicht.

Zufriedenheit.
Darin bestehet ja dein Glck, weil du mich nicht verstehst,
bist du mit mir verwandt.

Lottchen.
Verwandt?  Und doch haben sich Euer Hoheit nie um mich bekmmert?

Zufriedenheit.
Glaube das nicht, ich habe dich mir ja erzogen und will nun
deine Freundin sein.  Der Mann, der heute dich verstie, ist
nicht dein Vater, sonst htt er es nie getan.  Doch eine Mutter
hast du noch, die dich innig liebt und die du bald umarmen wirst.
Bis dahin reiche mir deine Hand und nenne mich Schwester.

Lottchen.
Recht gerne!  Ach, was ist das Schnes, wenn man eine Schwester
hat.  Aber da mu ich hernach auch du zu Euer Hoheit sagen und
bin so viel als Euer Hoheit selbst?

Zufriedenheit.
Allerdings!  Du sitzest neben mir auf meinem moosbewachsenen
Thron, und ber uns spannt sich der schnste Baldachin, der
heitre Himmel aus.

Lottchen.
Ach du liebe Schwester, wie soll ich dir danken?

Zufriedenheit.
Bleibe, wie du bist, und du hast den Lohn schon abgetragen.

Lottchen (freudig).
Ach ja, wie ich bin--doch--nun ja--wie ich bin, nicht wahr?

Zufriedenheit.
Nun ja.

Lottchen.
Da mu ich aber auch ledig bleiben?

Zufriedenheit (lchelnd).
Ja so!  Und du hast den schnen Wunsch zu heiraten?

Lottchen.
Ja freilich.  Doch sei nicht bse, liebe Schwester, seit ich
bei dir bin, wnsche ich mir fast gar nichts mehr.  Aber wenn
ich an meinen Karl denke, kann ich doch mit dem Wnschen noch
nicht recht fertig werden.

Zufriedenheit.
Das sollst du auch nicht, liebes Lottchen!  Trste dich, ich
werde dich mit deinem Karl vereinen.  Er verdienet dich, ich
kenne ihn genau.

Lottchen.
Du kennst ihn?  Ist er vielleicht auch mit dir verwandt?

Zufriedenheit.
Er war es.  Ich war stets um ihn, wie noch der muntere Hirsch
das Sinnbild seiner krftgen Freude war, und nur du hast uns
entzweit, du hast ihn mir entrissen.

Lottchen.
Das ist mir unbegreiflich.

Zufriedenheit.
Komm!  Du wirst deinen Karl heute noch erhalten.  Er soll uns
beide wiederfinden, dich und mich durch dich.  Und hab ich euch
vereint, geb ich auch meinem Herzen dann ein Fest, durchziehe
froh die Welt, und wo ich einen Armen finde, der krank liegt
am Verlust der Freude, will ich schnell die Hand ihm reichen
und sie berstrmen lassen aus meinem Herzen in das seinige!
Vielleicht gelingt es mir, ein Bndnis mit der Welt zu schlieen,
die ich so innig liebe und die so hart mich von sich stot.
(Geht mit ihr in die Htte.)



Vierter Auftritt

Verwandlung

Saal mit Lustern und Wandleuchtern.  Punschtableau.  Beim
Aufziehen der Kortine ein rauschender Tusch von allen
Instrumenten.  An der rechten Seite eine hohe Glastr, gegenber
die Eingangstr.


Wurzel.  Afterling.  Musensohn.  Schmeichelfeld.

Alle (bermtig schreiend).
Der Hausherr soll leben!  hoch--(Ein paar werfen die Glser
an die Wand.)

Wurzel.
Schlagts nicht so viel Glser zusamm, ich bin ja kein
Glasfabrikant--

Schmeichelfeld (etwas angestochen).
Ah was da, man hrt so keine Uhr, wenn einmal die Glser
fliegen, so wei man doch, wieviels gschlagen hat.

Musensohn.
Aber jetzt ists aus, meine Herren, es ist fnf Uhr, und
ich mu heute abend noch geschwind den letzten Akt von
meinem Trauerspiel schreiben.

Schmeichelfeld.
Was Trauerspiel?  Lustig wollen wir von unserm teuern Herrn
von Wurzel scheiden, dem aimabelsten Mann in der ganzen Stadt.
Singen wollen wir, und dazu machen Sie uns Verse, wenn Sie
ein Dichter sein wollen.

Musensohn.
Schn!  Wir wollen die Freundschaft besingen.

Afterling (der einen starken Rausch hat).
Ja singen, schn singen wollen wir, und hernach kerzengerade
nach Haus.  (Er taumelt.  Alle lachen.)

Wurzel.
Der hat ihn heute.

Afterling.
Lachen?  Ihr Spitzbuben!--Seid nichts ntze--alle sind nichts
nutz--Herr von Wurzel, alle, bis auf den (auf den Dichter
zeigend)--und der ist auch nichts nutz.  Aber Sie, Herr von
Wurzel, sind ein groer Mann.  Aber sind Sie aufrichtig, Herr
von Wurzel!  (Beschwrend.)  Herr von Wurzel, sind Sie aufrichtig!--
Haben Sie--keinen Punsch mehr?

Wurzel.
Nun so gebt ihm noch ein Glas, so fallt er gar hinunter
untern Tisch.

Afterling.
Herr von Wurzel!  (Fllt ihm um den Hals.)  Sie sind unser
Vater, und wie Sie sich heute auf mich sttzen knnen, so
knnen Sie sich auf uns alle sttzen.  Punsch her--Punsch!
Der Herr von Wurzel soll leben!  (Er taumelt gegen die Tr
und fllt vor Rausch in einen Stuhl.)

Wurzel.
Nu, der hats berstanden.  Habakuk!  (Habakuk tritt vor.)
Fhrts ihn hinber ins rauschige Zimmer und legts ihn in das
Bett, was ich hab herrichten lassen, wenn einem von meinen guten
Freunden bel wird.

Habakuk.
Ja es liegen ja so schon drei drinn und einer vor der Tr,
man kann gar nimmer hinein.

Wurzel.
So legts ihn ins blaue Zimmer hinber, wo der groe Spiegel
ist und 's Porzelain.  Aber bindts ihn an, sonst schlagt er uns
alles zsamm.

Habakuk (und zwei Bediente tragen Afterling fort).
Nu, das sind schne Herrschaften!

Musensohn (hat bei einem Tisch mit Bleistift geschrieben und
springt auf).
Fertig sind die Verse.  Jetzt, meine Herrn, stimmen Sie.

Alle.
Bravo!  Bravo!

Musensohn.
Die Phantasie hat mich begeistert.  Herr von Wurzel!  (schlgt
ihn auf die Achsel) wollen Sie ihre Stimme hren?

Wurzel.
Lassen Sie sie los!

Trinklied
Musensohn (singt vor).
Freunde, hrt die weise Lehre,
Die zu euch Erfahrung spricht.
Schickt die Freude ihre Heere,
ffnet alle Tore nicht:
Mann fr Mann lat nur herein,
Wollt ihr lang ihr Feldherr sein.
Chor.  Mann fr Mann lat nur herein,
Wollt ihr lang ihr Feldherr sein.
Musensohn.  Wenn des Lebens Bajadere
Hlt den goldnen Wagen still
Und fr ihres Glcks Schimre
Euren Frieden tauschen will:
Jagt die feile Dirne fort,
Denn Fortuna hlt nicht Wort.
Chor.  Jagt die feile Dirne fort,
Denn Fortuna hlt nicht Wort.
Musensohn.  Doch wenn voll der Becher blinket,
Bacchus' Geist den Saal durchrauscht,
Euch die Freundschaft zu sich winket
Und Gefhle mit euch tauscht:
Drckt sie beide an die Brust,
Sie gewhren Gtterlust!
Chor.  Drckt sie beide an die Brust,
Sie gewhren Gtterlust!


(Alle ab.)



Fnfter Auftritt

Wurzel.  Lorenz.  Habakuk.

Bediente rumen die Tische hinaus.


Wurzel.
Das war ein prchtiges Mittagmahl heut.  Ich bin so gut
aufgelegt, heut Nacht leg ich mich wieder nicht schlafen.
Habakuk, bring einen Champagner herauf.  (Habakuk ab.)  Lorenz,
jetzt trinken wir erst recht.

Lorenz.
Allo!  das ist ein Leben!  juhe!

Wurzel.
Sto an, Lorenz!  Alle Rauschigen sollen leben--

Lorenz.
Hoch!

(Donnerschlag.  Stille.  Die Glocke schlgt zwlf.)

Wurzel.
Was ist denn das?  Zwlf Uhr?  Hat denn die Uhr einen Rausch?
Es ist ja erst sechs Uhr und der schnste Abend.  Schauts auf
die Uhr.

(Alle sehen auf die Uhren, er selbst auch.)

Lorenz.
Was ist denn das?  Es geht ja keine.

Wurzel.
Bei mir ists zwlf Uhr.

Alle Bedienten.
Bei mir auch.

Wurzel.
Ich glaube gar, ihr macht euch einen Spa mit mir?  Redet!
(Man hrt an der Tr stark pochen.)  Was ist denn das?  Schau
hinaus!  (Es pocht strker.)  Mir scheint, der schickt die
Grobheit voraus, da sie statt ihm anklopfen soll.  (Lorenz
geht hinaus.)  Jetzt wei ich nicht, bin ich im Narrenturm
oder zu Haus?

Lorenz (kommt zurck).
Euer Gnaden!  ein junger Herr ist gfahren kommen in ein goldenen
Wagen, der voller Blumen ist, und zwei Rappen vorn, die er
kaum erhalten kann, und hintern Wagen tanzen lauter Pagen und
rosenfarbe Kammerjungfern her.  Er will mit Ihnen reden.

Wurzel.
Wie heit er denn?

Lorenz.
Das wei ich nicht, er sagt, er ist die Jugend.

Wurzel.
Ah, ein Jugendfreund wird er gsagt haben.  Gleich lat ihn
herein.  Das ist a prchtige Visitt.  Champagner tragts rauf,
ihr verdammten Kerls!  Ich bin doch ein glcklicher Mann, die
schnsten Leut kommen zu mir.  (Lorenz ffnet die Tr.)



Sechster Auftritt

Sechs Pagen und sechs Mdchen wei gekleidet mit rosenroten
Spensern, welche samt den Hten mit blhenden Rosen verziert
sind, tanzen herein und gruppieren sich auf beiden Seiten der
Tr.  Dann hpft die Jugend herein, eine wei kasimirne kurze
Hose, wei atlane Weste mit silbernen Knpfchen, am Kragen
mit Rosen garniert.  Rosenrotes Frckchen.  Wei atlanen runden
Hut mit einem Rosenband.  Das Beinkleid am Knie mit silbernen
Knpfen und rosenroten Bndern gebunden.  Sie spricht im
hochdeutschen Dialekte mit einem Anklange des preuischen.

Vorige.


Jugend.
Gr dich der Himmel, Brderchen!  Du nimmst es doch nicht bel,
da ich dir meine persnliche Aufwartung mache?

Wurzel.
Das ist ein prchtiger Mensch!  hundsjung und geinarrisch!  Hat
mich noch nie gsehen, und gleich Brderl.

Jugend.
Ja Bruder, ich komme in einer besonderen Angelegenheit!

Wurzel.
Nun Bruder, mit was kann ich dienen?  (Fr sich.)  Der braucht
gwi ein Geld.

Jugend.
Ja--nimm es nicht bel, Brderchen, aber mit uns ists aus.
Ich bin hier, um dir meine Freundschaft aufzuknden.

Wurzel.
Nun, das wr nicht bel, Bruder, jetzt lernen wir uns erst
kennen, Bruder, und sollen schon wieder bs aufeinander sein,
Bruder, das wr gfehlt.

Jugend.
Haha!  Was fllt dir ein, Brderchen?  Fehlgeschossen, das endigt
ja eben unsere Freundschaft, weil wir schon gar zu lange
miteinander bekannt sind.  Wir sind ja schon zusammen auf die
Welt gekommen, weit du denn das nicht mehr?

Wurzel.
Ja, ja, ich erinnere mich schon, nachmittag wars, und gregnet
hats auch.

Jugend.
Wir sind auch miteinander in die Schule gegangen.  Weit du denn
das auch nicht, wir sind ja auf einer Bank gesessen.

Wurzel.
Ist richtig!  Auf der Schandbank sind wir gesessen.  (Fr sich.)
Ich kenn ihn gar nicht.

Jugend.
Ja freilich!  Sie haben uns ja dadurch zwingen wollen, da wir
etwas lernen sollen.

Wurzel.
Nun ja, was das fr Sachen waren, aber wir haben nichts
dergleichen getan.  Oh, wir waren ein Paar feine Kerls!
(Fr sich.)  Ich hab ihn mein Leben nicht gsehen noch.

Jugend.
Und wie wir beide zwanzig Jahr alt waren, haben wir die
ganze Gemeinde geprgelt.  Oh, das war ja prchtig, Brderchen!

Wurzel.
Oh, das war ein Hauptjux!  (Fr sich.)  Ich wei kein Wort davon.

Jugend.
Und getrunken haben wir, Bruder, das war mrderisch.

Wurzel.
Oh, das war schndlich, Bruder!

Jugend.
Ja, und was wir alles getrunken haben!

Wurzel.
Nu, einmal haben wir, glaub ich, gar einen Wein getrunken, das
Verbrechen!

Jugend.
Ja, und was fr einen!

Wurzel.
Einen Luttenberger.

Jugend.
Und einen Grinzinger!

Wurzel (fr sich).
Ist alles nicht wahr.

Jugend.
Du hast mich ja in alle Wirtshuser herumgeschleppt, wir waren
ja alle Tage sternhagelvoll besoffen.  Kurz, wir waren ein Paar
wahre Lumpen.

Wurzel (beiseite).
Er mu doch eine Spur von mir haben, er kennt mich doch.  (Laut.)
Bruder, wir wollens noch sein!  schlag ein, Bruderherz!

Jugend.
Bruder, nein!  Jetzt ists gar.  Du mut jetzt solid werden, du
mut dich um sieben Uhr zu Bette legen, darfst dir keinen
Rausch mehr trinken--kurz, was du zu tun hast, das wirst du
von einem anderen hren, der dir alles pnktlich auseinandersetzen
wird.

Wurzel.
Bruder, was wr denn das?--Ich keinen Rausch--und das ist
das Edelste an mir.  Ich bin so gsund, da ich mit einer Armee
raufen knnt.

Jugend.
Ja Brderchen, jetzt solang ich noch bei dir bin.  (Stark.)  Doch
den ersten Schritt, den ich aus diesem Saal mache, wird dich
die Lust verlassen, auf eine so unedle Weise dein Schicksal
ferner zu versuchen.

Wurzel.
Ich fang mich vllig zum frchten an.  Auf die Letzt kann der
Kerl hexen!  Das wr eine hantige Bruderschaft.

Jugend.
Also adieu, lieber Bruder!  Verzeihe mir, was ich dir Leids
getan hab, du lieber guter Kerl du!  Ich bin gewi ein fideler
Junge, habs lang genug mit dir ausgehalten, du warst mein
intimster Freund, aber du bist gar ein lderliches Tuch, darum
leb wohl, Brderchen!  sei nicht bse auf mich und sage mir
nichts Schlechtes nach.

Duett
Jugend.  Brderlein fein, Brderlein fein,
Mut mir ja nicht bse sein!
Scheint die Sonne noch so schn,
Einmal mu sie untergehn.
Brderlein fein, Brderlein fein,
Mut nicht bse sein.
Wurzel.  Brderlein fein, Brderlein fein,
Wirst doch nicht so kindisch sein!
Gib zehntausend Taler dir
Alle Jahr, bleibst du bei mir.
Jugend.  Nein, nein, nein, nein!
Brderlein fein, Brderlein fein,
Sag mir nur, was fllt dir ein?
Geld kann vieles in der Welt,
Jugend kauft man nicht ums Geld.
Drum, Brderlein fein, Brderlein fein,
's mu geschieden sein.
Jugend.  Brderlein, bald, Brderlein, bald
Flieh ich fort von dir.
Wurzel (gleichzeitig).

Brderlein, halt, Brderlein, halt,
Geh nur nicht von mir.
(Unter dem Ritornell tanzt die Jugend und ihr Gefolge.)
Jugend.  Brderlein fein, Brderlein fein,
Wirst mir wohl recht gram jetzt sein?
Hast fr mich wohl keinen Sinn,
Wenn ich nicht mehr bei dir bin?
Brderlein fein, Brderlein fein,
Mut nicht gram mir sein!
Wurzel.  Brderlein fein, Brderlein fein,
Du wirst doch ein Spitzbub sein!
Willst du nicht mit mir bestehn,
Nun, so kannst zum Teuxel gehn!
Jugend.  Nein, nein, nein, nein!
Brderlein fein, Brderlein fein,
Zrtlich mu geschieden sein.
Denk manchmal an mich zurck,
Schimpf nicht auf der Jugend Glck!
Drum, Brderlein fein, Brderlein fein,
Schlag zum Abschied ein!
Beide.  Brderlein fein, Brderlein fein,
Schlag zum Abschied ein!


(Umarmen sich.  Die Jugend tanzt ab, ihr Gefolge nach.)



Siebenter Auftritt

Wurzel geht nach einer Flasche Wein, will trinken, stellt sie
aber mimutig zurck und setzt sich in einen Stuhl.


Lorenz.

Lorenz (nhert sich Wurzel langsam).
Wie ist denn Euer Gnaden?

Wurzel.
Gar nicht gut.  So gewi dumm ist mir.

Lorenz.
Ja, man sieht Ihnens an, vllig vernagelt schauen Sie aus.

Wurzel.
Und was ists denn so kalt heran, hab ich denn s' Fieber?

Lorenz (sieht zum Fenster hinaus).
Ja ich glaubs, es fang' ja zum schneien an.  Ah, das ist gspaig!
Da schauen S' naus in den Garten, alles ist wei, und die Bume,
alle Bltter werden gelb.

Wurzel.
Was ist denn das fr eine Hexerei?

(Habakuk bringt Champagner.)

Habakuk.
Der Champagner ist da!

Wurzel.
Marschierst!  Einen Kamillentee lat mir machen, und einheizen,
man mcht ja erfrieren.  (Es wird im Kamin eingeheizt.  Die Turmuhr
schlgt Eilf.)  Jetzt hats elf Uhr gschlagen!  Erst wars zwlf,
jetzt ists wieder elf Uhr.  Hat denn die Zeit einen Krebsen
verschluckt, da die Stunden rckwrts gehen?  Es wird ja
stockfinster, bringts Lichter!  (Es wird Nacht.  Von auen
Katzengeschrei: Miau!  Miau!)  So!  jetzt singen die vierfigen
Nachtigallen, das ist eine falsche Stund!  (Heftiges Pochen
von auen.)  Ist schon wieder wer da?  Verdammtes Gesindel!  Ist
denn keine Ruh!  Schau hinaus.  (Wird wieder geklopft.)  Und das
Klopfen!  Wollen s' denn aus meinem Haus eine Stampfmhle machen?

(Bediente bringen Lichter.)

Lorenz (hlt den Kopf zur Glastr hinaus).
Ui je!  Ui je!  Ein alter Herr mit ein Leiterwagen ist drau, er
will mit Ihnen reden.

Wurzel.
Wer ist er denn?

Lorenz (ruft hinaus).
Wo sind wir denn her?

Das Alter (von auen).
Aus Eisgrub.

Wurzel.
Aus Eisgrub?  Nein, was das fr Visiten sein, da kenn ich kein
Menschen.

Alter (von auen).
Na, nur aufmachen.  Ich bin das hohe Alter.  Ich will hinein!

Wurzel.
Das Alter?  die Tr sperrst zu und unterstehst dich nicht, da
du ihn hereinlt.

Alter (von auen).
Nun, wird die Tr aufgmacht oder nicht?

Wurzel.
Nein, saperment!

Alter (von auen).
Ah so?  Nun, so komm ich schon mit Gewalt hinein!

(Die Glastr wird vom Wind aufgerissen, so da die Scherben
davonfliegen.  Das Alter fliegt herein auf einem Wolkenleiterwagen.
Zwei Schimmel, alte Bauernpferde, sind vorgespannt.  Der Wagen
ist mit gelbem Gestruch ausgefllt.  Das Alter sitzt in einem
alten Hausrock, der bis an die Knie reicht, darin, den Kopf
mit einer Pelzschlafhaube bedeckt, die Fe in Plster
gewickelt, auf dem Scho einen schlafenden Mops und auf der
Achsel eine Eule.  Ein kleiner uralter Kutscher ist auf dem
Bock.  Der Wagen ist etwas beschneit.)

Alter (mit krnklicher Freundlichkeit und persiflierendem
Wohlwollen, steigt aus dem Wagen, mit einem Krckenstock).
Sie verzeihen, da ich so frei bin, meine mhselige Aufwartung
zu machen.  Ich wei nicht, ob Sie mir es ansehen werden oder
nicht, ich bin das hohe kranke Alter, Ihnen miserablicht zu
dienen.  Ich hab da ein Einquartierungszettel bei Ihnen.

Wurzel.
Bei mir?  Glaubt der Herr, bei mir ist ein Spital?

Alter.
Wird schon eins werden, wenn ich eine Weile da bin.  Sein S'
nicht bs, da ich so unerwartet komm, gewhnlich korrespondieren
die Leut schon vorher mit mir, aber Sie haben ein braves Kind,
die 's mit Ihnen gut gmeint hat, aus dem Haus gjagt, und da
haben s' mich dafr gschickt.  Nehmen Sie mich an Kindesstatt an.

Wurzel.
Ja, aber z' Haus bhalt ich Ihn nicht, ich gib Ihn ins
Kadettenstift nach Ybbs.

Alter.
I bewahr!  wir werden uns schon miteinander vertragen, ich
bin ein spaiger Kerl.  Ich mach noch an mancher Tafel, bei
manchen Hausball meine Lazzi, ich hupf noch bei manchen Ecossais
mit, bis mir einen rechten Ri gibt, hernach setz ich mich
gschwind nieder.

Wurzel.
Ja, ja, gscheider ists!

Alter.
Wenn wir eine Weile bekannt sind, werden schon meine Verwandten
auch ihre Aufwartung machen.  Mein liederlicher Vetter, der
verdorbene Magen, das wird der erste sein, der Ihnen die
Honneurs machen wird, und meine Cousine, die Gicht, die hat
mich schon versichert, sie kanns gar nicht erwarten, Sie an
ihr gefhlvolles Herz zu drcken.  Oh, hren S', das ist eine
unterhaltliche Person, ich sieh Ihnen schon ordentlich nach
Pistyan ins Bad mit ihr reisen, und treu ist sie--

Wurzel.
Ich wei, man bringt s' gar nicht los.  Ein jeder sagt: da hast
du s', ich mag s' nicht.

Alter.
Und was tun Sie denn, mein lieber Herr von Wurzel?  Was gehen S'
mir denn so khl herum?  Werden S' gleich ein Schlafrock anziehen?
Sapperment hinein!  so schaute doch auf euren Herrn!  Ist ja ein
alter Herr, mt ja hbsch acht geben auf ihm.  Wenn er euch
stirbt, seids brotlos.  Gleich bringts ihm ein Schlafrock!

(Bediente wollen fort.)

Wurzel.
Nicht unterstehen--oder ich schlag einen hinters Ohr!

Alter.
Was, schlagen?  Gleich niedersetzen!  (Er nimmt ihn an der Hand
und setzt ihn in einen Stuhl.)

Wurzel.
Himmel!  wie wird mir?

Alter.
Nicht unterstehn und schlagen.  Die Pferd schlagen aus, nicht
die Leut.  Damit Sie aber nimmer ausschlagen (berhrt sein Haupt,
und Wurzel bekommt ganz weies Haar)--So, jetzt ist aus dem
Brunl ein Schimmel worden.  So!  hato!  mein Schimmerl!  Nu, nichts
hato?

Wurzel (weinend).  Lorenz, mein Schlafrock.

(Man zieht ihm denselben an, und zwar so, da er dadurch
zugleich sein Bauerkleid anzieht, dessen rmel in den rmeln
des Schlafrocks stecken.  Er bekommt einen kaschierten Kropf.)

Alter.
So, mein lieber Herr von Wurzel!  Tun S' mich nur gut pflegen,
damit wir lang beisamm bleiben, mit mir mu man gar heiklich
umgehn.

Wurzel.
Aber was soll denn das heien?

Alter.
Das sind die Wintertag.

Wurzel.
Ah, ich htt glaubt, die Hundstg!

Alter.
Wie mans nehmen will.  Aber jetzt leben Sie wohl, ich hab mein
Post ausgerichtet.  Wenn S' mich auch nicht mehr sehen, Sie
werden mich schon spren.  Fr einhundertunddreiig Jahr knnen
Sie sich ausgeben, auf mein Wort.  Adieu!  (Umarmt ihn.)  Also
schn merken: In der Frh ein Schalerl Suppen und ein Semmerl
drinn, um ein elf ein bisserl in der Sonn spazierengehen, aber
immer ein Hafendeckl auf den Magen legen, da Sie sich nicht
erkhlen.  Z' Mittag ein eingmachts Henderl und ein halbs Seiterl
Wein, und auf d' Nacht eine halbete Biskoten.  Und gleich ins
Betterl gehn.  So!  jetzt pa!  pa!  alter Papa, und befolgen Sie
meinen Rat.  Kein Tee mssen S' nicht trinken, den haben S' so
schon.  (Er steigt in den Wagen.)  Hansel!  langsam fahren, da
wir kein Unglck haben, mit die Teufeln von Rosser.  (Macht Pa
aus dem Wagen.)  Gute Nacht!  mein lieber Herr von Wurzel!  gute
Nacht!  (Fliegt ab.)



Achter Auftritt

Wurzel.  Lorenz.


Wurzel.
Jawohl gute Nacht.  So weit hab ichs gebracht!  Lorenz, gib mir
einen Spiegel!  (Lorenz gibt ihm den Spiegel, er sieht hinein.)
Ah, die Positur!  jetzt kann ich in der Hlichkeit Lektion geben.
Nein, ich halts nicht aus, ich geh durch!  (Will fort.)  Es geht
nicht, ich hab 's Podagra!  (Lacht verzweifelnd.)  Haha, nichts
mehr hoto!

Lorenz.
Freilich, lieber tschihi ins Bett.

Wurzel.
Was hngt denn da fr ein Habersackel?  Hab ich denn ein Kropf?

Lorenz.
Nu, und das was fr ein, als wenn S' einen Suppentopf gschlckt
htten.  Ui je!  jetzt haben S' einen buckeligen Hals!  (Lacht.)

Wurzel.
Ich glaub, der Kerl lacht mich noch aus?

Lorenz.
Nein, einen Neid werd ich haben, wegen den.

Wurzel (auffahrend).
Der Neid?  das ist ein schner Spitzbub.  Ja, der ist an mein
Unglck schuld, und jetzt lat er mich sitzen.  Was hab ich jetzt
von dem verdammten Geld?  Ich kanns ja nicht genieen.  Ich wirfs
zum Fenster hinaus, vielleicht wird wieder alles wie vorher.

Lorenz.
So sein S' doch gscheid.  Wann S' Ihren Reichtum verwnschen,
so ist er ja hin.  Sie haben mir es ja selbst erzhlt.

Wurzel.
Und er soll hin sein, ich will ihn nimmer haben, hab ich meine
Schnheit verloren, so will ich auch nimmer reich sein, ich will
lieber arm sein und gsund.  Hr mich, du verdammter Neid, nimms,
dein Geld, ich mags nimmermehr.  Oh, wr ich nur, wo ich hingehr,
wr ich nur bei die Meinigen!

(Ein Blitzstrahl fhrt herab.  Schnelle Verwandlung in ein
dstres Tal, an der Seite ein Teil der halbverfallnen Htte
Wurzels.  Die vordere Gegend ist finster gehalten und herbstlich
mit gelben Blttern.  Zwischen zwei sehr dunkel sich
hereinlegenden Bergen erhebt sich in der Mitte ein hoher
Gletscher.  Der Sitz von Samt, auf welchen Wurzel nach seiner
Verwnschung zurckgesunken ist, verwandelt sich in einen
Baumstamm.  Er und sein Diener verwandeln sich in arme Bauern.
Neben Wurzel liegen ein Paar groe Ochsen, worein sich zwei
Seitenkredenzen verwandelten, und mehre andere weiden auf
dem Berg und perspektivisch in den Wald hinein, da es das
Ansehen einer weidenden Herde hat.  Die Musik drckt das
Brllen der Ochsen aus.)

Lorenz.
So, da haben Sies, Sie bermtiger Ding!  Jetzt sind S' bei
die Ihrigen.

Wurzel.
Die haben doch eine Freud ber mich, wenn s' mich sehen.
Gelts, meine Kinder?  (Ochsengebrll.  Ein Geibock meckert
auf einem Felsen.)  Das ist eine rhrende Anhnglichkeit.
Alle Ochsen weinen ber mich!

Lorenz.
Und ich wein doch nicht.

Wurzel.
Hast denn kein Gefhl?  Schamst dich denn nicht vor die Ochsen?
die werden sich was Schnes denken von dir, du undankbarer
Bursch du!

Lorenz.
Was wr das?  Kein Geld mehr haben und grob auch noch sein?
Ah, jetzt mu ich andre Saiten aufziehen.  Was glaubst denn du,
grober Mensch?  Du hast ja nichts mehr, schau s' an, dein
verfallne Htten.  Da steht s' jetzt, dein Palast, wo die Mus
Frau Gvatterin leih mir d' Scher spielen.  Z' gut ists ihm
gangen, z' bermtig ist er worden, und jetzt ist alles hin,
aber alles, sein Sach und mein Sach.  (Weinerlich.)  Ich bin nur
ein armer Dienstbot, und er bringt mich um das Meinige.  Ist
denn das eine Herrschaft?  Jetzt hab ich ihn drei Jahr lang
betrogen, und jetzt hab ich nicht einmal was davon.

Wurzel.
Weil dich der Himmel bestraft hat dafr!

Lorenz.
Wenn du dich noch einmal unterstehst, und kommst mir unter
die Augen, so rei ich einen Felberbaum aus und wichse dich
damit herum, da d' an mich denken sollst, du verdorbener
millionistischer Waldhansel du!  (Geht ab.)

Wurzel.
Ist jetzt kein Mensch mehr da, der mir eine Grobheit sagt?



Neunter Auftritt

Wolken fallen vor.

Der Neid kommt auf einer grnen Wolke, die sich an eine rote
schliet, worauf der Ha steht, aus der Kulisse gerollt.
Diese Erscheinung mu uerst schnell vor sich gehen.


Wurzel.
Der Neid ist rmisch gekleidet, doch ganz gelb.  Das Kleid hat
eine Bordre von gestickten Schlangen, einen Turban mit
Nattern umwunden.  Der Ha in rmischer roter Kleidung mit
goldener Stickerei, Brustharnisch und Helm von roter Folio,
auf dem Helm eine Spiritusflamme.

Neid (antwortet schnell auf Wurzels Frage).
Ich!  Was hast du getan?  Schurke!  warum hats du das Mdchen
nicht schon lange vermhlt, wie ichs befahl?  Fort aus meinen
Augen, Migestalt, oder ich schleudre dir eine Natter in deinen
hohlen Schdel, da dir der Wahnsinn zu allen Knopflchern
herausspringen soll.

Wurzel (kann sich vor Zorn kaum fassen, ganz erschpft).
Gelt, jetzt hast leicht reden mit mir, du gelbzipfeter Ding
du.  Jetzt kommst erst daher, du--du Eiernschmalzbruder du!
(Neid und Ha lachen.  Wurzel verzweifelnd.)  Ja lachts nur, ihr
habt es notwendig!  Einer sieht aus wie 's gelbe Fieber und
der andere wie ein Gimpel, der den Rotlauf hat.  Aber dich will
ich rekommandieren, du Gallpfellieferant.  Die ganze Welt will
ich durchkriechen, berall will ich mein Schicksal erzhlen.
(Weint heftig.)  Drucken la ich mein Unglck und lauf selber
damit herum und schrei: Einen Kreuzer die schne Beschreibung,
die mir erst kriegt haben, von dem armen unglcklichen Mann,
(schluchzend) der aus einen jungen Esel ein alter worden ist.
(Geht heulend ab.)



Zehnter Auftritt

Neid und Ha.


Neid.
Freund, ich bitte dich, verfolge mir diesen Dummkopf, solang
er lebt.

Ha.
Sorg dich nicht, gegen wen der Neid auftritt, der hat auch den
Ha gegen sich.

Neid.
Was soll ich jetzt tun?  Ich kanns nicht erdulden, da diese
Lakrimosa, die mir einen Korb gegeben hat, nun triumphieren
soll.  So nahe am Ziel, und nun dies Komplott.

Ha.
Wenn wirs nur frher erfahren htten!

Neid.
Und wenn ich auch dagegen etwas unternehmen wollte, so kann
ich nicht.  Es ist nur mehr die heutige Nacht und der morgige
Tag brig, und ich mu nach England, dort ist eine groe
Kunstausstellung, wo wenigstens fnfhundert Knstler um den
Preis kmpfen, und da kann doch der Neid nicht wegbleiben.
Ich habe auch schon eilf Zimmer gemietet, damit man sich doch
ein bichen ausbreiten kann.

Ha.
Der Neid ist doch ein erbrmlicher Wicht, da ist der Ha ein
anderer Mann.  Ich will hier bleiben, ich will ihnen einen
Strich durch die Rechnung machen.

Neid.
Bruder, wenn du das imstande wrst

Ha.
Warte, hier kommt mein Sprhund.



Elfter Auftritt

Tophan.  Vorige.


Ha.
Hast du etwas erfahren?

Tophan (geheimnisvoll).
Alles!  Die Geister haben heute mittags auf der Spitze des
Geisterscheckels folgendes beschlossen: Sie werden sich an
dem Bauer durch die Erfllung seines frechen Schwures rchen.
Er hat das Mdchen aus dem Hause gejagt, doch die Nacht hat
sie in Schutz genommen und sie in die Arme der Zufriedenheit
gefhrt.  Den Fischer hat der Magier Ajaxerle ber sich, der
bestellte auf heute abend eine geflgelte Wurst, damit wird
er den Fischer und die beiden Weiber aus ihrer Wohnung abholen,
und alle vier werden nach dem Scheckel fliegen, wo die Geister
ihrer harren und Hymen sie um Mitternacht verbinden wird.  Dies
alles habe ich durch meine Geliebte erfahren, die Kammerjungfer
bei der Fee Antimonia ist.

Neid.
Das ist ein schndlicher Plan, so wahr ich Neid heie und ein
rechtschaffener Mann bin.

Tophan.
Doch der Magier mu dem Fischer noch nichts davon entdeckt
haben.  Der Tag ist bald vorber, und er sitzt noch vor seiner
Htte und verzweifelt.

Ha.
Ha!  Nun ists gewonnen.  Hurtig, lege dich auf die Lauer und
suche den Magier abzuhalten.

Neid.
Halt!  Du hast reichen Lohn verdient, hier hast du zwei Vipern
fr deine Nachricht.

Tophan.
Ich k die abgezehrte Hand dafr.  (Kt ihm die Hand, dann
im Abgehen fr sich.)  Vergiften knnt ich ihn damit!  (Geht ab.)

Ha (fhrt aus einem kurzen Nachdenken empor).
Triumph!  fertig ist der Plan.  Seine Liebe ist zu heftig, er
mu durch List in meine Hnde fallen, sonst vermag ich nichts
ber ihn.  (Schwingt seine Fackel.)  Erscheine, Zauberhain!
(Donnerschlag.  Der Ha deutet in die Kulisse.)  Was siehst du
dort?

Neid.
Einen herrlichen Garten mitten im See, mit einem Lusthause und
einer Kegelbahn.

Ha.
Den la ich oft erscheinen in der Welt, er ist ein Geschenk
des bsen Dmons, dem wir beide dienen.  In dem Lusthause dieses
Gartens wird ein Brillantring, der unermessene Reichtmer
gewhrt, von neun bsen Geistern bewacht.  Ihre Bsten aber
sind als Kegel aufgestellt.  Wer diese neun Kegel trifft, strzt
dadurch die neun Geister und gewinnt den Ring, den ihm keine
Zaubergewalt entreien darf.  Doch trifft er weniger als neun,
strzt er tot zur Erde nieder.  Wenn er aber diesen Ring neun
Tage besitzt, erfllen ihn die Geister mit dem hchsten
Menschenha, und er ruhet nicht, bis er sich und Tausende
zugrunde richtet.  Nur wenn er ihn vor dieser Zeit freiwillig
von sich wirft, ist er gerettet, doch Macht und Reichtum
ziehen als Nebel fort.  Nun hre meinen Plan.  Lakrimosens
Tochter mu bis morgen um Mitternacht mit diesem armen Fischer
vermhlt sein, sonst bleibt ihre Mutter ewig verbannt.  Wir
locken also den Fischer nach der Kegelbahn, fehlt er die Kegel,
ist er verloren, und Lakrimosa mit ihm.  Trifft er sie, ist er
von dem Augenblick, als er meinen Ring am Finger trgt, ein
reicher Mann und kein armer mehr, selbst die Geister haben ihre
Gewalt ber ihn verloren, und dann werd ich schon Mittel
anwenden, da er entweder im Besitz seines Reichtums sich mit
ihr vermhlt, oder die Vermhlung zu verhindern suchen.  In
beiden Fllen ist Lakrimosa gestrzt.

Neid (fllt ihm um den Hals).
Bruder, ich beneide dich um diesen Plan, das ist der einzige
Dank, den ich dir dafr geben kann.

Ha.
So komm, du ohnmchtiges Ungeheuer, ich will dich mit der
Rache vermhlen!  Du bist ein seltner Brutigam, dich fhrt
der Ha ins Brautgemach.  (Beide Arm in Arm ab.)



Zwlfter Auftritt

Verwandlung

Der Zaubergarten.

Auf der Kortine ist ein groes Lusthaus gemalt.  Quer ber die
Bhne eine ideale Kegelbahn, mit Gold sehr verziert.  Neun kleine
ausgeschnitzte Bsten von Geistern, die auf Hermen stehn, sieht
man statt der Kegel.  Den Kopf der Bste ziert ein Helm, auf
welchem wie bei den Geistern eine verhltnismige kleine
Spiritusflamme brennt.  Der mitterste Kegel hat eine kleine
Krone auf dem Helm.  Eine goldne Kugel.  Der Stand fr die
Scheiber ist auch ideal pomps und eine Art Rosenlaube.  An
beiden Seiten des Theaters stehen weie Denksteine mit schwarzer
Schrift: "Anton Prey traf nur drei"--"Gottlieb Pracht, alle
acht"--"Philipp Thier schob nur vier"--"Michael Koch, ein Loch".


Nigowitz.

Nigowitz.
Kein schlechters Brot kanns schon nimmer geben als ein Genius,
der als Buchhalter bei einer Kegelstatt angstellt ist.  Das
Passen, und 's kommt niemand.  Da werden die Leut Narren sein
und werden bei der Lotterie das Leben einsetzen, ist oft um
zehn Gulden schad.  Keiner hats troffen, so viel noch gschoben
haben.  Um den letzten war mir gar leid, das war ein Tischlergsell,
der hat mir noch vorher seine letzten zwei Gulden gschenkt,
hat sich angstellt, scheibt ein Loch, pums!  gar wars.  Da steht
er aufgschrieben: Michael Koch, ein Loch.--Sapperment, dort
kommt einer, und unser Paperl, der die Leut herlockt, voraus.
Wer mu denn das sein?  (Zieht sich zurck.)



Dreizehnter Auftritt

Voriger.  Karl.  Der Papagei.


Papagei (fliegt vor Karl und schreit).
Bist schon da!  Bist schon da!  (Fliegt ab.)

Karl.
So warte doch, kleiner Spitzbube!  Ist schon fort!  Sonderbares
Tier, kmmt zu meiner Htte geflogen, verspricht mir Lottchens
Hand, lockt mich hieher und fliegt mir jetzt vor der Nase davon.
Wo bin ich denn?  Ist vielleicht hier ein Schatz vergraben?

Nigowitz (tritt vor).
Nun, wenn der Herr was gspannt.  Wer auf der Pudel alle neun
scheibt, wird ein wilder Millioneur.

Karl.
Ein Millioneur?  Himmel, da kann ich mein Lottchen heiraten!
Her mit der Kugel!

Nigowitz.
Nur langsam, nicht so gschwind!  Gib mir der Herr zuerst mein
Neunegulden.

Karl.
Wenn ich gekegelt habe, Freund!

Nigowitz.
Nichts!  da ist der Herr schon lang hin.  Da krieg ich nichts mehr.

Karl.
Was?

Nigowitz.
Freilich.  Da mu man ja nicht so gh sein.  Da les der Herr
zuerst.  (Bringt ein groes Buch.)

Karl (liest).
Wem der groe Wurf gelungen,
Hier zu treffen alle neun,
Hat den Zauberring errungen,
Tritt zum Saal des Reichtums ein.
Doch der Freche, dems milungen,
Da das Glck er neunfach zwingt,
Wird von einem Reif umschlungen,
Den der Tod ums Leben schlingt.

Nigowitz.
Das heit: der Herr ist hin.  Also will der Herr oder nicht?

Karl.
Was liegt mir an dem Leben, wenn ich mein Lottchen nicht habe.
Ich habe ja auf jedem Kirchtag die neun getroffen.  Her mit der
Kugel!

Nigowitz.
Schreib sich der Herr ein.

Karl (schreibt schnell sich in das Buch ein).
So!  und nun Brillant, du sollst ihr Brautring sein.

(Er stellt sich zum Scheiben und Nigowitz zu den Kegeln.  Die
Kortine geht auf, man sieht einen Wolkensaal.  Neun rote Geister
stehen auf einer Stiege mit vier breiten Stufen, sie sind mit
Pfeilen bewaffnet, und das Haupt deckt ein Helm mit einer
Spiritusflamme.  Auf einem Postamente steht das Wort: Zauberring
geschrieben, dieses bewachen sie und drohen auf Karl herab.  Auf
jeder Seite stehen vier, der Kegelknig auf dem Postamente.)

Chor.
La ab!  La ab!
Die Kugel rollt ins Grab!
La ab!

Karl.
Lottchen heit die Schnur, mein mu sie sein!

(Er scheibt hinaus, die Kegel fallen alle um.)

Nigowitz (schreit aus vollem Halse).
Alle neune!

(Heftiger Donnerschlag.  Pudel und Kegel verschwinden.  Zwei
Blitze fahren auf die Geister, welche von den Stufen strzen,
weh rufen und in dieser Gruppe verbleiben.  Die Denksteine
verwandeln sich in goldne Vasen mit Blumen.  Hinter dem Postament
steigt ein ungeheurer blauer Adler auf mit goldgesumtem Gefieder,
welcher den Ring im Schnabel hlt und jetzt auf dem Postament
sitzt.)

Karl (steigt die Stufen hinan, nimmt ihm den Ring aus dem
Schnabel und ruft).
Mein ist der Ring!

(Der Adler breitet die Flgel aus, welche halb so breit als
das ganze Theater sind, schwingt sich ber Karl auf und reit
einen idealen Thron in seinen Krallen mit, dessen Breite sich
nach der Breite der Stiege richtet und Karln, der auf dem
Postament, welches sich jetzt in den Thronstuhl verwandelt,
sitzt und dessen Kleid sich in ein glnzendes changierte,
berschattet.  Die Geister huldigen ihm durch ein Tableau.
Genien machen die Gruppe voll, und so fllt der Vorhang langsam
zu.)




Dritter Aufzug



Erster Auftritt

Das uere eines herrlichen Palastes aus hellrotem Marmor
und mit goldverzierten Sulen.  Auf der linken Seite eine
Treppe, die zum Portal fhrt, an jeder Seite ein Sphinx.
Der Hof, welchen die Bhne vorstellt, ist mit Blumen geziert
und scheint von einem Gitter eingeschlossen zu sein, wozu
ein prchtiges Gittertor an der Kulisse den Eingang bildet.
Die Geister des Hasses sind teils in roten Livreen gegenwrtig,
teils sieht man sie als Furien gerade den Bau des Palastes
beenden.
Die Musik drckt vor dem Aufziehen der Kortine das Hmmern und
Schlagen der Arbeiter aus.  Beim Aufziehen hrt man nur den Schlu
des Chors, welcher vor dem Aufziehen schon hrbar war.


Chor.
Jubelt hoch, des Hasses Geister!
Freue dich, erhabner Meister!
(Nach dem Aufziehen der Kortine.)
Fertig ist der Bau!

(Der Ha, modern schwarz gekleidet, Federhut, rote Haare und
Backenbart.  Er tritt rasch ein.  Tophan.)

Ha.
Bravo!  das hei ich Temperament des Hasses!  In einer Nacht
haben meine Geister dieses Werk vollendet, und ehe noch um
den Preis der hhern Rte der Abendstrahl mit den blutigen
Streifen dieses Marmors ringt, kann er einziehen in dies
glnzende Haus, der Dieb, der aus dem Reiche des Neptuns die
flobewachsenen Bewohner stiehlt.  Was ist sonst vorgefallen?
Habt ihr den Magier nicht gesehen?

Tophan.
Nein, keinen der verhaten Brut.

Ha.
Merkt es euch, ich stelle seinen Haushofmeister vor.  Was glaubst
du wohl, Tophan, wird uns der Streich gelingen?

Tophan.
Die Hlle gibts!  Wie benimmt er sich?

Ha.
Sonderbar.  Als er gestern abends des Ringes Eigentmer wurde,
befahl er den Furien, schnell diesen Palast zu erbauen, um
seine Braut heute im Triumphe einzufhren.  Wir andern Geister
aber muten am frhesten Morgen mit ihm nach der Stadt, wo er
mittags in einer glnzenden Karosse, mit sechs Rappen bespannt,
nach dem Hause des stolzen Bauers fuhr und um das Mdchen werben
wollte.  Doch als man ihm berichtete, das Bauernvolk wre samt
dem Hause verschwunden, sah er lange starr auf einen Fleck,
doch wie vom Blitz begeistert fuhr er pltzlich freudig auf
und befahl uns, schnell zurckzureisen.  Auf halbem Wege
schickt er mich voraus, um hier doch alles zur Vermhlung
zu bereiten, und kraft dieses Ringes mu ich seine Befehle
erfllen.  Er scheint verwirrt zu sein, gleichviel, da er
den Ring indessen nicht vom Finger zieht, verhten die neun
Geister als sein Gefolge, und hier will ichs verhten, bis
die Nacht erscheint und der Streich gelungen ist.  Jetzt an
die Arbeit.  Gehorcht ihm, Antipoden der Liebe, denn auch der
Ha gehorcht zum Schein, um desto sicherer zu verderben.

(Alle gehen ab.)



Zweiter Auftritt

Amor.  Die Zufriedenheit.  Lottchen.

Letztere beide sind in modester Kleidung als Bauernmdchen
gekleidet.  Amor als Bauernjunge.  Alle drei schleichen herein.


Amor.
Wir sind am Ziele.  Nun seid vorsichtig und verlat euch auf
Amor und die Geister.

Zufriedenheit.
Ich sehe den Magier auch hier nicht.

Amor.
Er mu hier sein.  Ich will ihn suchen, vielleicht hat ihn
sein Mut hinter eine Hecke getrieben.  (Geht ab.)

Lottchen.
Himmel, wie soll das enden?  Gestern abends versprachst du
mir, da mein Karl an des schwbischen Kaufmanns Hand mich
zur Vermhlung holen wrde.  Den ganzen Abend und die lange
Nacht warten wir vergebens, erst heute Mittag kmmt der kleine
Knabe geflogen, bringt dir einen Brief, und ohne ein Wort zu
sagen, verkleidest du dich und ziehst an der Hand des Knaben
mit mir bis hieher.  Ich kenne die Gegend, doch stand hier
seine Fischerhtte, und kein Palast.  Was ist aus ihm geworden?
Wo ist er?

Zufriedenheit.
Behutsam!  Sei nur ruhig.  Ich will dir den Brief lesen, den
die Geister mir durch Amor gesendet haben.  (Liest.)
"Hochzuverehrendes Wesen!  Beneidenswerte Zufriedenheit!
In grter Eile berichten wir Ihnen: der Magier Ajaxerle
hat durch Unvorsichtigkeit unsern Plan vernichtet, indem er
die Zeit versumte, Sie und den Fischer abzuholen.  Wir mssen
nun zu einem neuen schreiten.  Der Fischer befindet sich in
der Gewalt des Hasses, der seine Htte in einen Palast
umzauberte.  Reisen Sie daher schnell in Verkleidung an Amors
Hand nach seiner neuen Wohnung.  Vor dem Hause wird der Magier
Sie erwarten und Ihnen alles aufklren.  Den Fischer werden
wir sogleich nach Hause expedieren.  Wir Geister drfen uns
dem Ha nicht nhern, sonst entzweit er uns, und wir kommen
nicht zum Zweck, darum halten wir uns verborgen und verlassen
uns ganz auf Ihre Klugheit, denn nur die Zufriedenheit kanns
mit dem Ha aufnehmen.  Bis Mitternacht mu die Sache beendet
sein.  Mit ausgezeichneter Achtung und namenloser Verwirrung
Dero ergebenster Geisterverein auf dem Scheckel."  Jawohl
Verwirrung!  So viele Geister, und ein so geistloser Plan.
Welche Unsicherheit?  Der Magier ist ja wieder nicht hier.
Arme Lakrimosa, warum besitze ich keine Zauberkrfte?  Was
fr armseligen Geistern hast du dein Glck vertraut!  Doch
stille, hier kmmt ein Diener.  Wenn ich nur Karl sprechen
knnt, dann wrde ich mich schon in die Sache finden.
(Tophan geht ber die Bhne.)  Pst, Freund, ist der Herr des
Hauses nicht zu sprechen?

Tophan (trotzig).
Nein!  Er kmmt erst heute abend an.

Zufriedenheit.
Wo ist er denn?

Tophan.
Er holt seine knftige Frau, es ist schon alles zur Vermhlung
bereitet.

Lottchen.
Himmel!

Zufriedenheit.
So fhr uns zu dem Hausinspektor.

Lottchen.
Ach ja, wenn du deinen Herrn liebst, so--

Tophan (wild).
Schweigt!  Ich liebe niemand, ich kann mich selbst nicht leiden,
und mein Handwerk ist der Ha.

Zufriedenheit.
So melde uns aus Ha.

Tophan.
Das will ich tun, aus Migunst meld ich an, aus Liebe nicht.
(rgerlich.)  Wenn es nur keine Frauenzimmer auf der Welt gbe.
(Ab.)

Lottchen.
Er hat mich vergessen und heiratet vielleicht jetzt eine
Knigstochter.

Zufriedenheit.
Nur ruhig, da man uns nicht erkennt.

(Der Ha aus dem Palast.  Tophan.  Diener.)

Ha.
Wo sind die Mdchen?

Tophan.
Hier!  Sie scheinen mir verdchtig.

Ha.
Was wollt ihr?

Lottchen.
Ach!  (Zur Zufriedenheit ngstlich.)  Was wollen wir denn?

Zufriedenheit.
Euer Gnaden verzeihen, wir sind zwei arme Verwandte des Herrn
vom Hause, die zu ihm gereist sind, ohne von seinem Reichtum
noch unterrichtet zu sein.  Unser Bruder ist im nchsten Dorfe
zurckgeblieben und wird gleich nachkommen.

Ha.
Das ist Betrug!  Ergreift sie schnell!

Lottchen.
O Himmel!  Wer beschtzet uns jetzt?

Amor (springt aus dem Blumengebsche und tupft schnell den Ha
mit seinem Pfeile ans Herz, schalkhaft).
Still, still!  Ich hab ihn schon verletzt!  (Luft ab.)

Ha (zu den Dienern).
Haltet!  Ich war zu rasch!  Hm!  Ein hbsches Mdchen.  (Kneipt sie
in die Wange.)  Ich vergesse beinahe, da ich der Ha bin!  Nun,
womit kann ich euch dienen?

Zufriedenheit.
Wenn Sie uns nur ein kleines Pltzchen gnnen wollten, um dort
die Ankunft des Herrn abzuwarten.

Lottchen.
Wir bitten recht schn!

Ha.
Nein!  zum Fortjagen sind sie zu hbsch und zum Betrug zu
unschuldsvoll.  (Zu den Dienern.)  Zeigt ihnen das Domestikengebude,
dort knnen sie ihn erwarten.  Wo kommt ihr her?

Zufriedenheit.
Aus dem Salzburgischen.

Ha.
Wirklich?  glckliches Salzburg, ein zweites Sachsen, wo die
hbschen Mdchen wachsen.  (Fr sich.)  Das ist ein Kapitalmdchen!
Wenn ich nur der Ha nicht wr--das ist doch fatal!  die knnte
mich glcklich machen.  Denn wenn sie mich alle Tage mit ihren
schnen Augen nur hundertmal anblickt, so habe ich die Woche
hindurch siebenhundert schne Augenblicke.  (Nachdenkend.)  Das
ist doch fatal, da ich der Ha bin, jetzt wr ich viel lieber
ein Salzburger.  Adieu!  schne Salzburgerin.  (Geht ab und wirft
ihr im Abgehen Ksse zu.)

Zufriedenheit (macht ihm einen Knicks nach).
Adieu, schner Salzburger!  Vielleicht gelingt es uns, dir die
Suppe zu versalzen.  (Zu Lottchen.)  Komm!  (Geht mit ihr in das
Nebengebude ab.--Die Bhne ist leer.)



Dritter Auftritt

Ajaxerle im Zauberhabit sieht zum Gitter herein, tritt furchtsam
ein und sieht sich vorsichtig berall um, schleicht sich dann
auf den Zehen bis zur Stiege des Palastes.  Pltzlich hrt man:
Halt!  wer da?  rufen.  Er sieht in die Kulisse, erschrickt,
schreit: Gut Freund!  und springt mehre Stufen zusammennehmend
ber die Stiege in den Palast.  Nachdem er darin ist, springt
gleich eine Furie, mit einer Keule, die ihn bemerkt hat, in
grter Eile ihm nach und auf die nmliche Weise wie Ajaxerle
ber die Stiege und ins Tor.
Man hrt in der Kulisse Wurzels Stimme: Ein Aschen!  Ein Aschen!
Wurzel tritt ein als Aschenmann mit einer Butte auf dem Rcken
und einer Aschenkrcke in der Hand.


Wurzel.
Ein Aschen!  Au weh!  (Sttzt sich auf die Krcke.)  Was bin ich
fr ein miserabler Mensch!  Ein Aschen!  Was war ich, und was bin
ich jetzt?  Ein Aschen!  Hrt denn kein Mensch?  Die Kchin hat
gwi ein Amanten bei ihr, weil s' nicht hrt.  (Schreit aus
vollem Halse.)  Ein Aschen!



Vierter Auftritt

Die Zufriedenheit.  Wurzel.


Zufriedenheit.
Wer lrmt denn so entsetzlich?

Wurzel.
Der Aschenmann ist da, Euer Gnaden Frulein Kchin.  Sie werden
noch nicht die Ehre haben, mich zu kennen?  Ich bin ein neuer,
der alte ist gstorben, ich habs erst heute bernommen.  Ich bitt
um Verzeihung, ich hab noch keine Visitkarten herumgeschickt.
Ich heie Fortunatus Wurzel.

Zufriedenheit.
Er ist mein einst so frhlicher Bauer?  Ich htte Ihn nicht
erkannt.

Wurzel.
Ich wei, wenn man einmal so ausschaut, kennen einen die
Weibsbilder nicht mehr.

Zufriedenheit (fr sich).
Nu, den haben die Geister schn zugerichtet.  (Laut.)  Du armer
Narr!

Wurzel.
Jawohl, arm bin ich, und ein Narr bin ich auch gewesen!  Ja
meine liebe Kchin, ich hab schn abgekocht, mit mir ists
vorbei.

Zufriedenheit.
Wie alt bist du denn?

Wurzel.
Ich htte sollen die Vierziger kriegen, aber die Zeit hat
sich vergriffen und hat mir einen Hunderter hinaufgemessen,
und den halt der Zehnte nicht aus.  Die Zeit ist ein wahrer
Korporal, der mit die Jahr zuschlgt.  Im Anfang hat s' ein
Rtchen von lauter Maiblmeln, da gibt s' einem alle Jahr so
einen leichten Tupfer, das gfreut einem, da springt man wie
ein Fllerl.  Hernach kommt s' mit einen Besen von lauter Rosen,
da sind schon Dorn dabei, nach und nach schlagen sich die
Rosen weg, ist der Haslinger da.  Endlich kommt s' mit einem
Wiesbaum daher, lat ihn nur umfallen, aus ists.  Aber es
gschieht mir recht, warum bin ich kein Bauer geblieben?  Den
Fischer da drinn wirds akkurat so gehen.

Zufriedenheit.
Kennst du den Fischer?

Wurzel.
Freilich.  Er htt ja mein Schwiegersohn werden sollen.  Wenn
ich ihm s' nur geben htte!  Viel tausendmal hats mich schon
gereut.

Zufriedenheit (fr sich).
Er dauert mich.  (Laut.)  Ist dir diese uerung ernst?

Wurzel.
O meine liebe Jungfer Kchin, wenn Sie mein verwurlte Geschicht
wuten, so tten S' nicht so dumm fragen.

Zufriedenheit.
Ich wei deine Geschichte, ich habe sie in dem Buche des
Schicksals gelesen.

Wurzel.
So?  Sind Sie auch eine solchene, die statt dem Kochen liest?

Zufriedenheit.
Bereuest du, was du getan hast?

Wurzel.
Von ganzem Herzen.

Zufriedenheit.
Beneidest du den Fischer um sein Glck?

Wurzel.
Um kein Schlo nicht!  Den wirds reuen, das ganze Dorf redt
davon.  Ich kenn s' schon, die Geister die einem solche Huser
schenken.  Heut nach haben s' ihms aufgebaut von Diamanten und
rote Rben, glaub ich.  Wie s' ihm erwischt haben, wei ich
nicht.

Zufriedenheit.
Wrdest du ihm jetzt deine Ziehtochter geben?

Wurzel.
Um kein Preis.  Erstens weil ich s' nicht habe, zweitens weil
s' mit den Reichtum eine unglckliche Person wrde.

Zufriedenheit.
Wenn er aber wieder wrde, wie er war?

Wurzel.
Nachher soll er s' haben, aber suchen mu er s' zuerst, denn
die ist vielleicht gar in der chinesischen Schweiz.

Zufriedenheit.
Er wird sie finden, und ist er ihrer Liebe wrdig, so seid ihr
alle gerettet, und auch du wirst wieder glcklich werden.

Wurzel.
Wr das mglich!  Ausgstanden htt ich mir schon genug.  Aber
was knnen Sie wissen?  Reden wir von was Gscheiden.  Haben S'
keinen Aschen?

Zufriedenheit.
Ich wollte, ich knnte schon die Asche dieses Schlosses in
deinen Kbel leeren.

Wurzel.
O meine liebe Mamsell Kchin, das war ein schne Gegend.  Ein
jedes Stammerl kenn ich davon, der einzige Baum da drau ist
stehngeblieben.  Sehen S' den Baum?  da dran ist die Fischerhtten
gstanden, da ist just ein Rosenberg darber zaubert, der Gipfel
ist grad so hoch, als das Dach von der Htten war.

Zufriedenheit.
Gut, auf die Spitze dieses Hgels setze dich und erwarte
meinen Wink.  Siehst du die Sonne untersinken, und ich habe
dich noch nicht gerufen, so sehe es als ein Zeichen an, da
dein und andrer Glck mit ihr hinuntersinkt, doch wirst du
sie in unserer Mitte schauen, so geht dir eine neue auf, dafr
brge ich dir mit meinem Wort.

Wurzel.
O du mein Himmel, was reden Sie fr eine schne Sprach, als
wie ein verkleideten Professor.  Gelten S', Sie sein keine Kchin?

Zufriedenheit (lchelnd).
Nein, das bin ich nicht.

Wurzel.
Was sein S' denn?

Zufriedenheit.
Das wirst du erfahren.  Jetzt befolge, was ich dir befahl.

Wurzel.
Ja, ich wills gern tun.  Aber wenn ich etwa ein paar Monat
oben sitzen mu, bis Sie mich rufen, so bringt mich der Hunger
um.  Haben S' denn gar nichts fr meinen aschgrauen Magen?

Zufriedenheit (Lchelnd).
Nun so warte.  (Sie geht in die Tr ab.)

Wurzel.
Das ist eine gute Person.  Wenn ein Herr so eine Kchin htte,
wr s' manchen lieber als der gschickteste Koch.

Zufriedenheit (kommt zurck und bringt ihm eine Linzertorte und
eine Flasche Wein).
So, mein Alter, labe dich.  (Sie hlt ihm die Torte hin.)

Wurzel.
Werfen S' die Torten nur in die Butten hinein.

Zufriedenheit.
Sie ist ja voll Asche.

Wurzel.
Das macht nichts, das ist gut fr die Brust, den Wein schtten
wir vorn hinein.  So, ich danke.

Zufriedenheit.
Nun leb wohl.  Trste dich und hoffe.  (Sie geht in den Palast,
nicht in das Nebengebude, ab.)

Wurzel.
Ich hab die Ehre zu sehen.  Wenn s' nur nicht auf mich vergit,
da ich etwa aufs Jahr um die Zeit noch oben sitze.  Wegen meiner,
ich bleibe halt oben sitzen, schau hinunter, auf die Leut, und
wenn ich was Dalkets sieh, so schrei ich: Einen Aschen!

Arie
So mancher steigt herum,
Der Hochmut bringt ihn um,
Trgt einen schnen Rock,
Ist dumm als wie ein Stock,
Von Stolz ganz aufgeblht,
O Freundchen, das ist d!
Wie lang stehts denn noch an,
Bist auch ein Aschenmann!
Ein Aschen!  Ein Aschen!
Ein Mdchen kommt daher,
Von Brlerspitzen schwer,
Ich frag gleich, wer sie wr?
Die Kchin vom Traiteur!
Packst mit der Schnheit ein,
Gehst gleich in d' Kuchel 'nein!
Ist denn die Welt verkehrt?
Die Kchin ghrt zum Herd.
Ein Aschen!  Ein Aschen!

Doch vieles in der Welt,
Ich mein nicht etwa 's Geld,
Ist doch der Mhe wert,
Da man es hoch verehrt.
Vor alle braven Leut,
Vor Lieb und Dankbarkeit,
Vor treuer Mdchen Glut,
Da zieh ich meinen Hut.
(Nimmt den Hut ab.)
Kein Aschen!  Kein Aschen!  (Ab.)



Fnfter Auftritt

Verwandlung

Zimmer im Palast mit grellroten Tapeten, ober der Tr in der
Superporte das Sinnbild des Hasses.  In der Ecke ein weier
schner irdener Ofen, oben mit einer Vase.  An der ersten Kulisse
ein Fenster.  Eine Seiten- und eine Mitteltr mit Vorhang.  Auf
der anderen Seite ein groer Alkoven mit einem Vorhang.

Die Zufriedenheit tritt zur Seite ein und geht ans Fenster.


Zufriedenheit.
Umsonst, der Abend kmmt und er noch nicht.  Wr ich nicht die
Zufriedenheit selbst, ich wrde ihr schon nicht mehr angehren.
Wo nur der unglckselge Magier weilt?

Ajaxerle (ffnet ein Trchen im Ofen und sieht mit dem Kopfe
heraus).
Pst!  Verzeihe Sie, sind Sie die Zufriedenheit?

Zufriedenheit.
Ja, mein Herr.

Ajaxerle.
Warte Sie, ich komm gleich.  Friesele, sauf, fele, tu dich
gschwind auf!  (Donnerschlag.  Der Ofen teilt sich in der Mitte
auseinander, so zwar, da das ruige Innere des ganzen Ofens
sichtbar wird.  Der gemauerte Herd in der Mitte bleibt aber
stehen, auf welchem Ajaxerle auf einem eisernen Dreifu sitzt
und das kleine Zauberbchlein und den Stab in der Hand hlt.)
Nun, dem Himmel sei Dank, da wir uns einmal sehe!  Ich sitze
schon ber eine halbe Stunde da im Ofen und tu auf Sie passe.

Zufriedenheit.
Endlich einmal!  Sie sind doch--

Ajaxerle.
Freilich!  ja, ich bin der Magier Ajaxerle und mu Ihnen Nachricht
bringe.

Zufriedenheit.
Sprechen Sie schnell.

Ajaxerle.
Ein schnes Kompliment von die Geister, und der Fischerkarl hat
von dem Spitzbuben, von dem Ha, einen Ring bekommen, der ihn so
reich macht, und Sie sollen alles aufbiete, da er ihn wegwerfe
tut.  Und dann sollen Sie die zwei Leutle gleich herunter vermhle,
sonst ist alles verlore.  Sein Reichtum tut nur so lange dauern,
als er den Ring am Finger hat.  Kurz, wenn Sie die Geister brauchen
sollten, so mchten Sie da die Schnur Perle voneinander reie,
da sind zwlf Geister angefdelt, die werden alles vollbringen.
Die andern stehen auch schon auf der Pa.  (Gibt ihr eine Schnur
Perlen.)

Zufriedenheit.
Aber warum haben Sie uns denn nicht abgeholt?

Ajaxerle.
Weil ich mich verschlafe hab.  Ich hab mich ber den Bauer so
zrnt, da mir vllig bel war, und da bin ich nach dem hohen
Berg, nach dem Geisterscheckel, und hab mit die Geister erst
den Plan abgemacht, bin wieder fortgloffe und hab ein Wrstle
bestellt, und dann hab ich aus Mdigkeit mich auf ein paar
Minute niedergelegt und bin erst heute in der Frh munter
worde, und derweile hat der Ha den Fischer abgfangt, und wie
ich daher komme bin, hab ich den Palast gesehen, und er war
mit dem Ha nach der Stadt gfahren.  Da bin ich gleich zu die
Geister hinaufgsprungen und hab ihnen alles erzhlt, da haben
sie mich brav ausgemacht, haben Ihnen den Amor geschickt, und
mich haben sie mit einem kleinen Scheckle ber den groen
heruntergeplescht, da ich da auf Ihnen warte soll.  Sie haben
zwar anfangs durchaus wem anderen schicken wollen, aber ich
hab mirs nicht nehme lasse, ich mu mein Bsle retten.

Zufriedenheit.
Und wie kommen Sie denn dort hinein?  (Auf den Ofen deutend.)

Ajaxerle.
Wie ich da ber die Stiege herauf bin, ist mir einer mit einem
Prgel nachgelaufen und da bin ich geschwinde in den Ofen
hineingschlupft und bin nimmer heraus.  Ich hab mir gedacht,
Sie mssen schon zuflligerweise heraufkomme.

Zufriedenheit.
Wenn ich nun aber nicht gekommen wre?

Ajaxerle.
Ja, da wr ich drin steckenbliebe, ich werd mich doch wegen
Ihne nicht schlagen lasse.

Zufriedenheit.
Wissen Sie ihn denn nicht zu finden?  Es ist die hchste Zeit.

Ajaxerle.
Er mu gleich komme.  Der Bustorius ist ihm schon nach in die
Stadt, der wird ihn schon herprgle.

Lrmen (von auen).
Er kommt!  Vivat der gndige Herr!

Zufriedenheit.
Er kommt, machen Sie, da Sie fortkommen, und die Geister
sollen in der Nhe sein.

Ajaxerle.
Ja, wie komm ich denn hinaus?  Die Kerls passen ja auf mich!

Zufriedenheit.
So machen Sie sich unsichtbar.

Ajaxerle.
Das kann ich ja nicht.  Ich bin ja nur ein Magier, ich bin ja
kein Geist.  Ich mu mich ja in etwas verwandle.

Zufriedenheit.
Nun so verwandeln Sie sich, aber nur geschwind.

Ajaxerle.
Ja, das geht ja nicht so geschwind, ich lern ja die Zauberei
erst drei Jahr, ich bin ja nicht freigesprochen noch.  Ich mu
erst nachschlagen.  Wissen Sie was?  Ich geh wieder hinein
(deutet auf den Ofen) und verwandle mich drinnen in ein Ofenru.
In einer halben Stunde kommt der Rauchfangkehrer und kehrt mich
hinaus.  So, jetzt lebe Sie wohl.  (Er steigt in den Ofen,
welcher sich wieder schliet.)

Zufriedenheit.
Endlich ist er fort.

(Man hrt von auen Bller lsen und Vivatgeschrei.  Lottchen
strzt zur Mitte herein.)

Lottchen.
Er kommt!  Er kommt!  (Sie ffnen hastig das Fenster.)  Er ists!
Er ist allein!  (Sie streckt die Arme nach ihm aus.)  Ach Karl!

Zufriedenheit (zieht sie schnell vom Fenster zurck).
Du verdirbst alles.  Folge mir!  (Zieht sie schnell in den
Alkoven und lt den Vorhang vor.)



Sechster Auftritt

Vorige.  Karl, in sehr schnen Reisekleidern, der Ha zur Mitte
herein.


Ha.
Es ist alles besorgt!

Karl.
Schweig, sag ich dir!  Wer waren die Mdchen, welche hier am
Fenster standen?  Warum sind sie entflohen?  Sprich!

Ha.
Euer Gnaden verzeihen--sie haben sich fr hchstdero Verwandte
ausgegeben.

Karl.
Du lgst!  Ruf sie, ich will sie sehen.  (Fr sich.)  Mir sagt
mein Herz, sie ists!

Ha (fr sich).
Sollten mich die Weiber doch betrogen haben?  (Laut.)  Ich werde
die Bedienten rufen.

Karl.
Nein, du selbst, und schnell.

Ha.
Ja, ja.  Nur erlauben mir Ihro Gnaden vorher, Sie noch einmal
zu warnen, diesen Ring ja nicht abzulegen, wenn Sie nicht mit
ihm Ihre Geliebte und Ihren Reichtum auf immer verlieren wollen.

Karl.
Besorge es nicht, er macht mich klug.  Doch, um die Mdchen fort,
und komme nicht ohne sie zurck, das rate ich dir.

Ha.
Ich bringe sie.  Nun wartet, ihr verdammten Weiber!  (Geht durch
die Seitentr ab.)

Karl (allein).
Nein, die Erscheinung hat mich nicht getuscht.  Als ich
verzweiflungsvoll den leeren Platz betrachtete, wo gestern
Wurzels Haus noch stand, da fllte sich die Luft mit Dampf,
und aus einer Rauchwolke von echten Knaster trat, meinen Dienern
unsichtbar, ein ungarischer Geist, der mir befahl, ich mchte
schnell nach Hause reisen, wo mein Lottchen mich erwartet, um
heute noch mein Weib zu werden, und er hat wahr gesprochen,
ich habe sie erkannt, es ist mein Lottchen.
(Lottchen, Zufriedenheit treten aus dem Alkoven.)

Zufriedenheit.
Ja, sie ist es.

Karl.
Lottchen!  (Will ihr in die Arme strzen.)

Lottchen.
Karl!  (Ebenso.)

Zufriedenheit (tritt zwischen beide).
Haltet!

Karl.
Was soll das?

Zufriedenheit.
Karl, aus meiner Hand nur kannst du dein Lottchen erhalten, der
Bauer hat sie nur erzogen, ich bin die Bevollmchtigte ihrer
Mutter, doch wenn du deinem Reichtum nicht entsagst, wirst du
sie nicht erhalten.

Karl.
Wie?  Ich sollte wieder ein elender Fischer werden, da ich sie
jetzt glcklich machen kann?

Zufriedenheit.
Nie wird sie durch diesen Reichtum glcklich werden, denn ein
bser Geist hat ihn geprgt.

Karl.
Du lgst!  Mit Gefahr meines Lebens hab ich ihn errungen.  Du
bist ein bser Geist, der mir mein Glck entreien will!  Fort!
ich erkenne dich nicht.

Lottchen.
Karl, sie meint es gut--

Karl.
Glaub es nicht, Sie hat dich nur betrt.  Lottchen, wenn du
mich liebst, so eilst du zur Vermhlung.  Alles ist bereit.
Sieh mich zu deinen Fen, ich habe jahrelang um dich gelitten.
Kannst du mich verlassen?

Lottchen.
Nein, nein, das kann ich nicht!  Verzeih mir, teure Freundin,
aber mein Karl ist mir das Teuerste auf dieser Welt, ich folge
ihm.

Zufriedenheit.
Du gehst in dein Unglck.

Lottchen.
Sei es auch, es geschieht fr ihn.  (Sie will auf Karl zu.)

Zufriedenheit (die noch immer in der Mitte steht).
Nun denn!  Geister, sendet eure Macht.  (Sie zerreit die
Perlenschnur.  Unter einem Trommelwirbel kommt Bustorius aus
der Versenkung.)

Bustorius (mit einer Windbchse).
Sukkurs ist da!  Da hab ich kleine Windbchsen, sein zwlf
Geister drinnen, wie ich losschie, fahrt einer nach dem
andern heraus.  Du Paids, wirst parieren oder nicht?  Was ist
dir lieber, Geld oder Madel?

Karl.
Ich will beide.

Bustorius.
Ich glaub gern!  So Narren gbs mehr.  Nichts da, kannst nur
eins haben.

Zufriedenheit (sanft).
Karl, gib mir den Ring, den du am Finger trgst, und ich brge
dir fr dein Glck.

Karl.
Ha Betrgerin!  Jetzt hast du dich entlarvt.  Ich will den Ring
und sie.  Du fngst mich nicht.

Bustorius.
Das ist bockbeiniger Kerl!

Karl.
Lat sie los, oder ich rufe meine Geister!

Zufriedenheit.
Du opferst ihr den Ring nicht?

Karl.
Nein!

Zufriedenheit (fat pltzlich einen Gedanken, entreit Bustorius
seinen Zauberstab und berhrt damit Lottchens Herz).
So nimm sie hin!

Karl.
Komm, Lottchen!

Lottchen (will freudig auf ihn zu, bleibt pltzlich stehen und
sieht ihn ernst an).
Ich kann dir nicht folgen.  Fort von mir, ich liebe dich nicht--
ich hasse dich!

Karl.
Wie, sprichst du irre?  mich, deinen Karl!  (Er schlgt mit der
rechten Hand, an welcher er den Ring hat, an die Brust.  Lottchen
erblickt den Ring, stot einen Schrei aus und fllt in Ohnmacht.
Die Zufriedenheit fngt sie auf.)  Was ist das?  Hlfe!  Hlfe!
Zauberei!  (Bediente kommen.)  Entreit ihr das Mdchen und
schtzt mich vor der Macht dieser Zauberer!

Bustorius.
Wie einer kommt her, schie ich ihm ein paar Geister vor den
Schdel.

Karl.
Lottchen, was ist dir geschehen?  (Er naht sich ihr.)

Lottchen.
Fort!  ich kann den Ring nicht sehen!  (Sieht den Ring, schreit
und sinkt in Ohnmacht.)

Bustorius.
Nutzt dir nichts, sie liegt schon wieder da.

Karl.
Weh mir!  (Er will auf sie zu.)  Sie ist bezaubert.

Zufriedenheit.
Ich habe sie bezaubert, ja!  Solange sie lebt, wird sie keinen
lieben, der auch nur einen Edelstein besitzt, und beim Anblick
eines jeden Brillants wird sie ohnmchtig zu Boden strzen.  Wirf
den Ring von dir, wenn du sie erhalten willst, oder ich entziehe
sie auf immer deinen Augen!



Siebenter Auftritt

Der Ha.  Vorige.


Ha.
Was geht hier vor?  Zurck von ihm, oder ich vernichte dich!
Kennst du den Ha?  (Schlgt auf seine Brust.)

Zufriedenheit (fest).
Nein!  denn ich bin die Zufriedenheit.

Ha (erschrickt).
Pardon, Mademoiselle!  Je suis dsarm.

(Alle ihm Angehrigen ziehen sich demtig zurck.)

Zufriedenheit.
Karl!  du siehst unsere Macht, zum letztenmal ruf ich dir zu:
Wirf den Ring von dir, oder du siehst sie nie wieder--du
zauderst?  Wohlan, lebe wohl!  (Sie steht mit Lottchen auf der
Seitenversenkung.  Aus dieser erhebt sich eine schmale Wolke
und geht mit ihnen ungefhr vier Schuh hoch in die Hhe, so
da Lottchen ohnmchtig kniet und die Zufriedenheit sie in
den Armen hlt.  Wenn die Wolke zwei Schuh hoch aus der
Versenkung sich erhoben bat, springen zwei Nebenwolken oder
Nebenteile hervor, so da die Wolke eine breitere Form erhlt
und das Ganze ein Tableau bildet.)

Karl (heftig).
Halt ein--Und wenn die Welt am Finger glnzte, ohne sie gilt
mir nichts!  Fort mit ihm!  (Er wirft den Ring weg.  Blitzstrahl.
Die Furien entfliehn.)

Ha.
Verwnschtes Weibervolk!  (Versinkt.)

(Verwandlung in die Gegend der Fischerhtte.  Karls Kleid fllt
ab, er steht als Fischer da.  Wurzel sitzt auf dem Dach der
Fischerhtte, in welche sich der Rosenhgel verwandelt.  Wenn
Lottchen und die Zufriedenheit herab sind, verschwindet die
Wolke.)

Lottchen (erwacht).
Karl, ich danke dir!

Karl.
Lottchen, du bist mein!

Wurzel (der eingeschlafen war und durch den Donner erwachte)
Ein Aschen!

Karl und Lottchen (sehen sich um).
Wer ist das?

Zufriedenheit.
Der bestrafte Fortunatus.

Wurzel.
Ich segne euch!

Zufriedenheit.
Und Hymen soll euch verbinden.  (Winkt.)

Hymen (kommt aus der Versenkung mit einem kleinen Opferaltar,
tritt in ihre Mitte und spricht).
Auf ewig!

Wurzel.
Ein Aschen!

Bustorius.
Feuer!

(Er schiet los.  Donnerschlag.  Alle Geister der Introduktion
kommen auf Seitenwolken und Versenkungen schnell herbei.
Lakrimosa sinkt in einem Wolkenwagen nieder, ber dem ein
Genius schwebt mit der Schrift: Erlsung!)

Lakrimosa.
Dank euch, meine Lieben, ich bin glcklich!

Bustorius.
Ist gern geschehen!  Schaffen Sie ein anders Mal wieder.

Zufriedenheit.
Dies ist deine Mutter.

(Lottchen sinkt zu ihren Fen.)

Lakrimosa (hebt sie auf).
An mein Herz!

Wurzel.
Ein Aschen!

Lakrimosa (Sieht ihn).
Du hast gebt.  Sei, was du stets httest bleiben sollen.
(Winkt.)

Wurzel (verwandelt sich auf dem Dach in einen Bauer, springt herab).
Alloh!  jetzt bin ich wieder in mein Element!  Mein Schnheit
war im Versatzamt, jetzt haben s' mir s' ausglst.

(Ajaxerle, mit ihm der kleine Satyr mit der schwarzen Tafel,
worauf Wurzels Schwur steht.  Ajaxerle nimmt ihm dieselbe aus
der Hand und hlt sie Wurzel vor.)

Ajaxerle.
Der Schneckenhndler ist da, was du geschworen hast, ist geschehen.
Jetzt sind wir wieder gute Freund.  Punktum!  (Lscht den Schwur von
der Tafel.)

Lakrimosa.
Brillanten darf ich dir nicht zum Brautschatz geben.  Aber das
schnste Fischergut mit ewig reichem Fang sei dein.  (Winkt.)

(Verwandlung in eine romantische Fischergegend an einem reizenden
See.  In der Ferne blaues Gebirge.

Genien, als Fischer gekleidet, schiffen auf einem Kahn, werfen
Netze aus und formieren ein Tableau.)

Lakrimosa.
Stets bleibt euch die Liebe eurer Mutter.

Zufriedenheit.
Und die Freundschaft der Zufriedenheit.

Wurzel.
Sein Sie die Zufriedenheit?  Da lassen wir Ihnen heut nicht mehr aus.

Zufriedenheit.
Dies sei mein Brautgeschenk.

(Sie winkt, ein kleiner Wasserfall entsteht, worber sich die Worte
befinden: Quelle der Vergessenheit des blen.  Ein Genius sitzt an
der Quelle und reicht allen Becher.)

Wurzel.
Da trinken wir gleich jetzt auf Ihre Gesundheit den zufriedensten
Rausch.

Schlugesang

Vergessen ist schn, und es ist gar nicht schwer,
Denn was man vergit, von dem wei man nichts mehr.
Und wer uns ein Geld leiht, den fhrt man schn an,
Man lat ihn nur trinken, er wei nichts davon.

Chor.
Und wer uns ein Geld leiht, den fhrt man schn an,
Man lat ihn nur trinken, er wei nichts davon.

Wurzel.
Vergessenheit trinket dem Ha und dem Neid,
Damit uns das Leben blo liebend erfreut.
Doch bringt man den Gnnern der Dankbarkeit Zoll,
Da senkt man den Becher, das Herz ist nur voll.

Chor.
Doch bringt man den Gnnern der Dankbarkeit Zoll,
Da senkt man die Becher, das Herz ist nur voll.
(Alle senken ihre Becher.)

Wurzel.
Hier ist der Zufriedenheit herrlichste Perl,
Ich hab s' bei der Falten, ich glcklicher Kerl.
Doch kommts mir allein nicht zu, glcklich zu sein,
Wir nehmen s' in d' Mitten und schlieen sie ein.

(Er stellt die Zufriedenheit in die Mitte.  Auf beiden Seiten
schliet sich alles an sie an, umschlingt sich und bildet einen
Halbzirkel.)

Chor.
Doch kmmts ihm allein nicht zu, glcklich zu sein,
Wir nehmen s' in d' Mitten und schlieen sie ein.

Wurzel.
Sie drfen auf keinen Fall mehr von dem Ort,
Man lt die Zufriedenheit nicht so leicht fort!
Und eine Gnad bitt ich mir heute noch aus:
Begleiten S' voll Achtung das Publikum z' Haus!

Chor.
Und eine Gnad bitt er sich heute noch aus:
Begleiten S' voll Achtung das Publikum z' Haus!

Repetition

Wurzel.
Wir lebn doch wahrhaftig in herrlichen Zeiten,
Jetzt kommt die Zufriedenheit von allen Seiten.
Hier steht noch die unsre, sie ist uns noch treu,
(an das Publikum)
Und Sie schenkn uns Ihre, jetzt habn wir gar zwei.

Chor.
Hier steht noch die unsre, sie ist uns noch treu,
Und Sie schenkn uns Ihre, jetzt habn wir gar zwei.

Wurzel.
Erlaubn S' nur, da beide jetzt Hand in Hand gehn,
Denn unsre kann ja nur durch Ihre bestehn.
Und dies Kapital ist ein ewiger Kauf,
Denn Sie sind zu gtig, Sie kndens nie auf.

Chor.
Und dies Kapital ist ein ewiger Kauf,
Denn Sie sind zu gtig, Sie kndens nie auf.


Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Das Mdchen aus der Feenwelt
oder
Der Bauer als Millionr, von Ferdinand Raimund.





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